Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
«
»
von Grisu    erstellt: 06.01.2010    letztes Update: 14.09.2011    Geschichte, Abenteuer / P16    (pausiert)
Wie soll es weiter gehen?

Kaum hatte ich aufgelegt, kam Chris schon mit Lindsey zurück. „Lindsey, setzt dich bitte.“ forderte ich die junge Frau auf. „Als erstes möchte ich mich entschuldige, weil ich vorhin so eigenartig war, um es mal vorsichtig zu formulieren. Was ich dir jetzt sage, ist sehr wichtig und ich verlasse mich auf deine Diskretion und Kooperationsbereitschaft. Wir haben einen sehr ernsten Notfall. Matt und Orlando wurden entführt und eine Lösegeldforderung ging bereits bei mir ein.“ Die junge Frau wurde blass, unterbrach mich aber nicht. „Ich möchte, dass du die anderen Darsteller, die ich von der Insel weg haben möchte, bis die Sache geklärt ist, begleitest. Du fährst zum Airport und Scott fliegt dich und die Darsteller zu einem sicheren Versteck auf Lãna’i, du weißt, was ich meine, Marcos. Ihr seid dort absolut sicher. Marco wird euch nach Strich und Faden verwöhnen. Ich will ganz ehrlich zu dir sein. Die Chance, dass wir die beiden Männer lebend wieder bekommen, stehen im Moment nicht gut. Wenn du der Meinung bist, die Darsteller sollten dies erfahren, liegt es in deinem Ermessen, sie genauer zu informieren. In dem Resort gibt es kein TV, Radio noch Computer, also gibt es von dort keine Möglichkeit, Nachrichten zu erfahren. Ich werde dich auf deinem Handy 2-mal am Tag oder wenn es etwas nennenswertes Neues gibt, anrufen oder anrufen lassen. Wie gesagt, es liegt in deiner Verantwortung, was du weiter gibst. Ich möchte, dass die Leute ihre Handys hier lassen. Du sollst ihre Bezugsquelle für News sein. Bist du dazu bereit?“ Blass und betroffen, aber entschlossen, stand Lindsey auf. „Ich hoffe, ich kann mich deines Vertrauens würdig erweisen.“ sagte sie ruhig. „Ich mache mich sofort auf den Weg.“ Ich nickte „Ich danke dir. Das weiß ich wirklich sehr zu schätzen.“ Lindsey erhob sich jetzt und verließ eilig mein Büro.

„So, die Sorge bin ich los. Jetzt kann ich mich auch ausschließlich auf Matt und Orlando konzentrieren. Jim, was bleiben uns außer der Lösegeldzahlung denn für Alternativen? Was sollen wir deiner Meinung nach tun?“ Christa hatte unruhig aus dem Fenster gestarrt, jetzt wandte sie sich um. „Wie kommt ihr nur darauf, das Zahlen keine Lösung ist! Wenn die Entführer sehen, dass wir willens und bereit sind, etwas zu tun, dann wäre es doch gut möglich, dass sie Matt und Orlando laufen lassen.“ Jim sah Christa ruhig an. „Weil die Erfahrung in diversen Entführungsgeschichten nun einmal zeigt, dass Bezahlen überhaupt in den wenigsten Fällen zu einer Freilassung der Geiseln führt. Und in diesem Fall wäre es ganz bestimmt die beste Möglichkeit, eure Freunde schneller umzubringen.“ Josh und ich nickten übereinstimmend. „Das befürchte ich auch. Matt klang so verängstigt. Ich glaube nicht, dass wir uns darauf einrichten sollten, dass die Beiden frei gelassen werden.“ erklärte ich unglücklich. „Warum hast du die Mädchen dann überhaupt los geschickt, das Geld zu besorgen?“ fuhr Christa mich ungehalten an. Ruhig sagte ich „Zum Einen, damit sie etwas zu tun haben und zum Anderen, damit wir das Geld für einen eventuellen Notfall auf jedem Fall parat haben.“ „Dann willst du ihnen also sagen, wenn sie wieder kommen, war ja schön, Mädels, dass ihr das Geld habt, aber aushändigen werden wir es den Entführern nicht. Weil die Statistik beweist, dass Lösegeldzahlungen nichts bringen. Das wird die Beiden sicher sehr aufbauen.“ Ganz allmählich wurde ich ebenfalls ein kleines bisschen ärgerlich. Ich stand auch unter einem gewaltigen Druck. Christa tat gerade so, als würde ich mir keine Sorgen machen. „Hör zu. Was soll denn deiner Meinung nach passieren? Wir fahren los, laden die Entführer zum Kaffee ein, geben ihnen mal eben 2 Millionen Dollar und sagen dann, falls sie unsere Freunde nicht laufen lassen wollen, wir haben noch genügend Geld, dass wir ihnen geben können?“ Christa starrte mich wütend an. „Du brauchst gar nicht so sarkastisch werden. Irgendwas müssen wir doch unternehmen!“ Josh fuhr jetzt dazwischen „Nun beruhigt euch beide mal, wir wollen alle nur das Eine, nämlich Matt und Orlando da raus haben. Wenn wir uns hier gegenseitig Anschnauzen helfen wir den Beiden garantiert nicht!“

Chris und ich schwiegen jetzt betroffen. Josh hatte natürlich Recht! Aber bei mir lagen die Nerven blank und Chris ging es genauso. Da war es wohl durchaus normal, dass man, ohne es eigentlich zu wollen, auf einander losging. Ich schaute Chris an und sagte leise „Hör zu, es tut mir leid. Ich werde jetzt Shawn informieren, er muss es auch wissen, dann sehen wir weiter.“ Ich griff zum x-ten Mal an diesem Tag zum Telefon und wählte diesmal Shawns Nummer. Er war in Europa, genauer in Paris und verhandelte mit einigen Französischen Sendern über die Ausstrahlung der 3.ten Staffel. Folglich konnte er uns nicht aktiv helfen. Aber er musste auf jedem Fall Bescheid wissen. Immerhin war er derjenige, der uns alle bezahlte und es war meine Pflicht, ihn über den Stand der Dinge zu unterrichten. Shawn meldete sich nach dem 7.ten Klingeln total verschlafen. „Hallo, Kel, was zum Geier ...“ „Hallo, Shawn, tut mir leid, dass ich dich vermutlich gerade geweckt habe, aber wir haben ein Problem.“ In kurzen Worten schilderte ich ihm, was bei uns gerade los war. Vollkommen geschockt hörte er mir zu. Dann erklärte er „Hör zu, Kelly, ich überlasse dir alle Entscheidungen und stehe in jedem Fall hinter dir. Was immer erforderlich ist, um die beiden Männer lebend und unbeschadet wieder zu bekommen, wirst du machen, das ist hoffentlich klar.“ „Selbstverständlich ist es das. Ich danke dir für dein Vertrauen. Ich weiß nicht, wie ich es schaffe, dich auf dem Laufenden zu halten, daher werde ich das Patty überlassen, wenn es dir Recht ist.“ „Natürlich ist mir das Recht. Aber haltet mich wirklich ständig auf dem neusten Stand, versprochen?“ „Du kannst dich auf mich verlassen, Shawn. Sobald wir etwas Neues erfahren, werde ich dich informieren lassen. Drück uns die Daumen, okay?“ Shawn sagte leise „Worauf du dich verlassen kannst! Ich vertraue dir, schaff Matt und Orlando zu uns zurück, Kleines, ich bin in Gedanken bei dir!“ „Danke. Bye.“ „Bye.“

Nach dem Anruf bei Shawn bat ich Chris, Patty über alles genaustens zu Informieren. Sie würde der direkte Verbindungsdraht zu Shawn sein und musste daher über alles Bescheid wissen. Ich blieb mit den Männern alleine zurück und fragte Jim jetzt „Hör mal, wenn ’John Wayne’ wieder anruft, muss ich dann irgendwas besonders beachten?“ Jim dachte kurz nach, dann sagte er ruhig „Das Wichtigste ist, dass du, egal, welche Provokation er dir an den Kopf schmeißt, ruhig bleibst. Wenn du ihn reizt, werden eure Freunde es büßen müssen, fürchte ich. Versuche, so viel wie möglich ihre Namen zu nennen, Entführer neigen dazu, ihre Opfer zu entmenschlichen. Wenn du ihre Namen oft erwähnst, oder auch, dass sie eure Freunde sind, dass ihr sie liebt, solche Sachen, ist Wayne gezwungen, die Beiden als Menschen zu sehen. Du musst ihm klar machen, dass ihr versucht, das Geld aufzutreiben, es aber einige Zeit dauert, da es eine sehr große Summe ist. Wenn die Drohungen zu massiv werden, wirst du nachgeben müssen, das ist dir wohl klar. Wir können dann nur noch hoffen, dass bei der Geldübergabe eine Möglichkeit für uns heraus springt, die Kerle zu fassen.“

Ich hatte konzentriert zu gehört und seufzte jetzt genervt. „Wenn ich das nur schaffe! Ich würde den Dreckskerl am liebsten erwürgen, mit meinen eigenen Händen! Soll ich verlangen, noch einmal mit Matt oder Orlando zu reden?“ Josh legte begütigend seine Hand auf meinen Arm und ich sah ihn dankbar an. Jim nickte. „Ja, versuch es ruhig, aber du musst selber entscheiden, wann du das Gefühl hast, der Typ fängt an, sich genervt zu fühlen. Dann musst du sofort klein Beigeben, verstanden? Alles, was den Kerl ärgert, werden Matt und Orlando schmerzlich zu spüren bekommen. Du musst so deutlich wie möglich machen, dass ihr bereit seid, alles zu tun, um die Beiden heil wieder zu bekommen. Entführer genießen auch immer die Macht, die sie mit ihrer Tat über andere Menschen haben. Lass ihn diese Macht ruhig ein wenig auskosten, das wird ihn etwas friedlicher stimmen, vermute ich. Sei aber auf keinem Fall unterwürfig, das wiederum würde er als Respektlosigkeit auslegen.“ Abermals entfuhr mir ein Seufzen. Ich wollte etwas erwidern, aber gerade kam Christa zurück. „So, Patty ist über alles informiert. Sie wird die Verbindung zu Shawn und auch zu Lindsey halten. Die Gulfstream ist in der Luft, keiner hat sich großartig gesträubt. Lauren hat vermutlich eine Spur gefunden. Auf dem Parkplatz vom Beach-Set, da waren Blutspuren und Lauren hat bereits alle Proben ins Polizeilabor geschafft. Sie wird von der Stelle aus versuchen, die Spur irgendwie zu verfolgen. Sie hat sich einen Spurenhund besorgt und wird mit seiner Hilfe vielleicht irgendetwas finden.“

Jim hatte zu gehört, jetzt gab er Randy die Anweisung „Seh zu, ob du irgendwie helfen kannst, aber ganz unauffällig. Kelly, ich habe den eigenartigen Verdacht, dass die Entführer irgendwie Hilfe von innerhalb des Senders gehabt haben könnten. Nur so ein Gefühl. Das macht das Ganze für uns schwerer, denn diese Hilfe ist möglicherweise noch anwesend und beobachtet unsere Schritte. Daher sollte außer den jetzt bereits eingeweihten Leuten niemand mehr über unsere Pläne, wenn wir denn welche haben, informiert werden.“ Ich erschrak zutiefst. „Du meinst, hier ist jemand im Team, der bei der Entführung geholfen hat?“ Josh fuhr auf „Aber das ist unmöglich, wer sollte denn so was tun?“ Jim sah uns an. „Es ist sehr häufig bei derartigen Entführungsfällen so, dass ein Helfer in unmittelbarer Nähe der Opfer zu finden ist. Kannst du meinem Department eine genaue Mitarbeiterliste geben? Dann könnten wir unauffällig alle überprüfen.“ Ich sah Jim entsetzt an. „Weißt du, was du da von mir verlangst? Ich vertraue unseren Leuten zu 90% absolut blind! Wir haben einige neue Leute, die noch nicht von Anfang an dabei sind. Von denen gebe ich dir gerne eine Liste. Aber ich werde nicht zulassen, dass die Polizei unsere langjährigen Freunde durchleuchtet.“ Chris sah mich schon wieder unzufrieden an, sagte aber nichts. Ich ließ meinen PC eine Liste mit allen Mitarbeitern zusammenstellen, die ein halbes Jahr oder weniger beim Sender arbeiteten und schickte diese Liste dann gleich via e-mail an das Police Department. Jim hatte grübelnd da gesessen und meinte jetzt, seine Ausführungen fortsetzend „Weißt du, Kelly, ich denke, dass Orlando Bloom gar nicht das ursprüngliche Opfer war. Es macht den Anschein, da niemand auch nur den Versuch unternommen hat, mit seiner Frau oder meinetwegen seinem Manager Verbindung aufzunehmen, dass er gar nicht eingeplant war. Ich vermute, dass es nur Matt treffen sollte und dass Orlando ein günstiger Zufall gewesen ist. Vielleicht ist er quasi in die laufende Entführung hinein gestolpert.“ Christa hatte aufmerksam zu gehört. „Ja, das würde erklären, warum sich die Entführer nur beim Sender gemeldet haben. Arme Denise, das wird ihr kein Trost sein. Sie müssten eigentlich demnächst auch wieder hier sein, Patty hatte ihnen eine Vollmacht gegeben, das Geld zu holen, beziehungsweise, es beschaffen zu lassen.“ Ich nickte. „Ja, es wird dann schwierig sein, die Beiden weiter zu beschäftigen, ich möchte sie aber auf keinem Fall hier im Büro dabei haben! Wenn ich mit Wayne verhandele, kann ich die Beiden, so leid es mir tut, nicht in Hörweite brauchen. Christa, ich fürchte, das wird dein Job sein. Du musst dich um sie kümmern und zwar weit weg von hier.“ Chris verzog säuerlich das Gesicht, dann nickte sie aber. „Du hast Recht, sie dürfen nicht dabei sein, wenn du telefonierst. Ich werde mit den Beiden in mein Büro gehen und dort versuchen, beruhigend auf sie einzuwirken.“

Dankbar sah ich Chris an. „Du wirst ihnen gut tun, da bin ich sicher. Und ich werde euch selbstverständlich sofort über alles informieren, was sie wissen sollten und wissen dürfen.“ Das Telefon klingelte und ich zuckte heftig zusammen, sah dann aber auf dem Display, dass es die Bank war. Ich nahm den Hörer und meldete mich. „Ja, Holloway!“ „Hallo, Mrs. Holloway, ich bin es, Benjamin Fraser. Zwei ihrer Mitarbeiterinnen waren mit einer Vollmacht bei mir, 2 Millionen Dollar in kleinen Scheinen zu besorgen. Ich nehme an, dass Geld ist für einen ... Notfall?“ „Mr. Fraser. Ja, Sie nehmen richtig an.“ „Das habe ich mir gedacht. Kann ich irgendwie helfen?“ Ich lächelte dankbar, was Mr. Fraser selbstverständlich nicht sehen konnte. „Vielen Dank, das ist wirklich sehr freundlich von Ihnen. Wenn Sie das Geld haben und es via Geldtransporter her schicken könnten, wäre das schon eine große Hilfe.“ „Selbstverständlich, Mrs. Holloway. Ich hoffe doch sehr, Ihrem Mann geht es gut?“ Ich liebte Mr. Fraser in diesem Moment für diese diskrete Frage, ob Josh betroffen war. Unendlich dankbar erwiderte ich „Ja, mein Mann sitzt hier neben mir, es geht ihm gut. Vielen Dank.“ „Das freut mich. Ich werde das Geld dann auf den Weg schicken, sobald wir es zusammen haben. Ich fürchte nur, dass wird 2 – 3 Stunden dauern, Mrs. Holloway. Ich kann nur hoffen, dass es so lange Zeit hat?“ „Wird es haben müssen, oder? Kleine Scheine, nicht durchnummeriert, nicht gekennzeichnet. Mr. Fraser, wir sind Ihnen außerordentlich dankbar für Ihre Hilfe und Diskretion!“ „Ich freue mich, Ihnen behilflich sein zu können.“ Wir verabschiedeten uns und legten auf.

„So, das Geld wird also beschafft. Es muss doch eine unauffällige Möglichkeit geben, einen Peil-Sender unter die Scheine zu mischen. Jim, was gäbe es da für Möglichkeiten?“ Jim sah mich an. „Das Risiko, einen solchen Sender zu entdecken, ist relativ groß, aber wir werden diese Möglichkeit in Betracht ziehen müssen.“ Er ging an die Aktentasche, die Randy Myer dabei gehabt hatte. Er öffnete sie und entnahm ihr einige Gegenstände. „Hier haben wir eine Geldbanderole, in die ein Sender eingebaut ist, der aber nur eine verhältnismäßig kleine Reichweite hat.“ Er legte die Banderole auf den Tisch. „Falls die Entführer die Geldübergabe mittels einer kleinen Stadtrundfahrt über die Bühne bringen wollen, sollte der Überbringer einen Sender bei sich führen, sodass wir wenigstens bis zum genauer Ort der Übergabe eine Möglichkeit haben, den Weg nach zu vollziehen. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen eine Ortung via Handy, dafür haben wir dieses Nokia hier präpariert. Eine andere Alternative ist dieser unauffällige Stadtplan, der im Wagen liegend gar nicht auffällt, in den aber ein leistungsstarker Sender eingebaut ist. Den sollte der Überbringer auf jedem Fall dabei haben.“ Ich staunte nicht schlecht, begutachtete den Stadtplan ganz genau. Auch Josh und Christa waren beeindruckt. Wir wollten gerade fortfahren, als die Tür auf ging und Lisa und Denise mein Büro betraten. Beide waren blass, aber im Augenblick einigermaßen gefasst.

„Lauren hat mich angerufen, dass sie vermutlich den Ort der Entführung entdeckt hat. Das ist doch gut! Vielleicht gelingt es, von dort eine Spur aufzunehmen.“ sprudelte Lisa hervor. „Ich werde zu ihr gehen, sie hat einen Spürhund und will mit ihm versuchen, irgendwas zu finden.“ Ich nickte, fast erleichtert, dass Lisa auf diese Weise aktiv werden konnte und ich sie gleichzeitig aus dem Büro los war. „Das ist eine gute Idee. Du kannst ihr bestimmt mit dem Hund behilflich sein.“ Lisa nickte. „Ja, das habe ich mir auch gedacht! Kelly, du informierst mich, sobald du wieder was hörst, oder?“ „Na hör mal, das ist ja wohl selbstverständlich!“ „Werden wir bezahlen?“ Ich erschrak über diese Frage. Und dann fiel Christa mir übel in den Rücken! „Lisa, Denise, es sieht so aus, dass Jim hier von einer Zahlung abrät und Kelly und Shawn diesen Vorschlag unterstützen.“

Ungläubig starrte ich Christa an, ebenso, wie Josh und Jim Craddock. Denise und Lisa ihrerseits starrten mich völlig fassungslos an. „Was?“ stieß Denise hervor. „Du willst nicht bezahlen?“ „Aber warum ... das verstehe ich nicht ... Kelly, Matt ... Kelly!“ Lisa wurde mit jedem Wort lauter. Ich sah Christa kalt an. „Ihr wollt wissen, warum? Nun, dann sollt ihr es erfahren. Matt und Orlandos Leben ist keinen Pfifferling mehr wert, wenn die Entführer erst einmal das Geld haben. Es ist nicht Bestandteil des Planes dieser Leute, lebende Zeugen zu hinterlassen.“ Chris stieß jetzt giftig hervor „Aber wir könnten bei der Geldübergabe versuchen, mit den Entführern Kontakt aufzunehmen! Ich würde mir durchaus zutrauen, mit ihnen zu verhandeln. Ich könnte sie vielleicht überreden, die Beiden laufen zu lassen, wenn sie ihr Geld haben.“ Ich schüttelte den Kopf und bevor ich noch etwas sagen konnte, fuhr Josh böse auf. „Verdammt, Chris, merkst du noch irgendwas? Das ist kein Drehbuch! Das ist furchtbare Realität! Matt und Orlandos Leben hängt davon ab, wie wir, wie Kelly, sich verhält! Da steht niemand, und ruft Klappe, wenn die Szene nicht geklappt hat! Dann ist vielleicht einer der Beiden, oder Beide, tot und der Geldbote und möglicherweise auch noch mehr Leute ebenfalls! Das sind psychopathische Verbrecher.“ Ich sah Josh unendlich dankbar an. Er schüttelte den Kopf.

Er hatte Christa ein solches Verhalten ebenso wenig zugetraut wie ich. Leise und bedrückt, nichts desto weniger aber fest, sagte ich jetzt „Es tut mir leid, aber die Bezahlung der Forderung ist das letzte Mittel. Vorher werden alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft. Mir liegt genau so viel daran, Matt und Orlando wieder zu bekommen wie euch, aber ich bin überzeugt, wenn wir denen sang, - und klanglos das Geld beschaffen, sehen wir die Beiden nicht lebend wieder. Ihr solltet versuchen, euch zu beruhigen und dann versuchen wir, vernünftig mit einander zu reden, okay?“ Ich sah flehentlich von Denise zu Lisa. Die Beiden starrten mich an, als wäre ich der Entführer ihrer Männer! Dann drehte Lisa sich brüsk um und stürmte aus dem Büro. Denise folgte ihr langsamer. Christa blieb auf ihrem Stuhl sitzen und sah zufrieden zu mir herüber. „Es tut mir Leid, Kelly, aber die Beiden hatten das Recht, die Wahrheit zu hören.“ Ich warf Chris einen kalten Blick zu. „Und du hast dir soeben das Recht verschafft, alles Weitere in dieser Geschichte der Zeitung zu entnehmen. Ich möchte dich Bitten, nein, Auffordern, mein Büro augenblicklich zu verlassen, verschwinde!“ Sie starrte mich überrascht an. „Aber Kelly, ich ...“ „Was hast du an dem Wort ’verschwinde’ nicht verstanden?“ fragte ich Chris kalt. Giftig starrte sie mich an, dann stand sie langsam auf. „Aber ich ...“ „Raus! Raus hier, bevor ich mich vergesse und Dinge sage, die mir hinterher vielleicht leidtun!“ Wütend verließ Christa mein Büro.

Ich saß eine Weile wie betäubt hinter meinem Schreibtisch. Josh sprach mich schließlich leise an. „Schatz, geht es dir gut? Ärger dich nicht zu sehr, sie hat es auf ihre Weise gut gemeint.“ Ich sah ihn bekümmert an. „Das weiß ich, Baby, ich fasse es nur nicht, dass sie mir nach so vielen Jahren derartig in den Rücken fällt.“ Ich verstummte. Dann fragte ich Josh „Magst du wohl kurz in die Kantine gehen, ich habe keinen Kaffee mehr, und ich brauche jetzt dringend eine Tasse. Jim, wie sieht es bei dir aus?“ Der Inspektor nickte. „Ja, Kaffee wäre jetzt gut.“ Josh nickte. „Selbstverständlich, Schatz. Noch was?“ Ich lächelte Josh dankbar an. „Nein, nein, das ist alles. Hier ist die Kaffeedose. Suki soll sie auffüllen.“ Josh griff sich meine Kaffeedose und verließ mein Büro. Er war kaum verschwunden, da klingelte das Telefon. Ich war diesmal nicht zusammen gezuckt, was mich ein wenig überraschte. Mit zitternden Händen griff ich nach dem Hörer und stellte den Lautsprecher ein. „Holloway.“ meldete ich mich. „Hallo, Bitch. Was macht mein Geld?“ tönte die dumpfe Stimme John Waynes durch den Hörer. Ich musste durchatmen, dann sagte ich so ruhig wie möglich. „Hallo, Mr. Wayne, ich habe bereits auf Ihren Anruf gewartet. Bevor ich Ihnen etwas über ihren zukünftigen Kontostand erzähle, möchte ich gerne wissen, wie es Matt und Orlando, unseren Freunden, geht.“ Jim nickte mir zu und zeigte mit dem Daumen nach oben. „Du hast mit dem Einen gesprochen, das muss reichen.“ kam die gallige Antwort. „Mr. Wayne, ich bitte Sie, Sie möchten von mir 2 Mio. Dollar haben, da werden Sie mir doch die kleine Auskunft nicht verweigern, zu erfahren, ob es Matt und Orlando gut geht. Wir alle hier machen uns große Sorgen um unsere Freunde!“ Meine Hand zitterte und ich sah Jim hilflos an. Er nickte mir aufmunternd zu. Verzweifelt wünschte ich, Josh wäre bei mir. „Hör zu, Bitch, du wirst dich nach meinen Wünschen richten, hast du das kapiert?“ schnauzte Wayne mich jetzt an. Ich zuckte bei dem erneuten Gebrauch des Schimpfwortes zusammen. „Das ist auch meine Absicht, glauben Sie mir. Ich möchte an ihre Menschlichkeit appellieren. Sie werden doch bestimmt Verständnis dafür haben, dass wir in heller Panik sind! Es geht immerhin um sehr gute Freunde.“ Ich biss mir auf die Lippen. Sehr viel länger würde ich dieses Geschleime nicht mehr durch halten. Alles in mir schrie danach, diesen Mistkerl nach Strich und Faden fertig zu machen. Aber anscheinend hatte ich es geschafft. Denn er sagte jetzt genervt „Du willst wissen, wie es ihnen geht?“ „Ja, bitte, seien Sie doch  ...“ Weiter kam ich nicht mehr, denn plötzlich schrie mich der Kerl an!

„Du dreckige, kleine Schlampe wirst jetzt dein verdammtes Maul halten und mir zuhören! Wann und ob ich dir was über deine dämlichen Kumpels hier erzähle, überlässt du gefälligst mir! Wenn ich will, dass du etwas erfährst, wirst du es schon erfahren.“ Zu irgendjemandem, der offensichtlich bei ihm war, rief er jetzt „Bring den Penner her, mach schon.“ Dann giftete er mich wieder an. „Wir wollen das Geld, schnell, in einem Koffer, und ... Ah, da bist du ja, du blöder Wichser! Hier, deine kleine Freundin will wissen, wie es dir geht! Du wirst es ihr sicher gerne sagen, was?“ Ich erstarrte vor Entsetzen, als ich jetzt ganz eindeutig Matts Stimme vor Schmerzen auf schreien hörte. „Mein Kumpel bricht dem Penner gerade ein paar Finger.“ kicherte Wayne diabolisch. Wieder hörten ich und der ebenfalls entsetzte Jim einen gellenden Schmerzensschrei. „Willst du noch mehr hören, oder bist du jetzt bereit, mir etwas über mein Geld zu erzählen?“ fuhr Wayne mich jetzt an. Vollkommen aufgelöst schrie ich „NEIN! Hören Sie auf, ich flehe Sie an! Ich habe ihr Geld, in spätestens 2 Stunden hat die Bank es zusammen. Bitte, ich habe ihr Geld dann und Sie können es jederzeit bekommen! Bitte! Lassen Sie Matt in Ruhe, ich flehe Sie an!“ Gehässig lachte Wayne und sagte dann in den Hintergrund „Lass den Penner in Ruhe, seine dämliche Chefin ist bereit, alles zu tun, was wir wollen. So, dann wollen wir mal sehen. Ich will, dass du das Geld zu mir bringst. Ich will sehen, ob du auch das Maul soweit auf reißt, wenn du Bitch nicht in Sicherheit hinter deinem schicken Schreibtisch aus Mahagoni hockst.“ So verzweifelt ich auch war, aber die Tatsache, dass der Kerl wusste, dass ich einen Mahagoni-Schreibtisch hatte, registrierte ich sehr wohl. Ich beeilte mich, zu sagen „Was immer Sie wollen, ich werde tun, was Sie von mir verlangen!“ „Das wirst du ganz bestimmt.“ kam die kalte Stimme des Mannes, der sich John Wayne nannte, aus dem Hörer. „Sonst darfst du das nächste Mal Ohrenzeuge werden, wie wir den Arsch aufschlitzen!“ Mir wurde schlecht, ich hatte das unangenehme Gefühl, jeden Moment los schreien zu müssen. Ich wollte gerade noch etwas sagen, da knackte es in der Leitung und die Verbindung war unterbrochen.

TRAILER

In diesem Moment klopfte es an der Tür. Ich schrak zusammen und sagte laut „Ja, bitte?“ Die Tür ging auf und zwei mir unbekannte Männer in Anzügen der Central Pacific Bank kamen herein, einen Geldkoffer bei sich tragend. „Mrs. Holloway?“ „Ja, die bin ich.“ erwiderte ich verlegen, wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und trat zu den beiden Männern. „Wir haben hier eine Geldlieferung für Sie. Wollen Sie Nachzählen?“
«
»
Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
> Nutzungsbedingungen <   > Datenschutz <   > Impressum <          v3.9-7097