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von besteste
erstellt: 05.02.2010
letztes Update: 19.03.2012
Geschichte, Freundschaft, Romanze / P12
(in Arbeit)
4.9.98
Meine Ginny
Genau das denke ich jetzt seit 61 Stunden und einunddreißig Minuten. Ich frage mich, ob es ein Fehler war, dass ich nicht auch nach Hogwarts zurückgekehrt bin. Dann hätte ich noch ein Jahr Ruhe vor diesen entsetzlichen Journalisten und Reportern, die jeden Tag das Zaubereiministerium blockieren, weil sie meinen, die Welt müsse unbedingt wissen, wie und wo unsere Ausbildung verläuft. Hermine, Ron und ich werden von ihnen förmlich belagert, und ich hoffe, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis unser Herr Zaubereiminister einen Bannkreis o.ä. für Zeitungsleute ums Ministerium legt. Außerdem wäre ich jetzt bei dir. Wenn ich vor 61 Stunden und siebenunddreißig Minuten einfach mit in den Zug gestiegen wäre… Ich vermisse dich. Gestern hat Ron ein langes rotes Haar auf meinem Umhang gefunden und konnte es sich natürlich nicht verkneifen, zu lästern. Hermine hätte ihn zum Schweigen bringen können, aber sie war nicht da. Sie hat ihn wirklich völlig im Griff.
Seit zwei Tagen wohne ich am Grimmauldplatz. Ich hatte eigentlich nicht damit gerechnet, je wieder hierher zu kommen, in dieses kalte, feuchte, unheimliche Haus. Es ist jetzt aber doch so gekommen, einfach weil es praktischer ist und weil ich deiner Familie nicht ständig auf die Nerven gehen will. Und eigentlich ist es auch ganz in Ordnung. Als Hermine, Ron und ich letzten Sommer hier waren, nachdem wir von Bills und Fleurs Hochzeit geflohen sind, habe ich Sirius´ Zimmer gefunden. Es liegt im obersten Stockwerk, wenn man mal vom Dachboden absieht und es könnte nicht unterschiedlicher sein als der Rest des Hauses. Er hat den ganzen Raum mit Gryffindorfarben geschmückt und wenn man sich die Zeit nimmt, um sich hier ein bisschen umzuschauen, findet man viele Sachen: Ein Foto von den Rumtreibern, einen ganzen Karton mit Briefen von meinen Eltern, Abschlusszeugnisse von Sirius, alte Plänen von Streichen, aber auch Ordensunterlagen von vor achtzehn Jahren. Der Geist der Rumtreiber (und von Sirius ganz besonders) weht in diesem Raum.
Weißt du, was ich mir manchmal überlege? Was meine Mutter wohl zu dir gesagt hätte, wenn ich dich mit nach Hause geschleppt hätte. „Nettes Mädchen“? Ich wünschte, du wärest jetzt hier bei mir, um viertel vor ein Uhr nachts. Ich sitze in der Küche, die, nachdem Kreacher sich ihrer angenommen hat, sehr gemütlich ist und lese die Briefe meiner Eltern an Sirius. Sie erzählen von einer ganz anderen Welt. Bei ihnen herrscht noch Krieg. Lilys Briefen merkt man ihre Angst an, und James wird manchmal ganz ernst. Wenn du jetzt neben mir sitzen würdest, würden wir gemeinsam lesen. Und manchmal würdest du deine Hand heben und mich ganz sanft berühren, mir von deiner Wärme geben, mich ein bisschen trösten, obwohl ich eigentlich gar nicht traurig bin. Seit 61 Stunden und neunundvierzig Minuten überlege ich mir in fast jeder Situation, was wäre, wenn du jetzt hier wärst. Und immer komme ich zu dem Schluss, dass der Raum gleich viel heller und wärmer wäre.
Ich streiche dir langsam durchs Haar. Du schließt die Augen, entspannst dich. Deine Haut ist ganz weich unter meinen Fingerspitzen. Die Uhr an der Wand gegenüber tickt laut und immer langsamer. Die Kerze brennt herunter. Ich bin so froh, dass es dich gibt.
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4.9.98
Harry,
Ein Mädchen sitzt im Gemeinschaftsraum am Kamin. Sie hat mehrere Blätter Pergament vor sich liegen. Sie lächelt abwesend und streicht sich hin und wieder die langen roten Haare aus dem Gesicht. Ihre Gedanken sind meilenweit weg, heimlich entschwebt. Sie spürt eine Berührung: Jemand spielt mit ihrem Haar, teilt es zu Strähnen, dreht es und löst es wieder. Sie verliert sich in Erinnerungen an den Sommer und wünscht sich, wieder im Gras zu sitzen, neben dem jungen Mann, dessen Finger sie spürt. Sie sehnt sich nach ihm. Sie fühlt sich wie eine junge Pflanze, über die man eine Schachtel gestellt hat, die nur ganz oben ein kleines Loch hat, das zum Licht führt.
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