■
Geschichte: Fanfiktion
/ Musicals
/ Wicked – Die Hexen von Oz
/ Nur ein Tag
||||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
Linksbündig|Blocksatz
gering|normal|groß|sehr groß
von Caro88
erstellt: 14.02.2010
letztes Update: 14.02.2010
Geschichte, Romanze / P6
(fertiggestellt)
---
„Elphie, was denkst du eigentlich über den Valentinstag?“
Gesprochen von einem zuckersüßen Mund durchdrang die Frage die Stille im Zimmer 22 des Mädchenflügels der Universität in Shiz. Es war später Abend und das Gelände lag in tiefe Dunkelheit gehüllt. Die spärlichen Laternen vermochten die Nacht nicht zu durchdringen. Im besagten Zimmer brannten nur wenige Kerzen, die mit ihrem sanften Licht lange Schatten warfen. In den Momenten, in denen schlanke Finger die Buchseiten vor sich umblätterten, fiel für einige Augenblicke ein großer Schatten auf das Bett, welches die Frage verlassen hatte.
Auf diesem Bett saß Glinda Upland, ihres Zeichens heißgeliebtetes Mädchen in Shiz. Die Herrschaften lagen ihr willenlos zu Füßen, wenn sie morgens mit ihren perfekten Locken und einem Lächeln aus ihrem Zimmer trat. Um sie scharrten sich unzählige Freundinnen in nicht annähernd so koketten Kleidern, wie Glinda sie trug. Niemand würde ihren Status erreichen können, denn niemand wagte ihn auch nur anzurühren.
Trotz weltgewandter Themen bei Tee und Pralinés war das blonde Mädchen doch eben auch nur ein Mädchen. Jeden Februar schlug sie ein neues Kalenderblatt auf und warf seufzend einen Blick auf den 14. des Monats. Schon als sehr kleines Mädchen hatte ihre Mutter ihr von der Bedeutung des Tages erzählt – wie man sich Karten schreibt, sich Geschenke macht. Wie heimliche Verehrer an dem Tag genug Mut fanden, ihrer Angebeteten Blumen zu schicken. Wie Pärchen sich in Cafés zusammenfanden, um zweisam ihre Verliebtheit zu genießen. In allen Geschäften der Städte Oz‘ wurden Kleinigkeiten und Wunderlichkeiten angepriesen, wobei die Verkäufer nicht vor allerlei Scharlatanerie zurückschreckten. Liebestränke, die unwillige Herzen schmelzen lassen sollten, wurden genauso feilgeboten wie niedliche Plüschtiere und erotische Spielereien. Seit damals hatte Glinda sich einen Freund an ihrer Seite gewünscht, der sie anbettete und ihr am Valentinstag Geschenke machte.
„Es ist ein Tag, an dem die Hormone junger Herren übersprießen, um die Gesichter junger Damen zum Erröten zubringen, nichts weiter.“
„Elphie!“, empörte sich Glinda und warf ihrer Zimmergenossin einen scharfen Blick zu.
Zwar hatte das blonde Mädchen mit einer sarkastischen Antwort ihrer Zimmernachbarin gerechnet, doch von Zeit zu Zeit war sie trotzdem davon überrascht, dass ihre Mitbewohnerin so viel Distanz in einen einzigen Satz zu legen vermochte.
Elphaba saß an ihrem Schreibtisch, der mit Büchern und Notizen übersät war. Zwischen altehrwürdigen Geschichtsbüchern fanden sich neuzeitliche Schriften über TIERE, Vererbung und Anatomie. Ein Fass voll dunkler Tinte stand neben einer heruntergebrannten Kerze. Diese warf warmes Licht auf das konzentrierte Gesicht der Studentin. Manch einer hätte es für eine optische Täuschung gehalten, doch selbst Kerzenlicht vermochte nicht einfach die Haut eines Menschen zu verfärben, Elphaba war tatsächlich grün.
In ihrer Hand hielt sie eine alte Feder, mit der sie sich Notizen machte. Das kratzende Geräusch des Kiels war, neben dem Rauschen mächtiger Bäume vor ihrem Fenster, das einzige Geräusch im Zimmer gewesen, bevor Glinda ihre Frage gestellt hatte.
„Was denn?“, fragte Elphaba, ohne von ihrem Buch aufzuschauen. „Wie kannst du nur so etwas … Unverschämtes über den Tag der Liebe sagen?“
Die Angesprochene seufzte kurz, bevor sie die Feder beiseite legte. Mit der anderen Hand fuhr sie sich über das Gesicht.
Glinda beobachtete die Bewegungen ganz genau. Schon vor einer Weile hatte sie gemerkt, dass sie ihren Blick nur schwerlich von der grünen Haut lösen konnte. Immer wieder ertappte sie sich dabei, wie sie ihre Mitbewohnerin, vor allem in Vorlesungen, anschaute. Elphaba saß oftmals in einer der ersten Reihen. Glinda, die prinzipiell weiter hinten saß, konnte sich schon eine Weile nicht mehr auf den Stoff konzentrieren, der gelehrt wurde. Stattdessen fielen ihr die Verhaltensweisen und Eigenarten ihrer Zimmernachbarin auf. Wie sich die Muskeln an ihrer Schultern unter dem Pulloverstoff spannten, wenn sie sich im Unterricht meldete. Wie ihr Gesicht beim Lesen einen offenen, neugierigen Ausdruck annahm, wenn sie etwas Neues erfuhr. Wie sie saß, ging, lernte.
Auch jetzt war es das Spiel aus Licht und Schatten in dem grünen Gesicht, was Glindas Aufmerksamkeit auf sich zog.
Doch Elphabas fragender Blick riss sie zurück in die Realität. Schon öfter war es der Blonden passiert, dass ihre Zimmergenossin ihr Starren bemerkt hat. Jedes Mal stieg ihr die Schamesröte heiß ins Gesicht. Elphaba allerdings hatte nie etwas dazu gesagt, sondern immer nur unauffällig gelächelt.
Das grüne Mädchen hatte sich inzwischen zu Glinda gedreht, die auf ihrem Bett saß, was hinter Elphabas Schreibtisch stand. Sie holte tief Luft und begann zu sprechen: „Liebe Glinda, es ist nicht dein Ernst, dass du den 14. Februar für einen besonderen Tag hältst?“
Glinda kaute unter dem musternden Blick unbehaglich auf ihrer Unterlippe. Wenn ihre Mitbewohnerin sie so anschaute, hatte sie das Gefühl, sie sei aus Glas. Die dunklen Augen schienen sie zu durchbohren. Sie fühlte sich klein, zerbrechlich und unseglich dumm unter dem strengen Blick, weswegen ihre Antworten in solchen Momenten meist nur zögerlich kamen.
„Na ja … also … es ist ja der Tag der Liebe …“, stotterte Glinda. Elphaba fiel ihr ins Wort: „Der Tag der Blumenverkäufer! Wann im ganzen restlichen Jahr werden so viele Blumen verkauft wie am Valentinstag?“
„Ich weiß es nicht“, antwortete Glinda.
„Siehst du. Heute weiß nämlich niemand mehr, woher die Bräuche eigentlich stammen.“
„Woher denn?“
„Denkst du, ich weiß so etwas?“, fragte das grüne Mädchen amüsiert.
„Du weißt sonst auch so vieles“, meinte Glinda mutig, während sie Elphaba anschaute. Diese antwortete mit einem besonnenen Lächeln: „Das Datum, also der 14. Februar, kommt von einem Gedicht, welchen vor einigen hundert Jahren am Hof der Ozma vorgetragen wurde. In dem Gedicht wird davon erzählt, wie Vögel sich zu diesem Tag um Lurlina versammeln, damit jeder von ihnen einen Partner findet. Ungefähr 200 Jahre später dann kam es zu der Verschmelzung von Briefen und Blumen als Symbol des Valentinstages. Die Frau eines Dichters schenkte ihrem Mann als Zeichen ihrer Freude und des Dankes Blumen, weil er ihr Liebesbriefe geschickt hatte. Daraus ergab sich die Tradition, die sich in den Kreisen reicher Ozianer durchsetzte. Aber bald schon wurde das auch von der normalen Bevölkerung übernommen.“
„Das ist sehr romantisch, mit Vögeln, Blumen und Briefen“, sagte Glinda leise.
Elphaba erwiderte mit einem schiefen Grinsen: „Nun ja! Heutzutage weiß eigentlich niemand mehr etwas von den Ursprüngen des Valentinstages. Alle eifern einfach Bräuchen nach, ohne ihre eigentliche Bedeutung zu begreifen – das alles nur, weil es schon immer so gemacht wurde.“
So lieblich ihr die Erzählungen über die Entstehung der Valentinstraditionen vorgekommen waren, umso mehr störten Glinda die abwertenden Worte ihrer Mitbewohnerin. „Ich finde es schön, wenn man verliebt ist und sich das an dem Tag durch Gesten zeigt. Du nicht?“
„Glinda, Liebes, es ist auch nur ein Tag wie jeder andere.“
Das blonde Mädchen hatte genug von Elphabas Missmut. Sie stand unwirsch auf und ging, ohne ein weiteres Wort zu sagen, ins Badezimmer. Stirnrunzelnd wandte sich Elphaba wieder ihrem Buch zu. Sie war schnell wieder auf den Text vor sich fixiert und derart konzentriert, dass sie gar nicht bemerkte, wie Glinda in ihrem Nachthemd zurück ins Zimmer kam und sich ins Bett legte. Auch sah sie nicht die glitzernde Träne, die leise über die Wange ihrer Zimmergenossin rollte. Erst, als sie selbst zu Bett ging, bemerkte sie, dass Glinda längst eingeschlafen war. Es war bereits nach Mitternacht. Es war bereits der 14. Februar.
Als Glinda am Morgen aufwachte, war im ersten Moment alles gut, doch schnell kamen ihr Elphabas pessimistischen Worte wieder in den Sinn. Ihr Herz wurde ihr schwer, als sie sich erinnerte, dass in den Augen des grünen Mädchens der Valentinstag nur ein gewöhnlicher Tag war. So ging sie ohne den ihr üblich innewohnenden Schwung ins Bad, um sich für den Tag fertig zu machen.
Elphaba war längst gegangen. Vermutlich saß sie schon seit Stunden in der Bibliothek oder arbeitete mit Doktor Dillamond an seinen Projekten. Sicherlich würde Glinda sie erst am Abend wieder zu Gesicht bekommen.
Der Blick des blonden Mädchens wanderte zu ihrem Schreibtisch, auf dem sie eine Vielzahl Blätter zusammengetragen hatte, die sie für ein Essay benötigte. Dabei fiel ihr eine schlichte Karte auf, welche auf dem Stapel lag. In der rechten unteren Ecke der sonst weißen Karte war ein einfaches, rotes Herz gemalt.
Glinda runzelte die Stirn und wunderte sich, von wem die Nachricht sein konnte und wie sie auf ihren Tisch gekommen war. Mit leicht zitternden Händen und rasendem Herzen voller Hoffnung griff sie danach und schlug die Karte auf.
Mein Liebes,
ich habe gesagt, der Valentinstag ist wie jeder andere Tag im Jahr. Daran halte ich auch weiterhin fest. Doch erklären möchte ich dir, wieso das so ist.
Es ist ein ganz gewöhnlicher Tag, an dem durch Zufall vor vielen Jahren ein bedeutender Poet etwas verfasst hat, was romantisch ist. Es ist ein ganz gewöhnlicher Tag, an dem sich die Menschen aus Tradition Blumen schenken und Briefe schreiben.
Doch überlege, mein Liebes, liebst du an diesem Tag anders? Schaust du deinen Gegenüber mit anderen Augen an, küsst du anders? Fühlt sich die Liebe in deinem Herzen anders an?
Ich bin mir sicher, sie tut es nicht. Für mich jedenfalls ist Valentinstag ein Tag, an dem ich fühle wie an allen anderen. Ich müsste dir jeden Tag Blumen schenken, dich auf Händen tragen und auf Rosen betten.
Aber vielleicht reicht es heute auch, wenn ich dir einfach sage, dass ich dich liebe.
Deine Elphaba
„Alles Gute zum Valentinstag“, flüsterte eine Stimme in Glindas Ohr, bevor sie den süßen Kuss auf ihrer Wange spürte und schließlich wusste, dass der 14. Februar auch nur ein Tag wie jeder andere war.
I adore you.
||||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
Linksbündig|Blocksatz
gering|normal|groß|sehr groß
