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Geschichte: Fanfiktion
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von Celebne
erstellt: 15.01.2010
letztes Update: 28.08.2010
Geschichte, Drama / P18
(fertiggestellt)
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Hauptpersonen: Faramir, Tawariel (OC), Elboron u.a.
Genre: Drama/Romanze
Rating: Vorerst FSK 12 (kann sich später evtl. erhöhen)
Disclaimer: Alle Personen und Orte meiner Geschichte gehören Prof. Tolkien, Tolkien Enterprises und New Line Cinema. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld, sondern schreibe aus Spaß an der Freude.
Cover: Siehe mein Profil
Inhalt: Nachdem Éowyn bei einem Reitunfall ums Leben gekommen ist, kann Faramir kaum seine Trauer bewältigen. Nach einem weiteren Unfall eines Familienmitgliedes lernt der trauernde Fürst die junge, burschikose Tawariel kennen, die von der alten Heilerin Ioreth nach Ithilien geschickt wurde, um dort das Haus der Heilung zu unterstützen...
Prolog
Fassungslos stand Faramir vor der Marmorgruft in den Gärten des Fürstenhauses. Vor einigen Stunden hatte sich die schwere, weiße Platte für immer auf Éowyns Sarkophag gesenkt. Nun würde sie für alle Ewigkeiten in dem wunderschönen, ruhigen Park auf den sanften Hügeln der Emyn Arnen ruhen. So hatte sie es sich auf dem Sterbebett gewünscht. Sie wollte nicht in dem dunklen Haus der Truchsessen in Rath Dinen ruhen.
Das lustige Zwitschern der Vögel in den Zypressen klang fast wie Hohn in Faramirs Ohren. Er wusste nicht, wie er ohne Éowyn weiterleben sollte. Nie und nimmer hatte der Fürst von Ithilien damit gerechnet, dass seine geliebte Gemahlin so früh von ihm scheiden würde. Er kniete vor der Marmorplatte nieder und fuhr sanft mit seinen Fingern über die eingravierten Buchstaben und dem Pferdekopf – das Wappen Rohans.
„Éowyn, warum hast du mich verlassen?“, kam es seufzend über seine Lippen und erneut rannen Tränen über seine Wangen.
„Faramir.“ Die Stimme des Königs klang leise und tröstend.
Langsam hob dieser den Kopf und drehte sich zu Aragorn um. Er hatte nicht gemerkt, dass der Herrscher Gondors zurück in die Gärten gekommen war.
„Dein Sohn macht sich Sorgen um dich“, sagte Aragorn vorsichtig. „Er braucht dich jetzt dringender als je zuvor. Elboron hat seine Mutter verloren.“
„Ich weiß, dass ich schon viel zu lange hier bin – hier bei ihr“, murmelte Faramir schuldbewusst und wischte sich über die tränennassen Augen.
„Faramir, du bist nur noch ein Schatten“, mahnte der König besorgt seinen treuen Freund. „Du hast tagelang die Totenwache gehalten und kaum etwas zu dir genommen. Es hilft deinem Sohn nicht, wenn du dich zugrunderichtest. Éowyn würde das nicht wollen.“
Der Fürst nickte gehorsam und erhob sich mit einem tiefen Seufzer. Aragorn legte freundschaftlich seinen Arm um die Schultern des rothaarigen Mannes und zog diesen langsam von der Gruft fort.
Kapitel 1: Der Traum und eine Reisende
Die junge Tawariel begutachtete mit kritischem Blick das Gedeihen ihrer Heilkräuter in dem großen Garten. Dazu ging sie in die Hocke. Der Fenchel gedieh gut, dagegen ließen Baldrian, Arnika und Blutwurz zu wünschen übrig.
Es sind eben doch keine Pflanzen, die man so einfach hier oben im sechsten Ring der Stadt anbauen kann, dachte die Heilerin bedrückt.
Mit einer geschmeidigen Bewegung erhob sich Tawariel wieder und strich ihre Arbeitsschürze glatt, welche genauso grau wie ihr Gewand war. Sie blinzelte kurz in die warme Spätfrühlingssonne und zog dann das Kopftuch über ihr kurzgeschnittenes, dunkelbraunes Haar. Alle Heilerinnen trugen ihre Haare so kurz, da diese unter Kopftüchern verborgen sein mussten. Tawariel hatte einst um ihre lange Haarpracht getrauert, als sie zu den Heilern kam, aber inzwischen bereute das junge, wissbegierige Mädchen dies nicht mehr.
Als Tawariel forschen Schrittes die kühle Säulenhalle betrat, welche direkt zu den Heilungsgebäuden führte, hörte sie aufgeregte Stimmen. Sie fragte sich, ob etwas passiert war. Als sie zu der Menschentraube gelangte, die im Innenhof der Gebäude am Brunnen stand, hörte sie Daeron, den Heiler aus Ithilien, reden.
„Ich konnte nichts mehr für die Fürstin tun“, sagte er bedauernd. „Sie hatte sich bei dem Sturz vom Pferd solch schlimme, innere Verletzungen zugezogen, dass wir ihr nur das Sterben erleichtern konnten.“
Tawariel schluckte heftig, als sie das hörte. Sie kannte Frau Éowyn zwar nur vom Sehen, aber sie hatte soviel Gutes von ihr und von Herrn Faramir gehört, dass sie in das Wehklagen um die Fürstin mit einstimmte.
***
Faramir saß mit trockenen, geröteten Augen vor dem offenen Kamin und starrte in das offene Feuer. Sein Blick wirkte leer, während seine Gedanken in weiter Ferne weilten. Der Polsterstuhl neben ihm, auf welchem Éowyn immer gesessen hatte, war leer.
Vorsichtig betrat Rhivad, der treue Kammerdiener des Fürsten, das große, gemütliche Kaminzimmer.
„Kann ich noch etwas für Euch tun, Herr?“, fragte er demütig.
„Danke, Rhivad, du kannst zu Bett gehen“, erwiderte Faramir so freundlich wie er nur konnte.
Rhivad blieb zögernd stehen. Er hatte in letzter Zeit oft erlebt, dass der Fürst nicht zum Schlafen in seine Gemächer ging, sondern unten vor dem Kamin einfach sitzen blieb, bis ihn die Müdigkeit übermannte. Überhaupt ließ Faramir sich seit dem Tod seiner Gemahlin sehr gehen. Sein rotes Haar hing ungewaschen den Rücken herab und sein ungepflegter Bart wucherte wild über das Kinn.
„Herr, wenn ich noch etwas sagen darf“, begann Rhivad plötzlich verlegen. „Es würde mich beruhigen, wenn Ihr auch zu Bett gehen würdet.“
Faramir lächelte müde, aber schließlich gab er dem Wunsch des treuen Dieners nach. Er erhob sich langsam und verließ dann tatsächlich das Kaminzimmer. Rhivad atmete erleichtert auf und brachte das Feuer im Kamin zum Erlischen.
Faramir ging mit schweren Schritten die Treppe hinauf. Sein Körper schmerzte beim Gehen. Ihm graute davor, das Gemach zu betreten, in welchem er so viele glückliche Nächte in den letzten zehn Jahren mit Éowyn verbracht hatte. Oben kam gerade die Amme aus Elborons Schlafgemach und lächelte Faramir zu.
„Euer Sohn schläft friedlich, Herr.“
„Schön“, erwiderte der Fürst unfreundlicher, als er beabsichtigt hatte.
Er öffnete die Tür zum fürstlichen Schlafgemach und holte tief Luft. Eine Öllampe beleuchtete den Raum schwach. Faramir warf einen traurigen Blick auf das breite Bett und er legte sich vollständig angekleidet darauf. Es dauerte lange, bis er endlich Schlaf fand. Doch dann wurde er von einem beunruhigenden Traum heimgesucht.
Faramir ging über eine blumenbedeckte Wiese. In der Ferne spazierte Éowyn in einem weißen Kleid. Sie winkte ihm zu. Erfreut lief Faramir zu ihr hin, doch als er näher kam, sah er, dass Éowyn auf der andere Seite eines breiten Baches stand. Gerade als Faramir versuchen wollte, in den Bach zu springen, warnte ihn Éowyn.
„Tu das nicht, Faramir. Versuche nicht, mir zu folgen. Ich muss diesen Weg alleine gehen. Deine Zeit ist noch nicht gekommen.“
„Aber ich kann ohne dich nicht leben“, sagte Faramir betrübt.
„Doch du kannst“, widersprach die Fürstin energisch. „Sieh dich um, Faramir“
Als Faramir sich umdrehte, erkannte er Elboron, der traurig in seiner Nähe stand, und nach seinem Vater rief. Etwas weiter weg konnte Faramir seine Verwandten aus Dol Amroth sehen, die mit besorgten Mienen zu ihm hinsahen. Außerdem entdeckte er das Königspaar, welches ihm warnende Worte zurief. Doch Faramir konnte die Worte nicht verstehen. Ganz in der Ferne, eingehüllt vom Nebel der Zukunft, stand eine graue Gestalt.
Faramir aber wollte mit Éowyn weitersprechen und wandte sich wieder um. Die Fürstin war jetzt jedoch verschwunden. Der Blumenstrauß, den sie gehalten hatte, schwamm verwelkt im Bach.
„Éowyn!“, brüllte Faramir schmerzvoll. „Bleib hier! Ich brauche dich doch!“
Schließlich sprang er in den Bach und das eiskalte Wasser klatschte über seinem Haupt zusammen. Er spürte, wie ihm die Luft wegblieb und eine eiserne Faust seine Lungen umklammerte. War das der Tod? Würde er jetzt Éowyn wieder sehen?
Jemand rüttelte ihn unsanft und rief seinen Namen. Faramir öffnete verwirrt die Augen und sah in Elborons tränennasses Gesicht.
„Was ist los?“, fragte der Neunjährige bestürzt. „Du hast nach Mutter gerufen. Ich habe dich gehört. Hast du sie etwa gesehen?“
Faramir schüttelte den Kopf und setzte sich rasch im Bett auf. Er zog seinen Sohn zärtlich an sich und streichelte dessen blondes Haar.
„Nein, Elboron. Ich habe nur etwas geträumt. Im Traum geschehen of seltsame Dinge. Verzeih, dass ich dich dadurch geweckt habe.“
„Darf ich bei dir schlafen?“, fragte das Kind verängstigt.
Faramir lächelte und nickte.
***
Tawariel rieb seufzend ihren Rücken. Wieder einmal hatte sie den ganzen Vormittag damit verbracht, ihre Heilkräuter im Garten zu hegen. Es half nichts. Sie musste es endlich einsehen, dass es vergebens war. Der Boden hier oben war nicht fruchtbar. Inzwischen war es Herbst geworden und Tawariel hatte den ganzen Sommer über ihre Energie – wie sie selbst sagte – vergeudet, um ein paar Pflanzen am Leben zu erhalten, die ihr die Mühe nicht dankten. Enttäuscht schulterte sie ihre Harke und verließ den Garten. Als sie die Säulenhalle betrat, begegnete ihr die alte Ioreth. Das gütige Gesicht der Greisin war von unzähligen Runzeln und Falten gezeichnet. Niemand wusste, wie alt die erfahrene Heilerin tatsächlich war, aber den Gerüchten zufolge hatte sie längst ihren hundertsten Geburtstag gefeiert.
„Tawariel, ich möchte mit dir sprechen“, sagte Ioreth freundlich zu der jungen Frau. „Komm mit in meine Kammer.“
Erstaunt folgte Tawariel der Greisin in ihr kleines, privates Gemach. Dort war die junge Heilerin noch nie gewesen. Der Raum war erstaunlich schlicht eingerichtet. Es gab ein schmales Bett und einen Stuhl. In einer Ecke stand eine große Truhe und darüber befand sich ein kleines Regal mit verschiedenen Kräutertinkturen. Tawariel sah sich verwundert um.
„Du siehst etwas verblüfft aus, Tawariel“, bemerkte Ioreth lächelnd.
„Ich habe mir Euere Kammer größer und schöner vorgestellt“, gab die Heilerin offen zu.
„Dazu besteht kein Grund“, erwiderte Ioreth gelassen. „Wir Heiler sind alle gleich. Es gibt bei uns niemanden, der irgendwelche Vorzüge genießt. Das solltest du eigentlich wissen, Tawariel.“
„Aber Ihr habt soviel geleistet für Gondor“, rief die junge Frau erstaunt aus. „Jeder von uns würde Verständnis dafür haben, wenn Ihr Euch ein bisschen Luxus gönnt.“
„Ich brauche das nicht“, erklärte Ioreth sanft. „Ich würde mich nicht wohl fühlen, wenn ich mehr besäße als ihr anderen.“
Sie lud Tawariel ein, Platz zu nehmen. Die junge Frau setzte sich auf den Stuhl, während Ioreth sich auf das Bett setzte.
„Es gibt einen Grund, warum ich dich hierher gebeten habe, Tawariel“, sagte die alte Frau nachdenklich. „Ich möchte, dass du nach Ithilien gehst. Daeron ist nicht mehr der Jüngste und so langsam wächst ihm die Arbeit in den immer größer werdenden Siedlungen über den Kopf. Und ich weiß ja, dass du Kräuter über alles liebst. Ithilien ist der größte Kräutergarten Gondors. Du wirst dich dort bestimmt wohlfühlen.“
Tawariel war sprachlos. Sie hatte mit allem gerechnet, nur nicht, von Ioreth fortgeschickt zu werden. Sie liebte die Häuser der Heilung und die Weiße Stadt. Mit den anderen Heilerinnen kam sie gut zurecht, aber nun sollte sie ausgerechnet mit dem kauzigen Daeron zusammenarbeiten.
„Du sagst ja gar nichts, Tawariel“, meinte Ioreth erstaunt. „Freust du dich denn nicht auf den Garten Gondors?“
„Doch schon“, erwiderte die junge Frau zögernd. „Es kommt nur...so plötzlich. Ich wohne jetzt seit meinem vierzehnten Lebensjahr in diesen Häusern hier. Sie sind zu meiner Heimat geworden.“
„Du wirst dich bald in Ithilien eingewöhnen“, sagte Ioreth nachsichtig lächelnd. „Du wirst sehen.“
Tawariel verließ die Kammer der alten Heilerin mit hängendem Kopf. Plötzlich war dieser schöne Herbsttag für sie trüb und grau geworden. Sie wollte nicht weg aus Minas Tirith und schon gar nicht zu diesem seltsamen Menschen.
Doch schon nach ein paar Tagen kam ein junger Kräutermeister zu ihr und erklärte, das sie nun aufbrechen müsse. Traurig packte die Heilerin ihre wenigen Habseligkeiten zusammen und verabschiedete sich von den anderen Frauen. Ioreth wünschte ihr noch einmal viel Glück in Ithilien und Tawariel bedankte sich artig bei ihr, obwohl es ihr innerlich das Herz zerriss.
Daeron wohnte in dem Dorf Gurthanar, welches in der Nähe der Emyn Arnen lag. Tawariel wollte zu Fuß dorthin gehen. Sie wusste, dass der Weg weit war und sie die Strecke nicht an einem Tag schaffen würde. Während sie langsam die Straße zum fünften Festungsring hinunterging, wurde ihr nun immer klarer, dass sie nicht mehr in die Häuser der Heilung zurückkehren würde. Noch einmal drehte sie sich mit tränenverhangenen Augen herum und wäre beinahe in ein herannahendes Pferd gelaufen.
„So passt doch auf!“, rief ihr der Reiter wütend zu, während er sein erschrockenes Ross zu bändigen versuchten.
„Es tut mir leid“, krächzte Tawariel verlegen.
Pferde waren der jungen Frau noch nie geheuer gewesen und sie war froh, dass es in Minas Tirith nicht viele davon gab. Nur selten waren Reiter auf den Straßen der Stadt zu sehen.
In Ithilien würde das sicher anders sein. Sie hatte gehört, dass Faramir, der Fürst von Ithilien, ein großes Gestüt besaß und eine eigene Pferdezucht betrieb. Bei dem Gedanken an eine große Pferdeherde, welche über die Wiesen galoppierte, lief ihr ein Schauer der Furcht über den Rücken.
Es dauerte mehrere Stunden, bis sie endlich das Stadttor erreichte. Es stand offen und die Torwächter ließen sie passieren. Nun befand sich Tawariel auf der Straße, welche über die Pelennorfelder führte. Dort hatte einst die berühmteste Schlacht des Ringkrieges stattgefunden und zahlreiche Heldendenkmäler am Straßenrand erinnerten die Wanderer daran. Tawariel hatte für so etwas keinen Sinn. Sie ging auf dem kürzesten Weg Richtung Osgiliath und hoffte, die Stadt vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Noch immer lag diese Stadt weitgehend in Trümmern. Sie sollte ein Mahnmal für die Greuel des Ringkrieges bleiben. Allerdings gab es in der Stadt eine neuerbaute Soldatengarnison und einige Herbergen für müde Wanderer. Genau in eine solche wollte Tawariel gehen. Die Herbstsonne besaß noch genug Kraft, um die junge Frau zum Schwitzen zu bringen. Das graue Gewand und der Mantel, den sie darüber trug, waren aus warmen Stoffen gewebt, ebenso die Tücher, unter denen sie ihre kurzes Haar verbarg. Als Tawariel einen Brunnen auf den Feldern entdeckte, verließ sie kurzerhand die Straße, um sich dort zu erfrischen. Sie legte den Mantel und ihre Kopftücher ab und besprengte sich mit kühlem Wasser, welches sie mit einem Eimer aus dem Brunnen heraufgezogen hatte.
„He, Knabe, mach ein wenig Platz, damit ich Wasser für mein Pferd heraufholen kann“, meinte ein Soldat in Rüstung frech zu ihr.
„Ich bin kein Knabe“, erwiderte Tawariel empört. „Ich bin eine Heilerin!“
Der Soldat musterte die junge Frau erstaunt und nahm dann den Helm ab.
„Verzeiht, meine Dame, aber ich wusste nicht, dass die Heilerinnen sich die Haare abscheren“, meinte er entschuldigend.
„Und ich wusste nicht, dass die Soldaten die Haare bereits so lang und wild wie die Rohirrim tragen“, gab Tawariel ein wenig spöttisch zurück.
Der Mann starrte die schlagfertige, junge Frau verdutzt an und ließ sie dann in Frieden.
Tawariel aber legte wieder ihren Mantel um und setzte ihre Tücher auf den Kopf, nachdem sie sich erfrischt hatte, und ging weiter ihres Weges.
Sie schaffte es tatsächlich bis nach Osgiliath, bevor es dunkel wurde. In einer Herberge bekam sie eine Übernachtungsmöglichkeit und etwas zu essen. Da sie eine Heilerin war, musste sie nichts zahlen. Trotzdem wollte der Herbergsvater neugierig wissen, was sie so weit weg von Minas Tirith hier machte. Tawariel erzählte ihm, dass sie zur Unterstützung Daerons nach Gurthanar reiste.
„Oh, der gute alte Daeron“, grinste der Herbergsvater ein wenig hämisch. „Ja, der kann sicher noch Hilfe brauchen. Sein Haus der Heilung ist in einem recht bemitleidenswerten Zustand. Eine Schande für Ithilien, finde ich.“
Tawariel hörte aufmerksam zu. Die Worte des Mannes bereiteten ihr Sorgen. Einen besonders kompetenten Eindruck hatte Daeron noch nie auf sie gemacht. Aber dass er das Haus der Heilung von Ithilien verlottern ließ, gab ihr zu denken.
Ich werde wohl mit Daeron ein ernstes Wörtchen reden müssen, dachte sie finster bei sich.
Früh am nächsten Morgen brach sie nach Gurthanar auf. Sie überquerte den Anduin auf der alten Brücke von Osgiliath. Ihr weiterer Weg führte dann südwärts, Richtung Emyn Arnen. Die Straße dorthin war sehr staubig und zu ihrem Schrecken stellte Tawariel bald fest, dass ihr schönes, graues Heilergewand schon bald mit hellem Staub bedeckt war. Wenn sie in Gurthanar angekommen war, wollte sie erst einmal ihre Sachen gründlich waschen.
Und ein Bad wäre auch nicht schlecht, dacht sie gedankenversunken.
Als ein Reiter auf einem edlen Rappen herangeprescht kam, sprang sie rasch zur Seite. Doch der Mann auf dem Pferd verhielt sich rücksichtsvoll und ließ das Pferd langsamer traben, damit nicht soviel Staub aufgewirbelt wurde. Tawariel betrachtete den Reiter neugierig. Er hatte auffallend rotes Haar und er kam ihr irgendwie bekannt vor. Doch bevor sie weiter nachgrübeln konnte, um wen es sich handeln konnte, kam ihr der Rothaarige zuvor. Er hielt den Rappen nun dicht neben ihr an.
„Seid gegrüßt, Wanderin“, sagte er freundlich. „Seid Ihr die Heilerin, die Daeron unterstützen soll?“
„Ja, mein Herr“, erwiderte Tawariel schüchtern und senkte den Kopf.
Es war ihr peinlich, in solch einem verschmutzten Kleid erkannt zu werden.
„Wenn Ihr möchtet, bringe ich Euch nach Gurthanar“, bot der Reiter hilfsbereit an. „Ihr könnt hinten aufsteigen.“
Tawariel blickte ihn entsetzt an. Auf keinen Fall würde sie auf ein solches Ungetüm steigen. Lieber ging sie noch tausend Meilen zu Fuß.
„Nein danke, ich laufe lieber“, sagte sie hastig.
Der Reiter nickte mit einem traurigen Gesichtsausdruck. Tawariel fragte sich, ob ihre Ablehnung vielleicht zu harsch gewesen war.
„Dann lebt einstweilen wohl“, sagte der Mann leise. „Wir werden uns bestimmt wieder sehen.“
„Lebt wohl“, erwiderte Tawariel erstaunt, denn sie fragte sich immer noch, wer dieser Mann war.
Als sie eine Weile weitergegangen war, fiel es ihr endlich wie Schuppen von den Augen: natürlich! Dieser Mann war niemand anders als Faramir, der Fürst von Ithilien, gewesen. Sie erinnerte sich dunkel daran, wie dieser Mann im Ringkrieg schwerverwundet in die Häuser der Heilung gebracht worden war. Sie war damals erst seit wenigen Wochen in den Häusern gewesen. Damals, als Vierzehnjährige.
Und ich habe mich dem Fürsten gegenüber gerade wie ein dummes Kind benommen, schalt sie sich selbst.
Erst am späten Nachmittag erreichte Tawariel Gurthanar. Die Siedlung lag in einem geschützten kleinen Tal. Die Häuser waren alle aus Holz erbaut und es gab auch mehrere Bauernhöfe. Die Bewohner des Dorfes gingen noch fleißig ihren Tagesgeschäften nach, als Tawariel ankam. Neuigierig lief sie über die Dorfstraße und wäre um ein Haar fast in einem großen Haufen Pferdemist getreten. Ärgerlich ging sie zur Seite und achtete darauf, dass ihr Mantel nichts von dem Mist abbekam. Hier auf dem Land ging es bedeutend schmutziger zu als in der sauberen Stadt Minas Tirith. Suchend blickte sie sich nun nach dem Haus der Heilung um. Eine Dorfbewohnerin in einem braunen Sackleinenkleid kam ihr schließlich zur Hilfe. Sie deutete mit ihren schwieligen Fingern auf eine windschiefe Bretterbude am Rande des Dorfes.
„Das kann doch nicht Euer Ernst sein!“, stieß Tawariel entsetzt hervor. „Das kann unmöglich ein Haus der Heilung sein.“
„Doch, etwas anderes gibt es hier nicht“, meinte die Frau achselzuckend.
Tawariel spürte, wie sich ihr Entsetzen in Wut verwandelte. Entschlossen schob sie ihr Kinn vor und ging schnurstracks auf das Haus zu. Diesem Daeron wollte sie erst einmal tüchtig die Leviten lesen.
tbc...
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