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Geschichte: Fanfiktion
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von oOSeifenblaseOo
erstellt: 01.03.2010
letztes Update: 29.06.2010
Geschichte, Drama / P16 Slash
(fertiggestellt)
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Am nächsten Tag wache ich erst spät auf. Wind prescht gegen die Fenster und pfeift durch die Türen, dass man schon fast Angst bekommt. Umso mehr ist dafür jetzt aber auch an den Gleisen los. Die Leute tummeln sich hier rum, sind froh etwas Schutz gefunden zu haben und mehr oder minder trocken nach Hause zu kommen, denn den Geräuschen nach, regnet, schneit oder graupelt es draußen. Seufzend setze ich mich auf und muss mich erst mal etwas strecken, damit meine Knochen und meine Muskeln sich etwas lockern. Jeden Tag dasselbe ... aber so kann ich wenigstens nichts verpassen. Okay ... wenn ich schlafe, würde ich es nicht mitbekommen, aber sie oder? Ja doch, es wäre nicht zu spät, wie wenn ich draußen bin, wenn dieser komische Kerl mich rausschmeißt. Heute Abend wird er wiederkommen, das weiß ich und bedauere es genauso, wie jeden Tag. Er lässt mich nicht in Ruhe und verabscheut mich genauso, wie die anderen Normalos, die hier Tag ein Tag aus in die Züge steigen und auch wieder aussteigen.
Nachdem ich mich aufgerappelt und meine steifen Knochen gelockert habe, packe ich meinen Krempel zusammen und verziehe ich mich auf das Bahnhofsklo. Auch hier immer darauf bedacht, so wenig wie möglich aufzufallen. Zuerst schließe ich mich in einer Kabine ein, erledige was zu erledigen ist und danach stelle ich mich vor den Spiegel und wasche mir notdürftig Gesicht und Hände. Leider reicht es mal wieder nur für eine Katzenwäsche, da viel zu viel Betrieb auf der Toilette herrscht und wenn ich hier anfangen würde mich richtig zu waschen, würde ich auffallen. Muss ich also mal wieder warten, bis sich mir irgendwann mal wieder die Möglichkeit bietet, mich auch am Körper am Waschbecken zu waschen ... auch wenn das äußert schwierig ist und mir nur sehr selten gelingt. Aber ich achte so gut es geht auf meine Hygiene, denn die ist mir, trotz aller Umstände, sehr wichtig und ich tue was ich kann, um nicht zu ungepflegt auszusehen, denn das erhöht beim Schnorren doch die Chancen habe ich festgestellt.
Nachdem ich mit meiner Morgentoilette fertig bin, gehe ich mit meinen Sachen wieder nach draußen in den Bahnhofeinfahrtsbereich und grüble darüber nach, wie ich an eine neue Jacke kommen könnte. Denn bei dem Wetter könnte ich gut und gerne was Wärmeres gebrauchen.
Es ist zwar noch kein Winter aber für Herbst auch schon recht kalt. Außerdem wird einem automatisch kälter, wenn man länger draußen ist. Und ich bin das nun mal den ganzen Tag. Zumindest im Bahnhof. Hier ist es zwar schon wesentlich angenehmer als ganz draußen, aber so warm wie in einer Wohnung ist es eben auch nicht. Und die Fenster sind auch zum Teil etwas undicht, sodass man von Regen, Schnee, Hagel und Dergleichen, auch nicht immer komplett verschont ist. Und der Wind zieht hier sowieso immer ein bisschen durch, da der Bahnhof ja rechts und links offen ist, wegen den Zügen. Die Bahnhofstüren sind auch nicht immer zu, was noch zusätzlichen Wind verpasst ...
Aber egal, ich werde hier bleiben, egal ob kalt oder nicht. Nur wird es mir eben langsam auch etwas zu kalt, weswegen eine neue Jacke, wirklich schön wäre. Aber das ist ein Luxus den ich mir nicht einfach so leisten kann. Dazu müsste ich klauen oder Ewigkeiten hungern, bis ich mir eine vernünftige, Jacke die warm genug ist, leisten kann.
Beides mache ich nur ungern, aber hier irgendwann zu erfrieren wäre wohl noch fataler. Nur ist jetzt die Frage was ich mache. Entweder ich bettle mir das Geld zusammen und muss die nächsten Tage hungern, oder ich klaue von einem Gast die Handtasche, oder die Brieftasche, oder ... ich gehe nach draußen in einen Klamottenladen, suche mir eine geeignete Jacke und klaue die.
Letztere Option wäre die einfachste und schnellste, da ich kaum Erfahrungen habe, Personen zu beklauen und da das Risiko größer ist, erwischt zu werden. In einen Laden zu gehen, hat aber wieder den Nachteil das ich dann nicht hier bin, auch wenn ich dann eh mal kurz raus muss um mir die Jacke zu kaufen. Ja und erstens ... würde eine Weile dauern und ich könnte halt ein paar Tage nichts essen, was schwer werden würde, gerade was meine Gesundheit dann auch angeht. Ich weiß nicht was ich wählen soll ...
Während ich meine Sachen zusammenpacke und mich auf den Weg mache, denke ich immer noch darüber nach, wie ich an eine neue Jacke kommen soll und am Ende beschließe ich, in den nächsten Laden zu gehen und mich nach einer geeigneten Jacke umzusehen und diese dann eben einfach‚ mitgehen zu lassen.
Lautes Geschrei und Gekeife reißt mich aus meinen Gedanken und als ich aufsehe, erkenne ich ein junges Pärchen, welches sich lautstark streitet. Ihr Gepäck steht derzeit total unbeachtet von ihnen, an einer Bank. Um was es geht kann ich nicht verstehen aber ich sehe, dass er ihr immer weiter nachläuft und das Gepäck der Beiden einfach so zurückbleibt. Und als ich nochmal genauer hinschaue, sehe ich eine dicke Winterjacke auf einem der Koffer liegen.
Vorsichtig nähere ich mich den Gepäckstücken, beobachte das Paar aber dabei immer weiter aus dem Augenwinkel, aber die Beiden sind so in ihren Streit vertieft, dass ich freie Bahn habe. Auch sonst ist niemand da, der mich aufhalten könnte und so greife ich einfach nach der Jacke und gehe langsam und unauffällig weiter. Mache allerdings einen großen Bogen um das Pärchen und erst als ich außer Sichtweite bin, ziehe ich meine alte Jacke aus und die wunderschöne, neue und warme Jacke an. Und sie passt sogar wie angegossen. Da habe ich echt einen Glücksgriff gemacht und was noch besser ist, ich muss nicht in einen Laden gehen und stehlen.
Ich meine dass diese Jacke hier auch nicht mir gehört, weiß ich ja ... aber ich kann ja nichts dafür wenn die Leute nicht auf ihre Sachen aufpassen. Somit habe ich sie lediglich gefunden. Allerdings werfe ich meine alte Jacke nicht weg, sondern stopfe sie so gut es eben geht in meinen alten Rucksack, denn wenn es noch kälter wird, kann ich die auf jedenfall unter dieser Jacke auch noch tragen.
Nachdem ich schneller zu einer neuen Jacke gekommen bin als gedacht, mache ich mich auf den Weg mir einen geeigneten Platz zu suchen, um mir wieder etwas ‚Essensgeld‘ zu verdienen. Meiner Meinung nach ist der beste Platz dafür, immer in der Nähe des Haupteinganges, denn hier müssen die Leute ja immer vorbei, egal wohin sie auch wollen.
Wie lange ich mittlerweile schon hier sitze weiß ich nicht aber eingenommen habe ich bisher ganze 50 Cent. Viele Leute schütteln nur mit dem Kopf wenn sie mich sehen, andere murmeln dann so was wie ‘zu faul zum Arbeiten‘ und ‚sollte mal lieber seinen Arsch hoch kriegen und arbeiten dann müsste er nicht betteln‘ und noch viele andere solcher Sprüche bekomme ich zu hören. Dabei wissen die Leute doch überhaupt nichts über mich. Sie verurteilen mich dabei kennen sie mich nicht ... und sie wissen nicht, warum ich hier bin. Dass nur der Bahnhof meine letzte Hoffnung ist und dass ich ja gerne arbeiten würde .... aber diesen Ort hier nicht verlassen kann ... nicht darf.
Traurig schaue ich ihnen hinterher, wie sie ihr Geld für alles Mögliche ausgeben. Sie kaufen Zigaretten, Zeitungen, leckere belegte Brötchen, Pommes und was sonst noch alles ... und ich weiß bis jetzt nicht, was ich als nächstes Essen werde, denn mit 50 Cent komme ich nicht weit. Da kriege ich auch beim Lidl eher nichts. Aber gut, ich habe ja sowieso nichts zu tun und somit bleibe ich einfach hier sitzen und bis zum Abend werde ich schon noch ein bisschen mehr Geld zusammen haben, um mir wieder eine Kleinigkeit zu essen kaufen zu können. Die Hoffnung gebe ich nämlich nicht auf, dass es doch einige wenige Leute gibt, die Mitleid haben und mich nicht nur dumm anmachen.
Naja, einen Minuspunkt hab ich im Allgemeinen auch wegen meinem Alter. Ich bin 17. Viele denken dass ich keinen Bock auf meine Eltern habe und deswegen der Meinung bin, dass es besser ist auf der Straße zu sitzen und zu schnorren. Andere denken, dass ich eigentlich gar nicht obdachlos bin, sondern nur Geld für meine Drogen oder was anderes in der Art, brauche. Dass Beides Schwachsinn ist, können Fremde ja nicht wissen und übelnehmen kann man es ihnen am Ende auch nicht. Ich weiß nicht, aber ich denke ich würde ähnlich wie die Leute reagieren.
Wenn man ein Zuhause hat und nie auf der Straße gelebt hat, kennt man es nun mal nicht anders und kann es schlecht nachvollziehen, warum andere auf der Straße sitzen und betteln und nicht arbeiten gehen. Und bei mir könnte es vermutlich eh Keiner nachvollziehen. ,,Warum gehst du nicht arbeiten Junge? Du versaust dir doch deine Zukunft,
bist doch noch so jung! Aber naja ... die Jugend von Heute ... Hier haste nen Euro, kauft dir was schönes zum Essen, bist doch nicht der kräftigste, mein Kleener!“, steht auf einmal eine ältere Frau vor mir, beugt sich zu mir runter um mir einen Euro zu reichen und tätschelt mir dann kurz den Kopf. Beschämt aber dennoch lächelnd, nehme ich dankend das Geld entgegen und stecke es mir eilig in die Jackentasche. ,,Aber ne schicke Jacke haste da ... Naja geht mich ja nichts an. Ich geh dann mal weiter, und überlege dir das noch mal mit dem Arbeiten, ja?'', quasselt sie weiter und verschwindet nach einem schwachen Nicken meinerseits.
Wenn die wüsste ... Aber das tut sie nun mal nicht und ja ... einen Euro und fünfzig Cent hab ich jetzt schon. Das ist schön ... Immerhin etwas. Und es ist ja erst 16 Uhr, da ist noch viel Zeit. Seufzend lehne ich mich etwas zurück und schaue gedankenverloren die Leute an die mir entgegen kommen und alle an mir vorbei gehen, mich kaum eines Blickes würdigen. Naja so ist es halt, die meisten wagen es nicht mal einen anzugucken. Ihnen ist es fast peinlicher an mir vorbei zu gehen, als mir das ich hier sitze. Sie haben alle samt ein schlechtes Gewissen, verhöhnen mich aber letztendlich auch alle in ihren Gedanken.
So jemand wie die Alte Dame gerade, findet man nur selten. Leider, denn man findet eher Jugendliche die hier vorbeikommen und einen anpöbeln, verprügeln oder einem die paar Cents die man hat, klauen, als nette Leute die einem mal ein bisschen Geld geben und Verständnis haben. Ältere Männer die einen Mitnehmen wollen oder einem Geld bezahlen wollen für irgendwelche Perversitäten gibt es auch relativ oft. Und nicht immer geht ein 'Nein' gut ...
Wir hatten hier mal einen Jungen, der damals 16 war, ich war zu der Zeit 15, der wurde ... Der wurde von einem alten Mann angesprochen und gesagt das er ihm 100 Euro zahlen würde, wenn er alles mit ihm machen dürfte, was er will. Der Junge hatte abgelehnt, wie jeder hier am Bahnhof. Ich würde mich auch nie im Leben prostituieren ... Jedenfalls sagte der Junge nein und ... der Mann wurde immer wütender. Er redete auf ihn ein, beschimpfte ihn und vergewaltigte ihn ...
Zugesehen haben wir nicht, nein ... Heute ist es mir peinlich aber damals haben wir alle weggeguckt. Keiner hatte sich getraut etwas zu sagen oder die Polizei zu rufen oder so. Ich weiß nicht mal wieso wir nichts gemacht haben. Feigheit? Angst, dass er mit uns auch sowas macht? Scham? Ich weiß es nicht. Aber der Junge ist nie wieder aufgetaucht. Nachdem es passiert ist, ist er ... ist er auf dem Boden gekrochen und irgendwann haben wir einen Krankenwagen gerufen. Keine Ahnung was mit ihm jetzt ist, aber ich möchte nicht wissen was er für Schäden davon getragen hat. Er war doch noch so jung und ein unglaublich lieber, netter und hilfsbereiter Junge. Jeder hat ihn gemocht und er hat immer von seinen Träumen erzählt. Dass er sich sicher ist irgendwann von der Straße weg zukommen, dass er eine Freundin finden will, die er liebt und mit der er sein erstes Mal haben kann. Das er später gerne Kinder, Frau und ein Haus hätte.
Ich wünsche ihm, dass ihm eine schöne Zukunft bevorsteht, sollte er überhaupt noch leben. Wer weiß was noch alles passiert ist. Jedenfalls hab ich jedes Mal Angst, wenn mich ein Mann auf sowas anspricht und ich nein sage, dass er genauso reagiert wie der Mann damals. Deswegen habe ich seit dem auch immer ein Messer einstecken für den Notfall auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, es nie zu benutzen. Ich will niemanden weh tun und hier einfach nur meine Ruhe haben, bis ich irgendwann endlich weg und ein normales Leben führen kann. Und ich bin mir sicher ... irgendwann wird es so sein. Irgendwann ...
Ein klimpern reißt mich aus den Gedanken und ich kann sehen das ein 10 Cent Stück auf mich zu gerollt kommt. Sofort schnappe ich es mir und stecke es ein, schaue mich um nach der Person die es mir zugeworfen hat, weil ich mich gerne bedanken würde, aber ich kann nicht sagen wer es war. Die ganzen Gedanken haben mich so sehr eingenommen, dass ich gar nicht bemerkt hab, dass es mittlerweile 18 Uhr ist. In 4 Stunden kommt er wieder ... dieser Bahnangestellte der uns alle raus wirft, dieser ... Bill.
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Jaaa, jetzt wissen wir, wer es ist XD
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