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von Kristallblau    erstellt: 24.12.2009    letztes Update: 24.12.2009    Geschichte, Allgemein / P12    (fertiggestellt)
Christbäume:
Es war einmal ein kleines Mädchen. Susi war ihr Name und sie liebte nichts mehr als Christbäume. Sie freute sich jedes Jahr aufs Neue den Baum aussuchen zu können. Dieses tat sie immer mit sehr viel Sorgfalt und Liebe, aber auch immer mit etwas Wehmut. Natürlich gefielen ihr die prunkvollen, wunderschönen Bäume, gerade gewachsen, dichtes Astwerk. Aber da waren noch die anderen Bäume, die vielleicht nicht so gerade gewachsen waren, die nicht so reich an Ästen waren, die einen etwas verwahrlosten Eindruck machten. Diese Bäume hatten es Susi jedes Jahr schwerer gemacht sich für einen schönen Baum zu entscheiden. Denn es tat ihr leid, dass die anderen Bäume keinen schönen Platz in einem warmen Zimmer bekommen. Es tat ihr richtig weh, dass es einige nicht schaffen werden, die Menschen zu beeindrucken. Und dann alleine in der Kälte stehen müssen.  So auch dieses Jahr.
Nachdenklich streift sie durch die Baumreihen, begutachtet die Tannen und Fichten. Ihre Eltern sind in diesem Moment wie Luft für sie, hier geht es um eine Wahl, die für Susi sehr wichtig ist, eine Wahl bei der sie sich nichts einreden lässt. Aufmerksam gleitet ihr Blick von Baum zu Baum, doch einen Baum für sich hat sie noch nicht entdeckt. Natürlich waren schöne dabei, doch noch keiner hatte diese bestimmte Ausstrahlung, diese Anziehungskraft auf Susi, die ein Baum einfach haben muss. Letztes Jahr hatte eine große Silberfichte auf sich aufmerksam gemacht, hat Susi in ihren Bann gezogen. Eigentlich war der Baum viel zu groß für die Familie, doch sie hat nicht nachgegeben, sie wollte diesen Baum, nur diesen. So hat ihn Susi nach langem Hin und Her bekommen…
In Gedanken an ihren letzten Baum läuft sie weiter an den wundervollen Nadelbäumen vorbei. Die meisten hat sie schon gesehen, doch eine Reihe hat sie noch vor sich, und je näher sie kommt, desto mehr beschleicht sie das Gefühl, dass sie hier ihren Baum finden wird. Wird sie ihren Baum finden?
Susi lässt ihren Blick über die großen und kleinen Christbäume schweifen, einmal von vorne nach hinten und wieder zurück. Doch plötzlich bleiben ihre Augen an einer kleinen Tanne hängen. So schnell kann man gar nicht schauen, steht Susi schon davor. Ihre Augen glitzern und ihre kleine Hand greift nach einem der Zweige. Vorsichtig hält sie ihn mit der linken fest und streicht mit ihrer rechten Hand sanft über die Nadeln.
Der Baum ist nicht prachtvoll, riesig oder wunderschön. Aber er hat das gewisse Etwas für Susi, die Eigenschaft die ihr sagt, dass es der richtige Baum ist. Die kleine Blautanne hat sich in ihr Herz gemogelt. Jetzt muss sie nur noch ihre Eltern davon überzeugen.
Laut ruft sie nach ihrer Mutter, will den kleinen Baum unter keinen Umständen aus den Augen lassen. Es dauert nicht lange und ihre Mutter steht neben ihr.
Mit leuchtenden Augen deutet Susi auf die Tanne vor ihr. Ihre Mutter wirft verwundert einen Blick auf den, ihrer Ansicht kläglich, winzigen Baum. In ihren Augen zählt nur der hochwertig, schöne Baum, der perfekt ins Wohnzimmer passt. Doch da hat sie die Rechnung ohne Susi gemacht.
Susis Mutter will ihrer Tochter die Blautanne ausreden, doch bevor sie dazu kommt  widerspricht ihr die Kleine.
„Mami! Ich will nicht den riesigen Baum den du mir vorhin gezeigt hast, ich will den hier! Keinen anderen!“
„Aber Susi, der ist doch total klein und so kahl…“, versucht es die Mutter weiter.
„Mami, es geht zu Weihnachten nicht darum wer am besten aussieht, sondern vielmehr darum was man in den Menschen sieht, was man für sie empfindet. Warum sollte diese Tatsache nicht auch auf Christbäume zu treffen? Ich finde diesen Baum einfach toll, auch wenn er nicht so viele Zweige hat wie der, den du mir gezeigt hast. Aber der hier ist etwas Besonderes!“, erwidert Susi.
Mit solch einem Ausspruch hat Susis Mutter nicht gerechnet, sie wird nachdenklich, überdenkt ihr eigenes Handeln. Was war Weihnachten für sie geworden? Ein Wettkampf? Wer hat den besseren Baum? Die besseren Geschenke für den anderen? Susi hat recht, es geht nicht darum wer besser aussieht sondern was man für den anderen empfindet, fühlt. Das ist das wirklich Wichtige zu Weihnachten, man soll mit seiner Familie, und allen Menschen die man liebt oder einfach nur gern hat zusammen sein, die Ruhe genießen, sich freuen, dass der andere da ist zu dieser besinnlichen Zeit im Jahr.
Manchmal ist es wichtig, dass einem die Kinder sagen worauf es ankommt, einen aus dem Alltag holen und einem zeigen, was die wichtigen Dinge im Leben sind, und wie sehr man sich von seinem Beruf oder dem Weihnachsstress mitnehmen lässt.
„Du hast recht Susi, du hast recht! Hol mal deinen Papa und sag ihm, dass er nicht mehr weiter suchen muss. Wir haben unseren Baum gefunden!“
„Danke Mami!“, flüstert Susi und umarmt ihre Mutter freudig.
Mit ihrem Vater im Schlepptau kommt Susi zurück, gemeinsam nehmen sie die Blautanne mit und packen sie vorsichtig auf ihr Auto.
Zuhause muss Susi in ihr Zimmer, denn das Christkind kommt und das darf Susi nicht sehen. Der Baum wird hübsch geschmückt. Mit grünen und silbernen Kugeln, dazwischen findet man immer wieder den einen oder anderen Weihnachtsstern oder Schokolade. Die Geschenke werden unter dem Baum verteilt und Susis Vater nimmt das kleine Glöckchen vom Tisch und läutet. Leise öffnet Susi ihre Zimmertür und tritt hinaus ins Wohnzimmer. Dort stehen ihre Eltern glücklich lächelnd, die kleine Tanne ist wunderschön mit ihren Kugeln und den Sternen.
Susis Augen leuchten und liebevoll wird sie von ihrer Mutter in die Arme gezogen, danach in die ihres Vaters. Die Geschenke unter dem Baum sind fast vergessen, erst als ihr Vater sie sanft anstupst wird ihr bewusst, dass unter den Zweigen ihrer Tanne Geschenke liegen…
Dieses Weihnachtsfest wird Susi, aber vor allem ihren Eltern für immer in Erinnerung bleiben. Denn das schönste an Weihnachten sind nicht die Geschenke sondern das zusammen sein mit unseren Liebsten…
 
 
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