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von Mihra
erstellt: 08.03.2010
letztes Update: 01.07.2010
Geschichte, Mystery / P12
(fertiggestellt)
Ich schnaubte. Wofür hielt der Kerl sich eigentlich. Arroganter Schnösel.
Wie er schon dasaß. Lässig an einen Koffer gelehnt, der bestimmt nicht einmal sein eigener war. Die blonden, strähnigen Haare fielen ihm ins Gesicht. Ein überlegenes Grinsen stand ihm im selbigen.
Was für einen nervigen selbstgefälligen Typen er hier doch heraushängen ließ.
Ich ging, kochend vor Wut, zum Strand und setzte mich. Mein Blick ging hinaus auf das weite unbändige Meer. Ich genoss das Rauschen, welches mich völlig einnahm und ließ mich von dem salzigen Geruch tragen. Meine Wut begann allmählich zu verebben. Und ich atmete tief ein und aus.
Plötzlich fiel ein Schatten über mich. Ich befürchtete das Schlimmste.
„Was wolltest du von Sawyer?“ Jemand setzte sich neben mich. Ich schaute nach links uns blickte direkt in ein Paar hellblaue Augen. Boone.
„Nichts“, erwiderte ich und drehte mich etwas von ihm weg.
„Danach sah es aber nicht aus. Na ja – egal. Wenn du es mir nicht sagen willst.“ Er lehnte sich zurück und streckte sich im Sand aus. Er hatte wohl vor länger zu bleiben.
„Ja, mach‘s dir ruhig bequem“, stichelte ich genervt. Er sollte bloß nicht mitbekommen, dass ich ihn mochte. Er lächelte sein süßestes Lächeln. Mein Herz begann zu rasen. Warum war er mir nur so sympathisch?
„Schon dabei, Kleine.“
„Nenn mich nicht Kleine. Ich mag nicht grade groß sein, aber das hört sich an, als wäre ich ein Kind. Also lass das.“
Ich wandte meinen Blick von ihm ab. Ich wollte seine klaren blauen Augen, seine vom Wind leicht zerzausten braunen Haare, das hübsche markante Gesicht und all das nicht sehen. Ich wollte mich nicht noch mehr verlieben.
„Kein Grund direkt sauer zu werden. Wie soll ich dich sonst nennen. Hase oder Süße?“ An seiner Stimme merkte ich, dass er ein breites Grinsen aufgesetzt hatte.
„Wie wär’s mit meinem Namen, du Idiot!“ Ich stand auf und ging Richtung Meer. In den Augenwinkeln sah ich ihn dort liegen, den Blick auf mich gerichtet. Wie gut er doch aussah.
Ich schüttelte den Kopf. Worüber dachte ich da eigentlich nach. Boone war einfach nichts für mich. Er war einfach viel zu toll für so ein eigenartiges Wesen, wie mich.
Ich stand nun in der Brandung und seufzte. Die Wellen umspielten meine Knöchel und verschafften mir etwas Abkühlung. Ich wartete tiefer ins Meer. Bis knapp über das Knie stand ich jetzt im kühlen Nass. Dann breitete ich meine Arme aus und ließ mich nach vorne fallen. Im Fall drehte ich mich, sodass ich rücklings im Wasser landete. Ein herrliches Gefühl.
Das Wasser umschmeichelte meinen Kopf und wusch alle Gedanken fort. Ich wäre am liebsten ewig im Meer geblieben, da ich wusste, dass meine Gedanken wieder kommen würden, sobald ich das Wasser verlasse.
Ich ruderte ein bisschen am Ufer entlang. Mein Körper bewegte sich mit den Wellen auf und ab. Hin und her. Ich schmeckte das salzige Wasser auf meinen Lippen, roch die erfrischende Meeresluft, die meinen Kopf frei von allem machte. Ich tauchte ab und alles wurde still. Das Wasser hielt jegliches Geräusch der Außenwelt ab. Jetzt war nur noch ich übrig. Ich allein und sonst nichts.
Dann tauchte ich wieder auf und die Realität holte mich wieder ein. Ich hatte genug Zeit im Wasser verbracht und machte mich allmählich wieder zurück zum Strand. Ich setzte mich in die Brandung und richtete den Blick gen Horizont.
Wie weit mein Zuhause entfernt war. Viele tausende Kilometer trennten mich davon. Aber es war mir egal. Niemals war ich glücklicher gewesen. Ich war so weit weg von meiner Einsamkeit, von meiner Traurigkeit. Alles hatte ich zurückgelassen. Ich wollte nicht fort. Ich wollte nicht, dass man uns findet. Nie wieder in meine einsame Wohnung mitten in der Stadt.
Was sollte ich dort? Ich hatte keine Freunde, keine Familie dort. Niemanden mit dem ich reden konnte. Hier war das ganz anders.
Da war zum Beispiel Claire. Mit ihr hatte ich mich die wenigen Tage hier schon gut angefreundet. Es war immer wieder schön mit ihr zu reden. Auch Charlie und Hurley waren immer für einen netten Plausch zu haben. Im Grunde wechselte ich mit jedem hier und da ein paar Worte. Nur von Boone hielt ich mich fern. Ich hatte Angst davor wie er reagieren würde, wenn er wüsste, dass ich ihn gern hatte.
Ich musste mich auch immer davon abhalten ihn anzustarren. Seine Augen faszinierten mich. Sie waren so klar und unwiderstehlich, dass ich am liebsten in ihnen versunken wäre.
Es war eine Sache mit Leuten zu reden, die man auf eine freundschaftliche Art mochte, aber es war eine völlig andere Sache, wenn man sich auf diese Art zu jemanden hingezogen fühlte.
Mit einem erneuten langen Seufzer stand ich auf. Ich drehte mich zum Strand und ging los. Boone war von seinem Platz verschwunden. Zwei Abdrücke waren dort zusehen, wo wir gesessen hatten.
Ich sah mich um, konnte ihn aber nirgendwo entdecken.
Tropfend ging ich den Strand ab bis ich Claire fand. Sie saß unter ein paar Trümmern im Schatten und sortierte die unnützen Sachen aus den Gegenständen, die wir im Inneren des Flugzeugrumpfes gefunden hatten, aus.
„Hey Claire, kann ich dir vielleicht helfen?“
Sie schaute auf und lächelte mich an.
„Klar kannst du. Mir ist jede Hilfe recht.“
Ich nickte und begann mit dem Sortieren.
„Wie geht’s dir, Alex?“, sie hörte sich besorgt an. Sah ich denn wirklich so schlecht aus, wie ich mich fühlte?
„Mir geht’s gut“, log ich.
„Du kannst mir nichts vormachen. Ich sehe doch, dass dich etwas bedrückt.“
„Ich komme wohl nicht drum herum?“
„Nein, keine Chance!“ Sie grinste schelmisch.
„Na gut. Claire, du musst mir helfen. Es geht um…“ ich sah mich kurz um, ob mich auch keiner hören konnte, aber alle waren in genügend Entfernung zu uns und schwer beschäftigt, trotzdem senkte ich meine Stimme als ich weitersprach „Boone. Ich mag ihn und weiß nicht wie ich mich verhalten soll.“
„Na, ich denke du solltest zu ihm hingehen und mit ihm reden. Ich hab dich noch nie mit ihm sprechen sehen.“
„Ich habe einfach Angst, dass er merken könnte, dass ich etwas für ihn empfinde.“
„Aber das soll er doch-“
„Nein, bist du verrückt!? Wenn er mich nicht mag… Was soll ich dann machen. Es wäre zu peinlich. Und er würde sich bestimmt lustig machen.“
„Du bist eine härtere Nuss, als ich gedacht habe“, seufzte Claire.
„Wie wäre es, wenn du ihn aushorchen würdest?“
„Nein, das musst du schon selbst machen.“
„Dann frag ich einfach Charlie ob er es machen würde.“
„Alex, damit wäre dir nicht geholfen. Beobachte Boone doch einfach. Schau dir an, wie er auf dich reagiert, dann wirst du schon merken, ob er dich mag, oder nicht. Ich kann ja auch ein Auge auf ihn haben um dir etwas dabei zu helfen. Aber mehr mache ich nicht. Und ich werde Charlie und allen anderen sagen, dass sie dir nicht helfen sollen, wenn du immer noch vor hast sie vorzuschicken.“
Ich sah betreten zu Boden.
„Okay, aber was, wenn ich es nicht schaffe seine Reaktionen zu deuten?“
„Dann finden wir einen neuen Weg. Versuch’s erst mal.“
Ich nickte. Viel besser ging es mir nicht, aber zumindest wusste ich, dass Claire für mich da war.
Die nächste halbe Stunde sortierten wir schweigend, dann fing es allmählich an zu dämmern.
„Lass uns für heute Schluss machen und zu den anderen gehen.“
Claire stand auf und ich tat es ihr nach. Zusammen gingen wir den Strand entlang zu einer Gruppe, die an einem Lagerfeuer saß. Claire setzte sich in die Gruppe. Ich hielt mich etwas abseits. Ich brauchte grade etwas Ruhe um nachzudenken.
Langsam wurde es kühler. Der Strand verlor schnell die Wärme, die er tagsüber aufgenommen hatte. Ab und zu kam ein milder Wind vom Meer an den Strand, aber meistens überkam uns die kühlere Luft von der Insel.
Ich fröstelte und zog die Beine enger an meinen Körper.
„Warum gehst du nicht ans Lagerfeuer, wenn dir kalt ist?“
Ich sah erschrocken auf. Sawyer stand direkt hinter mir.
„Hau doch ab und lass mich in Ruhe. Ich will einfach nicht ans Feuer.“
„Hey, hey. Nicht so unhöflich. Sonst bekommst du von mir nie das, was du so dringend haben willst.“
„Du weißt, dass du kein Recht hast es mir vor zu enthalten!?“
„Und was willst du dagegen machen?“
„…“
„Siehst du. Überleg dir lieber, was du mir dafür geben kannst.“ Er grinste breit.
„Verpiss dich doch einfach, Sawyer.“
Er lachte überlegen, als er sich von mir wegdrehte und in der Dunkelheit verschwand.
Mein Kopf sackte auf meine Knie. Ich konnte nicht mehr und stumm rannen Tränen über meine Wangen. Ich hatte nicht mehr die Kraft sie zurück zu halten.
Ich fing an zu zittern.
Plötzlich legte jemand ein Stück Stoff über mich und setzte sich neben mich.
Ein Arm legte sich um meine Schultern und zog mich an sich. Ein angenehmer Geruch stieg mir in die Nase. Ich fühlte mich sofort wohl, auch wenn ich in diesem Moment nicht einmal wusste, wer mich da im Arm hielt, wurde ich wieder ruhiger und der Tränenstrom versiegte.
Ich konzentrierte mich auf das langsame ein- und ausatmen der Person neben mir und plötzlich merkte ich, wie extrem müde ich war und noch bevor die restlichen Tränen auf meiner Wange getrocknet waren, war ich ins Reich der Träume hinübergeglitten.
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