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von -elentari-    erstellt: 07.01.2010    letztes Update: 28.08.2010    Geschichte, Drama / P12    (fertiggestellt)
Es war finsterste Nacht, als sie erwachte. Ihr goldenes Haar fiel ihr in langen Strähnen ins Gesicht, während sie sich langsam aufsetzte. Vorsichtig verließ sie ihr Schlafgemach; sie wollte es vermeiden von jemandem gesehen zu werden. Alles was sie trug, war ein weißes Gewand aus feiner Seide. Die Kälte, die sie umgab, hieß sie stumm willkommen. Eine Kälte, die ihr durch den ganzen Körper fuhr.

Allmählich hatte sie die Häuser der Heilung hinter sich gelassen und langsam lief sie durch die dazugehörigen Gärten. Ihre nackten Füße konnten den feuchten Boden der grasbedeckten Landschaft spüren. Am östlichen Ende dieser Grünanlage erstreckte sich, wie in ganz Minas Tirith, eine Mauer.Éowyn, die weiße Herrin von Rohan, bestieg diese Mauer zögerlich. Fast die ganze Hauptstadt Gondors lag nun zu ihren Füßen. Alles war still und dunkel; es schien so, als wäre sie der einzige Mensch, der zu dieser Stunde noch wach war.

Ein blasser Mond umringt von leuchtenden Sternen ließ ihre zierliche Gestalt am Rand der Mauer erstrahlen.
Nur noch ein Schritt und sie wäre erlöst. Nur noch ein Schritt und der Tod würde sie wie einen lang vermissten Freund begrüßen. Der Tod war alles wonach sie sich noch sehnte. Der Tod verhieß ihr sanften Schlaf. Sie wusste nicht für was sie in dieser Welt noch von Nutzen war.
Ihr Onkel Théoden, den sie wie einen Vater geliebt hatte, war zu seinen Vorvätern aufgefahren. Im Stillen beneidete sie ihn für dieses Los. Auch ihr Bruder hatte sie verlassen. Éomer war in die Schlacht gezogen, Seite an Seite mit dem Mann nach dem sie sich verzehrte.
"Aragorn" kam es leise von ihren Lippen.
Doch er selbst war genauso wie der Krieg außerhalb ihrer Reichweite. Er hatte sie einfach weggeschickt, obwohl sie ihn angefleht hatte ihm beistehen zu dürfen. Sie wusste, dass er es war, der sie zurück ins Leben geholt hatte, als der schwarze Schatten auf sie gefallen war. Nur die heilenden Hände eines Königs
waren in der Lage diese Krankheit zu besiegen. Sie konnte nicht sagen, ob sie ihm für ihre Rettung dankbar war oder ob sie ihn dafür verfluchte. Gerne hätte sie noch einmal sein Antlitz gesehen. Noch einmal bevor alles zu Ende war. In ihrem Kopf hörte sie noch immer, wie er sanft ihren Namen rief... "Éowyn"

Sie atmete tief durch und schloss ihre Augen. Sie fühlte ein letztes Mal, wie der Wind ihr Gesicht erfasste. Sie wollte diesen Moment auskosten, ihren Abschied von der Welt so lange hinauszögern, wie es ihr nur möglich war. Langsam verlagerte sie ihr Gewicht nach vorne; ihre Zehen ragten schon weit über den Rand der Mauer hinaus. Gleich würde sie fallen und ihr Leid hätte endlich ein Ende.

Doch sie tat es nicht. Wie in jeder Nacht zu vor seit sie in den Häusern der Heilung wohnte, zögerte sie.

Sie öffnete ihre Augen und stieg von der Mauer herab. Mit gesenktem Kopf schritt sie wieder durch die Gärten in Richtung ihres Gemaches. Sie konnte es sich nicht erklären, wieso sie bei diesem letzten Schritt immer wieder der Mut verließ.
Beschämt, traurig und einsam betrat sie ihre Kammer und sank kurz darauf in einen traumlosen Schlaf.
 
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