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Geschichte: Fanfiktion
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von JuliaLupin
erstellt: 10.02.2010
letztes Update: 12.02.2010
Geschichte, Romanze / P16
(abgebrochen)
(Sarah POV:)
Der Flughafen von Toronto war ziemlich voll. Überall tummelten sich Jugendliche, Polizisten, die sie beobachteten, Bettler, die vergebens um ein paar Cent sich die Seele aus dem Leib schrien, reiche Touristen, die entweder gelangweilt gingen oder gespannt ankamen. Viele Verkäufer, die den hungernden Reisenden dauergrinsend ihre Waren anboten, wichtige Geschäftsmänner mit Anzügen und Aktenkoffern, die über wichtigeres diskutierten, als auf ihre Umgebung achten zu können und so die kleinen Kinder umrannten, die ihre Mütter verloren hatten. Vor Gate C tuschelten zwei Mädchen aufgeregt über irgend so einen unberühmten Schauspieler, der sich in ihrer Nähe aufhielt und immer wieder genervt die Augen über die Beiden verdrehte, neben der Toilette auf der anderen Seite saß eine schrumpelige, unfreundliche Dame, die Geld für die Spülung nahm, es wunderte mich nicht, dass ich bisher keinen Einzigen hatte auf diese Toilette gehen sehen. Zwei Meter rechts von meiner jetzigen Position diskutierte ein älterer Mann auf arabisch oder so mit einem ziemlich genervten Polizisten. Generell sah man heute mehr Ausländer als sonst. Wahrscheinlich weil irgend so eine wichtige Sitzung von irgend so einem Parlament abgeschlossen war und die Leute nun wieder abreisten.
Wie ihr seht, gibt es auf einem Flughafen wie der von Toronto eine Menge zu beobachten. Ich musste es wissen, immerhin kam ich seit mindestens zehn tagen regelmäßig hierher.
Ich wollte erst gucken, wie die Leute und Polizisten hier so reagierten, ob ich es riskieren konnte ein Taschenmesser mitzunehmen oder ob ich mir lieber in Seattle, Forks oder Portland eins kaufen sollte. Doch so, wie ich das hier mitbekommen hatte, fiel Ersteres wohl aus.
Wieder gleitete mein Blick suchend über die Menge, eigentlich hielt ich nach Gefahr Ausschau. Ich hatte mich so sehr daran gewöhnt, dass eigentlich überall Gefahr drohte, dass ich eben nun sehr aufmerksam und vorsichtig geworden war.
Doch als ich nichts entdecken konnte, wandte ich mich wieder meinem Flugticket zu.
Reihe: 3
Sitzplatz: B
Ich seufzte erneut. Seit Conner, Pauly und ich aus dem Camp geflohen waren hatte ich mich hier in Toronto gut eingelebt. Ich mochte die Stadt wirklich, mir schmerzte es ein wenig sie verlassen zu müssen, aber ich spürte, dass ich erneut einen Neuanfang brauchte. Vielleicht würde ich irgendwann, eines Tages wieder hierherkommen.
Toronto und seine Bewohner waren alle so einfühlsam und liebevoll. Zumindest diese Stadtteile, in denen ich bisher war. Besonders ältere Menschen schienen sich hier sehr wohl zu fühlen, wahrscheinlich weil hier fast gar keine randalierende Jugendliche gab, die nachts durchfeierten und tagsüber ausnüchterten. Nein, in Toronto gab es so was nur sehr selten. Eine friedliche Stadt, hier konnte man seine Ruhe finden. Wer weiß, vielleicht wollte ich genau hier sterben? Ich legte aber noch keine Entscheidung fest.
„Das Gate F für den Flug nach Seattle wird jetzt geöffnet. Das Flugzeug startet in 45 Minuten.“, ertönte eine monotone Frauenstimme aus einem der Lautsprecher.
Ich stand auf und streckte kurz meine Glieder, bevor ich meinen Rucksack nahm und auf das Gate F zuging.
Davor hatte sich schon eine kleine Schlange gebildet. Ich stellte mich hinter einem bulligen Jungen mit verdrießlicher Miene an und wartete darauf, dass ich endlich drankam.
Langsam wurde die Schlange vor mir kürzer, während sich hinter mir immer mehr Menschen anstellten. Ein allgemeines Summen bestärkte die Vermutung, dass einige von Ihnen sehr genervt über das Tempo waren.
Endlich ging der bullige Typ vor mir ins Flugzeug und ich konnte der gelangweilten Frau hinter dem Tresen meinen Reisepass und meinen Personalausweis zeigen.
Sie zig kurz die Augenbrauen zusammen, sah auf die Dokumente vor ihr, auf mich und wieder auf den Ausweis.
Schließlich lies sie mich doch durch.
Erst hatte ich gedacht, sie hätte die Fälschung erkannt, doch dann merkte ich, dass sie von meinem Alter irritiert war. Für meine 17 Jahre war ich ziemlich klein, hatte noch die kindlichen Gesichtszüge, wenn man von meinen leeren Augen absah. Meine Haare waren auf Schulterlänge nachgewachsen, die Narben waren langsam etwas verblasst und nicht mehr so gut auf der Haut zu erkennen, doch jedes Mal, wenn ich unter der Dusche stand, wagte ich keinen einzigen Blick in den Spiegel. Ich wusste, ich würde trotzdem jedes einzelne Merkmal für meinen Aufenthalt in Lake Harmony erkennen. Es würde mich auch an eben Diesen erinnern, an das, was ich dort erlebte. Und das wollte ich nicht.
Niemals.
Ich setzte mich auf meinen zugewiesenen Platz und las etwas in einer Modezeitschrift, auch wenn sie mich nicht die Bohne interessierte.
Als ich zwei schwarze Lederschuhe neben mir stehen sah, schaute ich auf. Ein etwas älterer Mann, der seinen grauen Mantel über den Arm gelegt hatte, sah mich freundlich an.
Ich lächelte entschuldigend und stand auf, um ihm Platz zu machen.
Anscheint hatte ich Glück, denn er schien mir ein verständnisvoller, ruhiger Sitzpartner zu sein.
Aber da hatte ich mich schon zu früh gefreut, denn keine fünf Sekunden später lies sich eine überaus großzügig geschminkte Frau neben mich und schaute erst mal in ihren Mega-Spiegel, da ihr Make-up ja in den fünf Minuten, in denen sie es nicht überprüft hatte, ja sicher schon längst im Eimer war.
Nun rückte sie eine Strähne zurecht, bevor sie den Spiegel laut zuklappen lies und in ihrer überdimensionalen Tasche kramte, in der es klirrte und schepperte.
Ich zog eine Augenbraue nach oben und drehte meinen Kopf innerlich stöhnend in die andere Richtung, wo ich in zwei verwunderte Augen schaute, die mich fragend ansahen. Ich rollte zur Antwort mit den Meinen.
Nach ungefähr gefühlten zwei Stunden (es waren allerdings nur zehn Minuten) fand die Frau, dass sie ihre Wangen, und leider Gottes auch mich, genug eingepudert hatte.
Sie zickte eine Stewardess an, sie solle ihr doch gefälligst ein Kissen bringen, während ich immer noch hustete.
Als ich fertig war, nahm ich mir wieder die Zeitschrift zu Hand und begann von Neuem sie lustlos durchzublättern.
Meine Sitzpartnerin merkte das und kreischte mir auch so gleich ins Ohr. „UHH! Du bist auch so ein Modefreak wie ich, oder? Das ist aber toll, weißt du, ich kann dir bestimmt Tipps geben. Also ich trage ja lieber Armani und Gucci, außerdem…“
Sie laberte mir irgendwas vor, von dem ich überhaupt nichts verstand.
Währenddessen hoben wir ab.
Ich versuchte auf Durchzug zu schalten und einfach das Heft weiter durchzublättern. Das war mir anscheint nicht vergönnt, denn dauernd zeigte sie mit ihren langen, manikürten Fingern auf ein Model, ein Kleidungsstück oder auf den Preis und erzählte mir alles Mögliche.
Ich allerdings wünschte mir nichts sehnlichster, als dass sie endlich die Klappe hielt.
Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich schmiss ihr die Zeitschrift mit den Worten „Da! Lesen sie doch selber, ich schenke sie ihnen! Nur lassen sie mich bitte in Ruhe!“
Dann war sie auch einige Zeit ruhig, sichtlich beleidigt. Mir war es egal, so unhöflich wie sie war ich ganz sicher nicht gewesen.
Die Stewardess brachte gerade Kissen herum. Mit einem Grinsen bemerkte ich, dass in dem, was die Frau neben mir nahm, das Wort `Miss Unhöflich` geschrieben stand, sodass meine herzallerliebste Sitznachbarin es nicht sah, jedoch jeder Andere. Zufällig passte die Farbe der Schrift genau zu dem Lippenstift der Stewardess.
Dankend nahm ich zwei Kissen entgegen und stupste vorsichtig den Herren neben mir an. Verschlafen blinzelte er mich an.
„Entschuldigung, aber möchten sie nicht lieber ein Kissen?“, flüsterte ich ihm zu, da sehr viele Leute um uns herum schon schliefen.
Er bedankte sich und schlief diesmal mit dem Kissen unter dem Kopf wieder ein.
Auch ich machte es mir bequem und dämmerte auch schon nach kurzer Zeit weg…
~ kleiner Zeitsprung ~
Pauly hustete so stark, dass er keine Luft mehr bekam und danach schnappen musste, um kurze Zeit später wieder so doll zu husten. Es war erschreckend das mit ansehen zu müssen.
„DAS können sie ja Jedem erzählen, aber doch nicht MIR!“
Was war das gewesen? Ich duckte mich, Pauly tat es mir nach. Ich sah mich um, niemand war zu sehen und doch hatte die Stimme geklungen, als ob jemand direkt neben mir gestanden hatte.
„Pah! Das können sie sich abschminken, sie Hure!“
Vielleicht war das diese Rebecca? Hatte sie Conner geschnappt? Angst durchströmte mich.
Ich sah zu Pauly…doch er war verschwunden.
„Ich beruhige mich nicht! DIESE FRAU DORT HAT MICH BELEIDIGT UND MEIN GESICHT ZERSTÖRT!“
Dort, wo Sekunden zuvor noch Pauly hustend und keuchend gelegen hatte, stand Joe. Gefährlich grinsend. Plötzlich verschwamm meine Umgebung, ich dachte, ich würde vor Angst ohnmächtig werden, doch nach wenigen Momenten wurde meine Sicht wieder klarer. Ich befand mich wieder mal in der IS. Immer noch stand Joe im selben Abstand zu mir da. Doch sein Grinsen war verschwunden. Ein viel bedrohlicherer Ausdruck war in seine Augen getreten. Die Angst schnürte mir so die Kehle ab, dass es sich anfühlte, als hätte Joe mir Feuer in den Rachen gepresst.
„VON WEGEN! ICH WERDE SIE VERKLAGEN!“
Langsam schritt er auf mich zu. Gegen die sonstigen Befehle kniete ich vor ihm. Normalerweise musste ich auf der Isolationsstation (IS) genau so wie die anderen `Insassen` mit dem Gesicht nach unten auf dem harten Betonboden liegen.
Nun stand Joe genau vor mir, er packte mich an den Haaren und zog meinen Kopf ruckartig in den Nacken, sodass es leicht knackte und ein Schmerz sich vom Hals aus ausbreitete. Doch meine Angst lies ihn schnell wieder taub werden.
Joe beugte sich zu mir runter und flüsterte mir gefährlich leise ins Ohr. „Du weißt, dass ihr nicht einfach so ungeschoren davon kommt. Ich werde euch bestrafen…“
Er richtete sich langsam auf.
Plötzlich trat mich jemand. Ich zuckte zusammen, auch wenn es nicht weh getan hatte.
Das war nicht Joe gewesen, der hätte fester zugetreten.
Ich blinzelte müde in die Runde.
Ich saß immer noch im Flugzeug auf dem Weg nach Seattle. Joe war nicht da.
Wie auch? Er war in Lake Harmony und war sicherlich außer sich vor Wut, dass drei Jugendliche entkommen waren. Außerdem, wie sollte er mich gefunden haben?
Sofort entspannte ich mich wieder und betrachtete meine Umgebung genauer.
Viele Leute wachten genau wie ich auf und schauten verschlafen zu dem Trubel hier. Besser gesagt: Zu dem Trubel, den die Frau neben mir veranstaltete.
Sie war es auch anscheint gewesen, die mich getreten hatte, denn sie entschuldigte sich bei mir gerade, wenn auch etwas patzig.
Vor ihr stand die Stewardess, die sie wegen des Kissens angemault und die ihr dann das Kissen mit dem Lippenstift gegeben hatte. Diese musste sich vergeblich ein fieses Grinsen verkneifen.
Meine Sitzpartnerin hatte wohl der Bequemlichkeit wegen, das Kissen etwas zurechtgerückt, dadurch hatte sie versehentlich ihre Wange an den Lippenstift gepresst und nun prangte die Hälfte der Schrift verschmiert auf ihrem Gesicht.
Wieder fing sie an zu schreien und zu zetern.
Bis der Kapitän bat, sich anzuschnallen, wir würden in kürze landen.
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