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von WeLoveSoccer    erstellt: 01.02.2010    letztes Update: 09.04.2010    Geschichte, Übernatürlich, Romanze / P18 Slash    (fertiggestellt)
Er döste ein wenig vor sich hin. Auch wenn er nicht schlafen musste, war es manchmal ganz angenehm, den Verstand auszuschalten.

Irgendwann während des Abspanns wurde er wieder wacher und sah erneut auf die Uhr. Kurz vor elf - konnte er es wagen? Er war unsicher, aber der Bewegungsdrang wurde stärker. Oder der Hunger?

Er würde sich einfach von den Hauptstraßen fern halten und den Menschen aus dem Weg gehen, beschloss er und stand auf. Schnell zog er sich seine Laufsachen an und verließ seine Wohnung. Ab in den Park, hier sah ihn niemand, hier konnte er auch mal in einer angemessenen Geschwindigkeit laufen, ohne sich zurückzuhalten.

Es war kalt draußen, das konnte er an den Autoscheiben erkennen. Er selbst spürte die Kälte nicht so wie die Menschen. Sie machte ihm nichts aus, genauso wenig wie große Hitze. Er lief aus der Stadt heraus, nach einigen Kilometern hatte er die Häuser hinter sich gelassen. Mit dem Auto hätte er für diese Strecke deutlich länger gebraucht, doch um nicht aufzufallen musste er meist darauf zurückgreifen. Aber nachts konnte er darauf verzichten. Er genoss das Gefühl, wie der Wind über seine Haut strich und das Gefühl sich richtig zu bewegen. Ohne Zurückhaltung.

Er konnte nicht sagen, wie schnell er wirklich lief, aber schneller als ein Auto im Stadtverkehr war er auf jeden Fall. Es tat einfach gut richtig zu laufen und nicht immer darauf zu achten, nicht schneller zu sein als die anderen.  Irgendwann blieb er stehen. Hier außerhalb der Stadt konnte man am Himmel die Sterne sehen. Der Mond war nur eine schmale Sichel, wieder auf dem Weg voll zu werden. Es war ein... friedlicher Augenblick, den er aus tiefstem Herzen genoss.

Die Nacht war seine Zeit, und nur sein selbst gewähltes Leben mit den Menschen ließ ihn bei Tage sein Zuhause verlassen. Und das aufzugeben, kam jedenfalls im Moment noch nicht in Frage. Er liebte sein Leben, wie es im Moment war. Das Fußballspielen machte ihm Spaß. Nach vielen Jahren, die er so einfach vor sich hingelebt hatte, hatte er endlich etwas gefunden, das ihn ausfüllte. Und das würde er nicht wieder aufgeben. Jedenfalls nicht in den nächsten Jahren. Er schloss die Augen und atmete tief durch. Auch, wenn er in der Stadt wohnte, das war unauffälliger, zog es ihn immer wieder...

Da war etwas. Da roch etwas... Er konzentrierte sich und wandte sich schließlich nach links. Ganz schwach war es zu riechen, aber es war da, ganz deutlich. Er lief los, in Richtung des Geruchs, des verführerischen Dufts.

Ein paar Mal musste er seine Richtung korrigieren, aber schließlich war er ganz nah. Er blieb einen Moment stehen und holte tief Luft. Der Geruch überwältigte ihn schier. Süß und warm - wie Feuer brannte der Durst in seiner Kehle, ein Durst, der nur auf eine Art und Weise zu löschen war. Mit warmem, frischem Blut. Menschlichem Blut. Alles andere half ihm zu überleben, aber nur menschliches Blut konnte dieses Verlangen in ihm auslösen.

Er versuchte sich noch zurückzuhalten, aber es gelang ihm nicht. Er lief immer schneller, weiter, in die Richtung, aus der der Geruch kam, bis er ihn schließlich sah. Den Mann, der seinen Hund ausführte. Es war ganz einfach. Er müsste nur zu ihm gehen. Der Mann würde sich nicht gegen ihn wehren. Er würde sich nicht wehren wollen... einen Schritt, noch einen Schritt. Langsam schlich Thomas sich an. Lautlos.

Er war nur noch ein paar Schritte entfernt, als der kleine Hund anfing zu bellen. Der Mann beugte sich zu seinem Hund, streichelte ihn und sah sich dabei beunruhigt um. Thomas war mitten im Schritt verharrt. Er wusste, dass der Mann ihn nicht sehen konnte. Aber der Hund spürte ihn und das ließ ihn weiterhin wachsam knurren.

Einen Sprung, und der Mann mit seinem unwiderstehlichen, warmen, lebendigen Blut war ihm hilflos ausgeliefert. Wieder bellte der Hund laut. Thomas zischte wütend. Dieser kleine Kläffer würde noch die ganze Nachbarschaft aufwecken.

Ein Teil in ihm schrie danach, sich erst den Hund vorzunehmen, dann den Mann. Doch das konnte er nicht machen. Er wollte nicht töten, wenn es nicht notwendig war. Und das war es nicht.

Mit einer schnellen Bewegung drehte sich Thomas weg und lief so schnell er konnte. Er hörte noch lange den Hund bellen, seine guten Ohren konnten ihn auch noch nach einigen Kilometern ausmachen, bis er schließlich wieder in den Straßen Münchens nach Hause lief.

Seine Hände zitterten, als er seine Haustür aufschloss. Schwungvoll warf er die Tür hinter sich zu und hastete in die Küche. Eine weitere Dose - normalerweise brauchte er nur eine alle zwei Tage. Heute schon die dritte. Schnell riss er sie auf und ließ sich das Blut in die Kehle rinnen. Kühl und dickflüssig - aber nicht genug.

Er war so nah dran gewesen! Wäre dieser verdammte Köter nicht gewesen, hätte er seine Zähne in den Hals des Mannes... Schnell schüttelte er den Kopf. Nicht dran denken.

Er schoss die Augen und versuchte sich zu beruhigen. Gerade hatte er Blut bekommen, da musste er doch ruhiger werden. Oder reichte das Schweineblut nicht mehr? Brauchte er doch menschliches?

"Scheiße verdammt!" fluchte er. Bisher war es auch ohne menschliches Blut gegangen. Hin und wieder hatte er zwar mal jemanden angeknabbert, aber schon seit Jahren hatte er sich an Tierblut gehalten. Und es war immer gut gegangen, auch wenn etwas gefehlt hatte, und menschliches Blut einfach so viel besser war. Besonders, wenn es noch warm war, und ohne chemische Gerinnungshemmer.

Thomas ließ sich auf den Boden sinken, den Rücken gegen den Kühlschrank gelehnt. Er wollte keine Menschen verletzten oder gar töten. Deshalb hatte er sich entschlossen, nur Tierblut zu sich zu nehmen. Die Gefahr war einfach zu groß, dass er nicht rechtzeitig aufhören würde, wenn er von einem Menschen trank.

Ein Mensch konnte einen halben Liter problemlos verlieren, auch mehr würde kein großes Problem sein. Aber wenn es doch so gut schmeckte, und er in einen Blutrausch verfiel, wie er es schon öfter von anderen gehört hatte, dann würde er bei diesem halben oder einen Liter nicht aufhören.

Thomas schloss die Augen und versuchte sich zu entspannen. Er musste aufhören über Blut nachzudenken, sonst würde er durchdrehen.

Und dann würde er sich nicht mehr beherrschen können. Er dachte an das Spiel am Nachmittag, den Sieg. An die vielen Fans, die ihm zugejubelt hatten - auch, wenn er schon über 60 Jahre alt war, war das noch immer etwas Erstrebenswertes. Andererseits war Jakob der Meinung, man war immer so alt, wie man sein wollte. Und er, Thomas, wollte 20 Jahre alt sein.

20 und Fußballprofi, der sich nur über das nächste Spiel Gedanken machte.

Über den Erfolg, den er mit seiner Mannschaft hatte, über die Fans, die zu tausenden, zehntausenden ihm zujubelten. Menschen, die so unbeschreiblich glücklich feierten, die so viel Leben in sich hatten... so viel Blut.

Thomas stöhnte auf. Großartig. Er freute sich jetzt schon auf das Training. Vielleicht sollte er sich krank melden. So, wie er sich im Moment fühlte, würde er das nicht überstehen. In einer Kabine mit seinen Kollegen. Auf engstem Raum, viel zu nah um Berührungen auszuweichen...

Der Geruch nach Schweiß... und was, wenn sich jemand ein wenig verletzte? Das kam immer mal vor, und normalerweise hatte er damit kein größeres Problem. Doch im Moment war nichts normal.

Er nickte. Er würde anrufen und sich krank melden. Eine leichte Erkältung vorschützen. Michi würde ja bestätigen können, dass es ihm schon nach dem Spiel nicht gut gegangen war. Und wenn Jakob dann am Abend kam - vielleicht würde der ihm irgendwie helfen können. Jakob würde bestimmt eine Lösung wissen. Er musste einfach!

Mit diesem Gedanken stand er auf und ging ins Bad. Vielleicht würde es helfen zu duschen, alle Gerüche vom Körper zu spülen. Und danach ins Bett, die Zeit musste einfach irgendwie vergehen.

Er duschte sich heiß ab und legte sich dann nackt ins Bett. Er möchte das Gefühl der kühlen Bettwäsche auf seiner Haut. Er schloss die Augen, und nach einer Weile schaffte er es auch das Denken abzuschalten und einzuschlafen.
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