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von Ju-chan    erstellt: 09.11.2009    letztes Update: 08.02.2011    Geschichte, Humor / P18    (abgebrochen)
Der richtige Liebhaber

Kapitel 1. Fragen und Antworten


Kenshin schreckte aus dem Schlaf hoch, als er plötzlich etwas Warmes spürte, das sich von hinten an seinem Rücken rieb. Sein erster Impuls war, wegzustoßen, was auch immer ihn da anfasste. Doch die Schrecksekunde verging, ohne, dass er sich bewegt hatte. Steif wie ein Brett lag er einfach da, spürte die Arme, die ihn von hinten umfassten und hörte ihren Atem. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er selbst die Luft angehalten hatte. Langsam zwang er sich dazu, tief durchzuatmen. Hinter ihm murmelte Kaoru irgendetwas und drückte sich näher an ihn.

Seit über zwei Monaten teilten sie nun schon den Futon. Und jeden Morgen war es das gleiche. Kenshin erwachte, fast mehr erschreckt als erstaunt darüber, neben sich eine Frau liegen zu sehen.

Vorsichtig drehte er sich zu Kaoru um, er wollte sie nicht wecken. Es war vielleicht ungewohnt, vielleicht sogar beunruhigend, sie im frühen Dämmerlicht so nah neben sich schlafen zu sehen, aber es war wunderschön.

Er strich ihr sanft über die Wange. Kaoru öffnete ihre Augen einen kleinen Spalt. „Kenshin, du bist schon wach?“ murmelte sie verschlafen und kuschelte sich an seine Brust.
„Aah,“ antwortete er und strich ihr über die seidigen, schwarzen Haare.
„Die Sonne ist noch nicht einmal richtig aufgegangen,“ nuschelte sie. „Selbst für dich ist es noch zu früh, um aufzustehen.“ Ihre Stimme bekam etwas neckisches.
„Leider hast du mich jetzt aufgeweckt, Kenshin. Was soll ich machen, bis es hell geworden ist?“
„Tut mir leid, Kaoru-dono,“ entschuldigte sich der rothaarige Mann sofort. „Versucht, weiterzuschlafen.“
Kaoru stöhnte auf und befreite sich ruckartig von Kenshins Brust.
„Erstens, Kenshin!“ verkündete sie mit strenger Stimme, offensichtlich wirklich hellwach. „Wenn du mich noch einmal Kaoru-dono nennst, schläfst du vor der Tür.“
„Oro? Aber Kaoru, es ist noch nicht mal Frühling-...“
„Zweitens,“ sprach Kaoru ungerührt weiter, „würde ich nicht sagen, ich bin wach, wenn ich vorhabe, weiterzuschlafen.“

Sie blickte in die fragenden, blauen Augen ihres Rurouni und schüttelte frustriert den Kopf.
„Kaoru-do-...Kaoru, du willst nicht schlafen? Aber was...“
Mit einem ungehaltenen Kuss verschloss Kaoru Kenshins Lippen.
„Baka,“ murmelte sie, während sie mit ihrem Mund seinen Hals entlang in Richtung Ohrläppchen wanderte. „Verstehst du es immer noch nicht?“ Ihre Hand streichelte sanft über Kenshins Brust und sie spürte, wie sich seine Haare vor Erregung aufstellten, als er endlich begriff.
„Nicht schlafen, was?“ lachte er leise, während seine Hand sachte den Yukata von ihren weißen Schultern strich. Kaoru kicherte. „Zumindest nicht so...“

--

Als Kaoru in der Badewanne lag und ihren eigenen Schweiß zusammen mit dem von Kenshin von ihrer Haut wusch, war sie nicht so entspannt, wie sie es eigentlich hätte sein sollen. Sicher, es war schön gewesen. Es war immer schön, wenn Kenshin sie liebte. Er war so sanft. So zärtlich. Aber auch so... rücksichtsvoll.

Kaoru seufzte. „Vielleicht erwarte ich zu viel?“ überlegte sie. „Immerhin schlafen wir erst seit zwei Monaten miteinander...wenn auch so gut wie jeden Tag.“ Sie kicherte in sich hinein und tauchte schnell unter, als ob sie so die Schamesröte von ihrem Haut hätte spülen können. Jedoch war ihr Gesicht wieder ernst, als sie auftauchte. Der Gedanke an heute Morgen verursachte ein Beben zwischen ihren Schenkeln. Und doch... sie hatte das Gefühl, dass irgendetwas fehlte. Nur was?

„Kaoru-dono, seid ihr fertig im Bad?“ fragte eine schüchterne Stimme von außen.
„Er hat schon wieder „dono“ gesagt,“ grummelte Kaoru wutentbrannt in das warme Wasser und beschloss, einfach nicht zu antworten. Nach einigen Minuten klopfte es erneut zaghaft an die Holztür. „Kaoru? Ist alles in Ordnung?“
Das schwarzhaarige Mädchen seufzte. Immerhin schaffte es Kenshin inzwischen, sie mindestens einmal am Tag ohne das Anhängsel -dono anzusprechen. Ein Fortschritt.

„Komm rein,“ rief sie zur Tür.
„Seid ihr sicher?“
Kaoru schnaubte. „Glaubst du, ich verwandle mich im Wasser in eine Kröte? Du hast mich doch erst vor einer Stunde nackt gesehen!“

Die Tür öffnete sich langsam und mit leichter Schamesröte im Gesicht trag Kenshin ein.
„Ihr habt ja recht, Kaoru-dono. Ich bin es nur nicht gewöhnt, in die Privatsphäre einer Frau einzudringen.“

Kaoru schnellte aus dem Wasser hoch. „Was soll das, Kenshin?“ rief sie, während ihre Brüste zu ihren energischen Worten wippten. „Du bist heute morgen erst in MICH eingedrungen. Und jetzt schämst du dich mit mir im Badezimmer?“ Ihre Stimme überschlug sich. „Hast du Angst, wie ich bei Tageslicht aussehen könnte? Willst du mich nur sehen, wenn wir unter der Decke liegen, im Dunkeln?“ Tränen standen in ihren Augen, als sie dem sprachlosen und versteinerten Kenshin das Handtuch aus den Händen riss und sich darin einwickelte. „Bin ich hässlich, ist es das?“ schmetterte sie ihm entgegen, inzwischen total hysterisch. „Ist es für dich unangenehm, mit mir einen Futon zu teilen, JA??“

„Kaoru-dono, so ist das nicht...“ wollte Kenshin zu seiner Verteidigung entgegnen, doch Kaoru erstickte seine Worte, indem sie ihn schwungvoll in Richtung Wanne schubste. Völlig überrascht stolperte der Rurouni nach hinten und fiel Kopfüber direkt in die hölzerne Wanne, mit seinem pinken Gi, seinen weißen Hakama, seinen Tabi an den Füßen und seinem Sakabatou.

„Orooobbb,“ blubberte es aus dem Wasser, während sich ein Schwall nach allen Seiten ergoss, doch als Kenshin mit kullernden Augen wie ein Karpfen nach Luft schnappend wieder auftauchte, hatte Kaoru die Tür schon hinter sich zugeschmettert.

„Wandere doch davon, Rurouni,“ schimpfte sie von draußen, „wenn du mich nicht lieben kannst!“

--

Als Kenshin einige Zeit später mit dunkelgrünem Ersatz-Gi und schwarzen Hakama seine Sachen zum Trocken aufhängte, würdigte ihn Kaoru keines Blickes. Kopfschüttelnd beobachtete er sie, wie sie  einer Furie gleich Yahiko aus dem Schlaf rüttelte und ihn ohne Frühstück ins Dojo zerrte, zu einem Sondertraining.

Warum war sie nur so explodiert? Es war schon das dritte Mal in zwei Wochen, dass sie so überreagierte. Dabei verhielt er sich doch auch nicht anders als sonst.

Yahiko warf ihm, kurz bevor er ins Dojo geschubst wurde, noch einen giftigen Blick zu. Kenshin zuckte entschuldigend mit den Schultern. Es tat ihm Leid, dass Kaoru sich nun an ihrem Schüler abreagierte, aber was sollte er machen? Er musste jetzt erst einmal über seine eigene Situation nachdenken.

Was hatte er falsch gemacht? Warum hatte Kaoru das Gefühl, dass er sie nicht liebte? Er hatte ihr doch heute morgen alles gegeben...

--

Langsam löste Kenshin die Schlaufe, die Kaorus Yukata zusammenhielt. Unterdessen hatte sie ihm seinen Yukata schon halb ausgezogen und ihn nach hinten gedrückt.
Er fiel auf den Rücken und Kaoru war über ihm, ihre langen, schwarzen Haare streichelten wie ein Vorhang sein Gesicht, kitzelten ihn... Vorsichtig streifte er ihren Kimono ganz ab und war wieder einmal wie verzaubert, was für einen wunderschönen Körper sie doch hatte.

Ihre Haut war zart und weich wie Samt. Er hätte sie so stundenlang anschauen können, doch Kaoru schien irgendwie ungeduldig, als er sich nicht bewegte. Also drückte er sie langsam an sich und ließ seine Hände über ihren Rücken bis zur verführerisch geschwungenen Rundung ihres Pos wandern. Kaorus Hände glitten unterdessen seine Brust hinab, immer tiefer, und tiefer und ihm wurde plötzlich sehr heiß und warm, und seine Hände drückten sie fester an sich, so wie auch sie ihn fester drückte, seine Lust sanft massierte.
Ein leises Stöhnen entwich seinen Lippen und Kaoru lächelte. „Gefällt dir das?“ fragte sie mit geröteten Wangen.
„Kaoru...“ murmelte er, während er jede einzelne ihrer Berührungen genoss und dabei weiter ihren Rücken streichelte. Nach einiger Zeit nahm Kaoru sanft seine Hände und führte sie zu ihren glühenden Wangen, den Hals hinab. Kenshin fühlte die festen Brüste in seinen Händen und lehnte sich nach oben, um ihre Brustwarzen zu liebkosen. Bei der Berührung seiner Zunge wurden sie sofort steif und fest und ein leises, verschämtes Kichern entwisch Kaorus Lippen.

Langsam und vorsichtig ließ er seine Hände weiter ihren Körper hinabwandern, während sie erneut seinen Penis sanft umschlungen hielt. Er spürte ihren Nabel, ihm folgend die kleine, flaumig behaarte Erhebung und dann...

Kaoru stöhnte auf, als er zwei seiner Finger in sie gleiten ließ. Sie war heiß und feucht.
Er spürte, wie auch ihm immer heißer wurde. Er bedeutete Kaoru, sich neben ihn zu legen und glitt dann über sie. Erneut liebkoste er ihre Brüste und sah, wie sie erwartungsvoll zu zittern begann. Vorsichtig brachte er sich in Stellung, Kaoru drückte sich ihm entgegen, und im nächsten Moment hörte er sich laut aufstöhnen.

„Kenshin,“ hauchte unter ihm Kaoru während sie ihre Beine anzog und seine Schenkel an ihm rieb. Behutsam zog er sie näher an sich heran, wobei er langsam immer wieder in sie eindrang. Er sah, wie sie sich unter ihm wand, die Hände in das Kissen krallte, ihr Mund leicht geöffnet, ihre Brüste zuckend. Irgendetwas in ihm kribbelte. Irgendetwas in ihm wollte ihr jetzt das geben, nach dem sie verlangte, ohne Gnade, bis sie nicht mehr konnte.

Er unterdrückte den Impuls. Statt dessen umfasste er zärtlich ihren Rücken und hob sie leicht an, sein Kopf auf ihre Brust geneigt. Seine roten Haare kitzelten sie. Kaoru beobachtete seinen muskulösen Körper aus halbgeöffneten Augen, ein Verlangen, das gestillt werden musste tief in ihnen. Sie drückte sich ihm nun heftiger entgegen und auch er spürte, wie seine Bewegungen automatisch schneller und ruckartiger wurden. Er fühlte, wie sie sich zunehmend anspannte, ihre Hände sich nun nicht mehr in das Kissen sondern in seinen Rücken krallten und als er das verdächtige Zucken tief in ihr fühlte, ließ auch er sich fallen, verlor sich, hörte irgendwo ihre Stimmen ineinander stöhnend, fanden sich wieder, an ihrer Brust, schweißnasse Haare in seinem Gesicht. Sein Herz klopfte wild und neben ihm atmete Kaoru laut.

Zärtlich streichelte er mit dem Finger um die Beuge an ihrem Hals. „Ich liebe dich,“ murmelte er. Sie lächelte. „Und ich dich.“

„Hat es dir gefallen?“ fragte er leise.
Kaoru lächelte ihn verschmitzt an und strich ihm das feuchte Haar aus der Stirn. „Musst du da fragen?“ Sie seufzte und ließ sich zurück ins Kissen sinken. „Du bist so zärtlich... so rücksichtsvoll...“
Kenshin blinzelte. „Rücksichtsvoll? Wie meint ihr das, Kaoru-dono?“

Eine Ader an ihrer Stirn begann zu pulsieren. Abrupt befreite sie sich aus seiner Umarmung und der Wärme des Futons. „Heiz mir bitte das Bad an, Kenshin.“
Er legte den Kopf schief. Warum war ihre Stimme auf einmal so kalt wie die Morgenluft? Da soll noch einer behaupten, er verstehe die Frauen...


--

Als Kaoru beim Mittagessen, bei dem er sich extra viel Mühe gegeben hatte, immer noch durch ihn hindurchsah, als ob er Luft wäre, begann Kenshin, sich wirklich Sorgen zu machen. Neben ihm mampften genüsslich Yahiko und Sanosuke, der pünktlich zu Mittag zufällig vorbei geschaut hatte.
„Kaoru-do...“ Kenshin unterbrach sich mit einem Räuspern, als er ihre Augen gefährlich aufblitzen sah. „Kaoru,“ begann er erneut, „wollt ihr... willst du... nicht wenigstens probieren?“
Mit einer ruckartigen Bewegung stand Kaoru auf.
„Ich habe keinen Hunger.“
Dann verließ sie die Küche.
Betrübt und ratlos starrte ihr Kenshin hinterher. Eine Hand auf der Schulter ließ ihn aus seinen Gedanken hochschrecken.

„Naaa, Probleme in eurer knospenden Beziehung?“ zwinkerte Sano, bevor er sich ein weiteres Reisbällchen in den Mund stopfte.
Neben ihm grummelte Yahiko. „Siehst du die Beulen, Kenshin?“ Er wies auf seine stacheligen Haare, zwischen deren Spitzen wirklich einige bemerkenswerte Ausbuchtungen hervorschimmerten. „Vertrag dich schnell, oder du lässt dich nächstes Mal von Kaoru verhauen. Du hast es sicherlich mehr verdient als ich.“
„Gomen nasai,“ entschuldigte sich Kenshin bei Yahiko. „Ich werde Kaoru-dono sagen, dass sie ihre Wut nächstes Mal lieber an mir auslassen soll.“
„Grmpf,“ nickte Yahiko, „hoffentlich.“

„Was habt ihr denn für ein Problem?“ fragte Sano neugierig. „Ich hab das Gefühl, es läuft alles gut bei euch. Aber seit einer Woche ist Kaoru immer so leicht gereizt. Sie trainiert wieder mehr, und du vergisst beim Wäscheaufhängen sogar manchmal dein dümmliches Rurouni-Lächeln.“
Kenshin sah zu Boden. „Ich kann es auch nicht erklären,“ gab er nach einer Weile zu.
„Mach dir nichts daraus, die Vogelscheuche kann man einfach nicht verstehen,“ warf Yahiko genervt in die Runde.
„Was wirft sie dir vor? Kümmerst du dich nicht genug um sie? Führst du sie zu wenig aus?“ Sano lehnte sich mit vollem Bauch zurück an die Wand. „Oder geht es um intimere Sachen?“

Sofort lief Kenshin rot an.
„Ahaaa,“ lachte Sano anzüglich und setzte sich neugierig auf. „Probleme im Bett!“
„Sano...“
„Liegt es an dir oder an ihr?“
„Sano!“
„Bekommst du keinen hoch?“
„Sano!!!“
Kenshin war auf die Beine gesprungen, sein Gesicht inzwischen so rot wie seine Haare. „Yahiko, verlass sofort den Raum!“ donnerte er, mit einer Stimme, die Hitokiri Battousai würdig war.

Glucksend stolperte Yahiko aus der Küche. Kaum hatte er den Raum verlassen, da hörten ihn die zwei Verbliebenen im Hof in ungehemmtes Gelächter ausbrechen.

Kenshins Augen funkelten. „Musste das sein, Sanosuke?!“
„Lass ihm doch die Genugtuung,“ hob Sano abwehrend die Hände. „Immerhin hat er heute morgen sehr gelitten. Außerdem kommt er bald in die Pubertät.“
„Und deswegen stellst du mich bloß?“ Kenshin sah immer noch böse seinen Freund an. „Seid wann bist du so mitfühlend? Hast du gestern zuviel getrunken?“ Zwischen den beiden Männern breitete sich frostiges Schweigen aus.
„Mensch, tut mir leid,“ entschuldigte Sano sich schließlich. „Willst du trotzdem mit mir darüber reden? Ich bin nicht ganz so unerfahren in Liebesdingen, weißt du...“
„Willst du damit sagen, dass ich unerfahren bin?!“ rief Kenshin erhitzt, der ihm immer noch nicht so ganz verziehen hatte. „Glaubst du, ich bin zehn Jahre durch Japan gewandert, ohne ein einziges Mal mit einer Frau...? Außerdem war ich verheiratet, verdammt!“
Frustriert brach der Rotschopf neben Sano zusammen. „Damals war das irgendwie einfacher,“ murmelte er erschöpft. „Ich weiß nicht, woran das lag...“

Sano runzelte die Stirn. „Lass uns offen reden, Kenshin,“ schlug er vor. „Klappt es nicht beim Sex?“

Bei dem Wort „Sex“ lief Kenshin sofort wieder rot an. „Nein,“ nuschelte er, „es klappt sehr gut.“
„Hm?“ Sano zog fragend die Augenbrauen hoch. „Dann verstehe ich das Problem nicht.“
„Es ist... ich weiß nicht...“ Kenshin suchte nach den richtigen Worten. „Kaoru-dono sagt, ich bin zu rücksichtsvoll... vorhin hat sie mich angeschrieen...sie glaubt, dass ich sie nicht richtig liebe...“
„Oh Mann, Kenshin,“ lachte Sano. „Das ist also das Problem. Hätte ich mir ja auch denken können.“
Kenshin blickte ihn fragend an.

„Baka,“ grinste Sano nur. „Du verstehst anscheinend wirklich nicht viel von Frauen.“ Verschwörerisch neigte er sich seinem Freund zu. „Sie wollen nicht nur einfach Sex. Sie wollen mehr ...das gewisse... Etwas.“ Dann lehnte er sich zurück und nickte wichtigtuerisch.

„Etwas.“ Kenshin blinzelte verständnislos.

Sano seufzte. „Steh mal auf, Kenshin.“
Kenshin starrte ihn bewegungslos an.
„Jetzt steh schon auf!“ rief Sano und winkte mit der Hand.
Etwas skeptisch gehorchte der Rotschopf schließlich und rappelte sich auf.

„So und jetzt schau an dir hinab,“ befahl Sano weiter, als Kenshin unschlüssig und mit zusammengezogenen Augenbrauen vor ihm stand. „Was siehst du?“

Die Skepsis in Kenshins Gesicht war nun fast schon zum Lachen.
„Einen... Mann?“
„Ja,“ nickte Sano, „gut erkannt. Und weiter?“
Kenshin zog angestrengt die Augenbrauen zusammen. „Einen... dunkelgrünen Gi... schwarze Hakama?“
„Falsch,“ schmetterte ihm Sano entgegen.
„Wieso, ich...“
„Was ist UNTER deiner Kleidung?“
Kenshins Augenbraue zuckte, als er von oben in seinen Gi hineinschielte. „Mein... Körper?“
Ungeduldig nickte Sano. „Was für einen Körper hast du?“
„Ich?“ Kenshin sah kritisch an sich hinab. „Normal, denke ich...“
„Wieder falsch!“ donnerte Sano. „Du bist ungewöhnlich gut durchtrainiert. Zwar klein, aber muskulös. Du hast den Körper eines Schwertkämpfers.“
Irgendwie ließen diese Worte, gerade weil sie aus Sanosukes Mund kamen, Kenshin erneut die Schamesröte ins Gesicht steigen.

„Wofür steht ein Schwertkämpfer?“ fragte Sano, die Arme über der Brust verschränkt.
„Für... Kampf?“
Der ehemalige Straßenkämpfer sprang auf die Beine, sichtlich am Rande seiner Geduld.
„Für Entschlossenheit, Mann! Kenshin! Du bist einer der berühmtesten Schwertkämpfer Japans. Aoshi Shinomori, der Anführer der Oniwabanshu, nannte dich den Stärksten! Saito Hajime konnte dich nicht besiegen! Was glaubst du, was andere Männer für dieses Image geben würden? Die Frauen würden ihnen wie Butter durch die Finger fließen!!“
„Butter? Ich... Orooo!“ Mit einem kläglichen Aufschrei brach Kenshin zusammen, als Sano ihm eine saftige Kopfnuss verpasste.

„Kommst du jetzt endlich mal zu Verstand?“ rief er verzweifelt, während sich der Rurouni mit Kulleraugen den Schädel hielt.
„Bitte, Sano,“ flehte er mit tränenden Augen, denn Sanos Schlag war wirklich hart gewesen, „sag mir doch einfach, was ich tun soll. Ich sage ihr doch schon ständig, dass ich sie liebe.“
„Dann zeig es ihr auch!“ sagte Sano. „Gib ihr, wonach sie verlangt.“ Er schüttelte den Rotschopf an den Schultern, dessen Augen nur noch mehr kullerten.
„Nimm. Sie. Richtig! So wie du als Schwertkämpfer bist, erwartet sie dich auch als Liebhaber! Kaoru ist doch kein Sensibelchen – sie trainiert selber Kenjutsu! Sie weiß, wie sich deine Hände um dein Schwert schlingen. Sie will, dass du sie auch so anfasst und benutzt wie dein Schwert! Entschlossen! Bedingungslos!“

Kenshins Augen hörten auf zu kullern und er sah beschämt zu Boden. Sein Gesicht war plötzlich ernst.
„Das kann ich nicht,“ flüsterte er traurig. Sano ließ ihn sofort los.
„Wieso?“ fragte er, seine Stimme wieder ruhig und einfühlsam.
„Ich... ich habe Angst, dass ich sie dann verletzte...“
„Kenshin...“ Sano sah seinen Freund besorgt an. „Warum? Du könntest Kaoru nie etwas zu leide tun.“
„Aber ich könnte ihr Angst machen!“ brach es aus ihm heraus. „Was, wenn ich mich dabei verliere? Die Kontrolle über mich verliere?“
„Die Kontrolle? Ich verstehe nicht...“
„Ich hasse es, die Kontrolle über mich zu verlieren.“ Kenshins Stimme war wieder leise geworden, kaum zu hören. „Meine Zurückhaltung. Wenn ich meine Selbstkontrolle lockere, dann werde ich vielleicht... wieder so wie früher.“

Sanosuke kratzte sich am Kopf„Früher? Du meinst, als du noch Hitokiri Battousai warst?“
Stumm nickte Kenshin.
„Hast du damals anders geliebt, mit Tomoe?“
Kenshin wich seinem fragendem Blick aus.
„Tut mir leid,“ nuschelte Sano, „ich hab vergessen, dass das für dich ein sensibles Thema ist.“
„Schon gut.“ Kenshin atmete tief durch. „Ich glaube, bei Tomoe war ich nicht wirklich ein sanfter Liebhaber. Ich war angespannt, Berührung war einerseits wunderschön, andererseits unerträglich. Das hat mich oft wahnsinnig wütend gemacht...Ich... ich habe ihr nie weh getan, aber ich habe mir von ihr genommen, was ich gebraucht habe. Ich habe sie nicht gefragt, ob es ihr gefallen hat... Ich hatte das Gefühl, sie wollte, dass ich sie so nahm.“
Kenshins Stimme klang erstickt.
„Ich... ich konnte nicht wirklich zärtlich sein. Ihre Liebe war wie ein Rettungsanker für mich. Ich habe mich an sie mit aller Gewalt geklammert, ich habe sie mit allem geliebt, was ich damals war, auch mit dem dunklen Teil von mir. Wie du gesagt hast, wie ein Schwertkämpfer. Voller zielstrebiger Heftigkeit, bedingungslos verlangend, keinen Widerspruch duldend...“
„Ähem,“ hustete Sano, der inzwischen mit seiner Gesichtsfarbe ebenfalls Kenshins Haaren Konkurrenz machen konnte, „ich glaube, ich habe schon verstanden.“

Beide Männer standen einige Minuten schweigsam im Raum herum und atmeten tief durch, um wieder ruhig zu werden.
„Du weißt also, was du zu tun hast,“ fragte schließlich Sano ernst.
Kenshin nickte, die Augen schmal. „Ich werde es versuchen.“
„Sie wird keine Angst vor dir haben. Sie kennt dich. Sie weiß, dass Battousai ein Teil von dir ist. Glaub mir... es wird für euch beide eine tolle Erfahrung.“
Kenshin nickte langsam, nicht wirklich überzeugt. „Danke für das Gespräch, Sano.“
Sein Kumpel klopfte ihm vertraulich auf die Schulter.
„Kein Problem,“ lächelte er. „Heute Abend lad ich einfach Yahiko zum Würfelspielen ein. Dann habt ihr eure Ruhe. Zeig ihr, dass du der richtige Liebhaber für sie bist. Zeig ihr, wie der gefürchtetste Schwertkämpfer Japans lieben kann.“

Er sah, dass Kenshin schon wieder zartrosa anlief.

Sano wandte sich zur Tür. „Ach ja, und noch was,“ rief der ehemalige Straßenkämpfer im Gehen, „gewöhn dir endlich dieses „dono“ ab. Es hört sich so an, als ob du Kaorus Schoßhündchen wärst.“
Kenshin schluckte. Kaoru-donos Schoßhündchen... diese für ihn neuartige Vorstellung war auch nicht ganz uninteressant...

--

Kann Kenshin Kaoru als Battousai lieben?
Oder gefällt ihm die Rolle als Schoßhündchen besser?
Irgendwann werden wir es herausfinden... im zweiten Kapitel
^.^ bis dahin. Dewa Matta

PS: ich habe natürlich auch meine anderen FFs nicht vergessen! Die haben erstmal Vorrang, bevor es hier ein update gibt! ;)
 
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