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von Blaze Repose    erstellt: 28.01.2010    letztes Update: 11.01.2011    Geschichte, Drama / P12    (abgebrochen)
Einsehen und Entscheiden


Walküre rannte. Es hätte ihr klar sein müssen dass es alles andere als einfach werden würde und nun blieb ihr nichts anderes übrig als zu flüchten.    "Willst du uns schon verlassen, Kleine?" Sie hörte die schweren Schritte, die sie verfolgten. Wie viele es wohl waren? Vorhin hatte Walküre etwa 10 gezählt. Inzwischen waren es mehr. Sie hörte einen von ihnen schnippen und bevor sie überhaupt darüber nachdenken konnte, gehorchten ihr ihre Beine nicht mehr. Walküre verlor das Gleichgewicht und purzelte zweimal über den nassen Asphalt, bevor sie mit dem Kopf auf dem Bürgersteig aufschlug. Sie schmeckte Blut und spürte einen pochenden Schmerz an ihrer Stirn. Gedämpft war gröhlendes Gelächter zu hören, dass sich bedrohlich näherte bis es unmittelbar über ihr war. Stöhnend drehte Walküre ihren Kopf auf die andere Seite, um aus den Augenwinkeln die düster grinsenden Gesichter betrachten zu können, die von oben auf sie herab sahen. "Und was machen wir jetzt mit ihr Craiv? Stopfen wir dem Gör seine vorlaute Klappe?" Sein hämisches Lachen fuhr Walküre wie ein Messer in den Körper. Es war vorbei. Sie würde gar nicht erst versuchen sich zu wehren. Skulduggery würde nicht kommen um sie zu retten. Er würde nie wieder kommen. Sie war allein. Allein und verloren. Sie schloß die Augen und wartete auf das Ende. Und dann, packte sie jemand. Es war kein Angriff, wie sie es zuerst erwartet hatte. Die Hände, die trotz Hast schon fast zärtlich ihre Schultern umfassten, schienen aus dem Nichts gekommen zu sein. Und dann, waren sie für eine Sekunde das einzige, was existierte, was sich echt anfühlte. Der nasse Asphaltboden wurde unter ihr weggerissen und aufeinmal, lag sie zusammengekauert auf einem Teppichboden. "Walküre? Walküre, sag doch bitte etwas!" Verzweifelt trafen diese Worte auf ihre Ohren. "Fletcher?" flüsterte sie. Seine Hände hielten ihre Schultern immernoch fest umklammert.    Und auf einmal überkam es sie. Wie oft hatte sie dem Tod schon ins Gesicht gesehen. Wie oft war sie ihm um Haaresbreite entkommen? Walküre spürte wie ihre Gefühle sie überwältigten. Heftig zitternd klammerte sie sich an Fletchers Hemd. Ihr unregelmäßiges Keuchen ging auf einmal in Schluchzen über. Fletcher, der zuerst sichtlich überfordert schien, legte nun tröstend seine Arme um sie und drückte sanft ihren Kopf an seine Brust, während sie sein Hemd mit Blut und Tränen ruinierte.

"Bist du sicher, dass du nicht zu Kenspeckle willst?" Fletcher hielt Walküre hilflos den Lappen hin. Sie nahm ihn entgegen und tupfte sich das Blut von der Stirn. "Sind doch nur ein paar Kratzer." Walküre saß auf dem Bett in Fletcher's Hotelzimmer. Er betrachtete sie eine Weile, dann setzte er sich neben sie.
"Wie hart bist du eigentlich aufgekommen? Du hast eine Platzwunde am Kopf." Fletcher legte seine Hand vorsichtig auf Walküre's Hand, mit der sie zuvor das Blut entfernt hatte, und führte sie etwas weiter nach oben. Walküre biss die Zähne zusammen und wurde rot, als Fletcher seine Hand eine Sekunde länger als nötig auf ihrer ließ. Kurz trat ein Grinsen auf sein Gesicht bevor er sie wieder besorgt musterte. Walküre wusste schon was er fragen wollte bevor seine Worte sie erreichten. "Was hast du dir dabei gedacht? Dir hätte sonst was passieren können." Fletcher schüttelte den Kopf, als würde er versuchen den Gedanken daran loszuwerden. "Lass mich. Das ist doch meine Sache, wenn..." Fing Walküre an, doch Fletcher unterbrach sie. "Nein, es ist nicht nur deine Sache! Auch wenn Skulduggery weg ist, kannst du dich nicht einfach so in Gefahr begeben!" Walküre senkte den Kopf wie ein Kind, das gerade von seiner Mutter ausgeschimpft wurde. 
"Ich habe meine Gründe."
Fletcher atmete einmal tief durch um seine Stimme wieder unter Kontrolle zu bekommen. Dennoch klang er aufgebracht. "Dafür kann es keine Gründe geben. Hast du denn überhaupt darüber nach gedacht? Es gibt immernoch Leute denen du wichtig bist Walkür!." Fletcher sprang auf und ging zum Fenster. Einen Moment herrschte Stille. Dann hörte Walküre ihn leise lachen. "Jetzt habe ich dir doch glatt eine Moralpredigt gehalten. Oh Mann…" hörte Walküre ihn von hinten sagen. Sie drehte sich um. Fletcher stand mit dem Rücken zu ihr am Fenster, die Hand an der Stirn als könnte er das alles nicht glauben. "Es tut mir Leid." Walküre grub ihre Finger in den blutdurchtränkten Lappen, denn sie immernoch an die Stirn gepresst hielt. Fletcher stand wieder neben ihr und runzelte die Stirn, als er hörte wie ihre Stimme zitterte. "Du brauchst dich bei mir nicht entschuldigen." sagte er, zögerte kurz und legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter, doch sie schüttelte den Kopf.
"Wenn du nicht dort gewesen wärst…" 
"Aber ich war doch da. Es ist alles in Ordnung..."
"NEIN!"
Walküre schüttelte seine Hand ab und sprang auf. "Nichts ist in Ordnung! Ich habe versagt! Ich habe es einfach nicht hingekriegt! Ich bekomme überhaupt nichts hin!" 
Fletcher sah sie einen Augenblick erschrocken an, dann schüttelte er seufzend den Kopf.
"Du hättest sterben können und machst dir Vorwürfe, weil du etwas nicht hinbekommen hast?"
"Du verstehst das nicht."
"Dann erklär es mir!" 
Sie sahen sich einen Augenblick an. Walküre seufzte. Sie wusste, dass sie niemandem davon erzählen durfte, der es nicht unbedingt wissen musste. Aber früher oder später hätte sie es Fletcher ohnehin erzählen müssen. Sie setzte sich wieder hin. "Ich brauche deine Hilfe Fletcher." Fletcher hob die Augenbraue, sagte jedoch nichts. Walküre holte tief Luft, während sie nach den richtigen Worten suchte. "Es gibt einen Weg Skulduggery zurückzuholen. Sein Kopf ist nicht sein eigener. Den hat er vor Jahren beim Pokern gewonnen. Sein echter befindet sich also immernoch in dieser Wirklichkeit." Fletcher verzog das Gesicht.
"Und wie soll das Skulduggery zurückbringen?" 
"Verstehst du nicht? Skulduggery's Kopf ist ein Isthmus-Anker. Wenn ich ihn finde..." 
"...dann soll ich also das Portal wieder öffnen?" unterbrach er sie. Walküre sah wie sich in seinem inneren Auge die Ereignisse der letzten Wochen abspielten. Walküre biss sich auf die Lippe und nickte. "Ich weiß das ist sehr viel verlangt, aber du bist der einzige der mir helfen kann. Bitte." Fletcher dachte eine Weile angestrengt nach. "Oh Mann… und ich dachte, dass das vorbei wäre." Walküre sah ihn hoffnungsvoll an, als er sie anlächelte. "Dann hilfst du mir?" Fletcher seufzte, aber dann nickte er. "Ja. Ich bin es ihm wohl irgendwie schuldig. Und dir auch." Er ächzte, als Walküre sich ihm plötzlich an den Hals warf. "Danke. Vielen, vielen Dank Fletcher! Du weißt gar nicht, was für einen riesen Gefallen du mir damit tust." 
"Ich bin wohl großzügiger, als ich es selbst geglaubt habe. Man muss mich einfach lieben." Walküre lachte. Fletcher löste sich aus ihrer Umarmung und grinste sie an. "Da ist dein schönes Lächeln ja wieder." Walküre wäre nun wahrscheinlich rot geworden, wenn sich der pochende Schmerz auf ihrer Stirn nicht aufeinmal bemerkbar gemacht hätte. Walküre zuckte zusammen, als sie die Wunde im Spiegel betrachtete. So könnte sie nicht zu Hause auftauchen. Fletcher schien ihre Gedanken zu lesen. Aufeinmal stand er neben ihr. "Zu Kenspeckle?" Walküre seufzte, dann nickte sie und ergriff den Arm, den Fletcher ihr hinhielt. Sie teleportierten.

Als Fletcher Walküre in ihr Zimmer teleportierte, lag ihr Spiegelbild bereits im Bett. Es richtete sich auf. Fletcher musterte es erstaunt. "Hallo." begrüßte es sie und wandte sich an Walküre. "Willst du dein Leben wieder übernehmen?" Walküre nickte und das Spiegelbild ging zum Schrank und trat in den großen Spiegel. Walküre berührte das Glas und die Erinnerungen der letzten Tage flossen in ihren Kopf. Es war schon eine Weile her, dass sie  selbst zu Hause gewesen war. "Cool." hörte sie Fletcher sagen.
"Und deine Eltern wissen gar nichts?" 
"Rein gar nichts." sagte Walküre und betrachtete im Spiegel skeptisch die Stelle, an der vorher die Platzwunde gewesen ist. Es war nichts mehr zu sehen. "Cool." wiederholte Fletcher. Eine Weile war es still. "Du solltest jetzt etwas schlafen." meinte Fletcher. Walküre drehte sich zu ihm um. Er stand etwas verloren in der Mitte des Zimmers. "Ich versuche es." murmelte Walküre und strich nochmal über die verheilte Wunde. "Na dann Gute Nacht." Fletcher drehte sich um und machte sich bereit zum Teleportieren. "Fletcher, warte kurz!" Fletcher drehte sich um und plötzlich fiel Walküre ihm um den Hals. Fletcher, erst ziemlich überrascht, erwiderte schließlich die Umarmung. "Ich habe mich noch gar nicht für die Rettung bedankt." murmelte Walküre ohne ihn loszulassen. "Danke." Walküre ließ ihn los und trat einen Schritt zurück. Fletcher lächelte sie an. "Stets zu Diensten. Falls du bei der Suche Hilfe brauchst...du hast ja meine Nummer." Sie schwiegen kurz, dann beugte Fletcher sich vor und küsste Walküre auf die Stirn. "Gute Nacht." flüsterte er und verschwand mit einem Wusch. Walküre starrte ein paar Sekunden lächelnd auf die Stelle, auf der Fletcher vor einer Sekunde noch gestanden hatte. Sie berührte die Stelle, an der Fletcher's Lippen auf ihre Haut getroffen waren, dann seufzte sie, schlüpfte aus ihren schwarzen Sachen und zog ihr Nachthemd an. So würde es nicht klappen. Sie war die ganze Suche zwar falsch angegangen, doch selbst wenn sie es richtig angestellt hätte; sie war nicht stark genug um es zu schaffen. Sie brauchte mehr Macht. Eine Weile saß Walküre auf ihrem Bett und dachte darüber nach, wie es weiter gehen würde. Es gab nur eine Möglichkeit es zu schaffen. Walküre stand auf, fischte sich ihre schwarze Hose, und kramte ein zerknittertes schwarzes Kärtchen aus der Tasche. Mit zittrigen Fingern drückte sie die Tasten ihres Handy's. Walküre zögerte lange bevor sie die grüne Taste betätigte. Nach dem ersten Klingeln nahm jemand ab. "Hallo Solomon Kranz?" flüsterte Walküre. "Hier spricht Walküre Unruh."                 
 
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