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von Leonyasch    erstellt: 01.03.2010    letztes Update: 01.03.2010    Geschichte, Abenteuer / P16    (abgebrochen)
Kapitel 1: Willkommen im Velvet Room!



Es war später Nachmittag in Japan, als ein silberhaariger siebzehnjähriger Junge hinaus aus dem Fenster des Zuges sah, in dem er stand, und der in Richtung der ländlichen kleinen Stadt Inaba unterwegs war.
`Neue Stadt, neue Gesichter, neues Glück...´, dachte der Teenager, Souji Seta, und schloss gähnend seine Augen. Seine nun geschlossenen Augen waren von einem grauen Schimmer, und seine Gesichtszüge waren für Mädchen durchaus anziehend, dessen war er sich mehr als bewusst. Jedoch hatte er es bis jetzt nie nötig gehabt, dem anderen Geschlecht näher zu kommen. Warum sollte er auch? Es war doch sowieso alles nach mindestens einem Jahr wieder vorbei. Warum also irgendeine Beziehung eingehen und am Ende das Geheule des Mädchens ertragen müssen, von dem er sich trennen würde...

"Nun, ich bin mir sicher, dass ihr bereits alle Bescheid wisst, aber am Ende des Monats wird unser guter Souji hier zu einer anderen Schule in einer anderen Stadt wechseln.", klangen die Worte seines nun ehemaligen Klassenlehrers noch in seinem Kopf, während er eine Hand auf die Schulter des Silberhaarigen Teenagers gelegt hatte.
`FASS MICH NICHT AN, SCHWUCHTEL!´, war der erste wütende Gedanke Soujis gewesen, während er weiter mit normaler Miene seine anderen Schüler anstarrte, die nun alle in trauriges und erstauntes Gebrabbel verfallen waren. `Idiot! Warum sollte ich den Losern sagen, dass ich gehe!? Ist mir doch egal, ob die das wissen oder nicht!´


Souji schmunzelte leicht hämisch, während er den Zug verließ und den großen Bahnhof betrat, wo er auf den nächsten Zug warten würde.
"Ich bin diese ganzen Diäten einfach satt! Genug von den ganzen Gängen zur Fitnessstudio! Gut, dass es jetzt endlich das Richtige für mich gibt!", hörte er hinter sich von einem großen Monitor ein braunhaariges, halbnacktes Mädchen quieken, das von allen Seiten mit Wasser bespritzt wurde.
`Geile Titten!´, dachte Souji, während seine Augen auf die großen Rundungen des Mädchens mit den langen Haaren, die in zwei Zöpfen endeten, zoomten. Was der Sprecher danach sagte, ging durch die derzeitige Ablenkung Soujis vollkommen verloren, und er erwachte erst wieder aus seiner Starre, als die Werbung endete und die Nachrichtensendung von zwei alten Männern und einer Frau fortgesetzt wurden. `Urgh! Da stirbt ja die stärkste Erektion ab bei den alten Säcken!´ Angewidert wandte der silberhaarige Teenager sich wieder zum Bahnsteig um, während er mit einem Ohr den Nachrichten lauschte. Vielleicht war ja irgendetwas Cooles passiert, wie zum Beispiel ein Amoklauf an einer Schule!
"Da sind wir wieder!", begann einer der Sprecher munter. "Und nun zur neuesten Klatschmeldung: Der Mayumi Yamano-Skandal!"
`Der Quatsch schon wieder!? Wen interessiert das schon!´, dachte Souji, hörte aber weiter zu. `Die Alte, mit der er seine Frau betrogen hatte, sah noch nicht mal gut aus!´
"Tch! Erst schnappt der Kerl sich ´ne Sängerin, dann hat der auch noch gleichzeitig ´ne Affäre mit ´ner Nachrichtenansagerin... Stehen die Weiber wirklich auf so Politiker wie den?!", konnte Souji einen jungen Mann grummeln hören, der zusammen mit ein paar Freunden in der Nähe stand.
"Geht doch eh nur um Zeugs wie Geld und Beziehung!", sagte eine der Frauen aus der Gruppe. "Jede Frau will sich halt finanziell absichern! Wenn der Kerl mich haben wollen würde, würd ich ganz bestimmt nicht nein sagen!"
"Hey! Was soll das heißen?!", fragte der junge Mann, anscheinend ihr fester Freund, leicht aufgebracht, als im selben Moment der Zug im Bahnhof eintrat, der Souji weiter nach Inaba bringen würde.
`Hah! Loser!´, dachte Souji mit einem letzten herablassenden Blick auf den jungen Mann, der nun schmollend zu seiner Freundin sah, und stieg in die Bahn ein, wo er sich schnell einen Platz erschubste, um nicht erneut stehen zu müssen. Die alte Frau, die ihn leicht pikiert ansah, ignorierte er einfach, während er sich gemütlich gegen die Lehne seines Sitzes mummelte und seine Augen schloss, in einem tiefen Schlaf versinkend...


Ruckartiges Holpern ließ sich Souji aus seinem wohligen Schlaf erwachen. Schlaftrunken sah er sich um und staunte nicht schlecht, als er sich zusammen mit einem alten, kleinen Mann mit erstaunlicher Nase und einer attraktiven weiß-blonden Frau in einer blauen Limousine wiederfand, die ausgestattet war mit allen möglichen alkoholischen Getränken.
"Willkommen im Velvet Room!", begrüßte der langnasige Mann grinsend den Teenager.
`An der Nase eines Mannes erkennt man seinen Hannes. Nicht schlecht, Alter!´, dachte Souji und starrte dann in Bewunderung die üppigen Rundungen der Frau an, die einen seltsamen blauen Anzug trug, der sie geradezu eins werden ließ mit dem Rest der Limousine. Sie saß steif wie ein Brett da und starrte streng und stur in immer dieselbe Richtung.
"Es scheint mir, wir haben hier einen Gast mit einem fesselnden Schicksal.", sprach der alte Mann weiter und riss Souji aus seinen Tagträumen.
"Wer bist du, Alter?! Und wo zur Hölle sind wir hier?!", fragte Souji den alten Mann, bereit, aufzustehen und die Limousine sofort zu verlassen, sollte der Mann auch nur die geringste Anstalt machen, seine Hose runterzulassen.
"Mein Name ist Igor... Überaus erfreut, deine Bekanntschaft zu machen.", stellte sich der Mann namens Igor vor, sein Grinsen so breit wie eh und je.
"Ganz toll, Igor, altes Haus! Und wo genau sind wir jetzt hier?!"
"Dieser Ort existiert zwischen Raum und Realität, dem Verstand und der realen Materie...", begann Igor auf dem Sofa zu erklären, auf dem er mit der gutgebauten Frau saß. "Dies ist ein Raum, den nur diejenigen betreten mögen, die an einen `Vertrag´ gebunden sind. Es könnte sein, dass dich solch ein Schicksal in der nahen Zukunft ereilen wird."
`Okay! Der Opa ist reif für die Klapse!´, dachte Souji entschieden, blieb aber trotzdem auf seinem ledernen Sessel sitzen, von den absurden Worten des Alten irgendwie fasziniert. All die Jahre war es immer nur derselbe langweilige Trott gewesen; da kam so etwas als Abwechslung doch geradezu richtig.
"Nun denn... Warum stellst du dich uns nicht einmal vor, mein Lieber?", bat Igor ihn nun.
"Souji Seta! Alles fit im Schritt?", sagte Souji und grinste der Frau vielsagend zu, was diese jedoch einfach ignorierte.
"Hmm... Interessant.", sagte Igor, von Soujis Verhalten geradezu begeistert scheinend. "Nun denn, werfen wir doch einmal einen Blick in deine Zukunft, in Ordnung?" Igor machte eine kurze Handbewegung, und im nächsten Moment waren mehrere Tarot-Karten vor ihm auf dem Tisch erschienen.
"Krasser Scheiß, Alter!", sagte Souji begeistert und kassierte sich einen tadelnden Blick der Frau.
"Glaubst du an Wahrsagungen?", fragte Igor.
"Nö, nicht die Bohne.", sagte Souji nur und zuckte mit den Achseln. Igor kicherte nur vergnügt, und mit einer weiteren Handbewegung seinserseits begangen sich die Karten von selbst zu mischen. "Whoa!"
"Jede Weißsagung wird mit denselben Karten vollzogen, doch das Ergebnis ist immer ein anderes...", erklärte Igor und kicherte erneut. "Das Leben selbst folgt denselben Gesetzmäßigkeiten, nicht wahr?" Noch eine Handbewegung, und eine der Karten drehte sich von selbst um und gab die Arcana `Tower´ preis. "Hmm... Die Arcana Tower in der aufrechten Position stellt die alsbaldige Zukunft dar. Es scheint so, als stehe eine furchtbare Katastrophe bevor." Trotz dieser Aussage verschwand das Grinsen von seinem Gesicht nicht im Geringsten. "Die Karte, die die Zukunft darüber hinaus angibt, ist..." Durch eine weitere Handbewegung drehte sich eine zweite Karte von selbst um. "Die Arcana Moon, in der aufrechten Position." Er sah von den Karten zu Souji auf. "Diese Karte verkörpert `Zögern´ und `Mysterien´... Sehr interessant, in der Tat. Es scheint, es wird sich ein Unglücksfall ereignen, der dich betrifft, und ein großes Geheimnis wird dir auferlegt werden."
"Oookaaaaaay...", kam es nur von Souji.
"In den kommenden Tagen wirst du so etwas wie einen Vertrag unterzeichnen, wonach du hierhin zurückkehren wirst.", fuhr Igor munter fort. "Das kommende Jahr ist ein Wendepunkt deines Schicksals... Wenn das Mysterium ungelöst bleiben sollte, könnte deine Zukunft für immer verloren gehen, mein Junge. Deshalb ist es meine Pflicht, die Gäste, die diesen Raum betreten, zu assistieren, um sicherzustellen, dass dies nicht geschehen wird." Ein weiterer Schlenker mit der Hand und die Karten waren wieder verschwunden. Die Frau neben Igor gab ein leichtes Räuspern von sich. "Ah! Ich habe ja ganz vergessen, dir meine Assistentin vorzustellen.", sagte Igor, anscheinend erst jetzt die Frau neben sich bemerkend. "Dies ist Margaret. Sie ist eine Bewohnerin dieses Ortes, so wie ich es bin."
"Mein Name ist Margaret. Meine Aufgabe ist es, dich auf deiner Reise zu begleiten.", sagte die Frau namens Margaret mit einer recht rauen Stimme.
`Von der lass ich mich gern begleiten!´, dachte Souji.
"Wir werden die genaueren Details ein andermal besprechen.", sprach Igor nun weiter. "Bis dahin, lebewohl..."
"Und noch bevor Souji ein weiteres Wort sagen konnte, war der Raum um ihn herum bereits in gleißendem Licht versunken...


Als der Silberhaarige wieder zu sich kam, war die städtliche Umgebung, durch der Zug anfangs gefahren war, schon einer vollkommen ländlichen gewichen.
`Was für ein Traum...´, dachte Souji, während er ein letztes Mal die SMS auf seinem Handy überprüfte, die sein Onkel ihm geschickt hatte - `Triff uns um 4 Uhr vor dem Yasoinaba-Bahnhof´.
`Bald ist es wieder soweit...´, dachte er seufzend.
Wie jedes Jahr waren seine Eltern aufgrund ihrer Arbeit an einen neuen Ort gezogen. Wie jedes Jahr würde sich für Souji das Haus, seine `Freunde´, seine Schule, seine Heimat - kurz und einfach ausgedrückt, einfach alles - ändern und er würde erneut für alles und jeden den netten Jungen von nebenan spielen, während er in Wirklichkeit alles un jeden einfach nur verabscheute.
Doch diesmal hatten seine Eltern außerhalb von Japan eine neue Arbeitsstelle bekommen, und so hatten sie ihn einfach zu seinem Onkel abgeschoben, der in einer abgelegenen ländlichen Stadt zusammen mit seiner kleinen Tochter lebte, und bei denen er das nächste Jahr verbringen würde.
`Einfach nur super...´, dachte Souji genervt, sich bereits vor Langeweile sterben sehend.


Als Souji den Bahnhof Yasoinaba verließ, war es später Nachmittag und die Sonne ging bereits unter. Genervt sah er sich nach seinem Onkel um.
"Hey! Hier drüben!", hörte er auf einmal eine raue Männerstimme rufen und sah hinüber zu den Parkplätzen, wo ein recht großgewachsener Mann mit dunklen, silbrigen Haaren und leichtem Stoppelbart zusammen mit seiner kleinen Tochter stand.
`Da ist die nette Verwandschaft...´, dachte Souji, bereits das Bildnis von einem Muskelprotz mit null Hirn von seinem Onkel im Kopf, und stapfte missmutig zu den beiden hin.
"Nun, du bist wirklich noch hübscher in Person als in dem Foto.", sagte der Mann mittleren Alters und schüttelte Soujis Hand.
`Pedo...´
"Willkommen in Inaba, junger Mann. Ich bin Ryotaro Dojima, dein Vormund für dieses Jahr. Mal sehen... Ich bin der jüngere Bruder deiner Mutter und... joa, das sollte dir alles erklären."
`Jap, null Hirn der Kerl...´
"Es ist schön, Sie kennenzulernen.", sagte Souji mit gespielt freundlichen Gesichtsausdruck und nickte seinem Onkel Dojima zu.
"Hey, doch nicht so formell!", lachte Dojima. "Du kannst dich vielleicht nicht mehr daran erinnern, aber ich hab dir damals mal die Windeln gewechselt!"
`... Zu viel Information...´
Dojima sah zu seiner kleinen Tochter, die die ganze Zeit über nur schüchtern zur Seite gestarrt hatte, und schob sie vor sich. Sie trug ein in Soujis Auge ekliges pinkes Kleid und ihr braunes Haar endete in zwei kleine Zöpfe, genau wie die Haare des heißen Models, dem Souji heute Mittag auf dem Monitor hinterher gehechelt hatte.
"Das hier ist meine Tochter.", erklärte Dojima. "Komm schon, Nanako, stell dich deinem Cousin doch mal vor."
Das kleine Mädchen namens Nanako sah kurz schüchtern zu Souji auf, wurde dann ganz rot im Gesicht und schaute schnell wieder zu Boden. "... 'llo.", murmelte sie nur und verzog sich dann schnell wieder schützend hinter ihren Vater.
"Was bist du denn auf einmal so schüchtern?", lachte Dojima vergnügt und stöhnte dann leicht vor Schmerz auf, als ihm seine Tochter einen Klaps auf den Hintern gab. "Au, hahaha."
`Mach das bei mir, und du siehst Sterne!´
"Naja... Lasst uns mal die Hufe schwingen.", sagte Dojima, immer noch seinen nun schmerzenden Hintern reibend. "Mein Auto steht dort hinten." Er deutete auf das alte Auto in der Nähe.
`Tolles... Auto...´, dachte Souji und folgte seinem Onkel und seiner Cousine.
Ob er es wollte oder nicht, sein Jahr in Inaba hatte begonnen...
 
 
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