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von Una
erstellt: 28.02.2010
letztes Update: 28.02.2010
Geschichte, Abenteuer / P12
(abgebrochen)
Diese Geschichte habe ich vor vielen Jahren einmal irgendwo gelesen. Seitdem versuche ich sie wiederzufinden, hatte aber bisher leider kein Glück damit. Ich habe in jeder Buchhandlung und jeder Bibliothek in der ich war und auf jedem Flohmarkt, auf den ich gekommen bin, jedes Weihnachts- oder Engelbuch durchgesehen, aber leider ohne Erfolg.
Diese Erzählung war aber so schön, dass man sie immer wieder einmal lesen möchte. Also habe ich mich jetzt aufgerafft und habe versucht, sie nachzudichten und etwas aufzufrischen.
Und hier ist sie nun, so wie ich mich an sie erinnern kann.
„Was der Mensch braucht.“
Elohim war aufgestiegen. Aus der großen Schar der Gregorian war er ausgewählt worden, fortan ein Seelenbegleiter zu sein. Seine Aufgabe war es, die Seelen der verstorbenen in den Himmel zu holen, vor das Angesicht Gottes.
Er war ein Todesengel.
Diese Aufgabe war nicht leicht, aber sie war wunderschön.
Er holte viele Seelen, aus alten und verbrauchten Körpern, müde von der Mühsal des Lebens. Aber welch einen Jubel hörte er jedes Mal, wenn sie die himmlischen Gefilde dann sahen, und Gott begegneten und Jesus.
Und wenn sie seine Brüder sahen und hörten, die Engelschöre.
Jetzt war es Adventszeit und unten auf der Erde war es eisig kalt.
Heute Nacht sollte er wieder eine Seele abholen, aus dem irdischen Jammertal. Elohim landete vor einer ärmlichen Hütte. Trotz der großen Kälte kräuselte sich kein Rauch aus dem Schornstein und es war dunkel in den Fenstern.
Langsam ging der Todesengel auf die jämmerliche Behausung zu und trat schließlich ein.
Auf einem zerwühlten Bett, lag eine nur mit Lumpen bekleidete junge Frau. Sie war bleich und so mager, dass es Elohim einen Stich gab. Aber er würde sie aus ihrem Elend erlösen, gleich. Er hörte wie schwer sie atmete und sah, wie ihr der Schweiß am ganzen Körper ausbrach. Sie litt Schmerzen und Hunger.
Jetzt sah sie ihn. Und riss die Augen auf vor Schreck.
Elohim trat zu ihr und legte ihr die Hand auf den Scheitel, wie er es immer tat.
Aber sie hieß ihn nicht willkommen, sie stieß ihn weg, wütend.
Das war ihm noch nie passiert! Aber er tat diese Arbeit auch noch nicht sehr lange.
„Hab keine Angst, ich hole dich in den Himmel, zu Jesus, und nun sei getrost...“
„Nein!“, schrie die Frau auf. Und jetzt sah der Engel die beiden winzigen Babys,
die sie in den Armen hielt. Eines der Kleinen lag an der Brust der Mutter und saugte verlangend, aber der Engel glaubte nicht, dass es Erfolg damit hatte.
Elohim war erschrocken. Die Frau begann zu betteln, sie flehte ihn an, sie doch bei ihren Babys zu lassen. „Was soll denn aus ihnen werden? Niemand ist hier, der sich um sie kümmern kann...!“ Sie konnte nicht weiter sprechen, Husten schüttelte sie und sie litt große Schmerzen. Elohim sah, wie kleine Tropfen Blut von ihren Lippen auf ihr Hemd fielen.
Ihr Atem ging keuchend. „Bitte, lass mich bei meinen Kindern.“, flehte sie immer wieder. Und den Engel packte das Mitleid. Sie hatte ja Recht. Sie war hier ganz allein, selbst das nächste Haus war so weit entfernt, dass niemand die Zwillinge würde schreien hören, wenn sie allein hier zurückblieben.
Wieder legte er der Frau die Hand aufs Haar. „Sei ganz ruhig. Ich werde gehen und mit Gott reden. Dein Tod ist schließlich keine Strafe, und du hast Recht,
die Babys brauchen dich noch.“
Und so verließ er das Haus wieder und schwebte allein in den Himmel zurück.
Er trat vor Gott. Aber der war gar nicht erbaut, als er von Elohim hörte, dass er seinen Auftrag nicht erfüllt hatte.
„Du solltest dir um diese Kinder keine Gedanken machen und jetzt geh und hole diese Seele, wie ich dir aufgetragen habe! Ihre Zeit ist nun mal gekommen, sie gehört jetzt hierher,
in den Himmel!“
Also machte sich der Todesengel wieder auf den Weg und schwebte zur Erde hinunter.
Wieder stand er vor der Hütte, aber er betrat sie nicht. Er hörte die Babys schreien und die junge Mutter beten und weinen und husten.
Nein, er brachte es nicht über sich! Bis zum Morgen stand er vor dem Häuschen, hadernd mit sich und mit Gott. Als es dämmerte, schwebte er in den Himmel zurück.
Und wieder stand er vor dem Allvater. Der wurde nun ernsthaft ungehalten. „Elohim, was ist denn nur mit dir los? Jetzt geh und erfülle deine Pflicht! Habe ich je etwas von dir verlangt, was nicht notwendig war?“ Und er schickte ihn fort.
Aber diesmal widersprach der Engel sofort. „Nein, Ich kann sie nicht holen. Die Kinder brauchen ihre Mutter noch, sie sind noch so klein und völlig hilflos...“
„Woher willst du denn wissen, was ein Mensch braucht!?“, zürnte Gott dem Ungehorsamen. „Also gut, dann muss ich es dir zeigen!“
Er trat zu Elohim, der nicht vor ihm zurückwich und legte ihm die Hände auf die Schultern. Der Engel hörte ein lautes Krachen, dann wusste er nichts mehr.
Und Gott schickte einen anderen Todesengel aus, die Seele der armen Frau
in den Himmel zu holen.
Als Elohim wieder zu sich kam, war ihm so furchtbar kalt, dass er sich kaum bewegen konnte. Er riss die Augen auf. Es war Nacht und er war ganz allein – auf der Erde!
Gott hatte ihn auf die Erde geschickt und er hatte ihm seine Flügel genommen.
Er konnte nicht zurück.
Und außerdem hatte er nichts an! Ihm war so kalt, dass schon fast erstarrt war. Sein Körper schmerzte, nie hatte er so etwas gefühlt! Und in seiner Leibesmitte hatte er ein besonders unangenehmes Gefühl, etwas knurrte und rumorte in ihm.
Elohim sammelte seine Kräfte und richtete sich auf. Er hatte hinter einer Kapelle gelegen, jetzt versuchte er, zwischen dichten Büschen hindurch, auf den Weg zu gelangen.
*
Ein Bauer fuhr mit dem Wagen nach Hause, es war Weihnachtsabend und er hatte es eilig.
Da sah er auf einmal einen hellen Schimmer hinter der alten Kapelle am Wegesrand.
Was war das denn?“ Er zügelte die Pferde. „Hoh...!“ Sie stampften und schnaubten hellen Dampf in die eisige Nachtluft. Der Mann stieg ab und drang in die Büsche am Wegesrand ein, um zu dem Lichtschein zu gelangen, der sich jetzt langsam auf ihn zu bewegte.
Was er dann sah, ließ ihm den Atem stocken.
Ein nackter, junger Mann stand zitternd und bebend vor ihm, von ihm ging der silbrige Schimmer aus. Er war wunderschön, hellbraunes, lockiges Haar fiel ihm bis über die Schultern. Seine Augen glitzerten seltsam.
„Oh, mein Gott, du musst doch halb erfroren sein!“ Der Mann zog schnell seinen Mantel aus und legte ihn dem anderen um. „Komm schnell mit auf den Wagen, sonst erfrierst du dir die Füße! Was ist denn mit dir passiert?“ An der Stirn des jungen Mannes sah er einen blutigen Riss. „Bist du überfallen worden? Wer hat dir das angetan?“ „Ich weiß nicht...“ Seltsam fühlte es sich an, zu sprechen wie ein Mensch. Er folgte dem Mann. Der half ihm auf den Kutschbock und wickelte seine Beine und Füße in eine schwere Pferdedecke.
„Da, trink einen Schluck Branntwein, das wird dich wärmen.“ Der Bauer reichte seinem Gast eine Flasche. Elohim nahm sie in die Hand und sah den Mann fragend an.
„Trink nur, das wird dir gut tun und dich warm halten, bis wir zu Hause sind.“
Er schraubte den Verschluss ab und nahm selbst einen Schluck, dann gab er dem Zitternden die Flasche wieder.
Der Engel tat es ihm nach und das Getränk brannte sich durch seine Kehle, dass er husten musste. Aber dann breitete sich ein angenehmes Glühen in seinem Inneren aus. Und die Welt begann sich zu drehen. Halb schlafend sank er auf den Sitz zurück.
Schon nach kurzer Zeit hielt der Bauer wieder an, sie waren vor einem großen, schönen Haus angekommen. Licht fiel aus den Fenstern auf die Straße und heller Rauch stieg aus dem Schornstein in den Himmel. Es roch nach frischem Brot und Stallmist, von den vielen Kühen, die hier in den Ställen standen.
Der Bauer half seinem Gast vom Kutschbock und nahm ihn mit in die Küche.
Ein Knecht kümmerte sich um die Pferde, die dem warmen Stall zustrebten.
Eine Magd würde losgeschickt, um Kleider und Schuhe für Elohim zu holen. Eine andere kümmerte sich um die Kopfwunde des Engels, sie säuberte sie und verband sie.
Bald saß er gut und warm gekleidet mit dem Bauern am Küchentisch beim Abendessen.
Der Engel hatte etwas Mühe, zu kauen und zu schlucken, er hatte das ja noch nie getan.
Aber das Essen wärmte ihn weiter auf und beseitigte das hohle Gefühl in seinem Bauch.
Als sie gesättigt waren, stand der Bauer auf. Er klopfte seinem Gast auf die Schulter.
„Und jetzt möchte ich, dass du meine Frau begrüßt. Sie erwartet mich sicher schon sehnsüchtig, wie immer, wenn ich länger unterwegs war.“
Er führte Elohim durch das Haus bis in eine kleine, gemütliche Stube, in der die Bäuerin saß.
Sie war, genau wie der Bauer, nicht mehr ganz jung. Aber trotzdem hatte sie ein Baby im Arm und strahlte ihren Mann an, als er jetzt zu ihr kam.
„Da bist du ja endlich wieder...“ Ihr Mann schob jetzt seinen Gast nach vorn.
„Guten Abend, meine Liebe. Ich habe einen Gast mitgebracht. Diesen jungen Mann habe ich an der Straße bei der Kapelle getroffen, er wurde überfallen, aber er erinnert sich nicht mehr, was passiert ist. Komm nur, begrüße meine Gemahlin und unsere Kinder.“
Jetzt sah Elohim, dass noch ein zweites Baby in einer Wiege zu Füßen der Frau schlummerte, sie wiegte es mit einem Fuß.
„Mein lieber Mann, dich kann man wohl nicht mehr über Land schicken, ohne dass du jemanden findest, der deine Hilfe braucht. Gott ist so gnädig zu uns, und lässt uns heuer so wohltätig sein. Aber setzt euch doch.“
Der Bauer und sein Gast nahmen bei ihr Platz und betrachteten wohlgefällig die beiden Kleinen. „Du musst nämlich wissen...“, sagte die Bäuerin jetzt zu dem Engel und reichte ihm die Hand. „...diese beiden Schätzchen hat er mir vor zwei Wochen von eben so einer Fahrt mitgebracht. Es ist gar nicht auszudenken, was mit den armen Kleinen passiert wäre, hätte er nicht genau an diesem Tag diese Fahrt unternommen, um seine Schwester zu besuchen. Aber, erzähl du das doch, lieber Mann, du kannst das viel besser als ich.“
Der Engel war sprachlos vor Überraschung, er sagte gar nichts, sah seinen Gastgeber nur staunend an. Und der Bauer begann zu erzählen.
„Also, ich fahre da so vor mich hin, es war alles tief verschneit, so wie heute auch.
Ich kam an einem einsam liegenden Hüttchen vorbei, so einer ärmlichen Kate, weißt du.
Und da höre ich doch ein Baby schreien. Da ich sah, dass sie nicht mal ein Feuer in der Hütte anhatten, aus dem Schornstein stieg kein Rauch, hielt ich an und stieg von Kutschbock, um nach den Leuten zu sehen. Und was finde ich dort?“
Den Mann schauerte es noch nachträglich, als er an den Anblick dachte, der sich ihm in der ärmlichen Hütte geboten hatte.
„Da lag die arme Mutter dieser beiden Kleinen tot in ihrem Bett und die Zwillinge schrieen sich die Seele aus dem Leib! Natürlich hab ich sie sofort in meinen Mantel gewickelt,
die armen, kleinen Dinger, und habe sie zu meiner lieben Frau gebracht.
Du musst nämlich wissen, wir beide haben keine Kinder, Gott hat uns keine beschert.
Wir haben fast schon gehadert mit ihm, deswegen aber wir haben nicht aufgehört zu beten. Aber wir hatten die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben.
Aber nun, schau dir die prächtigen Kinder an, ihnen kann ich nun all mein Gut vererben, wenn ich einmal nicht mehr bin. Es sind ein Junge und ein Mädchen, aber mein Gut ist so groß, es ist für beide genug da.
Zu der armen Frau habe ich Leute geschickt. Wir haben ihr ein prächtiges Begräbnis gestiftet, hier auf unserm Kirchhof, dort wo auch meine Eltern begraben liegen. Sie gehört ja schließlich jetzt zur Familie.“
Und Elohim erkannte, wer die beiden Kinder waren.
Er sank vor der Bäuerin auf die Knie und begann ergriffen zu beten und Gottes verschlungene Wege zu preisen.
So, das war die Erzählung, wie ich mich an sie erinnern kann oder wie ich sie mir vorstelle. Sollte jemandem das Original bekannt sein und wo es nachzulesen ist, wäre es ganz lieb, wenn er es mir sagen könnte.
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