■
Geschichte: Fanfiktion
/ Prominente
/ Schauspieler
/ Die Herr der Ringe Stars
/ Sturmnacht
||||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
Linksbündig|Blocksatz
gering|normal|groß|sehr groß
von KathysSong
erstellt: 30.10.2009
letztes Update: 30.10.2009
Geschichte, Mystery / P16
(fertiggestellt)
Sturmnacht
Disclaimer: mir gehören nur meine eigenen Charaktere. Ich habe keine Ahnung, wie die Herren Parker und Ferguson im richtigen Leben sind und glücklicherweise gehören sie nur sich selbst. Ich hoffe, sie können damit leben, dass ich sie mir für diese Geschichte nur ausgeliehen habe.
Anmerkung: Auslöser für diese Story war das letzte, vom Wetter her sehr trübe, Oktoberwochenende 2007. Graues Wetter, dichter Nebel – der perfekte Rahmen für eine Halloweenidee. Die Geschichte ist zwar schon etwas älter, aber ich hoffe, dass tut der Sache keinen Abbruch ;-)
Craig stand in der Haustür und winkte der Familie Ferguson nach, die gerade mit dem Auto seine Auffahrt hinunter fuhr. Schließlich war der Wagen aus seinem Blickfeld verschwunden. Mit einem Lächeln schloß er die Haustür und ging ins erste Stockwerk hinauf, um das Chaos in seiner Küche zu beseitigen.
Kopfschüttelnd betrachtete er seine Küche. So schlimm hatte er es gar nicht in Erinnerung. Die Töpfe stapelten sich in der Spüle und daneben ragte ein Tellerberg empor, der dekorativ von einer Brigade Gläser umrahmt wurde. Craig zuckte mit den Schultern und ließ Spülwasser einlaufen. Solche Abende waren so selten geworden, dass er sich nicht mehr über eine unordentliche Küche danach aufregte. Es war schon zu lange her, dass die ganze Familie Ferguson bei ihm eingefallen war, um sich von ihm bekochen zu lassen. Endlich hatten Mark und Craig es geschafft, ihre Termine aufeinander abzustimmen und die Wahl war auf den 31. Oktober gefallen. Halloween hatte in Neuseeland noch nicht den Status erlangt, den es in den USA hatte. Geistergeschichten und Frühling mit länger werdenden Tagen passten eben nicht besonders gut zusammen. So war es allen Beteiligten schlichtweg egal gewesen, dass sie sich an diesem Abend treffen würden.
Mark hatte ihm von dem Erfolg des Slashfestes auf der Ring*Con erzählt und das so lebendig, dass sie alle sich vor Lachen beinahe nicht mehr auf den Stühlen hatten halten können. Überhaupt war Craigs Haus an diesem Abend von Gelächter erfüllt gewesen wie schon lange nicht mehr. Liam und Cam, Marks Söhne, hatten Anekdoten von der Schule zum Besten gegeben. Mehr als einmal war Craig durch den Kopf geschossen, wie groß die Beiden schon geworden waren und ihrem Vater, was das komödiantische Talent betraf, immer ähnlicher wurden.
Seufzend machte Craig sich daran, die Weingläser zu spülen. Irgendwann würde auch in seiner Küche eine Spülmaschine Platz finden, beschloss er. Schon musste er über sich den Kopf schütteln. Nach einer Kochorgie dachte er jedes Mal daran, sich eine Spülmaschine zuzulegen, tat es dann aber doch nicht. Wenn er ehrlich war, half ihm die Spülerei, die nötige Bettschwere zu erlangen. Denn eigentlich war es gar nicht so einfach, von einem von Leben gefüllten Haus auf ein stilles Haus umzuschalten.
Craig stellte die Weingläser zum Abtropfen in den Geschirrständer und trocknete sich die Hände ab. Die Stille im Haus ging ihm mit einem Mal gehörig auf den Wecker. Er ging hinüber ins Wohnzimmer und stellte Musik an. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es zwar spät war, aber noch nicht zu spät, um den Lautstärkeregler ein wenig mehr nach rechts zu drehen. Seine Nachbarin, Molly Gore, würde es ihm sowieso nicht übel nehmen. Seitdem ihr Mann Lee vor einigen Monaten plötzlich an einem Schlaganfall verstorben war, war sie sowieso dankbar für jedes bisschen Leben, das an ihr Ohr drang. Craig sah kurz aus dem Fenster zu dem hell erleuchteten Haus der Gores. „Na, Molly, kannst du mal wieder nicht schlafen?“, murmelte er.
Die Gores hatte schon neben ihm gewohnt, als er sein Haus gekauft hatte. Schnell waren sie zu so etwas wie zweite Eltern für ihn geworden. Wenn Molly Kuchen gebacken hatte, konnte Craig darauf wetten, dass ein Stückchen für ihn übrig blieb, das dann bei einer vergnügten Kaffeerunde in seinem Garten oder - bei schlechtem Wetter - in der gemütlichen Küche der Gores verspeist wurde. Er revanchierte sich dann in der Regel mit einer guten Flasche Wein oder einem Essen.
Ein Knallen aus der Küche ließ Craig zusammenfahren. Das Fenster, das er zum Lüften an diesem lauen Frühlingsabend geöffnet hatte, war zugeschlagen. Mit einem Stirnrunzeln sah Craig, dass der Wind, der vor ein paar Sekunden noch sanft durchs Fenster geweht war, aufgefrischt hatte. „Klasse“, knurrte er und machte sich auf den Weg ins Erdgeschoss. Er war sich nicht sicher, ob er die Terrassentür wieder geschlossen hatte, nachdem er auf eine Zigarette in den Garten gegangen war. Wenn Liam und Cam zu Besuch waren, rauchte er grundsätzlich nicht im Haus.
Im Vorbeigehen fiel ihm auf, dass Mark seinen Organizer auf dem Esstisch liegen gelassen hatte. Er hatte ihn irgendwann hervorgekramt, um noch ein paar anstehende Termine mit Craig abzugleichen. Craig schnappte sich sein Handy, das auf der Theke der Küche lag, und wählte Marks Nummer, als er die Treppe zum Erdgeschoss hinabging. Mark war ohne seinen Organizer aufgeschmissen, das wusste Craig. Er wollte ihm wenigstens schon einmal Rückmeldung geben, dass sein zweites Gehirn, wie Mark den Organizer nannte, nicht verloren gegangen war.
Er war gerade im Erdgeschoss angekommen, als es schon an der Tür klingelte. Vermutlich hatte Mark den Verlust des Organizers vor Craig bemerkt und war umgekehrt, um ihn abzuholen. Craig steckte das Handy in die Hosentasche und öffnete die Tür.
„Ich wollte dich gerade...“ Weiter kam Craig nicht. Verwirrt starrte er nach draußen. Es hatte doch die Klingel gehört, warum stand dann keiner vor der Tür? Natürlich, es war Halloween fiel ihm ein, Mark wollte sich wahrscheinlich noch einen Scherz mit ihm erlauben. Craig trat ein paar Schritte nach draußen. „Mark?“
Suchend sah er sich um. Innerlich hatte er sich darauf gewappnet, dass Mark mit einem albernen „BOO“ aus dem Dunkel hervorspringen würde. Als nichts dergleichen passierte, wurde Craig unruhig. Er hatte es sich doch nicht eingebildet, dass es geklingelt hatte. Dafür hatte er jedenfalls zu wenig Wein getrunken. Fröstelnd schlang er die Arme um sich, als ein erneuter Windstoss ihn erfasste. Wahrscheinlich würde Auckland sich in dieser Nacht auf einen kleinen Frühlingssturm gefasst machen können.
Kopfschüttelnd über diesen Vorfall drehte Craig sich zur Haustür um und sah gerade noch, wie diese ins Schloss fiel. Mit einem Seufzen kniete er sich runter zum Blumenkübel neben der Haustür, um darunter den Zweitschlüssel hervorzuziehen. Wenn er nicht zuhause war, kümmerte sich Molly um seine Pflanzen und sah im Haus nach dem rechten. Als er den Schlüssel ins Schloss steckte, fiel Craig etwas auf. Die Haustür war nicht einfach zugefallen. Denn in dem Moment war es völlig windstill gewesen, schoss es ihm durch den Kopf. Vielmehr hatte es so ausgesehen, als ob sie jemand zugestoßen hatte. „Mach dich nicht verrückt, Craig. Außer dir ist niemand im Haus.“ Seine Hände zitterten, als er den Schlüssel im Schloss herumdrehte. Die Unruhe, die ihn gepackt hatte, stieg von Minute zu Minute. Irgendetwas stimmte nicht...
Als Craig das Haus betrat, wurde er verdammt unruhig. Er war sich sicher, dass die CD, die er eingelegt hatte, noch laufen und bei der Lautstärke, die er eingestellt hatte, vor allem auch zu hören sein musste. Aber Totenstille empfing ihn im Flur. Mit schnellen Schritten war Craig im Bad und ließ sich kaltes Wasser über die Handgelenke laufen. Ein sicheres Mittel bei ihm, um wieder zu seinem Verstand zurück zu gelangen. Er beugte sich über das Waschbecken und spritzte sich ein wenig Wasser ins Gesicht. Als er sich wieder aufrichtete und in den Spiegel blickte, entfuhr ihm ein kleiner Aufschrei. Molly stand hinter ihm und sah ihn schweigend an.
„Verdammt, Molly, musst du...“ Er fuhr herum und erstarrte. Der Platz hinter ihm war leer. Craig wandte sich wieder zum Spiegel und blinzelte. Immer noch stand Molly da und blickte zu ihm. Er war wie gelähmt und konnte den Blick vom Spiegel nicht abwenden. Am Rande nahm er wahr, dass Molly auf ihn zuging. Ein panischer Blick über seine Schulter bestätigte ihm aber, dass niemand war. Mechanisch sah dann er wieder in den Spiegel. Sie stand jetzt dicht hinter ihm, ein unangenehmes Kribbeln breitete sich in Craigs Nacken aus. In dem Moment, in dem Molly die Hand ausstreckte, um ihn an der Schulter zu berühren, barst der Spiegel.
In einer reinen Reflexbewegung hob Craig die Arme vors Gesicht und sprang vom Spiegel zurück, um sich vor den Glassplittern zu schützen. Zitternd sank er gegen die Badezimmerwand und rang nach Atem. Das konnte gerade nicht passiert sein, das war schier unmöglich. Erst als er einen Blick auf den Spiegel werfen wollte, um sich davon zu überzeugen, dass er einer heftigen Halluzination erlegen war, bemerkte er, dass es dunkel im Haus geworden war. „Nicht das auch noch.“ Er erschrak vor seiner eigenen Stimme, die nicht mehr als ein heiseres Flüstern gewesen war.
Schnell klopfte er die Taschen seiner Jeans ab. Erleichtert stellte er fest, dass wenigstens auf seine Sucht Verlass war, als er eine Zigarettenschachtel erfühlte. Wo diese Schachtel war, konnte ein Feuerzeug nicht weit sind. Er brauchte zwei Anläufe, um die Schachtel aus seiner Hosentasche zu ziehen und zwei weitere, um seine Finger so weit unter Kontrolle zu bringen, dass sie das Feuerzeug daraus herausziehen konnten.
Er holte noch einmal tief Luft und tastete sich dann zur Badewanne vor. Seine Finger glitten am Badewannenrand entlang zur Ablage und schlossen sich endlich um die Kerze, die für gewöhnlich darauf stand. Ein grimmiges Lächeln überzog Craigs Gesicht, als er daran dachte, dass Mark sich gerne darüber lustig machte, wie Craig stundenlang mit einem Glas Wein und Kerzenlicht in der Badewanne liegen konnte. Diese Dekadenz, wie Mark es bezeichnete, kam ihm nun zugute.
Wenn er sich aber eingebildete hatte, dass der Kerzenschein ihn ein wenig beruhigen konnte, hatte er sich gewaltig getäuscht. Das Licht warf bizarre Schatten an die Wand, die munter daran entlang tanzten und sich über Craig lustig zu machen schienen. Mal formten sie Finger, die nach ihm greifen wollten, bevor sie sich im nächsten Moment zu einer grässlichen Fratze verzogen.
Er fuhr sich mit der freien Hand über die Stirn und atmete bewusst einige Male tief ein und aus. Einatmen, ausatmen dachte er und konzentrierte sich darauf, wie sich sein Brustkorb hob und wieder senkte. Zufrieden stellte er fest, dass sein Puls sich langsam normalisierte und die Kerze in seiner Hand nicht mehr so bebte wie kurz zuvor.
Langsam kehrte auch sein logisches Denken wieder zurück. Er zog sein Handy aus der Tasche, um Mark anzurufen. Allein dessen Stimme würde ihm den letzten Rest Ruhe zurückgeben, den er nun brauchte. Ein deftiger Fluch entfuhr ihm, als sein Handy ihm mitteilte, dass gerade kein Netz verfügbar war. Sein Telefon lag – für Craig eigentlich ungewöhnlich – brav in der Ladestation im ersten Stock... und dieser Weg kam ihm gerade unendlich weit vor.
Die Entscheidung, ob er den Weg nach oben antreten sollte oder nicht, wurde ihm aber schnell abgenommen. Mit einem lauten Knallen sprangen die bodenlangen Fenster in seinem Badezimmer auf und ließen – Craig sah zwei Mal hin – Nebelschwaden in sein Bad hineinwabern. Für einen Moment war er wie gelähmt und konnte nur zuschauen, wie der Nebel auf ihn zukroch. Er bewegte sich auch immer noch nicht, als nasse Nebelfinger nach ihm griffen und an seinen Beinen hoch wanderten. Nebel im Frühling, schoss es ihm zusammenhanglos durch den Kopf. Es kostete ihn allen Willen, seinen Blick von den Nebelschwaden abzuwenden und nach draußen zu sehen. Was er sah, bestätigte ihn darin, dass sein Verstand sich langsam, aber sicher verabschiedete. Seine Pflanzen bogen sich im Sturm, der gewaltig zugenommen hatte, ohne dass Craig es bemerkt hatte. Der Nebel jedoch hielt sich hartnäckig, er schien vom Grundstück der Gores zu kommen.
Er kroch unter seine Kleidung und wurde immer dichter. Mit Craigs Beherrschung war es vorbei, die Kerze polterte zu Boden, als er förmlich aus dem Bad flog und die Tür heftig hinter sich zuknallte. Er lehnte sich zitternd dagegen und sah mit Entsetzen, dass der Nebel unter der Tür hindurch kroch. Mit einem gewaltigen Satz sprang er von der Tür weg und zuckte zusammen, als das Telephon klingelte. Sofort verzog sich der Nebel unter der Tür hinweg.
Wenigstens hatten sich seine Augen an die Dunkelheit im Haus gewohnt und einigermaßen zielstrebig tastete er sich zur Treppe vor. Prompt war dieses unangenehme Kribbeln in seinem Nacken wieder da. Mit einem Ruck wandte Craig sich um, er war sich sicher, dass jemand hinter ihm stand. Aber alles, was er sah, waren seine Jacke und sein Mantel, die ruhig an der Garderobe hingen. Zwölf Stufen waren es bis in den ersten Stock hinauf und Craig zählte jede einzelne davon mit. Jeder seiner Schritte kam ihm viel zu laut vor, wenn er seinen Fuß auf die nächste Stufe setzte. Immer wieder sah er nervös über seine Schulter hinweg und rechnete jedes Mal damit, dass jemand... oder besser etwas hinter ihm die Treppe hinaufging.
Der Anrufbeantworter hätte längst drangehen müssen, dachte er, als er schließlich oben angekommen war und das Telephon immer noch beharrlich klingelte. Wie an Fäden gezogen ging er ins Wohnzimmer und griff zum Hörer.
„Hallo?“, fragte er zögernd. Ein Rauschen in der Leitung war die Antwort. „Mark? Bist du das?“ Craig war es egal, dass seine Stimme zitterte; er betete einfach, dass es Mark war, der seinen Organizer bei ihm abholen wollte. Das Rauschen wurde lauter. „Wer zum Teufel ist das?“ Seine Stimme überschlug sich vor Panik, die sich ihren Weg nach draußen suchte. „Craig?“, kam es schließlich wie aus weiter Ferne aus dem Hörer. Mit einem Aufschrei warf Craig das Telephon beiseite, das konnte nun wirklich nicht sein. Die Stimme gehörte keinem anderen als Lee Gore.
Kleine Atemwölkchen vor Craigs Mund verrieten ihm, dass die Temperatur im Haus schlagartig gesunken war. Es war bitterkalt. Er sank zitternd an der Wand neben dem Telephon auf den Boden, schlang die Arme um seine Knie und wippte vor und zurück. „Es soll aufhören“, flüsterte er. „Mach doch jemand, dass es aufhört!“
Draußen hatte der Sturm seine volle Kraft entfaltet. Er rüttelte an den Fensterscheiben, ließ die Terrassentür auf- und zuschlagen und heulte ums Haus. Das war aber nichts im Vergleich zu dem Geräusch, das plötzlich durchs Haus hallte. Langsame, fast schwerfällige Schritte kamen die Treppe von Craigs Schlafzimmer herunter ins Wohnzimmer.
„Nein!“, schrie Craig. Er saß in der Falle. Wenn er die Flucht ins Erdgeschoss ins Auge gefasst hätte, hätte er an der Treppe vorbei gemusst. Unmöglich, von ihm hatte die nackte Angst Besitz ergriffen. Nichts in dieser Welt hätte ihn jetzt dazu bekommen, an dieser verdammten Treppe vorbei zu gehen. Stattdessen hing sein Blick daran. Selbst wenn er es gewollt hätte... er hätte den Blick nicht davon abwenden können.
Noch drei Stufen, noch zwei... die Kälte im Raum nahm zu. Eigentlich hätte Craig nun sehen müssen, wer dort die Treppe hinunter ging, aber – er schluckte trocken – da war niemand. Es waren nur Schritte zu hören, die jetzt langsam auf ihn zukamen. Er presste die Hände an die Ohren und schloss die Augen. Einfach nichts mehr hören und sehen, bevor die Angst ihn umbringen würde...
Er zuckte zusammen, als sich eine eiskalte Hand um sein Handgelenkt schloss. Heftig schüttelte Craig den Kopf, er wollte immer noch nicht sehen, wer da in sein Haus eingedrungen war und ihm den Abend so zur Hölle machte. Erst als der Griff um sein Handgelenk energischer wurde, öffnete er widerstrebend die Augen.
Craig konnte nicht anders. Ein lauter Aufschrei entfuhr ihm, als er Lee vor sich erblickte. Er nahm weder dessen Lächeln wahr, noch den Daumen, der beruhigend über seine Hand strich. Alles was er fühlte, war diese Eiseskälte, die von seiner Hand ausging. „Bitte“, seine Stimme war nunmehr ein Wimmern, „lass mich in Ruhe.“
Lees Lächeln wurde unendlich traurig, als er die andere Hand nach ihm ausstreckte und sie auf seine Wange legte. „Craig?“ Wie aus weiter Ferne drang seine Stimme zu ihm. „Lee... bitte... du bist...“, stammelte Craig. „Tot, Craig.“ Craig presste sich an die Wand. Sein Puls raste, kalter Angstschweiß stand auf seiner Stirn. Das ging einfach nicht. Lee konnte nicht vor ihm hocken und ihm ruhig erklären, dass er tot war. „Was willst du?“, flüsterte Craig schließlich und schrie erneut auf. Lautes Hämmern drang von Erdgeschoss zu ihm herauf. Vor seinen Augen löste sich Lee in Nichts auf.
Craig presste wieder die Hände an die Ohren. „Geht weg! Alle! Lasst mich in Ruhe!“, schrie er gegen das Hämmern. Er bemerkte nicht einmal, dass Tränen über seinen Wangen liefen, er hatte vollkommen die Nerven verloren.
Erst als sich kurz darauf zwei energische Hände um seine Handgelenke schlossen, wurde ihm bewusst, dass jemand seinen Namen rief. „Craig! Craig Parker! Rede mit ihr!“ Mark hatte ihn gepackt und sah ihn ungläubig an.
„Mark?“, fragte Craig mit einer Stimme, die nicht zu ihm zu gehören schien. „Bist du es wirklich?“
Verwirrt nickte Mark. „Was zur Hölle ist hier passiert?“, brachte er schließlich hervor. Er bekam keine Antwort, völlig aufgelöst flüchtete Craig sich in seine Arme. Mark hielt ihn fest und wiegte ihn beruhigend hin und her, während seine Unruhe stetig wuchs.
Er hatte eigentlich nur zu Craig zurückkehren wollen, weil er seinen Organizer bei ihm vergessen hatte, wie ihm zuhause aufgefallen war. Bei Craig angekommen, hatte er festgestellt, dass die Türklingel nicht funktionierte und der Zweitschlüssel war nicht an seinem Platz gewesen. Auf sein lautes Hämmern gegen die Tür waren nur die Schreie von Craig zu hören gewesen. Mark wäre nicht Mark gewesen, wenn er nicht sofort gehandelt hätte. Schnell war er links um das Haus herumgegangen, in der stillen Hoffnung, dass die Terrassentür offen stehen würde. Zu seiner Verwunderung hatte er bemerkt, dass die Fenster im Bad alle offen standen. Kurzentschlossen hatte er das Haus auf diesem Wege betreten.
Er war über eine Kerze gestolpert. Fluchend hatte er sich bis zum Lichtschalter vorgearbeitet und ihn betätigt – ohne Erfolg. Auf dem Weg zum Lichtschalter hatte es verdächtig unter seinen Schuhen geknirscht und im Augenwinkel hatte er gesehen, dass der Spiegel zerbrochen sein musste. Mark war froh, dass er Craigs Haus ebenso auswendig wie sein eigenes kannte. Schnell hatte er sich im Dunkeln zur Treppe begeben und die zwölf Stufen hinauf mitgezählt, nur um ihm Wohnzimmer dann einen Craig vorzufinden, der mit den Nerven am Ende war. Einen Reim auf das, was geschehen war, konnte er sich aber damit immer noch nicht machen.
„Craig?“, fragte er schließlich leise, als er bemerkte, dass sich sein Freund langsam ein wenig beruhigt hatte. „Was ist hier passiert?“
„Das würdest du mir sowieso nicht glauben“, sagte Craig tonlos. Plötzlich fiel ihm etwas ein. „Bist du eigentlich wahnsinnig, bei diesem Sturm Auto zu fahren?“, fuhr er Mark an.
„Was für ein...“ Weiter kam Mark nicht. Die Bilderrahmen von Craig zersprangen, die Schubladen an seiner Kommode flogen auf, knallten sofort wieder zu und der Geschirrberg in der Küche schepperte zu Boden. Das alles war aber fast nichts im Vergleich zum qualvollen, langgezogenen Schrei, der das Haus erfüllte.
„Mein Gott, Craig, was ist hier los?“, schrie Mark über Lärm hinweg. Als er Craig ansah, wusste er, dass von diesem keine Antwort zu erwarten war. Sein Freund war kreidebleich und Mark befürchtete schon, dass er nun endgültig zusammenbrechen würde. Er tat das einzige, was ihm noch übrig blieb. Er packte sich Craig und zog ihn energisch ins Erdgeschoss hinunter und zur Haustür hinaus.
„Du schläfst heute nacht bei mir!“, war alles, was Mark noch hervor pressen konnte, bevor er Craig ins Erdgeschoss zog, sich dort den Haustürschlüssel packe und seinen Freund dann ins Auto verfrachtete. Craig leistete keinen Widerstand.
~*~
„Ich denke immer noch, dass das keine gute Idee ist“, sagte Mark am nächsten Tag, als sie in die Straße einbogen, in der Craig wohnte. Craig warf ihm nur einen Seitenblick zu. „Du musst es ja für keine gute Idee halten“, entgegnete er ruhig.
Bei einer heißen Tasse Tee hatte Craig Mark noch in der Nacht eine schier unglaubliche Geschichte erzählt, die mit einem Sturm begann, der sich nur auf Craigs Haus zu konzentrieren schien und bei einem Geist in seinem Wohnzimmer endete. Hätte Mark nicht das Ende der Geschichte selbst miterlebt, hätte er Craig mit Sicherheit gepackt und die nächste Klinik verfrachtet. So aber musste er sich eingestehen, dass Craig keinen Nervenzusammenbruch aufgrund seines Arbeitspensums erlitten hatte. Diese Geschichte war tatsächlich passiert – oder sie hatten gemeinsam einen Nervenzusammenbruch mit einer Halluzination erlitten.
„Warte, Mark!“ Craig packte nach dem Arm seines Freundes, als ihm vor dem Haus der Gores ein Notarztwagen und ein Polizeiwagen ins Auge fiel. Automatisch trat Mark auf die Bremse. Bevor er Craig zurückhalten konnte, war dieser schon aus dem Auto gesprungen und zum Haus von Molly und Lee hinübergelaufen.
„Kann ich Ihnen helfen?“ Eine Polizistin fing Craig vor der Haustür ab.
„Ich... Molly... was ist passiert?“, fragte er atemlos.
Die Polizistin sah ihn mitleidig an. „Sind Sie ein Angehöriger?“, fragte sie sanft.
Mechanisch schüttelte Craig den Kopf. „Ich bin ihr Nachbar.“
„Dann tut es mir leid.“ Bestimmt schob sie Craig Richtung Tür. „Ich darf Ihnen keine Auskunft geben.“
Er schüttelte ihre Hand von seiner Schulter. „Verdammt, ich will wissen, was mit Molly ist! Geht es ihr gut?“
Der Aufruhr an der Tür hatte den Notarzt aufmerksam gemacht. „Sir, kann ich etwas für Sie tun?“
„Sagen Sie mir einfach, was mit Molly los ist“, bat Craig tonlos.
Die Miene, mit der sein Gegenüber ihn ansah, war ihm nur zu bekannt. So einen Blick hatten Ärzte nur, wenn sie schlechte Nachrichten überbrachten. „Sie ist tot, oder?“, brachte Craig hervor.
Der Notarzt konnte nur noch nicken. „Es muss ein Herzinfarkt gewesen sein. Ihre Tochter hat die Polizei alarmiert, weil ihre Mutter seit gestern Abend nicht ans Telephon ging.“
Gegen seinen Willen musste Craig lächeln. Seit dem Tod von Lee waren die allabendlichen Anrufe von Susan, der Tochter von Lee und Molly, etwas gewesen, das Molly aufrecht gehalten hatte. Sie hatte sich immer auf diese Anrufe gefreut.
„Sir? Ich muss Sie dennoch bitten, das Haus zu verlassen.“ Innerlich rollte Craig mit den Augen, als die Polizistin erneut darauf beharrte. Vorschriften sind Vorschriften und müssen eingehalten werden, dachte er ironisch. Aber in diesem Haus war nichts mehr, was ihn noch halten würde...
Mark wartete geduldig an der Haustür auf ihn. Schweigend sah er zu, wie Craig aufschloss und das Haus betrat. „Geht es Molly gut?“, fragte er schließlich leise und folgte Craig hinauf in die Küche. Er wusste, wie sehr Craig an den Gores hing.
„Nein“, sagte Craig ebenso leise. Er bückte sich und schob mechanisch die Scherben in der Küche zusammen. Mark kannte Craig gut genug, dass er wusste, was jetzt am besten für ihn war. Er schwang sich auf die Arbeitsplatte und ließ Craig gewähren.
„Sie hatte einen Herzinfarkt“, brach Craig schließlich das Schweigen und sah Mark an.
Mit einem Mal verstand Mark, worauf Craig hinauswollte. „Du meinst...?“, fragte er ungläubig.
Craig nickte. „Ich glaube, sie brauchte meine Hilfe. Wenn ich nicht so panisch reagiert hätte und geschaltet hätte... wenn ich zu ihr rübergelaufen wäre...“ Er packte eine Scherbe so fest, dass er gar nicht merkte, wie sie seine Finger aufschnitt.
Schnell war Mark bei ihm. „Rede dir bitte nicht so was ein, Craig“, sagte er heftiger als beabsichtigt. Er nahm ihm die Scherbe aus der Hand und zog ihn hoch, um ein Tuch um seinen Finger zu legen. „Es ist einfach passiert“, meinte er dann.
„Nichts passiert einfach so, Mark.“ Craigs Blick fiel auf die Küchenuhr. Sie war um 23:29 Uhr stehen geblieben. Unwillkürlich lächelte er. Um diese Zeit musste es Mollys Herz müde geworden sein, ohne Lee an ihrer Seite zu schlagen – der Notarzt mochte es einen Herzinfarkt nennen, aber Craig wusste es besser.
„Craig?“ Marks Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.
„Hm?“, machte Craig. Er hatte gar nicht bemerkt, dass Mark seine Finger mittlerweile verpflastert hatte.
„Was denkst du, warum es dann passiert ist?“, fragte Mark.
Nachdenklich sah Craig seinen Freund an. „Vielleicht wollte Lee nicht wahrhaben, dass Molly ihm folgen wollte“, sagte er dann. „Vielleicht wollte er sich nicht eingestehen, dass sie starrsinnig genug dafür war... und vielleicht wollte sie sich von mir verabschieden.“
Mark und Craig zuckten zusammen, als leises Lachen durchs Haus drang. „Du wusstest schon immer, wer der größere Sturkopf von uns beiden ist, Craig Parker. Entschuldige, dass wir unseren letzten Streit darüber in deinem Haus ausgetragen haben.“
Ein Sonnenstrahl fiel durch das Oberlicht von Craigs Küche und malte helle Kringel auf die Arbeitsplatte, als Molly und Lee Gore von Craig Abschied nahmen.
||||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
Linksbündig|Blocksatz
gering|normal|groß|sehr groß
