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von rory2    erstellt: 05.02.2010    letztes Update: 13.04.2010    Geschichte, Romanze / P18    (fertiggestellt)
Hallo meine Lieben,

da bin ich auch schon wieder und ich habe eine neue Story mitgebracht. Wie immer ist es eine Hermine/Severus Geschichte. Ich würde diese Geschichte als dramatisches und geheimnisvolles Drama bezeichnen. Ich hoffe es gefällt euch.

Setting: Diese Geschichte ignoriert die Geschehnisse des sechsten und siebten Harry Potter Bandes nahezu vollständig. Hermine ist bereits volljährig.

Die Story ist gewissermaßen in zwei Teile gegliedert. Der eine Teil spielt in Hermines siebtem Schuljahr auf Hogwarts und ist eher erotisch. Dieser Teil wirkt auf den ersten Blick sehr skurril, birgt aber auch eine große Bedeutung für den weiteren Verlauf der Geschichte. Der andere Teil spielt ein paar Jahre nach Kriegsende und ist vom Wesen her eher dunkel und geheimnisvoll. Beide Teile werden zum Schluss der Story miteinander verbunden, indem ein großes Geheimnis auflüftet wird.    

Warnung: In den ersten paar Kapiteln verhalten sich Severus und Hermine entgegen ihrer eigentlichen Gesinnung. Diese ihnen nicht entsprechenden Charaktere haben einen besonderen Grund. Mit der Zeit verhalten sich beide jedoch wieder vollkommen „normal“. So, wie wir sie kennen.  

Disclaimer: Mir gehört wie immer nichts, außer die Idee zu dieser Story und ich verdiene kein Geld damit.

Ein ganz besonderer Dank geht an meine liebe Beta Aja. Lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, um die vielen kleinen und großen Fehler wegzuzaubern.

Und jetzt viel Spaß mit dem ersten Kapitel.

Rory

*****

1. Wiedersehen im November

Sie war wie ein Frühlingsmorgen.
Sonnenlicht spiegelte sich in ihren Augen.
Sie war ein Kind des Lichts, ein heller Stern mit Feuer im Herzen.
Sie war wie der herrlichste Tag, der blauste Himmel im Mai, der durch die Kälte bricht.

Er war wie ein gefrorener Himmel in einer rauen Novembernacht.
Die dunkelsten Wolken regneten von seinem Herzen,
ein Sturm brach aus seiner Seele.
Eisigster Schnee, tiefste Kälte rissen ihn auseinander.

Sie waren so unterschiedlich.
Sie waren wie Mai und November.
Und doch liebten sie sich.

Doch es kam der Tag, an dem ihr Licht erstarb,
an dem der Mai dem November wich.
Es kam der Tag, an dem das Feuer in ihrem Herzen erlosch
und nichts als Schutt und Asche zurückließ.  

So wie Hass und Liebe die Welt teilen,
so war auch ihre Liebe von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Sie war wie Gift, das ihre Herzen tötete.
Licht und Dunkel brachen auseinander und entzweiten die Liebenden.

Beide verloren in der Dunkelheit,
beide verloren in der eisigen Kälte des Novembers.
Und nur in stillen, einsamen Momenten erinnern sie sich:
Einst waren sie wie Mai und November…


(Anm.: Diese Zeilen können durchaus als Inhaltsangabe dieser Story gesehen werden.)



Seine Miene war starr, als er durch die langen dunklen Gänge von Hogwarts ging. Sein Blick war kalt, geradezu emotionslos, seine gesamte Körperhaltung verkrampft. Zügig wehte ein eisiger Schauer über den steinernen Korridor. Er fröstelte, ballte seine knochigen Hände zu Fäusten und presste seine Kiefer aufeinander.

Er konnte kaum atmen. Er wollte nicht atmen. Denn mit jedem Atemzug, den er tat, stachen tausend Stiche auf ihn ein. Ein röchelndes Geräusch ging von seinen Lungen aus und nicht das erste Mal fragte er sich, warum diese überhaupt noch Sauerstoff aufnahmen.

Seine Schritte waren langsamer als früher und schon lange nicht mehr so anmutig und gefährlich. Es war lange her… so verdammt lange. Vier verdammte Jahre lang quälte er sich nun schon so durch sein armseliges Leben. Vier lange Jahre  ertrug er nun schon diese höllischen Schmerzen, die ihn unkontrolliert und krampfartig überfielen und ihn jedes Mal zu einem Schwächling, zu einem Häufchen Elend werden ließen. Diese Schmerzen machten ihn schwach. Und es gab nichts, was Severus Snape mehr verachtete als Schwäche.

Es war die große Schlacht von Hogwarts gewesen, die ihm dieses Leid zugefügt hatte. Voldemort hatte seinen Verrat herausgefunden und es ihn bei lebendigem Leib büßen lassen. Ein schwarzmagischer Fluch hatte ihn getroffen und von seinen Beinen gerissen. Mehrere Meter war er über das Schlachtfeld geschleudert worden. Er war erst durch die peitschende Weide aufgehalten worden, die ihm den Rest gegeben hatte.

Er war 48 Stunden später auf der Krankenstation von Hogwarts aufgewacht. Medimagier aus dem St. Mungos hatten ihn wieder zusammengeflickt – zumindest was seine äußeren Verletzungen betraf. Doch der Fluch, mit dem Voldemort ihn seinen Verrat hatte büßen lassen, konnte niemand heilen. Es konnte ihn noch nicht einmal irgendjemand benennen. Kurzum. Dieser Fluch war gänzlich unbekannt in der Zauberwelt.

Severus war es schlecht gegangen. Mit jedem Tag hatte sich sein Zustand immer mehr verschlechtert. Er hatte sogar ins St. Mungos gebracht werden müssen, da man auf Hogwarts nichts mehr für ihn tun konnte. Doch auch im Krankenhaus hatte sich seine Gesundheit nicht verbessert. Nach zahlreichen Untersuchungen hatten die Medimagier geistreicherweise festgestellt, dass dieser Fluch unheilbar war. Und wenn er es doch war, dann hätte nur einer den Gegenfluch gewusst: Voldemort. Doch dieser war leider Gottes von dem Potter-Jungen in die ewige Verdammnis geschickt worden. Konnte dieser penetrante Junge überhaupt irgendetwas richtig machen?  

Mehrere Tage lang hatte Severus vor sich hinvegetiert. Er hatte sich den Tod gewünscht. Endlich die Erlösung. Doch die war ihm durch die zahlreichen lebenserhaltenden Maßnahmen – wie es die Medimagier so schön nannten – verwehrt worden. Irgendwann hatte Severus angefangen zu glauben, dass dies nur seine gerechte Strafe für all seine Taten und Fehlentscheidungen sei.    
 
Er hatte sich aufgegeben. Er konnte eigentlich nur noch hoffen, dass sein verdammt robustes Herz irgendwann seinen Dienst verweigern würde.

Doch von einem Tag auf den anderen hatte sich sein Zustand mit einem Mal rapide verbessert. Die Medimagier hatten sich das nicht erklären können. Severus ebenso wenig. Doch nach mehreren Wochen hatte er schließlich tatsächlich das St. Mungos verlassen dürfen. Er konnte seitdem wieder laufen, essen, trinken, sein Leben ohne Hilfe weiterführen. Das einzige, das geblieben war, waren diese Krampfanfälle, die ihn immer wieder in unregelmäßigen Abständen heimsuchten.

Diese Anfälle dauerten nicht lange an. Vielleicht ein paar Minuten. Doch die Nachwirkungen waren dafür umso intensiver. Stundenlang konnte er sich kaum bewegen. Er hatte Schmerzen überall, konnte kaum sprechen, nichts essen und nichts trinken.

Vor gut einer Stunde hatte Severus wieder einen solchen Anfall gehabt. Verbissen schleppte er sich nun durch die dunklen und verlassenen Gänge von Hogwarts. Es war weit nach zehn Uhr abends. Die Schüler waren schon lange in ihre Gemeinschaftsräume zurückgekehrt. Warum Severus jetzt durch das Schloss wanderte, wusste er nicht. Vielleicht wollte er sich beweisen, dass ihn diese Krämpfe nicht bezwingen konnten. Vielleicht brauchte er auch einfach nur Ablenkung. Aber letztendlich war es auch egal, warum sich Severus Snape unter Schmerzen, die ihn bereits erzittern und schwitzen ließen, durch das Schloss schleppte. Er tat es einfach, weil er ein verdammt sturer Mann war.

Erschöpft blieb er bei einer alten klapprigen Ritterrüstung stehen. Ihm war schwindelig und seine Beine zitterten so sehr, dass er sich kaum noch aufrecht halten konnte. Schwer atmend lehnte er sich gegen die kalte Wand. Er schloss seine Augen und versuchte seinen Körper wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Tief atmete er ein und aus. Offensichtlich hatte er sich mit diesem Nachtspaziergang doch zu viel zugemutet.

Er war nur froh, dass ihn diese Anfälle bis jetzt in seinem Unterricht verschont hatten. Nicht auszudenken, was das für ein Getratschte in der Schule auslösen würde. Von der Schmach ganz zu schweigen.

Seine Hand fand ihren Weg zu seiner Brust. Fest presste er diese gegen seinen Brustkorb und versuchte so, das Engegefühl zu bekämpfen. Wenn er doch wenigstens richtig atmen könnte. Dieser verdammte Fluch hatte sein ganzes Leben zerstört. Nicht, dass er je eins gehabt hätte. Und wenn er ehrlich war, hatte er auch nicht damit gerechnet, diesen Krieg überhaupt zu überleben. Severus hatte immer damit gerechnet, dass er sterben würde – durch wessen Hand auch immer.

Doch dass man ihn hatte überleben lassen, dass er nun ein Leben führen musste, welches nicht im Geringsten lebenswert war, damit konnte er nicht umgehen. Und nicht das erste Mal schwor sich Severus Snape, dass er herausfinden würde, wer ihn an Voldemort verraten hatte.

Er machte sich keine Illusionen. Er wusste, dass viele Todesser entweder tot, in Askaban oder dem Wahnsinn verfallen waren. Und seinem Verräter würde es da sicher nicht anders gehen. Doch er wollte – nein – er musste es wissen. Nur so konnte er zur Ruhe kommen und sich vielleicht irgendwann mit seinem Schicksal – welches er zweifelsohne verdient hatte – abfinden. Der Tod wäre auch zu einfach gewesen, dachte er zynisch und stieß sich mit einem schmerzerfüllten Stöhnen von der Wand ab, um weiterzugehen.

Doch sich ihm nahende Schritte ließen Severus erneut innehalten. Na wunderbar! Das hatte ihm jetzt noch gefehlt, dass er hier jemanden traf. In seinem Zustand! Er wusste, dass er furchtbar aussah. Seine Gesichtsfarbe war ungesund aschfahl, seine Haut schweißgebadet und seine Augen leicht gerötet von dem Martyrium, welches er nur eine Stunde zuvor hatte durchstehen müssen.    

Aber vielleicht war es auch ein Schüler, der sich unerlaubter Weise durch die Gänge von Hogwarts schlich. Der Ausblick auf einen saftigen Punkteabzug ließ ihn sich wieder etwas besser fühlen – zumindest psychisch.

Er wartete noch einige Sekunden ab, bis die Schritte nur noch wenige Meter von ihm entfernt widerhallten. Dann trat der Tränkemeister aus dem Schatten hervor, richtete sich in seiner gesamten imposanten Gestalt auf, verschränkte die Arme vor der Brust und blickte die dunkle Gestalt, die sich ihm stetig näherte, aus harten Augen an.

Die Person war klein und zierlich. Also doch ein Schüler! Ein zynisches Grinsen breitete sich auf Severus Zügen aus. Dann trat die Person aus dem Schatten und augenblicklich gefror Severus boshaftes Grinsen.

Ungläubig, beinahe fassungslos starrte er auf die Person vor sich. Mehrere Sekunden lang konnte er gar nichts sagen. Er war wie erstarrt. Schloss kurz seine Augen, um sie in der Hoffnung, dass seine Schmerzen ihn nur eine Illusion sehen ließen, wieder zu öffnen. Doch sie war real. Die Person, die kleine zierliche Gestalt, war wirklich existent und stand vor ihm.

„Was machst du hier?“, fragte Severus mit kalter, ablehnender Stimme, als er seine Emotionen wieder einigermaßen unter Kontrolle gebracht hatte.

Die Person sah ihn mit seltsam teilnahmslosem Blick an. „Ich bin nicht wegen dir hier“, sprach sie ebenso nüchtern.

In Severus verkrampfte sich alles. Aber dieses Mal nicht vor Schmerzen, sondern vor Wut. Was erlaubte sich diese ungehobelte, impertinente, respektlose Person eigentlich?! „Das beantwortet nicht meine Frage, Hermine“, spie er ihr verächtlich entgegen.

Er versuchte sie mit seinem verdammt wütenden Blick gefangen zu halten, doch sie wich ihm aus.

„Dumbledore hat mich hierher geholt“, erwiderte sie mit demselben erschreckend nüchternen Tonfall wie schon zuvor.    

Severus runzelte seine Stirn. Warum sollte Albus sie nach Hogwarts holen? Und warum verdammt hatte diese Frau noch nicht einmal den Anstand ihn anzusehen?! Nach all den Jahren! Nach alldem, was passiert war!

Er schüttelte diese unsäglichen Gedanken ab und versuchte sich wieder auf die Frau vor ihm zu konzentrieren. „Und warum muss Madam dann zu so später Stunde noch durch die Gänge laufen?“

Severus war mittlerweile mehr als nur gereizt. Er kochte. Weil SIE hier war. Weil SIE nach so vielen Jahren wieder hier auftauchte und ihm so verdammt teilnahmslos gegenübertrat. Hatte diese verdammte Göre ihr Benehmen verloren?

„Ich konnte nicht schlafen“, war alles, was sie ihm als Erklärung gab. Abermals mit tonloser Stimme.

Severus hätte sie dafür schütteln können. Er hätte sie gerne angeschrieen, dass sie gefälligst nicht SO mit ihm reden solle. Doch er beherrschte sich. Auch weil die Nachwehe seines Anfalls ihm noch deutlich spürbar in den Knochen steckte.

„Ich muss weiter“, sprach Hermine schließlich in die aufgekommene Stille hinein. Langsam ging sie an Severus vorbei, ohne ihn ein einziges Mal wirklich angesehen zu haben. Sie ließ ihn wie den letzten Deppen hier stehen. Einfach so. Und er konnte nichts dagegen machen. Denn er hatte keine Kraft, sich jetzt noch mit dieser sturen Gryffindor auseinanderzusetzen.  

Wütend auf sich, auf Hermine, auf diese ganze gottverdammte Welt, die sich sowieso schon seit seiner Geburt gegen ihn gestellt hatte, stürmte er zurück in seine Räume. Seine schmerzenden Glieder waren jetzt sein kleinstes Problem.

Er schrie der Tür, die zu seinen Räumen führte, sein Passwort zu, schmiss ebendiese Tür heftiger wieder in ihre Angeln als nötig, nur um weiter zu seiner kleinen Bar zu rennen. Er griff sich die erstbeste Flasche, öffnete diese und nahm einen großen Schluck daraus.

Der Alkohol hinterließ in seiner Speiseröhre und seinem Magen ein warmes, leicht brennendes Gefühl. Severus nahm noch einen weiteren Schluck. Ihm wurde noch wärmer und er merkte, wie sein aufgewühltes Gemüt sich wieder beruhigte.

Erschöpft und die Whiskeyflasche noch immer fest in seiner einen Hand haltend, ließ er sich in seinen Sessel fallen. Mit der anderen Hand zog er seinen Zauberstab, um ein Feuer im Kamin zu entfachen. Es war empfindlich kalt hier drinnen. Draußen tobte einer der berüchtigten Novemberstürme – in ihm tobte ein ganz anderer Sturm.

Sie war wieder zurück. Nach all den Jahren war sie nach Hogwarts zurückgekehrt. Er hatte sich in den letzten Jahren oft gefragt, was mit ihr passiert war. Um genau zu sein, war kein Tag vergangen, an dem er nicht an sie gedacht hatte. Im ersten Jahr hatte er sich einfach nur Sorgen um Hermine gemacht. Wo war sie? War ihr etwas passiert? Doch irgendwann, mit der Zeit, hatte sich diese Sorge in Wut umgewandelt. Er hatte nicht gewusst warum. Aber wenn er nun an die Gryffindor dachte, war da nur Wut in ihm.

Und jetzt, wo er ihr so völlig unerwartet und unvorbereitet gegenüber gestanden hatte, konnte er sagen, dass sich diese Wut abermals wandelte. In tiefe, alles zerfressende Verachtung.

Abermals führte er die Flasche in seiner Hand zu seinem Mund. Dieses Mal nahm er gleich mehrere Züge. Wen kümmerte es schon, wenn er heute als Schnapsleiche endete. Ihn sicher nicht! Und Hermine erst recht nicht!

Hermine… ein Seufzen entrang sich seiner Stimme.

Wütend warf er die fast leere Whiskyflasche ins Feuer. Er brauchte erst gar nicht damit anzufangen. Mit dem Erinnern an andere Zeiten. Es würde sowieso nichts bringen. Das war Vergangenheit. Eine bedeutungslose Vergangenheit.

Nein, Severus Snape wollte sich nicht erinnern. Und er versuchte auch krampfhaft dagegen anzukämpfen. Aber irgendwann brach seine Willensstärke und sein Geist schweifte fünf Jahre zurück in die Vergangenheit…

*****
Und mit dem nächsetn Kapitel geht es dann auch schon zurück in Hermines 7. Schuljahr. Am Sonntag gibt es das zweite Kapitel. Bis dahin würde ich mich über eure Meinung freuen. ^^ Liebe Grüße.
 
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