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Der Kiesweg
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| von theburningblack erstellt: 01.01.2010 letztes Update: 18.05.2010 Drama / P18 | 731 Reviews |
SCHMETTERLINGSJAHRE
- Einer wahren Begebenheit nacherzählt -
Titel________________Schmetterlingsjahre
Autor_______________Theburningblack
Kurzbeschreibung____Die 17-jährige Bella zieht zu ihrem Vater in eine abgelegene Kleinstadt und erregt durch ihr impulsives Wesen viel Aufmerksamkeit in der Forks High. Nur der charismatische Edward scheint mit ihrem wilden Charakter mithalten zu können, aber sie hat ein Auge auf ihren alten Sandkastenfreund Jacob geworfen. Selbst als Edward sich als besserer Freund als manch anderer erweist, scheint Bella kein Interesse an ihm zu haben.
Doch als sie mit einem Verehrer konfrontiert wird, der bereit ist, über Leichen zu gehen, geraten Irrglaube und Wahrheit durcheinander…
Genre_______________Drama/ Romanze
Altersfreigabe________Ab 18
Disclaimer___________Das Twilight-Universum inklusive unserem heißgeliebten Edward gehört Steph. Meyer.
Updates_____________Etwa einmal wöchentlich
KAPITEL EINS
DER KIESWEG
Edward Cullen
«Zwischen Hölle und Himmel liegen 3.834 Tage, in denen es ununterbrochen Nacht ist.»
«Muss das denn sein?», fragte mein Vater resigniert, als er aus der Tür unseres Hauses trat und mich sah, wie ich an der Hauswand lehnte, rauchte und auf ihn wartete. Er trug ein sportliches Poloshirt und eine hellblaue Jeans, in der man ihn immer sah, wenn er nicht im Krankenhaus in Forks, Washington war. Es war kurz vor halb vier Uhr nachmittags und normalerweise arbeitete er um diese Zeit noch. Die einzige Ausnahme war dienstags.
Jeden Dienstag machte er bereits um die Mittagszeit Feierabend, damit er mich fahren konnte.
«Sogar Obama raucht gelegentlich.» wandte ich ein und nahm einen letzten, tiefen Zug. Dad musste es sehr ärgern, das mit anzusehen. Er nahm seinen Job als Arzt wirklich ernst und versuchte schon seit Jahren, mir meine ab und zu aufkommende Lust an Zigaretten zu verderben. Natürlich vergeblich. Er hatte es mit sehr widerlichen Photos von Raucherbeinen, Nikotinzähnen und Lungenkrebs versucht, mit Geschichten über die Patienten, die auf seinem OP-Tisch landeten, und mit zahlreichen Einladungen, ihm im Krankenhaus über die Schulter zu schauen. Aber ich war verdammt schwer einzuschüchtern.
Mit 14 hatte ich aus freien Stücken das erste Mal aufgehört, mit 17 das zweite Mal. Seit drei Monaten hatte ich es ganz aufgegeben und beschlossen, dass Zigaretten es wert waren, Krebs zu riskieren. An Tagen wie diesem waren sie mein einziger Trost.
«Auch die Präsidenten sind nur Menschen.», sagte er und ich trat widerwillig die Zigarette aus. Wenn nicht mal Barack Obama ihn davon überzeugen konnte, mir meinen Willen zu lassen – und das obwohl wir beide Demokraten waren - dann wusste ich auch nicht weiter.
Langsam folgte ich ihm zum Auto und ließ mich umständlich auf den Beifahrersitz fallen, so als wäre ich 81 statt 18 Jahre alt. Dad kommentierte es nicht, aber ich war mir sicher, die Worte brannten auf seiner Zunge.
Er hatte den Wagen nicht in der Garage geparkt, so dass die Sonne die Luft im Innenraum in eine stickige, heiße Kohlenstoffdioxid-Masse verwandelt hatte. Sofort kurbelte ich das Fenster herunter und ließ frischen Sauerstoff herein. Tief atmete ich durch und rieb mir meine rechte Schläfe, denn wie jede Woche hatte ich pünktlich heute Morgen rasende Kopfschmerzen bekommen. Es war, als würde die seelische Belastung sich langsam auch physisch bemerkbar machen. Mein Körper wurde krank, jeden Dienstag. Unvermeidlich.
Dad beobachtete mich und räumte seufzend das Namensschild von der Ablage, das er im Krankenhaus an den Kittel geheftet trug. Darauf stand in gedruckten Buchstaben Carlisle Cullen, PhD, Neurologie.
«Hast du wieder Kopfweh? Ich kann dir eine Tablette geben, wenn du möchtest.», bot er mir an.
«Nein, danke. Die werden mir sowieso nicht helfen.», antwortete ich und schnallte mich an. «Du bist sicher sehr erschöpft, nach dem Tag im Krankenhaus. Wollen wir es nicht diese Woche einfach mal ausfallen lassen?», fragte ich mir aller Besorgnis in der Stimme, die ich aufbringen konnte - und doch ohne Hoffnung darauf, dass ich zu Hause bleiben konnte.
Er schmunzelte. Natürlich war mir bewusst, dass er zu klug war um meine halbherzigen Versuche die Fahrt nach Port Angeles doch noch zu stoppen, ernst zu nehmen. «Jedes Mal versuchst du es und trotzdem bleibt es dir nicht erspart.», sagte Dad kopfschüttelnd und startete den Motor seiner S-Klasse. Die Musikanlage des schwarzen Mercedes startete automatisch und wir lauschten Chopin. Ich nahm das Cover der CD zur Hand und spulte vor zu Mahlers «Trauermarsch». Es war einfach passender. Dad lachte über meine Theatralik. Ich war ihm dankbar dafür, dass er unaufdringlich versuchte, die Stimmung ein bisschen zu heben. Jeden Dienstag gab es das gleiche Theater, aber er wurde nie müde, mir seine Solidarität zu zeigen.
«Wie war’s in der Schule?», fragte er nach einer Weile.
«Wie immer. Jessica Stanley hat sich in Sport mit Absicht fallenlassen, als ich ihr Hilfestellung beim Bockspringen geben wollte. Es endete damit, dass wir zusammen auf der Matte landeten. Sie natürlich auf mir, was sonst.» Ich seufzte. «Es ist immer dasselbe…»
«Warum gehst du nicht mal mit ihr aus? Ihre Mum arbeitet bei mir im Krankenhaus, in der Kinderstation, und sie scheint sehr nett zu sein.» Das war so typisch mein Vater, dass es mich zum Lächeln brachte, obwohl ich auf dem Highway zur Hölle unterwegs war.
«Ihre Mum ist vielleicht nett, aber Jessica ist einfach…keine Ahnung, nicht mein Typ, schätze ich.» Ganz sicher würde ich Jessica nicht daten, die mir hinterher rannte wie ein obdachloser Hund.
«Was ist denn dein Typ?»
«Vielleicht jemand, die Ted Kennedy nicht für einen unserer ehemaligen Präsidenten hält.», murrte ich.
«Es werden doch nicht alle in deiner Schule dumm sein!», widersprach er.
«Die, die nicht dumm sind, sind entweder vergeben oder hochnäsig oder einfach nur zu… still oder so, was weiß ich. Du kennst doch Forks, da lebt niemand, der halbwegs interessant ist.» Die Hobbys der Leute hier beschränkten sich aufs Tratschen und Angeln. Als waschechter New Yorker fiel es mir verdammt noch mal nicht leicht, mich hier anzupassen. Und wenn ich noch zehn Jahre hier leben würde, die Traditionen waren älter als der Boden, auf dem wir standen. Nichts kriegten sie klein.
Als ich noch in der Stadt gewohnt hatte, wollte ich immer alle 9.350 Straßen betreten, die es in New York City gab. Nicht mal fünf mickrige Prozent hatte ich davon je zu Gesicht bekommen. In Forks hatte ich nicht mal einen Monat gebraucht, jeden Winkel kennenzulernen, sogar die toten.
Was mich immer wieder verblüffte: Die Menschen hier wirkten auf mich sehr zufrieden. Die meisten kannten nichts anderes als die immergrüne Vegetation um sie herum, die dichten und riesigen Wälder und den winzigen und einzigen Supermarkt in der Einkaufsstraße. Ihre Welt reduzierte sich auf die 8 km² Wohnfläche.
Immer wenn ich darüber Forks nachdachte, hatte ich einen ganz bestimmten Song im Sinn: The Gravel Road von James Newton Howard. http://www.youtube.com/watch?v=lzAhubIwQDY
Meistens war es hier genauso dunkel, genauso beharrlich und seltener genauso schön, wenn man sich einmal die Mühe machte, hinter die abschreckenden Fassaden der Gleichförmigkeit zu schauen. Ich glaube, die Abwesenheit großer Veränderungen machte den Ort für die Menschen attraktiv.
«Du bist mit dem Urteilen ziemlich schnell, mein Sohn.», sagte mein Dad väterlich. Mich störte das nicht, da zwischen ihm und mir klare Regeln bestanden und wir uns immer daran hielten.
«Und du bist viel zu nachsichtig. Das einzige, für das Jessica gut wäre, ist fürs Bett.»
Er verdrehte die Augen.
«Wie war’s im Krankenhaus?», fragte ich schließlich und wechselte zu einem Radiosender. Mahlers geistige Dissoziation und Verzweiflung steckte in jedem Ton und so sehr ich seine Musik auch bewunderte, sie machte krank.
«Gut. Die OP von Harry Clearwaters Sohn ist gut verlaufen. Ich bin sicher, nach einigen Wochen Physiotherapie ist er wieder ganz der Alte.», sagte er. Ich kannte Seth Clearwater ganz gut. Er war 18, so alt wie ich, aber besuchte die Schule im nahen Quileute-Reservat. Er und seine Familie waren die Nachkommen eines alten Indianerstammes, die hier in der Gegend sehr bekannt waren.
«Ich komme Freitag und besuche ihn. Ohne seine Motorrad-Zeitschriften hält der es doch eh nicht aus und sein Vater bringt ihm die bestimmt nicht mit.» Harry Clearwater hatte ein Problem mit Seths Leidenschaft für Motorräder, weil er in seiner Jugend einen Unfall mit einer alten, selbst zusammen geschraubten «Höllenmaschine» hatte, wie er sie seither nannte.
«Nein.», bestätigte er mir. «Ganz sicher nicht. Aber Leah ist jeden Tag da. Es berührt mich immer wieder, wie viel Zusammenhalt in dieser Familie steckt.»
Leah war Seths Schwester, ein unausstehliches, vollkommen durchgeknalltes Mädchen, mit dem ich Streit hatte, seit wir uns das erste Mal begegnet waren. Ich persönlich glaube, dass sie mit jedem Mann Streit anfängt, weil sie unsicher ist. Vielleicht weiß sie nicht, dass man mit uns auch reden kann, ohne jeden anzugiften wie eine Furie.
«Was ist eigentlich mit dem Mädchen, dass letztens bei uns vor der Tür stand und dich um irgendwelche Hausaufgaben gebeten hat? Die sah doch nett aus.», sagte er unvermittelt.
«Wenn du mit nett meinst, dass sie lange Beine und große Brüste hat, dann wäre sie sicher ein Fang.», brummte ich. Ich wusste, von wem er redete: Tanya Denali, Schülersprecherin und leider ein Fehler, den ich mit 15 gemacht hatte. Und 17. Und 18…
«Und was ist mir der nicht in Ordnung? Ist sie auch dumm?», fragte er.
«Nein, ganz im Gegenteil. Aber sie ist… irgendwie der Typ Mensch, die für ihre Ziele über Leichen geht. Ehrlich gesagt glaube ich, dass sie absolut kein Gewissen hat.» Tanya war ein Eisklotz, es sei denn, man hatte Sex mit ihr. Dann konnte sie regelrecht auftauen und plötzlich sehr sehr heiß werden. Sie war ein Mädchen, an dem sich schon einige Typen die Finger verbrannt hatten. Aber wenn ich so in Erinnerungen schwelge, daran denke, wie sie in meinen Händen dahinschmolz, wie sie ihre gelenkigen-
«Ich versteh das nicht. Alle Mädchen unter 20 und ein paar darüber sind hinter dir her und keine ist dir gut genug? Du findest keine, die nicht mal ein Bisschen nett ist?», unterbrach er meine ablenkenden Gedanken.
«Es geht nicht darum, dass ich keine davon nett finde, es ist nur… Die bedrängen mich irgendwie. Das nervt.» Ich sah ihm an, dass er zwischen „Mein-Sohn-ist-ein-überheblicher-Idiot“ und Mitgefühl schwankte. «Tut mir Leid, aber was bringt es, das zu beschönigen? Ich hab keinen Bock auf den Scheiß.»
«Dass du dich bedrängt fühlst, kann ich verstehen. Ob du es glaubst oder nicht, Francine Fairchild hat mich heute Morgen wieder einmal dazu gebracht, das Schwesternzimmer zu meiden. Sie hat mich zu Beginn meiner Schicht mit einem Korb voller frischgebackener Muffins überrumpelt. Ich denke, als Gegenleistung erwartete sie eine Einladung zum Kaffee, aber ich habe mich schnell aus dem Staub gemacht.»
«Dad, sei nicht so naiv. Du bist ein stinkreicher Arzt, die wollte keinen Kaffee von dir, sondern Sex und einen Heiratsantrag. Was glaubst du denn, warum sie die verdammten Muffins bäckt!» Ich fing an zu lachen. Schadenfreude war doch etwas Wunderbares.
«Aber ich bin verheiratet!», empörte er sich. «Deine Mum ist bei allen Veranstaltungen in der Stadt an meiner Seite, wie kann Mrs. Fairchild mir da immer noch Avancen machen!?», rief er aufgebracht. Er war erst 35 Jahre alt und das merkte man ihm immer sehr deutlich an. Manchmal, wenn eine Sache ihn richtig begeisterte oder auch aufregte, kam er mir vor wie ein Teenager. Es war dieser Charakterzug, den ich an ihm mit am meisten bewunderte.
Ich sah auf die Uhr, von den 80 Minuten, die wir für die Strecke brauchten, waren 45 bereits vergangen. Mein Vater fuhr – wie alle in meiner Familie – viel zu schnell, deshalb ließen wir Forks rasch hinter uns und nahmen den Olympic Highway, die 101, nach Port Angeles. Obwohl mein Dad ein guter Autofahrer war, saß ich viel lieber selbst am Steuer. Theoretisch hätte ich ja auch selbst fahren können, aber es gab da ein Problem.
Auf dem Rückweg würde ich dazu nicht mehr in der Lage sein.
Auf Höhe des Lake Crescent, einer der tiefsten Seen in Washington, wagte ich dann einen neuen Versuch, diese Fahrt noch zu stoppen.
«Vielleicht ist sie heute zu müde, um Besuch zu empfangen.»
«Ich denke, das riskieren wir.», bestimmte er mit fester Stimme und deprimiert sah ich aus dem Fenster. Es war September und selbst in Washington hatten wir schönes Wetter. Selten genug war es ja, doch leider gelang es mir nicht, es zu genießen. Der Kopfschmerz hämmerte von innen gegen meine Schädeldecke und mein Herz schlug mit jeder Meile, die wir vorankamen, schneller. Das Ortseingangsschild war mein Wegweiser ins Reich der Verdammten.
Als wir unser Ziel erreicht hatten, stoppte Dad seinen Wagen auf einem Parkplatz. Meine Eingeweide verkrampfen sich und selbst das Atmen fiel mir immer schwerer. Ich wollte nicht aussteigen. Lieber hätte ich den Pazifik durchschwommen und bis zu Rest meines Lebens nur noch CD’s von Britney Spears gehört. Alles war besser als das, was mich hier 60 Minuten lang erwartete.
«Dad, bitte… zwing mich nicht.», flehte ich leise. Er sah mich an und legte seine Hand beruhigend auf meine Schulter.
«Wenn es irgendeinen Weg gäbe, dir das zu ersparen, ich würde ihn sofort einschlagen. Aber diese Verantwortung kannst nur du tragen. Es tut mir Leid, Edward.» In seinen Augen sah ich den Schmerz. Er wusste genau, was er mir damit antat.
«Schon gut.» Es gab keinen Grund, mein Aussteigen noch länger hinauszuzögern. Ich ermahnte mich, tief durchzuatmen und legte meine zitternden Finger auf den Türgriff. Warme Luft empfing mich, aber ich fröstelte trotzdem.
«Edward.», hielt er mich zurück und ich drehte mich um, voller panischer Hoffnung, er würde Erbarmen mit mir haben und mit mir wieder nach Hause fahren. «Du schaffst das, deine Mutter und ich glauben an dich. In genau einer Stunde werde ich wieder hier auf dich warten.»
«Danke.», murmelte ich leise und stieg aus dem Auto. Der Kies knirschte unheilvoll unter meinen Chucks und langsam lief ich auf das Tor zu, dessen metallbeschlagenes Schild allen Besuchern verkündete:
Himmelsbach
Port Angeles Sanatorium.
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