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von Dea ex machina    erstellt: 31.12.2009    letztes Update: 31.12.2009    Geschichte, Drama, Humor / P12    (fertiggestellt)
Hallo, liebe LeserInnen!
Hier etwas Aktuelles, noch dazu zum heutigen Tag Passendes von mir. Nach eineinhalb Jahren endlich wieder ein absurdes Theaterstück. Ich bin unheimlich erleichtert und recht zufrieden mit dieser Szene.
Was wird euch hier erwarten? Situationsbedingte Tragikomik, auf jeden Fall. Und hoffentlich die ein oder andere Überraschung.
Über Meinungen zu der Szene, gerne auch kritischer Natur, würde ich mich freuen. Viel Spaß damit!

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Silvesterszene oder Ein Jahr wie jedes andere

Personen: Herr F.
                Urne von Frau F.

Bühnenbeschreibung:
Wohnzimmer der Familie F. Sofa, Tisch mit zwei sich gegenüberstehenden Stühlen und einem schmutzigen, ausgeblichenen Tischtuch, Teppich, Garderobenständer, Kalender an der Wand- 31. Dezember
Urne der Frau F. auf der linken Seite des Tischs
Spärliche Dekoration, keine Bilder, Fotos etc.
Türe zum Flur


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Szene an sich:

Herr F. betritt den Raum durch die Tür in den Flur. Er hat Mantel, Haube und Schal an, versucht aber sich auszuziehen, während er eintritt. Er wankt ein wenig.

Herr F. (singt): Alles Glück auf dieser Erde, und ein gutes neues Jahr! Auf dass es noch besser werde, als das alte es schon war!

Sein Blick fällt auf die Urne am Tisch. Ein Ruck geht durch ihn.

Herr F.: Da bist du ja, Schatz. Ich habe dich anfangs gar nicht gesehen… Schon komisch, dabei stehst du ja direkt vor mir… Ob ich was war?

Er nähert sich der Urne und legt die Stirn in Falten.

Herr F.: Nein, Schatz, ich war nicht in der Gaststube. Nein, wirklich nicht! Warum sollte ich an Silvester auch in die Gaststube gehen, wenn wir doch noch zusammen feiern werden?

Er zieht den Mantel ganz aus und setzt sich auf den Stuhl gegenüber der Urne.

Herr F.: Was? Ich habe getrunken, sagst du? Ja natürlich habe ich das! Bevor ich nach draußen gegangen bin, habe ich ein Bier getrunken. Ja, nur eines. Wie bitte? Ich rieche noch danach? Kann nicht sein. Glaubst du mir etwa nicht?

Er betrachtet die Urne prüfend.

Herr F.: Du glaubst mir wirklich nicht! Es ist zum Verrücktwerden mit dir. Da geht man mal eben für ein paar Minuten außer Haus, um einen kleinen Spaziergang zu machen, und dann muss man sich allerlei Vorwürfe gefallen lassen. Wenn du so weiter machst, werde ich dich das nächste Mal bestimmt nicht mitnehmen, auch wenn ich das eigentlich vorhatte und mich heute schon wieder alle nach dir gefragt haben. Aber da hast du selbst Schuld.

Er wendet sich demonstrativ von der Urne ab. So sitzt er einige Zeit lang da, plötzlich starrt er das Gefäß mit großen Augen an.

Herr F.: Was habe ich getan? Ich habe gesungen? Ich bitte dich, das ist doch lächerlich. Ich und singen… Ts! Ich kann doch gar nicht singen.

Er lauscht gespannt.

Herr F.: Du weißt, dass ich nicht singen kann, und dementsprechend schlimm hat es auch geklungen? Na, nun geh mal nicht zu hart ins Gericht mit mir. War es wirklich so lausig? Und was für ein Lied soll das gewesen sein?

Er lauscht atemlos.

Herr F.: Nein, das kann nicht sein! Du kennst es nicht, sagst du? Bitte, meine Liebe, ich habe mir doch nicht etwa ein Lied ausgedacht! Ich und ein Lied erfinden! Das ist ja lachhaft!

Er lacht und hält sich dabei den Bauch.

Herr F.: Nein, also das ist wirklich absurd! Da erfinde ich einfach ein eigenes Lied, ganz spontan, so als ob ich das öfters machen würde. Und dann vergesse ich es auch noch. Tut mir leid, aber ich kann dir das nicht glauben.

Er steht auf und geht im Raum herum. Plötzlich scheint ihm eine Idee zu kommen.

Herr F.: Wir haben uns ja noch gar nicht überlegt, wie wir heuer unseren Silvesterabend verbringen! Also, sag mir, worauf hast du Lust? Wir könnten nach draußen gehen, pünktlich um Mitternacht, und uns das große Feuerwerk ansehen. Was meinst du? Klingt das nach einem guten Vorschlag?

Er schweigt und legt den Kopf schief.

Herr F.: Keine gute Idee? Schatz, du enttäuscht mich. Was meinst du? Die Nachbarn? Ich weiß, dass wir die nicht leiden können, sicher, aber man kann ihnen nicht immer ausweichen. Wenn wir mit ihnen reden, hören sie vielleicht auch auf, uns ständig als Verrückte zu bezeichnen. Vor allem, weil das ja wirklich eine unerhörte Lüge ist.

Er lauscht.

Herr F.: Ich sehe schon, du willst wirklich nicht. Schade. Aber gut, dann müssen wir den Abend anderweitig verbringen. Vielleicht bei einem guten Bier und einem interessanten Film in der Gaststube? Ja, ich habe dir doch schon das letzte Mal gesagt, dass sie dort einen neuen Fernseher haben. Was? Ich hätte schon längst einen gekauft, aber dir waren immer andere Sachen wichtiger.

Er schweigt und lauscht, dann klappt ihm der Mund auf.

Herr F.: Also ich bitte dich! Dieses Angebot soll eigennützig sein? Glaubst du etwa, dass ich diesen Vorschlag nur gemacht habe, weil ich mich betrinken will? Wenn es so wäre, würde ich alleine gehen und dich hier sitzen lassen. Als Moralapostel kann ich dich sowieso nicht gebrauchen. Spaßbremse, die du nun mal bist.

Er schüttelt rasch den Kopf.

Herr F.: Aber nein, nein, nein… Nicht doch! Schatz, so war das nicht gemeint. Bist du jetzt böse auf mich? Sag schon, du bist sauer, oder? Ich sehe es dir an, dass du wütend auf mich bist. Dabei weißt du genau, wie ich das eben gemeint habe.

Er nähert sich der Urne.

Herr F.: Jetzt schau mich doch an, wenn ich mit dir rede! Ich wollte dich ja nicht beleidigen. Was habe ich denn gesagt, dass du gleich so eingeschnappt bist? Es ist ja die Wahrheit. Leider schaffst du es tatsächlich oft, die Stimmung zu senken. Aber das ist doch keine Beleidigung!

Er mustert die Urne, setzt einen flehendlichen Blick auf.

Herr F.: Schatz! Schatz, jetzt sag doch was! Ach, wenn du nicht willst, dann lass es eben bleiben. Dann feiere ich meinetwegen alleine. Ist mir doch egal, was du hier in der Zwischenzeit machst. Ich werde mich jedenfalls amüsieren.

Er wendet sich ab und geht zur Tür. Kurz bevor er sie erreicht, hält er inne.

Herr F.: Wie war das? Du bist nicht beleidigt? Gut, dann scheinen wir doch noch gemeinsam einen schönen Abend erleben zu können. Ich werde den Sekt holen, dann können wir gleich anstoßen, ja?

Er verschwindet kurz und kommt dann mit einer Sektflasche und zwei Gläsern wieder.

Herr F.: So, das hätten wir. Bitte sehr, ein Glas für dich und eines für mich.

Er öffnet die Flasche und will einschenken.

Herr F.: Was sagst du? Die Gläser sind schmutzig? Ja, hast du denn heute nicht abgewaschen? Ich habe dich doch darum gebeten, nicht wahr? Das habe ich doch. Ich habe klipp und klar gesagt, dass du die Gläser waschen sollst, weil wir sie heute brauchen. Und wenn du das nicht getan hast, dann müssen wir eben aus ihnen trinken, selbst wenn sie schmutzig sind.

Er schenkt sich ein und hält dann inne.

Herr F.: Was soll das heißen, du möchtest nicht viel? Du trinkst ein Glas, genauso wie ich. Wie jedes Jahr an Silvester. Wieso willst du diesmal weniger? Du wirst mich doch wohl nicht alleine trinken lassen, nur weil die Gläser ein bisschen staubig sind. Na, wenn du so wählerisch bist, dann werde ich deines eben rasch putzen.

Er ergreift das Glas und wischt es mit dem Tischtuch aus.

Herr F.: So, bitte, das wäre erledigt. Und jetzt will ich nichts mehr hören.

Er schenkt ein und schiebt das Glas näher an die Urne heran.

Herr F.: Dann wollen wir auf ein glückliches neues Jahr anstoßen. Und auf einen wunderschönen gemeinsamen Abend, den wir hier verbringen dürfen.

Er hebt sein Glas.

Herr F.: Wieso willst du denn nicht mit mir anstoßen? Bist du etwa doch noch beleidigt auf mich? Aber ich habe dir schon gesagt, ich habe nichts getan. Sei nicht so. Gläser hoch und munter angestoßen! Eins, zwei, drei…

Er wartet, dann resigniert er und verzichtet aufs Anstoßen.

Herr F.: Gut, dann eben nicht. Du musst auch wirklich jede gute Stimmung zerstören.

Er leert das Glas.

Herr F.: Wenn du nichts trinkst, hast du doch sicher nichts dagegen, wenn ich mir noch ein Gläschen genehmige, oder?

Er schenkt sich nach.

Herr F.: Was? Ich habe nicht vor, mich zu betrinken! Was unterstellst du mir da schon wieder? Nur, weil ich noch etwas Sekt trinke, heißt das nicht, dass ich gleich sturzbetrunken bin. Du übertreibst schon wieder.

Er trinkt einen großen Schluck und starrt die Urne dabei an.

Herr F.: Ist ja lachhaft, deine Unterstellung! Ich und mich betrinken- verrückt. Nein, ich bin nicht angeheitert. Ich hatte erst ein Bier und ein Glas Sekt, verdammt noch mal! – Aber was ist denn los? Du hast ja noch gar nicht probiert. Dabei ist er vorzüglich, dieser Sekt. Koste ihn doch einmal.

Er wartet gespannt.

Herr F.: Du kannst nicht, sagst du? Wieso das denn? Ich werde dir helfen, ja?

Er steht auf und nimmt die Urne hoch. Dann ergreift er das Glas auf und leert einen Teil auf das Gefäß.

Herr F.: Was meinst du? Ausgezeichnet, nicht wahr? Vor-züg-lich! Und dabei gar nicht teuer. Da habe ich wirklich Glück mit diesem Schnäppchen gehabt.

Er wartet auf eine Reaktion.

Herr F.: Er schmeckt dir nicht? Dann erlaub mir doch, dein Glas auszutrinken. Wäre ja schade, etwas von dem guten Tropfen zu verschwenden. Ein wenig gekleckert hast du ja ohnehin schon.

Er setzt die Urne wieder auf den Tisch und leert das Glas.

Herr F.: Je mehr ich davon trinke, desto besser schmeckt es mir. Dir entgeht da was, lass dir das gesagt sein.

Er begutachtet die Urne nachdenklich.

Herr F.: Irgendetwas an dir gefällt mir heute nicht. Ich weiß nicht, was genau. Du siehst so blass aus, irgendwie. Ist dir nicht gut?

Er runzelt die Stirn.

Herr F.: Was? Ich mache mir zu viele Sorgen um dich? Ich enge dich mit meiner Fürsorglichkeit ein? Na gut, dann höre ich eben auf damit. Dann ignoriere ich dich einfach.

Er wendet sich demonstrativ von der Urne ab.

Herr F.: So hast du es nicht gemeint? Ich soll bleiben und mit dir reden? Euch Frauen kann man es aber auch nie recht machen.
Er betrachtet die Urne liebevoll.

Herr F.: Manchmal bin ich schon froh darüber, jemanden wie dich gefunden zu haben. Jemanden, der mich versteht. Der mir hilft, die Einsamkeit zu vertreiben. Wenn du einmal nicht mehr da bist, wen habe ich dann noch?

Er lässt den Blick schweifen, zuckt plötzlich zusammen.

Herr F.: Aber was sage ich denn da? Heute ist Silvester, keine Zeit für trübsinnige Gedanken! Der Abend ist noch jung, es gibt viel zu tun für uns!

Er springt auf uns eilt nach draußen. Wenig später kehrt er mit einem kleinen Päckchen zurück.

Herr F.: Kannst du dich noch erinnern, was ich dir versprochen habe? Du wolltest ja unbedingt Blei gießen. Und jetzt schau nur, was ich hier habe! Ist das eine Überraschung? Freust du dich gar nicht?

Er strahlt die Urne an.

Herr F.: Warte hier, ich hole nur rasch noch eine Kerze, Feuer und eine Wasserschüssel, dann können wir gleich loslegen. Du könntest in der Zwischenzeit ruhig schon den Beutel öffnen.

Er verschwindet und kehrt mit dem Erwähnten zurück.

Herr F.: Nanu? Warum hast du den Beutel nicht geöffnet? Zu schwach warst du, sagst du? Unsinn! Schau, ich zeige dir, wie einfach das geht.

Er stellt Schüssel, Kerze und Feuerzeug ab und reißt den Beutel auf.

Herr F.: Bitteschön, ganz leicht. Manchmal wirkst du so unbeholfen, es ist seltsam. Nur zu, such dir eine Figur aus, die dir gefällt.

Er hält der Urne den Beutel hin.

Herr F.: Den Fliegenpilz willst du? Gut, kannst du haben. Ich nehme das Hufeisen.

Er zündet die Kerze an und hält den Löffel, auf dem das Hufeisen liegt, über die Flamme.

Herr F.: Ich bin schon gespannt, was dabei herauskommen wird. Bestimmt haben wir viel Glück im neuen Jahr. Warte nur ab.
Er plaudert unzusammenhängendes Zeug, während die Bleifigur schmilzt.

Herr F.: So, geschafft. Jetzt beherzt kippen…

Er lässt die Flüssigkeit schwungvoll ins Wasser fließen.

Herr F.: Dann wollen wir mal nachschauen, was wir hier haben.

Er holt die entstandene Figur aus der Wasserschüssel heraus.

Herr F.: Wenn das nicht gelungen ist! Schau nur, Schatz, das könnte eine Palme sein. Oh, bestimmt ist es eine Palme! Eine Palme, die ein Symbol für etwas ist… Und weißt du auch, wofür? Ich sage es dir, ja? Für einen bevorstehenden Urlaub! Schatz, wir werden im nächsten Jahr eine Reise machen! Ist das nicht aufregend?

Er betrachtet die Urne mit zufriedener Miene.

Herr F.: Ich wusste doch, dass alles gut wird. So, jetzt bist du dran. Los, ich bin schon ganz aufgeregt.

Er wartet.

Herr F.: Was? Vorhin hast du mich ermahnt, unbedingt Bleifiguren zu kaufen, und jetzt willst du nicht mehr? So geht das aber nicht, so ist das nicht fair. Dann erlaube mir doch, für dich zu gießen.

Er umfasst die Urne mit einer Hand und hält in der anderen den Löffel mit der Bleifigur. Er wartet, bis das Blei geschmolzen ist, und kippt es dann in die Wasserschüssel.

Herr F.: Jetzt bist du bestimmt ebenso neugierig wie ich, nicht wahr?

Er holt die Figur heraus und betrachtet sie stirnrunzelnd.

Herr F.: Was könnte das nur sein? Kryptisch, in der Tat. Ist das etwa…

Er lässt vor Schreck die Figur fallen.

Herr F.: Nein, nein, nein… Das kann nicht sein… Nein

Er wirft der Urne einen erstaunten Blick zu.

Herr F.: Du willst es allen Ernstes wissen? Du willst wissen, welche Figur wir da gerade gegossen haben? Na, du hast Nerven.

Er zögert.

Herr F.: Gut, ich sage es dir. Es hat ja ohnehin nichts zu bedeuten. Ich werde im nächsten Jahr vermutlich auch keine Reise machen… Alles bedeutungslos, ja.

Er atmet tief durch und versucht, sich zu sammeln.

Herr F.: Also, folgendes… Die Figur hat ausgesehen wie eine Sense. Du weißt schon, eine Sense wie sie der… der Tod hat. Ja, genau so. Ich schwöre dir, so hat sie ausgesehen.

Er mustert die Urne skeptisch.

Herr F.: Sehen willst du sie? Du willst die Sense sehen?

Er zuckt die Schultern und bückt sich nach der Figur.

Herr F.: Hier, da ist sie. Sieht sie nicht unheimlich aus? Schrecklich, grässlich! Sieh sie dir nicht zu lange an- womöglich ziehen wir so das Unglück auf uns. Du weißt ja, ich bin furchtbar abergläubisch.

Er hält der Urne die Figur für ein paar Sekunden hin.

Herr F.: Ich habe dich gewarnt. Furchtbar, ganz schlimm. Lass uns diese grauenvolle Figur ganz schnell vergessen, ja?
Er wirft sie kraftvoll in eine Ecke des Raumes.

Herr F.: Genug Blei gegossen, oder? Also, mir reicht es auf jeden Fall. Ich würde jetzt gerne noch ein Gläschen Sekt trinken, gegen den Schrecken…

Er schenkt sich ein, hält dann aber inne.

Herr F.: Nein, Schatz, ich betrinke mich wirklich nicht. Aber sei ehrlich, auch du würdest jetzt gerne ein wenig Sekt haben. Nicht? Na, du bist heute aber wirklich merkwürdig. So kenne ich dich gar nicht.

Er leert sein Glas in einem Zug.

Herr F.: Herrlich! Genau das habe ich gebraucht. Und was machen wir jetzt? Bald ist Mitternacht, möchtest du nicht doch nach draußen gehen und dir das Feuerwerk ansehen, auch wenn du die Nachbarn nicht leiden kannst? Vielleicht sind sie ja auch gar nicht hier, sondern weggefahren, zu ihren Verwandten oder so. Bestimmt sind sie nicht da. Ganz sicher.

Er betrachtet die Urne liebevoll.

Herr F.: Nicht? Sonst hat dir das Feuerwerk doch immer so gut gefallen. Wir könnten es uns zumindest vom Küchenfenster aus ansehen. Bist du müde? Hungrig? Soll ich dir irgendetwas bringen?

Er wartet.

Herr F.: Du brauchst nichts? Aber warum benimmst du dich dann so seltsam? Bist du etwa doch aus irgendeinem Grund sauer auf mich? Dabei habe ich mir mit allem hier so große Mühe gegeben.

Er mustert die Urne interessiert.

Herr F.: Alles in Ordnung? Du wirkst ein wenig blass. Schatz, wenn du krank bist, dann sag es doch, um Himmels willen.
Er hebt skeptisch eine Augenbraue.

Herr F.: Was? Vollkommen gesund, sagst du? Gut, dann muss ich mich wohl getäuscht haben. Du kennst meine Fantasie ja nur zu gut. Schrecklich ist die, manchmal.

Er schweigt und starrt in die Ferne.

Herr F.: Dann müssen wir die Stunden anderweitig herumbringen. Wir könnten uns ja unterhalten. Wünsche für das neue Jahr sind ein gutes Thema. Also, Schatz, was wünschst du dir? Ich wünsche mir, dass die Vorhersage mit dem Urlaub doch noch eintrifft und wir beide irgendwohin reisen, wo es schöner ist als hier. Es dürfte ja nicht allzu schwer sein, so einen Ort zu finden.

Er erschrickt.

Herr F.: Was sagst du da? Wünsche darf man nicht laut aussprechen, sonst gehen sie nicht in Erfüllung? Oh, das wusste ich nicht! Es tut mir leid, jetzt habe ich alles zunichte gemacht! Es tut mir wirklich Leid…

Er blickt die Urne geknickt an.

Herr F.: Verzeihst du mir meine Unwissenheit? Ja? Ach, bin ich erleichtert. Wärst du wirklich beleidigt auf mich, ich wüsste nicht, was ich vor Verzweiflung tun würde.

Er denkt nach.

Herr F.: Na gut, wenn man nicht über das neue Jahr sprechen darf, dann wenigstens über das alte. Also, wie hast du das letzte Jahr erlebt? Ich finde, es war weitgehend positiv. Ich bin zufrieden damit. Nichts hat sich verändert, einmal dachte ich kurz, du wärst im Begriff, mich zu verlassen, aber dann bist du zum Glück zu mir zurückgekehrt. Ansonsten… der immer gleiche Trott, nichts Neues, nichts Spannendes. Ein Jahr wie jedes andere bisher, ein Jahr, das man nicht vermissen wird, wenn es vorbei ist, ein Jahr, so beliebig und austauschbar, dass es schon fast schade drum ist.

Er seufzt.

Herr F.: Jetzt habe ich so viel geredet, entschuldige bitte. Ich kann mich so in meine Monologe hineinsteigern, das kennst du ja schon von mir.

Er wartet ab, lauscht und nickt ab und zu.

Herr F.: So was aber auch! Du meinst, du wolltest mich gar nie verlassen? Es wären nur die Umstände gewesen, die uns kurzzeitig auseinander gerissen haben? Ach, du ahnst gar nicht, wie sehr mich das erleichtert, Schatz! Und sonst? Wie war das Jahr sonst für dich? Schön? Langweilig? Also fast so wie bei mir. Aber wir haben immer noch einander. Gemeinsam stehen wir jedes noch so harte, langweilige, aufregende oder schöne Jahr durch.

Er blickt die Urne liebevoll an, steht dann auf, heb sie hoch und drückt sie fest an sich.

Herr F.: Ach Schatz, das hast du schön gesagt. Wir brauchen nichts, wenn wir nur uns haben. Du glaubst mir ja gar nicht, wie verloren ich ohne dich wäre. Wenn du nicht wärst, ich wäre längst verrückt geworden.

- ENDE -
 
 
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