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von nellautumngirl
erstellt: 21.02.2010
letztes Update: 21.02.2010
Geschichte, Allgemein / P6
(abgebrochen)
Als du in Serenia ankommst, musst du erst einmal blinzeln. Erst dann kannst du glauben, dass diese Welt wirklich ist. Unter den steinernen Stegen fließt ein schmaler Fluss, in der Höhle in der du gelandet bist ist es schattig und kühl, aber weiches Licht überflutet die Wege davor. Du trittst aus der Höhle heraus und spürst, wie du dich mit jedem Schritt, den du auf den steinernen Pfaden gehst, mehr entspannst. Der Fluss gluckert leise und träge unter deinen Füßen her, die hohen Felsen spenden dir angenehm kühlen Schatten. Weit hinten siehst du türkisblaues Wasser glitzern und.. was ist das? Da, zu deiner rechten, ganz deutlich am Himmel zu erkennen, da sind schwebende Felsen! Du beschließt sofort, in diese Richtung zu gehen. Der Weg führt dich an Pflanzen vorbei, fremdartigen, wie du sie noch nie gesehen hast. Die Bäume die sich im sanften Wind leicht hin und her wiegen, ähneln Weiden, aber sie stoßen kleine weiße Flocken aus. Eine davon kitzelt dich an der Nase und du lachst fröhlich. Gerade fragst du dich, wie lang der Weg wohl noch ist, als du durch ein steinernes Tor trittst. Der Anblick verschlägt dir den Atem. Zu deiner linken ist ein großer Steintempel, darüber schweben einige Felsen leicht vibrierend auf und ab. Nach rechts ist der Boden mit wunderschönen Ornamenten gepflastert und führt zu einem überdachten Steg, an dem goldweiße Schmetterlinge umherflattern. Da bemerkst du eine Frauengestalt, die sich vom Steg erhebt und auf dich zukommt. Sie trägt ein langes, weißes Gewand und schaut dich offen, aber mit ernstem Blick an. “Willkommen in Serenia. Ich bin eine Hüterin. Meine Schwestern und ich haben deinen Besuch vorhergesehen. Komm.” Sie führt dich zu dem Steg und gibt dir eine Schale, die mit goldenen Körnern gefüllt ist. “Nur zu, füttere die Schmetterlinge.” Etwas verwirrt tust du ihr den Gefallen. Du schweigst, bis die Hüterin erneut das Wort ergreift. "Du bist auf der Suche nach Yeesha." Du nickst. "Sie war hier, vor etwa einer Woche. Anya hat ihr ihre Erinnerungskette geschenkt.“ Hoffnungsvoll wartest du, doch sie schüttelt traurig den Kopf. “Das war das letzte Mal, das wir sie gesehen haben. Wir hoffen sehr, dass du sie findest. Es war immer eine Freude sie hier zu haben." Die Hüterin lächelt zum ersten Mal. Du sagst: "Wenn sie Yeesha kennen, dann müssen sie damals auch ihre Brüder gekannt haben." Das Lächeln der Hüterin schwindet. "Ja, ich habe Sirrus und Achenar als Kinder gekannt. Ich war damals eine junge Priesterin und hieß die beiden hier in Serenia willkommen. Ich führte sie zu unserem Schmetterlingsteich, wo wir in diesem Augenblick stehen. Sirrus verstand es, sich gewinnend zu präsentieren. Er war ein hübscher Junge mit seinem glänzenden, hellen Haar und den klugen Augen seines Vaters. Als er unsere Schmetterlinge sah, versuchte er wirklich, Interesse zu heucheln, aber ich sah, was niemand sehen wollte: Er blickte sich nach kostbareren Dingen um, die er stehlen konnte. Achenar machte wohl auf niemanden Eindruck. Du fragst: "Er war sicher roh und brutal?" Die Hüterin nickt. "Er war grausam zu Tieren und gleichgültig bis jähzornig gegenüber Menschen. Er hat den Schmetterlingen heimlich die Flügel ausgerissen und sie beobachtet." Sie schaut dich stirnrunzelnd an. "Ich erzähle dir davon, weil ich dich warnen möchte. Ich weiß nicht, was mit Yeesha geschehen ist, aber wenn ihre Brüder damit zu tun haben, sieh dich vor. Sie haben keine Achtung vor dem Leben, Mitleid und Gnade sind ihnen fremd." Du bekommst Gänsehaut und fragst vorsichtig: "Aber.. wie ist das möglich? Ich kenne Atrus und Catherine schon mein halbes Leben. Sie sind gute Menschen, liebevolle Eltern.. und Yeesha ist ein wunderbares Kind. Wie können ihre Brüder so schlecht sein?" Die Hüterin seufzt und sagt bekümmert. "Ich weiß es nicht. Atrus' eigener Vater war.. nun, sagen wir, Atrus musste selbst lernen das Böse zu verurteilen und das Gute zu tun. Gehn hat ihm wie auch sonst niemandem gegenüber je Respekt oder gar Liebe gezeigt. Von Drogen betäubt blieb er zurück als Atrus schließlich vor ihm floh und niemals zurückkehrte.. Aber du hast es selbst gesagt, Atrus hat anderen Menschen immer Offenheit und Ehrlichkeit entgegengebracht. Er hat seine Söhne geliebt.. auch wenn er das vielleicht nicht immer ausdrücken konnte. Sie haben ihm das Herz gebrochen, er hat ihnen vertraut und sie haben seine kostbaren Welten zerstört, um sich selbst zu bereichern. Dennoch weiß ich, wie er fühlt. Es tut ihm weh, sie gefangen zu halten und er gibt sich eine Mitschuld an ihren Taten. Als Yeesha auf die Welt kam, schwor er sich seine Fehler nicht zu wiederholen und ihr alle Liebe zu geben, die er besaß. Das ist ihm gelungen." Die Hüterin schweigt und dir schwirren viele Gedanken im Kopf herum. Du wusstest, dass Gehn kein guter Vater war, aber Atrus hat nie über ihn gesprochen und du hast nicht gefragt.. Plötzlich hast du Mitleid mit allen fünf Mitgliedern dieser Familie, die alle leiden, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Dennoch, die unschuldigste davon kennst du. Sie ist zehn Jahre alt, hat blondes Haar, ein fröhliches Lachen und ist spurlos verschwunden.
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