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von Caro3    erstellt: 08.10.2009    letztes Update: 09.10.2009    Geschichte, Abenteuer / P16 Slash    (fertiggestellt)
So treffen wir uns da


Copyright:Die Geschichte ist frei erfunden, aber die Charaktere Xena, Gabrielle, Eve, Virgil und Meg sind urheberrechtlich geschützt (ich konnte mich übrigens nicht dazu durchringen, die deutsche Verstümmelung des Namens von Xenas Sidekick zu übernehmen; für mich bleibt sie Gabrielle). Sie gehören Studio USA/Universal & Renaissance Pictures. Die Götter hingegen gehören nur sich selbst. Eine Urheberrechtsverletzung ist in keinem Falle beabsichtigt. Somit wäre das Rechtliche erledigt.

Paar:Xena/Gabrielle.Die Geschichte ist kitschig, aber ich habe beschlossen, dass das der Serie immanent ist und irgendwann aufgehört, es vermeiden zu wollen.

Danke:

An meine Freunde die mich zum schreiben ermutigt haben.Hintergrund:Die Geschichte spielt nach dem Abschluss der Serie. Es wird nicht vorausgesetzt, die Serie in und auswendig zu kennen aber ein paar Grundlagen sollten vorhanden sein. Das Lesen ist einfach zu langweilig, wenn man keine Beziehung zu den Charakteren hat. Für diejenigen, die das Ende nicht kennen: Xena stirbt in der letzten Folge „A Friend in Need“, weil sie mit ihrem Tod 40.000 Seelen aus der Verdammnis retten kann. Nun ist Xena nicht das erste Mal in der Serie gestorben und bisher haben sie und Gabrielle immer einen Weg gefunden, wieder beieinander zu sein. Wird es ein weiteres Mal gelingen? - Okay, rhetorische Frage. Aber es wird nicht einfach. Viel Spass beim lesen!
Für Reviews bin ich wie immer dankbar.

FÜR DIE HERBSTFERIEN





1. Kapitel


Fest umschlossen die Hände der jungen Frau an der Reling das Gefäß in ihren Händen. Ihre blonden Haare setzten sich auffällig ab von dem schwarzen Haupthaar der japanischen Schiffsbesatzung, die sich nun, da am Horizont Land in Sicht war, aufgeregt am Bug versammelte. Über dem Wasser wehte nur ein leichter Wind und so näherte sich das Schiff recht gemächlich dem griechischen Festland.

Schon bald waren aus der Ferne Kinder und Frauen am Ufer zu erkennen. Die Abendsonne spiegelte sich in ihren Gesichtern und tauchte den Strand in warmes Licht. Doch anders als sonst hatte die Reisende keinen Blick für die Schönheiten ihrer Heimat, ihr Blick war auf den Strand gerichtet. Dort saß, etwas abseits von einer Gruppe spielender Halbwüchsiger, ein junger Mann in einer Düne. Auf seinem Schoß lag eine Pergamentrolle, die er zusammenrollte, als er das Schiff erblickte. Er sprang auf und winkte der Besatzung.

„Gabrielle!“

"Virgil! "Die Angerufene beugte sich über die Reling.

Sie hob ebenfalls den Arm und winkte in Richtung Ufer. Wie gut tat es, endlich wieder ein vertrautes Gesicht zu sehen. Gabrielle rief erneut seinen Namen, doch die Antwort des Freundes ging unter in den Rufen der Matrosen, die sich gegenseitig Befehle erteilten, während das Schiff direkten Kurs auf den Thebener Hafen nahm. Den Blick zum Wasser gerichtet, lief Virgil den Strand entlang und blieb dann direkt an der Anlegestelle stehen. Er winkte wieder und sprang unruhig auf dem Steg hin und her.

Gabrielle blinzelte, als die Tränen in ihren Augen Virgils Gestalt verschwimmen ließen und ihn eins werden ließen mit dem Hafen. Xena, sieh doch, Virgil ist hier! Ich kann nicht glauben, dass er hier auf uns gewartet hat!

Wenige Augenblicke später fing Virgil die Schiffstaue der Matrosen auf und befestigte sie am Steg. Eifrig streckte er Gabrielle seine Hand entgegen. „Wo ist Xena?“

Gabrielle setzte einen unsicheren Schritt auf die Balken des Stegs. Sie konnte ihn nur erahnen unter ihren Füßen. Die Zeit, als sie noch die Kraft und den Willen aufgebracht hatte, die Tränen aus ihrem Gesicht zu wischen, war lange vergangen. Nur undeutlich nahm sie wahr, wie Virgil auf das schwarze Gefäß in ihren Händen starrte und taumelte.

Seinen fassungslosen Blick auf sich fühlend, fragte sie sich, wo die körperliche Erschütterung blieb, die sie bei ihrer Ankunft erwartet hatte. Sie blieb aus. Zu erschöpft waren Körper und Seele von der langen Reise, von den Strapazen der letzten Wochen, und vom nächtelangen Weinen unten in der Koje des Schiffes. Der Zusammenbruch stand noch aus, noch war es nicht Zeit. Zunächst musste Xenas Asche nach Amphipolis gebracht werden, zum Grab ihrer Mutter und ihres Bruders Lyceus. Erst dann durfte die Welt zu Ende sein.

„Was ist passiert?“ Virgil griff haltsuchend nach einem Stegpfosten. Seine Finger umklammerten das spröde Holz, als seine Augen im Gesicht seiner Freundin forschten. Er bekam keine Antwort. „Herzlich willkommen daheim“, sagte er leise und wandte seinen Blick von ihrem Gesicht. Sein Arm zitterte leicht, als er ihn um Gabrielles Schultern legte.

„Bitte nicht, Virgil.“

Er wich zurück und beeilte sich, Gabrielles Gepäck aufzuheben. Viel war es nicht, eine Tasche, in der Virgil Xenas Kleidung vermutete, und ein Rucksack, gefüllt mit einer Schlafdecke, verschiedenen Kochutensilien und einige offenbar zu lange aufbewahrten Nahrungsmitteln, wie an ihrem Geruch unschwer zu erkennen war. Virgil war im Begriff, den Rucksack zu öffnen, da fiel sein Blick auf Gabrielles Rücken. „Heiliger Zeus! Was ist das?!“

Virgil streckte die Hand nach dem Tattoo aus, aber der offensichtliche Schmerz im Gesicht der Freundin ließ ihn in seiner Bewegung innehalten, ohne den Drachen berührt zu haben. Was immer es damit auf sich hatte, Gabrielle würde es ihm erzählen, wenn sie bereit war. „Lass’ uns gehen. Ich habe drei Pferde vor der Stadt stehen.“

Gabrielle sah ihn erstaunt an. „Wie lange wartest du schon hier?“

Er machte eine abwehrende Handbewegung. „Ich habe die Tage nicht gezählt. Ich hatte früher mit euch gerechnet, aber das Warten verging schnell, ich habe geschrieben.“ Er lächelte verlegen und deutete er auf die Schriftrollen, die aus seinem Rucksack ragten.

„Darf ich es irgendwann mal lesen?“ Gabrielle fuhr mit dem Finger über das Pergament. Wie lange war es her, dass sie das letzte Mal eine Feder in der Hand gehalten hatte. Xena, hättest du gedacht, dass aus Virgil mal ein richtiger Barde wird? Joxer wäre so stolz auf ihn.

„Du wirst die erste sein“, versprach Virgil stolz.

Eine ganze Weile gingen die beiden wortlos nebeneinander her, bis Virgil schließlich hinter einer Hauswand abbog. Der Weg wurde schmaler, der Abstand der Häuser zueinander größer. Endlich gelangten sie an den Stall, in dem Virgil seine Pferde untergebracht hatte. Er steuerte auf eine Box ganz am Rande des Stalles zu und drückte Gabrielle die Zügel einer weißen Stute in die Hand. „Das ist Lila. Ich bin sicher, ihr werdet euch mögen. Ich habe sie selbst für dich zugeritten.“

„Hallo Lila.“ Gabrielle flüsterte leise Komplimente in das Ohr ihres Pferdes und strich vorsichtig mit dem Handrücken über den Hals des Tieres. Es wieherte zufrieden, als sie aufstieg und ihre Fersen in die Flanken des Tieres drückte.

* * *


Der Weg war lang und beschwerlich, doch Gabrielle ließ sich nicht anmerken, wie sehr ihr die Mittagshitze zu schaffen machte. Jedes Angebot Virgils nach einer kurzen Rast lehnte sie ab. Zu groß war ihre Angst, die Kraft würde sie endgültig verlassen, wenn sie erst einmal zur Ruhe kam.

„Virgil, wie geht es Argo?“

„Sie frisst nicht so gut. Es ist offensichtlich, dass ihr ihr fehlt.“

„Ich wüsste keinen, bei dem Argo besser aufgehoben wäre als bei dir.“

„Willst du sie mitnehmen nach Amphipolis?“ Virgils deutete mit den Augen auf die Urne in Gabrielles Arm.„Ich wäre dir dankbar, wenn du Argo bei dir behieltest. Ich weiß, dass sie es gut bei dir hat. Ich…“ Gabrielle verstummte und zurrte die Zügel in ihren Händen fester. Ihr graute vor dem Wiedersehen mit Xenas Pferd. Sie fürchtete sich vor seinem vertrauten Geruch und vor den vergangenen Bildern, die unvermeidlich auftauchen würden.

Innerlich verfluchte sie ihre Gedanken. Xena würde nicht wollen, dass sie mit dieser Einstellung durch die Welt zog. Doch wo waren die Entschlossenheit und die Tapferkeit hin, die sie in Japan noch bis zur heiligen Quelle des Berges Fuji geführt hatten? All ihr Mut hatte sie nun verlassen und Angst war an seine Stelle getreten. Angst vor allem Vertrauten, vor allem, in dem ein Wir auftauchen könnte. Angst vor den Nächten und vor den Tagen, vor den Menschen und vor dem Alleinsein. Gabrielle fürchtete sich davor, nach Amphipolis zu kommen und noch viel mehr vor dem, was danach kam.

Noch konnte sie der alles verschlingenden Traurigkeit keinen Raum geben. Sterben war einfacher gewesen als dieses hier. Sterben war viel, viel zu einfach. Sie trug die gefährlichste Waffe Griechenlands an ihrem Gürtel. Ein einfacher Schnitt und…

„Möchtest du, dass ich dich nach Amphipolis begleite?“ fiel Virgil in ihre Gedanken.

„Du bist ein wahrer Freund.“ Gabrielle lächelte ihn dankbar an. „Wie dein Vater“, fügte sie leise hinzu. „Ich schätze dein Angebot sehr, aber ich hoffe, du verstehst, dass ich diesen Weg allein gehen muss.“

„Dann komm’ wenigstens ein paar Tage zur Ruhe. Sieh’, es ist jetzt nicht mehr weit.“ Er deutete auf eine Gruppe Häuser, die am Fuße der Gebirgskette vor ihnen zu erkennen waren. „Alle Pferde auf unserer Koppel habe ich selbst zugeritten. Wir könnten morgen einen Ausritt in die Berge machen und…“

„Ich will nicht zur Ruhe kommen, Virgil.“

„Gabrielle, du siehst aus, als ob du jeden Moment umfällst. Du musst dich ausruhen.“

„Virgil…“

„Als dein Freund befehle ich dir…“

„Schon gut. Ich bleibe eine Nacht, okay?“

„Gut.“ Virgil nickte zufrieden. Er zweifelte sehr daran, dass Gabrielle in ihrem Zustand überhaupt bis nach Amphipolis kommen würde.

Statt eines weiteren Kommentars drückte Gabrielle die Urne in ihrem Arm fester an sich. Es wäre vernünftiger und bequemer, sie in ihrer Satteltasche zu transportieren, aber Gabrielle wurde unruhig, sobald sie das Gefäß nicht mehr in ihren Händen fühlte.

Virgil unterdrückte ein Seufzen. Er hätte Gabrielle so gern noch ein paar Tage bei sich gehabt. Er hatte aus seinen Gefühlen für sie nie ein Geheimnis gemacht, aber sie hatte sein Werben stets beharrlich abgewehrt. Es hatte einige Zeit gedauert, bis er verstand, wie tief das Band zwischen ihr und Xena war. Selbst über den Tod hinaus würde sie ihr gehören. Ihm blieb nichts anderes übrig, als ihr ein guter Freund zu sein und schwermütige Poesie über eine schöne Amazonenkönigin zu verfassen. Unwillkürlich griff seine Hand nach den Schriftrollen in seinem Rucksack. Irgendwann würde er sie Gabrielle zu lesen geben.

Das Wiehern seines Pferdes riss ihn aus seinen Gedanken, und er ritt näher an seine schweigsame Weggefährtin heran. „Meg wird sich freuen, dich zu sehen.“

* * *


Wenig später saßen die Freunde am Feuer in Virgils kleinem Häuschen. Meg war gleich mit einem großen Topf Bohnensuppe herübergekommen und noch an der Türschwelle hatte Virgil seine Mutter angehalten, keinen Kommentar zu Xenas Abwesenheit abzugeben und Gabrielle keine Fragen zu stellen. Nun war Feinfühligkeit noch nie Megs Sache gewesen, aber sie gab sich alle Mühe, Gabrielle nicht mit neugierigen Fragen zu bedrängen. Sie begnügte sich damit, theatralisch die Augen zu verdrehen über Gabrielles mangelnden Appetit. Wie jemand, der so dünn war wie Gabrielle, nur eine Tasse Tee trinken und ihre köstliche Suppe ablehnen konnte, war ihr ein Rätsel.

Obwohl von lieben Menschen umgeben, hielt Gabrielle die Gesellschaft nicht lange aus. Sie erhob sich zeitig und ließ sich von Virgil ins Gästezimmer begleiten.

„Möchtest du ein anderes Zimmer?“ erkundigte er sich, die Augen auf die beiden Betten im Gästezimmer gerichtet.

Gabrielle schüttelte den Kopf. „Es wäre mir lieb, wenn du mich jetzt allein lassen würdest.“

„Natürlich.“ Virgil nahm eine zweite Decke aus dem Schrank und legte sie auf das Bett. „Es wird kalt werden.“ Er gab ihr einen Kuss auf die Wange und drehte sich zur Tür. „Gute Nacht, Gabrielle.“

Sobald Virgil die Tür hinter sich geschlossen hatte, ließ sich Gabrielle auf das frisch bezogene Bett fallen. Wie oft hatten sie und Xena in diesem Zimmer übernachtet, wenn sie auf dem Weg nach Athen gewesen waren. Gabrielle griff nach Virgils Decke und presste sie gegen ihr Gesicht. Die letzten Wochen auf dem Schiff waren einfacher gewesen. Sie hatte mit niemandem reden müssen, auf niemanden reagieren müssen. Und hier… Obwohl Virgil so verständnisvoll war und selbst Meg sich zurückhielt, war die Situation unerträglich. Alles war zu viel. Gabrielle fühlte sich zu müde zum Atmen.

Ihr Körper schmerzte, sehnte sich nach Berührung, nach der Wärme, die von dem Menschen ausgegangen war, der ihr alles bedeutete. Warum habe ich dich nicht zurückgehalten? Warum?! Es war so alles schnell gegangen, keine Möglichkeit, sich zu besinnen oder bedacht zu handeln. Niemals würde sie noch einmal zulassen, dass Xena sie einfach verließ. Sie hätte Xenas Asche in die heilige Quelle ergießen sollen, noch ehe die sich versah, und Xenas Bitten einfach in den Wind schlagen sollen.

Ich habe deine Bitte akzeptiert, weil ich nicht egoistisch sein wollte, meine Wünsche nicht über deine stellen wollte. Aber jetzt fühlt sich alles falsch an. Gabrielle ballte die Fäuste über der Decke. Warum hast du so schnell resigniert? Warum hast du nicht gekämpft? ’Es gibt immer eine Wahl.’ Das sind deine Worte. Deine Worte.

Es konnte nur der Schock gewesen sein, sich für den Tod so vieler Menschen verantwortlich zu fühlen. Verglichen mit den letzten Malen im Jenseits, wo Xena buchstäblich Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hatte, um bei ihr zu sein, hatte sie sich jetzt geradezu begierig in den Tod gestürzt. War es Akemi gewesen? Wollte sie bei Akemi sein? Der Gedanke fiel schwer in Gabrielles Magengrube. Bedeutete ihr Akemi mehr als sie? War es das, warum Xena ihr nie von ihr erzählt hatte? Aber hätte Xena gegenüber Akemi Gabrielle als ihre Seelenverwandte vorgestellt, wenn ihr die Japanerin mehr bedeutete?

Seufzend legte sie die Decke zur Seite und tauchte ihre Hände in die Wasserschüssel auf dem Nachtisch. Das Wasser kühlte ihre erhitzte Stirn, vermochte jedoch nicht die brennenden Fragen in ihrem Kopf zu vertreiben. Wozu erfanden die Götter das Konzept der Seelenverwandtschaft, wenn sie trennten, was zusammengehört? Etwas war hier falsch. Grundlegend falsch. Xenas Entschlossenheit, sich bedingungslos für das Gute einzusetzen, ihre Sehnsucht nach Erlösung von der Schuld vergangener Tage hatten sie direkt in den Tod geführt. Erlösung durch den Tod? Welche Götter konnten das wollen?

Xena?

Fast glaubte sie, die Stimme der Freundin antworten zu hören. Aber es war nur der Wind, der klappernd über die alten Fenster des Hauses strich. „Ich werde immer bei dir sein“, hatte Xena versprochen, über den Tod hinaus.

Gabrielle ließ sich zurück auf das Bett fallen und schloss die Augen. Ein Hauch von Leder und Seife drang in ihre Nase. Ein herb-süßlicher Duft, nur schwach, aber so vertraut. Draußen klirrten Fensterscheiben und es klang wie Xenas Schwerthiebe, wenn Metall auf Metall schlug. Ein Vogel zwitscherte eine Melodie immer wieder von vorn und Gabrielle bildete sich ein, es sei der leise Gesang ihrer Partnerin, wenn sie sie in den Armen hielt.

Gute Nacht, Xena.
 
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