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von Anki    erstellt: 21.12.2009    letztes Update: 13.05.2010    Geschichte, Drama / P18 Slash    (fertiggestellt)
Wow, ihr erfüllt mich gerade ein bisschen - sehr untertrieben - mit Stolz. Danke für eure lieben Reviews, ihr dürft gerne so weitermachen :). Hier geht's auch schon weiter :) Viel Spaß und noch einmal herzlichen Dank ♥

Jingle Bells

Das letzte Spiel hatte er auch hinter sich gebracht und jetzt sprach nichts mehr gegen die Reise gen Heimat. Er freute sich darauf. Auf ein paar ruhige, besinnliche Tage mit seiner Familie. Silvester war weitestgehend geplant und bald schon würde er sich in sein Auto sitzen und nach Hause fahren.

Er verabschiedete sich noch von seiner Mannschaft und stieg dann in sein Auto, hoffte die Fahrt schnell und unbeschadet zu überstehen – ewig lang hatte er seinen Führerschein schließlich auch noch nicht. Er rief nochmal schnell seine Eltern an, hörte die alte Leier über – „fahr vorsichtig, es ist dunkel und sehr kalt“ bis „ja, wir freuen uns wenn du da bist“ und legte dann nach einer gefühlten halben Stunde mit eingefrorenen Händen und einem Eiszapfen an der Nase auf zu telefonieren – würde nicht schaden, den Motor schon mal warmlaufen zu lassen, dachte er für einen Moment und fuhr los.

Es war voll auf den Straßen und genau deshalb brauchte er auch viel länger als normalerweise. Gegen 10 Uhr abends erreichte er das Haus seiner Eltern und parkte den Wagen vor der Garage. Danach schnappte er sich seine Reisetasche und schloss sein Auto ab.

Seine Familie erwartete ihn schon. „Warum hast du so lang gebraucht? Und warum hast du dich nicht gemeldet?“, fragte seine Mutter besorgt und umarmte ihren ältesten Sohn erst mal. „Ich stand im Stau, am Steuer darf man nicht telefonieren und jetzt bin ich doch da“, ratterte er seine Gründe lustlos herunter und drängte sich an ihr vorbei ins Haus. „Hey Dad“, meinte er und drückte seinen Vater fest. „Na Junge, gutes Spiel“, begrüßte er Toni, dessen Augen ob diesen Lobes freudig strahlten.„Danke.“

Die Begrüßung mit Felix war die freudigste. Denn sein Bruder war auch der einzige, der von ihm wusste. „Wirst du es unseren Eltern sagen?“, fragte er fast lautlos und Toni zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, denke nicht.“

Felix schüttelte nur den Kopf. „Ich finde, du solltest es ihnen sagen“, er zuckte ebenfalls mit den Schultern.

„Mal schauen.“ Er gesellte sich noch kurz zu seinen Eltern. Es war ein relativ angenehmes Gespräch entstanden, seine Mutter massierte ihm den Nacken, sein Vater saß zu seiner Linken. So saßen sie eine ganze Weile, bis Toni auf die Uhr schaute und sich dann lächelnd ins Bett verabschiedete.

Felix schneite noch kurz vorbei und während Toni sich fertig machte, redete sein kleiner Bruder wie wild auf ihn ein. „Jetzt halt doch mal den Rand“, brummte Toni und legte sich unter die Decke. „Ich bin nur der Meinung, dass du es ihnen sagen solltest, Toni. So kann’s doch auch nicht weitergehen.“ Felix seufzte und strich seinem Bruder über die Wange. „Ich leg mich jetzt auch hin, Nacht.“ Er gab ihm noch einen Kuss auf die Stirn und schloss dann leise die Tür.

Toni lag noch lange wach, überlegte hin und her und wusste einfach nicht ein und auch nicht aus. „Scheiße!“, fluchte er leise und schlug gegen die Decke, wälzte sich hin und her. Er musste es ihnen sagen, es waren doch schließlich seine Eltern. Und wenn er irgendwann einmal seinen Partner vorstellen wollte, musste er wohl oder übel geoutet sein. Er seufzte leise, ehe er die Augen schloss und versuchte nicht nachzudenken. Wenig später war er ins Land der Träume geglitten.

Am nächsten Morgen kam seine Mutter in sein Zimmer und weckte ihn behutsam. „Kaffee ist schon fertig, nur zum Bäcker müsste noch jemand“, sagte sie, als Toni wenig später ins Wohnzimmer kam und sich die Augen rieb. „Ich geh schnell“, meinte Felix und zog sich Jacke und Schuhe an. „Moment, ich komm mit.“

Der Leverkusener huschte in sein Zimmer, zog sich schnell Jogginghose, Schuhe und irgendein Shirt über, nahm seine Winterjacke und ging mit Felix den kurzen Weg bis zum Bäcker. „Sonst bist du nie mit zum Bäcker“, stellte Felix amüsiert fest und grinste. „Da hat ich auch immer genug von meinem Bruder, jetzt seh ich dich ja kaum noch“, er knuffte seinem kleinen Bruder in die Seite und öffnete die Tür zur Backstube. „Die Kroos-Brüder“, wurden sie begrüßt und unterhielten sich eine ganze Weile mit der Bäckerin und verließen mit einer vollgefüllten Tüte die Stube.

„Ich hab mir überlegt, dass ich… dass ich es ihnen vielleicht doch sage“, gab er zu. Felix lächelte leicht und legte Toni kurz einen Arm um die Schulter. „Find ich gut“, flüsterte er ihm ins Ohr.

„Meinst du?“, fragte der Mittelfeldspieler unsicher und öffnete die Haustür. „Mein ich“, sagte sein Bruder noch schnell und schloss diese hinter sich. „Wir sind wieder da!“, rief Felix und legte die Tüte auf den Tisch.

„Na denn, lasst uns mal frühstücken“, sagte sein Vater und öffnete gierig die Tüte. „Ganz wie immer“, grinste seine Mutter und Toni und Felix nickten gleichzeitig. Oft vermisste er die Zeit mit seiner Familie, wenn er wieder in Leverkusen war. „Was habt ihr heute noch vor?“, fragte Roland seine Kinder, welche nur mit der Schulter zuckend in ihre Brötchen bissen.

„Es ist richtig kalt heute, und es liegt richtig schön viel Schnee. Wollen wir rausgehen?“, fragte Felix seinen Bruder und sah ihn eindringlich an. „Ja. Lass uns Schlitten fahren gehen“, meinte Toni begeistert und schaute seinen Bruder an. „Na klar, haben wir schon lange nicht mehr.“

Sie hatten viel Spaß beim Schlitten fahren, machten sich nicht viel aus den Blicken der Nachbarn, die lachend zuschauten und genossen einfach, dass sie endlich mal wieder zu Zweit etwas unternehmen konnten. „Jetzt ist aber genug, jetzt waren wir lange genug Kinder“, meinte Toni eine Weile später und klopfte sich den Schnee von den Klamotten. „Hast Recht.“ Nickend nahm er den Schlitten und zog ihn samt Felix mit nach Hause. „Du bist schwer, kleiner Bruder. Magst auch mal laufen?“, fragte Toni und grinste. „Nö, ist ganz angenehm so.“ Er lachte seinen Bruder unverschämt an und blieb demonstrativ sitzen. „Sturer, kleiner Bock“, nörgelte er und zog ihn bis zur Haustüre. „Ins Haus tragen werde ich dich aber ganz sicher nicht.“

Felix zog die Mundwinkel nach unten und schmollte leicht. „Das zieht nicht mehr“, meinte Toni ernst und schloss die Tür auf. „Schade“, sagte Felix und umklammerte seinen Bruder von hinten, ließ sich huckepack nehmen. „Sind wieder da“, keuchte Toni schweratmend und öffnete schwer die Tür zum Wohnzimmer.

„Felix, du Spinner“, meinte sein Vater und schaute ernst. „Papa, wir machen nur Spaß“, er verdrehte die Augen und ließ von Toni ab. „Bin in meinem Zimmer“, motzte er dann und stapfte die Treppen nach oben.

„Kriegst es immer wieder hin, Papa. Super“, funkelte Toni seinen Vater an und lief seinem Bruder hinterher. „War doch nicht so gemeint“, meinte Roland leise und setzte sich auf einen Stuhl. Toni öffnete die Tür zu Felix‘ Zimmer und sah seinen Bruder genervt vor seinem Laptop sitzen. „Hey, Papa hat’s nicht so gemeint.“ Er setzte sich neben Felix aufs Bett und strich diesem eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Das sagst du nur so, Papa meint immer alles gegen mich.“ Felix schüttelte den Kopf und konzentrierte sich weiter auf sein Spiel.

„Hey, das Spiel ist cool“, merkte Toni an, um das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. „Das ist klasse, ne?“ Felix lächelte ihn dankbar an und sie unterhielten sich ein wenig über das besagte Spiel.

„Komm, wir gehen wieder runter. Ist doch blöd, einen Tag vor Weihnachten Streit zu haben.“ Toni zog Felix hoch und schaute ihn eindringlich an. „Na gut, hast ja recht.“ Felix klappte den Laptop schnell zu und ging hinter Toni die Treppen runter.

Sie setzten sich zu ihrer Mutter aufs Sofa und schauten fern. „Wo ist Paps?“, fragte Toni. „Der is‘ laufen.“ Felix seufzte. „Ja, wenn Stress ist, verpisst er sich gleich wieder.“ Tonis kleiner Bruder verdrehte genervt die Augen und stand auf, um sich etwas zu trinken zu holen. „Ihr seid doch beide gleich stur“, rief seine Mutter ihm hinterher und Felix seufzte genervt

‚Das ist meine Chance‘, dachte Toni und räusperte sich. „Was ist, Toni?“, fragte seine Mutter und sein Herz schlug so laut, dass er dachte, es würde gleich seinen Brustkorb sprengen. „Ich...“, seine Stimme versagte, ließ ihn im Stich. „Egal“, flüsterte er dann leise und konzentrierte sich auf die im Fernsehen laufende Sitcom. „Was ist?“, fragte sie wiederholt und Toni seufzte. „Es ist egal, Mama. Vergiss einfach, dass ich über irgendwas mit dir reden wollte.“

Er versuchte schließlich selbst, so gut wie möglich zu verdrängen, dass er schwul war. Vielleicht war er ja auch überhaupt nicht schwul? Was, wenn er es sich nur einredete? Oder es eine pubertäre Phase war? Es waren so viele Möglichkeiten…

Er seufzte innerlich und spielte an seinen Fingernägeln rum. Seine Mutter stellte auf irgendeine Kochsendung um und Felix kam nach einer gefühlten halben Stunde erst wieder ins Wohnzimmer. Sie hörten, wie die Haustür aufgeschlossen wurde und der Vater wieder nach Hause kam.

„Habt ihr euch ausgesprochen?“, fragte Toni gleich und Felix nickte. „Haben wir.“ Er setzte sich neben seinen Bruder und schaute gelangweilt der Kochsendung zu. „Wann gibt’s eigentlich Mittag?“, fragte Toni nach einer Weile in die Stille und seine Mutter wuselte direkt in die Küche. „Öhm, okay. So war das jetzt auch nicht gemeint.“ Er seufzte und schaltete auf die eben erwähnte Sitcom und genoss es, noch ein wenig mit seinem Vater und seinem Bruder im Wohnzimmer zu sitzen, über schlechte Witze zu lachen und sich von Felix Geschichten über Rostock anzuhören.
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