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von MaryReilly    erstellt: 16.02.2010    letztes Update: 18.02.2010    Geschichte, Romanze / P18 Slash    (fertiggestellt)
Titel: Wie es begann
Autor: MaryReilly
Fandome: Lost
Genre: Slash, Romance, Humor, Lemon
Pairing: Jack x Sawyer
Inhalt: Eine Aufwachszene zwischen den beiden, mit Sawyers Gedanken daran wie alles zwischen ihnen begann ;)

A/N
Also ich muss erst mal den lieben Kommischreibern der beiden OneShots von mir danken. Immerhin hat mich das doch ermutigt weiter zu schreiben und außerdem lassen mich die beiden Schnuckelchen einfach nicht mehr los. Ich könnte mich zwischen keinem von Ihnen entscheiden!
Mittlerweile bin ich auch bei Staffel 5 angelangt nach einer relativ langen Lost-Sessoin und ich denke da kommt noch die ein oder andere Idee :) also keine Panik.

Die FF spielt in der Zeit, als Sawyer wieder vom Floß zurück ist, Jack, Kate und er aber noch nicht bei den anderen sind ^^

Dieses Mal ists allerdings keine OS geworden, sondern ich habe es in zwei Kapitel aufgeteilt... bin gespannt wies euch gefällt. Viel Spaß dabei ;)



*************************

Das Rauschen des Meeres weckt mich aus meinem nur noch leichten Schlaf und ich dränge mich eng an den warmen Körper vor mir. Ein leises Seufzen kommt von dir und ich muss schmunzeln. Kaum zu glauben, dass du es geschafft hast mich derart in deinen Bann zu ziehen, mich zu zähmen –zumindest wenn ich mit dir alleine bin- und mich glücklich zu machen. Ich hatte die Hoffnung, dass ich noch einmal ein solches Glück erleben würde, längst aufgegeben und dann kamst du. Der smarte Doc, der alles besser wusste. Den jeder für den Anführer hielt. Du wolltest es anfangs nicht sein, doch dann hast du dich deinem Schicksal ergeben und, auch wenn ich es niemals öffentlich zugeben würde, hast dich bis jetzt verdammt gut geschlagen.

Ich streiche sanft über deinen Oberarm und bekomme als Dank von dir ein leises „James, noch 5 Minuten.“ Wie immer genieße ich es, neben dir aufzuwachen, was in letzter Zeit glücklicherweise immer häufiger passiert. Mittlerweile hast du deine meisten Sachen in meinem Zelt, vertraust mir auch, dass ich dir nicht wieder die Medikamente stehle. Was sollte ich auch damit? Immerhin bist du das Kostbarste für mich auf dieser Insel, auch wenn ich es anfangs nicht wahrhaben wollte. Mittlerweile glaube ich, dass ich diese Dinge – wie die Waffen und Medikamente wieder an mich zu reißen – nur getan habe, um deine Aufmerksamkeit zu erhalten, wenn die Reaktion auch nicht positiv war.

Gähnend drehst du dich in meinem Arm zu mir und öffnest langsam diese unverschämt süßen Rehaugen. Verschlafen siehst du mich an und lächelst. Ich weiß, dass du genauso glücklich bist, wie ich. „Morgen.“, flüsterst du leise, bevor du mir einen sanften Kuss auf die Lippen hauchst. „Morgen, Doc.“, antworte ich. Ich kann es immer noch nicht lassen, dich so zu nennen. Während du wieder die Augen schließt und deinen Kopf an meine Schulter lehnst, beginne ich dich im Nacken zu kraulen und denke daran zurück, wie wir zusammen gekommen sind.

**********************

Ich glaube, es war einer der heißesten Tage auf dieser verdammten Insel und ich war allein im Dschungel unterwegs. Wollte etwas nachdenken und einfach mal meine Ruhe haben. Ständig belämmerte mich irgendwer wegen irgendwas und ich hatte einfach keine Lust mehr darauf. Noch nicht mal Kate wollte ich in meiner Nähe haben. Der bloße Gedanke an jemandem der anderen löste schon Aggressionen in mir aus. Und so streifte ich durch den Wald, auf dem Weg zu dem Wasserfall in dem Sommersprosse und ich damals den Koffer mit den Waffen gefunden hatten. Die Leichen darin störten mich weniger, immerhin wusste man bei manchem normalem Badesee auch nicht, was sich alles darin befand.

Ohne Mühe fand ich den kleine See und den Wasserfall wieder und trat kurz darauf an den Rand. Ich schloss die Augen und lauschte einfach dem Rauschen des Wassers. Herrlich. Kein Babygeschrei, keine Rumgeplärre oder Gezeter von anderen „Mitbewohnern“, einfach nur das Rauschen. Irgendwo weiter weg hörte ich einen Vogel schreien und davonfliegen.

Ganz in der Annahme, ich hatte mich allerdings nicht wirklich umgesehen, dass ich allein hier war, begann ich mich auszuziehen und meine Kleider achtlos auf einen der Felsen zu werfen. Bevor ich mich jedoch ganz entblätterte, hörte ich ein Räuspern hinter mir und ich wandte mich um. Ein Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen, als ich in die braunen Augen des Insel-Docs blickte. „Was für eine Überraschung. Hätte ich mir ja denken können, dass gerade du mir diesen Ort vermiest.“, meinte ich und stemmte meine Hände auf meine Hüften. Er schloss kurz die Augen und lachte. „Tu dir keinen Zwang an, ich werde dich schon nicht stören.“, antwortete er mir und erst da fiel mir auf, dass er ein Buch in der Hand hatte. Ich war wohl nicht der Einzige, der hin und wieder mal ein wenig Freiraum und Abstand brauchte. Kein Wunder, war er doch noch gefragter als ich, wenn es darum ging nach jemandem zu sehen. Wenn man sich seine Augenringe betrachtete, dann konnte man auch genau sehen, dass er wohl kaum noch schlief.

„Du gönnst dir also auch mal eine Auszeit.“, bemerkte ich und trat näher zu ihm heran. Komischerweise brachte mich jeder der Bewohner heute auf die Palme, nur er nicht. Vielleicht, weil ich ihn insgeheim auf die gleiche Stufe wie mich selbst stellte. Er war mir schon ebenwürdig, auch wenn ich das damals niemals zugeben hätte. „Stell dir vor, hin und wieder brauch sogar ich das.“, meinte er und gähnte kurz. „Das kann ich verstehen.“, gab ich zu. Ich hatte wirklich Verständnis für ihn, schließlich war er der einzige, neben Kate, den ich als so etwas wie einen Freund ansah. Ich mochte es, mich mit ihm zu streiten, aber ich wusste auch, dass man sich immer auf ihn verlassen konnte und wenns drauf ankam, dann hatte er mir immer geholfen. Sah man mal von den Anfängen ab, als er zugesehen hatte, wie Sayid mich gefoltert hatte. Wobei ich daran auch nicht ganz unschuldig war. Ich hätte ja auch gleich sagen können, dass ich nicht hatte was sie wollten. Nun ja, damals kannten wir uns auch noch nicht so gut. Andererseits, kannten wir uns denn jetzt besser? Ich wusste nicht viel über seine Vergangenheit, ebenso wenig wie er über meine. Dafür hatte ich aber mit seinem Vater gesprochen und ich hatte sehen können, wie viel es ihm bedeutet hatte, als ich es ihm erzählt hatte. Ich hatte mich selbst zusammenreißen müssen, als ich bemerkt hatte wie diese Rehaugen sich mit Wasser füllten und hatte nur gehofft, dass er mir das nicht antun würde. Denn was sollte ich mit einem heulenden Kerl anfangen? Ich wusste mir ja bei Frauen schon nicht wirklich zu helfen, aber die konnte man immerhin in die Arme schließen. Ich hatte doch nicht gewusst, wie der feine Doc auf so was reagiert hätte. Aber ich war mir mehr als sicher, dass ich es getan hätte, wäre es soweit gekommen. Doch er hatte sich dann irgendwann umgedreht und war gegangen. Gut so, so hatte ich mein Gesicht gewahrt und er seines.

„Ich bezweifele, dass du mich wirklich verstehst.“, meinte er müde und legte das Buch beiseite. „Ach ja?“ „Ja und außerdem bin ich selbst daran schuld, dass mich alle dermaßen belästigen. Ich spring ja auch immer, wenn mich einer ruft.“, meinte er und seufzte leise. „Da ist was dran.“, stelle ich fest, während ich zu ihm herunter blickte und mir meine Haare zurückstrich. Sogar nur mit Shorts bekleidet schwitzte ich wahnsinnig bei dieser brütenden Hitze. Das Hemd des Docs war auch mehr als nur durchgeschwitzt und ich legte den Kopf schief. „Willst du nicht mitkommen, das Wasser wird dir sicher auch gut tun.“, schlug ich vor und nickte in Richtung See. Er beugte sich etwas zur Seite und blickte zum Wasser hinüber. „Hm… das ist eigentlich nicht so mein Fall.“ „Eigentlich?“ „Ja, aber ich könnte ja mal eine Ausnahme machen.“, antwortete er und ich streckte ihm meine Hand hin, die er einige Sekunden lang anblickte und dann ergriff. So half ich ihm aufzustehen, ging dann wieder zum Ufer des Sees und entblößte mich ganz, denn wenn ich etwas nicht war, dann war es prüde. Ich wartete keine Sekunde, sondern stieg endlich in das kühle Nass und genoss die wohlige Kälte um mich herum.

Als ich wieder auftauchte, war er auch ins Wasser gestiegen. „Und, wie findest dus?“, wollte ich wissen und ließ und mich etwas auf dem Rücken treiben. „Erfrischend.“ „Siehst du Doc, manchmal lohnt es sich doch auf den dummen Südstaatler zu hören.“ „Du bist nicht dumm.“, widersprach er mir und ich blickte ihn wieder an. „Und das aus deinem Mund.“, antwortete ich etwas amüsiert. „Ich meins ernst, Sawyer.“, antwortete er und ich begann zu lachen. „Ich auch, Doc. Also was magst du noch an mir.“, wollte ich wissen und schwamm auf ihn zu. „Wie kommst du darauf, dass ich deine durchtriebene Intelligenz mag.“ „Weil das doch meinen Charme ausmacht.“, antwortete ich und grinste, woraufhin er lachen musste. Es tat gut sich mal keine Gedanken darüber zu machen wo wir gelandet waren und was um uns herum passierte. Ich war mir sicher, dass es Jack genauso ging wie mir. Er wirkte viel lockerer und entspannter. Ähnlich wie damals, als er zum ersten Mal auf der Insel den Golfschläger geschwungen hatte.

„Jack?!“, hörten wir kurz nach unserem Gespräch die aufgeregte Stimme von Charlie, noch bevor wir ihn sahen. „Wenn du einfach untertauchst, findet er dich nicht. Ich verrat dich auch nicht.“, schlug ich vor und meinte das durchaus ernst, doch er rollte nur mit den Augen. „Ich bin hier!“, antwortete er und schwamm Richtung Rand. Endlich kam unser kleiner Rockstar zum Vorschein. „Hurley geht’s irgendwie nicht gut. Ihm ist schlecht, kannst du mal nach ihm sehen?“, wollte er wissen und ich seufzte. „Wird er daran sterben?“, wollte ich genervt wissen. „Nein… ich denke nicht.“, antwortete Charlie und blickte mich leicht verwirrt an. „Dann kann er auch noch warten.“, antwortete ich und tauchte kurz unter. Jack bedachte mich kurz mit einem leicht verärgerten Blick und nickte Charlie zu. „Ich komme gleich.“, antwortete er, ohne auf meine Aussage einzugehen. „Gut. Danke. Er ist am Strand.“, meinte der Jüngere und verschwand kurz darauf wieder in der Richtung, aus der er gekommen war.

„Du kannst es nicht lassen oder? Irgendwann wird dir das zum Verhängnis werden.“, stellte ich ernst fest. „Ich hab zu Hause fast rund um die Uhr gearbeitet, ich weiß was ich verkraften kann, Sawyer!“, antwortete Jack mir und ich lachte kurz sarkastisch. „Du vergisst nur, dass wir hier nicht zu Hause sind, Workaholic. Aber bitte, wenn du denkst du hältst das auf ewig durch, dann tu was du nicht lassen kannst. Aber stell dir mal die eine Frage, was würde Hurley tun, wenn er zu Hause wäre. Er würde sich vermutlich aufs Sofa legen, irgendeinen Schrott im Fernsehen anschauen und nach einer Stunde feststellen, dass es ihm besser geht und irgendwas Fettiges in sich rein stopfen. Denen ist hier doch bloß langweilig.“ „Vielleicht ist es ja was Ernstes und dann?!“, hakte er nach und stieg aus dem Wasser. Ich folgte ihm mit meinem Blick.

Seufzend schüttelte ich den Kopf und ließ mich wieder auf dem Rücken treiben. „Pass auf, dass du nicht zusammenklappst Superman.“, meinte ich leise und durchaus etwas besorgt. Auch wenn es die meisten nicht vermuteten, Menschen die mir etwas bedeuteten sah ich nicht gerne leiden. Zwar konnte ich die Gefühle für Jack nicht wirklich einordnen, aber ich schätzte ihn, zumindest das war klar und deshalb war ich auch besorgt. Ihm war deutlich anzusehen, dass er dieses Non-Stop-Gebraucht-werden irgendwann nicht mehr verkraften würde. Es mochte durchaus sein, dass er es zu Hause gewohnt war, aber wir waren hier auf irgendeiner verfickten, beschissenen Insel. Es war brütend heiß, unsere Ernährung alles andere als ausgewogen und ständig drehte irgendein anderer durch oder wir mussten uns mit Eisbären oder diesen Anderen rumschlagen. Wenn es mal eine Woche am Stück relativ ruhig war, dann war das schon Luxus!

Ohne sich groß zu verabschieden verschwand er, nachdem er sich angezogen hatte. Ich genoss noch eine Weile das kühle Wasser und legte mich anschließend kurz in die Sonne, um mich zu trocknen. Danach zog ich mich an und ging ebenfalls zum Strand zurück, mit direktem Kurs auf mein Zelt. Überrascht stellte ich fest, dass Jack davor saß.

„Sieh einer an.“, kam es leise über meine Lippen und er seufzte. „Ich wollte dich was fragen.“, erklärte er leise und ich ließ mich auf meinem gewohnten Platz nieder und streckte meine Beine aus. „Dann schieß los.“, bat ich und er blickte mich eindringlich an. „Wieso sorgst du dich so um mich?“ „Du bist der einzige Arzt hier. Wer soll mich zusammenflicken, wenn mal wieder was passiert?“, antwortete ich und grinste. Ich wusste genau, dass war nicht der eigentliche Grund. Dennoch war ich nicht der Typ, der einfach so zugab, was er empfand. Ich brauchte Zeit für so etwas und gerade da Jack ja alles andere als weiblich war. „Ja… genau. Wer sollte das machen.“, flüsterte er und schüttelte enttäuscht seinen Kopf. Ich konnte genau sehen, dass es nicht die Antwort war, auf die er gehofft hatte. „Was willst du denn von mir hören Doc? Dass ich dich liebe und mich deshalb sorge?“, hakte ich nach und begann zu lachen. Allerdings spürte ich, dass diese Aussage mehr als unpassend war und außerdem fühlte ich mich mies, nachdem ich es ausgesprochen hatte. Mies, da ich genau wusste, dass doch immerhin ein Fünkchen davon stimmte, aber ich das nicht zugeben wollte.

Jack begann zu lachen. Abwertend. „Ich weiß nicht, was ich mir davon erhofft habe.“, stellte er fest und erhob sich langsam. Er war ein wenig wacklig, was sofort wieder alle Alarmglocken in mir wachrief. „Alles okay?“ „Vergiss es. Kümmer dich um deinen Kram, so wie sonst auch.“ „Du solltest was essen und schlafen, Doc.“ „Halt die Klappe.“ „Ich meins ernst!“, beharrte ich. „Leck mich.“, zischte er und ich verengte die Augen. Er benutzte normalerweise solche Worte nur ganz, ganz selten. Es war eher eine Aussage, die in mein Repertoire fiel. „Mach mir keine so unverschämten Angebote, Jack.“, provozierte ich ihn noch ein wenig weiter, doch er schüttelte nur den Kopf und ging langsam davon. Ich blickte ihm nach, bis er im Wald verschwunden war. Keine Ahnung wohin er unterwegs war, vielleicht zur Station? Ich war schon drauf und dran ihm zu folgen, doch ich ließ es. Unser Gespräch war mehr als schlecht gelaufen und ich wusste genau, dass ich im Moment keine Chance bei ihm hatte.


Der nächste Tag wurde auch nicht angenehmer von den Temperaturen her und ich hatte mich dafür entschieden, mein Hemd einfach auszulassen. Ich saß im Schatten und genoss immerhin den wenigen Wind am Strand, als Mr. Eko mit Charlie auf dem Arm zum Camp kam. Unser Musiker war offensichtlich bewusstlos. Was passiert war, wusste ich nicht und ich hatte auch nicht das geringste Interesse daran, es heraus zu finden. Ich wusste, die beiden bauten an irgendwas, aber auch das war mir egal.

Während ich versuchte mich auf mein Buch zu konzentrieren, bekam ich am Rande mit, wie unser schwarzer Hühne nach Jack fragte und gleich jemand loslief. Es dauerte nicht lange und unser Superheld hatte das Spielfeld betreten und kümmerte sich um den Jüngeren. Ich seufzte und nahm die Brille ab, damit ich besser erkennen konnte was da los war. Immerhin war es nur eine Lesebrille und alles was weiter entfernt war, konnte ich damit nicht mehr erkennen. Doch lange beobachten war nicht drin, da sich eine Menschentraube um Claires Zelt sammelte, da Eko den Musiker dort abgelegt hatte. Vor allem Hurley, dem es auf wundersame Weise wieder besser ging, versperrte mir die Sicht. Deshalb setzte ich die Brille wieder auf und konzentrierte mich auf das Buch. Bis ich den erschreckten Aufschrei „Jack!“ von Claire wahrnham.

„Verdammter Mist.“, fluchte ich, da ich durch die Menschenmenge noch immer nichts sehen konnte, legte das Buch weg und warf die Brille auf den Sitz vor meinem Zelt. Irgendwas war passiert, dass war mir gleich klar und so machte ich mich auf den Weg zu der Menschentraube um Claries Zelt. Dort angekommen, musste ich mich erst mal an Hurley und Locke vorbei drängen und sah dann Kate neben Jack knien. „Was ist passiert?“, wollte ich wissen und ging in die Hocke. „Er ist einfach umgefallen.“, meinte Hurley und ich schnaubte. „Einfach umgefallen? Natürlich. Sommersprosse hilf mir mal, wir tragen ihn in mein Zelt.“ „Wieso in deins?“ „Weil meins größer ist, als deins. Außerdem du weißt doch… Jungs und Mädchen sollten getrennt von einander schlafen.“, meinte ich und grinste sie an, während ich den Doc an den Schultern packte. Kate warf mir einen tadelnden Blick zu, half mir dann aber. Gemeinsam schafften wir ihn in mein Zelt und ich legte ihn auf mein Nachtlager. „Kannst du Wasser besorgen?“, wollte ich von Kate wissen. „Natürlich.“, antwortete sie und verließ gleich darauf wieder meine Behausung.

„Ich habs dir ja gesagt, Doc. Du wolltest nicht auf mich hören.“, erklärte ich und seufzte. Es war einfach alles zu viel für ihn und das musste er sogar jetzt einsehen, wenn er wieder wach wurde. Ich würde auch nicht zulassen, dass er sich gleich nachdem er wieder bei sich war, loszog um gute Taten zu vollbringen. Er brauchte Ruhe und das würde ich jetzt auch meinen Zwangsnachbarn verklickern. Wer zu Jack wollte, der musste die nächste Zeit erst einmal an mir vorbei und so trat ich wieder vor mein Zelt. Wenig überrascht nahm ich wahr, dass die meisten mir und Kate gefolgt waren und nun vor mir standen und mich fragend anblickten.

„Okay, damit eins klar ist… der Doc wird sich die nächsten Tage ausruhen! Ich will niemanden hier vor dem Zelt sehen, nur weil er sich ne Blase gelaufen hat oder zuviel in sich hineingestopft hat!“ „Warum gerade du? Du kümmerst dich doch sonst um niemanden!“, meinte Claire und verschränkte die Arme. „Weil ich nicht ständig was von ihm will. Ich glaube, ihr habt nicht mal bemerkt, was mit ihm los ist oder? Habt ihr ihn euch die letzten Tage mal angesehen?“, wollte ich wissen. „Was ist denn mit ihm los?“, hakte Hurley unschuldig nach und ich seufzte schwer. Bevor ich jedoch zu einer Beleidigung ausholen konnte antwortete Kate für mich. „Er ist überlastet. Er schläft kaum noch, weil er sich ständig um einen von uns kümmert. Er muss sich ein paar Tage ausruhen. Sawyer… hat Recht.“, stellte sie fest und betrat dann das Zelt. „Danke Sommersprosse.“, meinte ich und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ihr seit alle Erwachsen, also kann man doch von euch erwarten, dass ihr euch auch mal um euch selbst kümmern könnt und nicht ständig nen Daddy braucht, der euch sagt was ihr zu tun habt.“ „Sawyer hat Recht, wir sollten Jack ein wenig Ruhe gönnen. Wenn jemand nur leichte Schmerzen hat, bin ich sicher, dass Sun auch einen Rat weiß.“, erklärte Locke und blickte die Koreanerin an. Diese nickte und lächelte zustimmend. „Also, dann löst diese Volksversammlung auf und tut was auch immer tun wollt.“, erklärte ich und betrat ebenfalls wieder mein Zelt.

„Ich bin überrascht Sawyer, soviel Feingefühl hätte ich dir gar nicht zugetraut.“, meinte Kate und grinste. Während sie Jack die Stirn etwas mit einem feuchten Tuch kühlte. Ich schnaubte nur kurz und verengte ärgerlich die Augen. „Du brauchst dich nicht zu verstellen, ich weiß dass dein Herz am rechten Fleck sitzt.“, erklärte sie und legte mir eine Hand auf die Schulter. „Ich bin kein guter Mensch.“, widersprach ich und sie lächelte. „Vielleicht warst du das nicht, aber haben wir hier nicht alle unseren dunklen Geheimnisse. Außerdem… zählt hier nicht mehr, wer wir waren. Es zählt nur was wir tun und wer wir jetzt sind.“, meinte sie. Danach stand sie auf und ging zum Ausgang. „Ich bin mir sicher, du kümmerst dich gut um ihn.“, danach verschwand sie und ich blickte ihr noch einige Sekunden nach, bevor ich durchatmete und mich neben Jack auf den Boden setzte.

Was war es, was mich an diesem Menschen so faszinierte? Ich konnte es nicht mit Bestimmtheit sagen. Sein Aussehen war mir anfangs egal gewesen, ich hatte eher genossen einen Rivalen zu haben, der genauso gut austeilen konnte wie ich. Jemand, der mir die Stirn bot. Ja ich machte mich oft unbeliebt und das hatte ich auch schon mehrfach bei ihm getan und dennoch hatte ich mich niemals wirklich entschuldigen müssen. Auch er hatte sich nicht immer fair verhalten, gerade anfangs, aber war das nicht verständlich. Jeder hatte er erst mal versucht das Beste aus seiner Situation zu machen und ich war nach kurzer Zeit schon in mein normales Muster zurück gefallen. Doch nach und nach hatte ich bemerkt, dass es hier Menschen gab, denen ich nicht egal war. Menschen die mich nicht betrügen oder hintergehen wollten, sondern mir sogar halfen. Das war ungewohnt für mich. Ich war kein Mensch, der allzu schnell anderen vertraute, denn ich war viel zu oft reingelegt worden. Das kam eben davon, wenn man sich mit Verbrechern einließ. Doch diese Menschen hier waren keine Gauner, sie waren ehrliche Leute. Die meisten jedenfalls. Jeder hatte seine Macke, die hatte ich auch und dennoch akzeptierten mich alle und nach einiger Zeit machten den meisten sogar meine spitzen Bemerkungen nichts mehr aus.

„Wasser…“, wurde ich plötzlich aus meinen Gedanken gerissen und Jack blickte mich schläfrig an. Ich griff nach einer der Flaschen, die Kate gefüllt zurück gebracht hatte und legte eine Hand in den Nacken des Docs, um seinen Kopf etwas anzuheben, damit er besser trinken konnte. Nach ein paar Schluck Wasser seufzte er leise. „Danke.“ „Kein Problem, Doc.“, antwortete ich und legte seinen Kopf wieder sanft ab. „Was ist… passiert?“, wollte er wissen und ich seufzte. „Das was ich dir vorher gesagt habe. Du hast dich überanstrengt und bist umgefallen. Wie fühlst du dich?“ „Ging schon mal besser.“, gestand er und schloss kurz seine Augen. „Ruh dich aus. Die nächsten Tage werde ich dafür sorgen, dass dich keiner belästigt.“, sagte ich streng und blickte ihn eindringlich an. Müde sahen diese beiden Rehaugen zu mir auf und ich musste seufzen. Ich war ein hoffnungsloser Fall. Dieser Mistkerl vor mir hatte es tatsächlich geschafft, dass ich so einfühlsam reagierte. Etwas, dass bei mir sehr sehr selten war. „Aber Charlie…“ „Der hat sicher nur nen Sonnenstich oder sonst was, es gibt genug andere hier im Camp, die sich um ihn kümmern können! Du bist derzeit einfach nicht in der Lage, sieh es endlich ein!“, unterbrach ich ihn schärfer, als ich gewollt hatte. Aber dieses störrische Verhalten machte mich rasend. Ich war überrascht, als er nickte und die Augen wieder schloss. „Versuch etwas schlafen. Wenn was ist, ich bin draußen vor dem Zelt und lese das wunderbare Buch „Männer sind vom Mars – Frauen von der Venus.“, meinte ich, was ihn zum lachen brachte. „Warum liest du so einen Schrott?“ „Weil sonst nichts da ist, was ich noch nicht gelesen habe…“, meinte ich und grinste kurz. Danach stand ich auf und ging nach draußen.

Allerdings konnte ich mich nicht wirklich auf das Buch konzentrieren, denn meine Gedanken schweiften ab zu unserem letzten Gespräch. Noch immer hatte ich den Eindruck, dass er enttäuscht über meine Antwort gewesen war, aber warum? War es möglich, dass er sich vielleicht doch mehr für mich interessierte, als ich angenommen hatte? Das würde bedeuten, meine Gefühle waren vielleicht doch nicht so einseitig… Moment! Was für Gefühle?! Ich wollte nichts von diesem strahlenden Superhelden, der alles immer irgendwie im Griff hatte und sich als Anführer aufspielte! Nein, das war ganz und gar ausgeschlossen!! Er war nicht mehr als ein Freund, ein Mensch dem ich vertrauen konnte und den ich deshalb schätzte. Punkt!

Erneut versuchte ich mich auf das Buch zu konzentrieren und schob diesen einen Gedanken ganz weit von mir weg. Er war ein Kerl, genauso wie ich und ich war nicht schwul! Ich stand nicht auf Männer und schon gar nicht auf solche wie Jack. Er war wirklich sehr männlich und auch noch überaus gut bestückt, wie mir bei unserem Badespaß aufgefallen war. Außerdem fand ich seine Tattoos irgendwie sehr anziehend, den Dreitagebart auch und ich liebte es wenn er lachte. ARGH!! Verdammt! Jetzt war ich doch wieder bei diesem Gedanken. Wütend klappte ich das Buch zu. Was zur Hölle war los mit mir?! Das lag doch sicher wieder an dieser verfluchten Insel! Verdammt noch mal, dass konnte nicht wahr sein!! „Fuck!“, entfuhr es mir, als ich das Buch wütend in den Sand schleuderte. Was hatte dieser charmante Mistkerl mit mir gemacht. Dieser verfluchte Hurensohn! Wütend verengte ich meine Augen und nahm die Brille wieder ab. Frustriert verschränkte dich die Arme vor der Brust. Ich war sauer! Aber nicht auf ihn, sondern auf mich selbst. Auf mich, weil ich diese verfluchten Gefühle nicht in den Griff bekam. Allerdings versuchte ich es auf ihn zu schieben, schließlich ist es immer leichter die Schulter bei anderen suchen, als bei sich selbst! Aber eins war nun mal Tatsache, ich war drauf und dran mich in diesen Bastard zu verlieben. Drauf und dran? Nein, es war bereits viel zu spät für mich!

Bis in den Abend hinein dachte ich immer und immer wieder über diese verzwickte Situation nach. Ab und an hatte ich nach Jack gesehen, doch er hatte durchgeschlafen. Das tat ihm sicherlich mal gut.

„Hey. Wie geht’s ihm?“, wollte Kate wissen, als sie sich mir gegenüber im Sand nieder ließ. Die Sonne war bereits untergegangen und ich hatte eine Fackel vor dem Zelt in den Sand gesteckt. Immerhin wollte ich nicht ganz im Dunkeln sitzen. „Er schläft.“, antwortete ich knapp. „Gut.“, meinte sie und lächelte. „Du hast dich ganz schön für ihn eingesetzt.“, sprach sie nach einer Weile weiter und ich seufzte. „Kann sein.“, ich hatte keine Lust auf ein solches Gespräch. Ich wollte meine Ruhe, lieber Trübsal blasen und mich über mich selbst ärgern! „Woher kommt denn das plötzliche Interesse?“, wollte sie wissen. „Hast du nichts besseres zu tun, Sommersprosse, als mich zu nerven?“, zischte ich und rieb mir kurz die Augen. Irgendwie bereitete mir das ganze Kopfschmerzen. „Nein.“, antwortete sie mir und ich seufzte resigniert. „Er hat mir eben auch schon oft geholfen.“, versuchte es ich es und hoffte, sie würde sich damit zufrieden geben. „Ich glaub nicht, dass es daran liegt, Sawyer. Ich denke, da ist noch was ganz anderes im Spiel.“ „Das denken sollte man Pferden überlassen, die haben die größeren Köpfe.“, konterte ich und dann erlöste mich der Doc, in dem er die Plane des Zeltes öffnete und uns verschlafen anblickte. „Müsst ihr so einen Krach machen?“, wollte er leise wissen und räusperte sich. „Endlich wieder unter den Lebenden?“, hakte ich nach und er gähnte kurz. „Sieht wohl so aus, ich hol mir was zu essen.“ „Du bleibst schön liegen, ich mach das.“, bestimmte ich wieder. „Sawyer…“ „Keine Widerrede, setz dich. Pass auf, dass er nicht wegläuft!“, bat ich Kate und sie nickte. „Klar.“ „Ich brauch keine Kindermädchen.“, murrte Jack und ließ sich auf dem Platz an nieder, an dem ich noch vor wenigen Sekunden gesessen hatte und zog die Beine an seinen Körper. Ihm war kalt. Kein Wunder, wo er gerade erst aufgewacht war. Aber das würde sich sicher schnell wieder legen.

Ich ging zu unserer provisorischen Küche und suchte ein paar Kräcker und Obst zusammen, das ich ihm geben konnte. Gerade als ich zurück gehen wollte, sah ich etwas, was meine ganze Einstellung zu dem Thema „Doc“ ändern sollte. Kate war näher zu ihm heran gerückt und hatte eine Hand an seine Wange gelegt. Keine Ahnung, was sie da tat, aber ich war auf der Stelle eifersüchtig. Wütend darauf, dass ich die beiden allein gelassen hatte und dass Jack lachte, führte mir vor Augen, wie schnell ich ihn an jemand anders verlieren könnte. Ha! Dabei hatte ich ihn nicht mal für mich gewonnen! Wollte ich das überhaupt?! Ich schüttelte den Kopf über mich selbst und ging zurück zu meinem Lager. „Stör ich euch beide etwa?!“, wollte ich schroff wissen. Woraufhin Kate mich erschrocken ansah und ihre Hand zurück zog. „Nein, ich hab nur…“ „Ja. Ich habs gesehen. Hier.“, meinte ich an Jack gewandt und drückte ihm das Essen in die Hand. „Danke.“ „Ich lass euch Turteltauben dann mal allein.“, murrte ich und warf beiden nochmals einen bösen Blick zu. Danach betrat ich das Zelt.

Verdammt! Ich führte mich wirklich kindisch auf! Zwischen ihnen lief doch nichts! Das wusste ich doch! Und dennoch hatte ich mich nicht zurückhalten können. Egal wie sehr ich es gewollt hatte. Was auch immer sie da getan hatten, es passte mir nicht!

„Was ist los mit dir?“, hörte ich Jack hinter mir. In der einen Hand hielt er die Schale mit Obst und in der anderen die Kekse. „Nichts!“ „So sieht es aber nicht aus. Es war wirklich nichts. Ich hatte etwas Sand an der Wange. Kate hat ihn nur…“ „Schon klar!“ „Warum rechtfertige ich mich überhaupt...“, wollte er dann leise wissen und seufzte schwer. Dann nahm er auf meinem Bett platz und blickte zu mir auf. „Setz dich.“ „Was?“ „Du sollst dich setzen!“, bat er und nickte neben sich. Ich hatte aber keine Lust mich zu ihm zu setzen und mir irgendwelche Erklärungen für etwas anzuhören, von dem ich wusste, dass nichts war... und mich trotzdem eifersüchtig machte. „Ich weiß nicht was das bringen soll.“ „Setz dich erst mal, dann wirst du es schon sehen!“, befahl er scharf und ich schluckte. Eigentlich noch ein Grund mehr, mich nicht zu setzen. Wie er mit mir sprach, gefiel mir nicht und dennoch... er war hier in meinem Zelt und ganz offensichtlich wollte er irgendwas klarstellen. „Also schön!“, murrte ich beleidigt und ließ mich mit einem lauten Seufzer neben ihm fallen. Ich schlug die Beine unter und verengte die Augen. „Und jetzt Big Boss?!“, hakte ich gereizt nach. Würde das jetzt immer so gehen? Dass ich ihm nicht widerstehen konnte, wenn er etwas von mir verlangte?! Fuck, ich war doch echt erbärmlich!!

„Jetzt... hältst du die Klappe und isst mit mir.“, bestimmte er und stellte die Schale mit Obst in die Mitte. „Wieso?“ „Weil du auch den ganzen Tag nichts gegessen hast.“ „Woher willst du das wissen? Du hast den ganzen Tag geschlafen!“, beharrte ich. Ich war beleidigt und würde ganz sicher nichts anrühren! Dachte ich zumindest. „Ja, dass ist wahr.“, gestand er und blickte mich an. Wieder diese braunen Augen. Zum Verzweifeln! „Aber ich kenne dich mittlerweile so gut, dass ich weiß... du hast den ganzen Mittag vor dem Zelt gegessen und dich keinen Meter davon entfernt. Wenn das Essen dir also nicht zugeflogen ist, was ich sogar auf dieser Insel hier für unwahrscheinlich halte, dann hast du nichts gegessen.“, erklärte er und ich rollte mit den Augen. „Bist du jetzt zum Wahrsager mutiert?“, wollte ich wissen und er lachte. „Iss doch einfach mit mir und sei nicht eifersüchtig auf Kate.“, antwortete er und ich verengte die Augen. „Wie kommst du darauf, dass...“ „Es ist offensichtlich, Sawyer.“ „Was?! Du bist ein Kerl, genau wie ich und warum sollte ich auf Kate eifersüchtig sein? Ich bin nicht schwul.“ „Das habe ich auch nicht gesagt, oder?“, hakte er nach und seufzte kurz. „Ich bin es auch nicht und trotzdem... ist da etwas. Etwas, dass eigentlich nicht da sein sollte und etwas, das ich bisher... nur bei Frauen empfunden habe.“, erklärte er leise und ich konnte deutlich sehen, wie schwer es ihm fiel. Doch irgendwie war ich erleichtert, auch wenn ich natürlich nicht sofort darauf anspringen konnte! Wäre ja noch schöner! „Wie meinst du das?“, wollte ich deshalb wissen und verengte die Augen. Er erwiderte kurz den Blick und wand ihn dann ab. Einige Sekunden brauchte er, bevor er mir antwortete. „Ich finde... dich anziehend.“


tbc
 
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