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von SchreiAlien483    erstellt: 06.02.2010    letztes Update: 24.03.2010    Geschichte, Allgemein / P12 Slash    (abgebrochen)
So, fusselbirnehoch2, erst Mal danke für dein Review, da möchte ich dir den Gefallen tun und das erste Kapitel posten:



Kapitel 1


Es ist besser, zehnmal zu versagen, als einmal zu lügen.


Eigentlich war es ein ganz normaler Morgen, wie jeder andere auch. Ich war etwa acht Jahre alt. Ich besuchte die zweite Klasse der Grundschule und war auch ein sehr fleißiger Schüler, hatte gute Noten, störte nie und Freunde hatte ich auch. Mein bester Freund hieß Leon. Wir saßen immer nebeneinander, trafen uns mehrmals die Woche und wir waren auch schon zusammen mit Leons Eltern in den Urlaub gefahren. Wir waren so gut wie unzertrennlich.
An diesem Morgen fragte mich Leon, ob wir am Samstag nicht zusammen für den Mathetest, der am Montag an stand, lernen wollten.

„Ich kann nicht, tut mir leid.“, antwortete ich und hoffte, dass Leon nicht nachfragen würde.
„Oh, schade.“, Leon machte eine Pause. „Wieso denn nicht?“

Ja, wieso denn nicht, Bill?, fragte ich mich selbst. Die Wahrheit konnte ich ihm nicht sagen, wahrscheinlich hätte Leon das nicht verstanden. Er wäre beleidigt gewesen.

„Ich fahre mit meinen Eltern bis Sonntag zu meiner Tante. Sie... hat Geburtstag.“, log ich also.

Ein schlechtes Gewissen hatte ich dabei schon, schließlich hatte ich meinen besten Freund angelogen.

„Ach so... Na ja, beim nächsten Test lernen wir wieder zusammen.“, Leon lächelte und ging in die Klasse, die unsere Lehrerin – Frau Wolk – zuvor aufgeschlossen hatte.

In Wirklichkeit fuhren meine Eltern alleine zu meiner Tante. Und auch nicht bis Sonntag. Sie fuhren Samstagmorgen und würden am Abend wieder zurück kommen. Aber ich hatte trotzdem keine Zeit. Samstagnachmittag lief ein Live-Konzert meiner Lieblingsband im Fernsehen. Und da ich noch zu jung war, um auf ein Konzert zu gehen, wollte ich es mir eben unbedingt im Fernsehen anschauen.


Das tat ich dann auch. Ich saß den ganzen Samstagnachmittag im Wohnzimmer vor dem Fernseher, aß Chips und trank Cola. Ich verschwendete keinen einzigen Gedanken an Leon. Ich wusste, dass er weder anrufen noch vorbei kommen würde. Er glaubte mir. Er glaubte, ich sei bei meiner Tante und ich würde erst Sonntagabend wieder zurück kommen.
Den Sonntag verbrachte ich größtenteils mit Schlafen und Hausaufgaben. Zeit, für den Mathetest am nächsten Tag zu lernen, hatte ich nicht.

Das Dilemma folgte knapp eine Woche später, als wir den besagten Mathetest zurück bekamen. Meine Lehrerin sah mich mitleidig an, als sie mir das Blatt überreichte. Eine dicke, rote Vier minus prangte am oberen Rand, daneben hatte meine Lehrerin „Ich hätte mehr von dir erwartet, Bill“, geschrieben. Sie war enttäuscht. Und ich war es ebenfalls. Und alles nur, wegen eines Konzerts im Fernsehen.

„Oh Mann, Bill. Hast du doch nicht gelernt? Achtundvierzig durch sechs ist doch niemals vierzehn! Wie kommst du denn darauf?“, empörte sich Leon, der natürlich auch wissen wollte, was für eine Zensur ich bekommen hatte.

„Ich weiß nicht... Ich hatte ein Black-Out.“, meine Augen weiteten sich, als mir bewusst wurde, was ich tat. Ich log Leon schon wieder an. Ich hatte kein Black-Out gehabt. Ich hatte einfach nicht gelernt.

„Ein Black-Out? Was heißt das?“

„Ich wusste eben nichts mehr.“, erklärte ich ihm.

„Was hast du denn?“, fragte ich ihn, um von meiner schlechten Note abzulenken.

„Eine Eins minus. Hätte ich zwei Punkte mehr, hätte ich eine glatte Eins.“, grinste Leon stolz und ich versuchte mich an einem Lächeln, was mir aber nicht ganz gelang. Von dieser Sekunde an schwor ich mir, Leon nie wieder anzulügen.



Vor der Haustür blieb ich stehen. Meine Mama. Sie würde mir nicht den Kopf abreißen, das wusste ich. Aber sie wäre enttäuscht und ich hatte ihr ja versprochen, zu lernen. Sollte ich sie etwa auch anlügen? Was wäre, wenn meine Lehrerin mit ihr sprechen will? Obwohl... es war ein Ausrutscher. Ein Versehen. Meine schlechteste Zensur war bisher eine Zwei minus, was hatte ich also zu befürchten? Ich hatte eben einen schlechten Tag.

„Bill?“, ich wandte mich dem Küchenfenster zu. „Was stehst du denn da so rum? Willst du nicht rein kommen? Das Essen ist gleich fertig.“, meine Mama hatte mich wohl vor der Tür stehen sehen und lehnte sich nun aus dem Fenster, um mit mir reden zu können.

Wortlos schloss ich die Tür auf und ging zuerst nach oben, um meine Schulsachen abzustellen und meine Hände zu waschen, ehe ich zu Mama in die Küche ging, wo ich mich schweigend an den Tisch setzte.

„Hallo, mein Schatz. Na, wie war die Schule heute? Du siehst nicht gerade glücklich aus.“, redete sie auf mich ein.

Gleich würde sie mich nach der Arbeit fragen, das wusste ich. Ich bereitete mich seelisch darauf vor, doch es kam nichts dergleichen. Ich war heilfroh, schließlich blieb mir so noch etwas Zeit, um mir eine Ausrede einfallen zu lassen.

„Doch, doch.“, wank ich deshalb ab. „Alles bestens.“



Nach dem Essen ging ich sofort in mein Zimmer, wo ich auch mein Arbeitsheft heraus holte. Mein Blick fiel auf die rote Vier. Es war wirklich schrecklich. In meinem sonst so makellosen Zeugnis würde jetzt eine Drei in Mathematik prangen. Schlimmstenfalls sogar eine Vier. Ich dachte kurz nach und blätterte ein wenig vor, wo meine anderen Arbeiten eingeklebt waren. Eine Zwei... eine Eins minus... Mein Blick bleib an der Unterschrift meiner Mama hängen. Ich könnte...

Kurzerhand nahm ich mir einen Kugelschreiber von meinem Schreibtisch und setzte neben der Note auf der nächsten Seite an. Sollte ich? Oder sollte ich lieber noch mal eine Nacht darüber schlafen? Ich legte den Stift wieder aus der Hand und blätterte wieder zurück. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben die Unterschrift eines Menschen so genau analysiert. Ich nahm einen Zettel zur Hand und versuchte, Mamas Unterschrift zu kopieren.

Das große, geschwungene 'S' war dabei am schwierigsten, doch nach mehreren Versuchen sah es dem meiner Mama ziemlich ähnlich. Der Nachname war schon leichter. Mama schrieb immer nur „Kaul-“, das „-itz“ sah dabei in etwa aus wie die Frequenz eines Herzschlags mit einem Punkt darüber. Nach wenigen Versuchen konnte ich die Unterschrift meiner Mama also perfekt kopieren.

Ich übte noch ein paar Mal auf einem Zettel, ehe ich den Stift erneut neben der Note ansetzte. Ich schluckte schwer. Sollte ich wirklich...? Ohne länger darüber nachzudenken ließ ich den Stift über das Papier fahren. Ich hatte es tatsächlich getan. Ich hatte die Unterschrift meiner Mama gefälscht. Aber ich beruhigte mich, indem ich mir sagte, dass ich es nur getan hatte, um sie nicht zu enttäuschen.

Doch plötzlich bekam ich ein mulmiges Gefühl. Wäre sie nicht viel enttäuschter, wenn sie wüsste, was ich gerade getan hatte? Ich schüttelte den Kopf, um diesen Gedanken loszuwerden. Wie sollte sie es denn heraus finden? Beobachtet hatte mich schließlich niemand und wenn ich es ihr nicht selbst sagen würde, würde sie es niemals erfahren.
Schnell schlug ich das Heft wieder zu und verstaute es in meinem Schulranzen. Langsam ging es mir wieder besser und am Abend dachte ich schon gar nicht mehr daran.



Zwei Wochen später allerdings sprach Mama mich doch auf die Arbeit an, die ich schon längst wieder vergessen hatte. Ich hatte sie mit der gefälschten Unterschrift und der Berichtigung Frau Wolk gegeben. Diese hatte genickt und gemeint, dass ich mich nächstes Mal besser schlagen würde. Zu meiner Zeugnisnote hatte sie nichts gesagt.

Jedenfalls wartete Mama am Nachmittag auf eine Erklärung und ich überlegte fieberhaft, was ich denn nun erzählen sollte.

„Die Arbeit ist doch schon mindestens einen Monat her. So lange kann deine Lehrerin doch nicht brauchen, ein paar Grundschularbeiten zu korrigieren.“

„Hm.“, machte ich, um mir etwas Zeit zu verschaffen, als mir eine plausible Ausrede einfiel: „Wir haben sie letzte Woche zurück bekommen. Ich hab' vergessen, sie dir zu zeigen, weil Frau Wolk keine Unterschrift verlangt hat. Aber sei beruhigt: Ich hab' eine Zwei geschrieben.“, lächelte ich stolz und meine Mama wuschelte mir durch meine dunkelblonden Haare.

„Sehr schön. Dann kann ich also wieder ein gutes Zeugnis von dir erwarten?“, es war keine Frage, sondern eine Feststellung, weshalb ich daraufhin nichts sagte.



Mitte Juli war es dann soweit: Die Zeugnisausgabe. Ich war nicht gläubig, doch betete ich innerlich, dass es wenigstens eine Drei in Mathe geben würde. Da Leon mit Nachnamen Bach hieß, bekam er sein Zeugnis zuerst ausgehändigt. Ich sah es mir gemeinsam mit ihm an. Er hatte überwiegend Einsen und ein paar Zweier. Seine schlechteste Note war wohl die Zwei minus, die er in Sport bekommen hatte, doch das Minus war relativ, da man es auf dem Zeugnis sowieso nicht sah.

Dann kam ich an die Reihe. Ehrfürchtig warf ich einen Blick auf die Urkunde. Deutsch: Eins. Sachkunde: Eins. Sport: Zwei. Mathe... Drei. Erleichtert stieß ich Luft aus. Frau Wolk schien dies bemerkt zu haben, denn sie lächelte.

„Eine schlechtere Note als diese hättest du nicht verdient, Bill. Immerhin beteiligst du dich sehr gut am Unterricht.“, ich erwiderte ihr Lächeln und ließ Leon mein Zeugnis anschauen. Immerhin konnte ich Mama dann erzählen, dass ich mündlich nicht gut genug gewesen war, um eine Zwei zu bekommen. Leon gab mir mein Zeugnis zurück und ich verstaute es in meinem Schulranzen, ehe wir in die Ferien entlassen wurden.



„Wieso hast du denn eine Drei in Mathe?“, fragte Mama auch sofort, als sie das Zeugnis sah.

„Na ja... Ich war mündlich eben nicht ganz so gut.“, log ich.

Mama nickte schwach und sagte daraufhin nichts mehr. Sie lächelte und streichelte meine Wange, danach unterschrieb sie das Zeugnis und gab es mir wieder. Es hatte also geklappt. Ich hatte Leon belogen, meine Lehrerin und Mama. Und keiner hatte etwas gemerkt, oder nachgefragt.
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