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von Wynona
erstellt: 09.02.2010
letztes Update: 08.03.2010
Geschichte, Romanze / P16
(fertiggestellt)
Kapitel 1
Mein Name ist Klara, und hier ist die Geschichte, meines schönsten, traurigsten, aufregendsten, Sommer meines Lebens. Ich werde diesen Sommer nie vergessen und auch ihn nie. Meine erste Liebe.
Berlin, Juni 1957
„Klara beeile Dich, der Zug wartet nicht auf Dich!“ Schnell zog ich meine Strickjacke an und nahm meinen unhandlichen Koffer, der nur mit Hilfe eines Gürtels meines Vaters zusammengehalten wurde. Ich war aufgeregt, es war meine erste Auslandsreise. Meine erste Reise außerhalb Berlins überhaupt.
Meine Mutter trieb mich förmlich das Treppenhaus hinunter, es roch wie immer Dienstags, nach Steckrübensuppe, Frau Dieters von nebenan, kochte jeden Dienstag Steckrübensuppe. Sie hatte auch nur eine kleine Witwenrente, ihr Mann war im Krieg gefallen, genauso wie mein Vater.
Ich kniff die Augen zusammen, als ich von dem dunklen, kalten Treppenhaus hinaus auf die Straße trat. „Warte Klara.“ Mutter stellte sich vor mich und legte meinen weißen Blusenkragen, ordentlich über meine dunkelblaue Strickjacke. Dann entfernte sie mir noch ein Haar von Marla unserer schwarzen Katze.
Wir hatten das Glück dass sich vor unserer Haustür eine Straßenbahnhaltestelle befand. Sie kam auch gerade, als ob sie auf uns hinter der Hausecke gelauert hätte und losgefahren wäre, als wir aus dem Haus traten. Die Fahrt zum Bahnhof dauerte keine dreißig Minuten. Ich hatte Bauchschmerzen und konnte kaum ruhig sitzen. Meine Mutter warf mir strenge Blicke zu, so dass ich mich zusammenriss und aufhörte zu zappeln.
Mein Blick ging aus dem Fenster, aber ich nahm nichts von den Gebäuden, Straßen und Menschen die an uns vorüber zogen wahr. „Klara, ich spreche mit Dir.“, ich blickte in die strengen, harten Augen meiner Mutter. Die frühe Witwenschaft hatte ihr jede Lebensfreude genommen, so schien es. Aber ich kannte sie auch anders, in seltenen Augenblicken konnte sie fröhlich und lustig sein. Und es kam das unbeschwerte Mädchen, das sie einmal war, zum Vorschein. Leider passierte das nicht oft.
„Diesen Brief gibt’s Du Deiner Tante Monika von mir. Und versprich mir das Du Dich ordentlich benimmst, ich möchte mich nicht für Dich schämen müssen. Hilf wo Du kannst und sei höflich und freundlich.“ Ich nickte nur stumm, diese Predigt hielt sie mir schon seit Anfang der Woche vor. „Und halte Dich von Jungs fern.“ Unwillkürlich spürte ich die Hitze in meinem Gesicht.
Meine Gedanken gingen zu Peter. Zum Glück waren wir schon am Bahnhof. Laufend suchten wir Gleis 3, mein Zug war schon eingefahren. „Hast Du Deinen Reisepass und den Fahrschein?“ Hastig griff ich in meine kleine, gestrickte Umhängetasche: „Ja, da sind sie Mutti.“
„Gut, dann wünsche ich Dir einen schöne Sommer meine Kleine und komm mir gesund wieder. Und schreib mir“, nun lächelte sie zärtlich und nahm mein Gesicht in ihre rauen Hände um mich auf die Stirn zu küssen. „Auf wiedersehen, Mutti.“, ich war ungeduldig und wollte unbedingt in diesen Zug, die Angst das er ohne mich losfuhr war groß. Zu aufregend war der Gedanke an den vor mir liegenden Sommer.
Nach ein wenig Suche, fand ich mein Abteil und versuchte meinen Koffer in das Gepäcknetz hoch zu hieven. Ein etwas korpulenter Pastor sah meine Bemühungen und half mir dabei. Dann setzte ich mich mit einem lauten Seufzer hin und sah hinaus auf den Bahnhof, meine Mutter stand noch da und schnäuzte sich gerade. Endlich fuhr der Zug los, ich winkte ihr, bis sie nicht mehr zu sehen.
Dann lehnte ich mich erschöpft in meinen Sitz und dachte natürlich an Peter. Ich sah seinen blonden Haarschopf vor mir, seine blauen Augen die mich so zärtlich ansehen konnten. Peter war der Grund für meinen Urlaub. Sein Vater war Besitzer eines angesehenen Berliner Verlagshauses und unsere Liebschaft wurde von seinen Eltern nicht gerne gesehen.
Das hatten sie sogar meiner Mutter klar gemacht. Meiner Mutter war das alles so peinlich, dass sie keine andere Möglichkeit sah, als mich zu ihrer Schwester zu schicken, sie meinte so würde ich Peter vergessen. Und er mich sowieso, was sollte so ein vielversprechender junger Mann auch von einem mittellosen Mädchen wie mir?
Außer das was alle Männer laut meiner Mutter wollten. Leider hatte sie mir nie gesagt, was alle Männer wollten und so war ich ziemlich ahnungslos. Peter selber wollte nicht mehr als Händchenhalten und das fand ich nicht schlimm. Einmal fuhr er mit seiner Hand unter meine Bluse, da kam in mir kurz ein Gefühl auf, dass ich vorher noch nie hatte.
Ich hatte sein handeln aber gleich unterbunden, diese Gefühle waren bestimmt unrecht, wahrscheinlich war ich wirklich verdorben. Nach drei Stunden schlief ich ein und träumte von dem fremden Land in das ich fuhr und das so viel Schönes für mich bereithalten würde – von Frankreich.
Mein Name ist Klara, und hier ist die Geschichte, meines schönsten, traurigsten, aufregendsten, Sommer meines Lebens. Ich werde diesen Sommer nie vergessen und auch ihn nie. Meine erste Liebe.
Berlin, Juni 1957
„Klara beeile Dich, der Zug wartet nicht auf Dich!“ Schnell zog ich meine Strickjacke an und nahm meinen unhandlichen Koffer, der nur mit Hilfe eines Gürtels meines Vaters zusammengehalten wurde. Ich war aufgeregt, es war meine erste Auslandsreise. Meine erste Reise außerhalb Berlins überhaupt.
Meine Mutter trieb mich förmlich das Treppenhaus hinunter, es roch wie immer Dienstags, nach Steckrübensuppe, Frau Dieters von nebenan, kochte jeden Dienstag Steckrübensuppe. Sie hatte auch nur eine kleine Witwenrente, ihr Mann war im Krieg gefallen, genauso wie mein Vater.
Ich kniff die Augen zusammen, als ich von dem dunklen, kalten Treppenhaus hinaus auf die Straße trat. „Warte Klara.“ Mutter stellte sich vor mich und legte meinen weißen Blusenkragen, ordentlich über meine dunkelblaue Strickjacke. Dann entfernte sie mir noch ein Haar von Marla unserer schwarzen Katze.
Wir hatten das Glück dass sich vor unserer Haustür eine Straßenbahnhaltestelle befand. Sie kam auch gerade, als ob sie auf uns hinter der Hausecke gelauert hätte und losgefahren wäre, als wir aus dem Haus traten. Die Fahrt zum Bahnhof dauerte keine dreißig Minuten. Ich hatte Bauchschmerzen und konnte kaum ruhig sitzen. Meine Mutter warf mir strenge Blicke zu, so dass ich mich zusammenriss und aufhörte zu zappeln.
Mein Blick ging aus dem Fenster, aber ich nahm nichts von den Gebäuden, Straßen und Menschen die an uns vorüber zogen wahr. „Klara, ich spreche mit Dir.“, ich blickte in die strengen, harten Augen meiner Mutter. Die frühe Witwenschaft hatte ihr jede Lebensfreude genommen, so schien es. Aber ich kannte sie auch anders, in seltenen Augenblicken konnte sie fröhlich und lustig sein. Und es kam das unbeschwerte Mädchen, das sie einmal war, zum Vorschein. Leider passierte das nicht oft.
„Diesen Brief gibt’s Du Deiner Tante Monika von mir. Und versprich mir das Du Dich ordentlich benimmst, ich möchte mich nicht für Dich schämen müssen. Hilf wo Du kannst und sei höflich und freundlich.“ Ich nickte nur stumm, diese Predigt hielt sie mir schon seit Anfang der Woche vor. „Und halte Dich von Jungs fern.“ Unwillkürlich spürte ich die Hitze in meinem Gesicht.
Meine Gedanken gingen zu Peter. Zum Glück waren wir schon am Bahnhof. Laufend suchten wir Gleis 3, mein Zug war schon eingefahren. „Hast Du Deinen Reisepass und den Fahrschein?“ Hastig griff ich in meine kleine, gestrickte Umhängetasche: „Ja, da sind sie Mutti.“
„Gut, dann wünsche ich Dir einen schöne Sommer meine Kleine und komm mir gesund wieder. Und schreib mir“, nun lächelte sie zärtlich und nahm mein Gesicht in ihre rauen Hände um mich auf die Stirn zu küssen. „Auf wiedersehen, Mutti.“, ich war ungeduldig und wollte unbedingt in diesen Zug, die Angst das er ohne mich losfuhr war groß. Zu aufregend war der Gedanke an den vor mir liegenden Sommer.
Nach ein wenig Suche, fand ich mein Abteil und versuchte meinen Koffer in das Gepäcknetz hoch zu hieven. Ein etwas korpulenter Pastor sah meine Bemühungen und half mir dabei. Dann setzte ich mich mit einem lauten Seufzer hin und sah hinaus auf den Bahnhof, meine Mutter stand noch da und schnäuzte sich gerade. Endlich fuhr der Zug los, ich winkte ihr, bis sie nicht mehr zu sehen.
Dann lehnte ich mich erschöpft in meinen Sitz und dachte natürlich an Peter. Ich sah seinen blonden Haarschopf vor mir, seine blauen Augen die mich so zärtlich ansehen konnten. Peter war der Grund für meinen Urlaub. Sein Vater war Besitzer eines angesehenen Berliner Verlagshauses und unsere Liebschaft wurde von seinen Eltern nicht gerne gesehen.
Das hatten sie sogar meiner Mutter klar gemacht. Meiner Mutter war das alles so peinlich, dass sie keine andere Möglichkeit sah, als mich zu ihrer Schwester zu schicken, sie meinte so würde ich Peter vergessen. Und er mich sowieso, was sollte so ein vielversprechender junger Mann auch von einem mittellosen Mädchen wie mir?
Außer das was alle Männer laut meiner Mutter wollten. Leider hatte sie mir nie gesagt, was alle Männer wollten und so war ich ziemlich ahnungslos. Peter selber wollte nicht mehr als Händchenhalten und das fand ich nicht schlimm. Einmal fuhr er mit seiner Hand unter meine Bluse, da kam in mir kurz ein Gefühl auf, dass ich vorher noch nie hatte.
Ich hatte sein handeln aber gleich unterbunden, diese Gefühle waren bestimmt unrecht, wahrscheinlich war ich wirklich verdorben. Nach drei Stunden schlief ich ein und träumte von dem fremden Land in das ich fuhr und das so viel Schönes für mich bereithalten würde – von Frankreich.
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