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von besteste
erstellt: 05.02.2010
letztes Update: 14.01.2012
Geschichte, Freundschaft, Romanze / P12
(in Arbeit)
3.9.98
Lieber Harry (was für eine Untertreibung!)
Ich weiß fast gar nicht, wo ich anfangen soll. Es ist so verrückt, wieder in Hogwarts zu sein, dass man es gar nicht beschreiben kann. Hogwarts sieht aus wie immer, aber es ist, als würde ich es mit anderen Augen sehen. Der Unterricht geht normal weiter, die Dinge, die vor fünf Jahren verboten waren, sind immer noch verboten und Peeves ist immer noch so unerträglich wie bisher. Trotzdem ist alles anders. Das fängt schon bei den Lehrern an: statt Snape gibt eine Professor Naylor Zaubertränke, und sie ist - nach dem, was alle sagen - kein Vergleich. Sie geht durch die Reihen und hilft jedem, der Hilfe braucht. Eigentlich sollte man sich darüber freuen, aber die meisten finden es einfach nur ungewohnt. McGonagall wirkt um Jahre gealtert. Sie ist zwar immer noch so streng und unfehlbar wie früher, aber sie sieht schlechter und humpelt ein wenig. Filch ist weg, worüber ich sehr froh bin. Weißt du, was mit ihm passiert ist? Wurde ihm ein Prozess gemacht? Es gibt noch keinen neuen Hausmeister, und das fällt auf: Wenn jemand auf den Gängen zaubert und kein Lehrer oder Vertrauensschüler daneben steht, kann man sich darauf verlassen, dass man keine Strafen bekommt. Außerdem ist es schmutziger.
Außerdem bin ich es zwar gewohnt, von dir getrennt zu sein. Aber ohne dich in Hogwarts zu sein, in einem normalen Hogwarts, das nicht mehr von Todessern geführt wird, in dem wir nicht mehr Widerstand leisten, einfach die Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei, das ist neu. Und befremdlich. Du hast irgendwie dazugehört. Du warst nie besonders nah, aber immer da. Fünf Jahre lang habe ich, sobald ich die Große Halle betrat, den Gryffindortisch nach dir abgesucht. Jetzt tue ich es unwillkürlich immer noch. Und werde jeden Morgen daran erinnert, dass du 250 Meilen entfernt bist.
Es ist wirklich ein merkwürdiges Gefühl, wieder hier zu sein. Dieses alte Gebäude hat einem schon immer Ehrfurcht eingeflößt, aber jetzt scheint es eine richtige Macht auszustrahlen. Zwar sind alle Spuren der Herrschaft der Carrows und alle Schäden der Schlacht beseitigt, aber der Widerstand, den Hogwarts geleistet hat, scheint sich in den Ecken eingenistet zu haben. Alles sieht aus wie früher, aber es fühlt sich irgendwie anders an, durch die Korridore zu gehen. Von diesem Fenster aus habe ich einen Todesser besiegt. Hier wurden wir von den Carrows verfolgt. Dort hinten ist Fred - An dieser Stelle haben Hermine, Luna und ich gegen Bellatrix Lestrange gekämpft. Da hinten hat Mums Fluch sie getroffen. Hier wurde Voldemort erledigt. Die fünf anderen Jahre in Hogwarts haben viel weniger Spuren hinterlassen als das letzte. Auch schient Hogwarts keine Schule mehr zu sein. Früher dachte man immer, dass das Schloss nichts Schlimmeres gesehen hat als Schülerstreiche und Hexereien auf den Gängen. Jetzt kommt es mir viel mehr wie eine Festung vor, die sich gegen die Feinde verteidigt hat. Man kann nicht sagen, Hogwarts sei furchteinflößend, aber ich würde es nie wieder wagen, Unordnung zu stiften. Dazu wirkt das Schloss viel zu lebendig. Kann aber sein, dass das nur mein Eindruck ist. Vorhin, beim Nachsitzen (McGonagall hat mich mit einem gewissen Brief unter der Bank erwischt!) habe ich eine Gryffindor-Erstklässlerin gefragt, wie sie das Schloss findet. Und ihre Antwort war tatsächlich, nach einigem Nachdenken „Friedlich. Es hat alles seinen gewohnten Gang. Alles scheint so normal.“ Dann fragt sie mich, warum ich so traurig lächle. Vielleicht habe ich sie ein kleines bisschen beneidet. Sie verknüpft mit Hogwarts nur Abenteuer, Aufregung und eine fiese Lehrerin, die ihr gleicht am ersten Tag Nachsitzen gibt. Und wir? Die Kammer, Cedric Diggorys Tod, Umbridge, der Terror der Carrows und die Schlacht, die so viele weggerissen hat. Ich frage mich, was Teddy wohl denken wird, wenn er in zehn Jahren seinen Fuß über die Türschwelle von Hogwarts setzt.
Ich wünschte, du wärest hier.
Ginny.
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