■
Geschichte: Fanfiktion
/ Computerspiele
/ Tales of Symphonia
/ In Annas Himmel...
||||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
Linksbündig|Blocksatz
gering|normal|groß|sehr groß
von MarySue of Doom
erstellt: 23.02.2010
letztes Update: 23.02.2010
Geschichte, Drama, Romanze / P16
(fertiggestellt)
Mein Name ist Anna. Anna Aurion. Geborene Irving.
Ich war 27 als ich in einer Herbstnacht im Wald von Iselia ermordet wurde.
~*~
Alles wurde ganz leicht, als ich aus dem Leben schied… Ich schwebte.
Wie eine leichte Feder schwebte ich über allem, was geschehen war.
Das Erste, das mir bewusst wurde, war, dass mein Exsphere nicht mehr da war.
Er war verschwunden und mit ihm all der Schmerz und die Qualen.
Jetzt war ich irgendwo gefangen, zwischen Himmel und Erde.
Es war, als wären meine wildesten Träume wahr geworden.
Wundervolle Orte erwarteten mich, wohin auch immer ich meinen Fuß setzte.
Hier gab es klare, wundervolle Flüsse, riesige Bäume mit rauschenden, saftig grünen Blättern und die schönsten Wiesen, die man sich vorstellen konnte.
Ich lebte weiter in meiner eigenen perfekten Welt. Aber tief in meinem Inneren wusste ich, dass sie nicht perfekt war…
Mein Mörder verfolgte mich noch immer…
Der Mann der mich getötet hatte, war Kvar, ein Halbelf.
Indem er mir den Exsphere abnahm, beendete er mein Leben auf grausame und abrupte Weise… Und alles, was ich noch tun und erleben wollte, würde mir für immer verwehrt bleiben.
Wenn ich die Augen schloss, sah ich nur sein Gesicht vor mir und das triumphierende, grausame Lächeln, als er den Kristall in seinen gierigen Händen hielt...
Ich war noch auf dieser Welt, auf seltsam unwirkliche Art und Weise.
Wieso konnte ich nicht in Frieden ruhen? Das musste ich herausfinden.
~*~
Tag für Tag kamen mehr Menschen in meinen Himmel. Sie betraten diese neue Welt und alles fiel von ihnen ab. Sie ließen die grauenhaften Erlebnisse hinter sich und vergaßen völlig, was geschehen war. Allesamt waren sie Wirtskörper der Desians gewesen.
Darunter waren sogar Kinder… Es brach mir das Herz, sie zu sehen. Hier wurden sie ein wenig entschädigt für den Schmerz, den sie auf der Erde erlitten hatten...
Sie konnten hier herumtollen und sich an der traumhaften Scheinwelt erfreuen- aber sie würden niemals mehr die Gelegenheit haben, erwachsen zu werden...
Es gab nichts mehr für sie. Keine Möglichkeit, zurückzukehren. Sie hätten doch noch so viel erleben, erfahren und erlernen können…
Und sie alle waren wegen Kvar gestorben. Sie mussten ihr Leben lassen, weil er den Befehl dazu gab, manche hatte er sogar mit seinen eigenen Händen ermordet...
Ich wusste, zu was er fähig war. Er erfreute sich an dem Leid derer, die ihm schutzlos ausgeliefert waren. Ich konnte keine Worte für seine Grausamkeit finden.
Und err ließ uns alle auch nach unserem Tod nicht los… Ich wollte mit den Menschen sprechen, die hierherkamen, doch sie gaben mir keine Antwort und blickten durch mich hindurch. Sie wollten sich nicht erinnern.
Auch meine Erinnerungen waren verschwommen und unklar… Nach und nach wurde mir bewusst, dass ein Teil meiner Seele in dem Exsphere lag, der von mir genommen worden war.
"Lass die Welt hinter dir." Jeden Tag kam jemand anderes zu mir und sagte genau das. Aber ich schüttelte den Kopf. Ich konnte noch nicht loslassen...
Es zog mich zu meiner Welt zurück, wieder und wieder. Ich suchte nach Kratos, wieder und wieder. Aber ich konnte ihn nicht finden.
Er war alles, was mich noch an dieser Welt hielt- ich musste ihn ein letztes Mal sehen. Und Lloyd auch…
Hier im Himmel gab es viele Orte, an denen ich mich der Welt ganz nah fühlte. Ich hoffte, sie dort anzutreffen, aber das geschah nie...
Doch es gab hier auch ganz andere Plätze, düstere Wälder und finstere Gebäude, die an Menschenfarmen erinnern...
Man munkelte, dass dort Kvar selbst lauerte, aber ich war nicht gewillt, das herauszufinden.
Er hatte Tausende getötet und lebte selbst noch… Ich wartete auf Gerechtigkeit.
Alle anderen verschwanden nach und nach aus meinem Himmel und gingen in ein gleißendes, helles Licht. Sie fanden die ewige Ruhe...
Irgendwann war nur noch ich übrig. Etwas fesselte mich an die Erde, ich wartete Ewigkeiten auf ein Zeichen von Kratos.
Ich liebte ihn so sehr… Es war eine Liebe, die Zeit und Raum durchbrach und die mich jetzt noch aufrecht erhielt…
Wenn Kratos an mich dachte, dann spürte ich das. Er dachte jeden einzelnen Tag an mich.
Wenn man nicht mehr wirklich am Leben ist, dann vergeht die Zeit wie im Flug.
Was mir wie Wochen vorkam, waren Monate und Jahre.
Es sollte noch 14 Jahre dauern, bis ich Kratos sehen durfte.
~*~
Mein Mörder war eine grausame Person. Er war das einzige Lebewesen, dass ich noch beobachten konnte, sooft ich wollte.
Es gab hier einen riesigen, schwarzen See, durch den ich hinunter auf die Erde blicken konnte- genau auf die Menschenfarm, in der ich Jahre meines Lebens verbracht hatte.
Früher hatte ich nur seine Arroganz und seine Foltern mitbekommen, doch jetzt konnte ich in seine Seele blicken. Das war wohl der Preis für seinen Mord.
Kvar konnte sich über Monate hinweg in seiner eigenen Traumwelt in Sicherheit wiegen, doch er und ich wussten genau, dass die Geister der Getöteten ihn verfolgten.
So wie er uns einst verfolgt hatte. Er würde niemals verstehen, dass nicht wir die jämmerlichen Wesen waren, sondern er und seinesgleichen.
Ihre Morde, Verfolgungen und Foltern waren grässlich und unverzeihlich.
Und dennoch lebte er… und ließ mich nicht los. Er versuchte mich zu finden oder- zumindest das, was von mir noch auf der Erde übrig war.
Er suchte nach dem Exsphere, all sein Denken war nur darauf ausgerichtet.
Ich saß hier oben und konnte nicht verhindern, dass das geschah...
~*~
Ich wusste nicht, wie lange ich schon gewartet hatte. Wochen… Monate… Jahre… Jahrzehnte...
Kratos… Nur einmal wollte ich ihn noch sehen, ein einziges Mal....
Er war alles für mich, so schweigsam und geheimnisvoll und dennoch gutherzig und unendlich sanftmütig.
Er war mein Schutzengel gewesen, all die Zeit. Er wäre für mich gestorben. Kratos hätte alles für mich getan und das, obwohl ich doch nur eine einfache Frau war…
Hatte ich seine Liebe denn verdient? Das hatte ich mich oft gefragt. Für mich war er der wundervollste Mensch auf der ganzen Welt.
Wenn ich nur bei ihm sein könnte… Ich liebte ihn, ich hätte alles für ihn gegeben…
Ich hätte alles für einen letzten Augenblick mit ihm gegeben.
Plötzlich hörte ich eine Stimme, so sanft und doch so kraftvoll, dass sie durch meine ganze eigene Welt hallte und alles durchdrang:
"Anna… Ich gewähre dir ein paar letzte Minuten auf der Erde, bevor du für immer gehst."
Ich stockte und blickte hoch in den silbernen Himmel, wo Mond und Sonne gleichzeitig auf mich herabstrahlten.
"I-ist das wirklich wahr?" Meine Stimme klang hell und klar und schien alles zu übertönen, doch in mir tobte ein Sturm.
Kratos, Kratos, Kratos… Unser Glück war nur von so kurzer Dauer gewesen...
"Es gibt etwas, dass du unbedingt erkennen musst, bevor du ruhen kannst."
Ich hatte noch tausend Fragen, doch im nächsten Moment brach mein Himmel ein, die Berge lösten sich langsam auf, die Wiesen vertrockneten und die Flüsse vereisten.
Es war mir egal. Ich wollte nur zu Kratos. Die Zeit war knapp...
~*~
Der Ort, an dem ich landete, war mir gänzlich unbekannt, doch er versank ohnehin im Nichts, als ich Kratos erblickte.
Würde er mich sehen? War ich da? Hatte ich eine menschliche Gestalt oder war ich ein Geist?
Er starrte mich an, sein Verstand setzte aus, er kümmerte sich nicht darum, dass ich eigentlich tot war.
Hastig kam er auf mich zu und schloss die Arme um mich, panisch presste er mich an sich als würde ich ihm jeden Moment entrissen- und so würde es wohl sein…
"Anna, Anna, Anna…", flüsterte er und ich hörte ihn schluchzen. Ich nahm sein Gesicht in meine Hände, stellte mich auf die Zehnspitzen und küsste ihn.
Er erwiderte den Kuss, ganz zärtlich, so sanft und gleichzeitig ganz verzweifelt.
"Kratos…", murmelte ich. Ich war so glücklich, unendlich glücklich, doch ich hatte die Fähigkeit verloren, Freudentränen zu vergießen. "Das habe ich mir so sehr gewünscht, all die Zeit..."
"Anna, wie kann das nur sein…", hauchte er, seine Augen waren trüb, als würde er bereits ahnen, dass unser Moment der Zweisamkeit bald vorbei sein würde.
"Ich kann nicht lange bleiben, Kratos.", sagte ich langsam, diese Worte kamen mir so schwer über die Lippen. "Du musst mir nur sagen was genau geschehen ist… in der Nacht als ich… starb..."
Kratos hielt inne, schaute mir nur tief in die Augen. Er sagte kein Wort.
Schließlich begann ich zu begreifen und die Wahrheit traf mich so unvorbereitet, dass ich nach hinten stolperte.
"Du… hast mich getötet!", wisperte ich. Ich wusste nicht, was ich fühlte- doch es war keine Wut und kein Hass.
Doch Kratos geriet plötzlich in Rage, er zückte sein Schwert und richtete es auf sich selbst. "Ich… ich gehe mit dir!!!"
"Nein! Kratos, nein! Denk an Lloyd!"
Diese Worte genügten, Kratos erstarrte. "Lloyd… lebt?"
"J…ja… Ja, er… er lebt. Ich spüre es.", sagte ich zögerlich- ich wollte nur, dass er aufhörte. Er durfte nicht sterben.
"Anna… Anna, bitte bleib bei mir…" Kratos lief sein Schwert fallen und taumelte in meine Arme. "Ohne dich… Bin ich… nichts… Mein ganzes Leben lang war ich leer und ohne Hoffnung, bis ich dich traf- und nun?"
Vorsichtig streichelte ich ihm durch die Haare, lächelte mild. "…Alles muss irgendwann ein Ende haben…Bitte, such nach Lloyd… Bitte such nach unserem Sohn…"
Langsam rann mir die Zeit davon- ich fühlte, wie mein Körper sich auflöste…
"Anna! Geh nicht!!!", schrie Kratos und es tat mir so weh...
"Ich muss jetzt gehen…", wisperte ich nur...
"Nicht!!! Anna, ich habe dir ja gar nicht mehr gesagt-"
"Kratos..."
"…Ich… ich liebe dich!"
Ich lächelte ein letztes Mal. "Ich dich auch…Und ich vergebe dir..."
Mein Kratos. Mein Sohn. Mein Leben. Meine Gedanken. Mein Alles.
Ich ließ die Welt los.
Ich ließ das Leben los.
Der Wind trug mich mit sich und ich fand Ruhe.
~*~
Mein Name ist Anna. Anna Aurion. Geborene Irving.
Ich war 27 als ich in einer Herbstnacht im Wald von Iselia ermordet wurde.
Es war nicht Kvar. Es war mein geliebter Mann Kratos.
Meine Erinnerung kehrt langsam zurück.
Es war gut, was er getan hat. Er hat Lloyd vor mir beschützt.
Mein Leben war kurz, doch ich war für diese kurze Zeit die glücklichste Frau der ganzen Welt, an der Seite meines wunderbaren Engels.
~*~
Mit meinem letzten Blick sah ich, wie Kratos und Lloyd sich gegenüberstanden, nach 14 langen Jahren, endlich… Sie hatten wieder zueinandergefunden...
Meine beiden Schätze… Ihr habt meinem Leben Sinn gegeben. Ihr habt mir die Kraft gegeben, durchzuhalten, all die Zeit...
Ein kleiner Teil von mir ist immer bei dir, Lloyd, mein Sohn...
Dies ist mein letzter Wunsch… Bitte nutzt eure Kräfte um eine Welt zu erschaffen, in der nie wieder jemand so leiden muss...
Bitte kämpft für eine Welt, in der Halbelfen und Menschen friedlich zusammenleben können...
Bitte kämpft für eine Welt, in der nie wieder jemand so werden muss wie Kvar...
Bitte kämpft für eine Welt ohne Leid...
Ich weiß, dass ihr es könnt…
Meine Zeit wird knapp...
Lebt wohl…
Ich werde euch immer lieben.
||||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
Linksbündig|Blocksatz
gering|normal|groß|sehr groß
