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Geschichte: Fanfiktion
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von theburningblack
erstellt: 01.01.2010
letztes Update: 18.06.2011
Geschichte, Drama, Romanze / P18
(abgebrochen)
Für Nadine, weil sie mir «You belong to me» geschickt hat und mir immer so tolle Reviews schreibt. Ich schulde dir was!
KAPITEL DREI
BEATING HEARTS, BABY
Edward Cullen
Das Problem mit der Liebe ist, dass du sie dir nicht verdienen kannst. Entweder sie wird dir geschenkt, oder eben nicht.
Ich hielt meine Augen fest geschlossen und vertraute nur meinem Tast-, Hör, Geschmacks- und Geruchssinn. Unter meinen Fingern spürte ich nackte, weiche Mädchenhaut und seidige Haare. Ich roch ihr Shampoo, das blumig und sehr weiblich duftete, und herben Schweiß. Ob es meiner oder ihrer war, konnte ich unmöglich auseinanderhalten und es kümmerte mich im Moment auch einen Scheißdreck. Kehliges Stöhnen klang mir unentwegt in den Ohren, Maria sang in einem Gospelchor seit sie in die Highschool kam. Ihre Stimme war tief, beinahe rau und stand damit im krassen Gegensatz zu ihrer ausgesprochen weiblichen Figur.
Wie ich sie dafür anbetete, für ihre schmalen Hüften und die vollen Brüste, nicht zu groß, nicht zu klein. Mein ausgeklügelter Perfektionismus konnte verdammt nervtötend sein, aber sie wurde dem ganz und gar gerecht. Warum sich allerdings eine 21-jährige von mir, der gerade 18 geworden war, flachlegen ließ, war mir ein Rätsel. Aber zur Hölle, wer war ich, dass ich mich darüber beschweren wollte?
«Ed…ward… mmhmm … Edward...», wimmerte sie. Sie hatte eine Vorliebe dafür entwickelt, meinen Namen auszusprechen. Ich denke, für sie ist es eine Art Aphrodisiakum geworden.
«Ja, Schönste?», raunte ich ihr ins Ohr. Ich lag still und sie zappelte ungeduldig unter mir. Ihre großen Augen verbrannten in Ungeduld und unausgesprochenem Vorwurf. Es musste sie foltern, ich war tief genug in ihr, um jedem ihrer Wünsche einen Schimmer von Erfüllung zu verpassen, nur einen Hauch. Es genügte, damit sie eine Vorstellung davon bekam, was ich gleich mit ihr anstellen würde, ohne ihr Verlangen sofort zu stillen. Wenn es nicht so verdammt chauvinistisch gewesen wäre, hätte ich gegrinst.
«Nicht .. aufhören.», flüsterte sie zittrig und wir küssten uns. Es war kein Hollywoodkuss, sondern die Beilage zum eigentlichen Hauptgericht, aber es war ganz und gar nicht fade. Der Geschmack auf meiner Zunge war rostig. Blut. Von ihren zarten, rosafarbenen Lippen. Alle meine Sinne bestätigten mir, woran ich sowieso nicht zu zweifeln brauchte: Marie Fowler genoss jede Sekunde mit mir, als wäre es ihre letzte auf Erden.
Unsere Atemgeräusche überschlugen sich, als ich das beenden wollte, was wir vor einer Weile angefangen hatten. Ihr sexuell motiviertes Seufzen war laut und völlig ungehemmt überließ sie sich ihren animalischen Instinkten. Das katholische Mädchen – für das ihr Daddy sie immer noch hielt - merkte man ihr wirklich nicht an, dachte ich schmunzelnd und drückte ihre Beine etwas weiter auseinander. Ich kannte ihren Vater, er war der örtliche Pastor hier in Forks. Seine Frau war vor gut zwei Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen und seitdem hatte der gute Mr. Fowler jegliche Kontrolle über seine eigenwillige Tochter verloren.
Glück für ihn, dass ich nun seine Cailín, sein Mädchen, unter Kontrolle hatte. Wenigstens einer.
Maria schrie die ganze Zeit ihre Lust heraus, ihre Wildheit bezog sich auch auf ihre Vorlieben beim Sex. Während ich sie abwechselnd hart und noch härter nahm, rief sie nach ihrem «Gott», aber ich war mir ziemlich sicher, das Ausrufe dieser Art an mich und nicht an ihn gerichtet waren. Wenns um anmaßende Arroganz ging, war ich mindestens genauso allmächtig wie er.
«Oh … Gott!», stöhnte sie jetzt wieder. Mein Schmunzeln wurde breiter. Ich öffnete meine Augen, um einen Blick auf die rothaarige, junge Frau unter mir zu werfen, deren wilde Locken jetzt verschwitzt und vollkommen zerzaust waren. Sie lag auf dem Rücken, die verkrampften Finger in das Bettlaken gekrallt. Der Mund stand offen, die Lippen hatte sie sich selbst aufgebissen. Sie glänzten rot und feucht. Sie hatte vereinzelte Sommersprossen auf den geröteten Wangen und der hübschen, geraden Nase.
Doch Maria riss mich aus meiner Betrachtung, indem sie ihre langen, manikürten Fingernägel in meinen Arsch bohrte. Ich zischte laut und stieß unbeabsichtigt heftig in ihren schmalen Körper. Sie bäumte sich mir entgegen.
«Edward…mein…Gott…Edward.», schrie sie auf und ich gab mir keine Mühe mehr, meine Kraft etwas zurückzunehmen. Ich positionierte meine Hände direkt rechts und links neben ihrem Hals, damit sie nicht wegrutschen konnte und mir auf jede erdenkliche Weise ausgeliefert war. Fast augenblicklich kam sie zum Höhepunkt und während ich den Anblick dieser Frau genoss, wie sie durch die Erfüllung ihrer Lust durch sämtliche Sphären der Befriedigung katapultiert wurde, hielt ich meine Muskeln gespannt, obwohl ich längst hätte kommen können. Doch ich wusste, mit jeder Sekunde, die ich es länger hinauszögern konnte, würde mein Orgasmus umso heftiger sein.
Wenige Sekunden später folgte ich ihr. Sie machte dabei immer viel Geschrei, ich hingegen blieb bis auf ein raues Knurren stumm. Reden beim Sex wird deutlich überbewertet. Wenn ich Bock habe, mich zu unterhalten, frage ich keine der langweiligen Tussen, die ich seit der Primary School kenne.
‚Ich würde mit Isabella reden’, schoss mir durch den Kopf und ich stöhnte genervt auf, wollte nicht schon wieder über sie nachdenken, zumindest nicht, wenn ich gerade in einer anderen Frau drin war. Das ließ schon allein mein Ehrgefühl nicht zu. Tief durchatmend konzentrierte ich mich auf das hier und jetzt, und das hieß Maria.
Meine Atmung beruhigte sich schon wieder, während sie immer noch Töne von sich gab, als hyperventiliere sie. Vorsichtig glitt ihr aus ihr heraus, und sie bedachte mich mit einem Schmollmund. Sie mochte es, wenn ich nach dem Sex noch eine Weile in ihr war, jede Frau mochte das. Fakt war aber, dass ich es nicht wollte, dass kein Typ es ehrlich gern machte und so verweigerte ich mich ihr. Mit einer ruhigen Bewegung lag ich auf der Seite, damit mein Gewicht nicht auf ihr lastete und sah sie an. Ihre roten Wangen glühten, sie atmete schwer durch den Mund und die Augen waren zu. «Bist du okay?», fragte ich und küsste erst ihren Bauchnabel, dann den Punkt zwischen ihren Rippenbogen, ihr Dekolleté, ihren Hals, ihren Kiefer und schließlich drückte ich meine Lippen auf ihre. Ihre Arme schlangen sich um meinen Nacken. Verspielt zupfte sie dabei an meinen Haaren.
«Ja.», antwortete sie atemlos mit einem Lächeln.
Auf eine sehr wohlige Weise gesättigt nickte ich in die schläfrige Stille hinein.
Schließlich legte ich mich neben sie auf den Rücken und fragte mich, warum ich nach dem Sex nie vollends befriedigt war. Natürlich, ich hatte gehabt, was ich wollte, aber das Gefühl der tiefen, inneren Zufriedenheit fehlte. Mein Geist war nonstop auf der Suche nach etwas, dass ihn fordern konnte, aber das hier war Forks, eine winzige Kleinstadt in Washington. Hier gab es niemanden außerhalb meiner Familie, der über den Tellerrand schauen wollte. Die Menschen hier waren alles bescheidene Leute, ohne große berufliche Ambitionen und dem innigen Wunsch, von hier weg zu gehen.
Vielleicht war Isabella jemand, der zumindest dieses Gefühl des Fremdseins und der Langeweile mit mir teilen könnte.
Da war sie schon wieder. Die Neue. Großartig… Sie war wie ein Virus, der mein Gehirn infiziert hatte. Nach nur einem Gespräch fand ich sie offenbar so interessant, dass sogar Sätze, die mit Gedanken über Lebensmittel oder sonst etwas Belanglosem anfingen, ausgerechnet bei ihr endeten. Die Assoziationskette meiner Gedanken war irgendwie gestört. Das musste unbedingt aufhören.
Mit der linken Hand strich ich mir die feuchten Haare aus der Stirn. Mit der anderen griff ich nach Marias Handrücken und streichelte sanft darüber. Bei ihr hatte ich große Hoffnungen gehabt, meine Ruhe zu finden, meine Erfüllung, einen Platz, bei dem meine zerrissene Seele atmen konnte. Vor einigen Jahren hatte ich eine heimliche Schwäche für dieses Mädchen gehabt, aber wie bei allen Mädchen, die mein Interesse weckten, hielt diese Schwäche nicht lange an. Wie ein kurz aufflackerndes Feuer schien es mich erst ganz zu beherrschen und dann an meiner Ungeduld zu ersticken. Seth sagte zwar immer, ich würde das nur als Ausrede benutzen, um noch mehr Sex rechtfertigen zu können, aber das stimmte nicht. Ich verlor so schnell das Interesse an Frauen, dass sich bisher nicht eine richtige Beziehung hatte entwickeln können.
Nachdem sie eingeschlafen war – was keine zehn Minuten gedauert hatte – ging ich ins Bad und zog mich gemächlich an. Maria und der Pastor wohnten allein, aber er war nicht da und so brauchte ich auf niemanden sonst Rücksicht zu nehmen. Die Autoschlüssel zu meinen heißgeliebten Audi zog ich aus meiner einen, die Zigarettenschachtel aus meiner anderen Hosentasche.
Leise schloss ich die Tür hinter mir und trottete nach draußen. Ich fühlte mich auf eine angenehme Art ausgelaugt, aber das Feuer der Unruhe hatte auch Maria nicht löschen können. Meinen Körper zu befriedigen war so leicht wie bei jedem anderen achtzehnjährigen, von Hormonen besessenen Mann. Doch mein Geist war weitaus anspruchsvoller, den ewigen Fluss meiner Gedanken konnte selbst Sex nicht unterbrechen. Quel merdier! Was für eine katastrophale Scheiße!
Mein Wagen stand auf der anderen Straßenseite unter der Laterne und während ich mich an die Fahrertür lehnte und rauchte, zählte ich die restlichen Tage, bis die Hölle mich für eine Stunde lang wieder gefangen nehmen und mir einen Vorgeschmack geben würde, was mich in der ewigen Verdammnis erwartete.
Ich hatte noch 4 Tage und 20 Stunden.
Bella Swan
Frauen verlieben sich nicht in Schönheit. Sie verlieben sich in das, was sie glauben in einem Mann zu sehen, was sie für seinen Charakter halten.
Freitag. Der letzte Tag der Woche.
Gott, war ich froh, dass das Wochenende den Albtraum ‚neue Highschool’ für zwei Tage ablösen würde. Forks war immer mehr zu einem Käfig geworden und das ich offensichtlich die Lager spaltete, machte es nicht besser.
Nachdem ich mich am Mittwoch, meinem ersten Tag hier, doch recht gut mir Edward Cullen verstanden hatte, sprach Jessica kein Wort mehr mit mir. Sie fasste das offenbar als persönlichen Affront gegen sie auf und ich hörte sie immer mit Lauren Mallory flüstern, wenn ich in der Nähe war. Die ganze Clique der beiden, bestehend aus Mike, Laurens beste Freundin June Richardson, ein breiter, gutaussehender Typ Namens Tyler Crowley und Ashley, Jessicas ein Jahr jüngere Schwester, ignorierten mich und warfen mir zum Teil böse Blicke zu. Mike schaute eher bedauernd, ganz so, als hätte er mich an die dunkle Seite verloren. Ich glaubte, aus dem Getuschel der Anderen die Worte «hält sich für was Besseres» und «mal sehen, wie sie guckt, wenn sie bei Edward abblitzt» herauszuhören, aber ich war nicht interessiert genug um den Wortfetzen mehr als ein Schulterzucken zu widmen. Sollten sie doch reden, was sie wollten, mir war das scheißegal. Fast war ich sogar stolz drauf. Von den Menschen, die ich selbst nicht mochte, verachtete zu werden, adelte mich schon ein bisschen.
Dabei war es eigentlich total lächerlich. Es war schließlich nicht so, als hätte ich vor, mich an Edward ranzuschmeißen. Er war ziemlich arrogant, was zwar irgendwie zu ihm passte, mir aber nicht gefiel. Er flirtete mit mir, obwohl er mich überhaupt nicht kannte, also verstand ich seine momentane Aufmerksamkeit mir gegenüber als Versuch, mich einschätzen zu wollen.
Ganz abgesehen davon hatte ich einen wundervollen Freund, den dieser Edward ganz sicher nicht ersetzen konnte. Scott war in allem irgendwie… locker und zurückhaltend, er brauchte nicht auf andere Leute herabzusehen, so wie Cullen es tat. Auf irgendeine Art mochte ich ihn trotzdem, vielleicht weil er Forks genauso als geografischen Abstieg aus dem Himmel der Großstadt betrachtete wie ich es tat. Würden Jessica und Lauren das auch so sehen, könnten wir uns den ganzen Kinderkram sparen, aber glauben würden sie mir sowieso nicht.
Abgesehen davon hatte ich andere Sorgen als Edward Cullen und seine mit ihren Wimpern klimpernden Fans.
In einem war die Forks High Phoenix nämlich voraus, und zwar was Hausaufgaben anging. In den ersten beiden Tagen hier hatte ich insgesamt sieben Bücher in die Hand gedrückt bekommen, die ich eigentlich alle über den Sommer hätte lesen müssen. Dazu gabs einen Aufsatz in Literatur und einen Vortrag in Geschichte. Es gab soviel, dass ich noch zusätzlich nachholen musste, aber Angela Weber war Gott die Dank einverstanden gewesen, mir ihre Unterlagen übers Wochenende zu leihen. Dieses Mädchen war ein Engel, vor allem, weil sie sich nicht von Jessica oder Lauren beeinflussen ließ.
In der Lunchpause am Freitag saß ich bei ihr und kaute auf meinem Sandwich herum, das ich hier in der Cafeteria erstanden hatte. Das Brot war trocken, der Salat bestimmt nicht mehr frisch und Frischkäse hatten sie nicht, darum hatte ich eins mit Salami nehmen müssen. Es schmeckte nicht besonders und über die Hälfte blieb liegen. Ich war gegen meinen Willen dazu gezwungen, in der Schule zu fasten, weil es einfach nichts Gutes zu Essen gab.
«Edward Cullen sieht andauernd hierher.», wisperte Angela leise. Sie saß mir gegenüber vor ihrem Mathehefter und wickelte Strähnen ihrer braunen Haare um die Finger. Es war offensichtlich, dass sie Trigonometrie nicht so spannend fand wie Edward. Ich sah sie an und bemerkte, dass sie seinen Tisch irgendwo hinter mir mit rosa Wangen musterte. Es brachte mich zum Schmunzeln, was hatte ich nur verpasst? Was gab es – abgesehen von seinem Aussehen – so Tolles an ihm, dass ihm jede Frau wie ein treudummer Hund nachlief?
«Stehst du auf ihn?», wollte ich wissen.
Sie verdrehte die Augen. «Alle tun es. Er ist eben Edward Cullen. Es kursieren Geschichten über ihn, die würdest du nicht glauben.» Sie lachte leise. «Aber ich denke, ich mag seinen Freund Ben noch ein bisschen mehr.» Sie lief kirschrot an.
Ich drehte mich um, um mir diesen Ben anzuschauen. Er saß zwei Tische weiter mit Edward, dieser Tanya und dem schwarzhaarigen Mädchen zusammen, von der ich glaubte, dass sie Alice hieß. Er war gerade in eine Unterhaltung mit Edward vertieft, der ein schwarzes, kurzärmliges Hemd trug. In Kombination mit seiner Haarfarbe sah es unübertroffen gut aus. Ich dachte noch darüber nach, ob ich schon mal jemanden mit bronzenen Haaren getroffen hatte, da drehte sich Edwards makelloses Gesicht auf einmal zu mir um. Selbst auf die paar Meter Entfernung sah ich seine Augen leuchten: Schön und gefährlich, voller Unerschrockenheit und Vorsicht, hell und dunkel zugleich und alles auf einmal. Widersprüchlich, unberechenbar, aufregend.
Da begriff ich, warum Edward bei den Frauen hier so beliebt war – es war nicht nur seine Attraktivität, denn im Gegensatz zu Männern verlieben Frauen sich nicht in Schönheit. Aber in dieser routinierten Einöde Forks musste der Anblick eines Mannes, der soviel Verbotenes ausstrahlte, eine einzige Verführung sein. Ich nahm an, sie sahen in ihm jemand, der ihr langweiliges Leben aufrühren konnte, sei es durch umwerfenden Sex, durch den Neid der anderen Frauen oder durch geistreiche Gespräche, denn dumm war er bestimmt nicht. Ich wusste nicht, ob all das was er ausstrahlte, auch wirklich der Weisheit letzter Schluss war. Vielleicht war er ein ganz anderer Mensch, wenn man ihn kennenlernte. Aber die Mädchen hier glaubten daran, dessen war ich mir sicher. Er war ihr Ausblick in eine andere, aufregendere Welt.
«Er guckt schon wieder her.», murmelte Angela unter vorgehaltener Hand. Diesmal hätte es ihren Hinweis nicht bedurft, denn Edward und ich schauten uns geradewegs in die Augen.
Ich lächelte ihn an und er lächelte zurück, winkte mir sogar kurz zu. Daraufhin wurde mein Grinsen noch ein bisschen breiter und als ich ebenfalls zurückwinkte, hustete es am Nebentisch laut. Jessica, unter Garantie. Nur allein um sie zu ärgern, lohnte es sich schon, die Aufmerksamkeit zu genießen, mit der er mich bedachte.
Ich drehte mich wieder zurück und als ich Angelas Blick bemerkte, fiel mir auf, dass ich völlig vergessen hatte, mir diesen Ben anzuschauen.
«Süß.», kommentierte ich deshalb nur, ohne auch nur im Geringsten zu wissen, wie Ben aussah. ‚Süß’ war unbestimmt genug, um auf so gut wie jeden Typen zu passen, der nicht Mitglied einer Gang oder ein Skinhead war.
«Ja.», seufzte sie niedergeschlagen. «Süß… Aber ich glaube, er hat sich in Alice verguckt.»
«In Edwards Schwester?» Ich wand mich noch mal zu deren Tisch um. Sie hielt einen Muffin in der Hand und zerzupfte ihn gedankenverloren. Ihr Bruder betrachtete den Fußboden neben unserem Tisch, aber ich glaubte zu sehen, dass er unter halb gesenkten Lidern zu uns herüber schielte. Nach ein paar Sekunden sah er zu seiner Schwester, die ihm ein Lächeln schenkte, das ganz offensichtlich gespielt war. Das Mädchen hatte eine in sich selbst versunkene Körperhaltung, die Schultern zog sie nach vorn. Bestimmt war sie nicht sehr selbstbewusst.
«Ja. Und ich meine, gegen Alice Cullen kommt niemand an. Sie ist nicht beliebt, gar nicht, aber so hübsch wie sie, bin ich nicht mal ansatzweise.» Bei jedem Anderen hätte ich das für falsche Bescheidenheit gehalten, aber ich fühlte, dass Angela das ernst meinte. Alice war unzweifelhaft attraktiv, kleiner als wie beide, aber sie hatte reine Haut, fein gezeichnete Gesichtszüge und teure Klamotten, von denen ich nur träumen konnte. Sie sah ihrem Bruder überhaupt nicht ähnlich, aber ich fragte mich automatisch, wie die Eltern der beiden aussehen mussten, wenn ihre Kinder schon von Natur aus soviel besser aussahen als der Rest von uns. Angela war sicherlich auch niedlich, aber im Gegensatz zu Alice sehr unscheinbar.
«Warum ist sie hier nicht angesehen?», fragte ich. Schon allein die Tatsache, dass sie Edwards Schwester war, hätte ihr eigentlich zu Beliebtheit verhelfen müssen.
«Weil, naja… sie ist etwas merkwürdig. Total aufgedreht und hat tausend Dinge auf einmal im Kopf. Sie redet fast ununterbrochen und ist ganz und gar… verrückt irgendwie.»
«Werden hier alle komisch angeguckt, die ein bisschen neben der Spur sind?», fragte ich Angela.
Sie lächelte. «Ich weiß, was du denkst. Dumme Kleinstadtbewohner, die jegliche Individualität ausgrenzen und jeden Fremden verabscheuen, weil sie blind durch ihre Vorurteile sind.» Ich sah sicher schuldbewusst aus, denn sie hatte meinen Gedanken erraten. Glücklicherweise wirkte sie nicht böse. «Aber so ist es eigentlich nicht. Edward zum Beispiel war von seiner ersten Woche an, hier der beliebteste Junge. Oder Tanya, sie zog vor 10 Jahren aus Alaska hierher und ist jetzt Schulsprecherin. Es liegt einfach an Alice’ Art, dass jeder sie meidet.»
Ich nickte und konnte dennoch das Gefühl nicht abstreifen, dass Edwards Schwester Unrecht getan wurde. Wenn ich sie betrachtete, sah ich keinen desingerklamottengeilen, durchgeknallten Teenager sondern nur ein trauriges, einsames Mädchen.
«Ich weiß, du findest es hier sehr langweilig, und dass kann man dir nicht verübeln. Doch ich bin fest davon überzeugt, mit der Zeit wirst du deine Meinung ändern.», sagte Angela verschwörerisch grinsend. Magst du ein bisschen Klatsch und Tratsch hören?»
«Sicher.», meinte ich, ziemlich überzeugt davon, dass ich etwas über misslungene Frisuren, rekordverdächtig große geangelte Fische und dergleichen hören würde. Da wusste ich noch nicht, dass aus dem, was sie mir erzählte, man durchaus einen Spielfilm hätte machen können.
«Tyler Crowley wurde wegen Alice von Edward mal ziemlich… sagen wir fertiggemacht.», erzählte sie mir im Flüsterton. Ich blickte mich um sah Jessica und Lauren ihre Ohren in unsere Richtung aufspannen. Das erklärte ihre leisen Worte. «Er ist nicht grad der Hellste, aber vor Edward hatte er hier das Sagen. Seine Familie ist die reichste hier, er sieht am Besten aus und er hat auch eine sehr einnehmende Art. Aber dann zogen der Doktor mit seiner Frau und seinen Kindern hierher. Plötzlich bekam er Konkurrenz, die er ernstnehmen musste. Edward war reicher, hübscher und um einiges gebildeter und charmanter als Tyler. Er kann sich die Mädchen aussuchen und muss ich nicht mal groß anstrengen, während Tyler immer weniger beachtete wurde. Sein Defizit an Intelligenz gleicht er durch seine Gewaltbereitschaft wieder aus, und so drohte er ihm ziemlich oft. Als Edward mit Tanya, Tylers Exfreundin, das erste Mal geschlafen hatte, war seine Geduld vermutlich ausgereizt. Er hat Edward abgefangen und zur Rede gestellt. Am gleichen Abend kam Tyler mit einem gebrochenen Handgelenk, einem blauen Auge und einer angeknacksten Rippe ins Krankenhaus, während Edward nicht mal einen Kratzer hatte. Er tat einfach so, als wäre gar nichts passiert.»
«Da war die Ära ‚Tyler’ endgültig zu Ende, hm?», mutmaßte ich und warf einen verstohlenen Blick zu Edward. Ich konnte mir gut vorstellen, dass er genau wusste, wie er sich verteidigen musste.
«Genau. Daraufhin erschlich er sich die Freundschaft von Alice, was nicht besonders schwer war, weil sie sonst von jedem ignoriert wird. Als Edward es bemerkte, hatte Tyler Alice Vertrauen bereits ausgenutzt und mit ihr geschlafen, außerdem hat sie ihm angeblich einige schockierende Geschichten über Edward erzählt. Ich glaube aber nicht, dass die wirklich stimmen.»
Oha, jetzt wurde es interessant. «Was waren das für Geschichten?»
Angela blickte zu mir hoch. «Hat dir dein Vater oder sonst jemand je erzählt, warum die Cullens von New York nach Forks gezogen sind?»
Ich schüttelte den Kopf und Angela beugte sich noch weiter zu mir.
«Es hieß, die Cullens mussten aus New York verschwinden, weil gegen Edward ein Strafverfahren lief. Er hätte ein Feuer gelegt, das einen halben Wohnblock so gut wie vernichtet hatte.»
Okay, das war jetzt nichts wirklich Schockierendes. «Das kann doch auch ein Unfall gewesen sein. Ich meine, sei wann wohnen die Cullens hier?»
«Seit zehn Jahren, glaub ich., Edward muss also 8 gewesen sein.», überlegte Angela.
«Warum sollte ein Achtjähriger absichtlich ein Wohnhaus in Brand setzen?», fragte ich sie und hielt das für eine absolut berechtigte Frage.
«Es war sogar das Haus, indem die Cullens selbst lebten.» Sie seufzte und schlug dann ihren Hefter zu. «Ich glaube ja auch nicht, dass das stimmt. Vor allem das mit dem Strafverfahren klingt sehr unglaubwürdig, wenn man Edwards Alter bedenkt.»
Im Stillen gab ich ihr Recht. «Was passierte, als Edward rausfand, was Tyler mit seiner Schwester gemacht hatte?»
«Er kam zwei Wochen nicht zur Schule. Seiner Schwester ging es ziemlich schlecht, angeblich soll sie versucht haben, sich das Leben zu nehmen. Edward hat sie nicht mehr aus den Augen gelassen. Nach den Frühlingsferien waren beide wieder da, sahen total abgemagert aus und taten so, als sei nie etwas gewesen. Aber jeder, der Alice auch nur zu lange ansah, lief Gefahr, Edward ernstlich zu verärgern. Seitdem lassen eigentlich alle Alice in Ruhe, niemand hänselt sie mehr und ich glaube, einige haben auch ein schlechtes Gewissen, weil sie sie über Jahre hinweg gemobbt haben.»
«Er hat Tyler nichts getan?», fragte ich ungläubig.
«Das würde ich so nicht sagen. Er hat dafür gesorgt, dass jedes Mädchen, an dem Tyler interessiert war, sich nicht mehr mit ihm abgab, sondern mit Edward. Er weckte in ihnen ehrliche Verachtung gegen Tyler und ich glaube, für einen geltungssüchtigen Menschen wie ihn ist das die schlimmste Strafe. Außerdem ist Edward zu deinem Vater gegangen und erzählte ihm die ganze Geschichte. Natürlich konnte er strafrechtlich nicht verfolgt werden, denn er hatte nichts Ungesetzliches getan, aber dein Dad überhäufte ihn mit Bußgeldern für Bagatellsachen wie Ruhestörung und zu schnelles Autofahren, obwohl Tyler vermutlich in den kleinen Sachen vollkommen unschuldig war.» Angela deutete auf einen Tisch ganz hinten in der Mensa. «Da sitzt er, neben James. Der hasst Edward genauso wie Tyler.»
James hatte lange, blonde Haare und starrte ins Leere, während Tyler etwas in sein Handy tippte. Beide sahen auf eine rohe Weise gut aus, Tyler noch mehr als James.
«Und was hat James gegen Edward?», wollte ich wissen. Vielleicht war das Dorfleben hier doch nicht so langweilig, wie ich gedacht hatte.
«Edward hat seiner Schwester das Herz gebrochen.», sagte sie schlicht.
«Da war sie sicher nicht die Einzige.», murmelte ich. Diese Schule war mit Sicherheit ein Grab für all die zurückgewiesenen Herzen geworden, und zwar genau an dem Tag, an dem er hier aufgetaucht war. «Aber ich dachte, Edward fängt nichts mit High-School-Mädchen an?»
«Tut er auch nicht. Victoria Witherdale, James Schwester, ist vier Jahre älter als er und studiert in Seattle Architektur. Die beiden waren glaub ich sogar ein Paar, er hat den Gerüchten jedenfalls nie widersprochen. Mit Tanya lief auch was, das weiß jeder hier. Ab und zu haben sie miteinander geschlafen, aber was Festes ist es wohl nicht. Sie hat uns mal davon erzählt, als wir auf einer Klassenreise waren…» Sie stockte und bekam rote Wangen bei der Erinnerung daran. Was hatte Tanya wohl erzählt? «Seit Neustem schläft er mit Maria, der Tochter vom Pastor.», fuhr Angela fort. «Sie studiert eigentlich Sport in Berkeley, wohnte aber im Moment für ein Semester wieder bei ihrem Vater und kümmert sich um ihn. Seit seine Frau gestorben ist, benimmt er sich immer merkwürdiger, vergisst seine Predigten und die Namen seiner Gemeindemitglieder. Alles ziemlich peinlich.»
Mit der Kirche hatte ich nichts am Hut, also nickte ich nur unbestimmt. Edward hatte also gewissermaßen ein Mädchen, was mich nicht verwunderte. Also war unsere Unterhaltung von Mittwoch vielleicht gar nicht flirtend gemeint gewesen. Natürlich musste ich das in meiner grenzenlosen Eitelkeit wieder falsch interpretieren, ja, das sah mir leider ähnlich.
«Ich nehme an, die anderen beiden sind auch so hübsch wie Tanya?», fragte ich.
«Ja. Es gab eine Phase, da ließen sich eine Menge Mädchen hier die Haare rot färben, weil Edward ganz offensichtlich darauf steht. Sowohl Victoria als auch Maria haben beide rote Haare, und Tanya dieses Rotblond. Aber soweit ich weiß, gab es nur diese drei, die je bei ihm landen konnten»
«Was ist mit der Blonden da, ich hab gesehen, wie er in Geschichte dauernd mit ihr geflirtet hat.» Ich zeigte unauffällig auf das Mädchen mit den pinken Fingernägeln, die die Nase soweit oben trug und immer über das Essen schimpfte. Im Moment stand sie neben der Kaffeebar und telefonierte.
«Rosalie meinst du?»
«Ja genau, Jessica erzählte mir, sie wohne in der Nähe vom Polizeidepartment.»
«Ja, das ist Rosalie. Sie, Ben, Seth und Emmett sind Edwards beste Freunde. Sie und Edward sitzen fast in allen Fächern zusammen. Aber geflirtet haben sie sicher nicht, Rosalie steht nämlich nicht auf Edward.»
«Woher willst du das wissen?»
«Weil es offensichtlich ist, dass sie was von Emmett McCarthy will, dem breitschultrigen Jungen an Edwards und Bens Tisch. Aber ob er es erwidert oder nicht, weiß ich nicht. Wahrscheinlich nicht, denn sonst wären sie wohl zusammen.»
«Na na na, was muss ich da hören? Ihr tratscht und klatscht wie zwei seanachaí!», tadelte Edward und jagte Angela und mir einen gehörigen Schrecken ein, als er urplötzlich an unserem Tisch stand und uns lächelnd betrachtete.
Ich zog fragend die Augenbrauen hoch.
«Uh, Märchenerzähler.» Er nahm sich einen Stuhl und setzte sich verkehrt herum drauf, so dass er die Lehne zwischen seinen Beinen hatte. Die Arme überkreuzte er und sah mich an. «Wie geht’s dir heut, Isabella?», fragte er.
«Nur Bella.», korrigierte ich. «Ich hab eine Schwäche für Spitznamen.»
«Wie du willst, dann Bella. Solange du mich nicht Eddi oder so nennst.» Er grinste, ich schüttelte den Kopf.
«Keine Sorge, gib mir ein bisschen Zeit und mir fällt ein passenderer Name für dich ein.»
«Auch nicht ‚Ed’ bitte.», bat er schmunzelnd und musterte mich eigenartig intensiv.
«Vielleicht belassen wir es vorerst bei Edward.», beruhigte ich ihn.
«Ist wohl am Besten.» Er strich sich eine Strähne aus der Stirn und strahlte mich an, als hätte er eine Million Dollar in der Lotterie gewonnen. «Also, wie geht’s dir nun?»
«Gut, denke ich. Und selbst?» Stolz auf meine diplomatische und vollkommen gelogene Antwort lehnte ich mich zurück.
«Müde, aber entspannt.», antwortete er und grinste anzüglich. Als er es bemerkte, unterdrückte er den anzüglichen Teil seines Grinsens, aber ich hatte ihn längst durchschaut.
«Du hattest letzte Nacht Sex.», stellte ich fest. Ja, diskret zu sein war nicht meine Stärke.
«Naja, nicht direkt.» Er biss sich lasziv auf die Lippe. «Obwohl, doch, eigentlich schon.»
«Wie geht’s Maria und ihrem Vater?», fragte Angela daraufhin. Wow, so schüchtern wie sie aussah, war sie, glaub ich, gar nicht.
«Wie es ihrem Vater geht, weiß ich nicht, aber als ich Maria verlassen habe wirkte sie auf mich ziemlich glücklich.», erwiderte Edward. Wir fingen alle an, albern zu kichern, aber ich fühlte mich noch immer etwas beobachtet von ihm. So als würde er jede Reaktion abschätzen.
«Wenn du mal bei Ben auch so schnippisch wärst.», lächelte er Angela teuflisch zu. «Aber seltsamerweise scheinst du dann kein Wort rauszubekommen.»
Sie wurde erst käseweiß, dann färbten sich ihre Wangen feuerrot. «O Gott, er weiß doch etwa nicht, dass-»
«Klar weiß er das. Du rennst jedes Mal weg, wenn du ihn siehst. Da fällt schon ein bisschen auf, weißt du…»
«Oh nein.», stöhnte Angela und ließ ihre Stirn auf die Tischplatte sinken. «Ich bin erledigt.», sagte sie zu sich selbst.
«Weißt du, bestimmt ist dieser Ben genauso schüchtern wie du.», versuchte ich sie aufzumuntern.
Edward schnaubte. «Ist er. Das ist wohl das Problem an der Sache.»
«Na dann ist doch alles klar. Geh einfach mal zu ihm und rede mit ihm.», schlug ich Angela vor.
«Hier in der Schule, wo uns alle sehen können?», fragte sie entsetzt und riss die Augen auf.
«Du kannst ihn natürlich auch zu dir nach Hause einladen, aber wundere dich nicht, wenn er dann denkt, dass du nur-»
«Edward!», unterbrach ich ihn laut und schlug ihm leicht auf den Unterarm. «Hör auf, ihr so einen Scheiß einzureden!» Er lachte.
«Jessica erzählte doch was von einer Party am Wochenende. Warum probierst du es nicht da? Es gibt bestimmt eine ungestörte Ecke, wo ihr euch unterhalten könnt.», schlug ich vor. So schwer konnte das doch nicht sein, mit einem Jungen zu reden.
«Ich weiß nicht, ob ich den Mut dazu habe.» Sie seufzte. «Kommst du denn auch, Bella? Bitte, du musst, alleine werde ich mich nie trauen.»
«Ich weiß nicht, bisher hab ich noch nicht darüber nachgedacht.»
«Klar kommst du.», bestimmte Edward. «Sooft gibt es hier keine Partys, also solltest du deine Chance nutzen. Wir feiern am Strand, Musik, Wasser, Lagerfeuer, das wird dir gefallen.»
«Woher willst du wissen, was mir gefällt?», fragte ich. Ich hatte die letzten Nächte nicht wirklich geschlafen und wollte das ganze Wochenende im Bett zu verbringen und mit Scott und meiner Mum über Skype telefonieren.
Er streckte eine Hand nach mir aus und nahm die Strähne zwischen seine Finger, die sich aus meiner Frisur, wenn man es denn so nennen wollte, gelöst hatte und mich an der Nase kitzelte. «Sagen wir so, ich habe das Gefühl, ich kenne dich schon mein Leben lang.», erwiderte er leise und klemmte die Strähne hinter meine Haarspange. Okay, jetzt bildete ich mir das nicht nur ein, oder? Er flirtete doch mit mir???
Ich wusste nicht recht, was ich daraufhin sagen sollte und sah zu Angela, die Edward mit offenem Mund anstarrte. «Sagst du das zu jeder, die nicht wie Frankenstein aussieht?», fragte ich scherzend. Wie er mich ansah… es bescherte mir eine Gänsehaut. Ich liebte Scott, ehrlich und aufrichtig, aber Edward wirkte wie Eva auf mich, die mich mit einem Apfel vom Paradies weglocken wollte.
Er lächelte. «Nein.»
«Ich weiß nicht, ob ich dir glauben soll.», erwiderte ich.
Er stand auf, weil die Mensa sich zusehends leerte, und schob den Stuhl an den Tisch. Angela und ich erhoben uns ebenfalls, packten unseren Kram zusammen. Sie sah immer noch ein bisschen schockiert aus. Wir hatten jetzt Spanisch zusammen, da konnte ich sie ausfragen. Vielleicht hatte ich Edwards Verhalten von Mittwoch doch nicht falsch interpretiert. Sie konnte mir bestimmt sagen, ob er sonst auch so war.
«Go dtuga Dia slan abhaile thu.», antwortete Edward.
«Ich leg mir demnächst ein irisches Wörterbuch zu.», murmelte ich und drehte ihm kurz den Rücken zu, weil ich in meiner Tasche kramte. Dabei fiel mein Blick auf Jessica, die zwei Meter vor mir stand und richtig sauer aussah. Liebenswürdig winkte ich ihr zu und empfand ein bisschen Schadenfreude. Ihre Augen weiteten sich genau in dem Moment, als ich fremden Atem an meiner Wange spüren konnte.
Edward stand plötzlich hinter mir, ich sah es aus den Augenwinkeln. «Tu’s oder tu’s nicht.», übersetzte er direkt in mein Ohr, während ich Jessica weiterhin anstarrte. Ihre Augen verzogen sich zu Schlitzen.
«Ich schätze das Risiko, Edward.», flüsterte ich süßlich, aber laut genug, damit Stanley mich auch hören konnte. «Und deshalb glaube ich dir.»
Vielleicht war es Jessica eine Warnung, sich nicht mit mir anzulegen. Ob mit oder ohne Edward – ich war nicht so schnell kleinzukriegen.
Nach Politik, meiner letzten Stunde an diesem Tag, war ich völlig fertig. Durch die vielen schlaflosen Nächte, die sich bereits in Phoenix vor meiner Abreise eingestellt hatten, brachte mich allein der Schulalltag an den Rand der Erschöpfung. Dazu kamen noch der Stress mit den Hausaufgaben und die ungewohnte Umgebung. Ich brauchte dringend eine Pause.
Bevor ich nach Hause fahren konnte, ging ich noch mal auf die Toilette. Doch als ich die Tür öffnete, wartete eine Überraschung auf mich.
In der ersten offenen Kabine saß Alice, Edwards Schwester auf einem geschlossenen Toilettendeckel und schluchzte. Ihre schmalen Schultern bebten sacht und bei jedem anderen Menschen hätten die Muskeln bei dieser Haltung sofort protestiert. Dass ihre es offensichtlich nicht taten, zeugte davon, wie sehr sie es gewohnt war, zusammengesunken zu sein. Als sie mich sah, erschrak sie und wischte sich sofort die Tränen weg. Ich überlegte, ob ich was sagen sollte oder ob ihr das vielleicht unangenehm oder peinlich wäre. Die anderen Schüler mussten so gut wie alle weg sein.
«Ist…alles okay?», fragte ich sie behutsam und blieb vor der offenen Tür stehen.
«Ja.», antwortete sie nur und stand auf, offenbar wollte sie gehen. Sie wirkte wegen ihrer Tränen sehr verlegen. Ich reagierte erst, als sie die Tür zum Schulflur schon aufgestoßen hatte.
«Ich weine auch jeden Abend, wenn mein Dad schon schläft und keiner mich sieht.», gestand ich spontan und leise. «Mir fehlt meine Mutter, meine Zuhause, mein Freund. Ich bin einsam hier.»
Alice drehte sich zu mir um. «Du siehst gar nicht so aus, als wärst du unglücklich.», erwiderte sie zögerlich.
«Ich versuche, mich zusammen zu reißen.»
Sie schloss die Tür und hievte sich auf den Waschtisch. Ich tat es ihr gleich.
«Ich hab gehört, was Lauren und Jessica über dich gesagt haben. Geh den beiden lieber aus dem Weg. Sie können richtig … kriminell werden, wenn sie jemand offen provoziert.», warnte sie mich.
«Mach dir keine Gedanken, damit werde ich fertig.» Dann hielt ich ihr meine Hand hin. Irgendwie mochte ich das Mädchen, auch wenn ich nicht wirklich viel von ihr wusste. «Ich bin Bella.»
«Alice.», antwortete sie und das erste Mal sah ich sie lächeln. Sie schlug ein.
Die Tür ging auf und diese Tanya, die Details über ihren Sex mit Edward in der Schule verbreitet hatte, betrat die Toilette. «Ist das hier eine geheime Versammlung?», fragte sie und zog die perfekt gezupften Augenbrauen nach oben.
Alice wurde rot. «Bin schon weg. Machs gut, Bella.», verabschiedete sie sich hastig und hüpfte vom Rand des Waschbeckens. Ich wollte ihr hinterher, aber Tanya stellte sich vor die Tür.
«Du bist also Bella.», stellte sie fest.
«Richtig. Würdest du mich bitte vorbeilassen?», fragte ich unfreundlich.
«Sicher.» Abschätzend betrachtete sie mich, als ich meine Tasche packte und Alice hinterherlief.
Ich erwischte sie auf dem Parkplatz. Sie wartete offenbar auf jemanden.
«Hey Alice!», rief ich ihr zu, als ich sie erreichte. «Soll ich dich mitnehmen?»
«Nein, danke, brauchst du nicht. Edward wird bestimmt gleich da sein. Er hatte heut früher Schluss und ist beim Baseballtraining.»
«Warum schreibst du ihm nicht, dass ich dich mitgenommen habe, dann musst du nicht in der Kälte hier warten.», bot ich ihr an. Irgendwie fühlte ich zu ihr eine seltsame Verbundenheit. Vielleicht weil sie so einsam aussah, wie ich mich fühlte.
«Kälte? Es ist ungewöhnlich warm heute.»
«Für mich ist alles unter 20 Grad eisig.», erwiderte ich schulterzuckend.
«Und das…würde dir nichts ausmachen?», fragte sie vorsichtig.
Ich verdrehte meine Augen, lächelte aber.
«Also gut.», stimmte Alice zu und stieg in mein Auto. Sie sah mich so vorsichtig an, dass ich automatisch eine Wut auf jeden bekam, der sie gemobbt hatte.
Ich würde mich nicht auf eine Stufe mit denen stellen, soviel war klar.
Den Samstag verbrachte ich im Bett, nachdem ich das Haus sauber gemacht und Charlies Plan, zum Angeln zu fahren, unterstützt hatte. Das Zusammenleben mit meinem Dad war unendlich entspannend, weil er nichts von mir erwartete und andersherum. Wenn wir Lust hatten, sahen wir uns zusammen ein Footballspiel im Fernsehen an und wenn nicht, dann konnte ich auch den ganzen Tag in meinem Zimmer hocken und laute Musik hören. Da wir uns in essentiellen Dingen sehr ähnlich waren, reduzierten sich die Spannungen zwischen uns lediglich auf das Bad, das wir zusammen benutzen mussten. Er versprach, unten in die Waschküche eines für sich zu bauen, so dass er mir meine Privatsphäre lassen konnte.
Er war rücksichtsvoll und diskret, fragte mich nicht aus, zwang mich zu nichts und doch hatte ich das Gefühl, als würde er sehr gut auf mich aufpassen. Er hatte durchschaut, dass der einzige Weg, mich an ihn zu ketten, der war, mir meine Freiheit zu lassen. Ich verdankte meinem Dad, dass sein Zuhause auch langsam zu meinem wurde, und das inmitten dieser immergrünen Hölle von Forks.
Ich trug meine kurzen, blaukarierten Schlafshorts und ein weißes T-Shirt, lag zwischen den Kissen meines Bettes und lauschte mit geschlossenen Augen der unendlichen Emotionalität Baysides. Meine Musikanlage war das einzige Möbelstück gewesen, das ich aus meinem alten Zimmer in Phoenix mitgenommen hatte.
Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und ich zuckte zusammen. Edward Cullen stand in meinem Zimmer und sah auf mich herab. Ich war viel zu verblüfft, um etwas zu sagen.
«Hi.», begrüßte er mich und schloss mit einer Selbstverständlichkeit die Tür hinter sich, als seien wir alte Freunde. «Ich bin gerade in eure Einfahrt gefahren, als dein Dad gekommen ist. Er hat mich reingelassen, ich bin also nicht eingebrochen.»
Fragend hob ich meine Augenbrauen. Was zur Hölle wollte er bei mir?
«Ich rechtfertige mich nur, weil du mich anschaust, als hätte ich dein Haustier überfahren.» Edward zuckte mit unschuldigem Blick die Schultern.
«Hättest du nicht anklopfen können?», fragte ich. «Ich hätte nackt sein können.»
«Na und? Hätte mich das gestört?», erwiderte er und inspizierte mein Zimmer. Warum war er hier?
Er trug eine schwarze Jeans, Nike’s und ein kurzes, kariertes Button-Down-Hemd. Seine Haare waren zerzaust und mit Sicherheit nicht gekämmt, was ihn noch unwiderstehlicher aussehen ließ. Seine cremig glatte Haut strahlte im Licht meiner Schreibtischlampe und er durchschritt mein Zimmer, als hätte er nie was anderes getan und sei fasziniert von herumliegenden Büchern, Klamotten und anderem Krempel. Es war mir unerklärlich, wie ein Mann sich so bewegen konnte. Er wirkte unheimlich stolz und gleichzeitig sehr leichtfüßig und unbekümmert. Seine Schultern waren erhoben und nicht so zusammengesunken wie die seiner Schwester.
Edward trat an das Regal, wo meine Musikanlange stand und er stoppte die CD von Bayside. Dann öffnete er das Fach des fünffachen CD-Wechslers.
«Was zur Hölle tust du da, verdammt?», fuhr ich ihn an. Ich konnte es gar nicht ab, wenn sich jemand in meine Musik einmischte.
«Ich will nur wissen, was du zuletzt gehört hast.» Er holte eine CD hervor, warf einen Blick darauf und zog dann die Augenbrauen hoch. «Phoenix? Dein Heimweh muss schrecklich sein.»
Ich zuckte mir den Schultern. «Ich hatte eine harte Woche, außerdem ist das ne tolle Band.»
Er nickte und drückte auf Play, nachdem er sie wieder zurückgelegt hatte. Dann sah er mich an. «Lieblingssong?»
«Lasso.», antwortete ich automatisch. «Deiner?»
«1901.» Er zuckte mit den Schultern. «Ist eigentlich die einzige französische Band, die ich kenne.»
«Was ist mit Daft Punk?», fragte ich ihn.
«Electro ertrag ich nur, wenn ich entweder sehr betrunken oder sehr high bin. Dann allerdings liebe ich es.»
«Und Yann Tiersen?» Die ultimative Frage für jemanden, den ich eventuell in meinen Freundeskreis aufnehmen würde.
«Das ist ein Typ, keine Band.», berichtigte er mich mit leuchtenden Augen. Er kannte Tiersen also, was ich nur mit grimmiger Genugtuung bedachte. In der Highschool in Phoenix war ich die ungekrönte Königin der Musik gewesen, ich kannte Bands und Songs lange bevor irgendein anderer sie gut fand. Während die anderen Kinder früher ihr Geld für Zeitschriften, Klamotten und Süßigkeiten ausgegeben hatten, hatte ich mir Bücher und CDs gekauft. Ich vergaß niemals eine Melodie, die mich berührte. Und ausgerechnet hier, in diesem Nest musste mir jemand begegnen, dem man wahrscheinlich dahingehend nicht viel vormachen konnte.
«Dein Lieblingslied von Tiersen?», forderte ich zu wissen.
«Sur Le Fil. Deines?» Er lächelte glücklich, was ich nicht ganz nachvollziehen konnte.
«Rue De Cascades.», antwortete ich. Edward nickt anerkennend.
Ich setzte mich auf und fixierte ihn mit meinen Augen. «Wo wir grad beim Thema sind: Ich habe eine sehr, sehr wichtige Frage an dich, Edward.»
«Schieß los.» Er lehnte sich an meinen Schreibtisch, die Hände in den Hosentaschen vergraben. Das Licht der Lampe beleuchtete nur die eine Seite seines Gesichts, die andere lag im Dunkeln. Ich fand, dass darin eine gewisse Metaphorik für den Eindruck lag, den ich von ihm gewonnen hatte.
«Oasis oder Blur?» Gespannt wartete ich auf seine Antwort. Wenn er das Falsche sagte, müsste ich ihn rauswerfen.
«Willst du mich verarschen? Oasis natürlich.», entrüstete er sich.
«Gut, denn wenn du ein Blur-Fan wärst, hätte ich dich erschießen müssen.» Zufrieden kuschelte ich mich in mein Kissen.
«Du bist nicht sehr tolerant.», stellte Edward fest. Sein Blick wanderte von meinen Füßen aufwärts und als er mir in die Augen sah, wirkte es, als betrachte er nicht mich sondern ein außergewöhnlich herausragendes Gemälde.
«Nicht, wenn es um Musik geht.», setzte ich ihn in Kenntnis. Fairerweise fügte ich hinzu: «Oder Filme. Essgewohnheiten. Oder-»
«Okay, schon kapiert.» Er grinste mich an. Ich wollte ihm gerade etwas an den Kopf werfen, da stützte er seine Arme hinter seinem Rücken auf den Tisch und setzte sich drauf. Seine langen Beine überkreuzten sich in der Luft und er legte den Kopf schief, während er mich betrachtete. Irgendwie wischte dieser Anblick jeden meiner Gedanken aus meinem Kopf. Es war weiß Gott nicht das erste Mal, das ich einen schönen Mann betrachtete, aber Edward warf mich gerade etwas aus der Bahn.
«Geh mit mir auf die Party.», bat er. Nein, er bat nicht nur, er forderte mich durch seinen Tonfall dazu auf, bettelte mit seinen Augen, machte es mir schier unmöglich, nein zu sagen.
«Ähm.», sagte ich nur. Ich hatte eigentlich keine große Lust auszugehen, weil ich müde und faul war.
«Komm schon. Du, ich und Stanley auf einer Party, das dürfte interessant werden.», versuchte er es mir schmackhaft zu machen.
«Warum fragst du nicht Alice?»
«Habe ich schon, aber sie ist lieber mit unserer Mum nach Seattle in ein Spa gefahren. Danke übrigens, dass du sie gestern nach Hause gefahren hast. Ihr bedeutet das viel.», bedankte sich Edward.
«Kein Problem. Sie ist etwas still, aber ich glaube, als ich versehentlich den Schaltknüppel an meinem Auto abgebrochen habe, ist sie etwas aufgetaut.» Ich grinste bei der Erinnerung an unseren Lachkrampf, und wie Alice über mein verdutztes Gesicht gelacht hatte, als ich plötzlich das verrostete Teil in der Hand hielt. Es war nicht zum ersten Mal passiert, denn mein Pick Up war noch aus der Zeit, als wirklich jeder Sex für eine Sünde hielt.
«Ich weiß nicht, ob ich das, mit dem du durch die Gegend tuckerst, als Auto bezeichnen würde.» Er lachte. Über meinen Wagen!
«Ich mag es. Es hat Charakter.» Ich reckte mein Kinn und amüsierte ihn offenkundig damit noch mehr.
«Also, wie sieht’s aus, kommst du mit? Du wirst mir doch keinen Korb geben, oder?» Sein Mund verzog sich zu einem schiefen Lächeln.
«Nur weil dir sonst keiner einen Korb gibt, heißt das nicht, dass ich es nicht trotzdem tun kann.», neckte ich ihn mit seiner selbstgefälligen Frage.
Er lachte leise. «Okay, wenn du meinst. Dann los. Gib mir einen Korb, brich mir mein armes, kleines, blutendes Herz, das darauf gebaut hat, dass du mich heute Abend vor Jessica Stanley rettest.»
Hm, Edward vor Jessica zu ‚retten’ war ein verlockender Gedanke. Es wäre sicher amüsant zuzusehen, wie sie den ganzen Abend schmollen würde, wenn ich mit Edward auftauchte. Ganz abgesehen davon, war es unheimlich leicht, mir ihm Zeit zu verbringen. Seine Art ließ mich fühlen, als wären wir schon immer dazu bestimmt gewesen, Freunde zu sein.
«Na gut, du hast gewonnen.», ergab ich mich. Sein Lächeln erwischte mich unvorbereitet und ich begann, ihn ernsthaft mit Scott zu vergleichen. Mein Freund war warmherzig und liebevoll und ich hatte schon immer gefunden, dass er beides in seinem Lächeln deutlich nach außen hin zeigte. Doch während sein Mund schon immer etwas zu breit gewesen war, um süß zu sein, verband Edward den gleichen, vertrauten Duft der Wärme perfekt mit vollen, sinnlichen Lippen.
Bevor ich mich völlig in meinen Gedanken verlieren konnte, klingelte das Telefon auf meinen Tisch. Edward drehte sich um und schaute aufs Display.
«Ist es Mum?», fragte ich ihn.
«Scott.», las er ab. «Willst du rangehen?»
Ich nickte und bekam rote Wangen vor Freunde. Sofort war Edward vollkommen unwichtig. «Uh, kannst du es mir geben?»
Er hob das Telefon aus der Station und warf es zu mir rüber. Ich fing es ungeschickt auf und drückte auf Rufannahme.
«Hi Scott.», begrüßte ich ihn freudig.
«Bella, Sonne meines furchtbar langweiligen Lebens… Du fehlst mir.» Scotts Charme durchflutete das Telefon und seine sonore Stimme ließ mich sehr glücklich fühlen.
«Du mir auch.», seufzte ich. «Und wenn du dein Leben schon langweilig findest, dann frag mich lieber nicht nach meinem.»
«So schlimm?»
«Schlimmer. Was treibt ihr heut Abend?», wollte ich wissen. Früher waren Scott und ich mit Freunden immer am Wochenende ausgegangen.
«Wir gehen ins Steakhouse und dann schauen wir uns den neuen Tarantino an. Ach, und ich soll dir von Denise sagen, du hast ihr Dior-Top mitgenommen und sie hätte es verdammt noch mal gern zurück.»
Ich lachte. «Ich habs bei Mum gelassen, sie soll es sich abholen.»
«Alles klar. Was machst du heute? Angeln?» Er lachte mich aus.
«Sehr witzig, du Idiot. Wir gehen zu einer Strandparty.», verriet ich ihn. Wenn er mich schon dauernd mit der Einöde hier aufziehen konnte, wollte ich doch wenigstens ein wenig Eifersucht wecken.
Prompt biss er an. «Wir?», fragte er ahnungslos.
«Edward und ich.» Ich gab mir Mühe, Edwards Name genauso auszusprechen wie Jessica es immer tat: gehaucht.
«Wer ist Edward?» Scott klang ratlos.
«Mein Banknachbar in Bio. Prince Charming von Forks. Er ist hier um mich abzuholen.»
«Er holt dich ab?», vergewisserte sich mein schockierter Freund.
«Ja.»
«Sicherlich ist er hässlich.», behauptete er.
«Kann man so nicht sagen.», lachte ich und schaute unserem Gesprächsthema in die Augen. Er zeigte keine Regung. «Um die Wahrheit zu sagen…», begann ich grinsend.
«Bella!» Die ehrliche Entrüstung meines Freundes war so niedlich, dass ich ihn nicht weiter necken konnte.
«War nur n Witz, mach dir keine Sorgen. Ich liebe dich.», sagte ich ihm.
«Ich dich auch. Sei artig, Schönste, und zieh Gummistiefel an.» Er lachte dreckig.
«Ich nehm’s wieder zurück. Ich kann dich eigentlich gar nicht leiden. Weiß überhaupt nicht, warum du anrufst.», zog ich ihn auf.
Ich hörte ihn lachen. «Ich liebe dich auch. Pass auf dich auf, hörst du?»
«Mach ich. Bye»
«Bye.»
Ich legte auf und lächelte zufrieden. Er rief viermal pro Tag an, immer nur kurz, aber es half dabei, mein Heimweh zu zerstreuen.
Mich sehr, sehr wohl und glücklich fühlend stand ich vom Bett auf, um das Telefon in die Station zurückzustellen. Dabei war ich Edward sehr nah und er sah mich an, diesmal ohne jeden Ausdruck in den Augen.
«Alles okay?», fragte ich ihn.
«Sicher. Ich warte nur darauf, dass du dir was anziehst. Natürlich nehme ich dich auch in diesen entzückenden Schlafklamotten mit, nur ist es wohl… naja… nicht gerade bienséant.»
«Anständig?», mutmaßte ich.
«Schicklich.», korrigierte er. Ich verdrehte die Augen und er fuhr sich langsam mit einer Hand durch die wuschligen Haare. «Tut mir Leid, das nervt dich bestimmt total, dass du immer nachfragen musst, wenn ich was sage. Ich versuche schon, es ganz bei Englisch zu belassen, aber manchmal rutscht es mir raus und ich kann nicht wirklich was dagegen tun.»
Ich fühlte mich schlecht, weil er sich um solche kleinen Dinge einen Haufen Gedanken machte, dass er sich jeden Satz überlegte, um mir nicht auf den Wecker zu gehen. Dabei störte es mich nicht einmal, im Gegenteil.
«Das musst du nicht tun, weißt du? Solange du mich immer darüber aufklärst, was du sagst, stört es mich überhaupt nicht.» Ich streckte mich und stellte mich dann vor den Kleiderschrank. «Andernfalls besorg ich mir echt so ein verdammtes Wörterbuch und schlage nach.» Ich suchte nach einem schwarzen, warmen Paar Strumpfhosen und einer langen, lässigen Strickjacke, die mir bis über den Hintern ging. Zu sehr wollte ich mich nicht auftakeln, weil es nicht zum Stil von Forks passte.
Edward nicht im Geringsten beachtend, zog ich mir das T-Shirt über den Kopf, wohlweislich lächelnd. Ich wusste, was jetzt kommen würde.
Er zog die Luft scharf ein. Ich stand mit dem Rücken zu ihm, so dass er mich von vorn nicht sehen konnte, aber ich war mir sicher, er bemerkte es nicht einmal. Edward stöhnte, während ich geschickt einen schwarzen BH anzog und den Verschluss verhakte. Auf dem Rücken hatte ich einen großen Schwan tätowiert, der seine Flügel ausbreitete. Bisher hatte jeder Kerl, der es zu Gesicht bekam, fast die Fassung verloren. Das Motiv war perfekt an meine Konturen angepasst, die Flügelspitzen gingen über meine Seiten bis auf meine Brüste und obwohl es endlose Stunden Schmerz und zahlreiche nicht weniger schmerzhafte Diskussionen mit Mum und Phil deshalb gegeben hatte, bereute ich es keine Sekunde.
«Bist du ein verdammtes Suicide-Girl?» fragte er. «Fuck, wenn ja: Heirate mich. Bitte.»
Ich lachte und schlüpfte in ein enges Top, was ich darunter tragen wollte, weil die braune Strickjacke ziemlich dünn war. «Ich muss dich leider enttäuschen.»
«Enttäuschen?» Er lachte. «Nicht, das ich nicht davon begeistert wäre, wenn du eine Suicide wärst. Aber auch so, es siehst unheimlich sexy aus.»
«Danke. Ich hab letztens festgestellt, dass du auch ein Tattoo auf dem Rücken hast.», sagte ich und warf einen bittenden Blick über die Schulter. Edward starrte mich an, raufte sich pausenlos seine Haare und verstand offenbar nicht, was ich ihm mit dem Blick sagen wollte.
«Ich würde mir gern andere Unterwäsche anziehen. Kannst du dich kurz-»
«Oh, natürlich. Entschuldige.» Er ging zum Fenster und drehte sich weg. «Ich hab noch mehr Tattoos als das auf dem Rücken.», erzählte er und plötzlich klang er ein bisschen nervös, was mich zum Schmunzeln brachte. Ich könnte darauf wetten, dass er nicht oft nervös war in Gegenwart eines Mädchens. «Aber es wundert mich etwas, woher du von dem Tattoo weißt.»
«Du hast vor mir gestanden und dich gestreckt und da hab ich es gesehen.», erzählte ich. «Aber denk jetzt nicht, dass ich absichtlich geschaut habe, es war nur… naja, auffällig.»
Er lachte. «Du bist sehr höflich, Bella.», stellte er fest und seine Stimme nahm einen anderen Klang an, als ich gewohnt war.
Er klang genauso warm, wie sein Lächelnd einladend war.
Eine halbe Stunde später saßen wir in seinem Auto. Zu meinem Outfit trug ich meine Cowboystiefel und eine Tasche in der gleichen Farbe, auch wenn Edward bedauerte, dass es nicht warm genug für rückenfreie Tops war. Er neckte mich die ganze Zeit, aber so unaufdringlich, dass es mich wirklich zum Lachen brachte und mich nicht beschämte. Es war ein schönes Gefühl, nach den ganzen Tränen der letzten Woche mal wieder richtig lachen zu können.
Kaum hatten wir uns angeschnallt, griff er in seine Hosentasche und zog seinen iPod hervor. Ich beugte mich zu ihm und schaute über seine Schulter, was er mit einem kurzen Seitenblick registrierte. Er scrollte durch seine Interpretenliste.
«Ah!», unterbrach ich ihn aufgeregt. «From Autumn To Ashes ist genau, was ich jetzt brauche!» Doch Edward ignorierte mich, durchforstete weiter seine Musikbibliothek und rümpfte hier und da die Nase.
«A Perfect Circle wären auch toll.», warf ich ein, aber Edwards Hand legte sich blitzschnell auf meinen Mund.
«Shht, ich muss mich konzentrieren.», murmelte er und ich versuchte, seine Hand wegzudrücken. Es gelang mir erst, als er mir keine große Aufmerksamkeit mehr schenkte.
«Was soll das?», blaffte ich ihn wütend an, da hielt er mir wieder den Mund zu. Als ich es diesmal schaffte, mich zu befreien, hielt ich seine Hand einfach fest. Er entzog sie mir nicht, selbst dann nicht, als er den Mp3-Player in die dafür vorgesehene Station zurückstellte und umständlich den Motor startete ohne jedoch loszufahren.
http://www.youtube.com/watch?v=_4ahtgS21Ic
Ich fing an, zu kreischen, als ich den Song erkannte. «ich liiiiebe diesen Song.», lachte ich und er sah mich an, lächelte. Als ich mich vorbeugte, fiel mir auf, dass ich seine Hand noch hielt und ließ sie so plötzlich los, als hätte sie Feuer gefangen. Auch wenn es absolut keinen Grund dafür gab, errötete ich.
«Ich bin nicht giftig.», sagte er lässig und fuhr los.
«Nein, aber… die Hand eines anderen Menschen zu halten ist sehr… intim, finde ich.»
Er lachte. «Ich verstehe. Du hast also kein Interesse daran, intim mit mir zu werden?», fragte er und bemühte sich nicht mal, sein Schmunzeln zu verbergen.
«Ähm, nein.», erwiderte ich und fragte mich, warum er mir solche Fragen stellte.
«Mal sehen, ob du deine Meinung nach ein paar Drinks änderst.», wisperte er leise und beinahe… hoffnungsvoll.
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Suidice Girls http://suicidegirls.com/
Danke für eure Reviews, ihr Lieben :D. Ich kann euer Feedback kaum fassen!
Und, was denkt ihr über Edward und Bella? Mögt ihr sie? Was denkt ihr über Alice? Und was wird wohl unvermeidlich auf der Party passieren?
Alles Liebe
Theburningblack
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