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von Mitzchen    erstellt: 19.01.2010    letztes Update: 28.04.2010    Geschichte, Mystery / P16    (abgebrochen)
Evie´s Sicht

Ich bin mir nicht sicher, wie lange wir schon hiersitzen, aber Ann  hat sich relativ schnell beruhigt. Naja, wenn man es beruhigt nennen kann. Sie sitzt da und blättert abwesend durch das Buch, während sie sich immer wieder die aufkommenden Tränen aus den Augen wischt.
Ich glaube wir sitzen seit ca. 15 Minuten hier unten. Sie muss mit Piscary reden, vielleicht ist es gar nicht so. Ich mein es könnte ja sein, dass wir das alles falsch verstehen. Noch 45 Minuten dann ist die Konferenz vorbei. Also bereite ich sie schon einmal langsam darauf vor, dass ich sie dahin schleppen würde, hoffentlich kommt nicht gleich ihr sturer Charakter durch. Ich seufzte, also auf ins Gefecht.
„Lucie. Ich denke du solltest mit deinem Dad reden“, leise sprach ich diese Worte aus, damit sie sich nicht erschreckte.

Ann`s Sicht

Trotz dem Lynn leise sprach, schreckte ich aus meinen Gedanken hoch. Mit ihm reden?  Ich bin mir momentan nicht einmal sicher, ob ich ihm überhaupt in die Augen gucken kann. Hybrid. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Aber was war ich? Ich bin ein Vampir, also zumindest zur Hälfte, aber was war dann die Andere Hälfte, die mich zu dem machte, was ich war. Ich denke Lynn glaubt, dass wir das falsch verstehen.  
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich will.“ Ich schaute traurig auf und  schloss das Buch, um es in meine Tasche zu packen.
„Du weißt, dass wenn du es jetzt nicht tust, du es auf ewig aufschieben wirst. Ich meine ich kann solche Probleme nicht bekommen. Meine Eltern sind schließlich damals bei einem Unfall umgekommen, außerdem hast du bis jetzt alles ganz gut aufgenommen“, seufzend nahm sie unsere Taschen und stand auf.
„Ganz gut ist wohl etwas übertrieben, aber lieber die Wahrheit, als eine Lüge, oder?“  Ich ging ihr nach und hörte wie sie die Tür leise öffnete. Einer der Vorteile, wenn man ein Vampir war, ist das man sich so leise machen konnte, wie man wollte, außer natürlich gegen andere Vamps war man nicht gewappnet, da hieß es dann man solle die Fäuste sprechen lassen.
„Jau. Lieber so. Also dein Dad kommt in einer halben Stunde, willst du noch Ivy anrufen?“, fragend schaute sie aus der geöffneten Tür zu mir.
„Gib mir 5 Minuten.“ Ich zog mein Handy aus der Tasche und ging in die Kurzwahlliste. Ivy war die 3, genau unter Evie und meinem Dad. Ich hörte wie mein Handy wählte und kurz darauf den Frei-Ton.
„Hey, meine Cousine. Schön das du dich auch mal wieder niederlässt und mich anrufst.“ Sie sprach mit ihrer ruhigen Stimme, aber ich hörte trotzdem den leisen Vorwurf darin.
„Ja, ich weiß und es tut mir auch leid, aber ich brauch deine Hilfe. Kannst du in einer halben Stunde zu Piscary`s, so nannte sich Dad´s Restaurant, kommen?“, bittend und leise sprach ich diese Worte aus. Ivy wusste, dass ich selten um etwas bat, da ich die Sachen eigentlich lieber selbst in die Hand nahm, zumindest wenn es sich um mich persönlich drehte.
„Hey, Kleine natürlich in 20 Minuten vor dem Eingang, aber Kisten würde mitkommen, weil er mal wieder meine Nerven strapaziert.“ Ich hörte ein empörtes „Hey!“ im Hintergrund und musste unwillkürlich grinsen. Kisten war auch ein lebender Vampir, den Dad als sein Nachkomme wollte, damit er sein Firmen später einmal übernehmen konnte. Ich hatte es abgelehnt. Er ist mit uns aufgewachsen, hatte es mit Ivy versucht, was in einer sehr, sehr gestressten Ivy endete und seitdem sind wir alle unzertrennlich. Warum nannten mich eigentlich alle „Kleine“?
„Danke“, seufzend, aber ehrlich dankbar, legte ich auf.

Lynn stand bereits an meinem Jaguar. Ich liebte dieses Auto. Sie wartete um endlich einsteigen zu können. Sie fuhr nicht gerne, weil, wie sie sagte, es einfach nur viel zu teuer und anstrengend war. Sie hatte zwar, genau wie ich, ihren Führerschein mit 16 gemacht, besaß ihn aber schon ein Jahr länger als ich. Sie war 19 und ich hatte vor 2 Monaten meinen 18. Geburtstag groß gefeiert.
Es störte mich nicht zu fahren, liebte es doch mir den Wind ins Gesicht wehen zu lassen. Ich öffnete, stieg ein, überprüfte kurz alles und ließ, nachdem auch Lynn eingestiegen war, den Motor aufheulen.

Ca. 18 Minuten später hielt mein Auto auf dem reservierten Parkplatz für Familienmitglieder. Sofort stachen mir die Bikes von Kisten und Ivy ins Auge und seufzte zufrieden. Ich musste nicht warten.
Es war noch nichts los, begannen doch die normalen Öffnungszeiten erst um 0:00 Uhr, damit Dad auch ja immer anwesend war, oder zumindest Kisten. Gott sei Dank.
„Es ist jetzt 22:44. Lange hast du nicht mehr um Ivy einzuweihen, du weißt doch dein Dad ist immer überpünktlich.“ Lynn schob mich Richtung Eingang, während Ivy uns schon aus dem Fenster heraus misstrauisch beobachtete.
Ich öffnete die Tür und begrüßte Rick, den Oberkellner, der früher immer um mich gekümmert hatte, wenn mein Dad in der Küche voll beschäftigt war.
„Hey, Kleines. Ivy sitzt am Stammtisch.“ Er wuschelte mir kurz durch die Haare, was ich knurrend über mich ergehen ließ. Wir gingen ins obere Stockwerk, zu unserem Stammtisch am Fenster, von dort aus konnte man den Ohio sehen. Als wir oben ankamen, zog Lynn Kisten als erstes, unter Protest, wieder nach unten. Sie wusste, es war besser, wenn ich das alleine machte. Das war nun wirklich Familienangelegenheit.
„Also raus mit der Sprache! Rausreden ist nicht drin.“ Ivy sah mich mit ihrem durchdringenden Blick an.
„Warum wird Dad nicht verrückt?“
„Er trinkt doch regelmäßig genug Blut, oder nicht?“
„Er trinkt nicht viel mehr als ich Ivy und jetzt fang du nicht an dich rauszureden. Du weißt genau was los ist und ich will eine Erklärung!“ Ich zog das Buch aus meiner Tasche und ließ es auf den Tisch fallen, was diesen erzittern ließ.
„Du hast es also gefunden. Ich dachte er hätte es gut genug versteckt“, wissend, mit traurigem Ausdruck ihren Augen, sah sie zu mir und strich ehrfürchtig über den Einband.
Also war es wahr und Ivy wusste es, mich würde es nicht wundern, wenn Kisten und Rick auch eingeweiht waren, aber das tut nichts zur Sachlage dazu.
„Erzähl mir was ich bin, oder warum ich ein normales Leben führe“, bittend sah ich sie an.
„Es tut mir leid, aber ich werde und ich kann diesen Part nicht übernehmen. Das muss dein Vater mit dir klären.“
„Er ist aber mein richtiger Dad, ja?“
„Ja, natürlich sonst würdest du jetzt bestimmt nicht mehr unter und weilen.“
„Kisten! Hör auf zu lauschen! Du bist so ein Idiot. Los ab in die Küche und mach eine Pizza oder sowas!“  Es krachte kurz, Kisten jaulte auf und dann ging die Tür der Küche.

„Hallo, meine Mannschaft in einer Stunde geht’s los, also ein bisschen Bewegung möchte ich haben.“  Ich hatte nicht einmal sein Auto kommen hören, ich muss dringend wieder etwas Konzentration bekommen.
„Piscary! Schön das du hier bist, könntest du hoch Kommen, bitte?“ Geschockt schaute ich zu Ivy, wie gemein konnte man denn sein.  
„Ivy-Schatz und mein Kleiner Juwel ist auch hier, womit hab ich denn jetzt schon zu schönen Besuch verdient.“ Ich konnte das Grinsen regerecht sehen, während er die Treppen hochstieg. Er bleib abrupt auf dem Absatz stehen, als er das Buch auf dem Tisch liegen sah.
„Woher….“
„Es ist egal wie ich es gefunden habe, aber ich möchte eine Erklärung.“ Mein Blick sprach Bände. Er seufzte und kam auf uns zu.
„Da du ja anscheinend schon etwas weißt möchte ich, dass du mir erst einmal dein Wissen mitteilst und dann erzähle ich dir was du wissen willst.“ Er strich sanft über den Einband, seufzte traurig und sah mich an.
„Also ich weiß, dass ich anscheinend eine Hybride bin, du mein Blut zu Beruhigung um den Hals trägst und meine Art als Versuchskaninchen dient.“  Wow. So kurz und doch beschrieb es meine momentane Situation.
„Die ersten beiden Punkte stimmen, aber der letzte Punkt wurde vor 10 Jahren offiziell  verboten und alle übrigen Hybriden getötet. Wir liefen Gefahr, dass die restlichen deiner Art eine Revolution anzetteln würden.“ Er blätterte kurz durch das Buch und blieb bei der Seite stehen, die ich heute schon so oft gelesen hatte.
„Das heißt für mich, dass ich gar nicht mehr Leben dürfte und das wiederum heißt das, wenn man mich findet, ich getötet werde“, geschockt schaute ich ihn an.
„Ja im Großen und Ganzen heißt es das, aber du darfst das jetzt nicht falsch verstehen. Du wurdest normal zur Welt gebracht und hast bis zu deinem 3. Lebensjahr ein normales Leben geführt. Eine ärztliche Untersuchung hatte erst deine Andersartigkeit festgestellt…“  Seine Stimme wurde leiser, während er weiter sprach aber für mich und Ivy war es kein Problem ihm zu folgen. Er schien in Erinnerungen abzuschweifen.

-Rückblick-

„Ammon?“ Eine seidenweiche, ruhige Stimme wehte aus dem Kinderzimmer zu einem, an einem Schreibtisch arbeitenden Mann herüber.
„Was ist denn, Finja?“ Der Mann stand auf und ging in das Zimmer, wo zuvor die Stimme erklungen war.
„Unsere Kleine will mal wieder nicht einschlafen. Und immer wenn du von deinen Restaurantplänen anfängst schläft sie doch so schnell ein“, kichernd drückte die junge, blauäugige Brünette dem Mann ein kleines Mädchen in den Arm, welches ihren Vater aus großen Augen strahlend ansah.
„Bapa..“ glucksend zog das kleine Mädchen an der Krawatte ihres Vaters.
„Ann Lucie. Ein Name so schön wie ein Lied.“ Der Mann beobachtete seine Tochter, die auf diese Aussage hin fröhlich kicherte.
„Was glaubst du? Was meinte ihr Arzt gestern mit der Aussage „Sie ist anders, aber ich werde mich Morgen noch einmal melden“?“, misstrauisch sah sie ihrem Mann in die braunen Augen und strich ihrer Tochter sanft durch die kurzen braunen Locken.
„Ich denke es wird nichts allzu außergewöhnliches sein.“  Der blonde Mann beobachtete, wie sich seine Tochter an seine Brust kuschelte und ihr langsam die Augen zufielen.
„Sag mal Finja, wirst du mir je erzählen, welcher Rasse du angehörst?“  Ammon sah seine Frau bittend an.
„Ich hab es dir damals schon gesagt, dass du dass selbst herausfinden sollst.“ Gerade als das kleine Mädchen fast eingeschlafen war, schreckte sie hoch und sah misstrauisch und mit müden Augen zu Tür.
Ein lautes Klopfen ertönte, was die beiden Elternteile auf knurren ließ.
„Das gefällt mir nicht, Ammon.“ Misstrauisch, so wie sich noch mal umdrehend ging die zierliche Frau an die Tür und öffnete diese.

„Miss Piscary?“ 2 hochgewachsene Tiermenschen standen vor der geöffneten Tür und fixierten das Kind im Arm des Vaters.
„Ja. Wie kann ich ihnen helfen?“
„Wir wurden geschickt, um ihre Tochter zu holen, da sie beide einen Gesetzesverstoß begehen, wenn sie uns dieses Objekt verweigern.“
„Meine Tochter ist doch kein Versuchskaninchen. Also zeigen sie bitte etwas Respekt!“, knurrend tat Ammon einen Schritt vor, drückte seine Tochter aber  noch einmal fest an seine Brust.
„Es tut mir leid, aber sie haben keine Wahl und wenn sie dieses Kind nicht sofort freigeben, werden wir es uns mit Gewalt holen.“ Der größte der beiden Männer  tat einen bedrohlichen Schritt auf Finja zu und knurrte.
„Ammon, schaff die Kleine hier raus. Ich werde nach kommen. Bitte versprech mir, dass du gehst und das du sie beschützen wirst. Ich liebe dich.“ Mit diesen Worten stürzte sich die Brünette auf den Mann und warf ihn um, nur um gleich darauf ihren Fuß gegen die Hüfte des Anderen zu hauen.
„Aber…“
„Lauf! Schaff sie hier weg!“

-Rückblick Ende-

„Und ich lief, nahm den nächsten Flieger nach Cincinnati und seitdem bin ich hier.“ Er seufzte und richtete seinen Blick, der abgeschweift war, wieder auf mich.
„Du weißt also nicht ob meine Mutter noch lebt?“
„Nein, ich habe versucht sie zu finden, aber seit damals habe ich sie nicht finden können. Es tut mir leid, mein kleiner Engel.“
„Ist okay Dad. Ich hab dich lieb.“ Ich stand auf, gab ihm einen kurzen Kuss und verließ das Restaurant, stieg ins Auto und fuhr bis zum Strand, um meinen Verstand wieder frei zu kriegen und meine Gedanken zu ordnen.
Und so stand ich an mein Auto gelehnt da, beobachtete das Meer und wieder liefen Tränen meine Wangen hinab.
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