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von Mara Bell    erstellt: 07.03.2010    letztes Update: 07.04.2010    Geschichte, Humor / P12    (fertiggestellt)
„Mann, Ich geb auf.“, sagte Ich völlig verzweifelt und setzte mich auf den Stuhl neben mir, von dem ich vergessen hatte, dass wir ihn zerstört hatten.
„Au.“, fluchte Ich leise vor mich hin und versuchte aufzustehen, vergaß dabei aber das Wasser auf dem Boden und rutschte deshalb aus und fiel.
„Mum, wird nicht sehr begeistert davon sein.“, bemerkte Paulina meine Schwester.
Ich nickte zustimmend und ließ mich von ihr auf die Beine stellen.

Um hier mal etwas Ordnung zu schaffen:
Mein Name ist Paula.
Meine Eltern fanden sich ganz witzig als sie uns Paula, Paulina und Paul nannten.
Paul ist übrigens mein kleiner hyperaktiver Bruder.
Meine Mum ist auf einer Geschäftsreise und hat uns dazu verdonnert auf Paul aufzupassen.
Das ist auch der Grund warum in unserem Haus nichts mehr ganz ist.

„Mist,  Mum kommt schon Morgenmittag. Bis dahin haben wir dieses Chaos niemals behoben. Ich hasse es! Warum können wir denn nicht einen Babysitter arrangieren? Das würde uns einiges ersparen.“, meckerte Ich und ließ den Blick im Raum umher schweifen.
„12. Dezember!“, meinte Paulina und warf mir einen vielsagenden Blick zu.
Ja, richtig, der zwölfte Dezember. Das war vor genau drei Jahren. Da war mein Bruder gerademal vier:
Meine Mum wollte nicht dass wir mit 10 und 11 Jahren auf meinen Bruder aufpassen und sie und unser Vater, also ihr Mann, wollten einmal alleine romantisch Essen gehen und hatten also selbst keinen Zeit dafür. Deshalb bestellten sie zwei “professionelle“ Babysitter. Die übrigens nach einer halben Stunde wieder abzischten. Warum? Darum!:
Mein Bruder war schon immer irgendwie seltsam und anscheinend zu seltsam für die beiden Frauen.
Er rannte durch das ganze Haus und wollte Courbaril. Keiner wusste was das ist. (Später fand man heraus das es Hülsenfrüchte sind die verbreitet auf den Antillen wachsen.)
Er schrie, hämmerte gegen die Badezimmertür, trat mit dem Schuh (er trug nur einen) gegen das Schienenbein der einen Frau, motzte die andere an er solle ihr gefälligst Courbaril besorgen und sagte am Ende nur noch bulgarische Ausdrücke zu ihnen. Wir wissen bis heute nicht woher er sie kennt. Meine Vermutung liegt bei seiner Kindergärtnerin. Ich fand sie schon immer irgendwie un-deutsch. Die beiden Frauen versteckten sich anfangs noch in unseren Kleiderschränken, weil Paul vor der Haustür patrouillierte. Irgendwann beschlossenen sie durchs Fenster ab zuhauen. Nur dumm das sie im zweiten Stock waren. Die eine brach sich den Fuß die andere das Genick. Nein Scherz. Die andere brach sich beide Arme und kam mit einer schweren Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Wir standen in der Zeitung und seitdem weigert sich jeder unser Haus zu betreten, wenn Paul sich darin befindet.
Das war der 12. Dezember.

„Was machen wir jetzt. Wir können das Wohnzimmer nicht aufräumen weil Paul abgesperrt hat und den Schlüssel in den Abfluss geworfen hat und die Überschwemmung hier…was soll Ich sagen? Zu viel Wasser.“
„Blöd!“, sagte Paulina und seufzte.
Paulina ist chronisch Wortkarg. Absolut nichts bringt sie dazu unnötiges zu erwähnen.
„Ich hab ne‘ Idee!“
Ich griff zu meinem Handy, denn das Telefon ist ertrunken.
Ich watete durch das Wasser ins Treppenhaus und stellte mich ins trockene. Man weiß ja nie wie man Stromschläge kriegen kann. Also, nur zur Sicherheit.

„Ja?“, meldete sich eine Stimme am Ende der Leitung.
„Hey, ich brauch mal dringend deine Hilfe!“, begann Ich.
„Aha. Worum geht’s?“, fragte mein Gegenüber etwas kalt.
„Bist du noch sauer, weil Paul dich mit Kartoffelbrei beworfen hat?“
„Nein. Warum? War doch nur Spezialkartoffelbrei. Mit Cola, Ketchup und Gewürzgurken. Es war ja such nur mein Lieblings T-Shirt von Puma.“, schrie er aufgebracht ins Telefon.
“Er“ ist mein bester Freund Jens. Er wohnt nur drei Straßen weiter.
„Ich sagte doch, wir ersetzen dir das T-Shirt.“, versuchte Ich ihn zu beruhigen.
„Es geht doch gar nicht um das T-Shirt. Es geht ums Prinzip. Wann bringt ihr ihm endlich mal Manieren bei?“, fragte Jens aufgebracht.
„Das heißt du hilfst mir nicht.“, wiederholte Ich verzweifelt.
„Warum? Steht euer Haus unter Wasser. Ist eure Möblierung zerstört?“
„Öhm…Na ja.“
Jens lachte:„Überschwemmung und zerstörte Einrichtung! Der Notfallaufräumdienst ist unterwegs“
„Danke.“, schniefte Ich ins Telefon „ Du hast was gut bei mir.“
Ich legte auf und ging zurück zu Paulina, die gerade mit Kochtöpfen das Wasser auf schöpfte und aus dem Fenster kippte.
„Hilf mal.“, sagte sie auffordernd und reichte mir eine Pfanne.
„Wieso kriegst du einen großen Kochtopf und ich muss mich mit ner‘ Pfanne begnügen?“, maulte ich, obwohl Ich die Antwort kannte.
„Nein, sag nichts.“, forderte Ich „ Er hat die anderen für seine Experimente konfisziert, oder?“
Sie nickte.
„Übrigens. Ich hab Jens angerufen. Er kommt her und hilft uns.“, erwähnte Ich nebenbei.
Paulina hielt inne:

Warum? Klar kapiert jeder. Sie ist in Jens verknallt. Bis über beide Ohren. Dummerweise steht er überhaupt nicht auf sie. Ich hab mal versucht sie zu verkuppeln. Hat aber nicht funktioniert. Er hat zwei Wochen nicht mehr mit mir gesprochen. Bis ich ihm eine Tafelschokolade und einen „Es tut mir Leid“ Teddy geschenkt habe.
Aber das ist Jens.

„Jens kommt her?“, fragte Paulina ruhig. Aber Ich wusste dass sie innerlich brannte.
Ich nickte lässig und tat so als hätte Ich ihre Liebe vergessen.
Mit einem Mal schöpfte Ich alleine Wasser.
Sie rannte, so gut es bei dem Wasserstand ging zum Bad und schminkte sich neu, steckte ihre Haare hoch und zog ihr schönstes Top an.
Probleme muss man haben. Ich würde wegen einem Jungen niemals so austicken. Glaub Ich. Ich bin Single und zufrieden unverliebt. Ich sollte also keine voreiligen Schlüsse ziehen.
Während Ich weiter das Wasser versuchte zu entfernen, kam Paulina zurück. Wenigstens hatte sie die Hose behalten die zu wechseln wäre dumm gewesen, denn nass wäre die Neue auch geworden und die Alte war es schon. Deshalb wäre das unnötig.
Es klingelte.
 
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