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Geschichte: Fanfiktion
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von gugi28
erstellt: 16.10.2009
letztes Update: 06.11.2009
Geschichte, Drama / P18 Slash
(fertiggestellt, keine anonymen Reviews)
Hallo meine Süßen!
Wie geht es euch denn? Spitze! Ich freue mich sehr, dass ihr wieder so zahlreich dabei seid! ^_^
Jaaa, verwirrend ist wohl das richtige Wort für diesen Vierteiler, aber ich steh auf verwirrend. *lach* Ich gebe euch nochmals eine schnelle Zusammenfassung zum ersten Kapitel, damit auch jeder von euch einen scharfen Durchblick hat:
1) Harry stirbt beim Quidditch direkt vor Dracos Augen.
2) Draco entschließt sich, mittels Zeitumkehrer Harrys Tod zu verhindern.
3) Das klappt auch, nur leider stirbt Harry Wochen später bei einem Autounfall.
4) Draco kommt zu sich. Da er bei einem Experiment mitgemacht hat, war er im Schlaf sozusagen in die Zukunft gereist. Nichts von dem, was Draco im Traum erlebt hat, ist bis jetzt wirklich passiert. Laut den beiden Forschern wird sich aber alles so ereignen, was bedeutet, dass Harry beim Quidditch sterben soll.
Und jetzt? Tag X ist da und Draco muss Harrys Schicksal akzeptieren. Wie er sich dabei fühlt und wie er reagiert, lest ihr jetzt …
Bis dann und glg an euch! Bussis, eure gugi
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Kapitel 02
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Tag X war gekommen und Draco fühlte sich wie in Watte gepackt. So viele Tränke auf einmal hatte er noch nie zu sich genommen! Allerdings waren sie notwendig, um keine schicksalsverändernden Aktionen zu unternehmen, bzw. seinen Emotionen zu erliegen. Er fühlte sich ruhig aber betäubt, die tobende Menge im Stadion interessierte ihn nicht. Es gab keinen einzigen Platz, der nicht besetzt war, die Stimmung war bombastisch – nur ging sie an Draco spurlos vorüber.
„Malfoy!“
Draco zuckte zusammen, als er eine bekannte Stimme seinen Namen rufen hörte. Die Laufschritte stoppten direkt neben ihm, dann wurde er an der Schulter herumgedreht. „Malfoy? Wir müssen unbedingt miteinander reden. Also …!“
Harry entfiel der Rest seiner Fragen, die er unbedingt stellen wollte, als er mit ausdruckslosen Augen konfrontiert wurde.
„Es gibt nichts zu bereden, Potter.“ Draco war im Begriff zu gehen, aber Harry hielt ihn am Arm fest.
„Bitte – Was ist denn nur los mit dir? Irgendwas stimmt doch nicht mit dir, oder? Ist es das Spiel? Bist du deshalb nervös? Wenn nicht, was ist es dann …?“
„Wieso interessiert dich das, Potter?“, fragte Draco ihn ruhig. „Mach dir keine Gedanken, okay? Ich muss jetzt los, das solltest du auch – das Spiel fängt bald an.“ Draco löste sich sanft aus Harrys Griff, schenkte ihm ein einzigartiges, noch nie gesehenes Lächeln und ließ ihn stehen.
„Was ist nur mit dir passiert?“, flüsterte Harry ihm nachsehend, kehrte um und verschwand irritiert in den Aufenthaltsraum seiner Mannschaft.
„Na, Draco? Bereit, Potter den Schnatz vor der Nase wegzuschnappen?“, grinste Eduard seinen Sucher an, sorgfältig band er seinen linken Schuh zu. Draco erstarrte in seiner Bewegung.
„W-Was hast du gesagt?“ Obwohl Draco sich zu gut an diesen Satz erinnern konnte, wollte er nochmals sichergehen.
Eduard verlor sein Lächeln, setzte sich aufrecht hin und stützte seine rechte Hand auf seinem Oberschenkel ab. „Ich fragte, ob du bereit bist, Potter den Schnatz vor der Nase wegzuschnappen“, wiederholte er.
Draco hatte jetzt keine Nerven dazu, so zu tun, als würde er sich darauf freuen, sich mit Harry ein Duell zu liefern. Deshalb nickte er nur, begab sich zu seinem Umkleideschrank und öffnete ihn. Mit mechanischen Griffen zog er sich um. Dass es inzwischen ruhig im Umkleideraum geworden war und seine Kameraden ihn besorgt musterten, war Draco vollends bewusst. Lieber hielt er den Mund und warf mit seinem eigenartigen Verhalten ungestellte Fragen bei den anderen auf, als eventuell die Fassung zu verlieren. Die Tränke halfen zwar, aber auch sie ließen irgendwann einmal nach.
„Hey.“ Eduard trat schräg hinter ihn, legte eine Hand auf Dracos Schulter und drückte sie. „Mann, geht es dir immer noch nicht besser? Du siehst genauso scheiße aus wie beim Training.“
„Danke“, seufzte der Blonde. „So fühl ich mich auch.“
„Siehst du dich trotzdem in der Lage, dieses Spiel zu bestreiten? Immerhin geht es diesmal um die Meisterschaft“, musste sich Eduard unbedingt informieren. „Wenn nicht, dann würde Flash für dich einspringen. Er …“
„Nein! Nein …“, wiederholte Draco leiser. Jetzt erst drehte er sich seinem Teamkapitän zu. „Ich habe hart für dieses Spiel trainiert. Was auch immer kommen mag, ich muss es durchstehen.“
Eduard zog die Augenbrauen zusammen. „Wie du meinst. Wenn du dich in der Lage dazu fühlst? Ich vertraue dir, Draco.“
Der Blonde nickte. „Ich werde mein Bestes geben.“
Eduard sah sich nicht nur als Teamchef, er mochte Draco auch als Freund. Sein nächster Impuls war, den Blonden zur Seite zur ziehen, um mit ihm ein Gespräch unter vier Augen zu führen, aber dafür war es zu spät: Vom Feld her erklang der Aufruf ihres Teams!
°
Das Spiel war im vollen Gange, genauso, wie Draco es in Erinnerung hatte. Ständig zwang er sich dazu, dem Spielverlauf zu folgen, was ihm heute aber sehr schwer fiel. Denn er durfte nicht zu Harry sehen, nicht in das kommende Geschehen eingreifen! Die 43. Minute war vorbei und Dracos Nervosität stieg an. So beschissen wie heute hatte er sich seit Tagen nicht mehr gefühlt! Draco überlegte, ob er sich absichtlich treffen lassen sollte, um aus dem Spiel auszuscheiden, was allerdings wieder hieße, den ursprünglichen Verlauf zu ändern!
Die Verzweiflung nagte an ihm, Tränen schossen in seine Augen. Draco waren buchstäblich die Hände gebunden, und das war ein scheiß Gefühl!
„Malfoy!“, bremste sich Harry keuchend neben ihm ein, seine Wangen waren gerötet.
„Verschwinde, Potter“, knurrte Draco ihn an.
„Nein!“, fauchte Harry zurück.
Der blonde Sucher wurde wütend. Dass Harry neben ihm verweilte, bedeutete nämlich, das Schicksal zu verändern, und das durfte er nicht!
„Kümmere dich gefälligst um deinen eigenen Kram, Potter! Bei mir wirst du den Schnatz nicht finden!“, schnappte Draco.
„Na und? Der Schnatz ist irgendwo! Ich finde ihn zurzeit nicht – du doch auch nicht, oder? Was macht es schon, wenn ich dir dann ein wenig Gesellschaft leiste?“
Draco blinzelte. „Was? Du willst mir Gesellschaft leisten?“ Nun verschmälerten sich seine Augen. „Du solltest deinem Team beistehen, solange du den Schnatz nicht findest, also verschwinde gefälligst!“
Harry schüttelte traurig den Kopf. „Mit dir stimmt was nicht, aber was ist es? Wieso sagst du es mir denn nicht? Ich dachte, du vertraust mir? Wir …!“
„Hör auf, Potter, hör verdammt noch mal auf!“, rief Draco verzweifelt aus. „Wir müssen ein Spiel gewinnen, ist dir das klar? Und du willst … reden? Das ist jetzt etwas unpassend, findest du nicht?“ Draco schaffte es nicht, Harry in die Augen zu sehen, deshalb drehte er ab und sauste davon, eigentlich floh er regelrecht. Er musste mehrmals blinzeln, um die verschwommene Sicht zu korrigieren. Wie gerne würde er das Unausweichliche verhindern, wie gerne Harrys Leben retten! Aber er durfte nicht, er durfte es nicht!
Zu seiner Erleichterung war Harry ihm diesmal nicht gefolgt. Draco vermied es weiterhin, auf die Uhr oder zu Harry zu sehen und verfolgte die geschickten Spielzüge seiner Mannschaft. Die Klatscher waren gnadenlos, die Quaffel wurden hin und her gepasst. Spieler rempelten ihre Gegner, es wurde auf Biegen und Brechen um den Sieg gekämpft.
Die gewonnenen Punkte der Mannschaften unterschieden sich nur gering, deshalb kam es darauf an, wer zuerst den Schnatz fangen würde! Aber wo war er nur? Draco riss den Besen nach oben und sauste dem Himmel entgegen, denn dort hatte er noch nicht gesucht.
Was für ein Ausblick! Das Stadion lag tief unter ihm, das Johlen und die Anfeuerungsrufe drangen ganz leise an seine Ohren. Dafür pfiff der Wind kühl um seine Gestalt, so dass Draco etwas zu frieren anfing. Wo war der verdammte Schnatz? Draco verrenkte sich geradezu den Hals, aber dieses kleine, goldene Ding ließ sich einfach nicht blicken!
„So, Malfoy, jetzt kommst du mir nicht mehr aus! Flüchten ist zwecklos!“
„Nein, nein, nein, nein, nein!“, knurrte Draco kopfschüttelnd vor sich hin, da Harry hinterrücks an ihn herangeflogen war.
„Doch, Malfoy! Ich lass dich so lange nicht in Ruhe, bis ich weiß, was dein Verhalten zu bedeuten hat! Wieso hast du mich und Adam beim Abendessen beobachtet? Wieso hast du so … traurig ausgesehen? Irgendwie …“
Draco sagte nichts. Er sah stumm zu Harry und bemerkte, dass der Schwarzhaarige besorgt war.
„Irgendwie hast du so ausgesehen, als würdest du dich von mir … verabschieden. Ich weiß, das klingt dumm, aber es hat mir Angst gemacht.“ Harry sah ihn argwöhnisch an. „Du hast doch nicht vor, dich … Du hast doch nicht vor, Selbstmord zu begehen, oder?“
Draco stand der Mund offen. „Was? Ich? Wie kommst du denn darauf? Nein, also dieser Gedanke kam mir nicht“, floss es perplex über seine Lippen.
Harry sah wirklich erleichtert aus. „Wirklich nicht? Gut, das … das ist sehr gut. Na ja … Was verheimlichst du dann? Wieso flüchtest du vor mir? In der Winkelgasse hattest du es plötzlich so eilig – hast du mich denn nicht rufen gehört?“
„Mir ging es gesundheitlich nicht gut, außerdem waren die Weasleys bei dir“, murmelte der Blonde hinabsehend.
Der schwarzhaarige Sucher lachte etwas verlegen. „Ron und Hermine standen nicht lange bei mir, weil sie wieder losmussten. Als ich mich wieder umgedreht habe, warst du weg. Schade eigentlich“, nuschelte Harry zuletzt.
Plötzlich versteifte sich Draco, denn es erklang ein Signal, dass darauf hinwies, dass …
„Was?!“, keuchte Draco auf.
„Hm?“ Harry wusste nicht, was Draco meinte. „Sag jetzt nicht, du wärst darüber erstaunt, dass wir schon eine Stunde spielen? Ähm, Draco?“ Es war das erste Mal, dass Harry ihn beim Vornamen nannte.
Draco aber war schockiert. Das Schicksal hatte sich verändert! Harry hätte doch in der 53. Minute sterben sollen! Dass er noch am Leben war, war mehr als gut, aber … Wer hatte den Verlauf geändert? Er? Trug er die Schuld daran? – Wirre Gedanken rasten durch seinen Kopf. Wie lange war er schon hier oben? Vielleicht erst drei, vier Minuten? Folge dessen war Harry in der 53. Minute nicht bei ihm gewesen … Jetzt war Draco verwirrt!
„Malfoy? Malfoy! Geht es dir gut? Du bist auf einmal so blass im Gesicht! Hallo? Ach ja, bevor ich es vergesse … Hey! Hörst du mir überhaupt zu? Okay, ich riskiere es einfach mal. Wenn wir wieder hinunterfliegen, musst du höllisch auf die Klatscher aufpassen! Vor ein paar Minuten hätte mich beinah einer erledigt!“
„Was?!“ Dracos Kopf schoss herum. „Vor ein paar Minuten? Klatscher?“
„Ja“, nickte Harry bestätigend. „Diese Biester sind heute sehr rabiat. Also pass auf, ja? Und …“
Weiter kam Harry nicht, denn auf einmal flog der Schnatz vor ihren Augen herum und foppte sie! Draco und Harry sahen sich an, dann den Schnatz, und wie auf Kommando sausten sie dem flüchtenden, kleinen Ball hinterher.
Glaubte man, dass der Trubel auf den Tribünen nicht energischer hätte sein können, hatte man sich geirrt. Die Menge explodierte regelrecht, sie feuerte Harry und Draco an. Beider Namen wurden ständig geschrien, Fäuste stießen in die Luft, rote Gesichter folgten – doch davon bekamen die beiden Sucher nichts mit.
Der Schnatz wählte einen Weg, der nicht hätte gefährlicher sein können. Harry und Draco flogen Seite an Seite, holten alles aus ihren Besen raus und wichen Hindernissen ziemlich riskant aus. Sturzflüge wurden von Himmelsgeschossen abgelöst; Klatscher schafften es nicht, sie zu treffen. Beide Sucher streckten ihre Arme aus, wobei Draco näher war als Harry! Der Blonde gab sich Mühe – mehr als sonst! Er wollte gewinnen, unbedingt! Seine Finger zitterten. Verflucht, wieso konnte sein Arm nicht auf wundersame Weise wachsen, wenn es angebracht war? Nur noch ein kleines, verdammtes Stück!
Und dann hatte er ihn! Tatsächlich! Ja, er hatte es geschafft!
„Vorsicht, Draco!“, rief Harry ihm noch zu, doch es war zu spät. Der Klatscher traf ihn mit voller Wucht am Kopf, dann gingen alle Lichter aus …
°
Höllische Kopfschmerzen führten dazu, dass Draco langsam wieder zu sich kam. Eine warme Hand lag auf seiner, sie fühlte sich großartig und beschützend an. Sehr zu seinem Bedauern verschwand sie aber, als Draco seine Augen öffneten.
„Hey“, hörte er eine bekannte Stimme. Draco drehte langsam seinen Kopf. Potter? Tatsache, er war hier! Wieso? Was war passiert? Oh Gott, sein Kopf wollte sich sprengen!
„Wie geht es dir?“, fragte Harry leise. Er saß auf einem Stuhl direkt an Dracos Bett und sah etwas verlegen aus.
Draco blickte wieder an die Decke. Er spürte, dass seine Augen zu brennen begannen und schloss sie. „Mir geht es prächtig“, murmelte er.
„Du, ähm, du bist von einem Klatscher getroffen worden“, erklärte Harry. „Ich wollte dich zwar aus der Schussbahn rempeln, aber es war bereits zu spät.“
„Sieht wohl so aus“, seufzte Draco mit immer noch geschlossenen Augen.
„Du warst sofort bewusstlos, aber ich hab wenigstens deinen Fall verlangsamen können.“
„Danke.“
„Ähm, gern geschehen.“
„Potter?“ Draco öffnete seine Augen und drehte erneut seinen Kopf Harry zu. „Was machst du hier?“
Bildete er es sich nur ein, oder wurde Harry tatsächlich etwas rot im Gesicht? Harry öffnete seinen Mund, schloss ihn aber wieder. Verlegen spielte er mit seinen Händen und senkte seinen Blick.
„Ich …“, begann er leise, „… bin mitgegangen, als man dich hierher gebracht hat.“
„Warum?“
„Hab mir Sorgen gemacht“, nuschelte Harry undeutlich, unsicher sah er wieder hoch.
„Solltest du nicht bei deinem Freund sein?“, fragte Draco ihn.
„Puh“, pustete der Schwarzhaarige aus, er kratzte sich im Genick. „Wir … haben uns gestern getrennt“, gestand er ihm.
Das überraschte Draco dann doch. „Habt ihr? Tut mir leid.“ Die Wahrheit war, dass es ihm eigentlich gar nicht leid tat.
Harry seufzte. „Es hätte sowieso nicht länger mit uns geklappt. Adam und ich sind zu verschieden“, erzählte er. „Weißt du: Irgendwie war ich froh darüber, dass keine der Zeitungen über meine Beziehung geschrieben hat, aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass Adam durch mich berühmt werden wollte.“
„Mit anderen Worten: Er wollte unbedingt als dein Freund angesehen werden“, stieg Draco darauf ein.
„Ja, nur aus den falschen Gründen“, fand Harry sehr traurig. „Er war nicht der Richtige für mich. In letzter Zeit stritten wir nur noch über …“
„Über?“, fragte der Blonde nach.
„Nicht so wichtig“, nahm Harrys Röte zu. „Ich bin sogar erleichtert, dass wir uns getrennt haben.“
„Wer von wem?“, war Draco ehrlich interessiert.
„Ich habe es beendet.“ Harry sah ihm fest in die Augen.
„Oh!“
„M-hm.“
Stille breitete sich zwischen ihnen aus. Anscheinend mochte Harry das nicht, denn er setzte zu einem erneuten Gespräch an. „Ihr habt gewonnen, weißt du?“
„Was?“ Dracos Augen wurden groß. „Verarsch mich nicht, Potter.“
„Tu ich nicht.“
Dracos Erinnerung kam zurück. Bevor er von dem Klatscher getroffen worden war …
„Hast du mich gewinnen lassen?“, war Draco skeptisch.
Harry gluckste. „Bestimmt nicht. Diesmal warst du schneller als ich. Du … warst richtig gut. Dein Sieg war verdient“, glitzerten seine Augen. „Hier, ich hab sogar den Pokal dabei! Deine Mannschaft war dich vor einer halben Stunde besuchen, aber du warst … ähm, noch im Land der Träume.“
„Ein Pokal?“
„Ja, warte.“ Harry hob ihn vom Boden hoch und hielt ihn dem Patienten entgegen.
Draco nahm ihn entgegen, eingehend betrachtete er ihn. „Wow, endlich.“ Behutsam stellte er ihn auf seinen Nachtschrank. Ein weiterer Gedanke schoss ihm durch den Kopf. „Sag mal, meine Leute waren hier, richtig?“
„Ja.“
„Und wie haben sie auf dich reagiert?“
Harry grinste. „Ich glaube, sie waren überrascht und nicht gerade begeistert, mich hier zu sehen. Na ja, euer Teamkapitän hat mich so eigenartig angesehen. Kann sein, dass dein Team jetzt ohne dich feiert, aber so ganz genau kann ich es dir nicht sagen.“
Draco glaubte das zwar nicht, aber war da nicht so ein kleiner Unterton in Harrys Stimme gewesen? Vielleicht sollte er darauf eingehen. „Tja, wenn das so ist, dann … muss ich wohl alleine feiern.“
„Das … Das musst du nicht. Wir könnten gemeinsam feiern, wenn du nichts dagegen hast“, sprudelte es aus Harry heraus. Anscheinend wurde ihm erst jetzt bewusst, was er soeben gesagt hatte, denn Harry bekam große Augen.
„Sicher, wieso nicht“, bemühte sich Draco, gelassen zu klingen.
„Ehrlich?“ Harry blinzelte.
„Ehrlich.“
„Gut! Dann … Dann komme ich dich morgen wieder besuchen, ja? Sagen wir elf Uhr? Du solltest jetzt ein wenig schlafen, damit du deine Gehirnerschütterung loswirst. Außerdem ist es schon reichlich spät.“
Draco nickte zustimmend, auch seine Kopfschmerzen nahmen wieder zu.
Harry erhob sich. „Ruh dich aus, bis morgen.“ Ein letztes Lächeln, dann war er verschwunden.
Obwohl Draco müde war, fand er keinen Schlaf. Ihn beschäftigte der heutige Tag, insbesondere Harrys Überleben. Die Übelkeit und das beschissene Gefühl kehrten zurück. Wer oder was Harrys Ableben verhindert hatte, kam damit nicht durch! Draco verfluchte die heißen Tränen, die ihm schon wieder in die Augen stiegen. Wieso musste er wieder und wieder um Harrys Leben bangen?
„Mister Malfoy? Wie fühlen Sie sich?“, trat eine Schwester an ihn heran, die leise ins Zimmer gekommen war.
„Es tut so weh“, keuchte Draco mit verzogenem Gesicht.
„Keine Sorge, Mister Malfoy, ich kümmere mich darum. Hier, trinken Sie das, dann geht’s ihnen gleich besser.“
Draco öffnete den Mund, schluckte die grauenhafte Flüssigkeit und spürte den Trank wirken. Binnen Sekunden war er eingeschlafen.
°
Bereits am frühen Morgen, als Draco aufgewacht war, hatte sein Körper nicht aufgehört zu zittern. Hinzu gesellten sich Herzbeschwerden und Nervosität. Die Ärzte und Schwestern bemühten sich herauszufinden, was mit Draco nicht stimmte, was aber schwer war, da er auf ihre Fragen nicht antwortete. Während seine Gehirnerschütterung über Nacht verschwand, tauchten neue Komplikationen auf.
Es wurde festgestellt, dass Draco unter einer schweren, psychischen Belastung litt und dies Auswirkungen auf seinen Körper hatte. Ein Spezialist wurde hinzugezogen, der lange Gespräche mit Draco führte, allerdings zu keinem Ergebnis kam. Eines war aber gewiss: Sein blonder Patient verschwieg ihm etwas. Vorerst würden eigens dafür gebraute Tränke die Wirkung erzielen, Dracos innere Ruhe wieder herzustellen, wobei sie nur die Symptome bekämpften, nicht aber den Ursprung behoben.
„Mister Malfoy. Sie müssen darüber reden, hören Sie? Tun Sie das nicht, wird Ihr Problem Sie zerstören“, warnte der Spezialist ihn.
„Ich weiß“, erwiderte Draco lahm. Mehr sagte er nicht dazu. Der Heiler nahm diese Aussage mit einem Seufzen hin. Da er allerdings noch andere Patienten zu betreuen hatte, verließ er das Zimmer und ließ den blonden Sucher alleine zurück.
Die Uhr an der Wand tickte, der Zeiger bewegte sich vorwärts. Drei Minuten nach elf. Draco wurde wahnsinnig! Die Tränke halfen ihm, ruhig zu bleiben, aber das beschissene Gefühl im Inneren blieb. Plötzlich ging die Tür auf und Harry spazierte mit einem riesigen Paket herein.
„Sorry, hab mich verspätet. Ich musste noch etwas abholen“, keuchte er mit roten Wangen, stellte das Packet am Nebentisch ab und drehte sich Draco zu. Der Blonde konnte nicht zum Ausdruck bringen, wie erleichtert er war, Harry zu sehen! Ihm war nichts passiert!
„Hey, freust du dich, mich zu sehen? Sieht nämlich so aus“, grinste Harry schief.
„Könnte sein“, gab Draco unumwunden zu.
Harrys Lächeln verschwand. „Wow, das kam überraschend. Ich meine damit, dass du es mir auch sagst. Ähm …“ Harry deutete auf das Päckchen. „Willst du wissen, was ich dir mitgebracht habe?“
„Wieso hast du mir überhaupt was mitgebracht?“, setzte sich Draco auf.
Harry stand irgendwie peinlich berührt an Ort und Stelle, was Draco doch etwas schmunzeln ließ.
„Weiß nicht, mir war danach. Eigentlich weiß ich es schon, aber dazu später.“
Draco schnaubte belustigt. „Was jetzt. Weißt du es, oder weißt du es nicht?“
Harry ging nicht darauf ein, öffnete das Paket und holte eine Torte heraus. „Ich dachte mir, dass wir gleich hier und jetzt deinen Sieg feiern. Und zum Feiern gehört eine Torte. Ich wollte auch Butterbier zum Anstoßen hierher schmuggeln, aber … Butterbier und Torte passen nicht zusammen. Du … Du bekommst ja auch Tränke und so – ich will ja nicht für die Nebenwirkungen verantwortlich sein. Deshalb nur die Torte, ähm … Oh Gott.“ Harry ließ ergeben den Kopf nach vorne sinken.
Draco lachte los, ja er lachte aus vollem Halse. Harrys Verhalten war bezaubernd! Er war so verunsichert und so bemüht darum, es Draco recht zu machen! Wunderbar, Himmel, was für ein tolles Gefühl das doch war!
„Wieso lachst du?“, knurrte Harry dunkelrot im Gesicht zu ihm sehend.
Endlich beruhigte sich der Blonde wieder. „Du bist unglaublich, Potter! Eine Torte? Wahnsinn! Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass ich eine Torte gegessen habe. Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen. Schneidest du sie an – bitte?“
Da Draco einen sehnsüchtigen Blick bekam, war Harry beruhigt, zauberte ein Messer und zwei Teller herbei und schnitt sie in kleine Stücke.
„Schokotorte!“, freute sich Draco, sichtlich genoss er jeden Bissen. Harry aß etwas langsamer, denn er war damit beschäftig, Dracos Begeisterung in sich aufzusaugen.
„Ich hab noch was für dich“, schmatzte Harry. „Aber ich weiß nicht, ob ich mich damit lächerlich mache.“
„Noch was?“ Draco war ganz hibbelig. „Was denn? Gib es mir, ja?“
Harry zögerte noch, doch dann griff er in das Paket und holte ein A4-Heft hervor. Auf dem Einband stand Dracos Name.
Als wäre es sehr wertvoll, legte er es behutsam auf Dracos Schoß. „Bitte, lach nicht über mich, ja?“, bat er ihn leise.
Draco nickte nur, stellte den leeren Teller beiseite und nahm das Heft an sich. Die erste Seite wurde aufgeschlagen. Seite für Seite blätterte er durch, der Hals wurde ihm eng. Dass Harry nägelkauend neben ihm stand, registrierte er nicht, zu sehr vertiefte er sich in den Inhalt. Was er las, machte ihn sprachlos. Harry hatte anscheinend auch über ihn Artikel gesammelt, sie fein säuberlich ausgeschnitten, auf die jeweils linke Seite des Heftes geklebt und seine persönliche Anmerkung auf der rechten Seite vermerkt. Der erste Eintrag begann mit Dracos zwölftem Lebensjahr: Ab dem Moment, als sie sich kennen gelernt hatten.
In der Fortführung seines Lebens gab es aber eine Veränderung, die Draco natürlich auffiel. Während die Zeitungsausschnitte rarer wurden, vermehrten sich die handschriftlichen Einträge. Draco las tatsächlich ein Tagebuch - ein Tagebuch, das nur von ihm handelte. Umwerfend, einzigartig. Der ehemalige Slytherin las sein Leben aus der Sicht eines Anderen, und zwar aus der Sicht von Harry Potter!
„Ich gestehe, dass ich nach der Schule aufgehört hatte, darin zu schreiben“, flüsterte Harry in die Stille hinein. „Aber ich habe alles nachgeholt, was noch gefehlt hat, deshalb die fehlenden Zeitungsartikel. Ich habe bis gestern spät in die Nacht daran gesessen. Bitte, halte mich nicht für verrückt, okay? Ich … Ich weiß nicht, wieso ich über dich schreiben musste, aber es war mir einfach ein Bedürfnis, verstehst du? Du bist irgendwie mein Wegbegleiter. Ergibt das irgendeinen Sinn? Wenn du mich jetzt nicht mehr sehen willst, verstehe ich das. Ich …“
„Danke“, wisperte Draco ergriffen in Harrys Erklärung hinein. Das Heft zitterte in seinen Händen. Harrys niedergeschriebene Worte zeigten gnadenlos Dracos Fehler auf, aber das war nicht alles. Es stand Schwarz auf Weiß geschrieben, dass Harry auch positiv über ihn dachte, versucht hatte, sich in ihn hineinzuversetzen. Verdammt! Harry hatte so viel erkannt und aufgedeckt, was nicht einmal Dracos engsten Freunden gelungen war!
Zeugten jene Worte am Anfang des Heftes von Abweisung und Misstrauen, verschwand all das aus Harrys Niederschriften, je mehr Zeit vergangen war. Die Wende kam wohl mit Dracos damaligem Geständnis und dem darauf folgenden Krieg. Selbst nach der Schule hatte sich Harry Gedanken um ihn gemacht, sich gefragt, wie es Draco wohl ging und ob er immer noch ein ausgezeichneter Sucher war. Er beschrieb auch ihr erstes Match, das sie in ihren jetzigen Teams gegeneinander bestritten hatten.
„Den … Den Rest solltest du vielleicht lesen, wenn ich nicht hier bin“, setzte sich Harry mit dem Rücken zu Draco auf die Bettkante.
„Wieso?“, flüsterte der Blonde.
„Weil … Ich muss gehen“, wollte sich Harry wieder erheben.
„Nein! Bitte bleib“, hielt Draco ihn am Arm fest.
„Wenn du weiterliest, wirst du mich auslachen“, senkte Harry den Kopf.
„Potter …“
„Ich heiße Harry“, schnaufte der Schwarzhaarige.
Kurz war es still. „Okay, Harry. Sieh mich an.“
Harry tat ihm diesen Gefallen.
„Ich verspreche dir, nicht zu lachen oder mich über dich lustig zu machen. Ehrenwort.“ Draco hielt Harrys skeptischem Blick stand.
„Gut, ich riskiere es“, gab Harry nach, doch dann wandte er den Blick ab und betrachtete den Boden.
Draco las weiter. Ihm sprang regelrecht ins Auge, dass Harry sich um ihn sorgte, sich fragte, ob der Blonde auch Freunde hatte, die sich um ihn kümmerten. Harry wollte anscheinend nicht, dass Draco traurig war, er wollte ihn glücklich sehen.
„Wieso willst du mich glücklich sehen?“, fragte Draco nach einer Weile.
Harry antwortete nicht sofort. „Weil ich dein Lächeln mag und weil ich deine strahlenden Augen mag.“
Draco schaffte es nicht, ihm zu antworten, deshalb las er weiter. Die letzten Einträge handelten von den vergangenen Tagen, was Dracos Herzschlag beschleunigte. Es machte Harry wohl ziemlich zu schaffen, dass Draco nicht mehr auf sich achtete, abgenommen hatte und ungesund aussah.
Wo sind seine Freunde? Wieso sind sie nicht bei ihm? Er kommt mir so alleine vor. Niemand sollte alleine sein.
Wieso hat er mich so komisch angesehen, als ich mit Adam zu Abend gegessen habe? Ich wollte ihm nach, aber Adam hielt mich zurück. Tags drauf sah ich ihn wieder in der Winkelgasse. Aber anstatt zu mir zu kommen und mit mir zu sprechen, ist er einfach davongelaufen, er ist vor mir geflüchtet! Warum nur? Was habe ich ihm angetan? Welches Geheimnis trägt er mit sich herum? Es muss ein schlimmes sein, wenn er so sehr leidet. Wie kann ich ihm nur helfen? Will er denn meine Hilfe überhaupt?
Ich hab’s versucht, ehrlich, aber selbst bei der Meisterschaft ist er mir und meinen Fragen aus dem Weg gegangen. Er sieht so fertig aus, etwas quält ihn. Nein, ich glaube nicht, dass er mich wieder hasst oder nichts mehr mit mir zu tun haben will, aber was ist es dann?
Und dann der Schock! Er schnappt sich den Schnatz und wird von einem Klatscher getroffen! Für eine Sekunde dachte ich, er sei tot! Oh Merlin, ich habe gebetet, dass er es nicht ist! Wie hätte ich denn weiterleben sollen, wenn … Die Ärzte haben bestätigt, dass es ihm soweit gut geht, er nur eine Gehirnerschütterung hat – Gott, bin ich erleichtert! Von jetzt an weiche ich nicht mehr von seiner Seite, denn wenn er wach wird, möchte ich bei ihm sein.
Er ist aufgewacht und wir haben geredet. Ich weiß immer noch nicht, was ihn gequält hat, aber wenigstens verhält er sich wieder normal mir gegenüber. So wie immer. Das ist gut so. Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber ich glaube, er hat sich gefreut, mich zu sehen. Vielleicht weiß er es nicht, aber er ist mir wichtig. Er ist mein Freund, auch wenn ich nicht seiner bin.
Draco blinzelte, er schluckte mehrmals. „Ich bin dein Freund?“, krächzte er. Harry sah immer noch zu Boden, aber er nickte.
„Hör mal, Harry, du hast mir nichts angetan, okay? Ich kann dir jetzt noch nicht erzählen, was los ist, aber eines Tages werde ich es tun, versprochen. - Harry?“
Harry drehte sich ihm zu.
„Du bist mein Freund, und du bist mir ebenfalls wichtig. Es tut mir leid, dass du dir Sorgen gemacht hast“, erwiderte Draco in einen Anflug von Sentimentalität.
Dieses Geständnis hellte Harrys Gesicht auf. Er strahlte regelrecht! Draco war beeindruckt und seltsam berührt.
„Ähm, also hältst du mich nicht für verrückt?“, kratzte sich Harry verlegen im Genick. Eine Geste, die Draco schon so oft bei ihm gesehen hatte.
„Nicht verrückter als sonst“, grinste der Blonde schief. „Ich muss dir was gestehen.“
„Ja?“ Harry rutschte näher zu ihm. „Sag schon.“
Tief holte Draco Luft. „Ich habe ebenfalls Zeitungsartikel über dich gesammelt. Viele, sehr viele, um genau zu sein.“
Harry tat so, als wäre er überrascht. „Du hast was? Wieso denn?“
Draco biss sich auf die Unterlippe und spielte mit der Decke. Als aber Harry seine Hand auf seine unruhigen Finger legte, blickte er wieder hoch. „Ich sehe es genauso wie du, weißt du? Du bist mein Wegbegleiter. Das warst du schon, als ich dich das erste Mal gesehen habe. Danke, dass du mein Freund sein willst.“
Mit Harrys jetziger Reaktion hatte er nicht gerechnet. Denn Harry zog ihn behutsam an sich und umarmte ihn – es war das zweite Mal, seitdem sie sich kannten. Draco genoss die Umarmung, legte seine Arme um ihn und sog Harrys unverwechselbaren Geruch ein. Merlin, es fühlte sich so gut an! So nah! Diese Umarmung sollte aber nicht lange andauern.
„Ähm, beantwortest du mir noch eine Frage?“, sprach Harry ihn leise an, Draco nickte. „Wo sind deine Freunde?“
Draco fühlte sich ertappt. „Blaise und Kevin sind auf einer Weltreise. Kurz davor hatten wir uns wegen einer Belanglosigkeit gestritten. Ich denke, es ist ganz gut, wenn wir uns eine Zeit lang nicht sehen.“
„Wann kommen sie zurück?“, erkundigte sich Harry weiter.
„In einer Woche oder so, wieso?“
„Du solltest dann mit ihnen reden. Ich bin mir sicher, dass sie dich genauso sehr brauchen wie du sie.“
Draco dachte darüber nach. „Hoffentlich. Vielleicht aber auch nicht.“
„Blödsinn! Ganz sicher sogar. Vertrau darauf“, nickte Harry ihm aufmunternd zu.
Die Tür ging auf, herein kam eine Schwester. Sie lächelte den beiden freundlich zu und erkundigte sich sofort nach Dracos Wohlbefinden.
„Danke, mir geht es eigentlich gut“, antwortete er wahrheitsgemäß.
„Das ist wundervoll, Mister Malfoy. Bitte unterzeichnen Sie die Entlassungspapiere, in einer Stunde können Sie schon wieder nachhause gehen.“
„In Ordnung“, murmelte Draco und wartete, bis die Schwester sein Zimmer verlassen hatte.
Harry beobachtete ihn mit Argusaugen. „Stimmt was nicht?“
Draco seufzte. „Ich habe soeben beschlossen, Malfoy Manor zu verkaufen. Es ist so kalt, einsam und düster, ich will nicht mehr dorthin zurück“, gestand er ihm kleinlaut.
Plötzlich war Harry ganz aufgeregt, versuchte aber, es so gut wie möglich zu verbergen. „Auf die Gefahr hin, mich lächerlich zu machen: Was hältst du davon, wenn wir uns gemeinsam eine Wohnung kaufen? Wir gründen eine Wohngemeinschaft!“
Draco stand der Mund offen. „Eine WG? Aber du wohnst doch in einem Haus! Im Haus deiner Eltern, oder? Was ist daran verkehrt?“
Harry rutschte auf seinem Po hin und her. „Zu viele Erinnerungen, leider zu viele schlechte. Die Vergangenheit, die dort herrscht, hindert mich daran, Dinge loszulassen - was wichtig wäre, um meine Zukunft endlich leben zu können. Von Hermine und Ron weiß ich, dass sie ein neues Haus suchen, weil sie einen Tapetenwechsel wollen. Sie lieben mein Haus. Letztens haben wir darüber gesprochen. Sie wären begeistert, in mein Haus ziehen zu können.
Erinnerst du dich noch an den Tag, als wir uns in der Winkelgasse gesehen haben und du davongelaufen bist? Ja? Davor war ich bei einem Makler, der mir eine wunderschöne, helle Wohnung direkt am Ende der Winkelgasse gezeigt hat. Ich würde sie sofort kaufen, aber für mich alleine ist sie zu groß. Ron und Hermine haben vorgeschlagen, dass ich einen Mitbewohner suchen soll. Zuerst dachte ich ja an Adam, aber …“ Harry verzog sein Gesicht. „Der passt nicht in diese Wohnung und ich will ihn auch nicht dort haben. Aber ich glaube, dir würde sie gefallen. Ich hätte dich gerne als meinen Mitbewohner. Was sagst du dazu?“
„Potter! Ist das dein verdammter Ernst?“, keuchte Draco auf.
„Und ob, Malfoy. Was ist, steigst du ein? Die Wohnung hat zwei Stockwerke. Wir könnten sie so einrichten, dass du oben wohnst und ich unten. So hat jeder seinen Freiraum. Also? Das Angebot steht!“
Draco fehlte zwar die Sprache, aber er nickte wie wild. Und ob er wollte! Ein neues Leben mit Harry als Freund in einer neuen, freundlichen Wohnung!
„Spitze!“, lachte Harry los. „Pass auf. In einer Stunde reisen wir zum Makler. Er wird uns die Wohnung noch einmal zeigen. Wenn sie dir gefällt, unterschreiben wir und ziehen sofort um. Wir könnten dem Makler auch gleich sagen, dass er dein Haus verkaufen soll. Wir müssten uns nur noch einig werden, wer zuerst übersiedelt. - Nein, weißt du was? Zuerst räumen wir Malfoy Manor aus und dann mein Haus, einverstanden?“
Der Blonde war immer noch sprachlos, aber er schüttelte über so viel Elan und Vorfreude amüsiert den Kopf.
„Noch ein Stück Torte?“, hielt Harry ihm nuschelnd einen vollen Teller unter die Nase.
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So lebendig wie jetzt hatte sich Draco noch nie gefühlt! Als er die Wohnung zum ersten Mal sah, war er hin und weg. Er überschlug sich vor lauter Eifer, was den Makler sehr freute. Zudem sprudelten die Ideen, wie man die Wohnung einrichten könnte, nur so aus Harry und ihm heraus! Harry und Draco waren sich einig, was beide selbst ein wenig verwunderte. Der Makler schrieb alles haargenau mit, erstellte Pläne und versicherte den beiden, dass am nächsten Tag das gesamte Mobiliar vorhanden sein würde.
Dann ging es ans Umziehen. Wie abgesprochen besuchten sie zuerst Malfoy Manor, wobei Draco nicht darum herum kam, Harry auch sein Geheimzimmer zu zeigen. Er hatte zwar etwas Bammel vor Harrys Reaktion, wollte aber unbedingt mit offenen Karten spielen. Harry sah sich neugierig um. Aber er verurteilte Draco nicht. Stattdessen fragte er: „Willst du das alles mitnehmen? Platz genug hätten wir ja für ein neues Geheimzimmer.“
„Du … Du hast nichts dagegen?“, wunderte sich Draco, Harry verneinte mit einem Schmunzeln.
Als nächstes ging es in Dracos Schlafzimmer, denn Harry wollte es unbedingt sehen. Er setzte sich auf das Bett und ließ sogleich verlautbaren, dass ihre neuen Betten um einiges besser wären als dieses hier – Draco lachte.
Da beide begabte Zauberer waren, dauerte es nicht lange, bis alles verkleinert in Kisten verstaut war. Dann wurde alles mittels Flohnetzwerk in die neue Wohnung transportiert. Anschließend ließ Draco sein altes Heim für immer hinter sich, den Rest würde der Makler erledigen.
Nun kam Harrys Haus an die Reihe. Draco verstand, weshalb Harry ausziehen wollte, denn die Erinnerungen an seine verstorbenen Eltern würden ihn sonst nie loslassen. Eigentlich war das Haus wunderschön, aber Harry konnte beruhigt sein, da Hermine und Ron hier einziehen würden.
Innerhalb eines Tages war das Haus bezugsbereit, während die neue Wohnung mit Harrys und Dracos Sachen vollgeräumt wurde. Zu guter Letzt fehlte noch die Bezahlung. Die beiden jungen Männer zuckten nicht einmal mit der Wimper, als der Makler seinen stolzen Preis verlangte, denn beide besaßen genügend Geld.
Dann endlich war es soweit! Die Wohnung gehörte ihnen! Zauberstäbe wurden gezückt, persönliche Sachen wirbelten durch die Luft und an die vorhergesehenen Stellen. Die Schränke füllten sich von selbst, Bettüberzüge zogen sich sie wie von Geisterhand über Kissen und Decken. Pinsel malten helle Farben an die Wände, Fenster öffneten sich und Leben zog in die Wohnung ein.
Völlig erschöpft ließen sich Harry und Draco Stunden später in die Kissen der neuen Couch fallen. „Wie geil! Hier lässt es sich aushalten!“, streckte Draco alle Viere von sich.
„Du sagst es!“, lachte Harry glücklich los. So, wie die Wohnung nun eingerichtet war, gefiel sie ihm noch besser! Vielleicht würde es mit Draco als Mitbewohner nicht immer einfach werden, aber Harry wollte niemand anderes als ihn um sich haben.
„Weißt du was?“, drehte Draco seinen Kopf, um Harry ansehen zu können. „Wir haben die Aussicht noch nicht bewundert.“
„Genau!“ Harry stand auf und begab sich zu eines der Fenster. Von dort aus sah man direkt in die Winkelstraße, in der reges Leben herrschte. Draco gesellte sich zu ihm. „Wahnsinn, eine tolle Aussicht“, grinste er.
Harry nickte. „H-hm.“
„Hey! Siehst du die Bank dort unten?“, zeigte Draco darauf.
„Ja, was ist mit ihr?“
„Dort sitzt eine alte Frau. Letztens hat sie sich genau auf dieser Bank zu mir gesetzt. Es war schön, sich mit ihr zu unterhalten.“
„Möchtest du zu ihr und hallo sagen?“, wandte sich Harry an seinen neuen Mitbewohner.
„Aber nur, wenn du mitkommst. Sie ist … okay“, zuckte Draco mit den Schultern.
Harry überlegte nicht lange. „Gut, abgemacht, gehen wir zu ihr. – Sag, was hältst du davon, wenn wir auch Freunde empfangen? Wir haben bisher noch nicht darüber geredet.“
Draco rümpfte seine Nase. „Du meinst doch nicht die Weasleys, oder?“
„Doch, genau die. Hast du ein Problem damit?“
„Nein. So lange sie keines mit mir haben?“, sah Draco ihn mit hochgezogener Augenbraue an. „Immerhin sind ausgerechnet wir beide zusammengezogen. Weasley wird ausflippen.“
Harry zuckte die Schultern. „Und wenn schon. Ich kann mit wem auch immer zusammenziehen. Und ich habe mich für dich entschieden, das müssen sie akzeptieren. Wie sieht es mit Zabini und Leary aus? Wie werden sie wohl reagieren?“
„Die werden nichts dagegen haben“, grinste Draco nun. „Denn sie können dich leiden.“
„Ehrlich?“ Harry war wirklich überrascht.
„Ja. Ich denke, es ist an der Zeit, dass ihr euch besser kennen lernt.“ Draco grinste breit, zwinkerte Harry zu und setzte sich in Bewegung. Dadurch entging ihm doch glatt Harrys verdutztes Gesicht und das zarte Rot auf seinen Wangen.
Draco konnte es nicht mit Bestimmtheit sagen, aber er hatte so im Gefühl, dass Harrys Augen seine Kehrseite sehr gewissenhaft musterten. Seine Gedanken für lächerlich befindend schüttelte Draco seinen Kopf, öffnete das Haustor und wartete auf Harry. Gemeinsam schlenderten sie zur gegenüber liegenden Seite der Winkelgasse und ließen dabei die alte Frau nicht aus den Augen.
„Hallo“, grüßte Draco sie freundlich, als er direkt vor ihr stand. Die alte Frau kniff die Augen zusammen, murmelte ein „sofort“ und kramte in ihrer kleinen, ausgebeulten Tasche herum. Sichtlich erleichtert, dass sie ihre Brille gefunden hatte, klappte sie die Bügel auf und setzte sie sich auf ihre Nase.
„Ah!“, blinzelte sie. „Wie schön, dass wir uns wieder begegnen! Welch eine Freude!“
„Ganz meinerseits“, erwiderte Draco charmant.
„Sie sehen sehr erholt aus, junger Mann“, merkte sie zufrieden an.
„Danke“, lächelte der Blonde. „Bei unserem letzten Treffen hatte ich etwas vergessen.“
„Ja? Was denn?“ Die alte Dame verbarg ihre Neugierde nicht.
„Mich vorzustellen. Mein Name ist Draco Malfoy, und das hier neben mir ist Harry Potter, mein neuer Mitbewohner.“
Das Großmütterchen bekam große Augen. „Nein, welch ein Zufall!“, lachte sie begeistert. „Ihre Namen sind mir nicht unbekannt! Na – Harry Potter kennt wohl ein jeder, nicht wahr? Eduard, mein Enkel, erzählt sehr viel von Ihnen!“
„Eduard?“, runzelte Draco die Stirn. Doch nicht etwa …? „Eduard Grimes?“
„Ja“, wirkte die alte Dame sehr zufrieden. „Ich heiße Emilia Grimes, aber alle Welt nennt mich Tante Milli. Das habe ich wohl meinem Enkel zu verdanken, aber mir gefällt dieser Spitzname.“
„Ja, das ist wirklich ein Zufall“, grinste Harry sie an.
„Nun, Tante Milli, wie war Ihr … Date?“, fragte Draco höflich nach.
Milli schmunzelte, ihr Gesicht drückte Sehnsucht aus. „Es war wie immer wunderschön“, begann sie zu erzählen. „Mein geliebter Mann war bereits zu Lebzeiten ein ausgezeichneter Zuhörer, was er jetzt immer noch ist. Ich besuche ihn jeden Tag.“
Draco verlor sein Lächeln, denn er konnte sich schon denken, was Tante Milli damit sagen wollte: Ihr Mann war tot. „Oh, das tut mir leid“, murmelte er.
„Aber nicht doch“, winkte Tante Milli ab. „Ich bin nicht mehr traurig. Immerhin werden wir uns eines Tages wiedersehen, aber bis dahin genieße ich mein Leben.“
„Apropos genießen“, klinkte sich Harry wieder in die Unterhaltung ein. „Hätten Sie Lust, mit uns in unserer neuen Wohnung einen heißen Kaffee zu trinken? Wir sind eben gerade eingezogen und würden uns sehr freuen, wenn Sie uns Gesellschaft leisten würden.“
„Ja, das ist eine ausgezeichnete Idee. Dann könnten wir uns auch ein wenig über Eduard unterhalten“, stimmte Draco ihm zu.
„Oh, wie lieb von Ihnen!“, war Tante Milli sichtlich gerührt. „Ich frage mich nur, ob ich nicht Ihre kostbare Zeit vergeuden würde?“
„Wie bitte? Nein! Wo denken Sie hin! Würden wir Sie nicht einladen wollen, hätten wir Sie nicht gefragt“, beeilte sich Draco, ihr zu versichern.
Milli seufzte selig, ihre Augen schimmerten. „Es wäre mir ein Vergnügen, mit zwei so jungen hübschen Männern Kaffee trinken zu dürfen.“
Harry kicherte, während Draco rötlich um die Nase wurde. Seine Verlegenheit dauerte nicht lange an, denn er hielt ihr galant den Arm entgegen, damit Tante Milli leichter aufstehen konnte – heute hatte sie nämlich ihren Gehstock vergessen. Eduards Großmutter nahm dankend an und schlenderte stolz und hoch erhobenen Hauptes mit den beiden jungen Männern zu deren neuer Wohnung.
°
Nicht einmal zwei Tage später sollte Harrys Mannschaft ein weiteres Match bestreiten. Um auch ja ihr Bestes geben zu können, war es nötig, dass Harry keine einzige Trainingseinheit verpasste. Draco durfte beim Training nicht dabei sein, was nur allzu verständlich war. Immerhin spielte er in einem anderen Team.
In seiner Freizeit versuchte Draco, sich so gut wie möglich abzulenken, was leider nicht immer so einfach war. Von der gesehenen Zukunft immer noch beeinträchtigt bangte er in jeder Sekunde um Harrys Leben. Nervös und mit den Nerven am Ende tigerte er in der neuen Wohnung auf und ab, lief die Stufen in den zweiten Stock hoch und runter und begann schließlich zu fluchen, weil er sich einfach nur lächerlich verhielt. Zu dumm, dass man Befürchtungen nicht abstellen konnte! Vielleicht half ein Spaziergang durch die Winkelgasse? Wie sich herausstellte, leider nur bedingt.
Sich in Meditation versuchend saß er mit geschlossenen Augen auf der Couch und lauschte dem Ticken der Standuhr. Draco traute sich nicht hinzusehen, denn die Angst, dass die verabredete Zeit bereits verstrichen war, war viel zu groß.
Endlich! Die Tür wurde geöffnet! „Draco?“
Mit der Meditation war es vorbei, ein riesiger Stein fiel Draco vom Herzen. Am liebsten wäre er aufgesprungen und Harry entgegen gelaufen, aber das Zittern seines Körpers hielt ihn in seiner jetzigen Position gefangen.
Harry brachte den Korridor hinter sich, betrat das Wohnzimmer und kam geradewegs auf Draco zu. Sorge stand in seinem Gesicht geschrieben. „Draco? Was hast du denn? Geht es dir nicht gut? Du bist so blass im Gesicht.“
Draco wollte etwas sagen, aber er bekam kein einziges Wort heraus.
„Warte, ich hole die Tränke!“, sauste Harry davon. Nur wenige Minuten später kam er zurück, die Hälfte der Fläschchen fiel ihm aus den Händen und landete auf dem weichen Teppich, der direkt vor der Couch ausgebreitet lag.
„Welchen brauchst du denn? Hat das der Arzt gesagt? Na komm schon, hilf mir! Ich weiß doch nicht, was dir fehlt!“, war Harry sichtlich verzweifelt. Draco, der immer noch kein Wort hervorbrachte, griff endlich nach der richtigen Phiole, entkorkte sie und stürzte den Inhalt regelrecht hinunter. Endlich begann sein Körper, sich zu entspannen, auch fand Draco seine Stimme wieder. Aber wie sollte er Harry erklären, was in ihm vorging? Seine Reaktion hatte ihn doch selbst überrascht!
„Draco?“ Harry ging vor den Blonden in die Hocke, legte seine Hände auf dessen Knien ab und blickte ihm besorgt ins Gesicht. „Du … warst wie erstarrt, als hättest du dich vor irgendetwas gefürchtet. Kann es sein, dass es mit dem zusammenhängt, was du mir nicht sagen kannst?“
„Ja“, seufzte Draco leise, aber Harrys eindringlichem Blick konnte er nicht mehr standhalten.
„Ich wünschte, du würdest mir endlich erzählen, was dich quält. Weißt du, ich werde das Gefühl nicht los, dass es sehr wohl etwas mit mir zu tun hat“, flüsterte Harry nachdenklich.
„Irgendwann, Harry, okay? Aber nicht jetzt“, wich der Blonde ihm aus. „Schön, dass du wieder zuhause bist. Ich hau mich eine halbe Stunde aufs Ohr, wenn du nichts dagegen hast.“
„Nein, hab ich nicht“, murmelte der Schwarzhaarige irritiert.
Draco stand auf, ging um Harry herum und verschwand in den Flur, um über die Treppen nach oben in sein Reich zu gelangen. Harry indes blickte ihm nach, die Sorge um Draco wurde von Minute zu Minute größer.
TBC …
Hallo meine Süßen!
Und? Was haltet ihr davon? Gibt es noch Fragen? Könnt ihr euch in Draco hineinversetzen? Eure Gedanken zu dieser Geschichte, im Speziellen auch zu diesem Kapitel, *lach* würden mich sehr interessieren! *breit grins*
Vielen lieben Dank für eure zahlreichen Kommis! Meinen Senf dazu habt ihr ja schon bekommen. ^_^
Ich knutsch euch, wünsche euch ein tolles Wochenende und würde mich freuen, euch wieder zu lesen!
Eure für immer, gugi!
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