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von Terikel    erstellt: 18.01.2010    letztes Update: 18.01.2010    Geschichte, Romanze / P6    (fertiggestellt)
Sie hasste ihre Schwester und ihre Pläne. Nicht, dass sie etwas dagegen hatte, mehr Zeit mit Flori zu verbringen, wo sie sich doch nicht allzu oft sahen. Sie war sogar regelrecht entzückt von der Idee, bis morgen allein mit ihm zu sein. Aber sie hasste Überraschungen, vor allem welche, die sie in peinliche Situationen brachten. So wie diese hier.

„Was machst du denn schon hier, Dana?“ Mit diesen Worten hatte Flori sie begrüßt und zugleich verwirrt.

„Wie meinst du das?“ Schon hier? Es war früher Abend, und sie hätte eigentlich schon längst da sein müssen, hätten ihr die verschneiten Straßen nicht ein Kreuz durch die Rechnung gemacht. Er hob eine Augenbraue.

„Solltet ihr nicht erst morgen kommen?“ Erst morgen? Sie runzelte die Stirn.

„Ich war mir sicher, dass Lynn-“ Sie stockte, als die Erkenntnis sie traf. Auch Flori schien verstanden zu haben, denn er grinste.

„Lynn? Da hast du die Erklärung.“ Wie wahr. Nur ihre vermaledaite Schwester konnte auf die Idee kommen, ihre falsche Informationen unterzujubeln, um ihr Alleinzeit mit Flori auf zu zwingen. Sie seufzte. Da stand sie nun, beinahe knietief in dem frisch gefallenen Schnee, in jeder Hand ein Koffer, und haderte mit ihrem Schicksal. Im Gegensatz zu Flori, der ihr ungefragt die schweren Koffer abnahm und sie nach drinnen einlud.

Dana folgte ihm hinein in die so genannte 'Berghütte'. Berge gab es in Holland keine, nur Hügel. Aber Hügelhütte hörte sich einfach nur doof an, nicht wahr? Hier würde sie die nächsten zwei Wochen ihrer Weihnachtsferien verbringen, zusammen mit ihrer Schwester und ihren gemeinsamen Freunden.

Sie betraten das Wohnzimmer, und das erste, was ihr auffiel, war der Tannenbaum, der mitten im Raum lag, umgeben von unzähligen Schachteln, die Kugeln, Lichterketten und Lametta enthielten.

„Ich wollte ihn gerade aufstellen, als du gekommen bist. Aber darum kümmern wir uns später, ich zeig dir erst mal dein Zimmer“, meinte Flori und führte sie in ein kleines, aber liebevoll eingerichtetes Schlafzimmer, das neben einem Bett nur einen Kleiderschrank und einen alten Schreibtisch enthielt, auf dem sich Bücher stapelten. Einige Fotos zierten die Wände, aber Dana kannte die darauf abgebildeten Personen nicht. Vermutlich irgendwelche Familienangehörige Floris, dem die Hütte hier gehörte.

„Ich lass dich mal auspacken, während ich uns einen Tee koche. Du magst Minze, stimmt's?“ Sie nickte, verwundert und zugleich beeindruckt, dass er sich an so ein Detail erinnerte. Irgendwie süß.

Er verließ das Zimmer und sie machte sich seufzend ans Auspacken. Sie hasste es.

---

Als sie ein paar Minuten später ins Wohnzimmer zurückkehrte, fand sie Flori in dem frisch angefachten Kaminfeuer herum stochernd vor. Als er sie bemerkte, drehte er sich zu ihr um und deutete zu dem großen Sofa, das direkt vor dem Kamin stand.

„Setz' dich ruhig schon. Ich hol' den Tee.“ Er verschwand in der Küche und sie ließ sich wohlig seufzend in die weichen Tiefen der Couch sinken. Nach der langen Autofahrt hierher tat das richtig gut.

Flori kam zurück, ein Tablett mit Teekanne, Tassen und einem Teller mit Plätzchen balancierend. Er stellte alles auf den kleinen Tisch vor dem Sofa, goss das heiße Wasser in die Tassen und fügte die Teebeutel hinzu.

„Zucker?“ Sie schüttelte den Kopf und nahm vorsichtig die Tasse entgegen. Zufrieden schloss sie die Hände um das wärmende Porzellan.

„Ist dir kalt?“, fragte Flori, der sie aufmerksam über den Rand seiner Tasse hinweg anblickte. Sie schüttelte den Kopf.

„Ich habe nur kalte Hände.“ Er nickte, und sie tranken schweigend ihren Tee, beide in Gedanken versunken. Dana nutzte die Gelegenheit, um ihn aus den Augenwinkeln heraus unauffällig zu mustern. Es war ein knappes Jahr her, dass sie sich zuletzt gesehen hatten, und er sah noch genauso gut aus, wie sie ihn in Erinnerung hatte. Wenn nicht sogar besser, denn sein dunkles Haar war etwas länger als sonst und sie fand, dass ihm die Strubbelfrisur äußerst gut stand. Zudem passte sie hervorragend zu seinen verschmitzt funkelnden grünen Augen und dem schelmischen Lächeln, das so oft sein Gesicht zierte. So wie jetzt.

„Gefällt dir, was du siehst?“, fragte er neckisch und sie streckte ihm die Zunge raus. Um ihre Verlegenheit zu überspielen nahm sie einen großen Schluck Tee – und verbrannte sich prompt an dem heißen Gebräu. Fluchend setzte sie die Tasse nieder und blickte Flori böse an, der es gewagt hatte, über ihr Missgeschick zu grinsen.

„Kekse?“, fragte er unschuldig und hielt ihr den Teller hin. Grummelnd nahm sie einen – und biss sich beinahe die Zähne daran aus.

„Ich habe sie selber gemacht. Wie findest du sie?“, fragte er hoffnungsvoll und Dana brachte es nicht über sich, ihn zu enttäuschen.

„Hervorragend“, nuschelte sie und knabberte weiterhin tapfer an dem steinharten Plätzchen herum, während Flori sie glücklich anstrahlte.

---

Einige (wenige) Plätzchen später waren ihre Tassen leer und Flori schlug vor, dass sie sich nun dem Schmücken des Tannenbaumes widmen sollten. Dana stimmte sofort zu, erpicht darauf, den Horrorkeksen zu entkommen. Aber die Aufgabe, den Tannenbaum zu ihrer beiden Zufriedenheit zu schmücken, stellte sich als weitaus schwieriger heraus, als anfänglich gedacht.

Die Schwierigkeiten begannen schon bei der Wahl des Platzes. Während Flori der Meinung war, es sei das Beste, ihn mitten im Zimmer aufzustellen, so dass man ihn von allen Seiten bewundern konnte, wollte Dana ihn lieber in eine Ecke stellen, wo er weniger störte. Schließlich setzte sie sich durch, wenn auch nur mit der Begründung, dass die Kabel der Lichterketten einfach nicht lang genug waren, um den Baum in die Mitte des Raumes zu platzieren.

Die zweite Schwierigkeit war die Größe des Baumes. Mit seinen zweieinhalb Metern überragte er Flori um ein gutes Stück und wog dementsprechend viel, so dass sie es kaum schafften, ihn aufzurichten. Nur unter vollen Einsatz ihrer Kräfte gelang es ihnen dann doch.

Die nächste Unstimmigkeit kam dann auch schon mit der Wahl der Deko. Flori vertrat den Standpunkt 'Je mehr desto besser' und so schrill und kitschig wie möglich, und Dana stieß mit ihrer Predigt über 'Qualität geht über Quantität' bei ihm auf taube Ohren. Eine lange Diskussion entbrannte, bei der sie es zumindest schaffte, ihm zwei der sechs Lichterketten abzuschwatzen und ihn davon zu überzeugen, das ihr verhasste Lametta wegzulassen. Dafür ließ er sich bei der Wahl der Kugeln aber partout nicht rein reden und beharrte darauf, einfach alle an den Zweigen zu befestigen.

Schließlich fügte sich Dana seinem Willen, froh darüber, dass er wenigstens auf das Lametta verzichtete. Sie verlegten zuerst die Lichterketten und machten sich anschließend an die mühselige Arbeit, jede Kugel einzeln an den Zweigen des Baumes zu befestigen.

Als sie nach einer halben Ewigkeit endlich fertig waren, war der Tannenbaum vor lauter Kugeln fast nicht mehr zu erkennen und die Zweige neigten sich soweit nach unten, dass einige Kugeln schon den Boden berührten. Irgendwie tat Dana der Baum Leid. Flori anscheinend nicht, denn er lächelte glücklich, als er ihr beider Werk zufrieden betrachtete. Sie musste bei dem Anblick schmunzeln. Er freute sich wie ein Kind auf Weihnachten. Einfach niedlich. Er drehte sich zu ihr und strahlte sie an.

„Jetzt fehlt nur noch eines!“ Ihr Lächeln entgleiste etwas. Was denn noch? Hatten sie den Baum nicht schon genug gequält? Flori kramte in einer der im ganzen Zimmer verstreuten Schachteln und zog grinsend einen großen, goldenen Stern heraus.

„Die Spitze.“ Sie seufzte. Gerade, als sie gedacht hatte, es könnte nicht mehr schlimmer werden... kam er mit einem Küchenstuhl und stellte ihn vor den Weihnachtsbaum.

„Was hast du vor?“, fragte sie, obwohl die Antwort offensichtlich war. Wollte er sich unbedingt ein Bein brechen? Gerade, als er auf den wackligen Stuhl klettern wollte, packte sie ihn am Ärmel.

„Lass mich das machen. Du stabilisierst den Stuhl.“ Sie nahm ihm den Stern ab und kletterte umständlich auf das ihr nicht geheuere Möbelstück. Dann spürte sie seine warmen Hände auf ihren Hüften, als er sie anstatt des Stuhls festhielt. Sie blickte zu ihm hinab und er grinste sie frech an.

„Keine Sorge, ich lasse dich nicht fallen.“ Sie rollte mit den Augen und blickte wieder nach oben. Trotzdem fühlte sie sich schon viel sicherer, als sie sich nach vorne lehnte, um die Spitze des Tannenbaumes zu erreichen. Noch ein kleines Stück... Sie streckte sich und spürte, wie der Griff an ihrer Hüfte sich verstärkte. Schließlich schaffte sie es, den Stern an der Spitze zu befestigen, ohne vom Stuhl zu fallen, was sie etwas verwunderte. Aber das lag wohl an Flori, der sie noch immer festhielt. Sie blickte zu ihm hinab und runzelte die Stirn.

„Du kannst mich jetzt loslassen.“ Aber er grinste nur schelmisch und anstatt sie loszulassen, hob er sie problemlos vom Stuhl und stellte sie auf den Boden. Dana hatte sich instinktiv auf seinen Schultern abgestützt und sah ihn nun mit großen Augen an. Er hob kokett eine Augenbraue.

„Willst du das wirklich?“ Sie öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, aber es wollten keine Worte kommen. Allein der Blick, mit dem er sie bedachte, ließ ihre Knie erweichen, und als ob er das gewusst hätte, verstärkte sich sein Griff an ihrer Hüfte. Er zog sie sanft näher zu sich heran und sie ließ es mit sich geschehen. Ihr Herz raste wie wild, als er sich nach vorne beugte, ihr entgegen. Ihre Hände krallten sich in seine Schultern, und dann lächelte er dieses für ihn typische, unwiderstehliche Lächeln, das sie so sehr liebte.

Seine Lippen berührten die ihren und sie schloss die Augen, als ein wohliger Schauer ihr über den Rücken lief. Ihr Kopf war wie leer gefegt, nur das Gefühl seiner warmen Lippen auf den ihren zählte, dieser unvergessliche, süße Kuss, auf den sie insgeheim schon so lange gehofft hatte.

Schließlich lösten sie sich, atemlos. Sie blickten sich an und er grinste spitzbübisch, woraufhin sie eine Augenbraue hob.

„Will ich wissen, woran du gerade denkst?“, fragte sie verspielt misstrauisch. Er lächelte unschuldig, hob eine Hand und strich ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Ich frage mich nur, wieso ich das nicht schon viel früher gemacht habe.“ Das fragte sie sich auch. Aber sie war glücklich, dass es nun endlich passiert war. Weihnachten würde grandios werden, da war sie sich sicher. Trotz Kitschbaumes und Horrorkeksen. Sie grinste. Selbst ihr Traumprinz hatte halt seine Macken.

„Und woran denkst du?“, fragte er neugierig, als er ihr Grinsen sah, aber sie schüttelte nur den Kopf. Daraufhin zog er einen Schmollmund.

„Wenn diese Beziehung klappen soll, dürfen wir uns nichts verheimlichen“, meinte er gespielt ernst und Dana ging darauf ein, indem sie theatralisch seufzte.

„Na gut, wenn du es unbedingt wissen willst... Deine Plätzchen sind schrecklich.“ Er sah sie geschockt an und sie bekam schon ein schlechtes Gewissen, als er plötzlich zu lachen anfing. Verdutzt blickte sie ihn an und wartete, bis er sich einigermaßen beruhigt hatte. Er wischte sich eine Lachträne aus den Augen und grinste sie an.

„Dann will ich dir auch ein Geheimnis verraten... Ich weiß. Schließlich hab' ich sie selbst probiert.“ Ihr Schock verwandelte sich schnell in Entrüstung.

„Du gemeiner, hinterlistiger-“ Er unterbrach sie mit einem Kuss „-unwiderstehlicher Idiot.“ Er grinste schelmisch.

„Ich liebe dich auch.“
 
 
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