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von audi    erstellt: 27.12.2009    letztes Update: 19.10.2010    Geschichte, Drama / P18 Slash    (fertiggestellt)
5 Jahre später….

Kapitel 1 - Bills Sicht:

Als ich auf den Kalender schaute, konnte ich es kaum fassen. Fünf Jahre war es nun schon her, dass wir mit den Kindern nach Amerika ausgewandert waren. So vieles hatte sich seitdem verändert. Nicht nur, dass die Kinder älter geworden sind und einiges dazu gelernt hatten, sondern auch in der Beziehung zwischen Tom und mir hatte sich einiges verändert. Klar, wir waren noch zusammen und liebten uns, zu mindestens konnte ich dies von mir sagen, bei Tom war ich mir da manchmal nicht sicher, aber dennoch konnte ich mich eigentlich immer auf ihn verlassen. Er war da, wenn man ihn brauchte.
Allerdings war der ursprüngliche Plan nicht ganz so ausgeführt worden, wie wir eigentlich wollten. Tom hatte nicht weniger gearbeitet. Wenn ich so zurück schaue, habe ich eher das Gefühl, dass er nur ein Jahr Pause gemacht hatte, um dann erst richtig durch zu starten.
Er hatte sein Label von Hamburg nach L.A. verlegt und machte nun Mode, die in den USA noch viel berühmter und beliebter zu sein scheint als in Deutschland, doch hier ist das Interesse an seiner Familie bei weitem nicht so stark vertreten, wie es einst in Deutschland war. Wir konnten noch gefahrlos auf die Straße gehen oder im Garten sitzen, wobei das bei unseren Terminkalendern kaum möglich war. Tom war viel in seinem Label unterwegs und auch ich saß nicht untätig rum. Ich bin Model seit fast zwei Jahren. Ich war in der Mercedes Benz Fashionshow 2008 von Tom eingebunden worden, weil ein männliches Model ausgefallen war und ich gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.
Ja, meine Karriere begann mit einem Lückenbüßer-Job, jedoch konnte ja keiner wissen, dass gerade dieser eine Job mich berühmt machen würde. Mittlerweile lief ich regelmäßig auf dem Catwalk mit und auch Fotosessions machte ich immer öfter. Dass die Kinder bei meinem Zeitplan zurückstecken mussten, tat mir schon Leid, doch wir hatten nun ein Au-Pair aus Deutschland, das als Nanny für uns diente. Sie hieß Sofie, war 18 Jahre alt und sehr kompetent. Bei fast 800 Dollar im Monat als Gehalt, konnte man Kompetenz und Flexibilität auch wohl verlangen. Schließlich musste sie mit mir quer durch die Staaten reisen, wenn ich mal einen wichtigen Termin oder eine Fotostrecke in New York, Florida oder Chicago hatte. Allerdings bezog sich diese Reiseflexibilität nur auf die Ferien, andernfalls würden die Kinder viel zu viel Unterrichtsstoff verlieren. Vor allem Melissa mit ihren 11 Jahren. Bei Adrian ging das ja noch. Schließlich ging er gerade mal in den Kindergarten. Ich wollte sie dabei haben, weil es mir wichtig war, dass ich meine Kinder oft genug sah. Ich wollte den Bezug zu ihnen nicht ganz verlieren, nur weil ich Karriere machte.
Die Beziehung zwischen Tom und mir litt an der Distanz. Wenn ich ehrlich war, so hatte ich mir die Auswanderung nicht vorgestellt. Ich hatte gedacht, wir würden uns täglich sehen und noch eine genauso innige Beziehung weiter führen wie in Deutschland. Zu Sex kam es gerade mal alle zwei Wochen. Meiner Meinung nach viel zu selten und manchmal hatte ich auch das Gefühl, dass Tom mich betrog. Ich hatte zwar keine eindeutigen Beweise, aber es war einfach die Art, wie Tom und ich mittlerweile miteinander umgingen. Es fühlte sich so befremdend an. Gar nicht mehr wie Liebe.
Zudem vermisste ich immer mehr Hamburg und vor allem meine Freunde und meine Mutter. Obwohl wir so viel Geld hatten, war kaum Zeit da diese Menschen zu treffen. Selbst wenn wir sie einfliegen ließen, es gab immer irgendwelche Termine, die wahrgenommen werden mussten. So hatte man sie zwar bei sich zu Hause, aber doch nicht um sich. Eine schwierige Situation und nur all zu oft wäre ich gern ausgebrochen, doch auch hier gab es Paparazzi und auch hier war die Klatschpresse da, die gern eine Ehekrise oder die Flucht des Ehemannes auf die Titelseite haben wollten. Tom und Bill Kaulitz – Ein Imperium in den Staaten, dass nur gemeinsam funktionierte, denn wir hatten auch vor zwei Jahren eine gemeinsame Parfümmarke auf den Markt gebracht, die eigentlich ziemlich gut lief. Dies war meine Idee gewesen, damit Tom und ich uns mal wieder näher kommen konnten und mehr Zeit gemeinsam verbringen konnten, doch das war nur von kurzer Zeit.
Es hat die Zeit nicht zurück gedreht. Nichts war mehr so wie es einmal war und mittlerweile stumpft man ab. Man beginnt dies zu akzeptieren. Man beginnt eine Maske zu entwickeln und lebt einfach ohne darüber nach zu denken, doch beim Flug von Denver nach Hause, da hat man viel Zeit. Genau wie jetzt.
Zeit, in der man über solche Dinge nachgrübelt, weil kein Buch und auch keine Zeitschrift zur Hand waren und man beim Flug eher nicht telefonieren sollte. Ich hatte auch nicht das Bedürfnis mit irgendwem zu reden und eine heile Welt vor zu spielen. Meine Mutter wusste nämlich bei weitem nicht, wie schlecht es um die Ehe stand und auch Gustav, Georg und Alex hatten keinen blassen Schimmer. Toms Mutter – Ob sie es wusste oder nicht, da war ich mir nicht sicher. Wenn ich ehrlich war, wusste ich nicht einmal, ob Tom und sie überhaupt noch Kontakt haben. Wir sprachen eher weniger über die Zeit in Hamburg. Im Allgemeinen sprachen wir wenig miteinander. Ganz egal, um welches Thema es ging.
Obgleich Melissa mal wieder mit einem überdurchschnittlichem Zeugnis nach Hause kam oder Adrian genauso durchaus geniale Dinge vollbrachte, wir sprachen nicht viel darüber, obwohl man eigentlich meinen müsste, dass diese beiden Personen das bindende Glied zwischen uns sein müssten. Unsere Kinder waren Genies und das war jetzt nicht geprallt oder übertrieben. Melissa hatte schon eine Klasse übersprungen und war an so einer Privatschule für überdurchschnittliche Kinder und Adrian war der am weitesten Entwickelte im Kindergarten und sollte schon ein Jahr früher, in diesem Sommer, in die Schule eingeschult werden. Ob das richtig oder falsch wäre, darüber sollten Tom und ich diskutieren, doch wir saßen an dem Tag am Frühstückstisch, beide in irgendwelchen Papieren vertieft und sagten gar nichts. Die Entscheidung musste bald getroffen werden, doch weder Tom noch ich versuchten die Meinung des jeweiligen anderen zu erhaschen.
Mehr und mehr konnte man unsere Ehe als Zweckehe bezeichnen. Sollte ich darüber traurig sein und mich hassen, weil ich es nicht änderte, obwohl ich es vielleicht sogar konnte? Es war schwierig, aber eigentlich nicht unlösbar oder irrte ich mich da?
Vielleicht sollten wir uns trennen, wenn wir doch beide nicht mehr glücklich waren. Doch da musste ich wieder an unser gemeinsam aufgebautes Imperium denken und an die Monate, als wir gemeinsam als Model für einige unserer anderen Projekte zusammen gearbeitet hatten. Schließlich war unser Parfüm nur eines von vielen unserer gemeinsamen Projekte.
Ich versuchte meine Gedanken an die Vergangenheit abzuwenden und schaute aus dem Fenster, doch da es dunkel war, konnte man nicht viel erkennen.
Bald würden wir auch endlich den Flughafen in L.A. erreichen. Da ich in einem Privatjet saß, konnte ich nicht einmal andere Menschen beobachten. Klar waren immer Leute bei mir, Stylisten, Management und so weiter und sofort, aber die waren alle geschäftig in ihrem Blackberry am Tippen oder hatten einen Laptop auf dem Schoss stehen.
Urlaub würde mir mal wieder gut tun, doch ich hatte noch einige Termine in dieser Woche. Zum Glück aber direkt in L.A., sodass ich wenigstens im heimischen eigenem Bett schlafen konnte und nicht aus dem Koffer leben musste. Das mochte ich noch nie sonderlich. Natürlich konnten Tom und ich uns noch weitere Wohnungen und Häuser in allen Teilen Amerikas leisten, doch hatte ich das Gefühl, dass es uns nur noch weiter von einander entfernen würde.

Als ich endlich zu Hause ankam, war es schon weit nach dreiundzwanzig Uhr und daher waren Melissa und Adrian schon im Bett. Auch von Sofie war nichts mehr zu sehen, die natürlich ein Zimmer im selben Flur wie die beiden Kinder hatte. Daher ging ich nur noch einmal kurz in die Küche, um ein Schluck Wasser zu trinken und verschwand dann in meinem Schlafzimmer. Auch das Personal (Butler, Zimmermädchen, Gärtner….) waren nicht mehr zu sehen. Aber was erwartete man schon um diese Uhrzeit?
Meine Hoffnung war nicht gerade groß, dass Tom schon zu Hause war oder gar noch auf mich im Bett wartete, als ich die riesige Marmortreppe im Flur hinauf stieg. Meinen Koffer ließ ich im Flur stehen, da der Butler den Morgen wohl hinauf bringen würde und die Wäsche fort räumen und waschen würde. An diesen Luxus hatte ich mich nun einmal gewöhnt und den wollte ich auch nicht so schnell missen.
Als ich die Zimmertür öffnete, dachte ich zuerst, dass Tom im Bett lag, doch als ich näher trat, musste ich feststellen, dass es nicht so war. Das Bett war auf seiner Seite nur durchwühlt. Wahrscheinlich hatte Adrian wieder nicht schlafen können und dann legte er sich meist bei uns ins Bett und dann war das Bett natürlich nicht mehr frisch aufgeschlagen.
Ein kleiner Stich in meiner Brust war zu vernehmen, doch ich achtete da nicht weiter drauf. Das hatte auch keinen Sinn, denn wenn ich erst einmal richtig traurig wurde, würde ich weinen und dann hätte ich morgen früh Ränder unter den Augen und das sah nun einmal alles andere als gut aus. Ich hielt also meinen Kopf hoch, achtete nicht weiter auf das Bett und ging in das Bad, das direkt neben dem Schlafzimmer war. Auch hier sah alles unbenutzt aus. Wie lang hatte ich Tom schon nicht mehr gesehen? Zwei Tage? Wann sah ich ihn wieder? Morgen? Übermorgen? Gleich noch?
Doch auch diesen kleinen Funken Hoffnung gab ich auf. Er würde heute nicht mehr kommen. Wahrscheinlich war er schon in irgendeinem Hotel abgestiegen oder schlief bei sich im Atelier. Deswegen war ich auch gegen die Schlafcouch gewesen, die er sich dort hinstellen lassen hat. Das war der einzige Sinn und Zweck dabei gewesen, so vermutete ich zu mindestens.
Ich begann mich abzuschminken, putzte mir die Zähne und kämmte mir halbherzig das Haarspray aus, doch ich war müde und daher ging ich zurück ins Schlafzimmer. Ich zog mich aus, legte die getragenen Klamotten über eine Stuhllehne und ging in den begehbaren Kleiderschrank, um mir frische Boxershorts zu holen und diese anzuziehen. Die getragenen Boxershorts brachte ich ins Bad und packte sie in den Wäschekorb.
Wieder ging ich zurück ins Schlafzimmer. Das Bett war noch immer leer. Ich konnte nicht anders als aufzuseufzen. Ich wünschte mir an diesem Abend Tom ins Bett. Ich wollte mich so sehr an ihn ankuscheln und seinen einmaligen Duft wahrnehmen, doch er war nicht da. Ob er wohl gerade auch an mich dachte?
Ich hatte das Gefühl mit jeder Minute und mit jedem einzelnen Gedanken mir mehr und mehr weh zu tun und wenn ich dieses sadistische Spiel weiter betrieb, würde ich noch zusammen brechen unter dieser Last aus Frust und Liebe. Unerwiderte Liebe natürlich. Davon ging ich zu mindestens in dieser Nacht mal wieder aus.
Immerhin hatte es Tom mal wieder nicht nötig zu Hause zu sein, wenn ich es war, um mit mir, seinem Ehemann, in einem Bett einzuschlafen und am Morgen gemeinsam aufzuwachen und zu frühstücken. Auch wenn dies das einzige war für diese paar Stunden. So ganz ohne Lust und Leidenschaft. Ohne Liebe und Sehnsucht.
Ich war in der Versuchung ihn anzurufen und ihm zusagen, wie weh mir alles tat. Die Seele in meinem Körper schien nicht mehr lange durchzuhalten, auch wenn mein Herz sich auf Stand-by-Modus gestellt hatte, so ganz ohne zu fragen.
Aber ich konnte es ja verstehen. Ich würde es ja ganz genauso machen und mir wurde schlagartig bewusst, dass ich das schon getan hatte. Ich lebte wie eine Maschine, ganz automatisch. Ich schaltete ins Lächeln, wenn es nötig war und ich schaltete es aus, wenn es nicht mehr nötig war. Eine kleine Marionette war ich geworden durch den Verlust der Liebe. Sollte ich bereuen und hassen? Sollte ich loslassen und vergessen?
Ich setzte mich auf das Bett und schob meine Beine unter die weiche Decke. Etwas tiefer ließ ich mich sinken und dann schaltete ich das Licht aus, aber mit dem Licht gingen meine Gedanken leider nicht aus. Nein, sie schienen mit der Dunkelheit noch viel mächtiger und kräftiger zu werden. Immer schneller und mehr wurden sie. Ein Bild aus der Vergangenheit jagte das nächste. Von einem glücklichen Moment mit Tom zum nächsten, um dann zurück in die nähere Vergangenheit zu gleiten und festzustellen, dass nichts mehr so war, wie ich es geliebt hatte. Ein kalter, eisiger Stein war unsere Liebe geworden und er traf mich hart. Es übermannte mich. Ich war verheiratet und doch solo, allein. Ganz allein und Freunde – richtige Freunde – gab es hier nicht. Ich schaltete das Licht wieder an, setzte mich auf und atmete tief durch. Mir war übel. Diese Gedanken mussten aufhören. Konnte ich nicht endlich ein für alle mal akzeptieren, dass ich Tom ans Label verloren hatte, obwohl er dies doch für mich und die Familie aufgeben wollte?
Nein, ich konnte es nicht. Loslassen war nicht meine Stärke. Tom war wieder der, den ich vor 11 Jahren kennen gelernt hatte. Menschen ändern sich also nie wirklich von Grund auf. Es wäre auch zu schön gewesen.
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