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Geschichte: Fanfiktion
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von annamolly
erstellt: 31.01.2010
letztes Update: 19.07.2011
Geschichte, Romanze / P16
(fertiggestellt)
Vielen Dank für die Reviews.
23. Dezember 2008
Als ich mich am nächsten Morgen spät aus dem Bett bequeme, habe ich immer noch ein dämliches Grinsen auf den Lippen.
Muss an Julika denken, die mich einfach irgendwie umgehauen hat.
Wie sie vor mir stand, nachdem ich sie fast umgerannt habe, ihr das Portemonnaie aus den Händen geflogen ist und wir ihre Sachen wieder vom Boden aufgelesen haben, da war ich einfach hin und weg. Auf den allerersten Blick. Sie sah so verdammt gut aus.
Ich glaube, ich hab’ mich ganz schön zum Affen gemacht, aber… Das ist mir irgendwie auch egal.
Ich wollte unbedingt mit ihr reden, wollte sie einfach nicht gehen lassen. Also habe ich einfach so lange gebettelt, bis sie zugestimmt hat, mit mir noch einen Kaffee zu trinken, sich von mir einladen zu lassen.
Wahrscheinlich hält sie mich jetzt für den aufdringlichsten Typen der Welt.
Vor allem, da ich ja auch noch nach ihrer Handynummer gefragt und auch dabei einfach nicht locker gelassen habe. Bis sie sie doch noch herausgerückt hat, obwohl sie eindeutig den Eindruck gemacht hat, als wolle sie das gar nicht. Aber ich konnte sie eben nicht einfach so gehen lassen.
Ich wusste sofort, dass ich mit diesem Mädchen in Kontakt bleiben möchte, dass ich mich hinterher ärgern würde, wenn ich sie einfach so gehen lassen würde.
Nach einem kurzen Blick auf die Uhr – es ist schon fast zehn – gehe ich erst mal ins Bad, um mich zu waschen und mich anzuziehen, bevor ich wieder zurück in mein altes Jugendzimmer gehe, mir mein Handy greife und damit nach unten gehe.
Scheint niemand zu Hause zu sein, denn im ganzen Haus ist es ruhig. Meine Eltern sind wahrscheinlich einkaufen und Matthias… Keine Ahnung, ist auch nicht wichtig.
Ich mache mir ein Müsli, lasse mich damit auf dem Sofa im Wohnzimmer fallen, schalte den Fernseher an und nehme dann wieder mein Handy zur Hand. Öffne das Menü, klicke auf das Nachrichtensymbol, will eine neue SMS versenden.
Runzle die Stirn, überlege.
Ich weiß nicht, was ich schreiben soll, aber ich muss ihr einfach schreiben… Ob wir uns noch mal treffen können. Und es ist mir dabei egal, wie aufdringlich das ist.
Fünf Minuten später habe ich einen kleinen Text auf dem Display. „Hey, Julika. Ich dachte, ich frage, ob wir uns noch mal treffen könnten. Ich bin noch bis Ende des Jahres in Graz. Sebastian“, steht da jetzt.
Bevor ich noch länger darüber nachdenken kann, schicke ich die Nachricht ab.
Besser würde ich es sowieso nicht hinkriegen.
Ich lege das Handy wieder weg, widme mich dem Fernseher und esse in aller Ruhe mein Müsli.
Warte und hoffe, dass ich eine Antwort kriege.
Eine positive.
Ich wüsste gar nicht, wie ich reagieren sollte, wenn sie nein sagen sollte.
Und irgendwie habe ich schon das Gefühl, dass sie mich auch ganz nett findet. Aber andererseits macht sie den Eindruck, als würde sie irgendetwas zurückhalten. Ich weiß auch nicht genau… vielleicht war sie auch nur nett zu mir, weil sie Mitleid mit mir hatte, weil ich so ein verdammter Tollpatsch, so ein Vollidiot bin, und hat nicht vor, sich jemals wieder bei mir zu melden.
Aber ich werde nicht aufgeben, bis sie mir nicht eindeutig gesagt hat, dass ich keine Chance habe.
Ich will diese Frau um jeden Preis kennenlernen.
Und wenn ich mich dafür zum größten Idiot von Graz mache.
Ist mir egal.
Das ist es mir echt wert.
Ich habe gerade sämtliche Programme im Fernsehen durch gezappt und mein Müsli ist schon längst leer gefuttert, da klingelt mein Handy. Lässt mich zusammenzucken, aufschrecken. Ist sie das schon, ruft sie gleich an? Will sie mir eine Abfuhr erteilen?
Eilig greife ich nach dem Telefon, schmeiße es fast runter, und starre dann auf das Display. „Harnik, Martin“ steht da, lässt mich entgeistert aufseufzen.
Na, super! Schon wieder.
Klar, er ist mein bester Freund und so weiter. Trotzdem wäre es mir lieber, wenn dort „Kienzl, Julika“ stehen. Tut es aber nicht… Und ich sollte wirklich abnehmen, sonst kann ich mir wieder stundenlang von ihm anhören, dass ich ihn einfach ignoriere, obwohl das, was er mir zu sagen hat, verdammt wichtig ist… Ist es immer bei ihm!
Ich seufze noch einmal, schiebe dann das Handy auf und halte es mir ans Ohr. „Was denn nun schon wieder, Hanno?“
„Boah“, macht er. „Du bist ja die Begeisterung in Person mal wieder. Anstatt mich mal ordentlich zu begrüßen – immerhin bin ich dein bester Freund -, zickst du mich gleich schon wieder an! Egal… Ich wollt’ dich nur mal fragen… Na ja, ich brauch’ deine Hilfe. Ich fahr’ nachher zum Hundezüchter und weiß eigentlich immer noch nicht, welchen ich jetzt kaufen soll. Da gibt’s so viel Auswahl… Ich kann mich einfach nicht entscheiden.“
Ich muss mich arg zurückhalten, um mir das genervte Aufstöhnen zu verkneifen. Das ist doch jetzt nicht sein Ernst!
Hat er mir gestern schon erzählt, dass er seiner Freundin einen Hund zu Weihnachten schenken will. Ist ja schön und gut, aber… Dass er jetzt mich fragen muss, was für einen Köter er sich zulegen soll, das ist doch bescheuert.
Ich kenn’ mich doch mit Hunden gar nicht aus, außerdem ist mir das voll egal.
Aber das ist halt Hanno… Ruft immer wegen jedem Scheiß an. Dafür kann man sich auch immer auf ihn verlassen. Ich weiß ganz genau, dass ich auch immer bei ihm anrufen kann, dass er mir immer zuhören wird.
„Mensch, Hanno! Was soll ich dazu denn sagen?“, gebe ich ihm zurück.
„Na ja, ich dachte… Du könntest mir ein bisschen bei der Entscheidung helfen“, plappert er einfach weiter. „Weißt… Ich will halt, dass er ihr auch wirklich gefällt, aber andererseits sollte er auch für so ’ne Stadtwohnung geeignet sein und nicht zu schwer erziehbar sein und so weiter halt… Weißt du?“
Ich höre ihm schon gar nicht mehr wirklich zu, lasse ihn einfach reden und schweife mit meinen Gedanken ab.
Lande wieder bei gestern, im Kaffeehaus.
Sehe Julika direkt vor mir. Wie sie mir gegenüber sitzt, sich immer mal wieder die Haare hinter die Ohren streicht, ihre Sachertorte isst und dabei einfach gut aussieht.
Wie sie mich anlächelt und ihre Augen blitzen, wenn sie von ihrem Pferd oder von Indien erzählt.
Gott, diese Frau hat mich echt einfach umgehauen.
„Eyyy…“, erklingt es langgezogen aus dem Telefon und lässt mich aufschrecken. Fast hätte ich Martin echt vergessen. „Hörst du mir überhaupt noch zu, du Idiot? Ich hab’ hier ’n echtes Problem – und du? Keine Ahnung… Ist alles okay bei dir?“
Ich seufze, rapple mich vom Sofa aus, schalte den Fernseher – den ich nur lautlos gestellt hatte – ganz ab und greife mir meine Müslischale und gehe damit zurück in die Küche, wo ich sie in die Spülmaschine stelle. Dann lehne ich mich gegen den Kühlschrank. „Tut mir leid… Ich war mit den Gedanken gerade wo anders… Aber ich kann dir mit dem Hund eh nicht helfen, Martin. Ich kenn’ mich da auch nicht aus… Frag einfach nach, schau’ dir ein paar Hunde an… Du wirst schon den richtigen finden“, murmle ich ins Telefon.
„Wahrscheinlich hast du Recht. Sollte ich so machen – und mich beeilen! Immerhin ist morgen schon Weihnachten.“
Ich bin erleichtert, hoffe, dass es das jetzt war und dass ich dann wieder auflegen kann, um auf mein Handy zu starren und zu hoffen, dass eine SMS von Julika kommt. Aber Martin lässt nicht locker. „Und was ist jetzt mit dir, Junge? Du hörst dich echt… abwesend an. Sonst bist du sonst echt nicht…“
Das stimmt wohl.
Normalerweise bin ich echt ein aufmerksamer Zuhörer. Egal, wie wenig mich das interessiert, was mir erzählt wird. Kann so tun, als würde es mich interessieren.
„Na ja… Weißt du, ich war gestern im Kaffeehaus. Wollt’ mir eigentlich nur schnell ’nen Kaffee mitnehmen. Hab’ grad mit dir telefoniert…“, beginne ich dann doch, etwas zögerlich noch, zu erzählen.
„Ach, ja, ja…“, unterbricht Martin mich gleich. „Ich erinnere mich. Und dann hast du einfach aufgelegt, obwohl ich längst nicht fertig war.“
Ich grinse ein wenig. War verdammt froh, dass ich aufgelegt habe, um Julika zu helfen und mich dann mit ihr zu unterhalten. „Genau da… Jedenfalls habe ich da gerade gezahlt gehabt, wollte mich umdrehen und habe dabei fast ein Mädel umgerannt. Ihr ist der Geldbeutel aus der Hand geflogen, das Kleingeld ist durchs Kaffeehaus gerollt. Also habe ich aufgelegt, meine Sachen hingeschmissen und ihr geholfen, das Zeug wieder aufzusammeln. Und dann habe ich den Namen auf ihrem Führerschein gelesen, mich bei ihr entschuldigt und hab’ sie das erste Mal richtig gesehen… Und… Ich war hin und weg, Hanno. Die Frau ist der reine Wahnsinn! Ich hab’ sie zur Entschädigung auf einen Kaffee eingeladen und mich mit ihr unterhalten.“
„Ohooo…“, macht Martin und kichert dann erst mal eine Runde, als wären wir verdammte Kleinkinder. Aber so ist er eben und so liebe ich ihn auch. Ist schließlich mein Freund, mein bester. „Soso, hat unser Basti endlich auch mal wieder eine hübsche Frau kennengelernt. Und? Wann seht ihr euch wieder?
Ich seufze auf.
Tja, das scheint ja das Problem zu sein.
„Ich weiß nicht, Hanno. Ich musste ganz schön betteln, bis ich ihre Handynummer gekriegt habe. Und jetzt habe ich ihr vorher eine SMS geschrieben, aber bis jetzt hat sie noch nicht geantwortet. Ich überlege mir schon die ganze Zeit, ob ich ihr noch mal schreiben soll oder sie anrufen soll. Ich komm’ mir so aufdringlich vor… Aber ich will diese Frau unbedingt wiedertreffen. Das ist echt… Martin, das ist die Traumfrau! Ohne Witz…“
„Sag mal, hat sich da ein Basti Prödl etwa auf den ersten Blick verliebt?“, hakt Martin lachend nach.
Werde rot, dabei kann er mich nicht mal sehen.
Dabei ist ja auch nichts dabei, wenn man sich auf den ersten Blick ein bisschen in eine so schöne Frau verguckt. Verliebt würde ich es nicht nennen, weiß ja nicht mal sonderlich viel von ihr. Finde sie nur… hübsch und ziemlich nett eben.
Trotzdem, Hanno macht weiter. „Oh ja, du bist ganz schön verknallt, Junge.“
„Mann… Ich leg’ jetzt auf, ich hab’ keine Lust mehr auf den Mist mit dir. Depp!“, brumme ich ins Telefon.
„Okay… Mach’s gut, Dicker. Wir sehen uns dann in Bremen“, kann Martin noch nuscheln, bevor ich das Handy auch schon zusammenschiebe und sofort einen Blick aufs Display werfe.
Es steht nichts da, keine SMS.
Grummelnd stecke ich das Teil wieder in die Hosentasche und will gerade wieder nach oben in mein Zimmer gehen, als die Haustür aufgeschlossen wird. Meine Eltern kommen vom Einkaufen wieder.
Ich helfe ihnen, die Tüten und Taschen ins Haus zu tragen. Helfe auch beim Ausräumen und gehe dann, nachdem meine Mutter mir mitgeteilt hat, dass wir in einer Stunde essen können, nach oben auf mein Zimmer.
Dort lasse ich mich am Schreibtisch fallen und lasse den Laptop hochfahren, während ich erneut mein Handy zücke.
Nichts.
Sie hat sich immer noch nicht gemeldet.
Es sind auch erst knappe zweieinhalb Stunden vergangen, aber ich will trotzdem eine Antwort. Will wissen, ob wir uns noch mal wiedersehen werden oder ob sie nur aus Höflichkeit gehandelt hat.
Aber ich lege das Handy trotzdem erst mal wieder weg, komme mir zu aufdringlich vor, wenn ich jetzt wieder schreiben würde.
Eine Weile surfe ich durchs Internet, werfe dabei immer mal wieder einen Blick zum Handy, aber es passiert nichts. Nichts, auch nicht, bis meine Mutter mich zum Essen herunter ruft.
Ich verhalte mich während dem Mittagessen ruhig und ziehe sofort die Aufmerksamkeit meiner Eltern auf mich, da ich es sonst immer bin, der die Tischgespräche führt, wenn ich mal zu Hause bin. Erzähle von Bremen, wie es so läuft, hake nach, was ich hier zu Hause so verpasst habe.
Wenn ich da ruhig bin, das fällt natürlich auf.
Ich schiebe es darauf, dass ich noch müde sei, und verabschiede mich nach dem Essen auch sofort wieder.
Ein Blick aufs Handy, kaum dass ich oben auf dem Zimmer bin.
Nichts.
Das ist mir jetzt echt zu blöd.
Ich scrolle durch meine Kontakte, bis ich bei „Kienzl, Julika“ ankomme und rufe bei ihr an. Es dauert einen Moment, bis die Verdingung hergestellt ist, und noch einen viel längern, bis sie doch noch abnimmt. „Hallo?“, fragt sie leise.
Sofort setze ich mich aufrecht hin, fahre mir durch die Haare und räuspere mich, bevor ich antworte. „Hallo“, gebe ich zurück. Kann mir ein Lächeln nicht verkneifen, weil ich sie mir schon wieder vorstellen muss. „Ich bin’s, Sebastian – Von gestern?“
Sie gibt einen zustimmenden Laut von sich, so dass ich fortfahre. „Hast du meine SMS bekommen? Ich dachte, ich frag’ einfach mal, weil… Ich bin ja nicht mehr so lange hier und ich würd’ dich schon gerne noch mal sehen, bevor ich wieder nach Bremen zurück muss“, bringe ich jetzt heraus.
Komme mir vor wie ein verliebter Teenager.
„Hör mal, Sebastian…“, setzt sie an, seufzt leise. „Ich glaub’ nicht, dass… Ich glaub’ einfach nicht, dass das so ’ne gute Idee ist.“
Automatisch hebe ich eine Augebraue. Schon wieder diese abweisende Haltung. Langsam frage ich mich echt, ob ich nur so verdammt bescheuert war und mir eingebildet habe, dass sie mich auch sympathisch findet, nicht zwischen nur nett sein und Sympathie unterscheiden kann.
Aber man gibt doch nicht einfach seine Nummer raus, wenn man jemanden unsympathisch findet.
„Bitte, Julika… Wir könnten doch einfach… Ins Kino, oder so? Ich würd’ dich gerne kennenlernen“, nuschle ich ins Telefon. Komme mir schon wieder vor wie der Affe. Aber ich muss diese Frau einfach kennenlernen.
„Sebastian, ich weiß einfach nicht… Das ist einfach keine gute Idee. Nein…“
Klingt nicht so, als wolle sie es wirklich nicht, so dass ich standhaft bleibe. Es noch einmal versuche. „Komm schon… Ich bin doch ein netter Kerl…“, sage ich, stocke dann und überlege kurz. Mir kommt etwas in den Sinn, woran ich vorher noch gar nicht wirklich gedacht habe. „Sag mal… Ist es einfach so, dass du kein Interesse an mir hast oder generell nicht so willst?“
Ich kaue mir auf der Lippe herum, während ich auf ihre Antwort warte.
Weiß nicht, welche Antwort mir am liebsten ist.
Eigentlich würde ich gerne hören, dass es weder das eine noch das andere ist, aber langsam zweifle ich daran.
„Generell. Es tut mir leid, Sebastian“, murmelt sie schlussendlich.
Sie hat generell kein Interesse… Weil? Sie schon einen Freund hat, frisch getrennt ist oder in wen anders verliebt?
Ich traue mich aber nicht, nachzufragen, sondern starte lieber noch einen allerletzten Versuch. „Na ja, aber dann können wir trotzdem einfach… Ins Kino gehen… Als… So, vielleicht bald… Spezis“, schlage ich vor.
Sie zögert, seufzt und sagt lange nichts. Lange muss ich warten, bis sie schließlich doch noch antwortet.
„Also gut… Heute Nachmittag… Im Kaffeehaus? Halb vier?“, schlägt sie leise vor. „Sei aber wenigstens pünktlich!“
Damit legt sie dann auch auf.
Lässt mich glücklich grinsend zurück.
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