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von Lady of Stories    erstellt: 25.01.2010    letztes Update: 25.07.2011    Geschichte, Mystery / P18 Slash    (pausiert)
~Exordium~
(Einleitung)


Das Hochgebirge der Karpaten war der prägende Gebirgszug des Landes Rumänien.

Im südlichen Karpatenraum, und im Nordwesten des Landes, lag die Region Transsilvanien, durch die Ost- und Südkarpaten von den südlichen und östlichen Landesteilen der Walachei, Moldau und Bukowina getrennt. Dichte Wälder wechselten sich mit weiten, sanft geschwungenen Ebenen ab, die im Sommer dicht mit Gras bewachsen waren. Der mächtige Fluss Mureş führte im Frühling nach der Schneeschmelze so viel Wasser, dass er oftmals über seine Ufer trat, weite Gebiete überschwemmte und somit fruchtbar machte. Er wand sich durch ganz Transsilvanien und mündete in die Theiß, den längsten Nebenfluss der Donau.

Folgte man dem Mureş in nördliche Richtung, gelangte man an einen langen Ausläufer der Karpaten, der ein großes, sanft geschwungenes Tal bildete, durch den sich serpetinenartig der Fluss schlängelte, bis er im Norden zwischen den Bergen verschwand. Das Tal wurde aus allen Himmelsrichtungen von den Karpaten umschlossen; man gelangte nur über einen schmalen, gewundenen Pfad nach unten, der im Winter unpassierbar war.
Am hinteren Teil des Tals, nahe am Fluss, war ein Dorf errichtet worden. Einige hundert Menschen lebten dort, unter dem Schutz des Grafen Dragulia und seiner Familie. Die Bauern zahlten keine Steuern, mussten jedoch einen Teil ihrer Ernte abgeben; als Gegenleistung bot der Graf ihnen Schutz vor Plünderern aus benachbarten Regionen und wilden Tieren, die in den strengen Wintern aus den Bergen herabkamen und Vieh rissen.

Die Familie Dragulia war mehr als hundert Generationen alt und lebte schon immer in diesem Tal in den Karpaten. Ihr Sitz war ein imposantes Schloss aus schwarzem Stein, das wenige Kilometer vom Dorf entfernt auf einem Berg thronte, an dessen Ausläufen sich der Mureş vorbeischlängelte. Gerüchte von den Dorfbewohnern über verborgene Stollen und Höhlen unter dem Schloss, gefüllt mit Schätzen, die Ahnen des Grafen von Kreuzzügen in ferne Länder gegen barbarische Stämme heimgebracht haben sollten, konnten nicht bewiesen werden; jedoch war es kein Geheimnis, das die Familie sehr wohlhabend war – und dies nutzten, um den Menschen in Notsituationen – klirrende Winter, in denen die Ernte auf den Felder erfror oder Sommer, in denen zu wenig Regen vom Himmel fiel, um die Saat ausreichend zu bewässern – mit Lebensmitteln und anderen Dingen zu versorgen, sodass niemand sterben oder Not leiden musste.

Doch nicht nur die Dragulia wachten über die Dorfbewohner.

Am rechten Flussufer, inmitten des Dorfes, stand ein großes Herrenhaus. Auch hier lebte eine alte Familie – die Valerious.
Niemand wusste, wer von den beiden zuerst in diesem Teilen der Karpaten gelebt hatte. Wenn es jemand gewusst hatte, war es längst in Vergessenheit geraten. Doch einer Tatsache war sich jeder Bewohner des Tals, selbst die kleinsten Kinder, bewusst.

Die Familien Dragulia und Valerious verband eine jahrhundertealte Blutfehde.

Es wurde nicht überliefert, wer das Morden begonnen hatte; die Oberhäupter beschuldigten sich gegenseitig, sodass die Wahrheit unter dem Zorn und der Feindschaft der Häuser verloren ging. Vor einigen Jahren, in einem besonders harten Winter, war es beinahe zu einer gegenseitigen Ausrottung beider Geschlechter gekommen - hätte das Oberhaupt der Dragulia nicht im letzten Moment eingegriffen und den Mord an den beiden Söhnen und einzigen Nachkommen verhindert.

Seitdem mieden sich die Mitglieder beider Familien.

Doch bald sollten ihre Schicksale unwiderruflich miteinander verknüpft werden...
 
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