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von spunky    erstellt: 16.11.2009    letztes Update: 31.12.2011    Geschichte, Romanze, Drama / P18    (pausiert)
Bella POV


Montag, 8.45 Uhr. - Ich befand mich im Foyer des 30 stöckigen Hochhauses der Firma Masen Inc. in der Innenstadt Seattles und wartete auf den Aufzug. Ich kannte das Gebäude schon von meinem Vorstellungsgespräch und hatte bereits damals gemerkt, wie edel und modern dieses Gebäude und vor allem das Architekturbüro war. Alles glänzte und sah einfach viel zu perfekt aus. Zum Glück war ich am Samstag mit Ang shoppen. Ich wusste, dass von mir verlangt wurde, perfekt gekleidet zu sein. Bei dem Gehalt, das ich beziehen würde, war das aber auch angemessen. Ich sah an mir herab und musterte mein Business Outfit. Schwarze Christian Louboutin High Heels, nicht zu kurzer schwarzer Minirock, eine weiße enganliegende Bluse von Gucci. Ich wusste, dass die Möglichkeit groß war, Edward über den Weg zu laufen. Und als hätte ich es heraufbeschworen, räusperte sich in genau diesem Augenblick jemand neben mir. Ich schaute überrascht zur Seite und sah direkt in seine strahlenden grünen Augen. Da war es wieder. Dieses Grinsen.

„Guten Morgen“, sagte er leise. „Guten Morgen“, erwiderte ich kühl. Die alte Bella hätte angefangen zu nuscheln oder rot anzulaufen. Ich blieb standhaft. Ich wollte ihn. Koste es, was es wolle. „Ich hätte nicht erwartet dir so schnell über den Weg zu laufen“, sprach er weiter. Ich zuckte mit den Schultern und lächelte ihn an. „So schnell kanns gehen.“

Er nickte. Mir entging nicht, dass er mich von unten bis oben musterte und sein Blick an meinen Brüsten stehen blieb. Typisch... Ich drückte meine Mappe, die ich in Händen hielt an meine Brust, um ihm die Sicht zu versperren. So leicht würde ich ihm das nicht machen. Er schüttelte kurz irritiert den Kopf und blickte wieder nach oben.

„Gefällt dir, was du siehst?“, fragte ich. Innerlich schien ich zu verbrennen. Ich sollte aufhören ihm ständig direkt in die Augen zu schauen. Er zog mich mit seinem Blick förmlich aus. Und es gefiel mir.  „Und wie. Nettes Outfit, Miss Swan."

Ich verdrehte amüsiert die Augen. Männer waren so leicht zu durchschauen. Sicher hatte er bereits einen Ständer. Ich sah herunter zu seiner Hose. Bingo. So gut ich mich auch kontrollieren konnte, ein Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen. Auch Edward entging meine Reaktion nicht.
„Was ist?“, fragte er grinsend und tat, als wüsste er nicht, was vor sich ging.

„Nichts“, antwortete ich und biss mir auf die Unterlippe. In Gedanken zog ich bereits seine Hosen aus und kniete mich vor…

„Bella?“, hörte ich ihn sagen. Ich sah ihn an.
„Der Aufzug.“

„Ach so, ja.“

„Willst du mir nicht endlich von deinen Tagträumen erzählen?“, fragte er, als sich die Aufzugtüren hinter uns schlossen. Wir waren alleine. Ich hätte den Notfallknopf drücken können und den Aufzug zum Stehen bringen und dann seine Hosen runterziehen und mich vor ihn…

„Bella?“, riss er mich aus den Gedanken. Ich sah ihn verwirrt an. Verdammt, seit wann fantasierte ich nur soviel? Reiß dich endlich zusammen, verdammt.

„Tut mir leid, ich bin einfach nur ein wenig aufgeregt“, log ich. „Es ist schließlich mein erster Arbeitstag." Er nickte verständnisvoll und lächelte.

Ich sah, dass er auf die Anzeige blickte. Noch zwölf Stockwerke. Ich musterte ihn kurz und musste erneut feststellen, dass ich es mir am Freitag nicht eingebildet hatte. Er sah wirklich einfach viel zu gut aus. Sein schwarzer Anzug war maßgeschneidert, soviel war klar. Er trug ein weißes Hemd und eine schwarze Krawatte.Seine Haare standen schon wieder in alle Richtungen ab. Sex on two legs.

„Sag mal, wie ernst ist das eigentlich mit dir und Black?“, fragte Edward auf einmal. Auf diese Frage war ich komplett unvorbereitet gewesen. Worauf wollte er hinaus? Ich versuchte mich zu fangen und so locker wie möglich zu bleiben.

„Ich bitte dich Edward, das mit Jake und mir ist schon längst Schnee von gestern“, winkte ich ab. Das stimmte auch. Seit Freitag Abend hatte ich ihn nicht mehr gesehen. Er hatte mich zwar einige Male angerufen, aber ich hatte nicht abgenommen. Nachdem er mich am Freitag vor meinem Appartement absetzte, hatte ich ihm deutlich gemacht, dass es vorbei war. Eine Beziehung war das Letzte, wonach ich mich im Moment sehnte. Edward schien mir nicht zu glauben und sah mich skeptisch an.

„Das sah am Freitag aber anders aus."

„Edward, bitte.“ Ich liebte es seinen Namen auszusprechen. „Hast du etwa nicht gemerkt, dass wir kaum miteinander geredet haben, dass ich so abweisend war? Da läuft schon lange nichts mehr. Er hat darauf bestanden, dass ich mitkomme, weil er nicht alleine gehen wollte. Schließlich hieß es, dass du auch jemanden mitbringst.“

Ich sah ihn an. Er schien überzeugt und grinste schließlich.
„Was ist? Was gibt’s da zu Grinsen?“, fragte ich.
„Moment.“ Natürlich, wie konnte ich nur so dumm sein?
„Du Arsch“, stellte ich fest und schubste ihn leicht an der Schulter.

Natürlich wusste er das alles. Er wollte es nur aus meinem Mund hören. Er lachte und zwinkerte mir zu. In diesem Moment öffneten sich die Aufzugtüren.

„Wow, das ging aber schnell“, stellte er verwirrt fest und sah auf die Anzeige, um sich zu vergewissern, dass wir auch auf dem richtigen Stockwerk waren. Er sprach mir aus der Seele.
Am liebsten hätte ich ihn geküsst.

„Ladies first“, sagte er schließlich leise und trat einen Schritt zur Seite.

„Ach komm, ladies first, du willst doch nur einen Blick auf meinen Hintern werfen“, sagte ich, als
ich voraus ging.

„Schuldig im Sinne der Anklage“, erwiderte er und lachte.

Ich drehte mich zu ihm um und sah in sein grinsendes Gesicht. Ich schüttelte den Kopf. Das mit ihm würde noch besser werden, als ich dachte. Ich blieb stehen und drehte mich zu ihm.
„Ich muss da lang“, sagte er und zeigte mit dem Finger nach rechts.
„Das heißt unsere Wege trennen sich jetzt. Leider“, fügte er hinzu und sah mich auf. So grün...
„Keine Sorge. Wir sehen uns wieder.“
„Versprochen?“

Ich blickte an ihm herunter und sah die Wölbung. Er hatte schon wieder einen. Der Minirock hatte seine volle Wirkung erzielt. Am liebsten hätte ich laut gejubelt. Stattdessen grinste ich ihn nur an und zuckte unschuldig mit den Schultern.
„Versprochen.“


Wenige Minuten später betrat ich Alices Büro, nachdem mich ihre Assistentin angekündigt hatte.
„Ah, Bella, guten Morgen.“, sagte sie und erhob sich. Sie war klein und zierlich und strahlte förmlich von innen. Sie war mir bereits beim Vorstellungsgespräch sehr sympathisch gewesen. Und ich merkte, dass das auf Gegenseitigkeit beruhte. Sie reichte mir die Hand und bat mich, mich zu setzen.
„Wär es ok, wenn wir uns dutzen?“, fragte Alice.
„Natürlich“, antwortete ich lächelnd.
Als sie mich über den neuesten Stand der Firma und vor allem der PR-Abteilung informierte, zeigte sie mir mein Büro. Es war viel größer, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen. Die lange Fensterfront eröffnete einen atemberaubenden Blick auf die Skyline Seattles.
„Wow“, sagte ich leise.
„Die Sicht ist toll. Ja, das ist wahr“, sagte Alice und nickte. „Wie auch immer, Bella, du wirst dich sicher sehr schnell hier einarbeiten. Du hast fünf Mitarbeiter, die unter deiner Führung stehen. Ich werde sie dir nachher noch vorstellen. Ich habe in den letzten Wochen die PR-Abteilung geleitet, parallel zu meinen Aufgaben, die ich im Aufsichtsrat und so weiter habe. Es ist so schwer, qualifizierte Leute zu finden und ich bin so froh, dass wir dich gefunden haben. Aber wenn du in der Anfangszeit irgendwelche Fragen haben solltest, scheue dich nicht davor sie mir zu stellen“, strahlte sie mich an.
„Danke, Alice“, antwortete ich und nickte.
„Die wichtigste und dringendste Aufgabe der nächsten Wochen wird es sein, eine neue Corporate Identity zu entwickeln. Dafür musst du eng mit meinem Bruder zusammen arbeiten. Er hat nämlich das letzte Wort, bei allem.“ Ihr Bruder? Sie sprach doch nicht wohl von…?
„Ich spreche von Edward. Edward Masen Cullen.“, setzte sie fort, noch bevor ich überhaupt die Möglichkeit ergreifen konnte, sie selbst danach zu fragen.
„Sein Vater hat diese Firma gegründet. Er und Edwards Mutter sind vor mehreren Jahren bei
einem Unfall ums Leben gekommen.“
Oh. Ich sah sie schweigend an und nickte kurz. Das hatte ich nicht erwartet. Ich hatte mich zwar über die Firma schlau gemacht und gewusst, dass Anthony Masen die Firma gegründet hatte, doch ich wusste nicht, dass Edward sein Sohn war. Edward hatte also, wie ich, ein ähnliches Schicksal. Er hatte seine Eltern verloren. Hmm...

Alice riss mich aus den Gedanken, als ich seufzte und wieder aus dem Fenster sah.
„Wie auch immer, mein Dad, Carlisle Cullen ist offiziell der Kopf der Firma. Aber ohne Edwards Zustimmung geht hier gar nichts"
Natürlich. Jetzt machte alles wieder Sinn. Ich nickte. Edward sah also nicht nur gut aus, er war auch reich und mächtig. Es schien unmöglich, dass es solch einen Mann überhaupt geben könnte. Etwas an ihm müsste einen Haken haben. Und das war sicher sein Charakter, dachte ich entschlossen. Aber das war mir egal. Es ging ja schließlich nur um Sex. Bei dem Gedanken daran spürte ich erneut dieses Kribbeln. Ich konnte es kaum erwarten ihn wieder zu sehen.
„Du hast um 11 einen Termin mit Edward. Ich hab seine Assistentin heute morgen angerufen. Er erwartet dich also. Jetzt stell ich dir aber deine Kollegen vor“, sagte sie und führte mich in die PR-Abteilung.

Nachdem sie mir meine neuen fünf Kollegen, zwei Männer und drei Frauen vorgestellt hatte, ließ sie mich in meinem Büro allein. Ich ließ mich in meinen Sessel fallen und sah auf die Uhr. Es war kurz vor 10. Ich hörte mein Handy in der Tasche vibrieren. Wer rief mich um diese Zeit an? Ich sah aufs Display. Jacob.

Mist, was sollte das? Hatte er immer noch nicht begriffen, dass es aus war? Ich nahm genervt ab. Ich musste ihm klar machen, dass er aufhören sollte mich zu stalken.
„Ja?“, sagte ich in einem viel zu zickigen Unterton.
„Bella? Na endlich, ich dachte ich würde dich niemals erreichen.“ Ich verdrehte die Augen.
„Was ist los, Jake?“, fragte ich.
„Stör ich dich gerade auf der Arbeit? Wenn ja, tut es mir leid. Aber es ist wichtig. Ich brauch deine Erlaubnis“, sagte er.

„Erlaubnis? Wofür?“ Wovon sprach er zum Teufel?
„Ich habe am Samstag ein Mädchen kennen gelernt. Macht es dir aus, wenn ich mich mit ihr verabredete?“
„Gott, Jake, ist das dein Ernst?“
„Oh, naja, ich hatte so was schon befürchtet.“
„Was hast du befürchtet? Wieso fragst du mich um Erlaubnis? Ich fasse es nicht. Ich dachte zwischen uns wäre alles klar.“
„Heißt das?“
„Ja, bitte, date sie. Date sie, Jake. Du wirst sehen, es wird dir gut tun. Das mit uns, das lief doch schon länger nicht. Wir haben uns einfach auseinander gelebt. Wie oft soll ich mich eigentlich noch wiederholen? Ich fasse nicht, dass du mich deswegen anrufst. Wirklich, Jake. Was ist bloß aus dir geworden?“ Wut stieg in mir hoch. Ich konnte es wirklich nicht glauben.
„Bella. Bitte, sei nicht wütend auf mich. Du weißt wie sehr ich noch an dir hänge.“
„Jake, du hängst an der alten Bella. Wir haben uns verändert. Ich habe mich verändert.“
Er schwieg.

„Du stehst bereits auf einen anderen, stimmts?“, fragte er schließlich.
„Gott, Jake, mach dich nicht lächerlich“, log ich. Ich stand zwar auf Edward, aber nur auf einer rein sexuellen Basis. Das war etwas anderes.
„Tut mir Leid, Bella.“
„Dir muss nichts Leid tun“, sagte ich.
„Können wir wenigstens noch Freunde bleiben?“, fragte er kleinlaut.
„Natürlich, Jake“, antwortete ich leise. Irgendwie tat er mir Leid. Er hatte sich zu sehr an die Illusion einer perfekten Beziehung geklammert, zu sehr an die Vorstellung von Bella und Jacob.
„Ich muss auflegen Jake. Machs gut und pass auf dich auf.“
„Danke, du auch. Meld dich mal, Bella“, erwiderte er und legte auf.
Ich legte mein Handy auf den Tisch und drehte mich mit dem Sessel zur Fensterfassade, um erneut festzustellen, was für einen Wahnsinnsblick ich auf die Stadt hatte. Ich schloss die Augen und dachte nach. Wie sollte ich am besten vorgehen? Ich hatte nicht erwartet so direkt mit Edward zusammenarbeiten zu müssen. Alice war meine Vorgesetzte. Konnte ich wirklich mit ihrem Bruder ins Bett ohne jegliche Konsequenzen? Sollte ich den Job aufs Spiel setzen? Ich verdrängte diese Fragen. Es ging doch nur um Sex. Keine Verpflichtungen! Männer taten das ständig. Sie fickten jeden, der ihnen in die Quere kam. Ihre Assistentinnen, ihre Sekretärinnen, ihre Angestellten... Was war schon dabei? Ich war realistisch genug, um zu wissen, dass Edward sicher schon jede in seiner Abteilung flach gelegt hatte. Die Frage war nur, ob diese Frauen mit der reinen Sexschiene zufrieden waren. Es sollte ja Frauen geben, die sich nach dem ersten Sex bereits Gedanken um die Hochzeit machten. Ich gehörte definitiv nicht dazu. Ich dachte in dieser Hinsicht wie ein Mann. Es ging nur um Sex. Auch während der „Beziehungspausen“ mit Jake scheute ich mich nicht davor auf Männer, die mir gefielen, zuzugehen. Für diese Art wurde ich schon mal misstrauisch beäugt. Von Frauen, versteht sich.

Aber das war mir egal. Nach dem Tod meiner Eltern war mir alles egal. Die Tatsache, das zu tun, wonach mir der Sinn stand, gab mir das Gefühl am Leben zu sein. Und das wollte ich. Das Leben in vollsten Zügen auskosten. Und im Moment stand mir der Sinn nach Sex. Mit Edward.

Ich öffnete die Augen und schüttelte den Kopf. Ich sollte mich nun wirklich der Arbeit widmen, entschloss ich und fing an die Unterlagen und Akten für mein Meeting mit Edward vorzubereiten. Ich würde professionell bleiben, nahm ich mir vor. Anders ging es nicht. Ich arbeitete eine Stunde ohne Unterbrechung und machte mir Notizen. Als die Uhr auf meinem Schreibtisch fünf Minuten vor 11 anzeigte, stand ich auf, zupfte meine Bluse und meinen Rock zurecht und machte mich mit den Unterlagen auf den Weg in Edwards Büro. Sein Büro lag am anderen Ende des langen Ganges. Ich trat ein und fand seine Assistentin vor, die am Empfang saß und mich freundlich begrüßte. Sie war eindeutig älter. Ich schätzte sie auf Ende 40. Hatte Edward sie eingestellt?

Und wow, dieser Empfangsraum war wirklich riesig. Ich fragte mich wie groß sein eigentliches Büro war.

„Guten Morgen, ich bin Bella Swan“, begrüßte ich sie.
„Ah, Miss Swan, schön, dass Sie da sind. Setzen Sie sich bitte. Mr. Cullen wird in einigen Minuten bei Ihnen sein. Er hat noch eine Besprechung.“

Ich nickte und setzte mich in einen der bequemen schwarzen Sessel. Die Mappe mit den Unterlagen lag auf meinem Schoß. Ich sah mich um. Es war wirklich sehr schick hier. Falls Edward etwas mit der Gestaltung des Empfangraums zu tun hatte, hatte er eindeutig Geschmack. Es gab 3 Türen. Eine führte, der Größe nach zu schließen, in Edwards Büro. Eine zu den Toiletten und die dritte wohl zum Archiv oder zum Büro der Assistenz, aber eindeutig konnte ich das nicht sagen. Ich biss mir auf die Unterlippe. War ich etwa aufgeregt? Nein. Mich verunsicherte nur die Größe, die alles hier ausstrahlte. Plötzlich öffnete sich die Tür und ich hörte Gelächter. Heraus trat eine attraktive schlanke Blondine. Hinter ihr folgte ein lachender Edward. Worüber lachte dieser Arsch?, dachte ich etwas verärgert. Ich kam nicht umhin zu bemerken, dass die Frau überaus reizvoll angezogen war. Sie trug Overknee Stiefel und einen kurzen Minirock. Lediglich ihre Bluse war dezent und geschlossen. Waren wir hier etwa im Puff? Sie hatten doch nicht etwa....? Ich spürte, wie Wut in mir aufkochte.

Ich hatte mich geirrt. Er wechselte seine Frauen nicht im Wochen-, sondern in Stundentakt. Zwar hielten die beiden eine gewisse Distanz, dennoch war nicht zu bestreiten, dass sie sich gut kannten. Sicher war sie seine Fickfreundin. Arsch. Ich war kurz davor aufzustehen und zu gehen. Ich hätte meine gespielte Höflichkeit andernfalls nicht aufrechterhalten können. In dieser Sekunde erblickte er mich.

„Bella“, sagte er erfreut und ging auf mich zu.
„Also, Edward, wir sehen uns dann“, sagte die Blondine und gab Edward zwei Küsschen, bevor sie mich anlächelte und sich auch von der Empfangsdame verabschiedete. Bitch!
Was sollte dieses künstliche Getue? War der Fick etwa so gut gewesen? AAAAH!

Ich kochte innerlich. Aber ich wusste nicht wieso. Wieso ging mir das nur so nahe? Dann hatte er eben eine Fickfreundin, und wenn schon? Nach einem Mal Sex mit ihm hätte ich sowieso kein Bock mehr auf ihn. Diese Erfahrung hatte ich schon oft gemacht. Spätestens beim zweiten Mal verloren die meisten Männer an Faszination. Wieso sollte es bei ihm anders sein? Na gut, er sah perfekt aus, hatte einen tollen…

„Bella?“, riss mich seine Stimme aus den Gedanken. Oh ja, seine perfekte Stimme. Ich sah ihn verwirrt an.
„Bist du soweit?“, fragte er und streckte seine Hand aus, um mir aufzuhelfen. Ich ließ mir nichts anmerken und nickte.
„Geht schon, danke“, sagte ich mit festem Ton und stand ohne seine Hilfe auf. Kein Grund so blöd zu schleimen, dachte ich wütend. In den nächsten Minuten würde er nichts mehr zu lachen haben. Ich merkte plötzlich, dass mein Mini viel zu hoch gerutscht war. Bevor ich ihn zurecht ziehen konnte, sah ich Edwards lüsternen Blick.
„Hey!“, rief ich aus und streckte drohend den Finger aus. Sofort sah er mir wieder in die Augen. Er grinste und ich verdrehte die Augen. Männer....
„Lass das!“, sagte ich nun leiser. Ich sah im Augenwinkel, wie die Empfangsdame uns beobachtete. Von der Blondine zur nächsten?? So schnell ging es also bei ihm. Das war doch nicht zu fassen...
„Wovon sprichst du?“, fragte er unschuldig in der gleicher Lautstärke.
„Von deinen Blicken“, antwortete ich kühl, was ihn zum Lachen brachte.
„Erst wenn du das lässt.“
„Was meinst du?“, fragte ich verwirrt.
„Na, das hier.“
Er zeigte mit seinem Blick auf meinen Minirock. So ein…

1:0 für ihn. Verdammt!

Erneut verdrehte ich die Augen und drehte ihm den Rücken zu, um meine Mappe zu nehmen, die immer noch auf der Armlehne lag. Ich spürte seinen Blick die ganze Zeit auf mir. Und obwohl ich immer noch sauer auf ihn war, gefiel mir die sexuelle Spannung zwischen uns. Mir gefiel, dass er so locker war, dass er sich seiner sicher war, dass er nicht davor zurückschreckte mit mir zu flirten. Er strahlte Selbstbewusstsein aus und das machte ihn so sexy.
Ich drehte mich zu ihm und sah ihn kühl und mit hochgezogener Augenbraue an. Er grinste immer noch. Wie hätte es auch anders sein können?

„Wollen wir hier Wurzeln schlagen?“, fragte ich etwas arrogant und lief voraus. Die Blondine ging mir immer noch nicht aus dem Kopf. Sie war sicher sehr gelenkig. Mist. Hör auf damit, Bella! Hör auf dir diesen Sexgott mit dieser Schlampe vorzustellen. Da ist sicher nichts gelaufen, belog ich mich.

Verdammt, natürlich ist da was gelaufen. Anders wäre es einfach nicht möglich.

Die Tür war offen. Also ging ich herein, nachdem Edward mich höflich mit einer Handbewegung in Richtung seines Büros gewiesen hatte und mir folgte. Ich sah kurz die Empfangsdame an, die mich misstrauisch beäugte. Anschließend hörte ich, wie Edward die Tür hinter uns schloß. Ich sah mich schnell um. Nicht schlecht. Gar nicht mal so schlecht. Der Mann hatte Geschmack.

Das Büro war modern und edel eingerichtet. Und es war riesig. Man könnte hier tatsächlich Fussball spielen. Er hatte nicht nur ein riesigen Schreibtisch mit allem Drum und Dran, sondern auch ein nobles weißes Ledersofa in einer Ecke stehen. Hinter dem Sofa befand sich ein ca. 6 Meter langes und über 2 Meter hohes Bücherregal, in dem sich hunderte Bücher befanden. Der Mann war also nicht nur gutaussehend und reich, sondern auch gebildet. Wie sexy. Mein Blick schweifte zur anderen Wand, an der neun Plasmamonitore in einer 3x3 Anordnung befestigt waren. Sie waren alle ausgeschaltet. Guckte dieser Mann etwa neun Sender gleichzeitig? An einer anderen Wand befand sich eine Treppe zur Galerie nach oben. Was sich dort oben befand, konnte ich jedoch nicht erkennen.

Ich drehte mich um, lief langsam zur Fensterfassade und sah auf die Skyline. Er hatte eine noch
bessere Aussicht als ich. Kaum zu glauben, aber wahr.

„Also, die Empfangsdame…“, begann ich.

„Janice? Oh Gott, nein, ich habe sie nicht eingestellt. Das war Emmett“, rechtfertigte sich Edward. Darauf wollte ich eigentlich überhaupt nicht hinaus, aber wenn er das Gespräch in diese Richtung lenken wollte, von mir aus.
„Was ist denn mit der letzten passiert?“, fragte ich interessiert. Würde er meinen Verdacht bestätigen? Er schwieg eine Sekunde zu lange. Bingo.
„Sie hat gekündigt“, antwortete er.
„Tatsächlich? Wieso?“, fragte ich interessiert, sah aber immer noch aus dem Fenster. Er spiegelte sich darin. Ich sah wie er mit den Schultern zuckte.
„Keine Ahnung.“

Lügner!

„Ist diese Janice auch gleichzeitig deine Assistentin?“, fragte ich.

Ich sah, wie er mich anblickte. Zog er mich etwa in Gedanken wieder aus? Ich verdrehte die Augen. Männer.

„Nein. Meine Assistentin ist krank. Sie kommt erst am Mittwoch wieder.“ Ich nickte.
„Keine Sorge, Bella. Sie ist auch in Janice Alter. Ich schätze sie auf 100 oder so.“

Ich drehte mich zu ihm um und lachte. Er grinste.
„Was ist?“, fragte ich ihn lachend.
„Wie was ist? Ich dachte das wolltest du hören?“
„Was genau?“
Er legte seinen Kopf zur Seite und musterte mich.

„Na, dass meine Assistentin völlig unattraktiv ist“, antwortete er leise und näherte sich mir.
„Ach ja, genau das wollte ich hören, ich vergaß. Danke“, erwiderte ich locker. Mist, war ich wirklich so leicht zu durchschauen?
„Danke nicht mir, sondern Emmett. Er hat die zwei Schrullen hier eingestellt.“ Er verdrehte lächelnd die Augen. Gott, war er schön.
Ich sah ihn skeptisch an. Ich durfte keine Schwäche zeigen. Ich musste mich zusammen reißen.

Edward verringerte die Distanz zwischen uns beiden und stand nun direkt vor mir.
Konzentrier dich, Bella.
Leichter gesagt, als getan. Bei seiner Schönheit musste ich mich doppelt so anstrengen wie sonst. Ich musste das Ruder in die Hand nehmen. Schließlich wollte ich mit ihm spielen und nicht umgekehrt. Er lächelte mich an und beugte sich mit seinem Kopf langsam zu mir herunter. Oh mein Gott, hatte er etwa vor, mich zu küssen? Jetzt schon? Oh mein Gott, er roch so gut. Acqua di Gio? Oh mein Gott, JA!

„Bella?“, hauchte er mir ins Ohr.
„Ja?“, hauchte ich mit geschlossenen Augen zurück. Meine Knie gaben fast nach.
„Wir sollten anfangen“, sagte er leise und hob seinen Kopf, um mir amüsiert in die Augen zu schauen.

DU ARSCH!, schrie ich in Gedanken.

Er hatte mich natürlich nur verarscht. Ich verdrehte wütend die Augen und ging ihm aus dem Weg zum Schreibtisch. Wütend schmiss ich ihm die Mappe auf seinen Platz, bevor ich mich setzte.

Arschward...

So eine Situation würde ich nicht noch einmal zulassen. Er hatte ganz offensichtlich mit mir gespielt und meine Reaktion ausgetestet. Ich hatte einen Moment der Schwäche gezeigt. Verdammt. Wie konnte mir das nur passieren? Er ging selbstgefällig und grinsend an seinen Platz und ließ sich in seinen Sessel fallen. Dein dummes Grinsen wird dir noch vergehen, Edward Cullen, dachte ich wütend.

Edward grinste mich frech an.

„Ich nehme an, du willst gleich zur Sache kommen?“, fragte er.

Ich schäumte innerlich vor Wut. Was fiel ihm ein so dumm zu grinsen? Und wie konnte ich nur so dämlich reagieren? Hatte ich tatsächlich gedacht, er würde mich hier gleich küssen und auf der Stelle flach legen? Gleich nach der blonden Schlampe, die noch Minuten zuvor im Zimmer und weiß Gott was mit ihm angestellt hatte. Selbst er hatte sicher noch ein wenig Klasse. So verhurt schätzte ich ihn nicht ein. Oh Gott, ich war so dämlich. Ich musste mich zusammenreißen und die Haltung bewahren. Und ihn austesten. Ich musste unbedingt erfahren wie er tickte.

„Natürlich“, antwortete ich ihm lächelnd.

Meine Wut war äußerlich schon längst verflogen. Ich hätte die Mappe nicht so auf seinen Tisch knallen lassen sollen. Das war wirklich ein Fehler gewesen. Er müsste blind gewesen sein, um nicht zu merken, dass ich wütend über seine Aktion war. Er nickte. Sein Grinsen trieb mich in den Wahnsinn. Er sah so verdammt sexy aus und das wusste er. Selbstgefälliger, eingebildeter.... Wieso grinste er die ganze Zeit nur so? Es treibte mich langsam in den Wahnsinn. Na warte...

Ich erblickte die Mappe direkt vor ihm auf dem Tisch.

Bingo.

„Das hatte ich mir schon fast gedacht“, erwiderte er.

Ich erhob mich elegant und lehnte mich über den riesigen Tisch, um an die Mappe ranzukommen. Edward machte überhaupt keine Anstalten sie mir zu reichen, weil er genau das tat, was ich wollte. Er schaute mir in den Ausschnitt. Gleich würde er sicher anfangen zu sabbern. Ich sah ihn kurz an. Er grinste immer noch. Verdammt. Statt nach meiner Mappe zu greifen, nahm ich das Wirtschaftsmagazin, das ich kurzerhand daneben erblickte, rollte es mit einer schnellen Handbewegung zusammen und sah Edward an, der immer noch dümmlich grinste. MÄNNER... Ich holte etwas aus und schlug ihm mit der zusammengerollten Zeitschrift leicht auf den Kopf. Das hatte er nicht kommen sehen. Er sah mich verwirrt und ertappt zugleich an. Sein Grinsen verschwand augenblicklich. Ich lachte innerlich Tränen. Was für ein Blick!

„Was sollte das denn?“, fragte er verwirrt.

„Du hattest da eine Fliege sitzen“, erklärte ich spontan und deutete mit meiner Waffe in der Hand auf seinen Kopf.

„Was?“

„Wie was? Es wird dir eine Lehre sein mir auf die Brüste zu starren“, sagte ich schließlich in einem etwas arrogant angehauchtem Ton.

„Ich weiß nicht wovon du sprichst“, erwiderte er nun lächelnd. Oh Gott, wieso musste er nur so verdammt gut aussehen? Verdammt, Swan, lass dich nicht von seiner Schönheit blenden.

„Das grenzt ja schon fast an sexuelle Belästigung“, sagte ich leise, schnappte die Mappe und setzte mich zurück auf meinen Platz. Er lachte los und lehnte sich in seinem Sessel zurück.

„Was gibt’s da zu lachen?“, fragte ich.

Na warte Cullen, du wirst noch dein blaues Wunder erleben. Er verschränkte seine Hände lässig hinter seinem Kopf und schaute mich forsch an.

„Bella, dein ganzes Outfit grenzt fast schon an sexuelle Belästigung“, sagte er frech. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich annehmen, du willst mich verführen.“

OH MEIN GOTT!

Mit großen Augen sah ich ihn an. Er war besser als ich dachte. Wie konnte er mich nur so leicht durchschauen? War ich wirklich so schlecht? Oder bluffte der Scheißkerl nur? In dieser Sekunde hatte ich die ultimative Idee.

„Oh mein Gott, Edward“, hauchte ich und legte meine Finger als Zeichen meiner Ertapptheit an die Lippen. Anschließend wanderten sie langsam runter, von meinem Hals zu meinem Ausschnitt. Sein Lachen verstummte. Er sah mich verwirrt an. Das war nicht die Reaktion, die er erwartet hatte. Er rechnete sicher damit, dass ich ihn beleidigt anzicken würde. Da hast du dich aber geschnitten, Edward Cullen. Jetzt konnte mein schauspielerisches Talent endlich zum Vorschein kommen.

„Das ist mir so peinlich. Du hast es bemerkt“, sprach ich weiter und stand auf, um zu ihm zu
gehen.

Sein Blick brachte mich fast erneut zum Lachen. Er hatte überhaupt keine Ahnung was abging. Er bewahrte zwar seine Haltung, aber wenn ich es nicht besser wüsste, hatte er
Schwierigkeiten seine Kinnlade oben zu behalten.

„Was habe ich bemerkt?“, fragte er in einem leicht verunsicherten Ton. Ha, ich hatte ihn komplett aus der Fassung gebracht. Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell funktionieren würde. Oh Gott, ich wollt am liebsten sofort anfangen ganz laut zu lachen. Sein Blick war
einfach zu göttlich!

„Dass ich dich verführen will“, antwortete ich ihm.

Ich ging langsam um seinen großen Tisch herum und stand schließlich direkt vor ihm. Er saß immer noch und sah zu mir hoch. Ich sah auf seinen Schritt und lächelte. Dann beugte ich mich zu ihm herunter und stützte mich mit meinen Hände an die Lehnen seines Chefsessels. Jetzt konnte er mir nicht mehr entkommen. Die unerwartete Situation hatte ihm die Sprache verschlagen. Er sah mich nur mit leicht geöffnetem Mund an. Dann wanderte sein Blick erneut in meinen Ausschnitt, der sich fast direkt vor seinen Augen befand. Am liebsten hätte ich wieder die Augen verdreht...

„Edward?“, fragte ich. Hör endlich auf mir da reinzustarren und sag was, vervollständigte ich den Satz in Gedanken.

„Ist das dein Ernst?“, fragte er nun leise und sah mir in die Augen.

Mein Blick durchbohrte ihn. Keiner konnte verleugnen, dass eine unglaubliche sexuelle Spannung zwischen uns beiden herrschte. Noch eine Sekunde länger und ich hätte seine wunderschönen Lippen geküsst. Dass er sich nicht rührte und auf mein weiteres Handeln wartete, zeigte seine Unsicherheit. Er dachte sicher darüber nach, ob ich es ernst meinte oder nicht. Schließlich kannten wir uns erst seit Freitag und er hatte keine Ahnung mit wem er es zu tun hatte. Ich lehnte mich näher zu ihm und wurde erneut von dem herrlichen Duft, das von ihm ausging, erschlagen. So gut wie er hatte noch nie ein Mann gerochen. Ich musste mich mächtig zusammenreißen, um seinen Geruch nicht tief einzuatmen.

„Natürlich ist das mein Ernst, Edward“, flüsterte ich ihm ins Ohr und lehnte mich etwas zurück, um in sein Gesicht zu sehen. Er lächelte mich an. Oh Gott, er glaubte mir.
Ich beugte mich zu ihm und gab ihm zu verstehen, dass ich in Begriff war ihn zu küssen. Er hob mir seinen Kopf entgegen. Aaaah, er war also nicht abgeneigt. Natürlich war er nicht abgeneigt.

Er war ein Mann.

„Oh Edward“, stöhnte ich leise.

Er biss sich auf die Unterlippe. Er musste einen ziemlichen Ständer haben, dachte ich amüsiert, verkniff es mir aber herunter zu sehen.

„Schließ die Augen“, hauchte ich stattdessen.

ER TAT ES. Oh mein Gott, er tat es wirklich! Ich konnte mich nicht mehr halten und prustete los. Augenblicklich waren seine Augen wieder geöffnet und auf mich gerichtet. Ich sah Verwirrung und Wut darin. Kein Wunder. Schließlich hatte ich wieder die Oberhand. Ich erhob mich wieder und ging, den Bauch vor Lachen haltend, zu meinem Platz. Das war seine Strafe und sie war mir geglückt.

„Nette Showeinlage, Bella“, stellte er kühl fest. Nun hatte ich ihn verarscht und das nagte sichtlich an seinem Ego.

„Danke“, lachte ich. „Ich hoffe das wird dir eine Lehre sein.“

„Eine Lehre wofür?“, fragte er. Er hatte wieder seine alte Form wiedergefunden und lächelte leicht. Er hatte das Spiel durchschaut, das ich mit ihm spielte. Würde er sich dafür in absehbarer Zeit rächen?

„Für deine frechen Beschuldigungen natürlich“, sagte ich knapp und zeigte ihm frech die Zunge.

Er grinste wissend und fuhr sich mit einer Hand durch sein Sex Haar. Oh Gott, er war so geil!

„Ich muss zugeben, du bist eine exzellente Schauspielerin“, sagte er schließlich und lächelte.

Ich zwinkerte ihm zu, so wie er es am Freitag Abend im Restaurant getan hatte.

„Fangen wir jetzt endlich an?“, fragte ich locker und ließ mich im bequemen Sessel fallen. .

„Klar.”

Ich wusste, dass ich mich ab diesem Zeitpunkt zusammenreißen musste und mich nicht von unseren kleinen Spielchen ablenken lassen durfte, so verlockend und unglaublich heiß sie auch waren. Ich wollte ihm beweisen, dass ich die Richtige für den Job war, dass ich es drauf hatte und etwas von dem verstand, was ich sagte. Ich verwarf meine Pläne ihn vorerst nur so zu vögeln. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich so eng mit ihm zusammenarbeiten würde. Wenn die Sache mit der Corporate Identity gegessen war, würde ich zuschlagen. Bis dahin würde ich mit ihm spielen, ihn zappeln lassen, ihn quälen. Ich wollte ihn bis ans Äußerste bringen. Er sollte darum betteln mit mir schlafen zu dürfen, dachte ich grinsend.

Während wir über das Geschäftliche sprachen, merkte ich, wie konzentriert Edward war. Er hörte mir aufmerksam zu und nickte, stellte Fragen, äußerte Wünsche und Anmerkungen und erzählte eine Menge über seine Firma, was mir besonders gefiel. Ich lehnte mich zurück und hörte aufmerksam seiner wunderschönen Stimme zu und versuchte sie mir möglichst genau einzuprägen. Er grinste nicht mehr, sondern lächelte leicht ab und an. Es war sehr professionell und konzentriert und es überraschte mich, wie gut wir beide Bereiche, die Flirterei und das Berufliche, voneinander trennen konnten. Kurz bevor wir zum Schluss kamen und unser Meeting beenden wollten, unterbrach uns seine Empfangsdame.

„Mr. Cullen?“, ertönte es aus der Sprechanlage, die sich vor ihm auf dem Tisch befand.

„Ja, Janice?“, antwortete Edward und entschuldigte sich bei mir mit einem charmanten Blick für die Störung. Ich lächelte ihn an und nickte.

„Miss Welsh ist hier und möchte Sie dringend sprechen.“

Edward runzelte die Stirn.
„Wer?“

„Miss Welsh. Cindy Welsh.“

„Ich habe keine Ahnung wer das ist, Janice“, sagte Edward, nachdem er eine Sekunde streng nachgedacht hatte.

„Ich bin ohnehin gerade in einem wichtigen Meeting. Lassen Sie sich die Nummer geben und sagen Sie ihr, dass ich mich melden werde.“

„Aber Mr. Cullen, sie scheint es sehr...“

„Ich wünsche keine weitere Stö..“, unterbrach er Janice, doch er konnte den Satz nicht beenden, denn in diesem Moment riss jemand die Tür auf und stolzierte ins Büro.

„Edward, du Mistkerl“, rief eine weibliche extrem schrille Stimme wütend aus. Ich zuckte leicht zusammen und drehte mich zur Tür. Was für eine schreckliche Stimme, dachte ich, als ich sie erblickte. Es war eine dunkelhaarige Schönheit. Verdammt, wie viele Weiber hatte dieser Arsch eigentlich?

Edward fluchte leise und stand auf.

„Was fällt dir ein mich so dumm warten zu lassen. Diese komplett unfähige Tante am Empfang…“

„Ich bin gerade in einem Meeting. Warte bitte kurz draußen, wir sind gleich fertig“, unterbrach er sie mit fester Stimme. Ihr Blick wanderte zu mir. Sie musterte mich von Kopf bis Fuß und schenkte mir schließlich einen missbilligenden Blick.

„Ein Meeting? Ist das die heutige Bezeichnung für Sex am Arbeitsplatz?“ Oh mein Gott, ihre Stimme brachte meine Ohren zum Welken. Hör auf zu reden, für den Wohl der Gesellschaft!, schrie ich innerlich.

„Hast du mich etwa nicht verstanden? Raus!“, sagte Edward grob. Ich sah ihm an, dass er innerlich vor Wut schäumte, aber sich meinetwegen halbwegs zusammenriss. Cindy ließ sich nicht beirren und blieb stehen, als hätte sie nichts gehört.

„Du fickst sie doch du Bastard? Nicht wahr? Wieso sonst trägt sie wohl Fick-mich Schuhe?“

„Hey Lady, halten Sie die Klappe! Keiner beleidigt meine Schuhe!“, sagte ich und stand auf. Ich würde mir so ein Geschwätz von dieser Hohlbirne nicht gefallen lassen. Wer meine Christian Louboutin Pumps beleidigte, verdiente einen Tritt in den Hintern. Sie sah mich mit weit aufgerissenen Augen an und drehte sich schockiert zu Edward, der nun neben ihr stand und sie am Arm packte, um sie aus dem Zimmer zu befördern.

„Hast du gehört, in welchem Ton sie mit mir spricht?“, fragte sie Edward aufgebracht. Er blieb stehen.

„Du hast recht, das war noch viel zu nett von ihr. Entschuldige dich bei ihr!“, sagte er und sah Cindy fordernd an.

„Was?“, quiekte sie. „Ich soll mich bei ihr entschuldigen?“, fragte sie und deutete ungläubig mit ihrem Finger auf ihre Brust.

„Ja!“

„Wofür?“

„Das weißt du ganz genau!“

„Nein, das weiß ich nicht.“

Er verdrehte genervt die Augen.

„Du hast ihre Schuhe beleidigt."

OH MEIN GOTT!
Ich hätte mich beinahe an meinem eigenen Speichel verschluckt.
Er hatte echt Nerven. Meinte er das etwa Ernst?
Cindy sah ihn mit großen Augen an.

„Das meinst du doch nicht…?“

„Doch und wie ich das meine. Los, entschuldige dich!“

Cindy sah mich an. Dann wanderte ihr Blick auf meine Schuhe. Dann zurück zu Edward und wieder zu den Schuhen.

„Tut mir Leid“, nuschelte sie irritiert.

„Lauter! Ich kann dich nicht hören“, forderte er.

Ich konnte mir das Lachen kaum verkneifen.

Er machte die Jägerin zur Gejagten und sie merkte es nicht einmal. Was das also sein Beuteschema? Gutaussehende, dafür aber extrem unterbelichtete Frauen? Edward sah sie ernst und entschlossen an. Oh Gott, wie konnte er nur so ruhig bleiben?

"Tut mir Leid!", sagte sie nun etwas lauter.

"Miss Swan!", ergänzte Edward.

"Ich heiße Welsh!", antwortete Cindy verwirrt.

OH MEIN GOTT! Mein Oberkörper bebte. Bitte, Edward, hör auf. Ich sterbe gleich. Das war einfach zu witzig.

"Ich glaub es nicht", stellte Edward fest. Cindys Blick fiel auf mich.

"Ach so."

"Wird’s bald?", fragte Edward ungeduldigt.

"Tut mir Leid, Miss Swan!"

„So, und nun kannst du gehen“, sagte er, während sie ihm einen verwirrten Blick schenkte.

„Heißt das, du meldest dich bei mir?“

Edward verdrehte die Augen.

„Hast du Janice deine Nummer hinterlassen?"

Sie schüttelte den Kopf.

„Dann wohl nicht. Du entschuldigst mich“, sagte er und schlug die Tür direkt vor ihrem fassungslosen Gesicht zu.

Dann drehte er sich zu mir und sah mich entschuldigend an. Ich konnte mich nicht mehr halten. Ich lachte. Und zwar so laut, wie ich es schon lange nicht mehr getan hatte. Mein Bauch tat weh. Mir kamen die Tränen. Es war so witzig, surreal und absolut befreiend zugleich.

„Bella, es tut mir wirklich Leid, dass du das mit ansehen musstest“, sagte er schuldbewusst. Ich winkte ab, beruhigte mich langsam wieder und räusperte mich.

„Komm, lass gut sein. Es war sehr amüsant.“ Er schüttelte fassungslos den Kopf und ging lächelnd auf mich zu.

„Danke, dass du meine Schuhe verteidigt hast“, sagte ich grinsend.

"Gern geschehen", lachte er leise und schüttelte den Kopf.

"Und sehr interessant auf was für Frauen du so stehst. Was für eine Stimme", stellte ich fest.

Er sagte nichts dazu. Sein Lächeln verschwand und er verdrehte leicht angewidert die Augen.

"Es ist nicht so...", versuchte er sich rauszureden. Ich unterbrach ihn.

"Ich muss schon sagen, sie sieht sehr gut aus, aber ihr IQ scheint ja nicht gerade sehr hoch zu sein...“

Erneut dieser schuldbewusste Blick...

„Ich war betrunken“, rechtfertigte er sich. Ich nickte verständnisvoll. Männer...

„Also, ich geh dann mal!“, sagte ich schließlich, drehte ihm den Rücken zu und fing an meine Unterlagen zusammen zu sammeln.

„Bella“, sagte er leise.

„Hmm?“

„Tut mir leid. Du denkst jetzt sicher…“

Ich schüttelte den Kopf.

„Ich denke gar nichts und ehrlich gesagt geht mich das auch nichts an”,erwiderte ich, nahm meine Mappe, lächelte ihn an und ging zur Tür.

„Wir sehen uns, Mr.Cullen. Ich glaube ich habe mich schon seit Wochen nicht mehr so gut amüsiert wie heute”, gestand ich und zwinkerte ihm zum Abschied zu.

Er nickte nur und brachte ein leichtes Lächeln zustande.

Wieso war es ihm so wichtig, was ich von dieser Situation dachte? Sicher hatte er jetzt Angst, dass mich das davon abschrecken könnte mit ihm zu schlafen. Aber das tat es nicht. Er war unglaublich heiß und ich wollte ihn. Er war ein Playboy, das stand fest. Dass die Frauen ständig ein und ausgingen, überraschte mich nicht. Er konnte jede haben. Das einzige, was an mir nagte, war jedoch der Gedanke, nur Eine von Vielen zu sein. Ich wollte nicht nur ein guter Fick sein. Er sollte sich an mich erinnern, er sollte nach mir lechzen. Ich wollte alles aus ihm herausholen, ihm alles abverlangen. Ich wollte seine Gedanken beherrschen. Und das hieß, dass ich ihn nicht gleich an meine Wäsche lassen konnte.

Das sollte er sich erst verdienen.

Auf dem Weg zurück ins Büro dachte ich kurz über Edward nach. Obwohl für ihn die Situation mit Cindy sicher ziemlich peinlich war, schaffte er es die Sache trotzdem mit Humor zu lösen. Ich hatte selten so gelacht und die Tatsache, dass er die ganze Zeit so standhaft geblieben war und keine einzige Regung eines Lachanfalls gezeigt hatte, war für mich der Beweis, dass auch er seine Emotionen gut unter Kontrolle hatte. Ich musste also sehr gut aufpassen und auf jede seiner Reaktionen achten. Er könnte mich zu leicht täuschen. Und sein gottgleiches Aussehen machte es mir nicht gerade leichter.

„Mr. Swan?“, riss mich eine meiner Mitarbeiterinnen aus den Gedanken.

„Könnten Sie mir kurz helfen?“, fragte sie schüchtern.

„Aber sicher!“, lächelte ich und sie folgte mir in mein Büro.

Der restliche Arbeitstag verlief ohne weitere Vorkommnisse. Ich erarbeitete ein Konzept für die Corporate Identity, lernte weitere Mitarbeiter und sogar ein paar Kunden kennen und ließ mir von Alice einige Sachen erklären. Sie fragte mich, wie das Meeting verlaufen war und als ich nur dumm grinste und schließlich kurz vor einem erneuten Lachanfall stand, wollte sie alles im Detail wissen. Ich mochte Alice. Irgendwie vertraute ich ihr und obwohl ich noch nie eine Klatschtante und sie Edwards Schwester war, erzählte ich ihr trotzdem von dem lustigen Zusammentreffen mit Cindy. Die Sache mit der Flirterei und dem Scharfmachen behielt ich allerdings für mich. Alice hörte mir gespannt und interessiert zu und lachte schließlich gemeinsam mit mir über Cindys Dummheit.

„Oh mann, Bella, sie hat sich allen Ernstes bei deinen Schuhen entschuldigt?“

„Ja, ist das zu fassen?“, fragte ich grinsend.

Alice sah herunter auf meine Schuhe und hob ihre Augenbrauen.

„Oh mein Gott, keiner beleidigt Louboutins“, entwich es ihr aufgeregt.

„Meine Meinung“, erwiderte ich begeistert. Wir gaben uns High Fives und lachten. Alice und ich verstanden uns prima und das gefiel mir.

„Wie auch immer, ich frage mich wo Edward so eine Braut aufgetrieben hat?“, dachte ich laut. Alices Gesichtsausdruck änderte sich schlagartig. Sie lächelte nicht mehr, sondern sah besorgt zu Boden.

„Was ist? Hab ich etwas Falsches gesagt?“
Sie schüttelte den Kopf und zwang sich ein Lächeln auf.

„Nein, es ist nur,…“, sie zögerte. „Sein Playboygetue geht mir ziemlich auf die Nerven. Er hat jede Woche eine Neue. Er hat es sogar mit seiner ehemaligen Assistentin getrieben.“
Dachte ich mir doch...

„Er hat überhaupt keinen Anstand. Natürlich hat sie ihn, als er sie nach einem Mal Sex wie eine heiße Kartoffel wieder fallen gelassen hat, wegen sexueller Belästigung angeklagt.“
Wow. Ok.

„Und?“, fragte ich vorsichtig.

Alice zuckte mit den Schultern.

„Sie ist damit nicht durchgekommen. Edward kannte den Richter und hat ihn natürlich vom Gegenteil überzeugt. Ich meine, sie wollte es ja auch. Auf jeden Fall hat sie gekündigt, bevor Edward sie entlassen konnte. Emmett war so sauer. Er hat als Strafe Janice eingestellt.“
Hatte ich mir doch gedacht.

„Als Strafe?“, lachte ich leise.

„Ja, er hat Edward verboten Assistentinnen unter 50 einzustellen.“ Sie seufzte.

„Edward ist ein Womanizer. Es würde mich nicht wundern, wenn er es auch noch auf die absieht. Schließlich passt du genau in sein Beuteschema.“

Das glaubte ich kaum. Zumindest besaß ich noch ein paar Hirnzellen, im Gegensatz zu seinen Weibern. Alice sah mich besorgt an und ich biss mir als Reaktion auf die Unterlippe, um nichts Falsches zu sagen. Ich war genauso scharf auf Edward, wie er womöglich auf mich.

„Hatte er nicht eine Freundin?“, fragte ich schließlich. Hatte Jake nicht eine Frau namens Tanya erwähnt?

Alice sah mich verwirrt an.
„Was? Woher weißt du das?“, fragte sie mich. Ich erzählte ihr von unserem Essen am Freitag im Restaurant. Alice hörte aufmerksam zu und schwieg für einen Augenblick, nachdem ich meine Ausführung beendet hatte.

„Was ist, Alice?“, fragte ich besorgt.
Sie schüttelte kurz den Kopf und sah mich an.

„Ach, Tanya. Die Ärmste. Sie hat sich in Edward verliebt. Aber er hat nur mit ihr gespielt. Er hat sie ständig betrogen. Sie war ihm egal. Am Anfang konnte ich sie überhaupt nicht ausstehen, weil sie nur hinter seinem Geld her war. Man hat es förmlich gesehen. Ständig wollte sie, dass er ihr dies und jenes kauft. Aber dann, mit der Zeit, verliebte sie sich in ihn. Und als er nicht aufhörte auch mit anderen Frauen zu schlafen, machte sie mit ihm Schluss. Sie tut mir irgendwie Leid. Keiner hat so was verdient.“

Ich biss mir auf die Unterlippe. Edward hatte es also faustdick hinter den Ohren. Ich konnte kein Mitleid mit Tanya empfinden. Ich sah das nicht so wie Alice. „Das Spiel heißt Verführung. Wer sich verliebt, verliert.“ Das war schon immer mein Motto gewesen. Tanya hatte sich verliebt und hatte somit verloren. Konnte sie sich das etwa nicht denken? Bei so einem wie Edward.

„Sie dachte, sie könnte ihn ändern.“, sagte Alice leise. „Und ich hoffte das auch, aber nein. Er ist unfähig zu lieben, Bella. Kannst du dir das vorstellen?“

Natürlich kann ich das, dachte ich, aber schwieg.
Was soll dieses ständige Rumreiten auf Liebe und Verliebtsein? Lasst dem Mann doch seinen Spaß. Wer will sich heute überhaupt noch verlieben? Haben wir nicht schon genug Sorgen? Dieses ewige, willst du mit mir gehen? Ja oder Nein? Oder doch vielleicht? Wieso ruft er mich nicht an? Soll ich ihn anrufen? Wieso fragt er mich nicht, ob ich mit ihm ausgehen will? Wieso bemerkt er nicht, dass ich eine neue Frisur habe? Wieso schläft er nicht mehr mit mir? Wieso betrügt er mich? So eine dumme Scheiße. Wer brauchte das schon?

Ich hatte das alles mit Mike durchlebt und hatte mir danach geschworen, mir so was nicht mehr anzutun. Wer sich verliebt, verliert. Eindeutig. Daran gab es nichts zu rütteln.
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