Fanfiktion / Reale Personen / Musik / Tokio Hotel / Blindes Vertrauen
1. Kapitel
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von Kirsche25    erstellt: 03.02.2010    letztes Update: 14.03.2010    Romanze / P18     29 Reviews
Hallo liebe Leser,
diese Geschichte ist mein "Baby". Habe sie schon vor einiger Zeit geschrieben und hänge sehr daran. Da sie bereits beendet ist, kann ich natürlich immer schnell neue Teile einstellen. Ich hoffe sie gefällt dem einen oder anderen und ihr lasst mir eine kurze Rückmeldung da.

LG
Nina

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Lilly war inzwischen schon ein Jahr bei ihrem Ausbildungsbetrieb und hatte bereits so gut wie jede Abteilung durchlaufen. Ihr Chef war sehr zufrieden und erklärte ihr, dass wenn sie so weitermachte, sie noch sehr weit kommen würde. Sie hatte selbst schon ein paar kleine Artikel geschrieben, doch bisher wurde noch nie einer veröffentlicht. Immer wieder bat sie ihren Chef um einen Auftrag, bei dem die Veröffentlichung sichergestellt war. Doch er sagte nur, dass sie dafür noch nicht bereit war. Aber so leicht gab sie nicht auf. Jeder Tag begann wie immer. Ihr Wecker klingelte um 5 Uhr. Sie lebte bei ihren Eltern am Stadtrand und hatte daher einen etwas längeren Fahrtweg. Sie genoss ihre kurze warme Dusche und musste sich dann auch schon beeilen. Sie zog sich an während der Kaffee kochte und schminkte sich kurz. Nachdem sie den Kaffee in ihren Becher zum mitnehmen gegossen hatte, stürmte sie auch schon aus dem Haus. Es war inzwischen 6.30 Uhr. Sie brauchte ca. 1 Std. bis zum Verlagshaus und wollte immer etwas früher als die anderen Kollegen da sein. Der Bus kam gerade an, als sie um die Ecke bog und so sprang sie hinein und konnte erst einmal durchatmen. Sie kaufte sich vorne beim Fahrer eine Tageszeitung, die unter anderem auch in ihrem Verlagshaus entstand und setzte sich auf einen freien Platz. 30 Minuten später stieg sie um und fuhr dann direkt mit dem Bus vor ihren Ausbildungsbetrieb. Sie war nun schon ein Jahr da, doch jedes mal wieder bekam sie eine Gänsehaut, wenn sie diesen riesigen Gebäudekomplex sah und wusste, dass dort alle wichtigen Informationen gesammelt und gefiltert für die Menschheit entstanden. Und es berührte sie noch mehr, da sie wusste, dass sie ein Teil davon war. Sie betrat das Gebäude und verschaffte sich mit ihrem Ausweis Zutritt. Sie fuhr in den 4 Stock und setzte sich an ihren kleinen Schreibtisch. Zur zeit saß sie in einer Abteilung die für die Zeitschrift "ON TIME" schrieb. Es war eine Zeitschrift, die über die Leben von Prominenten Menschen berichtete. Kurze Zeit später kamen die ersten Angestellten und es kam Leben in das Großraumbüro. Lilly genoss diesen Anblick. Es war einfach genau das, was sie immer machen wollte. Kurz vor Acht Uhr hetzte dann auch ihr momentaner Chef Robert rein. Robert leitete die Redaktion von "ON TIME". Er war noch sehr jung und hatte daher Probleme sich den Respekt seiner älteren Kollegen zu erkämpfen. Robert war gerade 28 Jahre alt, aber einer der engagiertesten Journalisten und Redakteure die sie je kennen gelernt hatte. Aus diesem Grund hatte sie sehr viel Respekt vor ihm. Nachdem Robert seine Jacke und Aktentasche abgestellt hatte, ging er aus seinem kleinen Büro zurück in unser Großraumbüro und sagte:
"Wir haben in 10 Minuten eine Besprechung. Es geht um die Oktober Ausgabe."
Lilly meldete sich an ihrem Computer an und biss kurz von ihrem Brötchen ab. Danach schnappte sie sich ihren Stift und einen Notizblock und ging zu dem Besprechungsraum. Nach und nach füllte er sich, bis alle anwesend waren. Robert schloss die Tür und setzte eine ernste Miene auf.
"Nun gut liebe Kollegen, ich sag so wie es ist. Wir haben schlechte Zahlen geschrieben die letzten Monate!"
Es ging ein raunen durch den Raum und alles blickten sich verstört an. "Wie es scheint, erwarten die Chefs von oben einen Imagewechsel." Robert sah zur Wand und alle sahen sich erstaunt und erwartungsvoll um. "Robert, wie genau soll dieser Imagewechsel aussehen?" fragte Stefan, einer der neusten Journalisten.
"Tja Stefan. Wir berichten über die Prominenten Menschen. Über die Königshäuser, die großen deutschen Stars. Nicht wahr?" fragte Robert in die Runde.
Alle nickten zustimmend. Plötzlich schlug Roberto auf den Tisch.
"Und genau das, ist das Problem. Wir berichten über die Stars von gestern. Uschi Glas, Heino, Iris Berben, Charles und Camilla und so weiter. Wir sollen ein viel jüngeres Publikum ansprechen. Über die heutigen Stars schreiben. Über das, was im Momente jeden interessiert: Wo stürzt Paris Hilton das nächste mal ab? Wann bekommt Britney ihr nächstes Kind? Wie viel haben die Olsen Twins abgenommen? und so weiter."
Die Kollegen sahen sich etwas unsicher an, aber nickten alle eifrig. Denn wenn man eins gelernt hatte, dann ist es, dass man Robert in solchen Situationen nicht noch reizen sollte.
"Also liebe Kollegen. Die Ausgabe für Oktober wird die erste Ausgabe mit unserem neuen Image. Wir bekommen ein komplett neues Layout und bis dahin müssen auch die Themen stimmen. Hat jemand Ideen?"
Stefan meldete sich.
"Wie wäre es mit einem Artikel über den Aufenthalt von Lindsay Lohan in der Klinik?"
"Sehr gut, Stefan" sagte Robert und seine düstere Miene erhellte langsam. Nach und nach tauten auch die anderen Kollegen auf und gaben ihre Ideen preis. Nachdem sie eine erstaunliche Liste an guten Ideen hatten, sah sie Robert nachdenklich an.
"Doch was ist wohl im Moment die beliebtest und erfolgreichste deutsche Band?" Stefan meldete sich zaghaft.
"Tokio Hotel?" fragte er und Robert klatschte vor Begeisterung in die Hände.
"Ja verdammt. Wir müssen über Tokio Hotel schreiben." Lilly kannte diese ganzen Teeny Blätter, da sie eine 15 jährige Schwester hatte, die sie immer las.
"Aber über Tokio Hotel steht doch schon immer alles in den anderen Zeitschriften. Es gibt nichts neues über sie zu schreiben." sagte Lilly und Robert sah sie ernst an.
"Du hast Recht. Darum müssen wir etwas über die Jungs in Erfahrung bringen, was noch kein anderes Blatt geschrieben hat. So wie die Jungs tatsächlich sind. Die ganze Wahrheit. Wie sie sich hinter den Kulissen benehmen, wie sie mit einander umgehen und so weiter. Und wir werden es ganz groß rausbringen. Wir nennen es: Tokio Hotel--- die ganze Wahrheit!"
Er hielt seine Hände vors Gesicht als sehe er den Artikel schon vor sich. "Aber wie wollen wir das in Erfahrung bringen? Wollen wir im Familien und Freundeskreis nach einer undichten Stelle suchen?" fragte Claudia.
"Nein zu gefährlich. Die Jungs könnten wind davon bekommen und das ganze ist gestorben." Alle sahen sich nachdenklich an.
"Ich habs!" sagte Robert und strahlte vor Freude.
"Wir schicken eine verdeckte Reporterin zu ihnen. Wir tarnen sie als eine Angestellte dort und sie macht nach und nach Notizen. So ist sie dicht genug an den Jungs dran um sich alles zu notieren." sagte Robert und alle nickten ihm zu.
"Nun ist die Frage wen schicken wir?" fragte Robert. Er blickte in die Runde. Doch er hatte seine besten Reporter schon auf andere Aufträgen eingeteilt. Dann sah er zu Lilly.
"Du bettelst immer um einen Auftrag der gedruckt wird? Hier ist deine Chance. Du schleichst dich bei den Tokio Hotel Jungs ein und lieferst mir einen ausführlichen Bericht." Lilly schluckte. Sie wollte immer etwas großes haben, aber das war ihr dann doch ein bisschen zu viel.
"Das kann ich noch nicht!" sagte sie.
"Keine Widerrede. Du bist perfekt. Du bist schließlich in dem Alter, das wir ungefähr ansprechen wollen. Du weißt was ihr lesen wollt." sagte Robert und damit war es beschlossene Sache. Lilly wusste, dass sie keine Chance hatte. Sie freute sich zwar auf die Herausforderung und wollte es Robert auch beweisen, aber die ganze Sache war ihr einfach zu groß. Sie hatte noch nie als Reporterin gearbeitet und dann gleich als verdeckte und irgendwelche Stars aushorchen. Nachdem die Sache beschlossen war, lösten sich die Mitarbeiter auf und gingen an ihre Arbeit zurück doch überall war zu fühlen, dass etwas neues im Anmarsch war. Lilly war total durcheinander und konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Sie war so aufgeregt, aber hatte auch wahnsinnig Angst. Nachdem sie den ersten Schock überwunden hatte, ging sie zu Robert. Sie klopfte an seine Tür. "Herein!" rief er.
"Ah mit dir hatte ich gerechnet!" sagte er als Lilly den Raum betrat.
"Setz dich!" sagte Roberto und Lilly nahm ihm gegenüber Platz.
"Robert, mir ist nicht wohl bei der ganzen Sache!" sagte Lilly.
"Wie soll ich das verstehen? Also Journalisten, darfst du in solchen Sachen keine Gewissensbisse haben." Lilly winkte ab.
"Nein, dass ist nicht das Problem. Mir ist es egal, dass wir Prominente aushorchen, aber ich meine, dass ich es machen soll. Ich habe noch nie alleine gearbeitet. Bisher war immer jemand an meiner Seite."
"Umso besser, dass du es dann gleich so lernst. Glaub mir, wenn du die Sache gut machst, wirst du nach der Ausbildung bei jedem Blatt ein Angebot bekommen." Diese Aussicht war sehr verlockend und Lilly wusste sowieso, dass es für Robert keine Diskussion mehr gab. Also begann sie einfach sich mit dem Gedanken anzufreunden und klärte mit Robert, wie sie an die Jungs rankam. Robert hatte sich schon in der kurzen Zeit etwas schlau gemacht. Schließlich gab es überall ein undichtes Loch, dass für genügend Geld Informationen rausrückte. So hatte er auch im Team um Tokio Hotel ein paar Informanten, die ihm sagten, dass das Stylisten Team eine Auszubildende suchten. Robert sagte, dass es genau das richtige war. So war sie überall dabei und immer nah genug an den Jungs dran. Sie sollte ein gutes Verhältnis zu ihnen aufbauen und ihr Vertrauen erschleichen. Denn dann würde sie an Informationen kommen, die die Jungs vielleicht sonst nie preisgeben würden.
"Das klingt ja gut, aber wir haben noch ein Problem. Ich kann niemanden schminken. Die werde mich nie und nimmer nehmen!" sagte Lilly. Robert lächelte und schüttelte amüsiert seinen Kopf.
"Ach Schätzchen. du musst tatsächlich noch ne Menge lernen." sagte er und machte eine bedeutsame Pause. Er stellte sich hinter seinen Schreibtisch auf und stemmte seine Hände auf dem großen, dunkelbraunen Schreibtisch.
"Wir kriegen dich da natürlich nur mit Geld rein." sagte Robert und lächelte. Lilly sah verschämt zu Boden. Sie schämte sich, dass sie da nicht selbst drauf gekommen ist.
"Ok, aber ich glaube nicht, dass mich der Chef vom Team gegen Bezahlung einstellt. Dann weiß er, dass etwas mit mir nicht stimmt."
"Ja und auch daran habe ich schon längst gedacht. Ich werde jemand schicken, der sich als dein überaus erfolgreichen und steinreichen Daddy vorstellt. Er wird mit den Leuten dort sprechen und ihnen klar machen, dass du nur diesen Traum hast. Er wird ihnen eine herzzerreißende Story erzählen, dass deine Mutter Stylisten war und gestorben ist und du seit dem nur diesen einen Traum hast und wenn er dann noch ein paar verlockende Scheinchen vor den Nasen der Leute flattern lässt, dann glaub mir, haben wir den Job in der Tasche." Jetzt war Lilly tatsächlich beeindruckt. Er hat sich das alles in den wenigen Minuten ausgedacht und einen perfekten Plan geschaffen. Niemand wird erfahren, dass sie verdeckte Reporterin ist und auch wenn sie überhaupt kein Talent zum stylen hatte, wird sie den Job kriegen und an die Infos über die Band kommen.
"Also Lilly, geh jetzt nach Hause, bereite dich vor. Denn ab Montag beginnt dein falsches Spiel!" sagte Robert und zwinkerte ihr zu. Lilly schluckte aber nickte mutig.
"Geht klar. Du kannst dich auf mich verlassen. Ich werde dir die beste und spannendste Geschichte aller Zeiten liefern." sagte Lilly und stand auf.
"So gefällst du mir." Lilly schloss die Tür von Roberts Büro hinter sich und erst jetzt merkte sie, dass ihre Hände klatschnass waren. Doch sie verstand, dass es ihre Chance war es allen zu zeigen und genau das wollte sie tun. Also räumte sie ihren Schreibtisch und kaufte sich auf dem Weg zum Bus die neusten Teeny-Zeitschriften. In fast jeder stand etwas von Tokio Hotel. Sie brauchte aber noch viel mehr Hintergrundwissen um wirklich über sie schreiben zu können. Aus diesem Grund setzte sie sich zu Hause an den PC und durchsuchte das ganze Internet nach jeder brauchbaren Information. Sie war erstaunt wie viele unterschiedliche Internetseiten es über die Band gab und vor allem, was die Fans wussten. Es gab sogar Fotos von dem leeren Hotelzimmer, in dem einer der Jungs vorher übernachtet hatte. Es wurde die leere Zigarettenschachtel und das zerwühlte Bett fotografierte. Lilly war geschockt, dass manche Fans keine Grenzen kannten. Nicht mal wenn es um die Intimsphäre eines Menschen ging. Doch dann überlegte sie, dass war doch genau das, was sie jetzt auch vor hatte. Sie würde Informationen erschleichen und in dem Privatleben der Stars schnüffeln um diese dann an die Öffentlichkeit zu bringen. Sie fühlte ein ungutes Gefühl auftauchen und schluckte es gleich wieder runter. Sie tat es ja für die Fans und die Menschen, die so was gerne lasen. Schließlich musste die Stars mit so was rechnen wenn sie sich in die Öffentlichkeit stellen. Sie machte nur ihren Job. Ein paar Stunden später kam ihre kleine Schwester von der Schule nach Hause. "Was machst du denn hier?" begrüßte Kati ihre Schwester.
"Danke, ich freu mich auch dich zu sehen!" sagte Lilly.
"Ja ja!" antwortete Kati und verschwand in ihrem Zimmer wo sie mit einem lauten Knall die Tür zu warf.
"Oh wir haben mal wieder gute Laune!" sagte Lilly leise und kopierte sich ein paar Artikel und Infos aus dem Internet in einen extra Ordner auf ihrem Pc. Sie würde die Sachen bestimmt noch mal brauchen. Am Abend klingelte es an der Tür und ein Bote übergab Lilly ein Paket. Als sie es öffnete fiel ihr ein Brief entgegen und darunter kam ein Laptop zum Vorschein. Sie hob den Zettel vom Boden auf und las:
"Damit du auch alles aufschreiben kannst. Zeig was du kannst. Robert." Lilly grinste und hüpfte vor Freude.
"Was ist denn mit dir los?" fragte ihr Vater der gerade in die Küche kam. "Robert hat mir nen Laptop geschickt!" sagte sie und hielt ihn stolz vor sich.
"Und warum?" fragte ihr Vater. Lilly packte den Laptop wieder ein und verdrehte die Augen. Sie drückte das Paket an sich.
"Damit ich beim Laufen ein gegen Gewicht zur Handtasche habe." sagte sie zickig und ging an ihrem Vater vorbei in ihr Zimmer. Sie schloss die Tür.
"Und wofür?" äffte sie ihren Vater nach. Sie schloss den Laptop ans Internet an und kopierte ihren Tokio Hotel Ordner rüber auf den Laptop. Dann schickte sie Robert eine kurze Dankes-Email. Sie wusste dass dies ihr vorerst letztes Wochenende sein wird, an dem sie wirklich sie sein kann und wollte es ausnutzen. Sie rief ein paar Freunde und ging mit ihnen feiern. Sie erzählte niemanden etwas von ihrem Auftrag. Sie sagte nur, dass sie ein paar Recherchen machte und daher in nächster Zeit nicht oft zu Hause sein würde. Ihre Freunde fragten nicht weiter nach. Bloß ihren Eltern erzählte sie am Samstag von ihrem Spezial Auftrag und sie merkte gleich, dass ihren Eltern dabei nicht gerade wohl war.
"Aber du bist doch erst so kurz bei dem Verlag!" sagte ihre Mutter.
"Ja aber Robert glaubt an mich und ich weiß, dass es meine Chance sein wird."
"Aber glaubst du, dass du das wirklich kannst. Ich meine nicht den Artikel schreiben. Ich habe einiges von dir gelesen und weiß wie gut du bist. Ich meine dieses Versteck spielen. Es ist schließlich keine leichte Aufgabe. Und hast du kein schlechtes Gewissen, den Menschen etwas vorzuspielen und sie dann auszunutzen?" fragte ihr Vater. Lilly fühlte sich angegriffen. Sie wollte, dass ihre Eltern stolz auf sie waren.
"Das ist meine Sache. Ich bin Volljährig. Ihr könnt mir eh nichts mehr sagen!" sagte Lilly und ging in ihr Zimmer. Vielleicht war sie auch deswegen so beleidigt, weil sie tief in sich drin die gleichen Zweifel wie ihr Vater hatte. Doch das durfte sie nicht zulassen. Sie war Reporterin und durfte so etwas nicht an sich ranlassen. Auch am Samstag traf sie sich mit ihren Mädels beim Italiener und sie redeten und lachten den ganzen Abend über. Am Sonntag machte sich die Aufregung in Lilly breit sie war ganz hibbelig und konnte kaum still sitzen. Am Abend sprach sie noch mal mit Robert, der ihr sagte, dass ihr "Vater" schon beim Chef war und alles bestens geklappt hat. Er hat ihm abgenommen, dass Lilly zwar kaum Talent zum stylen besaß, aber es ihr Traum war. Und die kleine Finanz-Spritze störte ihn auch nicht.
"Ich habe den Ausbildungsvertrag für dich hier vor mir liegen. Du musst nur noch unterschreiben und dann morgen damit morgen beim Studio vorbeigehen." Damit war alles klar. Lilly packte ihre Reisetasche. Sie würde die Band jetzt überall hin begleiten und das bedeutet, dass sie auch viel reisen musste. Am nächsten morgen verabschiedete sie sich kurz bei ihren Eltern und versuchte die besorgten Blicke ihrer Erzeuger zu übersehen.
"Also dann bis bald!" sagte sie und ging ohne sich noch einmal umzudrehen zum Bus. Sie fuhr kurz zum Verlag, wo sie schnell den Vertrag rausholte. Danach ging es dann zum Studio des Stylisten Teams. Auf dem Weg dorthin wurden ihre Knie gefährlich weich und auch ihre Hände begannen zu zittern. Sie stand vor dem Gebäude und atmete tief durch.
"Reiß Dich Zusammen!" sagte sie leise und schloss kurz die Augen. Leise wiederholte sie folgende Worte in ihrem Kopf:
"Es ist DEINE Chance!" Dann schüttelte sie sich und setzte ihr stärksten Lächeln auf. Sie ging durch zu einem kleinen Tresen, an dem eine Frau im mittleren Alter saß.
"Hey. Ich bin Lilly." sagte sie und hielt ihr die Hand hin. Die Frau zog ihre Sonnbrille von der Nase und beäugte sie misstrauisch.
"Wie schön für dich!" sagte sie kurz und setzte die Sonnebrille wieder auf. Lilly zog ihre Hand zurück. Die Frau zog an ihrer Zigarette und sah Lilly nicht einmal an. Na klasse, dachte Lilly und räusperte sich um etwas Aufmerksamkeit zu bekommen. Doch auch das nützte nichts. "Entschuldigung!" sagte sie und die Frau sah sie genervt an.
"Ist noch was?" fragte die Frau.
"Ich bin die neue Auszubildende!"
"Ja schon klar und jetzt ? Willst nen Orden oder was?" Sie zog in ihrer Zigarette und blies den Rauch in Lillys Gesicht. In dem Moment kam ein schlanker großer Typ um die Ecke. Er hatte eine aufwendige hochtoupierte Frisur und war stark geschminkt.
"Ja hallo!" sagte er und klang dabei wie ein bekannter Modedesigner.Er stolzierte auf Lilly zu und riss seine Augen groß auf.
"Meine Güte bist du hübsch!" sagte er und stellte sich vor sie. Er legte die Arme auf ihre Schultern.
"Diese Figur. Diese blonden Haare. Und . Nein, dieses Gesicht. Schätzchen, du siehst aus wie ein Engel." sagte er und schien völlig überwältigt. Lilly war das etwas unangenehm und versuchte sich aus seinem Griff zu befreien.
"Ähm. Ich bin Lilly!" sagte sie und lächelte gequält.
"Oh Nein. Diese Augen. Jane hast du die Augen gesehen?" fragte er und hielt Lilly´s Gesicht in seiner Hand. Die Frau, die Lilly gerade total ignoriert hatte hieß also Jane. Sie winkte bloß ab.
"Entschuldige, aber ich bin von dir gefesselt. Ich bin Juan!" sagte er und verbeugte sich vor Lilly und gab ihr einen Handkuss. Lilly grinste.
"Also meine Liebe. Du bis unser neues kleines Opfer!" sagte Juan und legte den Arm um Lilly.
"Ich stell dir das Team vor. Komm! Ach ja Jane hast du schon kennen gelernt?"
"Mhh Ja!" sagte Lilly. "Denk dir nichts dabei. Sie ist immer so zu fremden. Nun gut, also ich bin hier der Chef und dann gibts insgesamt 5 Stylisten. Jane, Jimmy, Klara, Michael und Josie." Sie gingen durch den langen Flur zu einer kleinen Küche. Dort saßen die restlichen Mitarbeiter. Sie waren alle älter als Lilly, aber im Gegensatz zu Jane lächelten sie sie an. Sie begrüßten Lilly und Juan führte sie weiter zu seinem Büro.
"Bitte setz dich." sagte er. Es sah ganz anders aus, als die Büros, die sie sonst gewohnt war. Es hingen überall bunte Bilder oder Poster an der Wand und das ganze Zimmer war in verschiedenen Blautönen gestrichen. Der Schreibtisch war in der Form eines Kuss-Mundes und auch die Stühle waren ausgefallene Designerstücke. Lilly setzte sich und Juan schenkte ihr etwas zu trinken ein.
"Ich habe gestern mit deinem Dad gesprochen. Es tut mir wirklich leid, dass du deine Mum verloren hast. Nun ja ich hoffe du fühlst dich wohl in unserem Team. Vielleicht wusstest du es noch nicht aber wir begleiten die Band Tokio Hotel. Das heißt wir reisen überall mit hin. Das ist dir hoffentlich klar?" fragte er und Lilly nickte schnell. Sie konnte sich an dem Bunten und seltsamen Zimmer nicht satt sehen und hatte Schwierigkeiten ihm richtig zu zuhören. Juan erklärte ihr noch ein paar Regeln bei der Arbeit und dann sollte sie sich auch schon fertig machen. Die Jungs hatten letzte Woche frei und heute sollte es wieder losgehen. Sie würden bald ein neues Album rausbringen und mussten langsam die Werbetrommel rühren. Also fuhren wir zu viert in das Hotel von den Jungs. Die anderen blieben erst mal im Studio. Zum Glück gehörte Jane dazu und so konnte sich Lilly schon etwas wohler fühlen. Juan, Michael und Josie hatten ihre Koffer bereits im Hotel und so packte Lilly nur noch ihre Reisetasche ins Auto und dann fuhren sie los. Sie waren 30 Minuten unterwegs, dann waren sie beim Hotel. Sie ging durch die große Glastür und stand dann direkt in der schönsten und prachtvollsten Lobby, die sie je gesehen hatte. Sie sah zur Decke wo ein riesiger vergoldeter Kronleuchter hing. Er schimmerte in alle Richtungen und wenn er fallen würde, hätte er sie direkt unter sich begraben. Juan kam nach ihr rein und zog sie mit. Lilly konnte nicht anders als sich staunend umzusehen. Sie gingen zur Rezeption und Juan plauderte mit der freundlichen Empfangsdame. Lilly ging weiter ins Hotel rein und stand vor dem Flur mit den Fahrstühlen. Der Marmorboden glänzte und Lilly konnte sich daran sehen. Die Fahrstuhltüren, glänzten im edlen Gold und auch dieser kleine Bereich hatte einen eigenen Kronleuchter. Eine Fahrstuhltür ging auf und eine ältere Dame im Pelz verließ ihn. Im Fahrstuhl stand ein junger Mann mit einem kleinen Hut auf dem Kopf.
"Möchten sie hoch oder runter?" fragte er freundlich und lächelte. Lilly war etwas verwirrt, aber schüttelte mit dem Kopf.
"Gar nichts" sagte sie und nun sah der junge Mann verwirrt aus. Er nickte kurz und drückte auf einen Knopf, bei dem sich die Fahrstuhltüren schlossen. Juan kam hinter hier her.
"Wo läufst du denn hin? Muss ich jetzt Babysitter spielen?" Lilly schüttelte mit dem Kopf.
"Sag mal wie teuer ist das Hotel hier bitte? Die haben sogar nen Mitarbeiter für den Fahrstuhl!" kicherte Lilly. Juan verdrehte nur die Augen und zog sie hinter sich her.
"Wir müssen jetzt arbeiten." sagte Juan. Lilly war schon gespannt, die Jungs nun endlich kennen zu lernen. Schließlich hatte sie wirklich viel über sie gelesen und wollte nun auch endlich wissen worüber sie schrieb. Juan klopfte an der Tür und öffnete sie gleich danach. Er lief ins Zimmer und hob die Hände vor Begeisterung.
"Schön euch wiederzusehen!" rief er übertrieben erfreut in den Raum. Lilly kam zögernd hinterher und schloss die Tür. Sie ging um eine kleine Ecke und da saßen Bill, Georg und. Wo war der Rest. Plötzlich raste Gustav an ihr vorbei und durch die Tür nach draußen. Gerade als sich Lilly etwas erholt hatte von dem Schock rannte Tom um die Ecke und gegen sie. Sie fielen beide zu Boden. Lilly war total überrumpelt und wusste nicht was sie sagen sollte. Tom lachte und gab ihr die Hand um ihr beim Aufstehen zu helfen. Sie nahm sie dankend entgegen und stand ihm gegenüber.
"Hey. Sorry. Ich bin Tom. Und ich bin gleich wieder da!" sagte er und rannte aus dem Zimmer. Lilly stand völlig überfordert da und fragte sich worauf sie sich da nur eingelassen hatte. Plötzlich stand Bill vor ihr. Seine Haare waren ungewohnt glatt und auch sein Gesicht kaum geschminkt. Er lächelte und hielt ihr seine Hand entgegen.
"Entschuldige. Die beiden sind nicht ganz normal. Ich bin Bill und das ist Georg!" sagte er und zeigte auf Georg der ihr vom Sofa aus zulächelte. Juan kam zu den beiden.
"Und da mein Schützling anscheinend gerade ihre Zunge verschluckt hat, stelle ich sie mal vor. Das ist Lilly unsere neue Azubine!" sagte Juan und Bill nickte erfreut.
"Dann Herzlich Willkommen!" sagte Bill.
"Also Bill, worüber ich noch mit dir sprechen wollte." sagte Juan und führte ihn in den Nebenraum. Lilly war etwas unsicher und stand ziemlich verloren da. Scheinbar hatte Georg Mitleid mit der Neuen und zeigte Erbarmen.
"Setz dich doch!" sagte er und zeigte auf das Sofa neben sich. Lilly nickte dankbar und setzte sich zu ihm.
"Also du heißt Lilly?!" Sie nickte.
"Ok. Und wie alt bist du?" fragte er.
"18!" antwortete sie und verstand selbst nicht warum sie so schüchtern war. Das war eigentlich nicht ihre Art und für eine Journalisten Karriere auch nicht gerade fördernd. Georg lächelte.
"Möchtest du auch was trinken?" fragte er und tat dies nur um dieses peinliche Schweigen zu beenden. Sie nickte und Georg ging erleichtert aus dem Zimmer um etwas zu trinken zu holen. Lilly versuchte sich zu entspannen und atmete tief durch. Doch in diesem Moment kam Tom plötzlich wieder in den Raum und stand lächelnd, aber außer Atem vor ihr. "Bin gleich wieder da!" sagte er und ging zu Bill in den Nebenraum. Lilly war das wirklich zu viel Trubel für den ersten Tag. Ein paar Sekunden später stand Tom wieder vor ihr und schmiss sich in den Sessel neben ihr. Er hielt eine Dose Cola in der Hand und trank einen Schluck daraus.
"Willst auch was?" fragte er und hielt ihr die Dose hin, aber Lilly lehnte freundlich ab. Sie fragte sich jedoch schon, warum Georg das Zimmer ganz verlassen hatte, wenn scheinbar nebenan Getränke gelagert waren. Doch sie konnte den Gedanken nicht vertiefen, da Tom wieder zu Luft gekommen war und sie nun fordernd ansah.
"Wie gefällts dir bei Juan?" fragte er. "Kann ich noch nicht sagen. Ist mein erster Tag."
"Oh na dann hat er dich ja schön ins kalte Wasser springen lassen. Kommst mit ihm klar?"
"Ja ich denke schon. Er ist etwas. " Lilly suchte nach dem passenden Wort um nicht: Bescheuert, Durchgeknallt oder völlig Beknackt sagen zu müssen. Tom grinste.
"Anders!" sagte er und Lilly musste lachen.
"Ja. Anders passt." "Aber er ist ein netter Kerl und das ist wichtig." fügte Tom hinzu und zwinkerte ihr zu.
"Ich habe auch schon ein bisschen von eurer Musik gehört." sagte Lilly um etwas in den Raum zu werfen. Tom grinste.
"Und?" "Also einmal aus der Zeit mit Devilish und dann von Tokio Hotel" "Aha hast dich ja gut vorbereitet." sagte Tom und Lilly lachte.
"Das ist doch klar!"
"Ok, wie fandest du die Musik von Devilish?" fragte er und sah sie frech an.
"Mhh ehrlich?" fragte sie vorsichtig. Tom lehnte sich zurück und verschränkte die Arme hinter seinem Kopf.
"Sicher! Na los gibs mir!" sagte er grinsend.
"Schrecklich. Die Texte waren wirklich von absoluten Anfängern und auch die Musik zeigt nicht viel Begabung!" Tom schien diese harte Kritik kalt zu lassen. Er grinste nur. Lilly tat es nachdem sie es so hart gesagt hatte, doch leid und warf hinterher ein.
"Aber ihr ward ja noch so jung und dafür ist es echt nicht schlecht!" Tom lachte nun laut auf und lehnte sich wieder nach vorne.
"Keine Panik. Wenn ich mit Kritik nicht klar kommen würde, dürfte ich in diesem Geschäft nicht arbeiten." Lilly war wirklich beeindruckt wie erwachsen er mit diesem Geschäft und der Arbeit umging.
"Aber deine Arbeit können wir ja auch noch beurteilen. Später darfst du dann an mir Hand anlegen!" sagte er und war sich dieser Zweideutigkeit absolut im Klaren. Lilly war aber auch nicht zurückhaltend und grinste. "Gerne doch." In dem Moment kamen Bill und Juan aus dem Nebenzimmer. Sie setzten sich zu uns.
"Also wir haben nachher einen Fernsehauftritt und die Maske muss bis 18 Uhr fertig sein." sagte Juan zu Lilly und sie schluckte.
"Mach dir keine Sorgen. Das klappt schon!" sagte Juan beruhigend und legte eine Hand auf ihre Schulter.
"Ok!" sagte Lilly und nickte ihm zu. Inzwischen waren auch Gustav und der schon fast verschollene Georg wieder da. Als er mit ner Flasche Wasser wiederkam und die Dose Cola auf dem Tisch stehen sah, tat er Lilly richtig leid.
"Oh vielen Dank. Ich mag ja gar keine Cola!" sagte sie und nahm die Flasche Wasser. Georg lächelte stolz. Er war ja es gewesen, der die Flasche für sie erkämpft hatte und Lilly grinste in sich hinein. Wie leicht man Jungs doch glücklich machen kann, dachte sie. Nachdem die Jungs gegessen hatte, fuhren wir getrennt zum Studio. Natürlich stellte jedes Fernsehstudio ein Stylisten Team zur Verfügung, aber die Jungs waren eh schon sehr eigen was ihren Look betraf und so vertrauten sie nur ihrem eigenen Team. Wir waren etwas früher als die Band da, weil diese auch noch vor dem Gebäude Autogramme verteilten. Wir gingen in die Maske und Juan, Michael und Josie begannen ihre Koffer und Taschen auszupacken. Lilly war überrascht was da alles zum Vorschein kam. Lidschatten in den schönsten und atemberaubendsten Farben, Make Up in allen Farben und Konsistenzen, Lippenstift in den verschiedensten Farben. Und als dann noch die ungefähr 50 verschiedenen Pinsel ausgepackt wurden, wurde Lilly richtig schlecht. Sie wusste nicht mal welcher Pinsle wofür war. Sie stand vor Josie und sah sich hilflos um.
"Keine Angst. Du machst heute nur die Grundierung. Damit sie im Licht nicht glänzen." Lilly sah sie entsetzt an.
"Grundierung? Hä? Wie?" fragte sie ängstlich. Josie griff in ihre Tasche. "Warte!" Sie nahm einen Stift aus der Schublade und beschrieb die kleinen Flaschen. Danach hielt sie sie ihr hin.
"Hier. Die ist für Bill, Tom und die für Georg und Gustav!" sagte sie und überreichte ihr die 4 kleinen Fläschen. Lilly legte sie vorsichtig ab und öffnete sie. Inzwischen hatte sie wenigstens verstanden, dass es eigentlich Make Up war. Nur warum, des 4 verschiedene Flaschen waren, wo doch alle 4 Flüssigkeiten gleich aussahen, begriff sie noch nicht. Doch sie wollte Josie nicht noch mehr nerven. Juan kam zu ihr.
"Oh gut die Flaschen hast du schon. Hier has du die Schwämme und die Tücher." Er drückte Lilly die Sachen in die Hand und ging wieder zu seinem Platz. Lilly sah die schwämme und die Tücher in ihrer Hand an. Na das konnte was werden, dachte sie. Kurze Zeit später kamen dann die Jungs und setzten sich. Da Bills Haare erst noch frisiert werden mussten, begann Lilly bei Gustav. In der Hoffnung, dass dieser sie nicht vierteilt, wenn sie es vermasselt. Sie nahm die Flasche für Gustav und schüttete etwas auf ein Schwämmchen. Sie begann es im Gesicht zu verteilen. Gustav schloss die Augen und Lilly war froh, dass sie niemand dabei beobachtete. Sie verteilte die Flüssigkeit so gut sie konnte, aber es war scheinbar mehr, als sie dachte und sie wusste nicht wohin mit dem Rest. Also nahm sie ein Tuch und wischte es ab. Irgendwie sah es aber nicht so aus, wie sie es wollte. Gustav öffnete die Augen und versuchte sein entsetztes Gesicht zu verbergen.
"Ähh ich will dich ja nicht ärgern, aber das sieht echt sch***e aus!" sagte Gustav und lachte leise. Lilly sah ihn geschockt an, aber musste dann auch lachen.
"Ja ich weiß" sagte sie lachend.
"Aber keine Ahnung wie es anders geht." Sie ging zu Josie und bat sie um Hilfe. Auch Josie versuchte ihre Kritik nett auszulegen. Sie begann das ganze zu korrigieren und Lilly sah ihr dabei zu. Sie merkte sich ein paar Tricks und ging dann zu Georg. Doch auch bei ihm, musste Josie am Ende ausbessern. Da Bill noch in der Garderobe war, ging Lilly zu Tom. Dieser grinste schon vor sich hin, als er sie kommen sah. "Dann wollen wir mal deine "Begabung" beurteilen" lachte er. Sie versuchte es so gut wie möglich zu machen um vor ihm nicht wie ein Trottel dazustehen, aber es gelang ihr einfach nicht. Nachdem sie schon doppelt so lange wie bei den anderem an ihm herum experimentierte, wurde Tom ungeduldig.
"Lass jetzt mal sehen!" sagte er und wollte sie vom Spiegel wegschieben. "Nee ich bin noch nicht soweit!" sagte Lilly.
"Egal!"
"Ok, aber dann darfst du auch nicht meckern, weil das ist ja ein noch nicht vollendetes Werk" sagte Lilly und trat bei Seite. Lilly schloss die Augen um das Gesicht von Tom nicht sehen zu müssen. Doch als sie auch noch ein paar Sekunden nach dem sie zur Seite getreten war, nichts hörte, öffnete sie sie wieder. Sie sah zu Tom und dieser begann in dem Moment an so laut zu lachen, dass das ganze Team ins Zimmer gelaufen kam. Tom fiel fast vom Stuhl. Immer wieder sah er sich im Spiegel an und musste dann lachen. Die anderen Kollegen, die inzwischen auch sahen, warum er so lachte, taten es Tom gleich. Lilly stand da und lies es über sich ergehen. "Ja ja! Danke, Danke, Danke!" sagte sie und musste selbst lachen. Nachdem sich Tom wieder beruhigt hatte, wischte er sich die Tränen aus den Augen.
"Ok. Also sagen wir mal so, wenn wir damals bei Devilish so schlecht gewesen wären, wie du jetzt, dann wären wir niemals hier!" Lilly verdrehte die Augen, aber wusste, dass er Recht hatte. Sie rief Josie, die das ganze ausbesserte. Bei Bill gingen sie dann doch zusammen ran, da Josie wusste, dass er am schwierigsten war. Sie sah Josie genau zu und machte es ihr dann nach. Schon in der Hälfte der Zeit waren sie fertig und Lilly war von dem Ergebnis begeistert. Danach kam bei Bill noch sein spezielles Make Up und die andern drei gingen zur Garderobe. Um kurz vor Sechs Uhr waren wir mit allem fertig und die Jungs kamen pünktlich zur Show. Lilly räumte die Garderobe und die Maske auf und sie verstaute alles im Wagen. Da am nächsten Tag eine große Fernsehgala war, mussten sie gleich weiter. Sie waren gegen 20 Uhr in dem Hotel und Lilly war von ihrem ersten Tag total erledigt. So anstrengend und anspruchsvoll hatte sie sich das nicht vorgestellt. Sie nahm ihre Tasche und ging gleich auf ihr Zimmer. Sie nahm ein heißes Bad und setzte sich dann an ihren PC. Noch wusste sie nicht viel über die Jungs. Sie schrieb sich nur auf, was an diesem Tag alles passiert war. Diese Art Tagebuch würde ihr helfen, später den Artikel zu schreiben. Dann schrieb sie noch eine kurze Email an Robert und ging dann schon recht früh schlafen. Als am nächsten Tag ihr Wecker um 5 Uhr morgens klingelte, fühlte sie sich total fertig. Sie wusste nicht, wie lange sie das durchhalten würde. Sie stand widerwillig auf und zog sich an. Sie legte etwas Make Up auf und ging runter zum Frühstück. Zu ihrer Überraschung saßen die Jungs schon dort und aßen ihr Frühstück. Sie ging zu ihnen und nahm sich eine Schüssel Corn Flakes.
"Guten Morgen!" sagte sie in die Runde. Sie sahen nur kurz hoch und nickten ihr zu. Sie war erstaunt, dass sie so diszipliniert waren. Schließlich waren sie gestern frühestens um 23 Uhr im Hotel und saßen schon um 5.45 Uhr hier unten und aßen ihr Frühstück. Lilly musst einräumen, dass sie das nicht gedacht hätte. Lilly beobachtete die Jungs heimlich beim frühstücken. Sie sahen alle sehr müde und erledigt aus, aber schienen das was sie taten wirklich gerne zu tun. Denn daran hatte Lilly wirklich gezweifelt. Sie hatte sich gefragt ob es nicht alles viel mehr vom Management ausgeht. Doch es schien so, als ob sie das alles selbst so wollten. Plötzlich sah Bill auf.
"sch***e wo sind wir heute?" fragte er in die Runde und Tom lachte. "Köln!" sagte Tom und legte eine Hand auf Bills Schulter. Dieser grinste. "Ach ja!" und die vier begannen zu lachen. So sehr, dass Lilly mitlachen musste. Inzwischen waren auch Michael, Josie und Juan zum frühstücken gekommen.
"Heute ist ja die Fernsehgala und wir müssen die Jungs vor ihrem Auftritt fertig machen. Also, ein leichtes Make Up für den roten Teppich und dann später noch mal für die Show." sagte Juan zu Lilly und sie nickte. Nachdem Lilly fertig gefrühstückt hatte, verzog sie sich noch kurz in ihr Zimmer. Sie schloss den Laptop an um zu überprüfen ob ihr Robert geantwortet hatte. Doch noch war keine Email da. Also packte sie die Sachen zusammen und ging dann zu Josie rüber. Diese packte gerade ihre Tasche.
"Na alles klar?" fragte sie und lächelte.
"Ja sicher!" antwortete Lilly.
"Ach was ich dir die ganze Zeit sagen wollte. Es tut mir echt leid. Also das mit deiner Mum und so." Lilly blieb verwirrt stehen.
"Wisst ihr alle davon?" fragte sie.
"Ja wie hätte Juan sonst erklären sollen, dass er jemand mit so wenig Vorkenntnissen eingestellt hatte." sagte Josie und ging zur Tür. Darüber war Lilly nicht wirklich erfreut. Sie hatte gehofft, dass es nicht jeder erfahren würde. Doch nun war es so und sie konnte es nicht ändern. Sie trafen sich mit Michael und Juan am Fahrstuhl und fuhren runter zur Tiefgarage. Lilly merkte, dass sie etwas tun musste um den Jungs näher zu kommen. Sie waren ihr gegenüber zwar freundlich, aber sichtlich zurückhaltend. Sie brauchte mehr Zeit bei ihnen um ihr Vertrauen zu erschleichen. Auf dem Weg zum Fernsehstudio, wo die Gala statt fand, diskutierten Juan und Michael über die unterschiedlichen Pinsel und ihren Sinn. Lilly musste sich beherrschen nicht zu lachen anzufangen. Es war schon lustig zwei erwachsene Männer über Make Up streiten zu sehen. "Michi du hast einfach kein Stil und aus dem Grund hängst du an der veralteten Version!"
"Wer sagt denn, dass Alt schlecht sein muss. Du bist doch auch noch dabei und anscheinend sehr begehrt!" sagte Michi und traf Juans wunden Punkt. "Ich bin zwar etwas älter als du, aber dafür sehe ich um Jahre jünger aus als du!" sagte Juan und sah beleidigt aus dem Fenster. Michi beließ es dabei und grinste vor sich hin. Im Studio bekam Lilly einen Ausweis, damit sie in den Backstagebereich durfte. Sie und das Team gingen gleich in die Garderobe um die Sachen für die Jungs aufzubauen. Kurze Zeit später kamen sie auch um die Proben durchzugehen. Danach wurden sie kurz geschminkt für den roten Teppich. Denn auch dort wurden Interviews und Fotos gemacht. Gleich danach wurde im hinteren Teil Fotoshootings und Interviews für die Zeitschriften durchgeführt. Lilly und Josie gingen mit um zwischendurch immer mal wieder das Make Up nachzubessern. Lilly überlegte genau, wie sie am besten zu den Jungs durch kommen würde. Sie hatte nicht so viel Zeit und musste schnell ihr Vertrauen gewinnen. Sie überlegte, über welchen der vier sie wohl am schnellsten an die Band rankam. Bill war sehr zurückhaltend und eher ruhig. Georg sah nicht so aus, als ob er ein Spaßvogel war und Gustav war ihr einfach zu unschuldig. Doch über Tom kam sie sicher ran. Er war schließlich der kleine Möchtegern-Aufreißer und das müsste sie ausnützen. Als die Fotos gemacht wurden, saßen drei immer am Rand, da jeder einzeln fotografiert werden sollte. Lilly nutzte die Chance und ging zu Tom.
"Hey!" sagte sie und Tom drehte sich zu ihr.
"Na!" sagte er und lächelte ihr zu.
"Ich muss dich noch mal kurz abpudern." sagte sie und Tom grinste.
"Na dann puder mal." Sie drückte den Pinsel in das kleine Puderkästchen und begann dann über sein Gesicht zu wedeln. Plötzlich bekam Tom einen wahnsinnigen Hustenanfall. Lilly klopfte ihm auf dem Rücken, aber er lief krebsrot an und rang nach Luft.
"Komm!" sagte Lilly. Sie griff nach einer Wasserflasche und zog ihn nach draußen. Dort schraubte sie die Flasche auf und setzte sie ihm an den Mund.
"Trink!" befahl sie und er tat es. Ein paar mal hustete er noch aber bekam langsam wieder Luft.
"Gehts?" fragte Lilly besorgt. Tom nickte und war noch immer außer Atem. "Entschuldige!" sagte sie leise. Tom lächelte.
"Du weißt, dass du dafür nen Waffenschein brauchst?!" sagte er und lachte.
"Mir tut das echt soo leid!" sagte sie und sah ihn flehend an.
"Hey. Ist doch alles ok!" sagte er und legte einen Arm um sie.
"Keine Panik!" Sie gingen wieder zurück zu den Fotoaufnahmen. Lilly war klar, dass dies wenn auch ungewollt ein guter Schritt näher an die Jungs war. Die restliche Zeit des Shootings, bemühte sie sich weniger Puder zu nehmen um nicht noch ungewollt einen der Jungs zu ersticken. Nach ca. 1 1/2 Stunden waren alle Aufnahmen im Kasten und die Band musste sich für ihren Auftritt bereit machen. Lilly nutzte die Chance sich Backstage einmal etwas näher umzusehen. Später würde sie mit ihrem Presseausweis, auch hierher kommen können. Sie war gerade auf dem Weg zurück zum Raum von Tokio Hotel, als ihr Handy klingelte.
"Ja?" meldete sie sich.
"Wie läufts?" hörte sie Robert am anderen Ende fragen.
"Du kannst mich nicht einfach anrufen. Was wenn ich gerade bei ihnen wäre?!"
"Dann würdest du sagen: Ja Papa. Alles ok. Ich meld mich später." sagte er und lachte.
"Ich dachte so was hättest du schon drauf."
"Ist ja gut!" sagte sie genervt, da sein Lachen nicht aufhörte.
"Also alles ok?" "Ja sicher. Ich bin gerade bei einer Gala. Es klappt alles!" "Gut. Melde dich später noch mal!" sagte er und legte auf. Lilly steckte das Handy zurück und ging zurück zu der Band. Sie saßen alle zusammen und versuchten die Zeit bis zum Auftritt zu vertreiben. Gustav saß wie so oft mit seinen Drumsticks am Tisch und trommelte auf das Sofa ein. Tom mampfte Süßigkeiten aus der Schale und Georg starrte in Gedanken die Wand an. Nur Bill lief etwas hibbelig durch den Raum. Lilly ging zu Gustav aufs Sofa und sah ihm beim Trommeln zu.
"Na!" sagte Gustav und lächelte ihr zu, wobei er nicht einmal die Sticks aus den Augen ließ.
"Hey!" sagte Lilly und lächelte zurück.
"Anstrengender Tag?" fragte er höflich.
"Geht schon. Wird es euch nicht manchmal zu viel?"
"Nee. Also manchmal ist es schon anstrengend und man möchte am liebsten einfach nur die Tür hinter sich zu machen und nichts und niemanden sehen, aber das geht jedem mal so und wir haben ja oft Auszeiten."
"Ja schon, aber ich stell mir das hart vor. So viel unterwegs und immer sind Kameras auf euch gerichtet."
"Nee das geht schon. Ich habe ja noch etwas mehr Freiraum. Bill und Tom sind da schon mehr gefordert." sagte Gustav und nickte in die Richtung der beiden.
"Oh und das stört dich nicht manchmal, dass die beiden mehr Aufmerksamkeit bekommen als du und Georg?" fragte Lilly. Gustav sah sie etwas schräg an.
"Äh wird das ein Interview?" fragte er und lachte. Lilly wurde rot und lachte übertrieben laut.
"NEIN. Natürlich nicht!" schrie sie fast und Tom sah sie mit großen Augen an. Lilly merkte, dass plötzlich alle Blicke auf ihr ruhten. Sie räusperte sich und stand auf.
"Na dann viel Glück für den Auftritt." sagte sie und lächelte gequält und ging aus dem Raum. Sie schloss schnell die Tür hinter sich und schlug die Hände vors Gesicht.
"OHHH GOOOTTTT!" sagte sie leise und schüttelte den Kopf. Plötzlich fühlte sie eine Hand auf ihrer Schulter.
"Alles ok?" Lilly nahm die Hände vom Gesicht und sah auf. Sie sah in wunderschöne hellblaue Augen. Die sie freundlich ansahen.
"Alles ok?" wiederholte die männliche Stimme. Lilly war von den Augen so angezogen, dass sie kein Wort heraus brachte.
"Du siehst aber nicht so aus. Sicher, dass es dir gut geht?" Lilly löste sich langsam von den Augen und ließ den Blick zu den braunen leichten Locken weiterziehen.
"Ja. Danke!" Sie sah hinunter zu den Lippen, wie sie sich zu einem leichten Lächeln formten und darunter weiße Zähne blitzten. Automatisch begann sie auch zu lächeln und fühlte sich wieder wie das kleine Mädchen mit den Zöpfen und der Zahnspange. Sie bekam einfach kein Wort raus. Sie hatte sich nun das ganze Gesicht angesehen, aber kam nicht drauf, woher sie es kannte. Ihr war nur eins klar, dass sie diese Augen nicht wieder gehen lassen wollte.
"Ich bin übrigens Wayne!" sagte er und Lilly wurde klar, warum sie das Gesicht so kannte. Es war der Sohn von Howard Carpendale. Sie sah ihn verschüchtert an und gab ihre Hand. Wayne schüttelte sie und sah sie fragend an.
"Ok. Normalerweise sagt der gegenüber dann auch irgendwann seinen Namen." lächelte er.
"Oh Lilly!" sagte sie schnell und lächelte zurück.
"Hallo Oh Lilly!" antwortete er und lachte. Lilly fühlte sich von diesem Lachen wie in den Bann gezogen.
"Und was machst du hier Lilly?" Langsam kam sie wieder zu sich. "Arbeiten und du?" Wayne grinste.
"Arbeiten. Was arbeitest du?"
"Ich gehöre zu dem Stylisten Team von Tokio Hotel." Wayne grinste.
"Na dann hast du ja ne Menge bei dem Bill zu tun!" sagte er.
"Sie sind echt ok!" "Ja war auch nicht böse gemeint."
"Gut!" sagte Lilly und grinste frech. Einen Augenblick standen sie nur da ohne etwas zu sagen und doch fühlte sich Lilly einfach nur wohl.
"Musst du noch arbeiten? Also jetzt gerade?" fragte er und kratzte sich schüchtern am Hinterkopf.
"Jetzt gerade nicht!"
"Gehen wir zusammen hinten zum Catering?" fragte er und sie nickte. Auf dem Weg fiel Lilly ein, dass sie Wayne in letzter Zeit nur mit Yvonne Catterfeld zusammen gesehen hatte. Sie wollte keinen Ärger und wollte ihn darauf ansprechen.
"Hat Yvonne nichts dagegen wenn du einfach mit mir nen Kaffee trinken gehst?" fragte sie frei heraus.
"Äh Nein. Wir sind seit ca. 1 Monat getrennt. Wir wollten es nicht gleich groß bekannt machen." Lilly verstand und wollte nicht weiter bohren. Sie saßen eine Stunde zusammen und unterhielten sich über alles mögliche. Lilly fühlte sich bei ihm sehr wohl. Irgendwann tauchte dann Juan auf.
"Wo warst du?" fragte er.
"Hier!" antwortete Lilly.
"Toll. Wir wollen los. Komm!" sagte er und ging voran.
"Ich komme sofort!" sagte sie.
"Dein Chef?" fragte Wayne. Lilly nickte.
"Entschuldige. Ich muss echt los. Also vielen Dank für das nette Gespräch. Bis Dann!" sagte sie und drehte sich zum gehen, in der Hoffnung, dass er sie nicht so gehen ließ.
"Lilly!" rief er kurze Zeit später. Sie drehte sich um und er kam zu ihr. "Können wir uns vielleicht mal sehen oder telefonieren?" Sie lächelte.
"Hier meine Handy Nummer. Bitte melde dich!" sagte er und ging. Lilly fühlte sich, als ob sie auf Wolke 7 schwebte. Ihr grinsen verschwand einfach nicht mehr. Sie steckte den Zettel von Wayne weg und ging hinter Juan her.
 
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