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von StormXPadme
erstellt: 12.02.2010
letztes Update: 25.06.2010
Geschichte, Drama / P18
(fertiggestellt)
DIESE GESCHICHTE HAT DEN FANFICTION GENERAL AWARD 2010 GEWONNEN
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Sooo, hier bin ich wieder… Und diesmal isses der definitiv letzte Teil der Serie *lach*. Ihr kriegt eh im Disclaimer noch mal n großes Danke, aber ich wollt auch hier schon mal alle ganz fest drücken, die mir die ganze Zeit so treu sind… Ich freu mich über jede einzelne Rückmeldung, egal wo, egal wie lang, und ihr lasst mich nie im Stich. Danke schön! Ich hoff, ich kann euch mit diesem letzten Teil noch mal n bissl in Atem halten… Wer die Phoenix-Vorgänge der Comics kennt, kann sich eh schon denken, dass da net immer alles so is, wie es zuerst scheint *in sich hinein grins*. Ein großer Dank geht an dieser Stelle noch mal an Kathys Song, die mir bei der Grundgestaltung von Teil 9 und 10 geholfen hat. *ihre Kati knulls* Und jetzt: Viel Spaß!
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bisherige und Nachfolgeteile dieser Serie:
- Pilot: http://www.fanfiktion.de/s/4943da490000161f069003e8
- Teil 1: http://www.fanfiktion.de/s/4947fa690000161f069003e8
- Teil 2: http://www.fanfiktion.de/s/495680680000161f069003e8
- Teil 3: http://www.fanfiktion.de/s/495bb4ff0000161f069003e8
- Teil 4: http://www.fanfiktion.de/s/49734e760000161f069003e8
- Teil 5: http://www.fanfiktion.de/s/4992100f0000161f069003e8
- Teil 6: http://www.fanfiktion.de/s/49a5a7210000161f069003e8
- Teil 7: http://www.fanfiktion.de/s/49dd016a0000161f069003e8
- Teil 8: http://www.fanfiktion.de/s/4a3e2b620000161f069003e8
- Teil 9: http://www.fanfiktion.de/s/4ae1a8930000161f069003e8
Outtake:
- 'Snow angel (Storm)': http://www.fanfiktion.de/s/4bffe7450000161f069003e8
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Serie: X-Men: Weathered I
Titel: A WING AND A PRAYER (#10)
Titelbild: http://i296.photobucket.com/albums/mm194/stormxpadme/art/awaap.jpg
Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=GpoaQgKe2tI
Autor: Storm{X}Padmé
Disclaimer: Alle originalen Charaktere und Elemente gehören Marvel, den Rechteinhabern und allen, die dafür bezahlen. Ich geb sie ja wieder zurück, ich leih sie mir doch nur... Ich tu ihnen auch nicht weh… Jedenfalls nicht sehr *G*.
Universum: Realfilme Teil 1 und 2; Teil 3 schließe ich aus meinem persönlichen Canon aus.
Zeitlinie: ein halbes Jahr nach dem Film ‚X2‘
Zensur: Nc 17 (Gewalt, Erotik)
Zusammenfassung: Das Universum in größter Gefahr. Eine letzte, verzweifelte Rettungsmission gescheitert. Drohender Krieg auf der Erde. Doch es heißt, in der größten Dunkelheit brennt das Licht einzelner Kerzen am hellsten. Das Licht, das man Mut nennt.
formale Bemerkungen:
- kursive Sätze = Erinnerungen, Träume oder zur Betonung
- Sätze in ‚ ‚-Zeichen = eigene Gedanken, Telepathie oder indirekte Rede
Feedback: Ist nicht nur erwünscht sondern wird auch geknuddelt, abgeschmust, gestreichelt und George genannt :D
Danke an: die Leute, die die Veröffentlichung dieser Fanfic-Serie bis hierher mitgetragen haben; danke an meine Reviewer Pooky, Satansbratn, Daughter of Joy, Wanjlinke, Sol Deande, Depp, Stoffpferd, Blossom, Risk85, Lilly, Kuschelkuekchen, phazonshark, Littlun, Ailin, ViCar, Tolsimir, KathysSong, Qantaga, Sweet-Lady, Hanni0815, plesant, Holo25 und ff-leser! Ihr seid die Besten!
X-Men: Weathered I
A WING AND A PRAYER
(#10)
A WING AND A PRAYER
(#10)
1
Die Redezeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten auf der wohl wichtigsten Konferenz der vereinten Militärnationen der Nachkriegszeit war so gut wie zu Ende, und Dean McKenna hatte nach wie vor nicht das Gefühl, dass ihm irgendjemand wirklich zuhörte. Ansonsten hätte man öfter versucht, ihn während seiner kleinen Ansprache zu unterbrechen. Nur gut, dass er in vielen langwierigen Diskussionen im Weißen Haus über genau diesen vorurteilsbeladenen theoretischen Mist, der heute auf der Tagesordnung stand, Übung darin hatte, potentielle Störenfriede mit einem etwas schärferen Tonfall, ohne auch nur ein einziges Mal innezuhalten, zum Schweigen zu bringen. Er hatte seine Vorschläge angebracht, vornehmlich der einer friedlichen Einigung und des Abwartens, bis man die genauen Vorgänge um den Anschlag der Bruderschaft auf New York und die Zerstörung der Stadt durch Phoenix aufklären konnte. Und er hatte keine Illusionen, dass man selbige Vorschläge an jedem einzelnen der 28 räumlich dezent abgetrennten Plenumstische für Unsinn hielt. Aber immerhin gönnte man ihm die Möglichkeit, diesen Unsinn genauso lange und ausführlich vorzutragen wie die anderen vorhin ihre um einiges aggressiveren Lösungsvorschläge.
Viel gab es nicht mehr zu sagen. Abwesend faltete Dean seinen Notizenzettel zusammen, von dem er sowieso kein einziges Mal während seiner Ansprache abgelesen hatte. Aber auf diesen hell linierten Zettel mit seiner unleserlichen eigenen Handschrift zu sehen, das war leichter gewesen als von argwöhnischen, unverständlichen Blicken auf seinem nicht vorhandenen Heißen Stuhl gegrillt zu werden. Das grelle Scheinwerferlicht, verstärkt auf sein Pult gerichtet, blendete ihn, als er ein letztes Mal die regelrecht peinlich berührten Mienen der Anwesenden musterte.
Sein alter Lieblingsrivale bei solchen Versammlungen, der stämmige, schmierige Kerl, der in Deutschland die Fäden in der Hand hielt, stand bereits an seinem eigenen Pult und musterte ihn mit schief nach unten verzogenen Mundwinkeln, wartete wohl nur darauf, seine Argumente in der folgenden Diskussion in der Luft zu zerreißen. „Kommen Sie zum Schluss, President McKenna. Die Welt wartet auf unsere Entscheidungen.“
Wenigstens einmal an diesem Tag meldete sich Deans schärfster Konkurrent im Weißen Haus, der Verteidigungsminister, zu Wort und wies die vorlaute Stimme aus den eleganten Reihen der Kiefernholztische zurecht. „Der Vorsitz der Konferenz obliegt dem Präsidenten, Kanzler.“
Natürlich ließ er es sich nicht nehmen, Dean unter seinem betont höflichen Lächeln auch noch eine unhörbar leise Aufforderung zu zu zischen, dass er zum Punkt kommen sollte.
„Und doch muss ich unserem energischen Freund aus Europa zustimmen“, erhob er nach einem letzten tiefen Durchatmen noch einmal das Wort. „Man erwartet unsere Entscheidung, die Demonstranten auf den Straßen, mit ihren schussbereiten Waffen unter ihren friedlichen Transparenten, genauso wie die verängstigten Zuschauer zuhause vor ihren Fernsehschirmen, die nirgends mehr sicher zu sein scheinen. Es ist unsere Aufgabe, diese Sicherheit zu gewährleisten, in diesem Punkt sind wir uns alle einig. Und genau das machen wir uns selbst unmöglich, wenn wir jetzt Maßnahmen billigen, die uns in einen Krieg führen. Die Stimmung da draußen ist angespannt genug, meine Damen und Herren. Man wartet nur auf einen Schritt in eine gewalttätige Richtung einer Seite. Genau darum müssen wir jetzt Ruhe bewahren, uns mit unserem potentiellen Feindbild näher auseinandersetzen und Kontakt mit jenen suchen, die uns nicht feindlich gesinnt sind. Der Weg heißt, Kompromisse zu finden, nicht…”
„Mister President! Der Himmel!“ Einer der Securities stürmte völlig aufgelöst an seinen Kollegen an der Tür vorbei in den Sitzungssaal, jegliche Regeln von Anstand, jegliche Vorschriften ignorierend, und sämtliche pikierten Blicke der Anwesenden noch dazu. Er lief an den im Halbkreis nach oben hin aufgereihten Tischen vorbei zu der großen Fensterfront, bevor ihn irgendjemand von den viel zu verblüfften Anzugträgern aufhalten konnte.
Nach einem Druck auf den Kontrollschalter schoben sich die fest verschlossenen Blenden über den meterhohen, kugelsicheren Glasscheiben nach oben, so nervenaufreibend langsam, dass sich bereits alle Anwesenden dort versammeln hatten, neugierig und ängstlich zugleich, bevor der Blick nach draußen frei wurde. Eng aneinander gedrückte Körper verknitterten teure Designerkostüme, der Geruch von Zigarren und Designerdrogen stieg Dean in die Nase, als er selbst wie benommen die wenigen Schritte vom Pult zu den anderen hin taumelte.
Er war vermutlich der einzige im Saal, der angesichts der orangefarben leuchtenden Silhouette eines Raubvogels am Nachmittagshimmel nicht einen Hauch von Überraschung verspürte. Nur Furcht… und bittere Resignation. Er hätte sich seine Ansprache in der Tat sparen können. Das Team von Mutanten, das er in verzweifelter Hoffnung nach da oben ins All geschickt hatte, um diese Bestie zu vernichten, hatte versagt.
„Das ist wohl die Art von Kompromiss, den Ihre Mutantenfreunde einzugehen gedenken, Mister President“, stellte der deutsche Bundeskanzler trocken fest, sich mit einem großen Taschentuch seine gerötete Stirn abtupfend.
„Und jetzt?“ Eine viel zu hohe, aufgebrachte Frauenstimme – die niederländische Außenministerin, wenn sich Dean nicht täuschte – reagierte nicht ganz so ruhig auf die neuerliche Bedrohung. „Dieses Ding kommt direkt auf uns zu!“
„Nicht auf uns. Auf New York.“ Die Worte kamen über Deans Lippen, bevor er darüber nachgedacht hatte. Es machte keinen Unterschied mehr, die falschen Leute ahnten ohnehin schon, dass er viel mehr über diese Sache wusste als alle anderen. Phoenix würde nicht in New York bleiben, man würde also ohnehin keine Zeit haben, um ihn zu ersetzen, bevor es keinen Präsidenten mehr brauchen würde. Ihm blieb nur noch eine letzte traurige Aufgabe auszuführen.
„Verständigen Sie ihre Truppen, rufen Sie den Notstand aus. Versenden Sie Pressemeldungen an die ganze Welt, auch an die Nicht-Mitgliedsstaten. Jeder, der irgendwo ein Flugzeug oder eine Waffe hat, soll sich bereit halten. Planetare Verteidigung um jeden Preis.“
„Was ist mit uns?“ Von der vorherigen latenten Genervtheit und Ungeduld seines wichtigsten Ministers war angesichts dieser Neuerungen nicht mehr viel zu merken. Der Mann hatte in den letzten Jahren immer am lautesten nach einer Kontrolle über die Mutanten geschrien, große Reden von Spezialeinheiten und Ausbildungsstätten geschwungen, aber jetzt, wo sich die Welt tatsächlich einer realen Gefahr gegenübersah, machte sich der Kerl so offensichtlich in die Hose, dass sich zu dem unangenehmen Geruch einer aufgeregten Menschenmenge eine weitere ekelhafte Note von Angstschweiß mischte. „Solange dieses Ding am Himmel ist, können wir nirgends hinfliegen!“
Weitere, laute Stimmen von allen Seiten erhoben sich, man begann, wild durcheinander zu diskutieren. Eine kleine Gruppe Leute bewegte sich bereits immer weiter zur Tür hin. Nur die Belastbarkeit und Routine ihres schwierigen Jobs hielten diese Leute noch davon ab, panisch wie ein einfacher Bürger auf der Straße aus dem Saal zu rennen und wild mit der nächstbesten Knarre in die Luft zu ballern.
Dean zögerte. Diese Entscheidung oblag im Grunde nicht ihm. Es hatte ihm, soweit er wusste, in den letzten 10 Minuten niemand die Weltherrschaft übertragen. Diese Leute waren für ihr Schicksal selbst verantwortlich. Aber so fragend, fast bittend, wie man ihn nun ansah, das bedeutete wohl, dass man in dieser Situation seine gewissen Erfahrungen mit Mutanten sehr wohl zu schätzen begann. Dass man hoffte, dass irgendjemand wissen würde, wie man sich schützen konnte. „Wir bleiben hier“, erklärte er schließlich, auch in Richtung der vielen bereitstehenden Securitys am Ausgang, die nur auf seine Anweisungen warteten. „Dieses Gebäude wurde gegen sämtliche Eventualitäten abgesichert. Hier können wir in Ruhe die Entscheidungen treffen, die in den nächsten Stunden nötig sein werden.“
Und so ungern er es auch nur vor sich selbst zugab, so sehr ihn diese Vorstellung selbst jetzt noch ängstigte… Diese Entscheidungen würden nichts mehr mit Gesprächen zu tun haben.
Nach der vernichtenden Nachricht der Defenders Of The Earth von der augenscheinlichen völligen Verbrennung des Scapels-Monds war mit Katja verständlicherweise nichts mehr anzufangen. So hatte sich Emma kurzerhand den kleinen Artie geschnappt und war mit ihm hinunter ins Wohnzimmer geeilt, wo die Kinder und Jugendlichen in stummem Entsetzen am Fenster standen. Getränkeflaschen waren umgefallen, Spielkarten und Bücher lagen in heillosem Chaos am Boden verstreut, sogar der Fernseher war ein ganzes Stück verrutscht und hatte eine ungewollte Limonadendusche abbekommen, als das so plötzlich am Himmel aufgetauchte Phänomen des Phoenix in einer anders als erhofften Art und Weise die langen Tage des Wartens auf die Rückkehr der X-Men beendet hatten. Genau wie vermutlich der Rest der Welt starrten Charles‘ und Emmas Schüler mit weit geöffnetem Mund, großen Augen nach oben zum Himmel, hielten sich teilweise an den Händen und zitterten in Erwartung des Kommenden. Nur mit dem Unterschied, dass für diese jungen Leute Phoenix‘ erneutes Auftauchen nicht nur eine unmittelbare Gefahr für ihr Leben sondern auch das Sterben einer großen Hoffnung bedeutete.
„Emma!“ Jericho und Gregory bemerkten sie als erstes und liefen zu ihr hin.
Jericho nahm ihr das weinende Kind auf ihrem Arm ab, worum sie sehr froh war- gerade hielten sich ihre pädagogischen Fähigkeiten in Grenzen. „Ihr Kurs führt sie genau hierher. U.G.E.R. hat es bestätigt“, murmelte der junge Mann unnötigerweise- als ob sie das alle nicht sowieso schon geahnt hätten. Die X-Men hatten ihre Kinder gut genug darüber aufgeklärt, was mit Jean passiert war, und was ihre Seele in diese kranke, zerstörerische Richtung gelenkt hatte. Was die Folgen davon sein würden.
„Dann sind wir besser nicht mehr hier, wenn sie ankommt“, erwiderte Emma scharf, laut genug, um die letzten Kinder von den Fenstern wegzubringen, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. „Colossus, Shadowcat, Jubilee, Wash, Jericho, bringt die Kinder zu den Nottunneln. Flieht in verschiedene Richtungen, teilt euch auf. Macht die Gruppen nicht zu groß. Vielleicht hat sie dann Schwierigkeiten, euch zu finden.“
„Und du?“ Gregory nahm sie am Ellbogen, bevor sie sich abwenden, ihrer eigenen Aufgabe zuwenden konnte. Er war zu besorgt, um die Distanz ernst zu nehmen, die sie mit seinem Codenamen zwischen ihnen geschaffen hatte, dem klaren Signal, das er im Moment nur zu funktionieren hatte, wie sie das allen ihren Jugendlichen über die Jahre beigebracht hatte. „Was tust du?“
„Ich werde herausfinden, ob Phoenix stärker ist als ich“, erwiderte Emma hart. „Geht, beeilt euch! Sie kann viel schneller hier sein, als wir denken. Sie ist es nur noch nicht, weil sie auf große Auftritte steht.“
Diese Warnung verängstigte nun die gut sechzig jungen Leute alle zusammen zum Glück genug, um sie zur Eile anzutreiben, selbst Gregory wandte sich nach einem letzten anklagenden Blick von ihr ab.
Jericho überlegte es sich anders und gab dem jungen Mann das immer apathisch wirkendere Kind mit, das vorhin im Kontrollraum definitiv viel zuviel gehört hatte. „Ich bin gleich da. Teil inzwischen die Gruppen ein.”
Er wartete genau so lange, bis die aufgeregt durcheinander rufende Meute verschwunden war, bis die Jugendlichen auch die letzten, vor Angst und Sorge um ihre Lehrer weinenden Kinder über die Treppen nach unten gescheucht hatten, dann stieß er die Wohnzimmertür mit einem unbeherrschten Knallen zu. „Frost!“
„Sie sollten sich beeilen, O’Connor“, erklärte Emma betont ungerührt, obwohl ihr gerade mehr nach einem ebenso unbeherrschten Aufschrei war. Wissenschaftler! Geistliche! Alles dasselbe theoretische Pack! „Ich dachte, ich kann mich auf Sie verlassen. Wir haben hier beide eine Aufgabe zu erfüllen.“
„So ist es, und Ihre treten Sie gerade mit Füßen.“ Jericho kam mit geballten Fäusten auf sie zu, als wollte er seinen Standpunkt als nächstes mit schlagenden Argumenten untermauern, musste aber schon kapitulieren, als er sie nur an den Schultern schütteln wollte, weil er genau sehen konnte, wie sich ihre Augen verengten, ihr Blick abwesend wurde. Weil er wohl ahnte, dass er innerhalb von zwei Sekunden auf diesem veralteten Teppich liegen und sich vor mentalen Schmerzen winden würde, wenn er es wirklich wagen sollte, ihr zunahe zu kommen. „Sie werden dieses Ding nicht bekämpfen können, das wissen Sie! Charles konnte es nicht, und er hat sie gekannt! Die X-Men haben Ihnen ihre Kinder anvertraut, um auf sie aufzupassen, nicht damit Sie sie allein lassen, um Ihr gottverdammtes Ego zu stärken!“
„Haben Sie gerade den Namen des Herrn, Ihres Gottes, missbraucht, Jericho?“ Emma versuchte es mit einem mehr als seichten Witz, um Abstand, Zeit zu gewinnen, und stimmte in Jerichos halbherziges Lachen mit ein, wischte sich fahrig über die Stirn, im vergeblichen Versuch, ihre Gedanken zu sammeln. Sie hatte es bereits versucht, und bis jetzt war auch nicht viel dabei herausgekommen, da hatte der Kerl schon Recht. Dazu hätte sie irgendwo allein mit diesem Biest sein müssen, und eine halbe Ewigkeit lang noch dazu. Vielleicht mit Charles gemeinsam… Aber das hatte er nicht gewollt, und vielleicht hatte er damit Recht gehabt. Vielleicht hatte sie an manchen Tagen wirklich noch zuviel den Gedanken an absolute Kontrolle im Kopf- an Kontrolle, wie Phoenix sie besaß… Der Grat zwischen verlockenden Wunschträumen und der eigentlichen, um einiges nobleren Einstellung, war manchmal schmal.
„Gehen Sie.“ Sie nickte ihrem enthusiastischen Priesterfreund zu, weit ruhiger als vorhin. „Ich komme nach, versprochen. Es ist noch jemand im Haus, der ebenfalls einen Tritt in die Kehrseite braucht. Wir sehen uns draußen.“
Nachdem der Kontakt zum Schiff der Defenders abgebrochen war, herrschte verbissenes Schweigen auf der Brücke der kaiserlichen Shi’ar-Yacht. Angenehme Stille nach den Schreien der Angst und des Schmerzes der letzten Tage, die jedoch nicht lange anhalten würde. Die ungeduldigen Statusanfragen aus dem Ratszimmer ihres Heimatplaneten würden erneut ertönen, sobald wieder Kommunikation möglich war. Fragen, auf die Lilandra keine Antwort hatte. Sie wusste nicht, was passiert war. Sie hatte alles riskiert, hatte mit jemandem gebrochen, dem ihr Herz gehörte und genug Energie auf einen sowieso schon instabilen Planeten gejagt, um noch mehr ökologische Ungleichgewicht in diesen Teil des Universums zu bringen… Und wofür? Dafür, dass dieser Strahl der Zerstörung nur Sekundenbruchteile, nachdem er auf sein Ziel getroffen war, zerstäubt war, als hätte es ihn nie gegeben. Phoenix hatte ihrer ganzen Macht einmal mehr ins Gesicht gelacht. Alles… umsonst. Lilandras Hände schlossen sich krampfhaft um die Waffenkonsole, genau an dieser einen Stelle der jetzt deaktivierten Funktion, von der sie sich das Ende dieses Konflikts erhofft hatte. Verräterische Tränen fielen auf die erloschene Anzeige der Hauptkanone.
Phoenix‘ Feuerschweif in der Ferne wurde immer kleiner. Nach dem Angriff auf sie war sie völlig überraschend auf den Bildschirmen aufgetaucht, an der Shi’ar-Yacht vorbeigestürmt, als wäre diese gar nicht da. Lilandra brauchte nicht die zwei Schritte zur wissenschaftlichen Konsole hin zu machen, um zu wissen, wohin sie unterwegs war.
Soviel Wut, soviel Hass auf dieses Wesen wallte in ihr hoch, dass der heiße Schürhaken sonst immer unter Kontrolle gehaltener Emotionen in ihrer Brust ihren Körper nach vorne verkrampfte, einen Aufschrei über ihre Lippen kommen ließ. Funkensprühend, splitternd riss die jetzt ohnehin nutzlose Waffenkonsole unter ihrem harten Schlag auseinander. Die Hälften stürzten zu Boden, mit einem lauten Krachen, das ihre Wache erschrocken zu ihr hineilen ließ. Lilandra hielt sie mit einer eindeutigen Geste auf. Sie brauchte wirklich nicht noch mehr Zuseher.
„Bist du jetzt zufrieden, ja?“, fragte Charles bitter. Sie war nicht überrascht, Genugtuung wegen ihres Ausbruchs in seiner verhärmten Miene zu sehen. Es war das erste Mal seit Flash Gordons unheilvoller letzter Meldung, dass er seine Sprache wiederfand. Trauer klang durch jedes seiner Worte. Die Last der Ereignisse hatte ihn tief auf seinem Rollstuhl zusammensinken lassen, seine zittrigen Hände in seinem Nacken verschränkt. „Ist es das, was du wolltest?“
„Ich musste es versuchen, Charles, das weißt du. Es war die einzige Chance.“
Mehr Worte der Rechtfertigung, die er ohnehin nicht hören wollte, konnte sie nicht formulieren. Die Druckwelle, die sämtliche Kanäle, sämtliche Verbindungen nach außen hatte verstummen lassen, ließ nach, ein unruhiges orangefarbenes Blinken, auf das sie schon seit Minuten wartete, ließ die Com-Wand aufleuchten. „Endlich!“ Mit einem lange nicht mehr so oft wie in den letzten Tagen verwendeten Befehl nahm sie Kontakt zu ihrer Flotte auf, um die einzige Anweisung zu geben, die jetzt noch zählte, die sie schon vor Tagen hätte geben sollen. „Folgt ihr! Tötet dieses verfluchte Mistvieh endlich! Holt sie ein! Zerstört das ganze verdammte System, wenn es sein muss!“
„Lilandra! Warte!“ Charles riss hart den Kopf nach oben, als hätte ihre wiederkehrende Energie auch ihn aus seiner gerade erst beginnenden Trauerlethargie geholt. Seine Augen waren weit aufgerissen, nach draußen in die nach Phoenix’ erneutem Verschwinden zurückgekehrte Leere des Alls gerichtet. „Ich fühle etwas…“
„Wir können nicht warten!“ Außer sich wegen soviel zur Schau gestellter Naivität schleuderte Lilandra ihr Zepter gegen die massive Glasscheibe, die sie von ihren Leuten trennte, die leider weniger aushielt, als sie angenommen hatte und in unzählige Scherben zersplitterte. Nun, weitere zerstörte Einrichtung auf ihrer geliebten Yacht war im Moment zum Glück das kleinste Problem, wo sie nur tatenlos herumsitzen musste und darauf warten sollte, dass tausende ihrer Männer in einem von vornherein verlorenen Kampf sterben würden. „Wir müssen es verdammt noch mal zumindest versuchen! Willst du, dass sie zuerst die Erde zerstört, bevor wir eingreifen?“
„Nur kurz!” Charles lenkte seinen Stuhl in ihre Richtung, so schnell, mit so unruhiger Hand, dass dieser fast unter der zu hektischen Bewegung gekippt wäre.
Bevor er auch nur einen Meter auf sie zufahren konnte, waren ihre Leute an ihrer Seite und hoben drohend ihre Schockstäbe in seine Richtung, ohne dass Lilandra sie hätte rufen müssen.
Mit einem harschen Befehl gebot sie ihnen Einhalt, trat aber auch nicht aus ihrer Mitte heraus. Charles musste begreifen, dass sie alles getan hatte, was ihr möglich war, um ihm entgegenzukommen. Jetzt war sie am Zug. „Wieso? Nenn mir nur einen einzigen Grund.“
„Weil sich etwas verändert hat.“ Charles gab es auf, seine eindringlichen Worte mit einer so primitiven Geste wie einer Berührung unterstreichen zu wollen, und er hing wohl doch noch zu sehr an seinem Leben, um es wie gestern noch einmal mental zu versuchen. Als er diesmal kurz die Augen schloss, sich auf etwas konzentrierte, das sich nur in seinem Kopf abspielte, hielt er sich dabei zumindest aus ihrem Kopf heraus. „Sie ist anders. Dark Phoenix ist nicht mehr allein, aber ich kann Jean nicht mehr spüren. Irgendetwas geht da draußen vor, das wir alle nicht sehen können. Warte, nur ein paar Minuten! Ich will deine Leute vor dem Tod bewahren! Glaubst du wirklich, ich habe jetzt noch etwas zu verlieren?“ Bei diesen letzten Worten liefen Tränen über sein um Jahre gealtertes Gesicht. „Vertrau mir!“
Lilandra stieß zischend die Luft aus und bedeutete ihren Leuten, ihre Waffen zu senken. „Fünf Minuten.“
„Kaiserin?“ Der Anführer ihrer Leibwache sah ungläubig zu, wie sie zurück zur Com-Konsole ging und den Befehl an ihre Leute weitergab, dass sie mit ihrem Angriff innehalten sollten.
„Sie wird mit diesem langsamen Tempo ohnehin einige Zeit benötigen, bis sie den blauen Planeten erreicht“, erklärte Lilandra steif, ohne irgendjemanden anzusehen. „Wir wissen, wo sie hinwill, sie entkommt uns nicht.“
Emma brauchte länger als sonst, um die Person zu suchen, auf die sie vorhin in ihrer Aufregung einen Moment lang vergessen hatte. Ihre Telepathie spielte ihr einen Streich, zuviel ging vor, an zuviel musste sie denken, um Katjas verschlossenen Geist sofort zu finden. Als sie schon kurz davor war, sich entnervt auf den Boden zu setzen und zu meditieren, bevor sie weiter kopflos durchs Anwesen lief, hörte sie ein helles Tschirpen und Zwitschern hinter sich, entdeckte erstaunt zwei Wellensittiche, die sich so gar nicht ihrer primitiven Spezies entsprechend verhielten. Sie stoben sofort um ihren Kopf, nicht feindselig sondern aufgeregt, piepsten immer wieder in den fantasievollsten Tönen, als wollten sie ihr etwas sagen und hielten schließlich so zielstrebig auf die Treppe nach oben zu, dass sie ihnen einfach folgen musste. Und kurz darauf fand sie tatsächlich endlich die mentale Spur, die sie gesucht hatte. Sie versicherte sich zweimal, dass sie durch Katjas Augen richtig sah, wo sich diese gerade befand. Fassungslos stürzte sie die letzte Treppe hinauf, hinaus durch die Mosaik-verglaste Tür auf die große Dachterrasse, einem der höchsten Punkte des Anwesens, wo ihre ehemalige Schülerin stand wie auf dem Präsentierteller und zum Himmel starrte, als wollte sie den sich immer schneller nähernden Tod dort auch noch mit offenen Armen empfangen.
Es sah nicht nur so aus, es war so, Emma wusste es, ohne ihre Konzentration genug sammeln zu müssen, um noch einmal in Katjas Geist einzudringen. Sie sah es in ihrem völlig leeren, apathischen Gesicht, als sie die junge Frau herumriss, zum Haus zerrte, gegen erstaunlich heftigen Widerstand. Erst als sie ihrer unfreiwilligen Patientin einen heftigen Schlag ins Gesicht verpasste, hörte das Wehren auf. Katja brach heftig weinend in ihren Armen zusammen und ließ sich widerstandslos nach innen ziehen.
Emma musste hart an sich halten, sie nicht gleich noch einmal zu schlagen, begnügte sich mit einem Brüllen, das hoffentlich ebenfalls deutlich genug in diesem völlig vernebelten Geist ankommen würde. „Du dumme kleine Schlampe!“ Zornig kickte sie mit dem Stiefelabsatz die Tür zu, die einen großen Sprung von der unfeinen Behandlung bekam. „Ist das vielleicht deine Vorstellung davon, hier die Stellung zu halten? Was hätte wohl Scott dazu gesagt?“
„Scott?“ Katja nahm ihre Hände lange genug von ihrem Gesicht, um sie sie aus blutroten, scheuen Augen zu mustern. Es schien das einzige Worte zu sein, das zu ihr durchgedrungen war. „Aber… sie sind doch…“
„Was?“, fuhr Emma sie an, nur noch lauter. Es ging nicht einmal nur darum, dass sie dieses Mädchen zum Aufwachen bringen wollte. Sie konnte und wollte selbst nicht akzeptieren, dass wirklich alles verloren sein sollte, wegen diesem schwachen Mädchen Jean Grey diese Welt untergehen sollte, die immer soviel für sie bereitgehalten hatte- und damit ihre Kinder, die einen größeren Platz in ihrem Herzen erobert hatten, als sie es je hatte zulassen wollen. Bevor ihr nicht irgendjemand ins Gesicht sagen würde, dass Charles und seine Leute versagt hatten oder dieses wahnsinnige Biest von Phoenix ihr persönlich den Kopf abreißen würde, weigerte sie sich schlicht, anzunehmen, dass es vorbei war. „Noch wissen wir gar nichts, wir haben nur den Kontakt verloren. So wie ich diese Sturköpfe kenne, werden sie sicher nicht so einfach ins Gras beißen. Und du tust es auch nicht, ob es dir passt oder nicht. Ich habe Charles versprochen, auf dich aufzupassen, und das habe ich vor.
Dein Arm! Gib mir deinen Arm!“, wiederholte sie ihre Aufforderung ungeduldig, als Katja sie nur verwirrt anstarrte. Wieder sträubte sie sich, als Emma einfach ungeduldig ihren Ärmel nach oben streifte- vermutlich glaubte sie, ihre Mentorin wollte ihr gleich Handschellen anlegen. Obwohl die Idee gar nicht so weit hergeholt war, verschob Emma diese durchaus verlockende Vorstellung auf später und stach mit einer Haarnadel, die sie aus ihrer Frisur hervor zupfte, wenig sanft in Katjas Ellbogen. „Nichts für ungut, der Weg in die Krankenstation ist gerade zu lange. Hank hat hier doch sicher irgendwo sein kleines Privatlabor herumstehen, oder?“ Während sie diskutierten, hatte sie die sich immer noch leicht sträubende junge Frau wieder die Treppen hinunter bugsiert, zum Stockwerk mit den Lehrerzimmern. In einem davon, das Katja ihr widerwillig zeigte, fand sie genau das, was sie erwartet hatte: ein Mikroskop und ein Computer mit Shi’ar-Analysetechnik.
„Was tust du da?“ Katja fand endlich ihre Sprache wieder, als Emma ihre improvisierte Blutprobe unter das Mikroskop hielt und den Computer aktivierte, mit dem Zugang, den Summers ihr gnädigerweise vor seiner Abreise eingerichtet hatte, die Sicherheitssperre umgehend, und das Scanprogramm startete.
„Sicherstellen, dass es deinem Baby gut geht.“ Emma hätte es ihr gern anders gesagt, schonender, in einer ruhigen Minute, was sie schon seit der schlaflosen Nacht gestern bei ihren Kindern ahnte und spätestens seit dem fehlenden Unwetter über dem Dach vorhin genau wusste. Aber vielleicht durfte sie es nicht schonend machen. Vielleicht brauchte Katja genau diesen Schock jetzt.
Einen Augenblick lang starrte Katja sie nur völlig fassungslos an, dann sank sie auf dem übergroßen, hellen Sofa zusammen, das McCoy den vielen Haaren nach darauf zu urteilen meistens seinem Bett vorzog. Ihre Hände waren in einer unbewussten Geste des Bittens verschränkt… über ihrem Bauch. Endlich löste sich dieser dichte Schleier aus vorschnellen Ängsten vor ihren Augen auf, und damit schien auch jegliche Kraft zu verlassen. Ihre Augen schlossen sich, wie in Zeitlupe, ihre Muskeln erschlafften regelrecht, als sie nach hinten gegen die Sofalehne sank. „Scott… Emma… Da ist…“ Ein leises Schluchzen, von Verwirrung und vager Hoffnung zugleich erfüllt, schüttelte ihren viel zu schmalen Oberkörper. Immer wieder wanderte ihre Hand zu ihrer Schläfe, versuchte sie sich auf diesen primitiven Link zu konzentrieren, den es zwischen ihrem Ehemann und ihr gab, schüttelte aber jedes Mal wieder hilflos den Kopf. „Ich fühle nichts, gar nichts. Nicht einmal Leere. Ich kann es nicht sagen, ob er noch da ist oder nicht.“
„Wir werden es früh genug wissen.“ Emma versuchte, ihren Tonfall etwas zu mildern und setzte sich neben sie, hielt ihr auf einem einfachen kleinen Datapad das Untersuchungsergebnis hin. „Und inzwischen reißt du dich zusammen, ist das klar? Du hast Verantwortung zu tragen, nicht nur für dich und für die Schüler. Du bist schwanger, Cat.“
Katja hatte kaum einen zweiten Blick für die komplizierten Daten ihrer Blutanalyse übrig. Ein heiseres Schnauben kam über ihre Lippen, ihre Gedanken waren sichtlich bei der immer wieder scheiternden Kontaktaufnahme zu Scott, bei der fehlenden Gewissheit, die sie so verzweifelt suchte. „Nach über zweitausend Jahren war es ja auch mal langsam wieder Zeit für eine unbefleckte Empfängnis.“
Emma tat es nicht gern, aber sie musste dieses völlig verstörte Mädchen ein zweites Mal innerhalb von Minuten unsanft schütteln. Sie konnten nicht ewig hier herumsitzen, Phoenix‘ Gestalt am Himmel wurde nun mal nicht kleiner. Und auch wenn sie sich im Notfall durchaus zutraute, mit diesem Ding eine Zeitlang alleine fertig zu werden, eine Frau, die schon einmal ihr Kind verloren hatte, würde sie dabei ganz sicher nicht an ihrer Seite behalten. „Cat, wach auf! Du bist schwanger! Lies das hier, wenn du mir nicht glaubst.“
„Aber… ich…“ Völlig vor den Kopf gestoßen musterte Katja die bezeichneten Daten, ließ ihre Hand jetzt bewusst, immer fester auf ihrem Bauch liegen. Ein heftiges Schütteln durchlief ihren Körper, schon wieder. Statt der erwarteten Freude trat eine alte Angst in ihre Augen- Schuld. Furcht davor, wieder zu versagen. „Emma, das… Das kann nicht sein… Wir haben uns kaum berührt…“
„Dann muss dein Kerl über bemerkenswerte versteckte Talente verfügen, und darüber wollte ich eigentlich gerade nicht nachdenken“, erwiderte Emma trocken. „Oder es hat vielleicht einfach jemand ein wenig nachgeholfen. Wäre nicht das erste seltsame Vorkommnis hier letztens, nicht wahr?“
Katja schenkte ihr etwas, das ein schiefes Grinsen hätte sein können, wenn es Gelegenheit gehabt hätte, erwachsen zu werden. So langsam fand sie ihre Fassung nach ihrem völligen Ausraster wieder. „Ich will mir eigentlich nicht vorstellen, dass Phoenix mit uns im Bett liegt.“
„Vielleicht war es nicht Phoenix.“ Emma nahm ihr das Datapad sanft weg und strich über ihre Hände, versuchte vergeblich, ihr ein wenig Wärme, Zuneigung zu vermitteln, die sie in ihrem angstvollen Zustand einfach nicht annehmen konnte. „Vielleicht war es Jean, die etwas wieder gutmachen wollte. Wie auch immer, es scheint gereicht zu haben. Da scheint sich jemand in den Kopf gesetzt zu haben, dass du ein Baby haben sollst. Lilian hat es gefühlt, sie ist gestern mehrmals schreiend aus dem Schlaf aufgeschreckt. Sie hat Angst, dass dem Baby wieder etwas passiert, und ehrlich gesagt geht es mir nicht anders. Wenn du dich noch einmal in Gefahr bringst…“
„Das werde ich nicht“, unterbrach Katja sie harsch. Gereiztheit verzog ihre hübschen vollen Lippen zu einer aggressiven Grimasse, wenigstens beruhigender anzusehen als diese völlige Kopflosigkeit, jegliches Fehlen von auch nur dem elementarsten Lebenswillen vorhin. Emma fragte sich, ob sie Scott sagen würde, was sie da fast getan hätte, wenn sie ihn wiedersehen würde, beschloss aber, dass das definitiv nicht ihre Baustelle war. „Was denkst du von mir?“
Emma zog seufzend die Schultern nach oben, ließ sie wieder fallen. Manchmal waren diese jungen Leute immer noch so herrlich naiv. „Versprich nichts, was du nicht halten kannst.
Jetzt komm. Wir müssen den Kindern nachgehen, sie brauchen uns. Es ist besser, wenn wir noch mehr Gruppen bilden. Bleib in meiner Nähe, ja?“
Katja nickte nur, die wirkliche Kraft für solche Planung fehlte ihr nach wie vor. Sie sah aus jedem einzelnen Fenster, an dem sie auf dem Weg vorbeikamen, zu der ständig größer werdenden Bedrohung draußen. Immer wieder schlossen sich ihre Augen, musste sie ihre Versuche mit einem frustrierten Kopfschütteln wieder einstellen. Es war, wie Emma gesagt hatte, auch wenn sie in diesem speziellen Fall gern einmal nicht Recht gehabt hätte… Sie wussten nichts.
Bis das der Fall war, konnten sie auch genauso gut wieder das tun, was ihnen aufgetragen worden war.
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