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von CityChicka    erstellt: 23.12.2009    letztes Update: 08.03.2010    Geschichte, Mystery / P16    (fertiggestellt)
Ein herzliches Dankeschön an alle Leser und Kommi-Schreiber! Besonderer Dank und ein dickes Bussi an Cheyenne, meine liebste und einzigste Betamaus. Viel Vergnügen!


Dean sagte zuerst nichts. Sieben Jahre war Sam mit seiner Jugendliebe Lori verheiratet. Sie passten großartig zusammen und er hatte immer das Gefühl, dass beide sich wirklich liebten.

“Hör mal, Sam! Differenzen gibt es in jeder Ehe  und….”, begann Dean vorsichtig.

“Lori ist gestern zu ihrer Mutter nach Dallas geflogen”, meinte Sam leise. “Es geht nicht mehr, Dean! Wir - haben uns auseinander gelebt!”

“Weißt du, Sam, alle Paare streiten sich. Was denkst du, wie bei Jo und mir schon die Fetzen geflogen sind?”, gestand Dean.

“Wir haben nicht gestritten! Wie haben nie gestritten!”, sagte Sam mit gesenktem Kopf. “Wir hatten keine Meinungsverschiedenheiten, wir haben keine finanziellen Probleme und eigentlich lieben wir uns noch!”

“Dann versteh ich allerdings vollkommen, warum ihr euch scheiden lassen wollt”, meinte Dean ironisch.

“Weil es nicht mehr geht!”,  beharrte Sam.

“Ihr seid doch  ---  glücklich?”, hakte Dean nach.

“Nicht immer, Dean! Die letzte Zeit gar nicht mehr. Lori war ziemlich --- wie soll ich sagen --- depressiv”, gestand Sam.

“Depressiv?” Dean zog die Augenbrauen hoch.

“Wir hätten gerne ein Kind gehabt! Und - nun ja - als sich nach einiger Zeit nichts tat, da haben wir uns beide testen lassen. Also, an mir liegt es nicht und eigentlich bestätigte der Gynäkologe, dass auch bei ihr soweit alles in Ordnung wäre”, erzählte Sam.

“Was heißt soweit?”, hakte Dean nach.

“Nun, der Arzt meinte, es wäre vielleicht eine seelische Blockade. Wenn man auf etwas ganz versessen ist, dann blockiert sich dein Inneres und genau das kann es sein. Also, wir machten Urlaub auf Hawaii und waren rundum glücklich und ließen einfach die Dinge auf uns zukommen und uns treiben. Dann versuchte es Lori mit den fruchtbaren Tagen und wir haben die letzten drei Jahre nichts anderes getan, als eigentlich auf ein Baby hinzuarbeiten. Weißt du, ich hätte damit leben können, aber Lori liebt Kinder über alles. Schon allein wegen ihrem Beruf als Kindergärtnerin hätte sie selbst gerne eigene Kinder gehabt. Sie konnte beziehungsweise kann auch wunderbar mit Kindern umgehen - alle ihre Freundinnen bekamen Babies und, als sie erfuhr, dass Jo wieder mal schwanger ist, da hat sie einfach nur noch geheult.” Sam blickte Dean ins Gesicht. “Du kannst dir nicht vorstellen, wie Lori Jo beneidet!”

Dean sah überrascht auf: “Wie? Lori hat Jo beneidet? Ich sag dir was, Bruder, wir haben euch doch mal besucht vor längerer Zeit und Jo konnte sich nicht mehr einkriegen, wie toll ihr alles habt und dass Lori Designerkleidung trägt und ungefähr 20.000 Paar Schuhe hat.”

>Der Besuch von Dean und Jo lag schon einige Zeit zurück. Jo war gerade mit Kevin schwanger, als Dean mit ihr nach Blue Earth fuhr. Ellen und John übernahmen damals  das Babysitting für Justin und die Zwillinge, damit die jungen Eheleute ungestört verreisen konnten.

Sam verdiente als Juniorchef einer bestsituierten Anwaltskanzlei hervorragend und Lori war eine reiche Partie gewesen. Natürlich hatte Sam nie auf Geld geschaut und er hätte Lori auch geheiratet, wenn sie keinen Cent besessen hätte. Lori und Sam bewohnten in Blue Earth eine herrliche Villa mit Swimmingpool, sie hatten Angestellte und Lori übte seit ihrer Verheiratung ihren Beruf nicht mehr aus. Sie wollte nur noch für Sam das sein. Außerdem machten sie viele Reisen in aller Herren Länder und Jo hielt manchmal wehmütig Ansichtskarten aus Australien, Afrika und ganz Europa in den Händen. Sie gönnte Lori und Sam ihr Glück und auch ihr Geld wirklich von Herzen. Jo war im Grunde überaus zufrieden mit ihrem Leben und sie liebte Dean über alles, aber jeden Monat musste die gesamte Familie rechnen und jeden Cent umdrehen. Jo wusste ehrlich nicht, dass Sam John und Dean oftmals Geld angeboten hatte, um diese zu unterstützen. Doch eine Annahme ließ der Winchesterstolz keinesfalls zu. Und auch Jo hätte, wenn auch schweren Herzens, nichts von Sams Geld genommen.

Jo staunte nicht schlecht, als sie den Luxus sah, in welchem Sam und Lori schwelgten. Dean und Jo verbrachten einige schöne Tage bei Sam. Hier in Blue Earth war Dean die letzten Jugendjahre aufgewachsen und zur Schule gegangen. Und hier hatten sie in Pastor Jims Kirche geheiratet, auch ihre Kinder waren hier getauft. Auf dem Nachhauseweg war Jo immer noch geplättet: “Sie hat ein Ankleidezimmer, Dean! Kannst du dir das vorstellen? Ein Zimmer, größer als unser Schlafzimmer und das Kinderzimmer zusammen, nur als Ankleidezimmer. Und lauter Designerklamotten von Versace und Gucci und keine Ahnung von wem und so tolle Sachen! Sie besitzt Roben und Galakleider und Capes!” Jo kriegte sich nicht mehr ein.

Dean fädelte sich gerade in den Highway ein. “Du hast doch auch schöne Kleider!”, meinte er nur.

“Na klar!” Jo schüttelte den Kopf. “Die neuesten Modelle von Woolworth und H&M! Und da nur die Umstandsmode! - Ich habe keine Robe und kein Cape!”

“Hör ich da so was wie Neid heraus, Mrs. Winchester?”, fragte Dean mit einem Seitenblick.

“Ja”, gestand Jo. “So eine Robe hätte schon was.”

“Meine Fresse! Lori und Sam gehen viel zu geschäftlichen Abendessen und ins Theater und in so vornehme Clubs, wo die Leute alle gespreizt rumlaufen, als ob sie einen Besenstiel im Arsch hätten. Da braucht sie solchen Kram. Was willst du mit einer Robe? Die ist beim Windeln wechseln ziemlich unpraktisch. Und ein Cape im Roadhouse zum Gläser spülen?”

Jo seufzte: “Du hättest die Schuhe und Taschen sehen sollen! Und der Schmuck! Wahnsinn! Überhaupt ist das Haus so toll eingerichtet. Designermöbel und sie hatten eine Innenarchitektin, hat mir Lori erzählt und für den Garten einen Landschaftsarchitekten”, schwärmte Jo.

“Genau deshalb wirkt alles so geschleckt!”, stellte Dean fest. “Wir brauchen keine Arschitekten.”

Jo blickte zu ihrem Mann hinüber: “Das heißt Architekt!”

“Sag ich ja: Arschitekt! Weil das für mich Arschlöcher sind! - Jo, Designerscheiße und Arschitekten ist was für Lori. Lori ist aus reichem Elternhaus und Sam kann mit so was leben. Für mich ist das nichts. Ich will diesen Firlefanz nicht! Mir genügt das Roadhouse und ich würde mich nicht wohl fühlen inmitten dieser Pracht. Man traut sich kaum sich auf einen Sessel zu setzen, ohne befürchten zu müssen, dass dieser platzt. Ich will mich zuhause auf die Couch schmeißen und meine Füße auf den Tisch pflanzen. Bei diesem zarten verschnörkelten Schickimickiglastisch  hatte ich schon Angst, das Ding zerspringt, wenn ich nur dran vorbei gehe. Und dann dieses Speisezimmer mit dem polierten Mahagonitisch. Ich meine, da steht ein Riesenkerzenleuchter auf dem Tisch und ein aufgemotztes Blumengemüse dazu - man muss den Kopf strecken, um die Leute zu sehen, die mit dir am Tisch sitzen. Dann dieses extravagante Geschirr mit den tausend Kristallgläsern und Bestecken. Und echte Damaststoffservietten! Man traut sich nicht mal, sich damit das Maul abzuwischen! Dazu dieser Heini mit seiner Fliege, der dauernd fragte ’Haben Madame oder Sir noch einen Wunsch?’. Da vergeht einem doch der Appetit! Abgesehen davon, dass mir jedes Steak von dir oder Ellen besser schmeckt als dieser kreierte Kochkram, wo ich gar nicht wusste, was ich überhaupt gerade esse! Sie haben einen französischen Koch! Dabei wäre Sam mit Frikadellen und Kartoffelsalat, welche ihm Lori selber machen würde, auch zufrieden.” Dean redete sich in Rage. “Aber Sam ist glücklich: Er hat seine geliebte Lori, seinen Beruf, sein Leben wie er es sich gewünscht hat. Alles andere zählt nicht!”<

Sam lachte bitter auf, als Dean ihm die Anekdote erzählte. “Ja”, nickte er dann. “Wir waren glücklich. Ich war glücklich. Obwohl mir dieser Luxus schon manchmal zuviel ist! Doch, Lori ist so depressiv geworden, sie fühlt langsam die Zeit verstreichen, sie denkt, sie wird zu alt für eine Schwangerschaft, ich meine, Dean, wir sind beide 32 und wir haben wirklich oft Sex, aber….”

Dean stoppte ihn: “Was heißt bei dir oft?”

Sam zuckte mit den Achseln: “So drei bis vier Mal.”

“Am Tag?”

Sam starrte ihn an: “Bist du irre? - In der Woche! - Ich meine, wir haben - ich habe schließlich auch noch Arbeit und Termine und überhaupt….” - Er stoppte. “Sag mal, wie oft hast du denn Sex mit Jo?”

“Sagen wir mal so”, meinte Dean langsam. “Wenn ich auf Jagd bin und Jo im Wochenbett liegt oder  ihre Periode hat, dann nicht.”

“Äh - wie?” Sam machte große Augen. “Du willst mir hier erzählen, dass du nur dann NICHT mit Jo schläfst?”

“Jep!” Dean sah ihn grinsend an.

“Sonst immer?” Sam fasste es nicht.

“Jep!”

“Also, im Prinzip so ziemlich jeden Tag!”

“Jep!”

“Seit ihr zusammen seid?”

“Jep!”

“Jeden Tag einmal!”

“Nope!”

“Häh?”

“Nicht nur einmal!”

“Ihr seid ja --- sexbesessen!” Sam war fassungslos. “Kein Wunder, dass ihr einen Stall voll Kinder habt!”

“Siehste!”, grinste Dean. “Wir halten uns an keine fruchtbaren Tage oder machen Termine oder sonst so einen Scheiß! Wir machens einfach!” Seine Schwiegermutter pflegte manchmal zu sagen, dass Jo und Dean wie die Karnickel pimperten.

“Nun ja” sprach Sam weiter. “Wir haben uns also auseinander gelebt! Und - du wirst mich sicher auslachen - ich - ähm - also - wir ----”

“Ihr habt jetzt nicht mehr drei oder vier Mal, sondern gar nicht mehr gepoppt!”, übernahm Dean.

Sam nickte stumm.

“Von wem ging das aus, wenn ich fragen darf?” Dean blickte ihn scharf an.

Sam sagte nichts.

“Sammy, Sammy!” Dean schüttelte den Kopf. “Wollte sie?”

Ein nochmaliges Nicken.

“Sammy, Sammy, Sammy!” Dean nickte ebenfalls. “Wurde sie deswegen so depri?”

Wiederum nickte Sam, nach kurzem Nachdenken.

“Wie hast du deine sexuelle Abstinenz begründet? Deine Tage oder was?”, fragte Dean neugierig.

“Idiot!”, fauchte Sam. Doch dann wurde er wieder bedrückt. “Dean, ich muss mich von Lori scheiden lassen. Ich muss, verstehst du?”

“Nein, nicht ganz!”, sagte Dean ehrlich.

“Ich will sie nicht in Gefahr bringen!”, gestand Sam.

“In Gefahr? Wie meinst du das?” Sofort war Deans Jägersinn angesprungen. Sein Bruder konnte nur Gefahr in Verbindung mit Übernatürlichem meinen.

“Deswegen wollte ich  mit dir und Dad sprechen: Es ist wieder da!” Sam senkte den Blick. “Das Brandmal! Dean, es wieder da! Ich fürchte, ich bin besessen oder etwas will Besitz von mir ergreifen!”
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