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von Ruby1899
erstellt: 27.11.2009
letztes Update: 26.05.2010
Geschichte, Romanze / P12
(abgebrochen)
Marcel Risse.
Der einzige FCN-Spieler, von dem mein Bruder mir ein Autogramm besorgen sollte, als er - mal wieder - beim Training war.
Marcel Risse liegt jetzt neben mir.
Als ich aufgewacht bin, habe ich im ersten Moment noch gedacht, ich hätte geträumt. Geträumt, dass ich tatsächlich mit Marcel Risse geschlafen habe.
Ich - geschlafen.
Ich meine... Mein Gott, ich hab’ noch nie mit einem Typen geschlafen und jetzt gehe ich einfach mit einem Fußballer nach Hause.
Scheiße.
Ruckartig setze ich mich auf, starre auf den langen Männerkörper, der da nackt neben mir liegt. Tatsache. Ich habe wirklich mit ihm geschlafen.
„Guten Morgen“, nuschelt Marcel jetzt und fährt sich durch die Haare, verstrubbelt sie noch mehr, als sie es eh schon sind. Sieht unglaublich gut aus, wie er sich jetzt ebenfalls aufsetzt, die Bettdecke über seine Beine zieht.
„Morgen“, antworte ich leise. Verunsichert. Ich weiß ja nicht, was er jetzt will - ob ich gehen soll, oder...
„Ich mach’ uns mal Frühstück“, sagt Marcel allerdings, beendet damit jegliche Gedankengänge in diese Richtung und hebt seine Boxershorts vom Boden auf, streift sie sich über und steht auf.
„Du kannst duschen, wenn du willst. Hier raus, dann links, durch den Flur und dann am Ende wieder links. Handtücher im Schrank unter der Decke“, fährt er fort und ich nicke, überlege.
Schließlich wickele ich mir die Bettdecke irgendwie um meinen Körper, sammele meine Klamotten auf und gehe in die Richtung, die er mir beschrieben hat. Tatsächlich finde ich das Badezimmer, schließe ab und lasse die Decke auf den Boden fallen, gehe zum Schrank und hole mir ein Handtuch, bevor ich duschen gehe.
Auch unter der Dusche kann ich nur daran denken, dass es verdammt schön war, auch wenn es vielleicht ein bisschen weh getan hat.
Und wer kann schon sagen, dass man seine Unschuld an Marcel Risse verloren hat? Würde mich allerdings ein bisschen traurig machen, wenn das jetzt so läuft, wie es wohl bei einem typischen One-Night-Stand läuft.
Er schläft mit mir und dann sehen wir uns nie wieder.
Aber dass er mir Frühstück macht, werte ich jetzt einfach mal als positives Zeichen.
Beeile mich extra mit Duschen, weil ich sehen möchte, wie das jetzt abläuft.
Ich föhne mir nicht mal die Haare, obwohl hier ein Fön hängt, sondern binde sie mir nur zu einem Dutt, streife mir die Klamotten über, bevor ich das Badezimmer wieder aufschließe, das Handtuch auf die Badewanne lege und das Badezimmer dann auch schon wieder verlasse.
Will eigentlich sofort zu Marcel, den ich in der Küche schon mit dem Geschirr klappern höre - aber so weit komme ich nicht. Stattdessen steht plötzlich Dennis Diekmeier vor mir und jagt mir einen Heidenschrecken ein.
„Musst du mich so erschrecken?“, fahre ich ihn an.
Hätte ich gestern nicht mit Marcel Risse geschlafen, würde ich im Leben nicht so mit Dennis Diekmeier reden.
Dennis Diekmeier, verdammt!
„Deswegen war Marcel gestern also so schnell weg“, grinst er und klopft mir auf die Schultern. „Hoffe, du hattest Spaß.“
Ich werde rot, will gerade etwas sagen - ohne zu wissen, was -, aber da geht Dennis schon an mir vorbei ins Bad und ich mache mich auf den Weg in die Küche, bleibe unsicher mitten im Raum stehen.
„Trinkst du Kaffee?“, fragt Marcel, als er mich bemerkt und ich nicke, gehe schon mal zum Tisch und lasse mich daran fallen.
„Kann ich was helfen?“, frage ich höflichkeitshalber nach, aber er schüttelt nur den Kopf, lächelt mir freundlich zu. Er bringt noch Kaffee und Brötchen an den Tisch, dann lässt er sich mir gegenüber fallen, sieht mich nachdenklich an.
„War schön, letzte Nacht“, sagt er leise, bevor er sich ein Brötchen greift und es aufschneidet.
Ich nicke. „Ja, stimmt“, nuschele ich und trinke einen Schluck Kaffee, verberge meine roten Wangen. Weiß nicht mal, weshalb ich rot werde, aber es ist einfach so. Bin eben einfach so.
Schüchtern vielleicht.
Und trotzdem habe ich mich an Marcel Risse herangeschmissen!
Zwar auch nur, weil Julie gesagt hat, dass ich es unbedingt tun soll, wenn er schon so mit mir flirtet, aber trotzdem.
Es war trotzdem ich, die mit ihm geschlafen hat.
Oh Gott. Jetzt laufe ich wirklich rot an und trinke schnell Kaffee, schiebe es vor Marcel, der fragt, ob alles in Ordnung sei, auf das heiße Getränk.
Danach essen wir schweigend, sagen einfach nichts mehr, sondern essen nur jeder ein Brötchen.
„Soll ich dich... Irgendwie heimfahren, oder so?“
Überrascht hebe ich die Augenbrauen. Damit hätte ich nicht gerechnet. Überrumpelt nicke ich, und wir gehen zum Auto. Oder besser: Ich stehe schon im Flur, da wird er noch mal von Dennis zurückgehalten.
Ich höre nicht wirklich, was Dennis sagt, sondern höre nur das „Volljährig“ und Marcels patzige Erwiderung - muss schlucken.
Volljährig.
As if!
Marcel habe ich erzählt, dass ich seit ein paar Monaten 18 bin - dabei bin ich vor drei Monaten 16 geworden. 16! Ich bin auch nur in den Club gekommen, weil ich meinen Schülerausweis gefälscht und ein bisschen mit dem Türsteher diskutiert habe.
Marcel, der mir eine Hand auf den Rücken legt und zum Aufzug schiebt, lässt mich zusammenschrecken.
Ist ja auch egal. Ich werde ihn sowieso nicht wiedersehen, da muss ich mir auch keine Gedanken darum machen, dass ich ihn angelogen habe. Wird er nie erfahren, ganz einfach.
Ich nenne ihm meine Adresse, er gibt sie ins Navi ein und fährt los, schweigt, bis wir vor unserem Haus halten.
„Seh’ ich dich noch mal wieder?“, fragt er leise und dreht sich ein wenig im Sitz zu mir um. „Gibst du mir deine Handynummer?“
Jetzt bin ich wirklich verwirrt - irritiert - überrumpelt. Aber natürlich nicke ich sofort und diktiere ihm meine Handynummer, die er sich in sein iPhone einspeichert.
„Ich meld’ mich“, sagt er noch und küsst mich auf die Wange, dann steige ich aus, sehe ihm hinterher, bevor ich zur Haustür gehe. Eigentlich will ich gerade meinen Schlüssel aus der Tasche holen, da fällt mir auf, dass sie nicht da ist.
Sie ist weg!
Scheiße.
Ich weiß, wo sie ist. Ich habe sie heute Morgen noch auf dem Sessel in Marcels Zimmer gesehen. Und ich habe nicht mal seine Handynummer, das heißt, ich kann ihn nicht mal anrufen, oder so!
Scheiße, Mensch! Glück für mich, dass ich mein Handy immer in der Hosentasche habe.
Jetzt klingele ich erstmal, werde sofort von meinem kleinen Bruder eingelassen, der mich fragt, ob ich nachher mit ihm Hausaufgaben machen kann. Ergeben nicke ich, schiebe mich dann an ihm vorbei und greife mir das Telefon.
„Ich wollte gerade telefonieren!“, protestiert Rebekka, die gerade aus dem Wohnzimmer kommt.
„Pech gehabt, Schwesterherz“, erwidere ich nur und verschwinde schnell in mein Zimmer nach oben, werfe mich aufs Bett und wähle die Nummer meiner besten Freundin.
„Wo warst du denn auf einmal? Ich hab’ mir Sorgen gemacht, Mensch!“, werde ich angefahren, kaum, dass Julie abgehoben hat. „Bist du mit dem Risse heim, oder was?“, fragt sie - scherzhaft.
„Ja.“
„Bitte was? Du bist mit Marcel Risse nach Hause und... Und dann? Erzähl’ endlich!“
Jetzt muss ich dann doch mal lachen. „Ich bin mit Marcel Risse nach Hause gefahren und... Ich hab’ mit ihm geschlafen, Julie...“
Gegen Ende werde ich leiser und leiser. Muss es mir selbst immer wieder sagen, weil ich es nicht glauben kann.
„Geschlafen. Du. Du hast mir doch immer erzählt, dass du auf den einen Kerl wartest, den du dann wirklich so abgöttisch liebst“, murmelt Julie, glaubt mir ganz offensichtlich nicht.
„Mensch, Julie, wir haben echt... Okay? Und es war echt schön. Also... Wirklich und das fand er auch, glaub’ ich, hat er zumindest beim Frühstück gesagt“, gebe ich patzig zurück.
„Frühstück? Meine Fresse, bist du jetzt seine neue Freundin, oder was?“
Neue Freundin?
Eher nicht.
Auch wenn ich, glaube ich, kein Problem damit hätte, seine Freundin zu sein. Er ist ja nicht nur unheimlich heiß, nein, das, was ich bis jetzt von ihm kennen gelernt habe, ist auch unfassbar nett.
„Ich bin nicht seine Freundin. Aber meine Handynummer hat er...“
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