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von Karate-Teddy    erstellt: 23.02.2010    letztes Update: 25.08.2010    Geschichte, Allgemein / P18 Slash    (fertiggestellt)
Neidlos



Inhalt: Nach dem UefaCup-Spiel der Zwischenrunde. Rückspiel.
Pairing: Rosenberg/?



Natürlich freute Markus sich über den Sieg. Selbstverständlich hätte er dabei gerne geholfen, aber es hatte nun einmal nicht sein sollen. Mesut war vollkommen platt gewesen nach achtzig Minuten und daher war eher ein Mittelfeldspieler gesucht als ein Stürmer. Gewiss verstand Markus die Entscheidung des Trainers. Trotzdem hätte er seiner Mannschaft heute gerne geholfen.

Eigentlich war Markus ein sehr ausgeglichener Mensch. Jemand, der anderen Leute alles Glück der Welt wünschte. Man hatte ihn oft genug gesagt, er sei zu wenig egoistisch für einen Stürmer.

Jetzt aber spürte Markus, wie schwer es ihm fiel, seine unbekümmerte Art aufrecht zu erhalten. Gegen die herum blödelnden Mesut, Marin und Pizarro spürte er einen Moment regelrechte Abneigung, als der heutige Torschütze in Lachen ausbrach. Offensichtlich hatten sie da vorne ziemlichen Spaß.

„Hey Rosi, wieso läufst du hier so alleine herum?“, sprach Per ihn gutmütig an, und kam näher an ihn herangetreten. Bei dem Auslaufen nach einem Spiel waren die nicht eingewechselten Spieler eigentlich selten dabei. Aber so war eben Werder, die Gemeinschaft war überall wichtig. Am liebsten wäre Markus aber einfach nach Hause gegangen, hätte sich eingeschlossen und wäre im Selbstmitleid erstickt.

„Ich wollte gerade telefonieren“, meinte Markus lahm und zog das Handy aus seiner dicken Daunenjacke. Er war einfach kein Mensch, der anderen direkt sagen konnte, sie sollten ihn in Ruhe lassen. Eigentlich wusste er ja, dass Per es nur gut meinte.

Verständnisvoll nickte Per. „Wir wollten gleich noch ein bisschen feiern. Außerhalb des Rasens. Der Trainer sagt, wir sollen die Holländer nicht provozieren“, erklärte der Verteidiger. „Kommst du mit?“

Ein lautes Lachen von Marin riss einen Moment seine Aufmerksamkeit von Per. Markus beobachtete, wie Mesut gerade stolperte und er schüttelte seufzend den Kopf. So genial wie der Spielmacher auf dem Feld auch sein konnte, mindestens genauso tollpatzig war er außerhalb der Neunzig Minuten.

„Vielleicht“, fiel dann seine Antwort aus. Er war kein Mensch, der gerne `Nein´ sagte. Lieber beließ er es bei einem `Möglicherweise´, denn damit lief er nicht Gefahr, dass die Jungs versuchten, ihn Stundenlang zu überreden. Das konnte er nämlich nicht leiden. Dann würde er manchmal doch ziemlich zickig. Zumindest war dies das Wort, das Clemens oft verwendete.

„Also wohl eher nicht“, stellte Per fest.

Um keine Antwort geben zu müssen, wählte Markus jetzt die erste Nummer, die er gespeichert hatte: Berg, Marcus. Es klingelte nicht lange, fast so als habe der jüngere Schwede sein Mobiltelefon bereits in der Hand gehabt.

„Hey Kleiner, ich wusste du rufst an. Du hast super gespielt. Hab gerade die Zusammenfassung im Fernsehen gesehen“, redete Marcus auch schon drauf los. Dabei sprach er deutsch, was sowieso ungewöhnlich war. Und wieso nannte er Markus `Kleiner´?

„Hey Svarte, wen hast du denn erwartet?“, fragte er seinen Jüngeren Nationalmannschaftskollegen.

„Mackan?“, fragte Marcus überrascht und auch etwas enttäuscht nach. „Oh, ich… Sry, hab dich verwechselt…“

„Wen aus dem Bremer Team kennst du denn noch, den du so euphorisch begrüßt?“, fragte Markus neugierig nach. Genaugenommen könnte es natürlich auch einer von den Wolfburgern sein, aber irgendetwas sagte ihm, dass damit ins Blaue hinein treffen würde. Sein Blick glitt über seine Mannschaftkollegen und er fragte sich, wer von ihnen gut gespielt hatte und wohl Kontakt zu dem Hamburger haben könnte.

Naldo und Claudio hatten wirklich gute Leistungen gezeigt. Aber die beiden konnte und wollte Markus sich irgendwie nicht so recht vorstellen als Freunde von Marcus. Gute gespielt hatte auch Torsten, doch ihr Kapitän war ebenso bekennender HSV-Hasser wie auch Tim. Dann schon eher Marko. Obwohl… vielleicht doch eher nicht. Der kleine Angreifer war niemand, dem Markus viel Kontakt zu Personen außerhalb seines Vereins zutrauen könnte. Und damit war Markus seine imaginäre Liste auch schon durch.

Sein Blick fiel noch auf Sebastian und Aaron, die gerade von der Tribüne zu ihnen kamen und ihre Glückwünsche aussprachen. Aber die beiden hatten nicht gespielt und deswegen konnte Markus sicher sein, dass sein jüngerer Kollege sie nicht gemeint hatte.

„Ja also… äh… Ist doch scheiß egal“, fing Marcus sich schließlich wieder. Herumstottern passte nicht zu ihm. „Wie hast du denn gespielt? Hab deine Einwechslung bei der Zusammenfassung irgendwie übersehen.“

„Nein, hast du nicht“, seufzte Markus. „Weil ich nämlich nicht eingewechselt wurde. Wie hast du gespielt? Uns hat man nur das Ergebnis angezeigt.“

„Frag nicht! Bin erst in der Neunundachtzigsten eingewechselt worden…“

„Rabenschwarzer Tag für die Schweden der Bundeliga, nicht wahr?“

„Das kannst du laut… Oh, Moment, hab gerade einen Anruf in der anderen Leitung. Bleibst du dran?“, fragte Marcus und hatte ihn schon längst in die Warteschleife gelegt ohne eine Antwort abgewartet zu haben.

Kopfschüttelnd sah Markus wieder auf und erwiderte halbherzig ein Daumenhochzeichen von Aaron, der bei Sebastian und Mesut am Spielfeldrand stand. Ungläubig blinzelnd erkannte Markus, dass der Spielmacher telefonierte und dabei etwas ungehalten mit den Schuhen im Rasen herumstocherte. Fragend hob er die Augenbrauchen und Aaron folgte seinen Blick. Als Antwort formte der Halbengländer mit zwei Händen ein Herzzeichen, klimperte verliebt mit den Augenlidern und bekam dafür von Mesut einen saftigen Fausthieb gegen den Oberarm.

Plötzlich war Marcus wieder in der Leitung: „Hör mal, das kann länger dauern. Kann ich dich gleich nochmal anrufen?“

„Sicher“, meinte Markus nur, immer noch total perplex, und trennte die Verbindung. Hatte Marcus ihn eben tatsächlich versetzt für Mesut Özil, den nächsten Shootingstar Deutschlands?

Mit wenigen schnellen Schritten war Markus bei seinem jungen Kollegen, nahm dem perplexen Mesut wortlos das Mobiltelefon aus der Hand und hielt es sich ans Ohr. „…dachte wirklich, du brichst gleich zusammen, so fertig sahst du aus!“, hörte er Marcus‘ Stimme am anderen Ende. Mit einer anderen Tonlage als zu Markus selber. Irgendwie braver, fast ein bisschen gezähmt. Nicht mehr der kleine Rebell, den er in der schwedischen Nationalmannschaft kennen gelernt hatte. Und auch nicht mehr so genickt wie gerade eben noch. Es klang seltsam ungewohnt, aber Marcus hörte sich nicht an, als würde er sich in eine Rolle zwingen müssen. „Hallo? Mesut? Bist du noch dran?“

Mit hochgezogenen Augenbrauen senkte er das Handy und hielt die Sprechmuschel zu. „Geheimgespräche mit dem feindlichen Lager?“, fragte er den immer noch sprachlosen Mesut, dessen Gesichtsfarbe langsam aber sicher immer röter wurde und der überhaupt keine Worte fand. Grinsend gab Markus ihm das Mobiltelefon zurück. Na, wer hätte das gedacht? Das bot viel Spielraum für einige Späße beim nächsten Treffen der Nationalmannschaft…

Markus Erheiterung hielt genau so lange, bis er mit dem Duschen fertig war und die Kabine verließ. Mesut hatte ihn noch kurz zur Seite gezogen, nachdem er seine Sprache offensichtlich wiedergefunden hatte. „Das… also… Wir… Ich…“, hatte er gestammelt.

„Lass mich raten – Es ist nicht so, wie es aussieht?“, hatte Markus grinsend nachgefragt.

„Ja, genau. Das wollte ich sagen“, hatte Mesut erleichtert gesagt und kräftig genickt.

„Es ist also nicht so, dass ihr beiden Freunde seid und euch deswegen nach dem Spiel austauschen wolltet?“

„Äh… Doch“, hatte Mesut gesagt. „Genauso ist es.“

Doch sie wussten beide, dass Markus ihn sehr genau durchschaut und die richtigen Schluss gezogen hatte. Wenn sie nur Freunde wären, hätte Marcus seinen Nationalkollegen nicht so abgewimmelt. Bei Mesut hatte der junge Schwede sich fast angehört, als wäre es ihm egal, dass er heute nur wenige Minuten auf dem Feld gestanden hatte.

Jetzt schob Markus gerade den Schlüssel in das Haustürschloss und war wieder in seinen trüben Gedanken vertieft. Die Dusche rauschte und kündigte ihm an, dass er auch noch ein paar weitere Minuten seine Ruhe hatten, auch wenn er es eigentlich gar nicht wollte.

Ordentlich hängte er seinen Mantel auf, stellte die Schuhe nebeneinander, legte die Schlüssel in die dafür vorgesehene Schüssel auf der Kommode und packte seine Tasche aus. Erst dann ließ er sich am Küchentisch nieder. Er hatte keinen Hunger. Wovon auch? Er hatte ja nicht gespielt. Trotzdem stand der fertige Salat auf dem Tisch. Mit Fetakäse, Paprika, Thunfisch und dem leckeren selbstgemachten Honig-Senf-Dressing. Daneben ein paar Scheiben Baguette. Womit hatte er das bloß verdient?

Gerade als er sich ein Schälchen füllen wollte, hörte er die Badezimmertür aufschnappen. Na endlich! Er zählte die näherkommenden Schritte der nackten Füße auf dem Holzboden.

Als sanfte Hände sich an seine Schläfen legten, schloss er die Augen und atmete tief durch. Das tat gut. Mit angenehmem Druck begann eine leichte Massage. Markus legte den Kopf in den Nacken und spürte an seinem Hinterkopf den nackten, flachen Bauch an den er sich lehnte.

„Hast du das Spiel gesehen?“, fragte Markus. Langsam würde sein Körper schwer und er wusste, dass er bald ins Bett gehen sollte, sonst schlief er hier am Küchentisch an.

„Natürlich“, antwortete ihm die ruhige Stimme seines Freundes. „Hätte es auch gerne im Stadion gesehen, aber du weißt ja… die Grippe.“

Bestätigend brummte Markus. Hinter ihm ging der Ältere in die Knie, schlang den linken Arm um seinen Hals und griff mit der rechten Hand nach der Gabel, führte sie schließlich an seine Lippen. Es schmeckte gut, aber Markus hatte auch nichts anderes erwartet von seinem Freund, der wirklich gut kochen konnte.

Eine warme Nase mogelte sich an seine Ohrmuschel und begann dort mit ihm sanft zu schmusen. Die Gabel wurde weg gelegt und dann schlangen sich beide Arm um ihn und drückten ihn an einen trainierten Oberkörper. Warme Lippen berührten flüchtig seinen Hals, verwöhnten und trösteten ihn.

„Ich glaube, Mesut ist nicht mehr solo“, sagte Markus irgendwann.

„Doch schon länger, oder nicht? Du meinst die kleine Schwester von Sarah, Diegos Ex?“

Lächelnd schüttelte Markus den Kopf. „Nein. Ich schätzte eher, es ist Marcus Berg“, verriet Markus.

„Der kleine Mesut?“, fragte sein Freund staunend nach und hielt kurz inne mit der Liebkosung. „Vielleicht stehen wir Bremer einfach auf euch hübschen Schweden…“

Lächelnd schnaubte Markus. „Wenn das bei mir so weitergeht, spiele ich auch nicht mehr lange hier“, sagte er und ließ es nicht ganz so ernst klingen, wie es eigentlich gemeint war.

„Was hält dich dann auch hier?“, fragte sein Freund.

Verwirrt drehte Markus sich herum. „Drei Mal darfst du raten!“, meinte er etwas beleidigt und in schärferem Ton als gewollt.

„Hey, ganz ruhig, Blonder“, lachte der Ältere und strich ihm durch die Haare. „Ich meinte damit natürlich, dass ich im Falle eines Wechselt selbstverständlich mitkomme. Klaus Allofs kann sich auch einen anderen Assistenten suchen!“

Etwas unsicher, aber auch beruhigt lächelte Markus zu ihm hinauf. Früher hätte er nie gedacht, dass sich zwischen ihnen mal etwas entwickeln würde. Und erst recht nicht, so etwas festes, das ihm so viel Sicherheit geben konnte. In den letzten Jahren war Markus erwachsener geworden, hatte eingesehen, dass ihn die vielen Affären nicht mehr erfüllten, ihm nicht mehr reichten. Und schließlich hatte er es mit Männern probiert. Einfach auf der Suche, nach etwas Neuem, aufregendem. Wie es der Zufall wollte, hatte er seinen damaligen Kapitän nach dem erfolgreichen Einzug ins Halbfinale des UEFA-Pokals im Jahre 2007 nachts nach Hause begleitet, und seitdem war er nicht mehr richtig von ihm los gekommen. Körperlich konnte er nicht treu sein – auch wenn es mit den Jahren viel besser geworden war –, das wussten sie beide, aber trotzdem bekam er den Älteren nicht aus seiner Gedanken heraus.

Und letztlich zog es ihn doch immer wieder hierher. Vielleicht nicht unbedingt jeden Tag, aber mindestens jeden dritten. Dann nämlich, wenn die beiden Kinder bei ihrer Mutter waren. Auch wenn Markus die beiden wirklich sehr möchte, teilte er eben nicht gerne.

„Gehen wir ins Bett?“, fragte Markus. Dabei hatte er keinerlei sexuellen Hintergedanken. Früher wäre das undenkbar gewesen. Aber früher hatte der Schwede ihn auch noch nicht gekannt. Mit dem Älteren war alles unglaublich leicht und unkompliziert. Dinge, die Markus an anderen unheimlich nervig gefunden hätte, mochte er bei ihm plötzlich. Zum Beispiel die viel zu langen Haare, begründet durch den unregelmäßigen Frisör besuch; die beim Sex störende Körperbehaarung, die Markus aus dem Bett jedes anderen Mannes treiben  würde; und nicht zuletzt das leise Schnarchen, das immerhin einer der vielen Gründe war, warum Markus bei jedem anderen nicht bis zum Morgen blieb.

„Willst du nichts essen?“

„Hab ein bisschen Obst nach dem Spiel gegessen“, meinte Markus schulterzuckend.

„Und außerdem passt Feta sowieso nicht in deinen Diätplan, richtig?“, fragte er nach.

Wegen dem leichten Spott in seiner Stimme, hob Markus pikiert die Augenbrauen. „Wenn du es doch wusstest, wieso hast du den Käse dann reingetan?“, fragte der Schwede nach.

„Weil du ihn so gerne magst“, war die Antwort. Große, warme Hände fuhren über seine Brust hinab zu seinem Bauch, streichelten sanft darüber. „Und zwei, drei Kilogramm mehr, würde dir auch gut stehen, Markus.“

„Seit du ständig kochst, hab ich sowieso schon zugenommen.“

„Ach ja, wie viel? 800 Gramm?“ Sanft kniff der Ältere ihm in den Bauch.

„Ich halte mein Gewicht, seit ich siebzehn Jahre alt bin“, rechtfertigte Markus sich. Sein Freund sagte häufig, er würde das äußerliche zu ernst nehmen. Er selbst sah das nicht so. Sein Körper war ihm eben wichtig…

„Wenn du willst, können wir uns auch gleich über die Laken rollen und den Feta wieder abtrainieren“, schlug der Ältere vor und war ihm dann plötzlich sehr nahe. Markus hatte keine Ahnung, wie der andere es immer wieder anstellte, aber in seinem Armen fühlte er sich oft genug, wie ein Anfänger. Als habe er noch nie die Lippen eines anderen auf seinen gespürt.

Die Berührung war zuerst nur zart, fast schüchtern. Markus spürte, dass sein Nacken sanft gestreichelt wurde, hörte den anderen in den Kuss hinein seufzen und spürte die Anspannung des Tages fast von seinen Schultern fallen.

„Ich hätte sie heute gerne unterstützt“, murmelte Markus, als sie sich gelöst hatten.

„Das hätte ich auch gerne getan“, ließ der Ältere ihn wissen. Nicht zum ersten Mal wurde ihm bewusste, wie sehr sein Freund die Bundesliga vermisste. „Aber einige Dinge kann man ändern und andere nicht.“

Markus wusste, er sollte sich reinknien. Dann würde er auch wieder seine Chancen bekommen, doch es war schwer für einen Menschen wie ihn, der sich nur schlecht auf etwas Bestimmtes konzentrieren konnte und ein wenig sprunghaft war.

„Für mich ist der Zug abgefahren“, sagte der ehemalige Spielführer und klangdabei bitter, „aber du… du kannst noch alles schaffen, wenn du es wirklich willst. Große Dinge werden nicht durch Stäke erreicht, sondern durch Beharrlichkeit.“




A/N: Ich hoffe, ihr merkt langsam, in welche Richtung diese OneShot-Sammlung/Fanfiction gehen wird. Ebenso hoffe ich, ihr habt Markus‘ Freund erkannt.
Gibt es HSV- oder Werderspieler, dessen Liebesleben euch noch interessiert? Ihr müsst wissen, ich kenne mich da blendend aus…
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