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von Leevje    erstellt: 18.02.2010    letztes Update: 16.08.2010    Geschichte, Romanze / P18 Slash    (fertiggestellt)
Titel der Fanfiktion:  Unerwartet

Zusammenfassung:  Seit der U21-EM steht Markos Gefühlwelt Kopf. Die Beziehung mit Kathi verläuft im Sande und er lässt sich auf etwas für ihn komplett Neues ein…(Marko Marin / Sebastian Boenisch)

Anmerkung: Was neues von mir, diesmal was längeres. Wobei ich noch nicht weiß, wie lang genau. Mal schauen, kommt auf euer Interesse an - also reviewt fleißig :) Updates wird’s wahrscheinlich einmal die Woche geben. Meistens am Wochenende. Nur jetzt kann ich nicht mehr warten, ich muss das erste Kapitel heute schon posten ;) Titel ist im Moment nur Arbeitstitel, kann sich also auch ändern, sollte ich was besseres finden… Aber jetzt: Viel Spaß!

Disclaimer:  Natürlich kenne ich keine der hier handelnden Personen persönlich, möchte ihnen nichts unterstellen oder ihnen gar schaden. Mögliche Ähnlichkeiten zu anderen Fanfiktionen sind nicht beabsichtigt.

Gefühlschaos


Du weißt beim besten Willen nicht, warum du dir das ganze hier antust. Warum du mit deinen Kollegen in irgendeiner Kneipe hockst, an deinem Bier nippst und vor allen Dingen versuchst, nicht allzu häufig zu Sebastian zu starren. Klar, du freust dich, dass du dich gut mit allen verstehst.

Das ist ja auch gar nicht das Problem. Alle sind nett, besonders die, mit denen du hier bist: Mesut und Aaron, Clemens und Per (die beiden gibt’s sowieso nur im Doppelpack, warum auch immer), Peter und schließlich Sebastian. Womit du bei deinem eigentlichen Problem wärst: Sebastian. Boenisch.

Oder auch nicht Problem? Du weißt es nicht. Weißt einfach gar nichts mehr.

Früher hast du deine Sexualität nie in Frage gestellt. Warst dir immer sicher hetero zu sein und auf Frauen zu stehen. Lange Zeit warst du mit deiner Freundin Kathi zusammen und hast dich auch sonst nur für Mädchen interessiert. Ganz klare Sache also: Hetero!

Doch seit der U21 EM bist du dir da gar nicht mehr so sicher. Seit dem Turnier träumst du nämlich von Sebastian, und das nicht gerade jugendfrei. Dass du schon mehrmals an ihn gedacht hast, als du dir nach so einem Traum einen runter geholt hast, ignorierst du einfach. Hast das zuerst als Blödsinn abgetan. Hast dir versucht einzureden, dass du dich einfach körperlich von ihm angezogen fühlst. Vielleicht findest du ihn einfach nur geil, sexy - was auch immer. Vielleicht sieht dein Körper drüber hinweg, dass Sebastian ein Kerl ist. Und das ist das einzige, wo du dir zurzeit 100%ig sicher bist. Sebastian ist ein Mann.

Doch als Gefühle ins Spiel kamen, warst du dir nur noch unsicherer mit deiner Sexualität. Vielleicht bist du ja doch schwul? Oder zumindest Bi?

Denn dass du Gefühle für den Verteidiger hast, die über Freundschaft hinausgehen, kannst du nicht bestreiten. Dafür schlägt dein Herz einfach zu laut und unnatürlich schnell, wenn er dich ansieht. Mit seinen wunderschöne Augen und dem tollen Lächeln, was dir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagt und dir eine Gänsehaut beschert. Von den Schmetterlingen im Bauch ganz zu schweigen.

Aber noch wehrst du dich gegen diese Gefühle. Du bist schließlich weder schwul noch bi, also kannst du gar nicht ihn Sebastian verliebt sein. Du bist nicht in ihn verliebt!

„Nein bin ich nich’, verdammt!“ brummst du und kippst dein Bier runter. Dass die Jungs dich verdattert anstarren, fällt dir erst jetzt auf. „Hab ich das etwa laut gesagt?“ verlegen strubbelst du dir durch die Haare.

„Ja. Alles okay bei dir?“ Per mustert dich gleich besorgt. Der Lange nimmt sich die Rolle als Vize sehr zu Herzen und kümmert sich seit deinem ersten Tag bei Werder um dich. So sehr, dass es beginnt dich zu nerven. Du weißt, er meint es nur gut. Aber bist halt einfach kein kleines Kind mehr, verdammt.

Auch wenn deine Teamkollegen das manchmal zu vergessen scheinen. Mag es an deiner Körpergröße liegen oder woran auch immer. Ist ja auch egal jetzt…

„Na, das klingt aber nicht gut.“ Reagiert Clemens auf einen tiefen Seufzer von dir, gibt jetzt also auch seinen Senf dazu. Vollpfosten, echt mal. „Ist alles okay.“ Beendest du das Thema, sofern es jemals zur Debatte stand. „Aber irgendwas ist doch. Du bist in letzter Zeit total abwesend. Und nicht nur jetzt, sondern  immer mal wieder. Selbst beim Training!“

Du musst grinsen, als du Messis empörten Gesichtsausdruck siehst. Man glaubt es kaum, aber für Mesut gibt es nichts Wichtigeres als Fußball. Manchmal fragst du dich, ob er überhaupt ein Privatleben hat, auch wenn du es besser weißt. „Mann, ich kenn dich doch auch ganz gut – irgendwas beschäftigt dich doch.“ fährt der Türke fort und lässt dich wieder seufzen.

Der Kandidat Özil hat 100 Gummipunkte.
Aber du willst nicht darüber reden, nicht mit ihm, nicht mit jemand anderem, nicht jetzt – gar nicht!

„Du weißt, dass du mit allem zu uns kommen kannst, oder?“ Genervt verdrehst du die Augen. Peter, der sich bis jetzt rausgehalten hat, sieht dich nur verständnisvoll an. Du brummst unbestimmt und hoffst, dass sie jetzt endlich die Klappe halten.

„Ist es wegen Kathi?“ reißt dich Sebastians Stimme aus deinen Gedanken.


Ist es normal, dass dein Magen sich gerade überschlägt, als hättest du beim Treppenlaufen ’ne Stufe übersehen? Scheiße, dich hat’s echt erwischt…

Trotzdem ist dir diese direkte Frage lieber, als dieses „um den heißen Brei Gerede“. Auch wenn sie von Sebastian selbst kommt und du kurzzeitig vergisst, wie man Sätze formuliert. Deswegen nickst du auch nur. Nicken ist gut, da muss man nicht reden. Außerdem stimmt es ja auch. Es hat sogar sehr viel mit Kathi zu tun, in gewisser Weise zumindest. Bis vor kurzem hast du schließlich gedacht, du würdest auf Kathi, auf Frauen stehen.

„Was’n los, habt ihr Stress?“ Per sieht ehrlich interessiert aus, scheiße, und jetzt? Kannst ja nicht einfach schweigen, das verbieten dir deine guten Manieren. Unbestimmt zuckst du mit den Schultern. „Mehr oder weniger. Wir sind nicht mehr zusammen. Seit sie vor drei Wochen ausgezogen ist, hab’ ich nichts mehr von ihr gehört.“

Jetzt herrscht erstmal schweigen und die Jungs schauen ziemlich betreten drein. Bis auf Sebastian. Der hält einfach nur sein Bier in der Hand und – grinst. Fuck, der Typ der für dieses beschissene Gefühlschaos verantwortlich ist, wegen dem du nicht mehr ruhig schlafen kannst, sitzt dort und grinst.

„Was ist daran so lustig?“ giftest du Sebastian an. Der schaut dich gleich – ertappt? – an und versichert dir schnell, dass dem nicht so ist. „Das tut mir Leid für dich, Marko.“ Und dir tut es auch leid, dass du ihn so angeschnauzt hast. Trotzdem, du weißt nicht wieso, aber du glaubst ihm nicht. Nicht wirklich.

Du fühlst dich plötzlich müde. Und überfordert. Von deinen Gefühlen, deiner Sexualität und von Sebastian. Was macht er nur mit dir? Weißt es nicht. Im Moment schaut er dich einfach nur an. Er ist schön, stellst du fest.

Warum fällt dir nur bei ihm auf wie schön er ist? Warum hast du nie bei Clemens, oder so, gedacht: „Mann, was sieht der gut aus.“ Oder bei Markus. Die beiden sehen laut seiner Freundin, Ex Freundin, verdammt heiß aus. Nein, bei denen hast du es nie gedacht. Nur bei Basti. Die dunklen braunen Haare, fast schwarz, die Stupsnase… Deine eigenen Gefühle machen dir Angst. Hast ’ne scheiß Angst und bist ratlos.

„Wieso seid ihr denn nicht mehr zusammen. Kathi ist doch sogar mit nach hier gezogen?“ Per versucht es wieder auf die verständnisvolle Art. Na gut, bist ja nicht so und lässt dir alles aus der Nase ziehen. Strubbelst dir also wieder durch die Haare – deine Frisur muss ja voll im Arsch sein.

„Na ja, irgendwie war genau das unser Problem, glaub ich. Kathi fiel es wirklich schwer sich aus Gladbach zu verabschieden. Ich mein, dort hat sie ihr ganzes Leben verbracht und dann soll sie einfach mal mit mir nach Bremen ziehen. Ihr wisst schon, neue Stadt, neue Leute, neues Leben. Aber Kathi hat sich nie beklagt, ist einfach mit mir hier her und zuerst hab ich auch gedacht, dass das alles okay ist.

War’s aber nicht. Wir haben uns halt öfters gezofft, wegen Kleinigkeiten. Aber jeder Streit endete darin, dass sie mir den Wechsel zu Vorwurf machte. Ich hätte ja nur an mich gedacht, sie wäre mir ja sowieso egal gewesen, bla bla, bla. Vor drei Wochen hat sie ihre Taschen gepackt und ist in den nächsten Zug nach Hause gestiegen. Eigentlich hätt’ ich traurig sein müssen oder so, aber ich war’s nicht. Ich war schon fast froh, dass sie endlich weg war.“

Betreten lässt du dein Bierglas auf der Tischplatte kreisen. Fühlst dich schlecht, so für deine Ex zu empfinden. Du weißt, dass es ihr gegenüber unfair ist, ihr alle Schuld zuzuschieben, aber du weißt wirklich nicht, was du falsch gemacht hast. Vielleicht hast du auch alles richtig gemacht, weißt du nicht. Weißt eben gar nichts mehr.

„Also, eigentlich seid ihr aber immer noch zusammen, oder? Ich mein’ keiner von euch hat Schluss gemacht.“ Clemens runzelt die Stirn. Recht hat er, denkst du. „Hmm, eigentlich nicht. Also, sie hat nicht gesagt, dass es vorbei ist, und ich auch nicht, aber… Früher hat sie mich alle zwei, drei Stunden angerufen, wenn ich weg war und jetzt meldet sie sich gar nicht mehr. Und das Schlimmste ist ja, dass es mir eigentlich ganz Recht ist. Ich hab’ einfach keinen Bock mehr. Wenn sie schmollen will, muss sie schmollen. Dann braucht sie aber auch nicht mehr angekrochen kommen.“  Klingt hart, ist aber so.

„Liebst du sie noch?“ Sebastian schaut dich eindringlich an, und du senkst den Blick. Versuchst die Schmetterlinge in deinem Bauch zu ignorieren, sondern in dich hineinzulauschen. Liebst du Kathi noch?

„Nein.“ Antwortest du mit fester Stimme, blickst Sebastian wieder in die eisblauen Augen. Noch etwas, wo du dir 100% sicher bist. Kathi liebst du nicht mehr. Stellst verwundert fest, dass es weh tut. Hast schließlich gerade die längste Beziehung deines bisherigen Liebeslebens (okay, sonderlich viele Beziehungen hattest du nun auch nicht, Fußball war immer wichtiger) für tot erklärt. Das war’s.

„Dann solltest du ihr das vielleicht sagen.“ Bestellst dir auf Pers Rat erst mal noch ’en Bier. Ja solltest du wohl wirklich.

To be continued....
 
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