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von simple-kind    erstellt: 24.01.2010    letztes Update: 09.11.2011    Geschichte, Drama / P18    (pausiert)
„The Plaza – Manhattan“


Chrissi und ich widmen dieses Kapitel GM und Mister T. ( You know who you are)

Die uns inspirieren, ohne es zu wissen.




CHAPTER 2
Murdered Butterflies


********



Wenn wir einen Menschen hassen, so hassen wir in seinem Bild etwas, was in uns selbst sitzt.
Was nicht in uns selber ist, das regt uns auch nicht auf.

-Hermann Hesse-





http://www.youtube.com/watch?v=xkKoFbUog9k
(Placeboy - Every Me and Every You)



Als ich noch jünger war, lernte ich, dass Liebe vergänglich ist. Dass sie nichts als Ärger bringt. Dass es nichts als ein lächerliches Wort ist, welches man leicht daher sagen kann.
Meine Eltern zeigten mir stets, dass Liebe nicht existiert. Sie ist bloß eine Illusion. Das lernte ich, als ich mit sieben Jahren die Streitereien der beiden mitbekam. Ich hörte zu, wie meine Mum meinen Dad anschrie und meinte, dass er faul sei, zu wenig Geld mit nach Hause brachte und dass es nicht reichen würde, um ein Kind großzuziehen. Mein Dad lief an solchen Tagen sofort genervt in die Küche, nahm sich ein Bier und sah sich Footballspiele im Fernseher an, während meine Mum versuchte auf ihn einzureden. Na ja, eher stand sie vor dem Gerät und hatte ihn angebrüllt. Ja, das beschrieb es eher.
Als ich dann acht war, begann die Zeit, in der meine Mum zu verzweifeln begann, denn mein Vater legte unglaublich viele Überstunden ein. Sie war alleine und überfordert mit allem. Ich sollte vielleicht hinzufügen, dass ich es ihr nie einfach machte, denn ich war schon immer eine sehr laute und aufbrausende Person gewesen. Das machte sich schon im Kindesalter, wo man ja noch viel weniger ausgelastet ist, bemerkbar.
Ich konnte es meiner Mutter also nicht verübeln, dass sie überfordert mit mir war. Nun, es vergingen zwei Jahre, in denen ich quasi alleine mit ihr aufwuchs, denn mein Vater kam bloß noch zum Essen und Schlafen nach Hause. Man sah ihn kaum noch und wenn er mal früher da war, stritten die Beiden sich, was ich natürlich jedes Mal mitbekam. Laut genug war es ja. Ich kann mich mittlerweile gar nicht mehr daran erinnern, wie oft meine Eltern ihren persönlichen Hass-Polterabend mit unserem Geschirr veranstalteten.

Ich glaube, das gute Lügen hatte ich von meinem Dad.
Mit knapp elf Jahren, erwischte ich meinen Vater mit einer anderen. Das war nicht überraschend, denn selbst wenn ich noch jung war, dumm war ich nicht.
Es war nicht so, dass ich mitbekam, wie Charles seine Sekretärin fickte. Nein. Das wäre zu einfach gewesen.
Es war ein Tag wie jeder andere und ich hatte diese Aufführung in der Schule. Wir spielten in der Theatergruppe das Stück «The Beauty and the Beast» nach. Stolz wie ich darauf war, eine süße, kleine Nebenrolle spielen zu dürfen, erwartete ich natürlich meine beiden Eltern dort. Zu meiner Enttäuschung war keiner da. Weder meine Mum, noch mein Dad. Es mag sich harmlos anhören, doch es war ein Ereignis, das sich unwiderruflich in mein Hirn gebrannt hatte. Es war immer da.

Als ich an diesem Abend nach Hause lief, sah ich meinen Vater mit einer attraktiven Blondine in seinen Wagen steigen. In seiner rechten Hand, hielt er die ihre und in seiner Linken, war ein Koffer zu sehen. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, dass er meine Mum und mich gerade verlassen hatte. Dies war der Tag, an dem der große und verdammt kalte Krieg zwischen den beiden ausbrach. Die einzige Sache über die sie sich einig waren war, dass ich eine gute Zukunft haben sollte. Deswegen sparten sie gemeinsam für das College. Für mich. Sie dachten wohl ich wäre ihnen dankbar dafür, aber ehrlich gesagt war ich es nicht, denn sie konnten mit nichts meine Kindheit wiedergutmachen. Sie konnten nicht gut machen, dass ich jeden Abend die Streitereien und das Weinen meiner Mum mitbekam. Sie konnten nicht rückgängig machen, dass sie auf keiner meiner Vorführungen dabei waren, dass sie die einzigen Eltern waren, die bei den Elternabenden fehlten. Und sie konnten es nicht wiedergutmachen, dass sie mir das, was ein Mensch am dringendsten brauchte, nicht gaben. Liebe und Aufmerksamkeit.

Was danach geschah? Wahrscheinlich wäre es halbwegs normal gewesen, wenn Charles und die blonde Sekretärin bis an ihr Lebensende vereint gewesen wären und Reneè zur verbitterten, alten Hausfrau mutiert wäre. Aber nein, so war es nicht. Charles und die Blonde heirateten und es dauerte keine drei Jahre, ehe sie die Scheidung einreichte und Charles halbes Vermögen absahnte - da sollte noch einmal jemand sagen, dass Blondinen dumm seien.  Zwischenzeitlich versuchte meine Mum ihr Glück bei jüngeren Kerlen. Einer nach dem anderen spazierten sie in unser Haus. Wie es zu diesem Zeitpunkt bei meiner Mum stand, wusste ich nicht. Aber ich konnte mich daran erinnern, dass sie diesen 28 -jährigen Justin Timberlake Verschnitt an ihrer Seite hatte, als ich auszog und mir etwas Eigenes in der Nähe der Uni suchte. Meine Eltern führten so etwas wie einen stillen Krieg. Sie versuchte ihn mit all diesen Kindern (anders konnte ich ihre Lover nicht nennen) eifersüchtig zu machen, während Charlie, der nach der Scheidung mit Blondie keine Neue mehr hatte, so tat, als würde ihm das alles am Arsch vorbei gehen.

Es war nicht so, dass meine Eltern mir zu wenig Beachtung schenkten. Es war eher so, dass sie dachten ich bekäme nichts mit, doch da hatten sie mich gewaltig unterschätzt, denn ich wusste alles. Alles was vor sich ging.
Ist es mir also zu verübeln, dass ich nicht an die große Liebe und den Prinzen auf dem weißen Pferd glaubte, der mal eben um die Ecke geritten kommt und dich aus den Fängen der bösen Hexe rettet? Nein, ich denke es ist nachvollziehbar. Zumindest hoffe ich das. Und wenn nicht, ich gab schon immer einen Scheiß darauf, was andere von mir dachten. Entweder man mochte mich, oder eben nicht. Es gab nun einmal Menschen, die mit meiner temperamentvollen und verrückten Art nicht klar kamen, doch es gab auch diejenigen, die mich eben deswegen mochten. Dazu gehörten auch meine zwei besten Freundinnen, denn weder Tanya noch Rosalie hatten ein Problem mit meiner Art.
Vielleicht sollte ich etwas mehr über die beiden erzählen. Rosalie Hale war seitdem ich sie kannte, sehr offen und aufgeschlossen. Sie hatte kein Problem damit, Menschen ehrlich und ohne Umschweif zu sagen, was sie von ihnen hielt. Ihr Leben hatte sie immer perfekt unter Kontrolle und ihre Ziele waren klar gesteckt. Ich war mir sicher, dass sie einmal sehr erfolgreich werden würde. Doch durch ihre direkte Art, hatte sie natürlich auch viele Feinde.
Ich hingegen liebte sie genau dafür, denn was gibt es besseres, als eine Freundin, die dir immer klar und deutlich sagt, was Sache ist, statt drum herum zu reden und dich vielleicht sogar anzulügen, weil sie deine Gefühle nicht verletzen möchte? Rosalie war für mich unersetzlich.

Tanya wiederum war das genaue Gegenteil von Rose. Sie war sehr hart zu sich selbst, versuchte stets das Beste aus sich heraus zu bekommen und setzte sich unter Druck. Gut in dem zu sein, was sie tat, reichte ihr nicht. Sie wollte die Beste sein. Wenn sie sich etwas in den Kopf setzte, zog sie es bis zum Ende durch. So war es nun auch mit dieser ganzen Beziehungssache. Tanya meinte, dass es mit ihren 22 Jahren an der Zeit war, sesshaft zu werden. Und deswegen hielt sie krampfhaft an etwas fest, das unmöglich sein konnte. Immer wieder fragte ich mich: Warum dieses verdammte Arschloch von Cullen?
Gut, ich glaubte so oder so nicht an die große Liebe, was ich Tanya schon mehrmals gesagt hatte, aber wenn sie sich schon unbedingt mit ihren jungen Jahren festlegen wollte, warum konnte es dann kein anderer heißer Typ sein? Hier in New York rannten die schärfsten Junggesellen überhaupt herum und was tat sie? Sie suchte sich genau den aus, der für seine Sprunghaftigkeit bekannt war, sich nicht festsetzte. Wieso sollte er auch?
Cullen war jung, gut aussehend und unglaublich charmant. Er konnte jedes Höschen nur mit seiner Stimme durchnässen. Warum also sollte der Gute sich festlegen? So sehr ich ihn auch hasste, in diesem Punkt konnte ich ihn nur zu gut verstehen. Wieso einen nehmen, wenn einem die ganze Welt offen stand?

Ich wusste zwar nicht, warum Cullen so war wie er war, aber es interessierte mich ehrlich gesagt auch nicht. Er konnte tun und lassen was er wollte, aber nicht bei oder mit einer meiner Freundinnen. Nicht mit Tanya. Es war genau dasselbe, wie bei Emmett. Er sah wahnsinnig gut aus. Vollkommen anders als sein Bruder, was aber nicht hieß, dass er abstoßend war. Ganz im Gegenteil. Er hatte diese süßen Grübchen, die einen gewaltig täuschen konnten und diese unglaublich sexy Muskeln. Er war heiß, aber das bedeutete nicht, dass er Rosalie so verarschen konnte. Ich hasste den Vollidioten dafür.
Als er und Rosalie damals miteinander schliefen, hatte er ihr diese Versprechungen gemacht. Er meinte, dass es bei ihr anders wäre, dass er sich mehr mit ihr vorstellen konnte. Bla. Bla. Bla.
Von Anfang an sagte ich ihr, dass er sie bloß ins Bett bekommen wollte, aber irgendwie kam ich nicht zu ihr durch. Tja, also vögelte er sie. Und was geschah? Rosalie Hale, die immer über alles die Kontrolle hatte, verliebte sich tatsächlich in das Arschloch. Es entstand das reinste Chaos, als er ein zweites Treffen mit ihr ablehnte. Gott, war ich froh, dass ich das hinter mir hatte...

«Bella? Wo bist du denn mit deinen Gedanken?» Ich schreckte auf und sah direkt in Dan’s belustigtes Gesicht. Den Kopf schüttelnd nahm ich den Kaffee entgegen, den er mir hinhielt. Wir beide standen gerade vor Starbucks und während ich draußen gewartet hatte, dass Dan uns zwei Coffee2Go besorgte, war ich völlig in meiner eigenen Welt versunken.
«Sorry», murmelte ich. «Gehen wir?» Kichernd wuschelte er mir mit der Hand durch mein Haar und wir setzten unseren Weg zum College fort.
«Ist alles in Ordnung?», fragte er nach einigen Minuten der Stille mit besorgtem Blick. Über den merkwürdigen Vorfall am letzten Abend, hatten wir beide nicht mehr gesprochen. Ich wusste ehrlich nicht, was in ihn gefahren war. Ich wusste ja nicht einmal, was genau da geschehen war.

«Ja, alles gut.» Er zog eine Braue in die Höhe und musterte mich skeptisch, während er an seinem Kaffee nippte. Ich verdrehte stöhnend die Augen «Ehrlich Dan, mir geht es gut. Ich war nur…in Gedanken.» Ich zog die Brauen zusammen. Ja, ich sollte vielleicht wirklich mal darüber nachdenken, wie ich Tanya klarmachen konnte, dass Cullen eine männliche Hure war. Auf keinen Fall wollte ich mit ihm ausgehen, oder was auch immer Prince Charming mit mir vorhatte. Ein kleiner dummer Teil in mir flüsterte mir zu, dass er mir wahrscheinlich den Verstand aus dem Kopf ficken könnte, bis ich nicht mehr klar denken konnte, aber diesen Gedanken vertrieb ich schnell wieder. Das durfte auf gar keinen Fall passieren. «Und worüber denkst du so angestrengt nach?», fragte er.
«Cullen», schoss es aus mir heraus, bevor ich es zurückhalten konnte. Fuck. Ich hatte nicht vor, jemandem von der Sache mit dem Pisser zu erzählen. Gerüchte verbreiteten sich schnell und bevor etwas Falsches über mich die Runde machen konnte, wollte ich es eigentlich für mich behalten. Nicht, dass ich Dan nicht vertraute. Aber das Risiko war mir einfach zu hoch.

Ich blinzelte vorsichtig zu ihm herüber und sah, dass er die Stirn runzelte und mich mit einem Blick ansah, der soviel sagte wie <Was zur Hölle hast du mit Cullen am Laufen?>
Wahrscheinlich dachte er schon jetzt etwas Falsches, denn Dan war einer derjenigen, der über mein Liebesleben – wenn man es denn so nennen konnte – Bescheid wusste. Er hielt nicht viel davon, dass ich mich nicht festlegte und hatte schon oft versucht, mir die Vorteile einer Beziehung nahe zu bringen. Unnötig zu erwähnen, dass er es nicht schaffte.
«Cullen?», fragte er ungläubig. «Was hast du denn plötzlich mit ihm zu tun? Habt ihr jetzt auch was am Laufen? Ehrlich Bella, ich weiß nicht, was du dir dabei denkst, aber du solltest das lassen. Ich meine, erstens hat er was mit deiner besten Freundin und zweitens gibt es bestimmt viele Typen, die von einer festen Beziehung mit dir nicht abgeneigt wären. Warum probierst du es nicht aus? Was willst du eigentlich von dem Clown? Scheiße, stehst du vielleicht auf Arschlöcher? Ich meine-»

«DAN!!», unterbrach ich ihn. Okay, als ich sagte, dass Dan mir öfter die Vorteile einer Beziehung versuchte nahe zu bringen, meinte ich nicht, dass er dermaßen übertrieb. «Ich habe nichts mit Cullen. Ich überlege gerade, wie ich Tanya von ihm wegbekomme, okay?» Er sah mich einen Moment verwirrt an, doch dann atmete er erleichtert aus. «Du klingst fast schon wie ein eifersüchtiger Freund», murmelte ich vor mich hin und beobachtete ihn aus dem Augenwinkel. Mit zusammengepressten Lippen, starrte er auf den Boden. Seine rechte Hand umklammerte den Pappbecher so fest, dass er an den Seiten schon eingedrückt wurde. Er wirkte nervös und wütend, was mir leichte Sorgen bereitete. Was war plötzlich mit ihm los? Ich war mir nicht sicher, ob ich die Antwort darauf hören wollte.
Wortlos setzten wir den Weg zur Uni fort. Jeder hing seinen Gedanken nach, wobei ich versuchte so wenig wie möglich über die Veränderungen zwischen meinem besten Freund und mir nachzudenken. Ich lenkte mich mit meinem Plan gegen Cullen und für Tanya und mich ab.

Gut. Wie weit war ich bis jetzt? Ich wusste, dass gut aussehender, arroganter, charmanter Edward Cullen meine Freundin fickte. Ich wusste, dass sie ihm bereits begann zu verfallen. Und ich wusste, dass ich das verhindern musste, da er sie nach Strich und Faden verarschte. Außerdem musste ich sie davon überzeugen, weil ich sonst gegen den Scheißer verlor und das durfte ebenso wenig passieren, wie alles andere. Gott, war mein Leben kompliziert. Ich wusste nicht, wie ich Tanya klarmachen konnte, dass er nicht der Richtige war, aber irgendwie musste ich es schaffen. Noch heute. Denn es war schon Donnerstag, was bedeutete, dass Cullen morgen mit mir ausgehen würde, falls ich verlor. Aber das würde natürlich nicht geschehen.  Na ja...und WENN es geschehen sollte, dann hatte ich keine Ahnung, was auf mich zu kam. Trotz der Tatsache, dass Cullen mir schlichtweg auf die Nerven ging, zog er mich verdammt an. Er war wie Sex auf zwei Beinen und ich kam nicht drum herum, mir immer wieder seine Qualitäten im Bett auszumalen. Er war sexy, roch gut ... Ich wette, dass sein sexy schiefes Grinsen selbst das Höschen von Mutter Maria befeuchten könnte.
Und das war ein weiterer Grund, warum ich ihm seinen schönen Kopf abreisen und ihn töten wollte. Es machte mich wahnsinnig, dass er eine solche Wirkung auf mich hatte. Es war zum Kotzen und vollkommen verzwickt. Ich hasste ihn, obwohl ich auf ihn stand. Und der Grund für meinen Hass auf ihn und seinen Anabolika-Bruder, waren meine Freundinnen. Meine besten Freundinnen. Es ist schon schwer genug, den Freund seiner Freundin attraktiv zu finden, aber wenn es dann auch noch einer ist, der bei allem was er tut perfekt zu sein scheint und deine Freundin nach Strich und Faden verarscht....Ja, was willst du dann tun?
Ich durfte meinem Verlangen nach ihm nicht nachgeben. Erstens, weil Tanya etwas für ihn empfand und zweitens, weil ich etwas sehr wichtiges zu verlieren hatte : Meinen Stolz.
Wer würde mich bitteschön noch ernst nehmen, wenn ich mich trotz meiner offensichtlichen Abneigung gegen Mister Ich-kann- dich-bewusstlos-ficken auf ihn einlassen würde?

Ich seufzte laut auf, als Dan und ich unser Ziel erreichten. Bevor unsere Wege sich trennten, verabschiedete er sich mit einem genuschelten «Bye» von mir. Ich schüttelte bloß den Kopf. Unser Verhältnis war zu angespannt. Das gefiel mir nicht, ganz und gar nicht. Ich hatte nur im Moment nicht den Nerv, auch dazu noch einen Plan zu schmieden. Erstens wusste ich gar nicht genau, wieso es so war, wie es war und zweitens hatte die <Wie werden wir Pisser Cullen los> Mission mehr Priorität.
Beladen mit meiner Tasche, sämtlichen Mappen und meinem Kaffee, bahnte ich mir den Weg durch die Menge und zu meiner ersten Vorlesung. Als ich so die Gänge entlang schlenderte und versuchte mich nicht von irgendwelchen Ärschen umrennen zu lassen, entdeckte ich Cullen. Meine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Tanya lehnte an der Wand, er stand vor ihr, mit seiner linken Hand stützte er sich an der Mauer ab und seine Rechte benutzte er, um sie zu befummeln, während er sie küsste. Es war unglaublich, wie wütend er mich machte. Und dieser Kuss war kein normaler. Es war ein Lassen-wir-die-Uni-sausen-und-ficken-in-meinem-Auto-Kuss.
Er legte seine rechte Hand an Tanyas Hüfte und zog sie so nahe an sich heran, dass sie ihn wohl überall spüren konnte. Wenn ich sage überall, dann meine ich überall.

Ich wusste wirklich nicht, ob Tanya Glück oder gewaltiges Pech hatte.
Wenn es um den Sex ging, würde ich sagen, hatte sie riesiges Glück. Egal wie sehr ich den Bastard hasste, ich war mir sicher, dass er das mit dem Sex sehr gut beherrschte. Hier auf dem College hatte er nicht nur Tanya flachgelegt. Ich hatte schon etliche Gespräche mitbekommen, in denen es um Cullens Schwanz und den Sex mit ihm ging. Ich hatte schon etliche Frauen gesehen, die nach einer Nacht mit ihm nicht mal mehr richtig laufen konnten.
Aber gut, darum ging es nicht. Zumindest ging es Tanya nicht darum. Sie war nicht wie ich, die in einem Wichser wie Edward scheiß Cullen es war, nur einen guten Fick sehen würde. Oh nein, sicher nicht. Wie ich schon erwähnte, glaubte Tanya an die Liebe, an die einzige wahre, aufrichtige Liebe. Also würde ich sagen, wenn es um seinen Charakter ging, hatte sie ein scheiß Pech.

Cullen begann an Tanyas Ohr zu saugen und seine Hüften gegen ihre zu pressen, was sie mit geschlossenen Augen und einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen quittierte. Ich war mir sicher, dass sich niemand hier über diese Vorstellung wunderte. Man kannte Ich-gebe-einen-Scheiß-auf-euch-Cullen nicht anders. Aber Tanya schon. Sie war normalerweise nicht so ... so billig, dass sie es nötig hatte, ihr Sexleben offen zur Schau zu stellen.
Wütend lief ich zu den beiden hinüber. Ich stand direkt neben ihnen, aber mich bemerkte niemand. Mit einem lauten Schnauben, machte ich also auf mich aufmerksam.
Tanyas Augenlider flogen auf und Edward drehte sich mit einem breiten Grinsen zu mir herum. Tanya, deren Wangen gerötet und Lippen geschwollen waren, richtete ihr Haar und räusperte sich. Ficker verschränkte seine Arme vor der Brust und musterte mich schmunzelnd von oben bis unten.

«Isabella. Nicht, dass ich es nicht von dir nicht gewohnt wäre,  gestört zu werden. Und nicht, dass ich nicht schon jetzt wüsste, was du im Sinn hast….Ich frage dich trotzdem. Was willst du?»
«Ernsthaft Kotzbrocken? Ich will, dass du deine Drecksfinger von meiner Freundin lässt», erwiderte ich patzig. Tanya stöhnte genervt. Ich schenkte ihr einen tödlichen Blick und sah dann wieder in Cullens Gesicht.
«Drecksfinger, huh? Ich glaube, Tanya kann dich vom Gegenteil überzeugen. Sie war bisher ziemlich zufrieden», grinste er selbstgefällig.
«Edward!», kam es empört von Tanya und sie schlug ihm leicht mit ihrem Handrücken gegen seine durch trainierte Brust, welche man mehr als deutlich unter seiner Kleidung erkennen konnte.
Jetzt war es an mir zu grinsen. Sie sollte ruhig sehen, was er für ein Arschloch war.

Er sah Tanya an, lächelte schief und hauchte ihr einen langen Kuss auf ihre Lippen. Ich verdrehte die Augen, als er ihr irgendetwas zuflüsterte und sie kicherte. Was lief hier nur falsch? Er schaffte es immer wieder, sie um seinen Finger zu wickeln. Wie sollte ich es da schaffen, sie davon zu überzeugen, dass er nicht das war, wofür sie ihn hielt?
Ich schüttelte den Kopf. «Tanya du musst zu deiner Vorlesung.» Mit einem bedauernden Seufzer, ließ sie von Cullen ab, legte ihre Hände auf seine Brust und lächelte verliebt. Für einen kurzen Moment hätte ich schwören können, dass ein genervter Ausdruck über Cullens makelloses Gesicht blitzte, aber dieser war so schnell wieder verschwunden, dass ich es mir ebenso gut eingebildet haben könnte.  
«Wir sehen uns nachher», sagte sie zu mir und küsste den Steckdosenrammler noch einmal, ehe sie sich auf den Weg machte. Gut aussehendes, selbstgefälliges, charmantes Arschloch, stellte sich neben mich und wir sahen Tanya gemeinsam hinterher. Auf halbem Weg, drehte sie sich herum und lächelte, woraufhin Cullen und ich ihr synchron winkten. Sobald sie um die Ecke war, drehte ich mich wütend zu ihm herum.
«Was denkst du eigentlich, wer du bist?», fauchte ich ihn an. Er fuhr sich mit der Hand durch sein volles, zum Hineinkrallen geschaffenes Haar und zuckte lässig die Achseln.

«Ich bin Edward Cullen, Darling.»

Und diese fünf Worte sagten soviel mehr, als alles andere. Er war Edward Cullen. Fuck. Ich wusste nicht, was ich darauf hätte erwidern können, also reckte ich mein Kinn und stolzierte an ihm vorbei, wobei ich mich wohl etwas zu ruckartig herumdrehte, denn die Mappen auf meinem Arm rutschten hinab und der Kaffee glitt aus meiner Hand. Mit einem dumpfen Aufprall, landeten meine Unterlagen und meine allmorgendliche Droge auf dem Boden. Ich konnte gerade so noch zwei Schritte zurück springen, ehe ich vollgespritzt wurde. Das konnte man von Cullen nicht behaupten, denn er stand da wie erstarrt, sah auf seine helle Jeans hinab, die nun über und über mit Kaffeeflecken bespritzt war. Ich sah von seinen versauten Beinen langsam hinauf in sein Gesicht und presste die Lippen zusammen, um nicht laut loszulachen. Pingelig war er also auch noch, wenn es um seine teuren Armani, Hugo Boss oder weiß der Teufel welche Klamotten ging. Wie gut, dass ich bloß eine günstige, lilane Strumpfhose und mein schwarzes, kurzes Kleid trug. Es konnte dreckig werden, wie es wollte. Mir hätte es nichts ausgemacht.

Gut aussehender, arroganter, charmanter, eitler Edward Cullen, funkelte mich aus seinen grünen Augen wütend an, was mir so etwas wie Genugtuung verschaffte. Abgefuckte Campusschlampe.
«Tja, Cullen. Sieht aus, als müsstest du nach Hause fahren und dich umziehen. So ein Pech aber auch, jetzt bekommst du gar nicht mit, wie ich Tanya dazu bringe, dich zu hassen.» Ich grinste ihn unschuldig an und klimperte mit den Wimpern, er schnaubte. «Freu dich nicht zu früh, Baby.» Ein spöttisches Kichern entrang sich meiner Kehle, aber dann runzelte ich verwirrt die Stirn, als er sein Handy zückte und ohne mich aus den Augen zu lassen, eine Nummer wählte.  «Nathalie? Ich bin´s.»

Ich verengte die Augen, hatte keine Ahnung, was Cullen als Nächstes vorhatte. «Ich weiß, Babe. Aber es ist momentan ziemlich stressig», murmelte er und strich sich über den Nacken. Diese Bewegung ließ sein Shirt nach oben rutschen und entblößte einen winzigen Streifen seiner leicht gebräunten Haut. Ob ich wollte oder nicht, ich musste mir eingestehen, dass er sexy war. Verdammt sexy, selbst bei einem simplen Telefongespräch mit einer seiner Schlampen.
Ich bückte mich vorsichtig und hob meine durchweichten Papiere auf. Als ich mich wieder aufstellte, sah Cullen mich noch immer an. Sein Blick brannte sich quasi in meine Haut. Ich hasste die Reaktionen, die mein Körper auf ihn sendete. Dummes Arschloch. Allein für die Tatsache, dass ich ihn heiß fand, ganz egal was er tat, wollte ich ihn schlagen.

«Ja, ich weiß.» Er lachte leise in sich hinein, wodurch ich unwillkürlich schauderte. Natürlich nahm Cullen dies zur Kenntnis. Er grinste und streckte seinen Arm aus, um mit einer widerspenstigen Locke zu spielen, die mir ins Gesicht fiel. Schnaubend schlug ich seine Hand weg. Seine Hand…seine warme, weiche Hand, so nahe an meinem Gesicht, tat mir eindeutig nicht gut. «Darling, würdest du mir einen Gefallen tun?», fragte er nun leise und rau in den Hörer.
Da. Da war sie. Diese raue, rauchige Stimmlage, mit der er es immer wieder schaffte, die Slips der Frauen zu überfluten. Bastard. «Kannst du dich an letzte Woche erinnern?», fragte er weiter. Natürlich konnte sie das. Wer auch immer diese Nathalie war, sie hatte ganz bestimmt keinen Besuch von Cullen-fick-mich-hart vergessen. Ich schmunzelte über all die Spitznamen, die ich für ihn hatte. «Sei in zehn Minuten mit meinen Sachen vor dem College, ja? Du wirst nicht umsonst kommen, versprochen Hübsche.» Er legte auf und schob sein Blackberry in die Hosentasche.

Zufrieden grinsend sah er mich an und zog provokant eine Braue in die Höhe. «Eigentlich, Isabella, sollte ich dir danken. Nathalie ist wirklich gut und gegen einen Fick am Morgen habe ich ganz bestimmt nichts.»  Mein Mund klappte auf ohne, dass ich es verhindern konnte. Diese widerliche, abartige, ekelhafte…Staatsmatraze, machte meiner Freundin nicht nur unnötige Hoffnungen, nein, er bestellte seine Schlampen hierher, damit er frische Kleidung und einen Fick bekam? Was stimmte nur nicht mit diesem Mistkerl? «Willst du mich verarschen, Cullen?», fragte ich ihn ungläubig.
Er schüttelte belustigt den Kopf «Nein. Das war nicht mein Ziel. Merk dir nur eins Babe, leg dich nie mit mir an. Niemals. Denn ich werde gewinnen. Immer. Ganz egal in welcher Situation.» Damit drehte er sich herum und schlenderte zum Ausgang des Gebäudes. «Sag das nicht zu laut, Cullen», rief ich ihm laut hinterher «Ich werde dich fertig machen, Arschloch! Du wirst Tanya nicht weiterhin ausnutzen.» Er drehte sich zu mir herum und lief rückwärts weiter. Das arrogante Grinsen haftete noch immer auf seinem Gesicht und ich bezweifelte, dass er es heute noch ablegen würde. «Wir werden sehen, Isabella, wir werden sehen. Ach, und wenn wir morgen ausgehen, dann lass die Unterwäsche weg. Ich steh darauf.»
Bevor ich noch etwas erwidern konnte, war er verschwunden. Und ich stand da, völlig alleine in dem großen Flur und sah fassungslos zur Türe.
Dummes, überhebliches Schwein. Er würde es nicht schaffen. Nein. Er würde nicht gewinnen. Nicht gegen mich.

Als ich im Hörsaal saß, spielte ich mit meinem Kuli herum, starrte aus dem Fenster und versuchte einen Plan gegen Cullen auszuhecken. Ich nahm die anderen Studenten um mich herum kaum wahr.
Mir fiel ein, dass Rosalie mich heute Nachmittag von der Uni abholen wollte. Rose besuchte ein anderes College hier in New York und damit wir uns auch oft genug sahen und uns austauschen konnten, holte sie mich meistens nach der Uni ab und wir trafen uns mit Tanya bei mir zu Hause. Gestern war dafür keine Zeit und ich überlegte, ob ich sie nicht um Rat fragen sollte. Rose hasste die Cullens so sehr, ihr würde es eine Freude sein, mir dabei zu helfen Tanya von dem Bastard wegzubekommen. Überzeugt nahm ich mein Handy aus der Tasche und schrieb ihr eine SMS, in der ich ihr mitteilte, dass ich ihre Hilfe brauchte.
Die Stunden zogen sich in die Länge und mein Plan nahm keinen Fortschritt an. Wie könnte ich es Tanya beibringen? Eigentlich war mir klar, dass sie meinen Worten keinen Glauben schenken würde. Sie trug momentan diese rosarote Brille und sah nur das, was sie sehen wollte. Ich musste es ihr beweisen. Ich musste ihr irgendwie zeigen, dass Cullen ihr nicht gut tat, dass er es nicht ernst mit ihr meinte. Aber wie?
Frustriert schüttelte ich den Kopf. Mir fiel einfach nichts ein, absolut nichts.

Meine Gedanken wurden durch den Stuhl, der neben mir verschoben wurde, unterbrochen. Ich sah nach rechts und erkannte Jessica Stanley. Ich konnte diese Frau noch nie leiden. Sie hatte karamellfarbenes, schulterlanges Haar und dieses perfekte Gesicht, ohne einen einzigen Makel. Sie sah so perfekt aus, dass es mich schon wieder anekelte. Jess trug eine schwarze, kurzärmlige Satinbluse, kombiniert mit einer schwarzen, hautengen Jeanshose. Um ihren Hals hingen schmale, dezente Goldketten, die zu den goldenen Armreifen und Ohrringen passten. Die beigen Manolo-Blahnik’s ließen sie größer wirken und natürlich hatte sie auch eine goldene Gucci Tasche dabei.
Ich musste schmunzeln, das würde ich Rose erzählen. Sicherlich würde sie mich nicht im Stich lassen, falls ich mich über Jessica aufregen wollte. Wusste sie etwa nicht, dass Manolos nicht zu Gucci passten? Selbst ich, die einen Scheiß auf Mode gab, konnte sich das merken. Trotz unterschiedlicher Artikel. Gucci und Manolo? No Way. Gott, wie ich sie hasste.
Ich rückte so weit es mir möglich war von ihr weg, denn ihr Chanel No. 5 schlug mir entgegen. Sie war der Typ Frau, den damals mein Vater heiratete. Ich-bin-so-unschuldig-fick-mir-das-Hirn-das-ich-nicht-habe-aus-dem-Schädel- Sekretärin. Wie hatte sie es Scheiße noch eins auf´s College geschafft? Unglaublich, mit Sicherheit hatte sie sich hoch geschlafen.
Ich zuckte mit den Schultern und trank einen Schluck von meinem Wasser. Auch eine Möglichkeit in Berkeley angenommen zu werden, dachte ich voller Mitgefühl.
Ihr Anhängsel Kate, setzte sich neben sie und ich wandte den Blick ab. Ich wollte so wenig wie möglich von ihren primitiven Gesprächen mitbekommen.

«Und?», fragte Kate. «Wie war dein Date mit Eddy?» Okay. Vergessen wir alles, was ich sagte. Ich wollte doch etwas von diesem Gespräch mitbekommen. Dieses Arschloch konnte es einfach nicht lassen. Unglaublich.
Jessica lachte leise und beugte sich dann verschwörerisch zu Kate herüber. Meinen Stuhl wieder in ihre Richtung rückend, versuchte ich so viel es ging zu hören.
«Date? Kate das war kein Date», meinte sie leise und ich hörte das Schmunzeln aus ihrer Stimme heraus. Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Cullen trieb es eindeutig zu weit. Wie dreist war er eigentlich? «Wir waren nicht alleine weißt du», fuhr sie fort und meine Kinnlade klappte auf. Ein Dreier? Ein gottverdammter Dreier?
«Was?», fragte Kate mit geweiteten Augen. Jessica stöhnte genervt, dass Kate es nicht verstand.
«Du kennst doch Samantha, die Kleine die nebenbei in der Bibliothek arbeitet, nicht?»  Kate kicherte dümmlich und warf ihr schwarzes Haar zurück.
«Ja, die kleine verklemmte, schüchterne Samantha, die wegen jedem kleinsten Kompliment errötet.»

Oh mein…!!!

«Genau die», sagte Jessica amüsiert und spielte mit ihren Goldketten, die ihr um den Hals hingen, «Weißt du, sie ist gar nicht so schüchtern, wie alle denken. Gestern abend, hat Edward mich abgeholt und na ja, du weißt ja wie er ist.» Sie kicherte «Er wollte mir nicht verraten, wo es hingeht. Er hat die ganze Fahrt über kaum ein Wort geredet. Und dann kamen wir an der Bibliothek an. Edward hat angefangen Samantha anzumachen und…Oh Gott, du hättest sie sehen müssen. Sie war rot wie einen Tomate, hat vollkommen zusammenhangloses Zeug gestottert und alles getan, was er wollte. Sie hat den Laden abgeschlossen, nachdem er es verlangte. Und dann…» Sie legte eine Pause ein und beugte sich näher zu Kate, die vollkommen an ihren Lippen hing. Den Atem anhaltend, beugte auch ich mich weiter zu ihnen.
«Und dann?», flüsterte Kate gebannt.

«Na ja, und dann ging es los. Wir hatten Sex, in dieser verdammten Bibliothek, Kate. Kannst du dir das vorstellen?» Ich-bin-so-unschuldig-fick-mir-das-Hirn-das-ich-nicht-habe-aus-dem-Schädel-Sekretärin-Verschnitt namens Jessica grinste triumphierend und Kate schien vergessen zu haben, wie man atmet. Mir ging es nicht anders. Fuck.
«Zu dritt?», fragte die Dunkelhaarige ungläubig. Jessica nickte.
«Gott, Kate er ist so….so…»
«Heiß?», unterbrach sie ihre Freundin.
«Ja das auch. Aber beim Sex. Er ist so dominant. Und Samantha….Gott, sie ist so dumm. Sie hat alles getan, was er wollte. Und jetzt kommt das Beste.» Wieder legte sie eine geheimnisvolle Pause ein.
Meine Augen weiteten sich. Was konnte das noch übertreffen?
«Sie. War. Jungfrau.»

Kate und ich stießen gleichzeitig die angestaute Luft aus.

Ich lehnte mich schockiert zurück. Jetzt wurde mir klar, warum er so viele Kondome brauchte. Gut. Fassen wir das einmal zusammen. Edward Cullen, ging seit fast drei Wochen mit meiner besten Freundin aus. Letzte Woche hatte er eine andere gefickt, heute Morgen vergnügte er sich mit dieser Nathalie und gestern hatte er einen verdammten Dreier? Indem er mal so, by the way, einer Jungfrau die Unschuld nahm?
Abgesehen davon, dass mich die Tatsache, dass Edward Cullen zwei Frauen in einer Bibliothek gefickt hatte, mächtig anmachte, ich es aber natürlich vollkommen furchtbar aufgrund meiner hintergangenen Freundin fand, fragte ich mich woher dieser Typ, der seinen Saft überall verspritzte wie Bienen ihre Pollen, sich die Zeit nahm, so viele Frauen auf einmal zu beglücken.
Ich kannte Samantha aus der Bibliothek. Sie war ein wirklich liebes und süßes Mädchen. Sie studierte hier erst seit einem halben Jahr und musste 19 oder 20 Jahre alt sein. Wenn ich meine Ruhe haben wollte, zog ich mich gerne in der Bücherei zurück und unterhielt mich mit ihr. Ich mochte sie schon immer sehr gerne, auch wenn sie das genaue Gegenteil von mir war. Sie hatte diese Erwartungen an die Zukunft, diese Vorstellungen von einem perfekten Leben. Sie wartete auf ihren Prinzen auf dem weißen Pferd, von dem ich schon lange wusste, dass er nicht existierte. Sie sagte einmal zu mir, dass sie darauf wartete, diese Schmetterlinge im Bauch spüren zu können. Ihr wisst schon, diese kleinen Dinger, die es einem unmöglich machten etwas zu essen, zu schlafen oder einen anderen Gedanken zu haben, als den Menschen, um den sie sich drehten. Ich mochte sie, ich mochte sie wirklich und ich wollte, dass sie für ihr Leben ihre verdammten Schmetterlinge bekam. Wir waren zwar keine besten Freundinnen, die sich abends gemeinsam die Nägel lackierten und über Jungs kicherten, aber sie war eine der wenigen Personen an diesem vollkommen unvertrauenswürdigen Ort, der man glauben konnte. Und Scheiße, ich wollte, dass es gut für sie ausging.
Samantha war eine eher ruhige und zurückhaltende Person. Also wie zur Hölle hatte Cullen es hinbekommen, sie auf einem verdammten Schreibtisch oder wo auch immer zu entjungfern? Als würde es nicht reichen, dass er Tanya verarschte, musste er nun bei Sam weitermachen? Wie viele Freunde, Bekannte und was auch immer von mir, wollte er noch flachlegen und enttäuschen?...Selbst wenn ich mit Sam nicht soviel wie mit Tanya oder Rose zu tun hatte, war es ein Grund mehr, ihn zu hassen.

Mister Big-Dick musste vernichtet werden!

Und jetzt? Jetzt saß ich hier und musste mit anhören, wie Edward fucking Cullen ihr das, wie sie es nannte, kostbarste Geschenk für den Menschen den sie liebte, genommen hatte.  
Edward Cullen hatte ihre Schmetterlinge brutal getötet.
Dieses manipulative, verdammte Arschloch.
Die Flugzeuge in ihrem Bauch waren anscheinend so wild umhergewirbelt, dass sie am Ende explodierten. Und nun war gar nichts mehr übrig. Absolut nichts. Nada. Finito. Basta. Ende. Aus.

Er war ein Mörder.

Ich bin mir nicht sicher, ob jemand einen Menschen schon einmal so sehr gehasst hatte, wie ich es bei Cullen tat. Mir wurde klar, dass die Aktion <Tanya warnen> schneller vonstatten gehen musste. Ihre Schmetterlinge durften nicht so brutal umgebracht werden, wie Samantha‘s.
Dan holte mich nach meiner Vorlesung ab. Er lehnte mit seinem weißen Shirt und seiner dunklen Jeans im Türrahmen des Hörsaals und lächelte sein typisches, warmes Lächeln. Mit Dan zusammen zu sein, entspannte mich jedes Mal. Er hatte diese unglaublich ruhige und geduldige Art, die ich nach einem stressigen Tag sehr zu schätzen wusste.
Die Anspannung fiel schon von mir ab, als ich auf ihn zulief und versuchte, die Geschehnisse am Morgen zwischen uns beiden zu verdrängen. Darüber konnte ich mir auch später noch Gedanken machen.

«Hey», sagte er und legte einen Arm um meine Schultern, als ich ihn erreichte. Seufzend erwiderte ich seine Begrüßung und natürlich bemerkte er, dass mich etwas bedrückte. In seiner typisch besorgten Stimmlage fragte er mich, ob alles in Ordnung sei. Wenn er wüsste, wie sehr er damit daneben lag.
«Ich lasse nicht zu, dass er ihre Schmetterlinge tötet!»,  sagte ich mit fester Stimme, als wir zur Mensa schlenderten. Dan runzelte die Stirn und strich sich seine dunklen Locken zurück.
«Schmetterlinge? Wovon redest du?» Wütend klammerte ich mich fester an meine Unterlagen im Arm und schnaubte.
«Edward Cullen wird Tanyas Schmetterlinge nicht töten. Nicht so wie Samanthas!»

«Er hat Samanthas Schmetterlinge getötet?», fragte er gespielt empört.
«Ja, all ihre Vorstellungen, alles woran sie geglaubt und worauf sie vertraut hat ist Futsch. Er wird Tanyas Schmetterlinge nicht umbringen!»
«Richtig so, Bella. Zeig´s ihm», meinte er entschlossen.
«Das werde ich tun. Ich werde ihn fertig machen. Wenn es sein muss, bringe ich den Bastard um!»
«Ich unterstütze dich vollkommen in deinem Vorhaben, Bells ... bevor er Tanya´s Schmetterlinge tötet!!»
Ich setzte zum Reden an, als ich ihn grinsen sah. Ganz klar, er verarschte mich und ich bemerkte es erst jetzt. Mit verengten Augen drehte ich mich langsam zu ihm herum und das gab ihm den Rest. Er brach in schallendes Gelächter aus. «Dan!», rief ich empört.  
«Es…es tut mir leid, Bells….Es ist nur…du…du…» Er holte tief Luft und strich sich über sein gerötetes Gesicht. «Es ist nur so, dass ich das alles vollkommen schwachsinnig finde.»

«Schwachsinnig? Ich finde es nicht schwachsinnig, dass meine Freundin gerade von vorne bis hinten verarscht wird ohne es zu bemerken», zischte ich ihm zu. Wie konnte er nur das Wort <schwachsinnig> in Bezug auf diese Sache verwenden? «Bella, Tanya ist erwachsen. Sie macht ihre Fehler und lernt selbst daraus. Du kannst sie nicht vor allem beschützen, nur weil sie deine beste Freundin ist», sagte er und legte erneut seinen Arm um meine Schultern. Wütend schüttelte ich ihn ab. «Ich werde mich da nicht raushalten, Dan. Es geht hier nicht NUR um meine beste Freundin. Hier geht es um mehr. Ich hasse ihn und werde ihn und seinen Ruf vernichten. Was glaubt dieser Stricher eigentlich, wer er ist?» Die Sache mit der Wette ließ ich bewusst aus.
«Edward Cullen», seufzte Dan. Natürlich. Edward Cullen. Er war nun einmal eine Klasse für sich, dieser Vollidiot. Die Liste in meinem Kopf erweiterte sich. Er war nicht mehr nur das gut aussehende, arrogante Arschloch. Nun kamen noch so viele andere Sachen hinzu. Er war kontrolliert, er war eitel, er war dominant, er war heiß, er roch gut, er war ein Widerling, der sich nahm was er wollte ohne Rücksicht auf Verluste. Fuck.
Ich hasste ihn so sehr.
Ich meine der Kerl hatte einen Dreier in einer Bibliothek. Er hatte heute Morgen Sex in einem gottverdammten Auto, wie es aussah. Ja, er war Edward Cullen. DER Edward Cullen. Meine Hölle. Hatte ich schon erwähnt, dass ich ihn abgrundtief hasste?

Dan und ich erreichten die Mensa. Tanya saß an einem Tisch und wartete auf uns. Sie trug ihre helle Jeansjacke und ihre Haare hatte sie zu einem hohen Zopf gebunden. Ein paar ihrer blonden Strähnen fielen ihr ins Gesicht und sie trommelte gelangweilt mit den Fingern auf dem Tisch herum. Wir setzten uns zu ihr, sie schreckte auf und lächelte, als sie uns sah. Wortlos schob sie mir ihren Nudelauflauf zu, woraufhin ich die Stirn runzelte. Sie meinte nur, dass sie keinen Hunger hätte, also begann ich in ihrem Essen herumzustochern, während Dan einen Apfel aus seiner Tasche packte, die Beine anwinkelte und sein Buch las.
«Was liest du?», fragte Tanya interessiert. Wortlos hob er das Buch hoch und zeigte uns das Cover Ich find´mich so toll, warum bin ich noch Single? - Eine dauerhafte Partnerschaft führen-!
«Hast du schon was für unsere Kleine hier zum Geburtstag? Das wäre doch was!», lachte Tanya und legte den Arm um meine Schultern. Dan stimmte in ihr Lachen mit ein und ich verdrehte die Augen. Klaaarr.. bestimmt. Ein Buch für dauerhafte Partnerschaft. Bin ich bescheuert oder was?  

«Heute schon was vor?», versuchte ich von diesem Thema, wie-bringen-wir-Bella-zur-absoluten-Monogamie, abzulenken und blickte meiner Freundin ins Gesicht. Sie lächelte.
«Ja, ich werde mich nachher mit Edward treffen.» Ich verschluckte mich an den klebrigen Nudeln und hustete lautstark, was Dan grinsen ließ. Er wusste natürlich, dass ich mich nicht zufällig verschluckt hatte.
«Tanya-», begann ich als ich mich beruhigt hatte, aber sie unterbrach mich jäh.
«Nein, Bella. Bitte fang jetzt nicht wieder damit an. Ich weiß, dass du Edward nicht magst. Ich weiß auch, was du mir sagen möchtest. Ich bin dir wirklich dankbar dafür, dass du mich vor ihm beschützen willst, aber er ist nicht mehr so, wie er vorher war. Er hat sich geändert. Für mich. Für uns.» Wieder lächelte sie. Ich hatte das dringende Bedürfnis, meine Freundin durchzurütteln, sie aus ihrem Traum, ihrer Seifenblase zu reißen, aber sie ließ es nicht zu. Wie konnte sie ihm nur Glauben schenken?

«Tanya, so ist es nicht. Er hat sich nicht geändert und wird es nie. Menschen wie Edward können sich gar nicht nicht ändern. Das alles ist zu tief in ihm verwurzelt. Wann verstehst du das endlich? Wie kannst du nur so blind sein? Natürlich will Cullen dich bei sich behalten. Er will dich ficken. Mehr nicht. Verstehst du das, Tanya?» Ich hatte das Gefühl, dass sie mich nicht verstand, wenn ich es ihr nicht so direkt sagte.
Ihr Gesicht versteinerte und sie setzte ihre Maske auf. Das tat sie immer, wenn ihr etwas gegen den Strich ging. Ich seufzte.
«Was ist eigentlich dein Problem, Bella? Bist du vielleicht eifersüchtig? Eifersüchtig darauf, dass ich jemanden gefunden habe, der es ernst mit mir meint, während du dich durch die Gegend fickst? Neidisch, dass Edward früher als du verstanden hat, dass man bei einem einzigen Menschen seine Ruhe, den Frieden und das Gefühl angekommen zu sein, empfinden kann? Vielleicht war dir Edward früher sehr ähnlich, aber er hat jemanden gefunden, der ihn aus diesem elendigen Teufelskreis befreit hat. Oder ist es einfach der Punkt, dass er mich wollte und nicht dich? Was ist es Bella, sag´s endlich damit dieser Scheiß hier ein für alle mal beendet ist.» Sie wurde immer lauter und ich sah, wie Dan neben mir bei ihren Worten erstarrte. Natürlich, er hatte am letzten Abend dasselbe zu mir gesagt. Was war nur mit meinen Freunden los? Anscheinend kannte mich keiner von ihnen so gut, wie ich dachte, dass sie es täten.
«Das denkst du von mir, Tanya? Du denkst ich wäre eifersüchtig? Mir geht es einzig und allein darum, dass du dich verarschen lässt. Wo ist die Tanya hin, die immer über alles den Überblick hatte? Wie kannst du dich nur so von diesem Arschloch blenden lassen? Du glaubst mir also nicht, ja? Dann geh , frag Samantha, was sie gestern Abend gemacht hat», rief ich wütend und gestikulierte mit meiner Hand in die Richtung des Tischs, an dem Samantha mit ihren Freunden saß. Sie sah starr auf die Tischplatte, während alle anderen Tanya und mich beobachteten. «Frag sie, was Cullen mit ihr gemacht hat. Oder frag doch mal Stanley. Sie kann es dir sicherlich auch erzählen.»

Tanya verengte ihre Augen zu schmalen Schlitzen und ihr Dunkelblau funkelte mir wütend entgegen. «Ich glaube den Lügen nicht, die hier verbreitet werden. Das tun sie alle doch nur, um mich von ihm wegzubekommen. Du hast doch keine Ahnung, Bella. Weißt du, heute Morgen habe ich mit Edward gesprochen. Er hat mir von eurem Aufeinandertreffen gestern erzählt», sagte sie und verschränkte die Arme vor der Brust. Ich stutzte und sah sie verwundert an. Cullen hatte ihr von unserem Gespräch erzählt? Das konnte unmöglich wahr sein. «Er hat mir erzählt, dass du eifersüchtig bist. Er hat mir auch erzählt, dass du dich an ihn rangemacht hast, Bella. Und weißt du was? Ich habe ihm nicht geglaubt. Aber jetzt gerade, wurde ich eines Besseren belehrt. Es ist tatsächlich wahr. Du versuchst uns auseinander zu bringen, weil du eifersüchtig auf mich, auf unsere Beziehung bist.»
«Verdammte Scheiße, Tanya. Ich habe keinen Grund eifersüchtig zu sein, denn ich bin nicht diejenige, die sich verarschen lässt. Du sagst, du glaubst den Lügen nicht? Ist dir klar, dass du gerade auf die größte Lüge hereinfällst? Wo ist denn dein ach so toller Cullen jetzt gerade, hm?» Tanya machte gerade den Mund auf, als Cullen plötzlich wie aus dem Nichts auftauchte und ihr einen Arm um die Taille legte. Verdutzt sah ich die beiden an.

«Gibt es ein Problem?», fragte er scheinheilig. Ich stand auf, strich mir die Haarsträhnen aus dem Gesicht und Dan tat es mir gleich. Er legte mir beruhigend eine Hand auf die Schulter und ich atmete tief durch. Das durfte doch alles nicht wahr sein. «Nein», sagte Tanya. «Ich wollte gerade gehen. Kommst du, Baby?» Er zuckte lässig die Achseln und lotste Tanya aus der Mensa. Bevor die beiden hinaus liefen, drehte er sich zu mir herum und grinste teuflisch. Ich hatte das Gefühl jeden Moment zu explodieren.
Mit einem lauten Schnauben verließ auch ich die Mensa und die Uni. Dan rief meinen Namen, aber ich achtete nicht weiter auf ihn und nahm, als ich letztendlich draußen war, mein Handy aus der Tasche.
Ich rief Rose an und teilte ihr mit, dass sie mich so schnell es möglich war, abholen sollte. Beunruhigt fragte sie mich, ob alles okay wäre, doch ich sagte nur, dass ich es ihr später bei einem Kaffee erzählen würde.

Das konnte doch alles nicht wahr sein, wirklich nicht. Tanya glaubte mir nicht, was bedeutete, dass ich Morgen mit Cullen ausgehen musste, welcher gerade einen gewaltigen Keil zwischen mich und meine Freundin getrieben hatte. War das nicht abartig? Ich versuchte Tanya zu beweisen, wie dieser Mistkerl drauf war, sie glaubte mir nicht und die Strafe war, dass ich ihn daten musste! Konnte es noch surrealer sein?
Mein bester Freund verhielt sich anders als sonst und ich war wütend auf die ganze Welt. Alles und jeder pisste mich einfach nur an.
Cullen konnte herum ficken soviel er wollte. Aber doch nicht, wenn er mit Tanya eine Art Beziehung führte. Er war der Teufel in Person. Er hatte Samantha wahrscheinlich leere Versprechungen gemacht und sie nach dem Sex stehen gelassen, er brach gerade meiner Freundin das Herz und zu allem Übel kämpfte er mit unfairen Mitteln. Das war alles ein einfacher, schlechter Alptraum. Herrgott, wenn Tanya meine Einstellung teilen würde, was die Liebe und feste Partnerschaften anging, dann wäre es mir egal, was dieser Bastard mit ihr machte. Aber das, scheiße noch eins, tat sie einfach nicht. Sie war nicht so. Sie war anders als Edward und ich und das machte es so verdammt unfair. Kannte er die Regeln nicht? Wenn man schon rumhuren musste wie er es tat, dann wenigstens mit Mädchen, die dieselbe Einstellung zu dem Scheiß hatten wie er.
Glücklicherweise hatte ich das andere Cullen-Arschloch heute nicht gesehen. Wenigstens eine kleine gute Sache an diesem ganzen abgefuckten Tag.

Rosalie brauchte nicht lange, ehe sie ihr rotes, altes Cabrio mit quietschenden Reifen vor die Uni fuhr. Ich atmete erleichtert aus, als ich sie sah.
Rosalie verstand mich immer, in jeder Situation. Und sie würde mich auch dieses Mal verstehen.
Sie trug eine große Sonnenbrille, die die Hälfte ihres Gesichts verdeckte und ein rotes Sommerkleid, welches perfekt zu der Farbe ihres Autos passte.
Es war mal wieder sehr warm in New York. Man spürte, dass der Sommer im Anmarsch war.

Seufzend öffnete ich die Beifahrertür und ließ mich auf den Sitz fallen. Rose nahm ihre Sonnenbrille ab, sah mich stirnrunzelnd an und fuhr dann los.
«Also, was ist los?», fragte sie ohne Umschweif. Ich stöhnte genervt.
«Cullen ist los.» Meine Freundin versteifte sich, sah kurz zu mir herüber und richtete ihren Blick dann wieder auf die Straße.
«Welcher von den beiden?» Ich warf meine Ordner nach hinten auf den Rücksitz und packte die Wasserflasche aus meiner Tasche, um einen großen Schluck zu mir zu nehmen.
«Der Rotschopf?», fragte sie weiter, als ich nicht antwortete.
«Bronze. Seine Haare haben diesen komischen Bronzestich», entfuhr es mir und Rosalie sah verwundert zu mir herüber. Wann zur Hölle hatte ich auf seine dummen Haare geachtet? Ich schüttelte den Kopf
«Ja, der Rotschopf.»
«Dann bist du nicht die Einzige, die genervt ist. Anabolika-Cullen lässt mich immer noch nicht in Ruhe», meinte sie und parkte den Wagen vor dem Starbucks. Wir stiegen aus und liefen gemeinsam hinein.
Ich wusste, dass Rosalies Hass auf die Cullens mir weiterhelfen würde. Wir würden gemeinsam sicher einen Weg finden, Cullen eins reinzuwürgen. Bastard. Er hatte es nicht anders verdient. Selbst Schuld, wenn er so schwanzgesteuert war.

Rose und ich setzten uns, nachdem wir uns zwei Cappucino bestellten, an einen Platz am Fenster.
«Gut», sagte sie. «Erzähl mir alles.» Ich überlegte einen Moment wo ich anfangen sollte und begann dann einfach zu erzählen.
«Du weißt doch, dass Tanya mit diesem Arschloch ausgeht. Sie ist auf dem besten Weg, sich in ihn zu verlieben.» Rosalie nickte.
«Ja, soweit weiß ich Bescheid.»
«Du weißt auch, dass er sie von vorne bis hinten verarscht. Immerhin warst du diejenige, die dieses Gespräch letzte Woche mit der Schwarzhaarigen mitbekommen hat.» Ein verärgertes Schnauben ihrerseits war zu hören, was mich grinsen ließ. Ich wusste, warum ich Rosalie liebte.

«Gut. Ich wollte es ihr erzählen, aber ich konnte nicht. Sie schwärmt ununterbrochen von ihm, Rose. Das ist schon nicht mehr normal. Sie ist vollkommen geblendet von ihm!», warf ich die Hände in die Luft «...Na ja, gestern war ich jedenfalls einkaufen und da habe ich Cullen getroffen. Wir haben diskutiert und ich wollte ihn dazu bringen, Tanya die Wahrheit zu sagen. So ging es dann hin und her, bis ich mich auf eine Wette mit ihm eingelassen habe.» Ich stockte und Rosalies Augen weiteten sich erstaunt über den Rand ihres 2Go-Bechers hinweg.
«Was für eine Wette? Erzähl schon!», drängte sie mich. Ich seufzte.
«Er wollte unbedingt mit mir ausgehen, frag mich nicht warum», murmelte ich. Rose verdrehte die Augen.
«Also wenn dir nicht klar ist, warum er mit dir ausgehen möchte, Süße, tut mir leid aber dann bist du wirklich dumm.»
«Rose», stöhnte ich. «Natürlich weiß ich es, aber ich frage mich, warum ich jetzt auf einmal so interessant bin. Ich meine, wir hassen uns abgrundtief….Naja, wie auch immer. Ich habe gesagt, dass ich Tanya sagen werde, dass er sie hintergeht. Er meinte, sie würde mir nicht glauben. Und dann kam die Wette. Er sagte, wenn sie mir nicht glaubt, dass er sie verarscht, dann muss ich mit ihm ausgehen. Er und ich. Wir beide. Alleine. Und wenn sie mir glaubt, dann wird Cullen ihr gestehen, dass er es nicht ernst mit ihr meint. Dass er es von Anfang an nicht ernst mit ihr gemeint hat», endete ich.

Eine Weile war es still und Rosalie sah mich nur entgeistert an. Nervös begann ich mit den Fingern auf dem Tisch herumzutrommeln und gerade als Rose zum Reden ansetzte, kam die Kellnerin und fragte, ob sie uns noch etwas bringen könne. Ich hätte sie töten können.
Etwas zu patzig, wimmelte ich sie ab. Als sie wieder verschwand, begann Rose nachdenklich in ihrem Cappucino  zu rühren und ich hielt es nicht mehr aus.

«Und?» Sie sah zu mir auf, zog eine Braue in die Höhe und schüttelte ihren Kopf.
«Lass mich raten. Du hast verloren, musst morgen mit ihm ausgehen und weißt nicht, was du jetzt tun sollst.»
«Ja», seufzte ich. «Dieser Ficker hat Tanya sozusagen gegen mich aufgehetzt. Er hat mit unfairen Mitteln gespielt. Jetzt denkt meine eigene beste Freundin, dass ich eifersüchtig auf sie wäre. Und das nur wegen ihm!» Ich gestikulierte während dem Sprechen wütend mit den Händen in der Luft herum. «Gott, Rose ich hasse ihn so sehr. So sehr, dass mir nicht mal ein verdammt tolles Schimpfwort für diesen Pisser einfallen will.»
«Warte!», unterbrach sie mich. «Unfaire Mittel sagst du?» Ich nickte schnaubend und meine Wut auf dieses arrogante Arschloch wuchs.
«Baby, warum hast du mir das nicht gleich gesagt?», fragte sie und dieses typische Ich-bin-Rosalie-Hale-leg-dich-nicht-mit-mir-an-Grinsen zierte ihre unglaublich schönen Gesichtszüge.
«Rose?»,  fragte ich und runzelte die Stirn. Sie schüttelte ihren Kopf und beugte sich leicht vor, sodass ihr Gesicht nur noch Millimeter von meinem entfernt war.
«Cullen ist scharf darauf, mit dir auszugehen, er will dich ficken. Das ist klar.» Bei ihren Worten musste ich unwillkürlich schaudern. Cullen-fick-mich-hart wollte Bella. Die Vorstellung machte mich unglaublich heiß, was allerdings nicht bedeutete, dass mein Hass auf diesen Bastard sank.

«Du willst, dass er Tanya die Wahrheit sagt», fuhr sie fort und sah mich eindringlich an. Ich wurde aus ihren Worten nicht schlau und zog fragend meine Braue in die Höhe. Soweit war ich auch schon gekommen.
«Bella», stöhnte sie genervt. «Warum verbindest du das nicht miteinander?»
«Miteinander verbinden?», fragte ich verwirrt.
«Ja.» Sie nickte. «Du wirst mit ihm ausgehen, unter einer Bedingung.»
Und plötzlich machte es Klick in meinem Kopf und ich spürte, wie sich mein eigenes teuflisches Grinsen im Gesicht breit machte.
«Er muss Tanya vorher die Wahrheit sagen und Schluss machen» , beendete ich ihren Satz und Rosalie nickte, lehnte sich zufrieden in ihrem Sitz zurück und schlürfte gelassen ihren Cappucino.
«Rose, du bist ein Genie. Er wird Tanyas Schmetterlinge nicht töten. Soweit wird es nicht kommen!» Rosalie runzelte verwirrt die Stirn doch ich winkte nur ab.

«Mein zweites Problem», begann ich. «Ist, dass ich unmöglich mit Cullen alleine ausgehen kann, Rose.»
«Weil du ihn heiß findest», stellte sie nüchtern fest. Ich nickte niedergeschlagen. Jede Minute mit ihm alleine war zu riskant. Bei solchen Kerlen wie ihm, konnte ich mich nicht zurück halten, denn so sehr ich ihn auch hasste, mein Körper wollte ihn.
«Bells, ich verüble es dir nicht. Er und Emmett sie sind beide verdammt heiß. Aber führ dir immer vor Augen, was für ein Scheißkerl er ist. Das wird dich abturnen, glaub mir. Ich mache es genauso», sagte sie trocken.
«Rose, das macht mir aber nichts aus. Ich glaub ich will Sex mit ihm und weiß nicht was ich dagegen tun soll. Nicht einmal seine hinterhältige, arrogante Art schreckt mich ab.» Ich seufzte frustriert, mir war wirklich nicht mehr zu helfen.

«Fakt ist», sagte sie. «dass du auf ihn stehst. Zumindest auf seinen Körper und offensichtlich auch auf seinen Schwanz. Er findet dich genauso heiß und wie ich Edward kenne, wird er mit dir spielen. Er wird es so tun, wie Emmett es bei mir getan hat.» Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. «Zeig ihm, was du kannst. Hass ist ein sehr leidenschaftliches Gefühl, wenn nicht das intensivste neben Liebe. Süße, du bist eine Frau. Mach ihn heiß, lass ihn abblitzen und vergiss nie, wie er Tanya leiden lassen wird. Vergiss nicht, dass Tanya wegen ihm spätestens Morgen eine Menge Tränen vergießen wird. Räche dich dafür. Für unsere Freundin!», meinte sie entschlossen und prostete mir zu. Ich grinste. Rosalie war ein echtes Genie.

«Ich liebe dich, Rosalie fucking Hale!», lachte ich.
«Ich weiß, Schätzchen, ich weiß», grinste sie.
«Und was ist jetzt mit Anabolika-Cullen?»,  fragte ich interessiert. Wieder schnaubte sie.
«Er hört nicht auf, mich anzurufen. Jetzt auf einmal will dieses Arschloch sich wieder mit mir treffen. Jetzt. Ich verstehe das einfach nicht.»
«Sein Stolz ist geknickt, weil du nicht mehr auf ihn eingehst. Aber Süße, du bist eine Frau», wiederholte ich ihre Worte. «Mach ihn heiß, lass ihn abblitzen. Zeig ihm, was du kannst und halte dir immer vor Augen, wie er dich leiden lassen hat!» Rosalie lachte, da ich genau dieselben Worte benutzte, wie sie zuvor.
«Ich verstehe nicht, warum du deine brillanten Ideen nie für dich selbst verwendest», sagte ich.

«Ich weiß nicht, ob ich es aushalten würde, ohne ihm wieder vollkommen zu verfallen», erwiderte sie gedankenverloren.
«Unser Geschmack wird sich nie ändern, oder?», seufzte ich.
«Nein. Wir werden immer auf die Arschlöcher stehen. Prost, Bells», sagte sie und wir stießen mit unseren Pappbechern an.



                                                             
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Fakt Nummer eins. Edward Cullen war eine verdammt heiße, überhebliche, charmante Second-Hand Schlampe.  
Fakt Nummer zwei. Er tötete die Schmetterlinge meiner Freundin.
Fakt Nummer drei. Ich stand auf ihn.
Fakt Nummer vier. Wir hassten uns.
Fakt Nummer fünf. Er wollte mit mir ausgehen.
Fakt Nummer sechs. Er durfte mich nicht anfassen, da ich sonst Wohl oder Übel hyperventillieren würde.
Fakt Nummer sieben. Ich musste ihn dazu bringen, Tanya zu verlassen, bevor sie begann ihm wirklich hoffnungslos zu verfallen.

Okay. Tief durchatmen, Bella. Du schaffst das.

Mir selbst Mut zusprechend, betrat ich den Hörsaal und mein Blick fiel direkt auf ihn.
Cullen saß auf einem der hinteren Plätze, trommelte gelangweilt auf seinem Tisch herum und ignorierte die Schlampen, die ihn mit ihren Blicken auszogen. Der Bastard war es gewohnt. Er kannte es nicht anders.
Jetzt oder nie. Ich musste es schaffen.
Es war Freitagmorgen und ich war fest entschlossen, meinen Plan durchzuziehen.
Tanya hatte sich seit gestern nicht mehr bei mir gemeldet. Sie war ganz klar angepisst.
Dan hatte ich ebenfalls weder gestern noch heute morgen gesehen. Doch ich konnte mir darüber keine Gedanken machen, denn zu sehr war ich darauf konzentriert nicht auszulaufen, wenn ich so nahe an Cullen saß.
Ich lief geradewegs auf ihn zu und ließ mich dann auf den freien Platz neben ihm fallen. Ein Wunder, dass er nicht von seinem Schlampen-Fanclub umgeben war.

Ich sah ihn nicht an, sein selbsgefälliges Grinsen würde mich nur wieder zur Weißglut treiben.
Mit einem Seufzer überschlug ich meine Beine und blickte starr nach vorne. Ich versuchte den sexy Geruch zu ignorieren, der von ihm ausging, seine raue Stimme, die jedes Mal ertönte, wenn er die Fragen des Prof.‘s beantwortete und mir heiß-kalte Schauer über den Rücken jagte. Ich versuchte die Phantasien aus meinem Kopf zu vertreiben, die mir Bilder zeigten, in denen ich auf einem Tisch in der Bibliothek lag und von ihm durchgenommen wurde.

Gott, es war so aussichtslos. Das alles war so aussichtslos.

Immer wieder führte ich mir vor Augen, dass er Tanya das Herz brach, aber so sehr ich es auch wollte, es brachte nichts. Die Wirkung, die sein Körper, seine bloße Anwesenheit auf mich hatte, war unglaublich. Er musste nichts machen, er erregte mich schon allein durch seinen Geruch, der zu mir herüber strömte. Oh ... Ich wollte ihn umbringen.
«Du kannst ruhig zugeben, dass du auf mich stehst. Du wärst nicht die Erste», hörte ich ihn flüstern. Ruckartig drehte ich meinen Kopf zu ihm herum, doch ich war mir seiner Nähe nicht bewusst gewesen.
Seine vollen, sinnlichen Lippen schwebten direkt vor meinen. Seine glühenden Augen musterten mein Gesicht lusterfüllt. Er öffnete seine Lippen einen Spalt und fuhr mit der Zungenspitze über seine Untere, die er anschließend zwischen seine Zähne zog. Ohne es kontrollieren zu können, entrang sich meiner Kehle ein leises Stöhnen.

Fuck.

Er lachte leise und sein Atem wehte mir ins Gesicht. So süß, so frisch, so Cullen. Warum konnte er nicht unattraktiv sein? Warum konnte er nicht beschissen aussehen? Warum konnte er nicht einfach KEIN Arschloch sein? Dann wäre es soviel einfacher, ihn zu ignorieren ... wenn er nicht diesen verdammten Drei-Tage-Bart-verruchten-Woke-up-early-from-the-bed-Look hätte. Ich konnte nichts gegen meine Vorliebe für arrogante, sexy, selbstbewusste Vollidioten tun. Er war einfach heiß. Scheiß heiß, um genau zu sein. Ich wollte Sex mit ihm. Hier. Jetzt. Sofort. Er hätte mich vor all diesen Leuten ficken können. Gott!
Ich biss mir auf die Unterlippe, um ein weiteres Stöhnen zu verhindern.
Cullen beugte sich weiter zu mir herüber. Zu nah. Viel. Zu. Nah. Ich konnte ihn spüren. Seine Lippen, die nicht einmal mehr einen Millimeter von mir entfernt waren, sein Körper, der meinem so verdammt nahe war.
Als er seine linke Hand auf meinem nackten Oberschenkel legte, ließ er sie unter mein hellgelbes Kleid gleiten.

Oh Fuck.

Mir wurde warm, heiß. Ich konnte spüren, wie sich die Hitze durch meinen ganzen Körper zog und in meiner Mitte sammelte. Fick. Mich. Arrogantes. Widerliches. Arschloch.
«Ich liebe dein Stöhnen, Swan. Ich wette ich könnte dich lauter und heftiger stöhnen lassen. Ich wette ich könnte dich ficken, bis du vergisst, wie man deinen eigenen, gottverdammten Namen buchstabiert», raunte er mir zu und seine Hand fuhr höher. Ich zischte bei seinen Worten. Alles in mir schrie nach mehr von ihm. Ich. Wollte. Ihn.
Aber ich durfte nicht. Doch in diesem Moment war alles vergessen. Ich wollte harten, guten Sex mit ihm. Ich wollte, dass er mich solange vögelte, bis ich nicht mal mehr laufen konnte.

Gott, dieser Bastard war so heiß.

«Fass…mich nicht…an», war mein jämmerlicher Versuch, meinen Stolz zu wahren und mich von ihm zu entfernen. Er lachte wieder leise und seine Hand fuhr noch ein Stück höher, als er mein Ohrläppchen zwischen seine Zähne nahm und begann daran zu knabbern. Scheiße. Ich konnte nicht mehr.
«Isabella, ich kann dich von einem Orgasmus in den nächsten ficken. Willst du dir das wirklich entgehen lassen, weil wir uns hassen? Leidenschaftlicher Hass und grenzenlose Wut auf mich, würden das Gefühl, das mein Schwanz in dir auslöst, sicherlich verstärken. Ich denke, dass wir beide uns gut ergänzen würden, zumindest was den Sex angeht.» Und wieder rückte seine Hand höher, war nur noch eine kleine Bewegung von meiner pulsierenden Mitte entfernt. Ich atmete schneller und meine Augenlider schlossen sich, als ich meine Hand in seinen Unterarm krallte.
«Du willst es», flüsterte er mir beinahe hypnotisch zu. Seine Aussage war zu hundert Prozent eine Feststellung.
Ich warf den Kopf in den Nacken und dankte Gott oder wem auch immer im Stillen dafür, dass er uns heute zu den hintersten Plätzen gelotst hatte.

«Ich bin mir sicher, dass wir beide heute Abend eine Menge Spaß miteinander haben werden.»

Das war es.

Tanya. Die Wette. Freitagabend. Scheiße.

Meine Lider flogen auf und ich rückte hastig meinen Stuhl von ihm weg. Er sah mich mit seinen grünen Augen an, die mich verrückt machten. Ich atmete schwer, versuchte nicht auf seine leicht befeuchteten Lippen zu achten und die Tatsache zu vergessen, dass er eben kurz davor war, mich hier vor allen Leuten mit seinen Fingern zu beglücken.
Ich spürte, wie die Wut in mir aufbrodelte. Wut auf ihn. Und die Wut auf mich. Dieses dumme Arschloch schaffte es immer wieder. Ich hatte das Bedürfnis, ihm das Genick zu brechen, in seine Weichteile zu treten und ihm zum krönenden Abschluss in sein lebloses Gesicht zu spucken.
Amüsiert grinsend sah er mich an und zog eine Braue in die Höhe.

«Ich werde nicht mit dir ausgehen, Cullen», sagte ich mit fester Stimme und versuchte ihn in die Irre zu führen.
«Natürlich wirst du das. Du hast die Wette verloren, Darling» , entgegnete er locker.
«Und warum habe ich verloren? Weil du Tanya manipuliert hast. Was du gemacht hast, war nicht fair.» Ich verschränkte trotzig die Arme vor der Brust und sah nach vorne.
«Isabella, ich habe nie gesagt, dass ich mit fairen Mitteln kämpfen werde. Ich hatte dich gewarnt, du solltest dich nicht mit mir anlegen», meinte er leise und sah nun auch nach vorne.
«Ach ja, genau. Wie konnte ich nur vergessen, dass du ein verlogenes, aufgeblasenes, widerliches Arschloch bist? Wie dumm von mir.»
«Tja, sieht aus, als würde genau das dich mächtig anmachen.» Ich hörte das Grinsen aus seiner Stimme heraus.
«Bilde dir nichts darauf ein, dass mein Körper auf dich abfährt. Ich hasse dich, Cullen.»
«Danke, dass du es wiederholst. Ich hätte es beinahe vergessen, da du es ja so selten sagst.»
«Ich kann es eben nicht oft genug los werden. Ich hasse dich. Ich hasse dich. Ich hasse dich. Alles an dir.»
«Außer meinem Schwanz.»
«Leck mich, Arschloch», sagte ich genervt.
«Mit Vergnügen.» Schon wieder grinste er. Ich wurde unglaublich wütend. «Ich hole dich um acht Uhr ab. Und keine Unterwäsche. Halte dich dran.»
«Ich gehe nicht mit dir aus, solange Tanya in dem Glauben ist, dass du es ernst mit ihr meinst. Und ich hoffe mein Lieber, du stehst auf dicke Baumwollunterwäsche.»

Er verzog sein Gesicht, was mich grinsen ließ.
«Kein Date, solange du mit Tanya zusammen bist», wiederholte ich mit fester Stimme.
«Warte. Du willst dass ich Schluss mache?» Er zog fragend eine Braue in die Höhe.
«Oh Baby, du bist so unglaublich intelligent. Freut mich, dass du auch endlich drauf gekommen bist»,enwiderte ich trocken. Cullen zog verärgert seine Brauen zusammen, seine Augen blitzten.

Dieser Punkt ging dann wohl an mich.

«Nicht schlecht, Swan», sagte er leise. «Keine Unterwäsche. Das Date findet dort statt, wo ich will. Und du wirst dich nicht beschweren. Immerhin muss ich einen guten Fick abblitzen lassen für dich.»
«Normale Unterwäsche. Du wirst mich nicht anfassen. Und ich darf sagen, was ich denke. Immerhin bist du der Ex meiner besten Freundin und…Oh ja stimmt, ich hasse dich.»
«Spitzenunterwäsche und Rock. Mein letztes Angebot. Ich werde dich nicht anfassen. Nicht so, wie du denkst. Und du wirst mir nicht auf die Nerven gehen. Außerdem hasst du nicht mich, sondern die Reaktionen, die dein Körper zulässt, sobald ich in deiner Nähe bin.»
«Abgemacht. Spitzenunterwäsche und Rock. Wir werden uns nicht auf die Nerven gehen. Nur an diesem Abend nicht und dann darf ich dich wieder so sehr hassen, wie ich will.»
«Abgemacht», sagte er mit seinem Cullen-Grinsen und reichte mir die Hand. Ich musterte ihn eine Weile skeptisch, ergriff sie dann jedoch vorsichtig, um sie kurz zu schütteln. Zu lange hätte ich es nicht ausgehalten.

«Keine faulen Tricks, Cullen», ermahnte ich ihn und er grinste nur noch breiter.


Am Nachmittag lief ich schnurstracks nach Hause. Ich hatte ein verdammtes Date mit Edward fucking Cullen. Natürlich war ich nicht dumm. Ich würde erst mit ihm ausgehen, wenn ich zu hundert Prozent wusste, dass er sich von Tanya getrennt hatte. Auch wenn ich scharf auf ihn war, solange er mit einer meiner besten Freundinnen irgendwie <zusammen> war, würde ich ihn nicht anrühren. Ich war doch nicht so dumm und schaufelte mir mein eigenes Grab. Ich hatte Prinzipien und an die hielt ich mich. Eine davon war, dass ich keine Männer datete, die eine feste Freundin hatten. Also hoffte ich, so übel es klingt, dass er mit ihr Schluss machte, auch wenn es ihr in diesem Moment weh tun würde. Ich seufzte.... wenn ich einen Abend meines Lebens für ihn verschwenden musste, damit Tanyas Schmetterlinge überleben konnten, dann tat ich es gerne. Nur leider sagte mein Gefühl mir, dass ein Abend mit Cullen schwerer werden würde, als gedacht. Aber ich musste da jetzt durch und ich würde es schaffen. Ich war Isabella Swan. Ich hatte schon schwerere Dinge durchmachen müssen, als einen Abend mit einem arroganten, hinterhältigen, gut aussehenden, sexy Bastard zu verbringen. Ich durfte ihn nur nicht zu lange ansehen. Oder zu tief einatmen, wenn er in meiner Nähe stand. Oder ihn berühren, oder auf seine Stimme achten. Oder seine Muskeln beobachten, die sich unter jeder Bewegung an-und wieder entspannten. Oder seine stechend grünen Augen beachten…Oder zufällig seine warme, weiche Haut streifen.

Oh Gott, Swan. Was hast du dir da angetan? Es wäre ein Klacks für dich. Sicher. Natürlich.

Als ich zu Hause ankam, war Dan noch immer nicht zu sehen. Ich fragte mich, wo er die letzten Tage hin flüchtete und ob es an mir lag. Immerhin verhielt er sich mir gegenüber schon länger merkwürdig.
Seufzend lief ich in mein Zimmer und öffnete den großen Kleiderschrank, der mit tausenden bunten Sachen gefüllt war. Mein Charakter spiegelte sich durch meine Kleidung perfekt wieder. Ausgefallen. Auffällig. Ausgeflippt. Bella.
Zwei Stunden lang, warf ich die verschiedenen Stoffstücke durch das Zimmer, bis es aussah wie ein Schlachtfeld. Gerade als ich vollkommen verzweifelte, weil ich absolut keine Ahnung hatte, was ich tragen sollte, klingelte das Telefon und ich rannte stöhnend ins Wohnzimmer um abzunehmen.

«Hallo?», keuchte ich und lief zurück in mein Schlafzimmer.
«Und?», ertönte Rosalies Stimme am anderen Ende der Leitung. Ich klemmte das Telefon zwischen meine Schulter und mein Ohr und wühlte weiter durch die Berge an Kleidung.
«Er hat angebissen. Er wird Tanya verlassen, dafür muss ich heute mit ihm ausgehen», erzählte ich.
«Wusste ich es doch. Schwanzgesteuertes Arschloch würde sich so eine Chance doch nicht entgehen lassen. Immerhin hatte er dich noch nicht.»
«Rose, du musst dich heute unbedingt um Tanya kümmern. Ich weiß nicht, wie es ihr danach gehen wird. Wie ich Cullen kenne, wird er sie nochmal ficken und es ihr dann beim Gehen hinknallen und das nicht sonderlich schonend», sagte ich und warf ein lilanes Shirt in die Ecke.
«Klar. Was machst du denn da? Hast du Sex oder warum stöhnst du so?»
«Meinst du ich würde mit dir telefonieren, wenn ich gerade Sex hätte?», fragte ich augenverdrehend.
«Dazu sage ich jetzt nichts», meinte sie trocken. Stimmt. Ich erzählte Rose alles, im kleinsten Detail.
«Also? Was machst du?»
«Mir etwas zum Anziehen raussuchen?» Es klang eher wie eine Frage.
«Du machst dich für ihn hübsch?», wollte sie ungläubig wissen.

«Er besteht auf Spitzenunterwäsche und Rock.»
«Und du tust was er sagt?»
«Dafür macht er Schluss, Rose. Ich würde alles dafür tun, dass er Tanya endlich verlässt und aufhört ihr etwas vorzumachen.»
«Stimmt. Wirst du mit ihm schlafen?»
«Nein.»
«Nicht? Ich dachte du wärst so scharf auf ihn.»
«Aber ich hasse ihn.»
«Das bedeutet leidenschaftlicher, harter, heißer, hemmungsloser-»
«Hört auf damit!», unterbrach ich sie. Die Bilder in meinem Kopf begannen wieder wie eine Diaschau an mir vorbeizuziehen. Rose kicherte.
«Der weiße Sommerrock und die rote enganliegende Bluse. Rot steht dir.»
«Das sagst du nur, weil Rot deine Lieblingsfarbe ist.»
«Vertrau mir.»
«Tue ich.»
«Ruf mich nachher an. Egal wie viel Uhr es ist.»
«Jaaahaa….ich muss auflegen Rose. Wir haben schon-», ich sah auf die Uhr und meine Augen weiteten sich, «Gleich Sechs. Oh mein Gott. Ich muss noch duschen und-»
«Bis dann.» Sie legte auf.

Den Kopf schüttelnd, schnappte ich mir meinen Rock und die Bluse und lief ins Bad. Gerade als ich die Türe hinter mir schließen wollte, hörte ich Dans Stimme, wie er ein lautes «Hallo» in den Raum warf.
Ich schälte mich aus meiner Kleidung und erwiderte seine Begrüßung.
«Wo bist du?», schrie er.
«Dusche!» Ich stieg hinein und schloss den Duschvorhang. Das Wasser prasselte auf mich nieder und entspannte mich sofort.
«Gehst du heute noch weg?», hörte ich ihn rufen.
«Jaa… Wir reden gleich. Ich muss jetzt duschen!», erwiderte ich leicht genervt. Ich brauchte beim Duschen einfach meine Ruhe.
Nachdem Dans Stimme nicht mehr zu hören war, ließ ich meine Gedanken schweifen. Zu dumm, dass ich sofort das perfekte, makellose Bastard-Gesicht vor Augen hatte.
Ich sah seine lusterfüllten, verdunkelten Augen. Seine vollen, sinnlichen Lippen, die sich zu einem verschmitzten Grinsen verzogen. Ich spürte seine Hände, die mir über mein nacktes Bein strichen. Hörte seine Stimme, die mir zuflüsterte, was er mit mir vorhatte.

Und plötzlich wurden meine Hände zu seinen.

Ich hatte vor Augen, wie der Hörsaal sich leerte und nur noch wir beide da waren. Ich spürte, wie seine Hände über meinen Bauch strichen, wie seine Zunge über meinen Hals fuhr und er seine Zähne darin versenkte. Die Bilder in meinem Kopf spielten verrückt und ich konnte fühlen, wie erregt ich durch bloße Gedanken an ihn war.
Ich warf den Kopf in den Nacken und ließ das Wasser über mein Gesicht fließen, als ich meine rechte Hand langsam über meine Brust streichen ließ und die Knospe zwischen zwei meiner Finger drehte. In meiner Phantasie, war es seine Hand.  Meine Linke fuhr weiter hinab, über meinen Bauch. Mein Zeigefinger kreiste um meinen Bauchnabel und ich stöhnte, als ich mir vorstellte, wie er seine Zunge darin versenkte. Ich atmete tief durch und hätte schwören können, dass sein Geruch durch die Dusche schwirrte.

Meine Finger glitten zu meinem Lustpunkt und ich stöhnte laut. Sehr laut. Ich begann, ihn in kleinen Kreisen zu massieren. Ich stellte mir vor, wie seine Zunge darum wirbelte und er zeitgleich meine Brüste mit seinen Händen verwöhnte.  Meine Bewegungen beschleunigten sich und Cullen-Arschloch tauchte vor meinem inneren Augen, zwei Finger in mich ein. Ich lehnte meinen Rücken gegen die Duschwand, ließ das Wasser über meinen Körper prasseln und spürte, wie der Druck sich in mir aufbaute.
Schwer atmend, ließ ich meinen Daumen über meinen empfindlichsten Punkt kreisen und stieß meine Finger immer schneller in mich. Cullen biss leicht in meine Mitte und das war es.
Mit einem lauten Keuchen, erzitterte ich am ganzen Körper und der Orgasmus überrollte mich.
Das Bild von Cullen verschwamm, begann langsam zu verschwinden. Mein Herz klopfte bis zum Hals und ich öffnete langsam die Augen.
Dann wurde mir nach und nach bewusst, was ich da gerade getan hatte.

Heilige Scheiße.

Edward Cullen brachte mich dazu, mich selbst zu befriedigen. Wie weit war ich gesunken? Nicht, dass ich das nicht schon viel öfter gemacht hätte, aber das war früher, als ich noch 14 oder 15 war. Hölle, jetzt war ich 21 und konnte Sex haben, wann immer ich wollte.
Und da stand ich nun. Nackt. In einer gottverdammten Dusche. Und stellte mir vor, wie Cullen mich leckte und fingerte. Was war das hier für eine Scheiße? Ich konnte nicht mal das verdammt befriedigende Gefühl nach dem Orgasmus  genießen. Das darf doch nicht wahr sein, er zerstörte mir meinen Höhepunkt. Verfluchtes Arschloch.

Herzlichen Glückwunsch, Swan. Du hast soeben deinen Tiefpunkt erreicht. Masturbierst auf Edward Cullen, den Menschen, den du abgrundtief hasst.

Ich stieg mit noch immer zittrigen Beinen aus der Dusche, versuchte möglichst wenig über meinen Abstieg nachzudenken und zog mich an. Ich trug rote Spitzenunterwäsche, meinen weißen Leinenrock und die rote enge Satinbluse. Natürlich ließ ich die ersten zwei Knöpfe auf. Immerhin war ich eine Frau, richtig? Und Frauen durften ja wohl zeigen, was sie hatten. Gerade dieser Mistkerl sollte sehen, was er niemals haben würde.
Nachdem ich meine Haare geföhnt und geglättet hatte, schminkte ich mich leicht und trat dann aus dem Badezimmer hinaus.
Ich fand Dan in der Küche, mit dem Rücken zu mir. Er hantierte konzentriert an etwas herum, hatte mich aber anscheinend trotzdem bemerkt, denn er fing ohne mich anzusehen an, zu sprechen.
«Na endlich. Was hast du denn so lange unter der Dusche gemacht?»

Ich hatte Sex.

«Uhm,….nichts…geduscht eben..», murmelte ich und schlüpfte in meine Schuhe.
«Wie auch immer. Tanya hat angerufen. Sie klang gar nicht gut. Ziemlich verheult, wenn du mich fragst und sie meinte, du sollst sie zurückrufen wenn du Zeit hast», erzählte er. Dieser schwanzgesteuerte Bock hatte es also wirklich getan. Erleichterung durchflutete mich, okay. Es war beschissen, dass es Tanya jetzt mies ging, aber auf Dauer gesehen einfach das einzig Richtige. Jetzt musste ich nur noch den Abend hinter mich bringen und alles würde gut werden.

«Ich werde sie morgen zurückrufen», sagte ich. «Wo gehst du eigentlich-», begann Dan, während er sich umdrehte und mich mit geweiteten Augen musterte. Anscheinend hatte ihm mein Anblick die Sprache verschlagen. Jetzt denkt bitte nicht, dass ich eingebildet wäre. Es war nur so, dass ich meistens ziemlich ausgeflippt herum lief. Und heute trug ich schlichte, elegante Kleidung und hohe Hacken. Das passierte nicht oft. Eigentlich nie. Und meine Haare standen normalerweise lockig, im Sexlook, in alle Richtungen ab. Es war das erste Mal seit langem, dass ich es geschafft hatte, sie zu bändigen.

«Bella, wow. Du siehst…unglaublich aus», meinte er nach einer Weile. Ich lächelte.
«Danke.»
«Und…Wo gehst du hin?»
«Ich … uhm…Habe so etwas wie ein Date», murmelte ich und packte mein Handy und meine Geldbörse in meine weiße Handtasche.
«Ein Date? Du meinst du ziehst los und suchst dir jemanden zum Vögeln?», fragte er und ich meinte seine Stimme klang bitter. Mein Kopf ruckte in seine Richtung und ich musterte ihn mit gerunzelter Stirn.
«Nein…Eigentlich-»

Ich wurde von einer lauten Hupe unterbrochen. Dan und ich sahen gleichzeitig aus dem Fenster und da war er.
Gut aussehender, charmanter, arroganter, egoistischer, heißer, verhasster […] Edward Cullen, stand unten und lehnte sich mit verschränkten Armen an ein Motorrad. Er trug seine Lederjacke und sah schmunzelnd hinauf zu unserem Fenster. Ich trat zurück und zog den Vorhang zu. Scheiße. Fuck off. Go to hell.

Dan sah mich an. Eine Mischung aus Wut und Unglauben spiegelten sich in seinem Gesicht wieder.
«Dan…ich..ich erkläre es dir später», sagte ich und lief zur Türe.  
«Brauchst du nicht. Ich habe schon verstanden», erwiderte er kalt.

Ich wollte etwas darauf sagen, doch wieder ertönte die Hupe und nach einem letzten entschuldigenden Blick in Dans Richtung, öffnete ich die Türe und lief nach unten.
Der Abend mit Cullen-fick-mich-hart-und-besorgs-mir-in- meiner-Phantasie-mit-der-Zunge begann.

Alea iacta Est - die Würfel sind gefallen



********






Chrissi und ich stehen auf ihn. Hölle ja, er ist verdammt heiß!

Wir haben uns seeeehr über die Reviews gefreut. Und hoffen natürlich wieder auf ein paar..



Bis zum Date...
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