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von theburningblack    erstellt: 01.01.2010    letztes Update: 18.06.2011    Geschichte, Drama, Romanze / P18    (pausiert)
KAPITEL ZWEI
Nur Zu Besuch

Bella Swan
Das Ende der Welt ist dort, wo du niemanden hast, den du Freund nennen kannst.

Die Forks-Highschool war wirklich ein Auffangort für alle Arten von gestrandeten Existenzen.
Es war Mittwoch, 11.15 Uhr. Geschichte. Ich saß vorne rechts im Klassenzimmer neben einem Mädchen namens Jessica Stanley, die mit erschreckender Ausdauer auf jedem einzelnen meiner Nerven herumtrampelte wie eine Kuh auf einer fetten, saftigen Wiese. Hörte dieses Weib jemals auf zu reden?
Ich war neu an der Schule und seit dem letzten Wochenende wieder eine Einwohnerin von Forks, Washington. Die Vorzimmerdame beim Bürgermeister, eine Mrs. Newton, hatte mir gestern strahlend erklärt, ich wäre die 3050. Bewohnerin. Ich für meinen Teil, wäre am Liebsten sofort wieder abgehauen.
‚Fast ein Jubiläum!’, hatte sie mehrmals in ihrer begeisterten Tonlage gerufen, wie es wahrscheinlich ihre Art war. Meine Begeisterung hingegen hatte sich in irgendeine Ecke verkrochen und schmollte. Mrs. Newton war sichtlich enttäuscht angesichts meiner schlechten Laune, aber ich hatte andere Sorgen.

Zum Beispiel solche, die die Tatsache betrafen, dass das Schuljahr bereits drei Wochen alt war und ich eine Menge aufzuholen hatte. Zunächst einmal musste ich mir also jemanden suchen, der bereit war, mir seine Unterlagen auszuborgen. Bei dieser Jessica, die meine Banknachbarin war, hatte ich bereits in ihren aufgeschlagenen Hefter geschielt und bemerkt, dass außer Herzchen und Kritzeleien über einen Edward Cullen nichts Brauchbares vorhanden war, mit dem ich etwas hätte anfangen können. Der arme Junge, wer immer er war, tat mir leid. So eine Freundin wie Jessica zu haben, musste grausam sein. So gut konnte der Sex mit ihr gar nicht sein, um das wieder gut zu machen.
Urgh. Grässliche Vorstellung.
358 Schüler lernten hier in der Forks Highschool tagein, tagaus. Geredet hatte ich bisher nur mit ihr, einem überheblichen Mädchen namens Lauren und einer sehr netten, aber eher schweigsamen Angela, aber das störte mich eigentlich nicht weiter. Da wo ich herkam, waren wir so viele in einem Jahrgang gewesen; ich würde also zwangsläufig jeden hier kennenlernen.

Was hatte ich mir nur dabei gedacht, zuzustimmen, dass ich hier leben soll? Auch nach einem Dutzend Besuche bei meinem Vater hier in Forks – verteilt über die vergangenen 13 Jahre – und die ersten vier Jahre meines Leben, die ich noch mit meiner Mutter hier verbracht hatte, hatte sich rein gar nichts geändert. Die Menschen waren noch dieselben, der Regen knallte immer noch ununterbrochen auf die – wie konnte es auch anders sein – durch üppige Vegetation begrünten Dächer. Als eine willkommene Unterbrechung des in Routine erstarrten Lebens in diesem Kuhdorf erwies sich da natürlich die Ankunft der Tochter des Polizeichefs Charlie Swan, meines Vaters. Neugierige Augen verfolgten jede meine Bewegungen an meinem ersten Tag in der Highschool. Viele hatten meine Mutter gekannt, eine immer sehr fröhliche Frau, die jung geheiratet hatte und so nach Forks gekommen war. Sie hat es hier gehasst, das wusste ich, obwohl sie es nie gesagt hatte.
Dennoch dachte in den vergangenen drei Tagen offenbar jeder hier, ich müsste immer so fröhlich und gutgelaunt sein wie meine Mum. War ich aber nicht, ganz und gar nicht. Vor allem nicht jetzt.
Niemand kannte mich hier. Niemand wusste, wie ich tickte. Ich wusste nicht, wie die Anderen tickten. Klar, ich hatte meinen Dad, aber ein Kommunikationsfreak war er nicht gerade. Hier war ich vollkommen auf mich allein gestellt.

Ich kam aus Phoenix und war gewöhnt an Anonymität, Lärm und Hitze. Im Hochsommer waren Temperaturen bis zu 40 Grad nichts Besonderes und ich liebte die flimmernde Luft, die fiependen Insekten in den trockenen Büschen und das es selbst nachts nie wirklich kalt war. Ich liebte es, dass ich in schlaflosen Nächten um drei Uhr morgens noch Dvds ausleihen und Eiscreme kaufen konnte und mehr als alles Andere liebte ich an Phoenix die Menschen, die ich vorgestern im Flughafengebäude hatte: Allen voran die beste Mum der Welt: Renee. Sie arbeitete als Yogalehrerin und war klein und schmal. Ihre braunen Haare und Augen ähnelten meinen, aber ihren lebhaften Ausdruck übertraf ich noch bei Weitem, hatte ich mir sagen lassen. Sie hatte ständig wechselnde Hobbys, aber ihre größte Leidenschaft blieb schon seit vielen Jahren gleich. Ihr Partner Phil war Basketballprofi und zwölf Jahre jünger als meine Mutter. Objektiv sah der Altersunterschied vielleicht groß aus, aber wenn man die beiden zusammen sah, passte es wie der Deckel zum Topf.

Er war der Grund, wieso ich überhaupt in Forks gelandet war. Die Suche nach einem Profiverein, der ihn dauerhaft übernehmen würde, führte ihn für etwa ein Jahr durch die Staaten, vielleicht länger, vielleicht war ich aber schon eher wieder im Valley Of Sun als ich dachte. Meine Mutter wollte ihn begleiten und so blieb mir nicht wirklich eine Wahl, als zu meinem Vater zu ziehen. Wir sahen uns vielleicht nicht oft, aber ich liebte ihn deshalb nicht weniger als meine Mutter. Als er gehört hatte, dass ich eventuell zu ihm ziehen würde, hatte er vor Freude am Telefon geweint. Es würde schön sein, mehr Zeit mit meinem Dad zu verbringen, denn die Zeit, die wir miteinander verbracht hatten, war immer zu kurz gewesen.
Das und mein inniger Wunsch, Mum würde nach der katastrophalen Ehe mit meinem Dad nie wieder alleine und traurig sein, hatten mich letztendlich dem Plan zustimmen lassen, nach Forks zu ziehen. Ich erinnerte mich noch gut an die Tränen, die meine lebenslustige Mutter damals geweint hatte, selbst nach der Scheidung noch, und ich würde ihrem Glück nicht im Wege stehen. Meiner Meinung nach passten sie toll zusammen. Was meine Mutter an Jugendlichkeit bewahrt hatte, glich Phil mit seiner Ruhe und seinem großartigen Humor wieder aus. Ich fand sogar, dass er viel erwachsener war als sie mit ihren verrückten Ideen. Scott nannte sie immer «Hippie» und obwohl ich ihn dafür oft zu Recht gewiesen hatte, gab ich ihm im Stillen recht. Meine Mum war ein Hippie.

Damit kamen wir gleich zur nächstgrößten Wunde in meiner Brust: Scott Puck, meinem Freund, den ich ebenso zurückgelassen hatte wie alle anderen. Er war genauso alt wie ich, 17, und ein begnadeter Footballspieler. Genaugenommen hatte er ein Talent für so ziemlich jede Sportart, in der er sich bisher versucht hatte.
Wir kannten uns schon seit ich 10 war und aus einer heimlichen, kindlichen Schwärmerei war irgendwann mehr geworden. Ein halbes Jahr waren wir erst zusammen, aber in der kurzen Zeit waren meine Gefühle erst richtig aufgeblüht. Ohne ihn war ein Leben schwer vorstellbar und ich glaube, ihm geht es genauso.
Ich hatte auch Freunde zurückgelassen, die mir fehlen würden, wenn auch nicht viele. Frederick und Anca waren die besten Menschen, die man sich vorstellen konnte. Wie waren ein eingespieltes Team, hatten alles zusammen durchgestanden: Erst Erfahrungen mit Sex, Alkohol und der Polizei. Wenn man Freunde hat wie ich sie hatte, musste man vor nichts Angst haben, denn man war niemals alleine. Auch sie würde ich ein Jahr lang nicht sehen und das tiefe Gefühl der Einsamkeit verstärkte sich, je länger ich an das Leben dachte, dass ich hinter mir gelassen hatte.

«Oh man, Eric sollte man echt nicht dazu verdonnern, sinnlose Vorträge zu halten.», unterbrach Jessica augenrollend meine Gedanken. Ein pickliger, schwarzhaariger Junge stand vorn und las etwas von einem Blatt ab. Er trug eine Brille und hatte strähniges Haar. In seinem Referat schien um einen Golfkrieg zu gehen, aber um welchen, konnte ich beim besten Willen nicht sagen.
«Er ist so ein Muttersöhnchen.», beschwerte sie sich. «Letzte Woche hatte sein Auto einen Platten und statt die paar Meter zur Schule zu laufen, ließ er Mami von der Arbeit holen und ihn hinfahren. Von dem würde ich mich nicht mal anfassen lassen, wenn er der letzte Mann, Verzeihung: Schlappschwanz auf der Erde wäre.»

Gegen meinen Willen musste ich lächeln. Jessica stand vermutlich mehr auf die bösen Jungs, ja, das passte irgendwie zu ihr. Andersrum glaubte ich aber nicht, dass sie für die bösen Jungs interessant war. Sie war hübsch, zweifellos, aber machte ganz den Eindruck einer langweiligen Provinzschlampe. Ich kannte sie erst wenige Stunden, aber schon jetzt empfand ich eine tiefsitzende Abneigung gegen sie. Einer besonders guten Menschenkenntnis konnte ich mich allerdings nicht rühmen, das musste ich zugeben. Ich vertraute selbst Fremden zu schnell zu viel an, aber hier in Forks bekam ich vielleicht eine Chance, mir das abzugewöhnen. Niemand hier wusste viel über mich, weil mein Dad ein eher schweigsamer Mann war. Natürlich gab es Gerede, keine Frage. Und es würde noch viel mehr Gerede geben, denn ich scherte mich wenig um die Meinung anderer und das forcierte meistens noch die Neigung der anderen, zu klatschen und zu tratschen. Doch wenn meine verrückte Mutter mich etwas gelehrt hatte, waren es Offenheit, die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen und eine unerschütterbare ZEN-Ruhe. Na gut, mit dem letzten hatte ich manchmal Probleme, aber Getratsche konnte mich nicht die Wände hochjagen. Dann schon eher die Geistlosigkeit, die neben mir saß.
«Hattest du eigentlich einen Freund in Arizona?», fragte sie mich plötzlich.
«Ja, ich hatte einige Freunde.», erwiderte ich unverbindlich.
«Nein, ich meinen einen, mit dem du richtig zusammen warst?», hakte sie nach.

«Ja.», antwortete ich knapp auf ihr unverschämtes Nachbohren. Sie nickte, grade so als würde diese zwei Buchstaben ihr eine ganze Welt eröffnen. Dann hustete Eric qualvoll und ihr abfällig gezogenes Gesicht wandte sich wieder ihm zu.
Eigentlich war Jessica sehr nett zu mir gewesen, als ich heute Morgen etwas hilflos das Sekretariat gesucht hatte. Und wenn sie nicht so furchtbar viel Oberflächliches erzählt hätte, wären wir vielleicht sogar mit der Zeit Freundinnen geworden, aber jetzt sah ich unsere Chancen schwinden. Sie ging mir derbst auf den Wecker, um es mal deutlich zu sagen.
Jemand öffnete das Fenster, um die frische Septemberluft herein zulassen. Sofort spürte ich den Kältehauch, der in das Klassenzimmer wehte und kuschelte mich fester in meine dicke Strickjacke.
Hier in Forks fror ich ununterbrochen.

Überhaupt, nicht nur das Wetter, die ganze Natur, sogar das türkise Licht hier irritierten mich. Alles war mit Moos bewachsen: die schiefen Gehwege – wenn man die vereinzelten, gebrochenen Steinplatten auf den Sandwegen denn so nennen wollte – und die Wände der Häuser, und manchmal kam es mir so vor, als wären selbst die Menschen nicht nur blasser sondern auch kränker als in Arizona. Meine leichte Sommerbräune würde sich hier schnell verflüchtigen, soviel war klar.
Meine gute Laune auch.
Um nicht die Minuten zu zählen, die ich in dieser modernen Folterkammer noch leiden musste, dachte ich an heute Nachmittag, wenn ich in meinem neuen Zuhause war. Ich würde Pulmonary Archery auflegen, meine Augen schließen und mir vorstellen, ich wäre wieder in Phoenix. Scott wäre bei mir und die Leute um mich herum würden mich in Ruhe lassen und mir nicht immer die gleiche verdammte Frage stellen: Und, Isabella, hast du dich schon gut eingelebt? Ich wollte nicht undankbar sein, aber ich konnte es nicht mehr hören.

Ich schreckte auf. Ein paar Schüler klatschten wenig enthusiastisch, als Eric endlich fertig war und sich auf den Platz setzte. Der grauhaarige Geschichtslehrer – seinen Namen hatte ich vergessen – rief einen weiteren Schüler auf, jemanden, der mir wegen seines Namens auffiel.
Edward Cullen.
Ich dachte automatisch an Edward Kennedy, der an dem Tag gestorben war, an dem mein Umzug beschlossene Sache wurde, dem 25. August, vor fast einem Monat. Auf ewig würde ich diesen Tag mit ihm verbinden, als Demokratin kannte ich ihn natürlich. Nicht, das ich viel mit Politik am Hut hatte, gerade genug, um zu wissen wo ich stand und um mich nicht völlig zu blamieren.

Dieser Edward musste irgendwo hinter mir gesessen haben, denn er lief an unserem Tisch vorbei. Jessica seufzte hörbar und ich erinnerte mich, dass sein Name in ihrem Hefter gestanden hatte.
Er war ziemlich groß - viel größer als der Lehrer Mr. Irgendwas – und schlank. Sicher war er ein hervorragender Sportler, seine Arme waren jedenfalls muskulös. Er trug ein schwarzes Shirt, eine lässige, dunkelblaue Jeans und schwarze Chucks. Gerade gab er dem Lehrer einen Stapel Arbeitsblätter oder so etwas in die Hand, die dieser dann weiterverteilte.

Edward drehte uns den Rücken zu und schob die Tafel nach oben. Unter seinem dünnen T-Shirt konnte man durch seine Bewegung die Muskeln hervortreten sehen. Automatisch verglich ich ihn mit Scott. Mein Freund hatte einen breiteren Rücken und dieser Junge hier war eher schmal, aber seine Bewegungen waren seltsam elegant und fließend, so als umspiele ihn eine Melodie, nach der er sich stets bewegte und die wir Normalsterblichen nicht hören konnten. Es war nicht so, dass er tänzelte oder sonst etwas tat, das ungewöhnlich für einen Mann wäre, aber es schien als sei er sich seines Körpers sehr bewusst.

Die Sonne fiel durch das Fenster auf ihn, er war blass wie alle in dieser Stadt und hatte bräunliche Haare mit einem roten Schimmer darin, den ich dem Licht zuschrieb. Vielleicht konnte man es Bronze nennen, falls es diese Haarfarbe überhaupt gab. Er schrieb in ausladenden, wie gezeichnet aussehenden Buchstaben «Zweiter Golfkrieg, 1990-91» an die Tafel und drehte sich dann wieder zu uns um.

Himmel, seine Augen! Fasziniert schaute ich in tiefgrüne Iriden und fragte mich, wie ich vorhin noch über das ganze Grün hier in Forks hatte herziehen können? Es war eine phantastische Farbe! Sein ganzes Gesicht war faszinierend. Mit einem einzigen Blick konnte er soviel ausdrücken, wofür andere ganze Reden halten musste. Er wirkte überheblich auf mich, ganz so als gehöre ihm diese Stadt und wenn ich sein Aussehen mal objektiv betrachtete, war es vielleicht auch so. Schönheit beeindruckt nun mal und er war vielleicht nicht der Liebste, aber mit Sicherheit der schönste Mann, den ich je gesehen hatte, auch wenn ich das als Freundin eines wirklichen tollen Mannes nicht sagen sollte. Doch ich entdeckte auch noch eine Menge andere Dinge.
Etwas an der Art, wie er die Augenbrauen konstant ein Stück nach unten zog, vermittelte den Eindruck, als würde er Geheimnisse verstecken die keiner sehen sollte. Seine Augen, vermutlich das Atemberaubenste an ihm, wirkten alt, so als hätte er bereits ein ganzes Leben hinter sich. Er war wunderschön – aber ohne Zweifel gefährlich. Jemand, mit dem man sich nicht anlegen sollte. Vielleicht war es mein Instinkt, vielleicht auch eine unbewusste Suche nach etwas, dass in diesem perfekten Gesicht fehlerhaft war, aber ich fühlte deutlich, dass er der Hölle so nah gewesen war, wie ich ihr niemals kommen wollte. Etwas von ihrer Dunkelheit haftete an ihm, in den Schatten unter seinen phänomenalen Augen.

Seine Züge waren vollkommen symmetrisch, das einzige, was hervorstach war ein schiefes Lächeln, das er jemandem hinter mir zuwarf. Unauffällig drehte ich mich um; hinter mir saß ein großes, blondes Mädchen. Sie trug die Nase ziemlich weit oben und als sie bemerkte, dass ich sie ansah, lehnte sie sich herausfordernd zurück und durchbohrte mich mit ihren Blicken. Ich erwiderte die Herausforderung, zeigte weder Angst noch Scheu. Wer auch immer sie war, ich fürchtete mich vor niemanden, der pinken Nagellack so perfekt auftragen konnte wie diese Schnepfe.
Als ich mich wieder nach vorn drehte und sah, dass meine Banknachbarin nur Augen für den Typen da vorne hatte, der wiederum schon wieder die Blonde hinter mir anlächelte, wurde meine Verwunderung noch größer. War es ihr gleichgültig, dass er offenbar auch mit anderen flirtete?

«Ist er nicht göttlich?», fragte sie verzückt neben mir.
«Er sieht ganz gut aus.», antworte ich schulterzuckend. «Sein Name ist Edward?»
«Genau. Edward Anthony Cullen.» Sie seufzte wieder. Ich fragte mich, warum sich ein Typ wie er, auf ein farbloses Mädchen wie Jessica einlassen konnte. Vielleicht irrte ich mich auch und Jessica war nicht seine Freundin.
«Ist er dein Freund?», horchte ich sie aus.
«Schön wär’s.», seufzte sie.
«Er ist bestimmt sehr beliebt, oder?»
«Oh ja. Aber er lässt sich nicht auf Highschool-Mädchen ein, soweit ich weiß.»
«Warum nicht?» Und wieso musste ich ihr plötzlich jedes Wort aus der Nase ziehen???

«Das weiß ich nicht. Vermutlich ist ihm keine hier gut genug.», schnorrte sie beleidig. «Er hatte mal was mit Tanya, aber sagen wir so, das Feuer schien auf seiner Seite ziemlich schnell erloschen zu sein, während sie noch heute ständig davon redet.»
Von dieser ominösen Tanya hatte ich heut Morgen im Sekretariat schon gehört. Mrs Shelly Cope erklärte mir, das wäre die Schülersprecherin und wenn ich ein Problem hätte, sollte ich mich an sie wenden.
«Ist diese Tanya hier?», fragte ich Jessica leise.
«Nein, aber du siehst sie sicher gleich in der Mensa. Sie sitzt immer an Edwards Tisch.», antwortete sie und ohne einmal zu blinzeln starrte sie den Typen an.
In der Hoffnung, nicht zu sehr aufzufallen, warf ich einen kurzen Blick in die Klasse. Nicht alle, aber die meisten Frauen hier schienen ähnlich wie Jessica auf diesen Typen fixiert zu sein.

Ich sah ebenfalls wieder zu ihm, während er referierte. Er machte seine Sache ziemlich gut. Er sprach deutlich und emotionslos, aber so, dass man rasch den Eindruck gewann, er wusste wovon er da sprach. Seine Stimme klang eine Spur herablassend, als wäre das alles hier unter seiner Würde. Mühelos schaffte er es, dass alle an seinen Lippen hingen, sogar der Geschichtslehrer. Edward sprach außergewöhnlich schnell, aber ich hatte den Eindruck, dass es seine Art war und nicht Nervosität wie bei Eric zuvor. Außerdem fiel mir auf, dass er grundsätzlich die Satzfolge der indirekten Rede falsch machte. Beim ersten Mal verwunderte es mich, das zweite und dritte Mal musste ich schon drüber lächeln. Er sagte zum Beispiel «Hussein wollte wissen, wann er die Antwort werde bekommen.» statt «bekommen werde» und schien sich nicht bewusst zu sein, dass er etwas falsch machte.

Auch seine Adjektive waren sehr phantasievoll und zum Teil aus anderen Sprachen entlehnt. Er sagte «noir» statt schwarz, dass fiel mir als Erstes auf, soweit reichten meine Französischkenntnisse gerade. Bei manchen Worten wusste ich nicht mal, wovon er redete. Was zum Teufel sollte «gach» bedeuten?
«Er kommt nicht aus Washington, oder?», erkundigte ich mich leise bei Jessica.
«Nein, er ist New Yorker!», platzte sie entzückt mit der Antwort heraus. Ihre Augen funkelten vor Begeisterung.
Heilige Scheiße, wie sexy! Wie landete man als New Yorker in diesem Kaff?
Die Arbeitsblätter, die herumgegeben worden waren, erreichten unseren Tisch. Edward hatte die wichtigsten Stichpunkte seines Vortrages für uns zusammengefasst und unten in der letzten Zeile stand sein Name. Edward Cullen.
«Okay, gibt es noch Fragen zum Zweiten Golfkrieg an Mr Edward?» Der Lehrer blickte uns erwartungsvoll an, aber niemand reagierte darauf. Ich fand es total dämlich, dass er uns mit Mister und Misses anredete, aber dann unsere Vornamen sagte. Entweder ganz oder gar nicht.
Ein Raunen ging durch die Klasse. Die meisten hatten wahrscheinlich nicht zugehört, sondern in Gedanken ihre Zeit woanders verbracht. Wohlweislich deshalb hatte er uns Arbeitsblätter gegeben. Ich war mir sicher, dass die meisten Mädchen alle in Gedanken bei ihm waren, aber ihre Fragen waren sicher anderer Art.

«Miss Isabella, sie schauen so interessiert, haben sie vielleicht eine Frage?», vernahm ich die Stimme des Lehrers.
Ich erschrak heftig und mein Herz überschlug sich sofort. Alle sahen mich an, inklusive Mr Sexy mit der seltsamen Haarfarbe. Ein oder zwei Herzschläge lang verlor ich mich in seinen Augen, dann hatte sich der Schreck verzogen und ich konnte mir ruhiger Stimme antworten. «Eigentlich nicht, Sir.», erwiderte ich höflich, um seinen Eindruck von mir nicht gleich zu versauen. Das würde noch früh genug kommen.
«Okay, dann haben wir für diese Stunde erstmal genug gehört. Freitag sind dann Miss Lauren und Mr Tyler dran. Miss Isabella, bitte kommen Sie noch kurz auf ein Wort nach vorn. Allen anderen wünsche ich noch einen aufregenden Tag!»

Die Klasse zerstreute sich und Jessica plapperte aufgeregt neben mir über ihren Plan, Edward als Partner für den Herbstball zu gewinnen, während ich meine Sachen einpackte. Herbstball – wieder so eine Sache, die ich nicht verstand. Bei mir an der Schule gab es einen Ball im Frühling, kurz bevor der Lernstress mit den Klausuren anstand. Hier veranstalteten sie den Ball im November. Tut mir Leid, aber das konnte ich nicht begreifen. Wenn es im September schon so kalt hier war, wie schlimm sollte es dann erst gegen Ende des Jahres sein? Und bei diesem Wetter ein Ballkleid tragen?
Immerhin gab es überhaupt mal ein Fest, das war ja schon mal was, dachte ich grimmig und trat an den Lehrertisch.

Eric wurde gerade benotet und hinter ihm stand dieser Edward. Er verschränkte die Arme im Nacken und ich bewunderte gerade mit roten Wangen seine schlanken, gepflegten Finger, als etwas anderes ins Blickfeld meiner Aufmerksamkeit rückte. Er streckte den Rücken durch, so als müsse er seine Muskeln auflockern und dadurch lockerte sich auch der Ausschnitt seines T-Shirts und ich konnte den Rand einer großen, offenbar schwarzen Tätowierung auf dem Rücken erkennen. Ich verschluckte mich und hustete, aber in diesem Moment verschwand Eric und der Lehrer fing an, über Edwards Note zu diskutieren. Ich hatte Glück, dass er sich nicht umgedreht hatte, mein Gesicht musste brennen. Wirklich heiß hier drin.
«Ein B?», sagte dieser Edward gerade und klang enttäuscht. «Was gab es auszusetzen?»
«Eigentlich nichts, aber ihre Sprache… Verstehen Sie nicht falsch, Mr Edward, ich weiß, es ist so ihre Art, aber sie mixen wirklich sehr oft ihr Englisch mit anderen Sprachen und ehrlich gesagt, dass verwirrt ihre Mitschüler nur.»

«Inhaltlich hatten sie demnach nichts auszusetzen, Mr Poole?», fragte er. Aha, so hieß der Lehrer also. Immerhin etwas, das ich in dieser Stunde gelernt hatte.
«Richtig. Inhaltlich waren sie sehr gut, wie immer.»
«Das heißt also, sie geben mir eine schlechtere Note nur deshalb, weil sie keine Fremdsprachenkenntnisse besitzen? Ist das etwa mein Fehler?»
Mr Poole guckte genauso verdutzt, wie ich vermutlich auch aussah.
«Nein, aber-»
«Okay, dann geben Sie mir ein A, sie wissen, dass ich es verdient habe. Alles andere wäre unfair.», verlangte Edward. Die beiden starrten sich an. Er war fest entschlossen, nicht nachzugeben und der Geschichtsdozent wirkte etwas hilflos.
«Na gut, aber gewöhnen Sie sich bitte daran, dass wir hier in den USA sind und nicht in Frankreich und … ähm…» Der Lehrer geriet in Verlegenheit.
«Spanien? Irland?», reagierte Edward gelangweilt.
«Ähh.. ja. Genau. Sie dürfen dann gehen, Mr Edward.», entließ ihn Mr Poole. Er schnappte sich seine Tasche und verschwand so schnell, als hätte er sich weggezaubert.

«So, Miss Isabella?», wandte Mr Poole sich mir zu. «Geht es Ihnen gut? Haben sie sich schon eingelebt?»
Verdammt noch eins, schon wieder diese dämlich Frage! «Ja, alles bestens. Weshalb wollten Sie mich sprechen, Sir?»
«Wir sind mit den Vorträgen fast durch und ich möchte, dass sie sich auch ein Thema aussuchen und darüber vor der Klasse sprechen.»
«Kein Problem. An was dachten Sie?»
«Die Kriegsthemen würden schon vor dem Sommer alle vergeben, deshalb müssen wir für Sie etwas anderes auswählen. Vielleicht suchen Sie sich einen Politiker aus, der Ihrer Meinung nach das Weltgeschehen sehr positiv beeinflusst hast und bringen ein Porträt über ihn? Wäre das nach Ihrem Geschmack?», fragte er.
«Sicher, kein Problem.», erwiderte ich gleichmütig. Wenn ich mir das Thema selbst wählen konnte, war es ein Kinderspiel. «Wann soll ich ihn halten?»
«Nächste Woche Freitag bitte. Sie wären dran nach», er warf einen Blick auf eine Liste vom Tisch, «Miss Rosalie.»
«Okay.»
«Dann noch einen schönen Tag, Miss Isabella.», wünschte er mir und ich konnte mich endlich der Mittagspause zuwenden.

Die Cafeteria war schon überfüllt, als ich dort ankam. Es gab zuwenige Sitzplätze, wie es schien, aber ich entdeckte Jessica, die mir zuwinkte. Als ich bei ihr ankam, wo sie mich den anderen am Tisch vorstellte als wäre ich ihr Spielzeug, stellte ich nur rasch meine Tasche ab und holte mir was zu essen. Jessica machte Anstalten, mir zu folgen.
Die Schlange an der Essensausgabe war lang aber ich stellte mich brav hinten an, denn ich hatte großen Hunger. In Phoenix war nicht mal die Besenkammer der Schule so winzig gewesen wie das, was sie hier Cafeteria nannten.
«Bella, warum stellst du dich hinten an? Komm her, such dir was aus.», sagte Jessica ungeduldig und ich drängelte mich vorn zu ihr. Offenbar hatte sie sich einfach dazugestellt, das machte anscheinend jeder der älteren Semester hier.

«Einmal Pommes Frites mit Schweinefleisch bitte.», bestellte sie und mir kam fast das Frühstück hoch, als ich mir die Auswahl anschaute. Es gab zwei verschiedene Essen und beide waren mehr als einfallslos. Ich nahm die Rinderroulade mit Pommes Frites und ekelte mich jetzt schon davor. Das war ein natürliches Brechmittel, kein Wunder das hier alle so blass, dünn und kränklich aussahen.
«Verdammt!», schimpfte jemand hinter mir. Ich drehte mich um, das hübsche, blonde Mädchen, das mit Edward Cullen geflirtet hatte, besah sich miesmutig die großen Pfannen hinter der Theke. «Schon wieder nur Pommes Frites? Was denken die sich eigentlich, haben die eine Ahnung, wie viel Fett in den Dingern steckt?»
Ich musste lachen und fing an, Sympathie für sie zu fühlen. In Phoenix hatte es neben dem normalen Essen auch Vegetarisches gegeben, immer auch ein süßes Gericht, eins mit Fisch und eine gutgefüllte Salatbar. Ganz zu schweigen von den Sandwiches, den Suppen und des Desserts, die es zusätzlich gab. Ich war wirklich Besseres gewohnt.

Wir aßen an einem kleinen Tisch ganz hinten in der Ecke, genau neben dem Platz von Edward Cullen. An seinem Tisch saß das blonde Mädchen, dass gelangweilt an einem Apfel kaute, ein großer, stark wirkender Kerl mit einem mitreißenden Lachen, ein hochmütig aussehende Cheerleaderin mit Kostümchen und langen, wunderschönen rotblonden Haaren, um die ich sie augenblicklich beneidete. Immer wieder sah sie Edward an, der nachdenklich aus dem Fenster sah und offensichtlich nichts um ihn herum wahrnahm.

Auf seinem Tablett stand nur eine geöffnete Flasche Wasser. Seine langen eleganten Finger spielten lässig mit dem Flaschenverschluss. Dann griff er mit der linken Hand nach dem Mineralwasser, setzte es an seine vollen Lippen und trank einen Schluck. Er hatte den Kopf in den Nacken gelegt und ich sah auf seinen Kehlkopf, der sich kurz und ruckartig bewegte. Ich musste ebenfalls schlucken.
Als er fertig war, glänzte ein Tropfen Wasser auf seiner Lippe. Der Finger von der Rotblonden schoss hervor, doch bevor sie den Tropfen wegwischen konnte, griff Edward nach ihrem Handgelenk und hielt sie eisern fest. Er leckte sich über die Lippen, ganz kurz nur, unauffällig, und sah das Mädchen dabei an.
Ihr Mund stand offen.

«Uhm, Bella?» Ich drehte mich widerwillig um. Sowohl Lauren als auch Jessica betrachten mich argwöhnisch, offenbar weil ich zu Edward Cullen gesehen hatte. Wollte da etwa jemand territoriale Kämpfe ausfechten? «Ich bin Mike, hab mich noch gar nicht vorgestellt. Du hast meine Mutter kennengelernt, sie arbeitet für den Bürgermeister.» Er lächelte stolz. «Gefällt es dir hier in Forks?», fragte mich ein blonder, dicklicher Junge mit leutseligem Lächeln.
«Ja, sicher, einfach großartig hier.», antwortete ich ironisch lächelnd. Im Gegensatz zu dem Blonden verstand Jessica die Ironie und ihre Augen verengten sich.
«Ernsthaft?», fragte er. «Ich dachte, na ja, jemand wie du aus einer Großstadt ist sicher Besseres gewohnt.»
«Ach was.», winkte ich ab und fand seine Naivität sehr erheiternd. «Wie hatten bei allem mehr Auswahl und Freiheiten, aber im Großen und Ganzen ist es hier ganz nett. Glaub ich.»
«Prima!», freute sich Mike. «Wenn du eine Führung brauchst, dann biete ich mich sehr gern an. Hast du nachher schon was vor?»
«Gibt es hier denn etwas, dass du mir zeigen könntest?», fragte ich verblüfft.

«Natürlich!», strahlte Mike. «Wir haben ein Museum, das die Geschichte der Forst und Holzwirtschaft der Gegend ausstellt und ein berühmtes Glockenspiel vor dem Rathaus.»
«Das Klingeln zur Mittagspause ist die gleiche Melodie des Glockenspiels, also brauchst du ihr das wohl nicht extra zeigen.», sagte Lauren abfällig. «Ich bin sicher, du interessierst dich für den Scheiß nicht besonders, oder, Isabella?»
«Bella.», korrigierte ich. «Und stimmt, du hast Recht. Schließlich komme ich ursprünglich mal von hier. Vielen Dank Mike, aber ich komme zurecht.»
«Gut, wie du willst. Aber wenn du nicht weiterweißt, wende dich vertrauensvoll an mich.»
«Danke.», sagte ich und begann, das Fleisch hinunterzuwürgen. Um mich von dem Anblick salziger, fettiger Pommes abzulenken, sah mich um und entdeckte einen großen, gutaussehenden Jungen an einem Tisch neben dem Automaten mit den Süßigkeiten.

«Wer ist das?», fragte ich Jessica leise.
«Das ist Jasper Hale, der Zwilling von Rosalie, der Blonden da neben Edward Cullen. Ihre Eltern leben getrennt und Rosalie blieb hier bei der Mutter, während Jasper nach Texas zu seinem Vater zog, bis dieser vor Kurzem starb. Jetzt ist er hier, wohnt mit Rosalie zusammen in der Elterich Avenue, ganz in der Nähe des Polizei Departments. Er ist erst seit vorletzten Montag hier.», erzählte Jessica.
Sofort fühlte ich mich weniger einsam. Noch ein Neuer hier. Ich fragte mich, ob er seine Schwester mochte, denn er saß nicht bei ihr.

Jasper Hale trug diesen leidenden Gesichtsausdruck im Gesicht, den ich auch auf meinem fühlte. Er saß ganz allein neben einer Schwarzhaarigen, die ihn ununterbrochen zutextete. Mit leuchtenden Augen und vielen Gesten unterstützte sie ihre wortgewaltige Rede und ich fühlte Mitleid mit dem Jungen, der aussah, als wäre er überall auf der Welt lieber als in der Cafeteria der Forks Highschool. Ich konnte es ihm nicht verdenken. Wir waren hier am Ende der Welt. Ein Schritt hinter den Wäldern von Forks und wir würden von der Erde fallen.
«Wow, eine der Cullens interessiert sich für den Neuen.», lästerte Lauren. «Der geht es nicht gut genug. Ich hab sie noch nie in einem Outfit gesehen, das weniger als 500$ gekostet hat.»
Ich betrachtete das zierliche Mädchen genau. Wenn sie auch eine Cullen war, dann bestimmt Edwards Schwester. Ihre schwarzen Haare waren kurz und stachelig, ihr Ausdruck lebhaft und hübsch. Sicher war sie sehr beliebt hier, egal was die Tussi eben gesagt hatte. Bei der Lauren sprang einem ja sofort der Neid ins Auge. Sie erinnerte mich an Jessica, hatte aber nicht den Vorteil, so hübsch zu sein. Sie hatte farbloses Haare, irgendein langweiliges Schlammblond und dünne, wie aus Stein gemeißelte Lippen.

Nach und nach standen alle auf und auch ich packte meine Sachen zusammen, ohne viel gegessen zu haben. 3,50 Dollar für so ein Essen, das war rausgeworfenes Geld. Ich warf einen Blick auf den Plan und seufzte.  Auf zur nächsten Folterstunde: Biologie.



Edward
Die größte Faszination geht von Dingen aus, die wir nicht verstehen.

Regen. Ich konnte das Scheißwetter hier noch nie leiden, aber heute fand ich es irgendwie erfrischend. In den Klassen war es heißer als sonst, denn bis zum Mittagessen hatte die Sonne geschienen. Doch jetzt hatten die Wolken sich wieder durchgesetzt, so wie es hier eben immer war. Trostlos, aber wenigstens frische Luft.
In Biologie saß ich ganz hinten am Fenster. In fast allen anderen Fächern saßen entweder Ben oder Rosalie neben mir, aber in Biologie waren wir so wenige, dass die meisten den Tisch ganz für sich allein hatte, und zu denen gehörte auch ich. Jedenfalls bisher.
Aus irgendeinem Grund hatte sich die Neue zu mir gesetzt. Normalerweise hätte ich ihre Platzwahl auf mein Aussehen geschoben, aber der Tisch hinten am Fenster war auch der Beste, wenn man sich verstecken wollte. Bei soviel ungewollter Aufmerksamkeit, die sie bereits bekommen hatte, konnte sie sicher etwas Ruhe gebrauchen.

Es war dieses neue Mädchen aus Phoenix, Isabella Swan. Die Arme, noch eine aus der Großstadt, die hier im scheintoten Forks verkommen würde, genau wie wir alle. Auf den ersten Blick hatte sie ein eher unauffälliges Gesicht, aber sehr warme, braune Augen, die auf mich ein wenig traurig wirkten. Sie war verdammt umwerfend, aber auf eine ungekünstelte Art. Ihr Makeup beschränkte sich auf ein wenig Wimperntusche und farblosen Lipgloss, denn dank meiner kleinen Schwester, mit der ich mir ein Badezimmer teilte, kannte ich mich mit so etwas aus. Ihre Haare waren unordentlich und aufgebauscht, das gefiel mir irgendwie. Ihre Haarfarbe war dunkles braun, die Spitzen waren schwarz gefärbt und die Farben gingen sanft ineinander über. Fast alle Mädchen hier trugen ihre Haare glatt oder zu Zöpfen gebunden, schon damit fiel sie auf. Aber auch ihre Klamotten unterschieden sich völlig von dem, was mein Auge gewohnt war.
Sie trug eine enge Jeans und grobe, braune Mädchen-Cowboy-Stiefel. Um ehrlich zu sein, waren diese Stiefel an ihren schlanken Beinen verdammt heiß. Unter einer offenen Strickjacke hatte sie ein weißes Unterhemd an, durch das ich ihren lilafarbenen BH erahnen konnte und auffällige Perlenketten, mindestens sechs in der gleichen Farbe, nur alle unterschiedlich lang. Oh ja, sie war mehr als hübsch und zumindest äußerlich völlig anders als die Mädchen an der Forks High. Irgendwie… auf eine stilechte, aber natürliche Art versaut.

Mr Banner, der Biolehrer mit dem eigenartigen Tick, immer seine Uhr am Handgelenk zu drehen wenn er sprach, betrat den Raum und ich sah Jessica Stanley zu mir nach hinten kommen. Oh nein, bitte nicht, bitte geh woanders hin!
«Hi, Edward.», begrüßte sie mich. Dieses Isabella-Mädchen ignorierte sie, dabei hatten sie bisher immer zusammen gesessen. Dass sie mit Jessica nicht klarkam, machte sie in meinen Augen verdammt sympathisch.
«Hallo.», antwortete ich träge und verdrehte die Augen, weil Jessica ihre Stimme tiefer klingen ließ, als sie war. Das sollte wohl erotisch sein. Meine Banknachbarin hüstelte trocken.
«Hast du schon Pläne fürs Wochenende?», fragte mich aufdringliche Stanley wieder. Sie stand dicht vor dem Tisch, so dass das Holz der Platte in ihre Oberschenkel schnitt. Ihre Jeans hing sehr tief, ich konnte den Saum ihrer billigen Walmarkt-Unterwäsche erkennen. Ich rückte mit meinem Stuhl etwas vom Tisch weg und dieses Neue fing an zu husten. Ich riskierte einen kurzen Blick und entdeckte ein krampfhaft verkniffenes Lachen in ihren Mundwinkeln.
«Ja, eigentlich schon.», erwiderte ich in der Hoffnung, je knapper ich antwortete desto eher verschwand sie wieder.

«Oh, okay. Am Stand von La Push ist Samstagabend eine Party, ich weiß nicht von wem, aber Lauren und ich gehen hin, also sehen wir uns vielleicht da?»
«Mit Sicherheit.» Und da Leah Clearwater die Party für ihren Bruder schmeißt, sollten sie sich lieber darauf einstellen, draußen bleiben zu müssen. Leah war verdammt pedantisch was weiße Mädchen anging. Naja, eigentlich war Leah bei allem was sie tat pedantisch.
«Wenn du nicht alleine gehen willst, könnte wir ja auch zusammen dahin gehen. Ich könnte dich abholen, mein Dad gibt mir seinen Wagen.» Und dann zwinkerte sie.
Sie zwinkerte! Ging es denn nicht noch zweideutiger? Isabella fing leise an zu lachen und tarnte ihren Lachanfall mit einem Husten. Ihr Amusement machte die Sache nicht besser.

«Danke, aber wir wissen beide, dass von einem Mädchen abgeholt zu werden unter meiner Würde ist, oder?» Und jetzt hau ab! Ich lächelte so herablassend ich konnte, aber das schien sie nur noch mehr anzustacheln, denn sie erwiderte es. Verdammte notgeile Schlampe! Sollte sie zu Mike gehen oder zu Tyler, die konnten sie vögeln. Warum musste sie ausgerechnet mich damit belästigen? Je arroganter ich sie behandelte, desto schärfer wurde sie auf mich, es war zum Kotzen!
«Miss Jessica, wenn sie sich endlich setzen würden, könnten wir auch mit dem Unterricht anfangen.», wies Mr Banner sie zurecht und Stanley setzte sich nach einem letzten, sehnsüchtigen Blick zu mir auf ihren Platz ganz vorn. Ich atmete erleichtert aus.
Das Mädchen neben mir kicherte vor sich hin und hielt sich die Hand vor den Mund, damit es nicht jeder in der Klasse hörte.

«Was gibt es da zu lachen?», fragte ich sie.
«Du kannst sie nicht leiden.», stelle sie amüsiert fest. Ihr süßer, roter Mund verzog sich zu einem Lächeln, gerade so, dass man die weißen Zähne durchblitzen sehen konnte.
«Nein, sie ist eine Sinoyiro Nocomo.», erwiderte ich.
«Eine was?»
«Eine Nutte.», übersetzte ich. Das einzige japanische Wort, das ich kenne. Was das über meine Erziehung aussagt, will ich lieber nicht wissen.
Sie zog die Augenbrauen hoch. «Und was denkst du, bin ich?», fragte sie schelmisch.
Ich sah sie an, erstaunt über ihren Mut, hingerissen von ihrem Lächeln. «Cailín dathúil.», sagte ich automatisch.
Sie lachte. «Lohnt es sich für mich, nachzufragen was das bedeutet?»

«Es ist was ganz Harmloses.», versprach ich lächelnd.  
«Und was?» Sie lehnte sich nach vorn zu mir und die längste ihrer vielen Ketten kam auf ihren übergeschlagenen Beinen zum Liegen. Fuck, war dieses Mädchen schön… Ich musste schlucken.
«Mädchen.», sagte ich einfach, obwohl es nur die halbe Wahrheit war. Cailín hieß Mädchen und dathúil bedeutet schön. Da das normalerweise nichts war, das ich zu einer cailín in einem Klassenzimmer sagte, ohne Aussicht auf Sex, war mir meine spontane Antwort etwas unangenehm. Zu meinem Glück sprach sie offensichtlich kein irisch.
«Ich wette, das war nicht die ganze Wahrheit.», lächelte sie.
«Ich wette, dass du verdammt schlau bist.», gab ich zurück.
Wir sahen uns an und ich hatte gleich ein komisches Gefühl bei ihr. Es war ein Gefühl der èlmos deso mestras, der ewigen Freundschaft, obwohl ich sie gerade erst ein paar Minuten kannte.
Schweigend kritzelten wir von der Tafel ab, was Mr Banner dort anzeichnete. Ich konzentrierte mich gar nicht den Unterricht, sondern nur auf das leise Atmen direkt neben mir. Selbst ihr Atmen klang anziehend und ich fühlte unauffällig meinen Puls. Vielleicht war ich krank oder so, mein Herz war jedenfalls aus dem Takt geraten und mein Gehirn fühlte sich an als wäre es… nicht existent.

«Ist das nicht demütigend, wenn ein Mädchen dich mit dem Wagen ihres Dads abholen will?», fragte sie mich leise nach einer Weile.
«Doch, das ist es. Aber von Stanley erwarte ich schon nichts anderes mehr.», seufzte ich. Mein Blick wanderte immer wieder von der Tafel zum Heft, und zu Isabella, Tafel, Heft, Isabella…
«Warum sagst du ihr nicht einfach, dass sie sich verpissen soll?», wollte sie wissen.
«Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, ich bin ein höflicher Junge.», grinste ich sie an. Sie lächelte und legte den Stift weg. Er rollte über das Papier und kam direkt an meiner Hand auf dem Tisch zum Liegen.
«Du bist feige.», erörterte sie. «Du beleidigst die ganze Zeit die Leute um dich herum in fremden Sprachen, das ist kein bisschen höflich.»
«Dich habe ich nicht beleidigt.», rechtfertigte ich mich.
Sie rollte mit den Augen. «Ich google das nachher, das, was du gesagt hast. Und dann werden wir ja sehen!»
«Was hab ich denn gesagt?»

«Kollien dhahul oder so ähnlich.», erwiderte sie schnippisch. Ihre Finger tasteten nach ihrem Stift und als sie ihn nahm, berührte sie meine Hand. Sofort brach mir der Schweiß aus und meine Haut fing an zu Kribbeln.
«Ich glaube nicht, dass du wissen willst, was das bedeutet.», schloss ich unser Gespräch und versuchte, mit aller Macht das seltsame Gefühl der Vertrautheit niederzukämpfen. Ob sie aufmerksam genug war, um es zu bemerken, wusste ich nicht, aber sicher sah ich aus wie ein Idiot.
Mr Banner stellte ein paar Fragen, aber keiner von uns beiden machte sich die Mühe und meldete sich. Jessica drehte sich ein paar Mal zu uns um und ich glaubte, sie verdächtigte Isabella, mich anschmachten zu wollen. Wenn überhaupt war das allerdings eher umgekehrt der Fall.
«Mr Edward? Können Sie die Frage beantworten?», fragte mich der verdammte Lehrer zur falschen Zeit. Ich hätte ihm sicherlich antworten können, aber warum musste er mich unterbrechen, während ich in Gedanken bei wichtigeren Dingen war?

«Putain de merde!», fluchte ich leise. «Qu´est ce que tu veux conard?» Isabella starrte mich mit offenem Mund an. (Verdammt noch mal, was willst du, du Arschloch?) «Ich weiß es nicht.», antwortete ich laut und verdammt angepisst, um nicht zugeben zu müssen, dass ich nicht zugehört hatte. Denn dann würde er mich in dieser Stunde dauernd unterbrechen und darauf hatte ich nun wirklich kein Bock.
«Wow, ich wette, das war nichts Nettes.», kommentierte sie lächelnd.
«Kannst du kein französisch?», wollte ich wissen und obwohl ich es nicht wollte, dachte ich dabei nicht an die Sprache.
«Ich kann französisch», sie machte eine Pause und biss sich lasziv auf die Unterlippe, «kochen. Das reicht mir.», beschied sie sich. Ich wurde augenblicklich hart. Mit diesem Mädchen über Oralverkehr zu reden, selbst so verschlüsselt, ließ meine Gedanken zu Phantasien werden, die mich in wenigen Sekunden voll beherrschen würden. Nicht gut. Nur weg von dem Sex-Thema.

«Sicher, ich auch, Baguettes aufzuschneiden und Camenbert draufzulegen ist auch nicht das Problem.»
Diesmal lachte sie laut auf und alle in der Klasse, inklusive Mr-Conard-Banner sahen zu uns. Sie scherte sich nicht drum, sondern amüsierte sich weiterhin köstlich. Wie hübsch sie war, wenn sie lachte. Ich konnte nicht anders, ich musste sie anstarren und mitlächeln. Plötzlich fühlte ich einen kindischen Stolz darauf, dass ich der Grund  für ihr Kichern war.
Der Unterricht ging weiter und der Lehrer behielt uns immer genau im Blickfeld, so dass wir gezwungen waren, dem Lernstoff zu folgen. Doch aus den Augenwinkeln beobachtete ich sie weiterhin. Ihre Augen sahen ganz anders aus als vorhin noch, viel lebendiger und strahlender.

«Hast du irgendeine Idee, was zum Teufel wir gerade lesen sollen?», fragte meine Banknachbarin nach ein paar Minuten leise und beugte sich ein Stück zu mir herüber. Ich roch ihr fruchtig-süßes Haarshampoo und fand, es passte perfekt zu ihr.
«Ich glaube, den Absatz über Kernteilung, aber genau weiß ich’s nicht.», flüsterte ich zurück.
«Danke.», murmelte sie und blätterte in ihrer vergilbten Ausgabe von «Biologie der Zellen».

Ich las mir die Seite durch, aber bei der Hälfte etwa drifteten meine Gedanken ab. Heute Abend half ich meiner Mum in der Bibliothek aus. Obwohl sie studiert hatte und viel mehr Geld verdienen könnte, engagierte sie sich lieber in sozialen Projekten. Da die Leiterin der Bibliothek vor Kurzem verstorben war und bisher kein Ersatz gefunden wurde, hatte sie das in die Hand genommen und mich gleich dafür verpflichtet. Es war mehr oder weniger ein langweiliger Job, aber einer musste ihn machen und da die Baseballsaison bald wieder anfing, hätte ich dann keine Zeit mehr. Dann war Alice, meine Schwester, an der Reihe.
«Sag mal, regnet es hier an allen Tagen der Woche?», fragte mich Isabella Swan und schaute dabei aus dem Fenster. Weil ich schon wieder damit beschäftigt war, sie anzuschauen statt zuzuhören, drang ihre Frage spät in mein Bewusstsein und ich antwortete das Erste, das mir einfiel.

«Gach.», erwiderte ich und folgte ihrem Blick hinaus ins Grau. Solange ich sie nicht ansah, lief ich weniger Gefahr mich wie ein Trottel zu benehmen.
«Wie bitte?», fragte sie scharf.
Verständnislos sah ich sie an, verwundert über ihren Tonfall. «Was meinst du?»
«Na das Wort, dass du gerade verwendet hast. Was bedeutet das?»
«Ach so, du meinst gach lá. Ähm, ein anders Wort für jeden Tag.»
Ihr Blick wurde weich. «Das klingt schön.», schwärmte sie, wieder in den Regen schauend. Wir konnten den Parkplatz gut überblicken, der sich allmählich in ein Schlammloch verwandelte. «Ich hasse diese Nässe.» Sie rümpfte ihre Nase.
«Ich auch.»
«Ist das… ähm … alles New Yorker Slang?», fragte sie neugierig.

Ich lächelte und strich mir die Haare aus der Stirn. «Eigentlich ist das Meiste irischer Slang. Unser Vermieter in New York war ein irischer, rauer Bastard und wenn er getrunken hatte, brachte er mir haufenweise irische Ausdrücke bei. Seiner Meinung nach ist das die Sprache der … Leidenschaft oder so und wenn er fluchte, dann meistens auf Französisch.»
Ernst betrachtete sie mich. «Vermisst du die Stadt?» Ihre Augen verdunkelten sich wieder, und mir fehlte augenblicklich die Lebhaftigkeit darin.
«Immer. Und du?»
«Gach lá.», lachte sie schelmisch, aber die Traurigkeit verließ ihre Augen nicht. «Ich hab das Gefühl, ich mache Ferien in einem exotischen europäischen Land, alles hier ist anders als ich es kenne.»
«Gewöhn dich schon mal dran. Ich wohne seit zehneinhalb Jahren in Forks und bin das Gefühl nie losgeworden, hier fremd zu sein.»
Sie nickte mitfühlend und dann schwiegen wir wieder. Ihr Blick traf meiner, es war wie im Film, aber statt die Rollen klassisch zu besetzen war ich irgendwie zu der schwärmenden Tussi und sie zu dem coolen Typen, der sich nicht binden wollte, geworden.
Plötzlich kam mir in den Sinn, dass wir uns noch gar nicht einander vorgestellt hatten. Wusste sie überhaupt, mit wem sie redete?

«Ich bin Edward.», sagte ich dann.
Im nächsten Moment stöhnte ich innerlich. Fuck, ich war so ein blöder Idiot! ‚Ich bin Edward’, großartig, wirklich toll.
Aber sie schien meine peinliche Ansage nicht als solche zu empfinden. Ich hatte mehr Glück als Verstand. «Freut mich. Ich bin Bella.» Sie reichte mir ihre Hand. Sie war warm und ich konnte sehen, dass sie abgeknabberte Fingernägel hatte. Als sie sah, dass ich es bemerkte, zog sie ihre Hand weg und versteckte sie verlegen unter dem Tisch. Auf ihren Wangenknochen kam eine hinreißende Röte zum Vorschein. Sie war wirklich eine Úilleacht, eine Schönheit.
«Das muss dir nicht unangenehm sein.», flüsterte ich verschwörerisch. «Ich verrats keinem.»
Sie murmelte etwas von «dumme Angewohnheit» und ich konnte mir ein leises Lachen nicht verkneifen, dass in der leisen Klasse natürlich sofort auffiel, weil alle anderen Streber noch mit Lesen beschäftigt waren.
«Mr Edward, haben sie uns etwas mitzuteilen?», nervte Mr Banner.
Arrgh, es reichte! «Ich denke, Sir, dass die», ich sah arrogant auf meine Uhr, «9 Minuten mehr als ausreichend waren, um eine verdammte Seite zu lesen. Denken Sie nicht auch?»

Er sah mich irritiert an, während die anderen Schüler anfingen zu kichern.
«Sicher, Mr Edward. Dann können sie uns den Inhalt ja zusammenfassen.», schnorrte er.
«Kein Problem.», sagte ich ruhig und nannte das Wenige, was ich immerhin gelesen hatte. Wenn das Mädchen immer in Bio neben mir sitzen sollte, konnte ich das A auf dem Zeugnis vergessen.
Scheiß drauf. Wozu war mein Vater ein verdammt reicher Arzt?


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Danke für all eure Reviews und zahlreichen Favoriteneinträge!! Und verzeiht mir, dass ich noch nicht verraten habe, wo Edward jeden Dienstag hingeht. Auch Bella wird sich diese Frage bald stellen...

Song: Pulmonary Archery von Alexisonfire http://www.youtube.com/watch?v=nEDC0HVT86I

TEASER zu jedem Kapitel gibts im wunderbaren Forum von Anja-Tina, http://www.twilight-ff.de/index.php Wenn ihr dort nicht angemeldet seid, sagt Bescheid, dann lade ich sie hier am Ende des letzten Kapitels ebensfall hoch!

Alles Liebe
Theburningblack
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