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von Blaze Repose    erstellt: 28.01.2010    letztes Update: 11.01.2011    Geschichte, Drama / P12    (abgebrochen)
Veränderungen


Es war ein Tag, der eigentlich viel zu kalt und zu nass war, um ihn im Park zu verbringen, weshalb Walküre die einzige war, die sich dort aufhielt. Sie saß auf einer Bank und streckte ihr Gesicht dem Regen entgegen. Es war ein beruhigendes Gefühl, wenn die Tropfen auf ihre Haut trafen und wie Tränen ihr Gesicht hinunter liefen. Walküre blickte auf ihre Uhr. Sie würde Solomon Kranz frühstens in einer Stunde treffen und in der Zwischenzeit wusste sie nichts mit sich anzufangen. Sie dachte an die Zeit zurück, bevor Skulduggery in die Welt der Gesichtslosen gezogen wurde. Um diese Zeit hätte sie vielleicht eine neue Trainingseinheit erhalten, oder wäre irgendwelchen Spinnern wie Scapegrace hinterher gerannt. Doch stattdessen trieb sie sich im strömenden Regen im Park herum, ohne zu wissen, wohin sie hingehen könnte oder mit wem sie reden könnte. Reden, über das, was ihr im Kopf herum schwirrte. Das, was sie bedrückte. Es gab nur eine Person, mit der sie darüber reden konnte, doch diese Person, war gleichzeitig auch Teil ihrer Gedanken.  Walküre nahm ihre Handy heraus und ging ihre Liste durch. Sie starrte kurz auf die Nummer, ein paar Regentropfen landeten auf dem Display,  bevor sie den Anruf bestätigte. Eine Sekunde verstrich, bevor aufeinmal das schrille Klingeln eines Handy's den beruhigenden Takt der aufschlagenden Regentropfen zerriss. Walküre wirbelte herum und ihre Kinnlade klappte nach unten, als sie Fletcher entdeckte, der wie eine erschreckte Katze nicht weit von ihr entfernt im Schatten einer großen Eiche stand. Auf einmal verschwand er und tauchte mit einem unschuldigen Lächeln neben Walküre auf. Er machte den Mund auf, um etwas zu sagen, doch Walküre schnitt ihm das Wort ab. "Was machst du hier?" Sein Lächeln fror ein.
"Das selbe könnte ich dich auch fragen."
"Spionierst du mir nach?" fauchte sie ihn an. Er hab schützend die Hände. "Nein ich war zufällig hier!" Walküre's Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Fletcher sah sie einen Augenblick nervös an, dann seufzte er. "Na gut. Ich hab dich durch die Stadt wandern sehen. Du hast ein wenig ziellos ausgesehen, da habe ich mir Sorgen gemacht." Walküre blickte ihn finster an, dann klappte sie ihr Handy zu, verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich zurück.
"Ich kann auf mich selber aufpassen."
"Oh ja, das habe ich gesehen."
Walküre kniff wütend die Augen zusammen. Für einen Moment war nur das Gerräusch des prasselnden Regens zu hören. Wie lange hatte Fletcher sie wohl beobachtet? Er hatte keinen Schirm dabei, nichtmal eine Kapuze. "Und wie kann ich dir nun helfen?" Walküre sah auf. Fletcher hatte sich neben sie auf die Bank gesetzt und sah sie an. "Was?"
"Du hattest mich doch angerufen." fuhr er fort und hob sein Handy hoch, als wollte er sie daran erinnern. Walküre sah erst sein Handy, dann ihn an. "Nein ich...äh…ich wollte nur reden." murmelte sie. "Wie läuft das Training?"
Fletcher ließ ein paar Sekunden verstreichen, bevor er antwortete. "Eigentlich ganz gut. Es ist ein wenig kompliziert, weil mein Ausbilder kein Teleporter ist, aber es klappt." Sie schwiegen beide einen Augenblick. "Und wie läuft die Suche?" unterbrach Fletcher das Schweigen. Walküre zuckte zusammen. "Es wird schon klappen. Ich brauche allerdings noch mehr Informationen." Fletcher nickte um zu zeigen, dass er zuhörte. "Und Tanith und Grässlich können dir nicht dabei helfen?" Walküre schüttelte den Kopf. "Ich hab es ihnen noch nicht erzählt. Ich will sie aus der Sache lieber raushalten. Niemand, bei dem es nicht umbedingt nötig ist, darf davon wissen." sagte sie und fuhr fort, als sie Fletcher's fragende Miene sah. "Wenn sich die Neuigkeit verbreitet, dass es noch einen Isthmus Anker gibt, werden Anhänger der Gesichtslosen versuchen, ihn um jeden Preis in die Finger zu bekommen." Fletcher wurde einen Tick blasser, als er sich den Rest zusammen reimte. "Und wenn du den... Kopf dann hast und das Portal offen ist... gehst du hinein?" Walküre nickte. "Es ist ziemlich riskant und gefährlich, aber ich muss es versuchen. Er fehlt mir." Wieder Schweigen. 
"Weißt du, es tut gut mit jemandem darüber zu reden, auch wenn es mich nur daran erinnert, was alles noch bevorsteht." fuhr sie fort. "Aber es gibt mir das Gefühl, das alles nicht allein durchstehen zu müssen." Ihre Blicke trafen sich. Dann nahm er ihre Hand. "Das musst du auch nicht." Eine Weile sahen sie sich einfach nur an. Walküre ließ in diesem Augenblick die letzte Zeit Revue passieren. Der Fletcher, der vor ihr saß, hatte sich verändert, seit sie ihn kennen gerlernt hatte. Im Grunde genommen war er noch der Alte: Ein eingebildeter Teleporter mit lächerlicher Frisur. Und trotzdem kam es ihr vor, als hätte er in der Zeit seit ihrer ersten Begegnung, gerade erst gelernt zu vertrauen und wie es ist Freunde zu haben. Und es war nicht nur Fletcher, auch Walküre hatte sich verändert. Das hatten sie alle. Das waren die Gedanken, die Walküre durch den Kopf gingen, bevor Fletcher sich zu ihr beugte und sie küsste. Denn von dem Augenblick an, als seine Lippen ihre berührten, konnte sie ihre Gedanken lösen. Die, an das was bevorstand, all die Kämpfe, all die Bemühungen, all die Veränderungen. Diese Gedanken lösten sich in Luft auf, nur für einen Augenblick, in dem alles in Ordnung war. In dem sie an nichts denken musste, außer an die Person, die sie in den Armen hielt. In dem sie sich einmal sicher und geborgen fühlen durfte. Die restliche Zeit schwiegen sie beide. Walküre hatte ihren Kopf gegen Fletcher's Schulter gelehnt, der seinen Arm um sie gelegt hatte. Fletcher's Frisur war in sich zusammen gefallen und klebte in dicken nassen Stränen an seiner Stirn. Beide waren nass und durchgefroren, doch es schien keinen von ihnen zu stören. Fast hätte Walküre vergessen, weshalb sie sich überhaupt in diesem strömenden Regen herumtrieb. Sie befreite sich aus seiner Umarmung. "Ich muss noch jemanden treffen." Fletcher sah einen Augenblick besorgt aus, dann entspannten sich seine Züge wieder und er nickte. "Soll ich dich hinbringen?" Walküre schüttelte den Kopf. "Nein, nein ist schon gut." Sie stand auf. Eine Sekunde verstrich, bevor sie hinzufügte: "Und wehe du folgst mir." 
"Was denkst du denn von mir?" fragte er mit gespieltem Entsetzen.
"Ich meine es ernst. Wenn ich dich erwische, brenne ich dir dein Haar ab." Er stand auf und strich Walküre eine nasse Strähne aus dem Gesicht, die auf ihrer Haut klebte. "Versuchen kannst du es." Er küsste sie ein letztes Mal, bevor er verschwand. Walküre vergewisserte sich, dass er nicht irgendwo im Park wieder auftauchte, bevor sie davon eilte. 

Das kleine Café, in dem Solomon Kranz Walküre erwartete, hätte sie fast übersehen. Es kauerte zwischen zwei schäbigen Mietshäusern und machte schon fast einen gedemütigten Eindruck. Walküre wedelte mit der Hand, damit der größte Teil des Wassers von ihr ab floß, bevor sie das Café betrat. Solomon   Kranz saß in der Ecke des Raum, die aufgrund einer der nicht funktionierenden Glühbirnen fast vollkommen im Dunkeln lag. Er sah auf, als Walküre sich ihm gegenüber setzte. Seine hellen Augen stachen aus der Dunkelheit. "Ah, Miss Unruh." begrüßte er sie. "Mr. Kranz." Walküre meinte ihn Lächeln zu sehen, doch die Schatten tarnten seine Gesichtszüge zu sehr, als dass sie es mit Sicherheit feststellen konnte.
"Dein Anruf hat mich überrascht."
"Nein hat er nicht."
Solomon lachte. "Na gut, du hast mich durchschaut. Ich weiß, dass du ein schlaues Mädchen bist Walküre. Du weißt was du zu machen hast, wie du es zu erledigen hast und vor allem, was du dafür zu tun hast." Die letzten Worte betonte er. Als Walküre nichts darauf erwiderte fuhr er fort. "Du hast dich also für die Totenbeschwörung entschieden?" Walküre biss sich auf die Lippe und nickte. "Ich mache das nur um Skulduggery zu retten, danach werde ich die Elementmagie wieder praktizieren." Sie sah ihn nicken. "Aber natürlich. Die Entscheidung liegt ganz allein bei dir." Walküre runzelte die Stirn. Sie versuchte seine Gesichtszüge zu entziffern, aber das einzige was sie erkannte waren seine stechend hellen Augen. "Und sie wollen mir trotzdem helfen?" Als er einen Augenblick nichts darauf erwiderte, dachte Walküre, er hätte seine Meinung vielleicht geändert, aber dann nickte er. "Lass es mich so ausdrücken, ich hoffe dass dir noch bewusst wird, welche Art der Magie zu dir passt." Walküre sagte nichts dazu.
"Gibt es bereits Fortschritte bei der Suche. Hast du bereits mit Mr. Renn gesprochen?"
"Ja, er wird uns helfen. Ich wollte später noch China bitten…"
"Das würde ich an deiner Stelle noch einmal überdenken." unterbrach er sie und fuhr fort, als sie ihn verständnislos ansah. "Hältst du Miss Sorrows für vertrauenswürdig genug, ihr diese Information anzuvertrauen? Meines Wissens nach ist sie immerhin die Gründerin der Diablerie." Walküre runzelte die Stirn. "Ja, schon, aber sie hat die Seiten gewechselt und auf Aranmore hat sie auch mit uns gekämpft. Außerdem kenne ich keinen Grund weshalb sie uns nicht helfen würde Skulduggery zurückzuholen."
"Oh, selbstverständlich rede ich dir nicht in deine Vorgehensweise herein. Aber falls du es dir anders überlegst; Ich habe genug Kontakte zu Symbolmagiern die bereit wären uns zu helfen." Walküre runzelte die Stirn.
"Kommt dieses natürliche Misstrauen vom Totenbeschwören?" Solomon lachte.
"So in etwa. In der Tat lässt sie uns die Menschen in einer anderen Art betrachten. Du wirst es bald selbst herausfinden."
Er stand auf und blickte auf Walküre hinab.
"Ich erwarte dich morgen pünktlich um 9 auf dem Friedhof."
Mit diesen Worten drehte er sich um, schreitete davon und nahm einen Teil der Dunkelheit mit. Walküre starrte einen Augenblick auf das Holzmuster des Tisches, dann stand sie auf und ging hinaus. Der Regen hatte inzwischen aufgehört und langsam aber sicher schlichen sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Ja, das Wetter hatte sich geändert, so wie vieles, was sich geändert hatte und vor allem das, was sich ändern würde. Nur war das Wetter berechenbar. Und Walküre hatte nicht die geringste Ahnung, was auf sie zukam.    
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