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von Mihra
erstellt: 08.03.2010
letztes Update: 01.07.2010
Geschichte, Mystery / P12
(fertiggestellt)
Ich öffnete die Augen und blinzelte in die Sonne. Dann erinnerte ich mich an den letzten Abend und setzte mich auf.
Ich war alleine am Strand. Jemand hatte eine Decke auf mich gelegt. Neben mir war ein Abdruck im Sand. Er formte grob einen menschlichen Umriss. Jemand hatte dort gelegen. Doch wer war es gewesen?
Ich zermarterte mir das Hirn. Ich wusste alles, was am Abend war. Wie ich dort saß und jemand kam, sich neben mich setzte und ich in seinem Arm einschlief. Ich erinnerte mich an den Geruch, der immer noch in meiner Nase hing. Ich konzentrierte mich ganz auf ihn. Er war angenehm, auch wenn man die Hitze und die Anstrengung des Tages in ihm wahrnehmen konnte. Auf jeden Fall konnte ich sagen, dass derjenige männlich war. Doch wer zum Teufel war es?
Es machte mich wahnsinnig nicht zu wissen an wen ich mich angelehnt hatte. Ich seufzte. Ich wusste, dass ich in den nächsten Tagen unauffällig an jedem riechen würde. Dieser Gedanke war so dämlich, dass ich unweigerlich grinsen musste.
Dann machte ich mich auf den Weg um mir etwas zum Frühstück zu besorgen. Ich stapfte im warmen, weichen Sand am Lager entlang. Währenddessen scannte ich die Leute darin ab um mich so vielleicht in meiner Suche nach dem großen Unbekannten weiterzubringen. Doch als ich Claire erblickte, die im Halbschatten mit ein paar geschnittenen Früchten saß und vor sich hin döste, ging ich zu ihr.
„Guten Morgen, Alex. Wie geht’s?“, strahlte sie, als ich auf sie zulief.
„Ich bin ziemlich müde. Hab viel geträumt die Nacht. Und wie geht’s dir?“
„Mir geht’s gut. Du hast geträumt? Was denn?“
Ich schaute Claire ein paar Sekunden ungläubig an. Sie wollte doch nicht wirklich wissen, was ich geträumt hatte? Trotz der Zweifel setze ich mich zu ihr und begann zu erzählen:
„Ich weiß nicht mehr alles so genau. Ich kann mich daran erinnern, dass ich in einem Dschungel war. Es war dunkel und ich wusste nicht wohin ich musste. Dann plötzlich lichtete sich der Dschungel und ich stand auf einer Wiese. Dort brannte eine Fackel. Plötzlich stand jemand vor mir. Ich weiß nicht mehr, wie er ausgesehen hat, nur seine Augen sind mir in Erinnerung geblieben. Erst konnte ich sie nicht genau sehen, da die Person nach unten gesehen hatte. Doch dann sah sie mich direkt an. Wunderschöne blaue Augen fixierten mich und wandten sich dann nach rechts, wobei die Person mit ihren Armen eine Geste machte, dass ich in diese Richtung gehen sollte. Also tat ich, wie mir geheißen und stand plötzlich vor einem klaren Teich. Ich sah hinein und erblickte mein Spiegelbild. Neben mir tauchten wieder die blauen Augen auf und ich spürte, wie sich eine Hand auf meine Schulter legte. Dann bin ich aufgewacht“, schloss ich.
„Na das hört sich doch interessant an.“ Sie lachte und sagte dann:
„Warte kurz hier.“ Sie stand auf und ging zu ihren Taschen. Nach kurzer Zeit kam sie mit einem Buch in der Hand wieder.
„Traumdeutung“, sagte sie und wedelte mit dem Buch herum. „Wie du siehst hat es Wasser abbekommen und man bekommt nicht mehr alle Seiten auseinander, aber den Großteil deines Traumes bekomme ich schon gedeutet.“ Ihr Gesicht strahlte. Sie schien Spaß an so etwas zu haben. Und den wollte ich ihr nicht verderben. Wir alle hatten in diesen Tagen schon genug Schlimmes erlebt.
„Also“, begann sie, während sie in ihrem Buch herumblätterte „da haben wir schon etwas.
Dschungel: …blah...blah... Da ist es: ‚Lichtet sich der Dschungel, ist eine Lösung in Sicht. ‘ Das hört sich doch schon mal gut an. Weiter. Was war noch? Ach ja, die Fackel.“ Sie blätterte wieder herum.
„hier haben wir’s: ‚Sehen Sie eine brennende Fackel, strotzen Sie nur so voll neuer Ideen.
Bald werden Sie ein Geheimnis aufdecken.‘ Da bin ich aber gespannt.“ Sie grinste mich an.
„Was kam als nächstes?“
„Die Person mit den blauen Augen“, half ich ihr auf die Sprünge.
„Genau… oh. Die Seiten hier sind etwas verklebt. Schade… Aber das Kapitel mit den Augen ist noch intakt. Mal sehen. Ja, hier ist es: ‚blaue Augen: heiße Liebe, niedergeschlagene: innige Liebe, die sich noch verbirgt. ‘ Das wird ja immer besser“, kicherte sie.
„Dann war da noch der Teich, oder?“ Ich nickte und sie fing an zu suchen.
„ ‚ Ein Teich symbolisiert die geheimsten Wünsche, Hoffnungen, Gefühle und Leidenschaften, die Sie sich kaum selbst eingestehen. Wenn das Wasser klar ist, sollten Sie zu ihnen stehen. ‘ Interessant. So und als letztes dein Spiegelbild im Wasser: ‚ Das eigene Spiegelbild auf dem Wasser sehen verlangt die Versöhnung mit dem Schatten. Sie müssen lernen zu akzeptieren, dass es Anteile in Ihnen gibt, die Sie nicht besonders mögen, die Ihnen jedoch, wenn Sie sie unter Kontrolle halten, viel Energie geben können.‘ Jetzt haben wir alles, was wir deuten konnten. Zusammenfassend wirst du also ein Problem lösen, ein Geheimnis erfahren, du hast jemanden, der in dich verknallt ist, sich aber noch nicht zeigen will, du musst dir deine geheimsten Bedürfnisse eingestehen und dich selbst akzeptieren. Das ist ja einiges für eine Nacht. Kein Wunder, warum du müde bist.“ Wieder grinste sie mich an. Dabei funkelten mich ihre strahlend blauen Augen schelmisch an.
„Glaubst du an sowas?“, fragte ich trocken.
Sie wurde ernst. „Wenn du mich fragst, glaube ich, dass wie manchmal eine Art Vorahnung haben. Ob sie jedoch mit so einem Buch zu deuten ist, das ist eine ganz andere Frage.“ Sie warf das Buch in den Sand vor sich.
„Aber du hast jetzt einen kleinen Denkanstoß bekommen“, fügte sie neckisch hinzu. Ein kleiner Windstoß kam auf und eine Strähne ihrer goldblonden Haare fiel ihr ins Gesicht. Sie strich sie mit dem Finger weg und wurde auf etwas aufmerksam.
„Hey, wie geht’s dir?“ Charlie kam vom Strand auf uns zu.
„Mir geht’s gut“, antwortete Claire. Ich sagte nichts und sah auf das Meer hinaus. Die Wellen rollten langsam auf den Strand und zogen sich wieder zurück. Ich hätte stundenlang auf die offene See starren können. Alle Gedanken abschalten. Alles um mich herum vergessen.
Ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf Charlie und Claire. Er versuchte ständig sie zum Lachen zu bringen. Sie aufzumuntern.
Er schien sie echt zu mögen und es war süß, wie Charlie sich bemühte. Es machte Spaß die beiden zu beobachten. Doch Claire schien nicht zu bemerken, wie sehr Charlie sie mochte.
Nach kurzer Zeit verabschiedete sich Charlie auch schon wieder. Er wollte gemeinsam mit Jack, Kate und Locke zu den Höhlen, die der Doc gefunden hatte, gehen und Wasser holen.
Ich blieb bei Claire am Strand. Zusammen genossen wir die Sonne, die den ganzen Strand erwärmte.
Wir streckten alle Glieder von uns und sogen die Energie aus den Sonnenstrahlen auf.
Doch plötzlich war ein Tumult weiter unten am Strand zu hören. Walt rief um Hilfe. Doch niemand schien zu reagieren. Ich stand auf.
„Claire, bleib hier. Ich muss da hin.“
Ich lief los und sah den Grund der Hilferufe. Jin hatte sich auf Michael gestürzt und prügelte auf ihn ein. Ich beschleunigte meinen Schritt, rannte so schnell ich konnte und warf mich mit voller Wucht auf Jin. Ich war nicht groß und auch nicht schwer, aber durch die Kraft aus meiner Geschwindigkeit riss ich Jin von Michael herunter und wir landeten in der Brandung. Jin versuchte wieder aufzustehen und ich konnte ihn nicht halten, aber da kam schon Sayid um mir zu helfen, während Sawyer Michael aufhalf.
Auch ich richtete mich wieder auf. Ich war jetzt klitschnass und voller Sand.
Während Sayid und Sawyer Jin mit Handschellen an ein großes Teil des Wracks ketteten, watete ich ein Stück ins Meer. Nass war ich so oder so schon, aber der Sand in meiner Kleidung störte mich. In der kleinsten Falte meiner Kleidung konnte ich ihn spüren. Ein widerliches Gefühl. Ich tauchte unter und bewegte mich etwas hin und her um den Sand heraus zu schwemmen. Doch so ganz wollte es nicht klappen, also griff ich zu härten Mitteln und zog mich bis auf den Bikini, den ich immer unter meinen Kleidern hatte, aus.
Ich wusch meine Sachen etwas aus und ging wieder zum Strand. Als ich an Michael vorbeikam, murmelte er mir ein „Danke“ zu und ich nickte zur Antwort.
Dann ging ich zu meinen Sachen und suchte mir neue Kleidung heraus, die ich über den noch feuchten Bikini zog. Ich würde schon trocknen.
Meine nassen Sachen hing ich auf eine Leine an meinem Schlafplatz. Dort konnten sie in der Sonne trocknen.
Ich gesellte mich wieder zu Claire. Wir lagen zusammen in der Sonne und unterhielten uns.
„Was du eben gemacht hast, war ziemlich mutig. Ich hätte mich das nicht getraut.“
Ich schüttelte den Kopf.
„Das war doch nichts Besonderes. Ich musste einfach eingreifen, also hör auf darüber zu reden. Lass uns lieber über deinen heimlichen Verehrer reden.“
Claire sah mich verwirrt an.
„Meinen heimlichen Verehrer? Wovon redest du da, Alex?“
„Von Charlie. Merkst du es nicht? Er kommt ständig zu dir und fragt, wie es dir geht. Er versucht dir ein Lächeln abzuringen, dich zu beeindrucken und, und, und…“
„Hör auf sowas zu erzählen. Das hast du dir doch nur ausgedacht.“ Claire schloss säuerlich die Augen, drehte sich etwas von mir weg und ich ließ sie in Ruhe. So schloss auch ich die Augen und döste eine Weile vor mich hin.
***Flashback***
„Alex! Alex, wach auf“
Jemand rüttelte an mir. Ich lag auf dem harten Boden. Was war geschehen? Wie war ich dort hingekommen. Ich öffnete die Augen und sah, wer an mir gerüttelt hatte.
„Mom? Was ist los?“
„Du warst wie in Trance. Du bist hier herumgelaufen, hast Sachen vor dich hingemurmelt und dann bist du einfach umgekippt.“
„Ich habe was gemacht? Ich hab vor mich hin geredet? Was hab ich gesagt?“
„Viel unverständliches Zeug. Irgendwas von einem Flugzeug. Und dann hast du ganz oft die Zahl 815 gesagt. Immer und immer wieder.“
-ein paar Jahre später-
„Pass auf dich auf Alex!“
„Ja, Mom.“
„Ach das hätte ich beinahe vergessen. Das hier soll ich dir geben.“
Sie gab mir einen Briefumschlag. Sie hatte eine Notiz vorne drauf geschrieben: ‚Geschrieben von Alex am 15.08.1996‘
„Was-“
„Den hast du damals geschrieben. Du hast ihn mir gegeben und gesagt, dass ich ihn dir überreichen soll, wenn die Zeit reif ist. Und das ist die jetzt. Du sagtest auch noch, dass ich dir mitteilen soll, dass du wissen wirst, was du mit dem Brief tun sollst.“
Ich sah sie verwirrt an.
„Irgendwann wirst du es wissen.“
***Flashback Ende***
Ich schreckte auf. Ein paar Sekunden lang wusste ich nicht mehr, wo ich war. Dann erkannte ich den Strand und die Menschen, die sich darauf tummelten.
Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn. Er war kalt und plötzlich lief mir ein Schauer über den Rücken. Ich griff in meine Hosentasche und zog den Umschlag hervor. Er sah etwas mitgenommen aus. Kein Wunder dachte ich. Die Fünf Jahre, die er bei meiner Mutter war, hatten ihm zwar nicht geschadet, aber seither hatte er einiges durchmachen müssen. An den Ecken war er etwas geknickt und ein paar Flecken hatte er auch abbekommen.
Dabei hatte ich ihn doch erst Drei Jahre in meinem Besitz.
Ich hielt ihn gegen die Sonne. Natürlich konnte ich nichts erkennen. Das war mir schon klar gewesen. Wie oft ich schon versucht hatte etwas zu erkennen. Unzählige Male
Doch was hatte mich aufgehalten ihn zu öffnen? Immer, wenn ich fest entschlossen war es zu tun, wurde ich von solch großen Zweifeln geplagt, dass ich mein Vorhaben in der letzten Sekunde abbrach. Jedes Mal hatte ich das Gefühl, dass etwas Schlimmes passieren würde, wenn ich den Umschlag öffnen würde.
Ich steckte ihn wieder ein. Und blickte umher. Jack, Charlie, Kate und Locke waren wieder zurück und verteilten Wasser. Dankbar wurde es von den Leuten angenommen.
Dann kam Jack auf uns zu.
„Hey ihr! Einige von uns haben beschlossen in die Höhlen umzuziehen, weil wir glauben, dass es dort sicherer ist. Ihr könnt euch anschließen.“
„Ich bleibe hier“, sagte Claire sofort mit sturer Mine.
„Und was ist mit dir, Alex?“
Ich wusste es nicht. Einerseits wollte ich Claire nicht alleine lassen, aber andererseits fand ich die Idee mit den Höhlen nicht schlecht.
„Ich überleg es mir noch“, antwortete ich, um mir noch etwas Zeit zum Nachdenken zu verschaffen.
„Okay, tu das. Wir brechen bald auf. Bevor es dunkel wird.“
Ich nickte und er verschwand.
„Du kannst ruhig gehen. Ich komme schon klar.“
„Ich sagte doch, dass ich drüber nachdenken muss.“
Ich stand auf und ging in Richtung des Dschungels. Ich brauchte etwas Ruhe und Bewegung um zu entscheiden, was ich tun würde.
Ich erreichte den Dschungel. Wie eine Grüne Wand ragte er hinauf. Hier in der Nähe des Strandes war er zwar noch nicht so dicht, wie er weiter im inneren der Insel wurde, aber er wirkte trotzdem fast undurchdringbar. Ich schob ein paar große Blätter beiseite und trat einen Schritt hinein. Tote Äste knackten unter meinen Füßen und bei jeder Bewegung raschelte es unter ihnen. Ständig streiften die großen Blätter meine Arme, Beine und mein Gesicht. Trotz des Schattens war es heiß. Die Luft und die Feuchtigkeit stauten sich hier, da kaum eine Brise den Waldboden erreichte. Die Baumwipfel bewegten sich zwar dann und wann, aber das Dickicht ließ nichts von dem Luftzug übrig. Der Schweiß rann mir über das Gesicht und Insekten surrten um mein Ohr.
So lief ich eine Weile. In meinem Kopf drehten sich die Gedanken.
Sollte ich am Strand bleiben oder in die Höhlen?
Was sollte ich mit Boone machen? Ihm sagen, was ich empfinde oder ihn –und mich- ignorieren und weiter aus dem Weg gehen?
Und was genau hatte es nun mit dem Brief auf sich und warum dachte ich gerade jetzt und hier daran?
Weiter und weiter trugen mich meine Füße. In meinen Grübeleien versunken achtete ich nicht darauf, wo ich eigentlich hinlief.
Und plötzlich hörte ich etwas knacken. Erst leise. Ich horchte angestrengt. Da war es noch einmal. Etwas lauter und näher. Dann vernahm ich ein unheimliches mechanisches Surren und Rattern. Ich erstarrte. Noch ein Knacken. Diesmal noch etwas näher. Alle meine Muskeln waren angespannt, bereit alles zu tun um zu überleben.
Ein paar Meter vor mir krachte es. Auf einmal fiel ein Baum um und etwas bewegte sich in dem Dickicht dahinter.
Etwas großes, Schwarzes kam auf mich zu. Es baute sich vor mir auf. Dann ging alles schnell. Ich wurde von den Füßen gerissen. Der Boden entfernte sich immer weiter, dann wurde ich herumgeschleudert und verlor das Bewusstsein.
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