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von MadamePomfrey    erstellt: 30.09.2009    letztes Update: 26.02.2012    Geschichte, Fantasy, Romanze / P16    (fertiggestellt)
Ihre Reise in die Wohnung ihres Vaters war wirklich eine merkwürdige Angelegenheit. Er zauberte ihr Gepäck ins Nichts, versicherte ihr aber, dass es später in seiner Wohnung sein würde und hielt ihr dann seinen Arm hin.
„Halte dich bitte daran fest, so fest du kannst.“
Sie sah ihn aus großen Augen an und er erklärte ihr, was er vorhatte.
„Ich werde jetzt mit dir disapparieren. Das bedeutet, ich verschwinde von diesem Ort und appariere an einen anderen.“
„So wie Teleportation?“
Er nickte und sie schluckte aufgeregt.
Dann griff sie zu seinem Arm, drückte sich schutzsuchend an ihn, kniff die Augen zusammen und nickte. Er machte einen Schritt vorwärts und dann hörte sie nur noch ein leises Ploppen, bevor sie das Gefühl hatte, durch einen engen Schlauch gedrückt zu werden. Ihre Augen wurden in den Schädel gepresst und der Druck ließ ihre Ohren schmerzen.
Dann war alles wieder vorbei und sie schlug die Augen auf. Sie stand in einem Wohnzimmer, das rundum mit Bücherregalen, die prall gefüllt waren, bestückt war. Sonst standen hier nur noch ein kleines, abgewetztes Sofa, ein alter Sessel und ein Couchtisch neben dem Kamin. Severus sah sie ein wenig verlegen an und murmelte:
„Das ist meine Wohnung...“
„Voll abgefahren!“
Er sah sie erstaunt an, doch ihr gefiel das Wohnzimmer wirklich. Sie schlenderte gleich zu den Bücherregalen und besah sich deren Inhalt.
„Werde ich dieses Apparieren auch lernen?“
Er beobachtete sie, wie sie durch sein Wohnzimmer strich, wie eine Katze in einer neuen Umgebung, die ihr Revier begutachtete.
„Ja, mit sechzehn, damit du die Prüfung zu deiner Volljährigkeit ablegen kannst.“
„So wie ein Führerschein, mmh?“
„So ungefähr. Aber auch da gibt es Regeln.“
„Welche denn?“
„Zum Beispiel apparieren wir nicht einfach so in die Wohnungen fremder Zauberer, denn das wäre...“
„... wirklich unhöflich. Verstehe.“
Er nickte und deutete auf eine von zwei Türen zu seiner Rechten.
„Hinter der linken Tür ist dein Zimmer.“
Sie sah ihn überrascht an und ging dann zu der Tür. Dahinter war ein kleiner Raum, der mit ihren Möbeln vollgestopft war. Es sah gemütlich aus, auch wenn es kein Fenster hatte. Doch Kerzen schwebten unter der Decke, die sich sofort entzündeten, wenn man die Tür öffnete.
Sie drehte sich zu Severus um, der sie immer noch ein wenig nervös ansah. Sie kam lächelnd auf ihn zu und umarmte ihn kurz.
„Mir gefällt's hier, keine Sorge, Sev.“
Er hob, angesichts des Spitznamens, eine Braue, doch er war auch beruhigt, dass sie es nicht schlimm bei ihm fand.

In den nächsten Tagen lernte sie viel.
Jeden Morgen, nach dem Frühstück, begann ihr Vater mit dem Unterricht. Sie lernte die Grundtechniken, die Basis, der Magie, lernte die verschiedenen Dinge aus den ersten drei Schuljahren, bis zum Mittagessen. Nach dem Mittagessen kam Zaubertränke an die Reihe und sie stellte erfreut fest, dass dies ihr Lieblingsfach war. Sie hatte einiges Talent dafür und sie sah durchaus den Stolz in Severus' Augen. Nach dem Tränkebrauen war Geschichte an der Reihe und dann sollte sie noch einige Bücher lesen, die sie meistens lange wach hielten.
An einem Abend kam Severus in ihr Zimmer und sah, dass sie beim Lesen eingeschlafen war. Er lächelte leicht, nahm das Buch vom Bett und deckte sie zu. Sie gab sich wirklich Mühe und nicht nur, weil sie ihm eine Freude machen und gefallen wollte, sondern auch, weil es ihr Spaß machte und sie es wirklich wollte.
Das freute ihn sehr.
An einem Abend erzählte er ihr einiges über die Politik der Zauberer. Sie hatten sogar ein eigenes Ministerium, was Joey wirklich beeindruckte. Dann berichtete er vom Gefängnis, Askaban, das auf einer Insel mitten in der Nordsee war. So kamen sie schließlich auf ein unheimliches Kapitel: Die Dementoren. Er sah ihr an, dass sie so viel Angst vor den Gestalten hatte, dass sie kaum den Anblick in einem Buch ertragen konnte.
„Kann man die sich nicht mit einem Zauber vom Hals halten?“
Er sah sie überrascht an und nickte schließlich.
„Doch kann man. Mit dem Patronus.“
„Was?“
„Dem Patronuszauber. Er erschafft einen Schutzgeist, der aus Hoffnung und anderen positiven Gefühlen besteht. Da der Damentor diese eigentlich aufsaugt, ist er das Einzige, was sie verscheuchen kann. Außerdem können Zauberer, wenn sie den Zauber gut beherrschen, über die Patroni kommunizieren.“
„Cool! Kann ich das auch lernen?“
Er sah sie zweifelnd an.
„Es ist ein sehr schwerer Zauber...“
„Ach, komm schon! Ich kann den Expelliarmus und den Protego schon ungesagt! So schwer kann das nicht sein.“
Er seufzte und nickte schließlich. Joey hatte viel Talent als Hexe. Wahrscheinlich lag es daran, dass sie so spät entdeckt worden war und sich die Magie nun in ihr gebündelt hatte. Er legte das Buch über magische Geschöpfe beiseite und setzte sich ihr gegenüber.
„Gut. Schließe nun die Augen. Denke an das, was dich am aller glücklichsten und fröhlichsten macht. Halte diesen Gedanken und dieses Gefühl fest und dann sage: 'Expecto Patronum'.“
Sie nickte und schloss die Augen. Sie suchte lange nach einem Gefühl, das dem am nächsten kam, was ihr Vater beschrieben hatte. Sie dachte an ihre Mum, ihre Freunde und auch an ihn, denn sie begann ihn wirklich gern zu haben.
Dann hob sie den Zauberstab und rief:
Expecto Patronum!“
Sie öffnete die Augen und sah, wie aus der Spitze ihres Zauberstabes ein silbernes Licht heraus brach. Es leuchtete hell, waberte um sie herum, wie ein glänzender Nebel und verschwand dann wieder. Sie sah Severus fragend an, der beeindruckt eine Braue hob.
„Das war schon sehr, sehr gut. Die Wenigsten schaffen es beim ersten Mal.“
„Das ist ein Patronus?“
Er schmunzelte leicht.
„Nicht ganz. Ein Patronus nimmt für gewöhnlich die Gestalt eines Tieres an. Sieh her.“
Er hob den Zauberstab und sagte:
Expecto Patronum.“
Aus seiner Spitze brach eine Hirschkuh, die aus dem selben silbernen Licht von eben zu bestehen schien. Sie sah Joey mit ihren runden, tiefen Augen an und verschwand dann recht schnell.
„Wow!“
„Das nehme ich als ein Kompliment.“
„Das war es auch.“

Es war kurz vor Weihnachten, als Severus eine ihrer Lernstunden unterbrach und sie vorsichtig ansah.
„Josephine?“
Sie sah von den Büchern und Pergamenten auf.
„Ja?“
„Ich bin morgen bei einer befreundeten Familie eingeladen.“
Sie nickte und erwartete jetzt die übliche Ansage von Eltern, die weg fuhren: Keine Partys, kein Ärger, keine Kinder und keine Klagen. Sie sollte lernen und genug zum essen war im Kühlschrank. Doch es kam anders:
„Und ich möchte, dass du mich begleitest.“
Sie riss die Augen auf und fragte:
„Sind es Zauberer?“
Er schmunzelte leicht. Er wusste, dass es Josephine sehr danach verlangte, echte Zauberer zu treffen. Sie wollte sehen, wie diese lebten.
„Ja. Deswegen muss ich einige Regeln mit dir durchgehen.“
Sie nickte, legte die Schreibfeder beiseite und sah ihn an.
„Zunächst einmal ist es eine sehr vornehme Familie. Ich hoffe du bist mit den normalen Verhaltensformen und Etikette vertraut.“
Sie nickte possierlich, um ihm zu zeigen, dass sie es konnte, und sagte in einem höflichen, liebenswerten Ton:
„Ja, Sir.“
Er schmunzelte wieder und nickte erfreut.
„Gut. Dann noch etwas. Diese Familie ist, nun ja, ein wenig eigen. Wenn sie dich nach deinen Eltern fragen, wirst du sagen, dass sie beide gestorben sind und beide Zauberer waren.“
Sie hob eine Braue.
„Aber...“
„Kein 'aber'. Ich erkläre dir ein anderes Mal, wieso es wichtig ist, dass niemand weiß, dass du meine Tochter bist.“
Sie nickte eingeschüchtert und er redete weiter.
Sie sollte sich nicht erschrecken, denn die Familie besaß 'Hauselfen'. Es waren kleine, elfenartige Wesen, die Zauberern dienten und sich durch das Haus apparierten. Sie sollte sich nicht erschrecken, wenn eines der Wesen plötzlich im Raum erschien. Dann erklärte er ihr vorsichtig, dass die Hausherren ein wenig snobistisch waren und recht oberflächlich. Doch das schreckte sie weniger ab, als die Tatsache, dass sie nicht sagen durfte, wer sie war.
Er sah ihren Unmut und interpretierte ihn als Angst, Angst davor sich zu blamieren oder etwas falsches zu sagen oder sich extrem zu langweilen. Er sah sie an und legte ihr leicht eine Hand auf die Schulter.
„Keine Sorge, es wird dir schon gefallen. Sie haben einen Sohn in deinem Alter.“
Nun sah sie auf und er bemerkte, dass ihr Unmut schwand. Sie war neugierig darauf, einen Jugendlichen zu treffen, der aus einer ganz anderen Welt stammte, als sie. Aus einer Welt, zu der sie bald ebenfalls gehören würde.
„Nun zu etwas anderem.“
Sie wurde wieder aufmerksam und sah ihn an.
„Hast du ein Kleid? Oder etwas, was du zu, sagen wir, schickeren Anlässen getragen hast?“
Sie hob eine Braue, weil er wegen der Frage ein wenig rot wurde, doch dann kicherte sie und nickte.
„Keine Sorge, Sev. Ich werde mich schon vernünftig anziehen.“
Er nickte und sie grinste weiter.
Er mochte es meistens nicht, wie sie sich anzog. Nicht nur, dass es natürlich Muggelkleidung war, sie war auch ganz und gar nicht nach seinem Geschmack. Gut, sie war oft schwarz, doch das war schon alles. Sonst sahen sie ihm zu knapp, eng oder zu gebraucht aus, obwohl der 'used-look' total angesagt war. Ihr Makeup empfand er ebenfalls als ein wenig zu düster und ihren kleinen, silbernen Nasenring, wollte er ihr am liebsten aus der Nase hexen. Sie war eben ein wenig anders, als normale Mädchen.

Am Abend, bevor sie ins Bett ging, zeigte sie sich noch einmal im Wohnzimmer.
Sie trug ein Kleid, ohne Träger oder Ärmel, nur vor ihrer Brust geschnürt, aber mit einem Halteband, das in ihrem Nacken gebunden wurde. Es saß luftig um ihre Figur und es war schwarz, hatte einen silbernen Ring zwischen ihren Brüsten, im Stoff eingearbeitet. Dazu trug sie einfache, schwarze Ballerinas. Er hob eine Braue und erkannte, mit einem leichten Stich in der Brust, dass seine Tochter schon beinahe eine Frau war und eine schöne noch dazu. Er hatte viel verpasst.
„Geht das?“
„Wenn du diesen schrecklichen Nasenring rausnimmst, ja.“
„Und das Makeup sollte wohl auch dezenter sein?“
Er nickte nur und sie drehte sich einmal und lachte.
„Du siehst bezaubernd aus, Josephine.“
Sie lächelte geschmeichelt und liebevoll und sagte leise:
„Danke, Sev.“
Dann verschwand sie eilig wieder in ihrem Zimmer und er sah ihr einen Augenblick sprachlos nach.

Sie apparierten vor ein schmiedeeisernes Tor, hinter dem ein Kiesweg lag, der glücklicherweise vom Schnee geräumt war. Joey fror in ihrem Kleid und zog sich den Poncho, den sie dazu trug, enger um ihre Schultern. Ihr Vater berührte nur leicht das Tor und schon erklang eine Stimme:
„Wer ist da?“
„Severus Snape und sein Mündel Josephine Powell. Wir wurden eingeladen.“
Das Tor öffnete sich und sie gingen den Kiesweg hinauf. Joey sah sich währenddessen beeindruckt um. Der 'Vorgarten' ähnelte eher dem Prunkgarten eines Schlosses. Auf dem Rasen standen große Büsche, zu geometrischen Figuren geschoren und adrett angeordnet.
Sie gingen auf ein großes, weißes Haus zu, an dessen Front einen Treppe hinauf zur Haustür führte, die man zu beiden Seiten betreten konnte. Das Vordach wurde von mächtigen Säulen gehalten, an denen Efeuranken empor wuchsen. In Joeys Augen war das nicht nur ein Haus, es war ein kleines Schloss. Ein wenig ängstlich sah sie zu Severus hinauf, doch dieser lächelte leicht und sagte beruhigend:
„Keine Sorge.“
Sie nickte, holte tief Luft und trat mutig, neben ihrem Vater, vor die Haustür, die sofort geöffnet wurde. Eine kleine Gestalt stand dort, sah sie aus großen, runden Augen an und bat sie mit piepsiger Stimme hinein. Severus trat ein und Joey folgte ihm, saugte alles, was sie sah, mit ihren Augen auf.
Die Eingangshalle hatte einen Fußboden mit Schachbrettmuster und war riesig groß. Eine einmalige Treppe, wie aus 'Vom Winde verweht', führte in die oberen Stockwerke. An den weißen Wänden hingen Gemälde, die sich tatsächlich bewegten, wie es alle Bilder aus der magischen Welt taten, wie sie wusste. Von der Decke hing ein großer Kerzenleuchter, der aussah, als könnte er einen Elefanten zertrümmern. Er war wunderschön, aus durchsichtigen Kristall und echten Kerzen.
Die Elfe nahm ihr den Poncho ab und dann Severus' Umhang. An einem Spiegel kontrollierte sie noch einmal eilig ihr langes Haar, das sie zu weichen Wellen gelegt hatte und ihr Makeup, das so dezent war, dass selbst Severus zufrieden gewesen war. Dann führte sie die Elfe in den Salon. Die Wände waren mit dunklem Holz, bis zur Mitte hinauf, vertäfelt und darüber dunkelrot gestrichen. Überall standen bequeme Sessel, kleine Tische und an den Wänden Vitrinen und Regale. Vor dem Kamin stand ein Sofa, auf dem ein Paar saß, das sich bis eben leise unterhalten hatte und nun, da die Gäste angekommen waren, aufstand und lächelnd auf sie zu kam.
Joey fiel zunächst der Mann ins Auge und sie musste sagen, er war ihr auf den ersten Blick sofort unsympathisch. Sein Lächeln war gespielt und falsch und erstreckte sich nicht auf seine grauen Augen, die sie weiterhin kalt und abschätzen ansahen. Er war elegant gekleidet, wie ihr Vater, allerdings in dunkelgrün. Er hatte langes, seidiges Haar, in einem so hellen Blond, dass graue Strähnen kaum auffallen würden. Er hatte einen Stock in der Hand und sie dachte sich, dass er ihn sicher nur als Accessoire trug und sicher nicht, weil er ihn zum Gehen brauchte.
Die Frau jedoch fand sie sehr nett und vor allem sehr schön. Sie war groß und schlank, wie ein Modell, und hatte ebenfalls blondes Haar, das sie zu einem eleganten Knoten im Nacken gebunden hatte. Sie trug ein grünes Cocktailkleid und passende Pumps. Sie war zuerst bei Joey und lächelte sie freundlich an, während sie ihr die Hand hinhielt.
„Guten Tag, Josephine. Es ist schön dich kennenzulernen. Severus hat uns schon so viel von dir erzählt.“
Josephine knickste leicht und schüttelte dann die Hand der Frau.
„Ich freue mich auch, Mrs. Malfoy. Es ist sehr freundlich von ihnen, dass sie mich ebenfalls eingeladen haben.“
Die Frau lächelte erfreut und sah Severus an, während sie ihn mit einem Kuss auf die Wange begrüßte.
„Oh, Severus! Sie ist bezaubernd!“
Joey wurde rot, doch dann schnell wieder blass, denn nun begrüßte Mr. Malfoy sie. Er gab ihr ebenfalls die Hand und sah sie eingehend von oben, bis unten an.
„Sehr erfreut, Josephine. Ich hoffe deine Studien gehen voran?“
Sie nickte ernst.
„Ja, Sir. Ich mache, laut Professor Snape, große Fortschritte.“
„Schön zu hören.“
„Sollen wir ins Wohnzimmer gehen? Dort erwartet uns der Tee.“
Alle nickten zustimmend und folgten Mrs. Malfoy in das Wohnzimmer, das eine grüne Wand, anstelle einer roten, hatte und generell in diesem Farbton gehalten wurde. Es gab eine verglaste Front, die auf eine pompöse Terrasse hinaus führte, von der man einen beeindruckenden Ausblick über den 'Hintergarten' hatte, der eher einem Park glich. Sie setzten sich auf eine Gruppe von kleinen Sesseln, die um einen Tisch herum standen, wo Teetassen, eine Kanne und Zucker – und Milchgeschirr standen. Auf den Tellern waren Kekse und Scones und das Geschirr war aus einem feinen, chinesischen Porzellan.
Joey wurde, von Mrs. Malfoy, auf das einzige Sofa platziert, der Platz neben ihr blieb frei. Dann sah sie sich zungenschnalzend um und fragte nervös:
„Wo bleibt der Junge denn?“
Ihr Mann runzelte ebenfalls die Stirn, nahm eine kleine Silberglocke zur Hand und klingelte damit. Sofort erschien eine Elfe, die sich verbeugte und leise fragte:
„Sir?“
Er sah sie böse an und fragte, mit seiner überheblichen und kalten Stimme:
„Wo ist Draco?“
„Ich werde den jungen Master sofort benachrichtigen.“
Er nickte und mit einem leisen Knall verschwand die Elfe. Einen Augenblick herrschte Schweigen, bis Mrs. Malfoy sich Joey zuwandte und fragte:
„Josephine? Wie kommst du dazu, bei diesem Griesgram zu wohnen?“
Joey räusperte sich und während Severus sich mit Mr. Malfoy unterhielt, sprach sie mit Mrs. Malfoy, was ihr auch viel besser gefiel. Zum Glück hatten Severus und sie sich vorher eine Geschichte überlegt, sonst wäre sie spätestens jetzt in ziemliche Verlegenheit geraten.
„Ich wurde bisher privat unterrichtet, bis meine Eltern einem Unfall zum Opfer fielen. Nun muss ich in Hogwarts eingeschult werden, in die vierte Klasse, und Professor Snape hilft mir, den Stoff auf die selbe Stufe zu bringen.“
„Mein herzlichstes Beileid. Es muss schwer sein, als so junges Mädchen, ohne Familie dazustehen.“
Josephine musste eilig einen Schluck Tee nehmen, damit ihr keine Tränen in die Augen stiegen und nickte, als sie die Tasse abstellte.
„Ja. Es ist hart. Doch mein Vater sagte immer, dass es die harten Zeiten sind, die uns stärken und unseren Charakter formen.“
Mrs. Malfoy sah sie mitfühlend an. Dieses mutige und ernste Mädchen rührte ihr Herz. Sie legte ihr eine schmale Hand auf ihr Knie und sagte leise:
„Wenn du etwas brauchst, lass es mich wissen. Es wäre mir eine Freude, dir zu helfen.“
Joey wurde rot, doch sie nickte.
„Vielen Dank, Mrs. Malfoy.“
Die schöne Frau lächelte nickend und dann ertönte die kalte Stimme ihres Mannes:
„Ah! Da bist du ja, Draco! Was hat dich aufgehalten?“
Joey sah auf und betrachtete den Jungen, der nun neben seinen Vater trat und ihn hochmütig ansah.
„Die Hausaufgaben, Vater. Entschuldige bitte.“
Er reichte Severus vertraut die Hand und trat dann auf Joey zu.
Er hatte ebenso blondes Haar, wie seine Eltern, allerdings kurz geschnitten und verwegen ins Gesicht gekämmt. Seine Augen waren dunkelgrau, wie Stahl und wirkten verschlossen. Sein Mund wirkte irgendwie sehr sensibel, doch das energisch hervor gestreckte Kinn verschleierte es ein wenig. Sein Gesicht war als Kind sicher spitz gewesen, doch es machte bereits eine Veränderung durch und wurde immer markanter. Er war blass, wie Joey ebenfalls, und trug einen teuer aussehenden, gutsitzenden Anzug in grau, darunter ein schwarzes Hemd und eine schwarze Krawatte.
„Draco, dass ist Josephine Powell. Josephine, das ist unser Sohn.“
Josephine nickte und sie schüttelten sich die Hände. Sie zuckte ein wenig zusammen, denn sein Griff war fest, seine Hände, bis auf ein paar Schwielen an den Innenseiten, weich, aber kalt.
„Nett, dich kennenzulernen.“
Er nickte und sie sah ein eigenartiges Glimmen in seinen Augen. Seine Stimme war dunkel und rau.
„Es ist mir eine Ehre.“
Sie hob nur eine Braue und er setzte sich neben sie.

Die Erwachsenen unterhielten sich über Themen, die Erwachsene anscheinend wahnsinnig spannend fanden: Politik, Wirtschaft und den neusten Klatsch von anderen Erwachsenen, die sie kannten.
Joey knabberte an einem Keks, saß aufrecht, aber entspannt, auf der Couch und versuchte zwanghaft nicht einzuschlafen. Offensichtlich bemerkte Mrs. Malfoy, dass ihr langweilig war, denn sie lächelte sie plötzlich an und sah dann zu ihrem Sohn.
„Draco, wieso zeigst du unserem Gast nicht das Haus oder den Garten?“
Draco wurde ganz kurz rosa, doch dann nickte er und stand auf. Er warf Joey einen fragenden Blick zu und diese nickte verwirrt.
„Oh, ja...“
Sie stand auf und zusammen verließen sie den Raum und gingen in die Eingangshalle.
„Was möchtest du sehen?“
Joey sah ihn an und stammelte:
„Ähm, ich würde gerne raus gehen, wenn es ok ist?“
Er zuckte mit den Schultern und ging zu einem Wandschrank, wo sein Mantel hing. Die Elfe erschien in der Halle und sah Joey fragend an.
„Wünschen Miss ihren Poncho?“
Joey kniete sich nieder und sah die Elfe freundlich und lächelnd an.
„Gerne.“
„Moment!“
Die Elfe und Joey wandten sich an Draco und Joey wurde unter seinem stechenden und fragenden Blick ein wenig rot.
„Du hast nur einen Poncho dabei?“
Sie erhob sich und sah ihn verwirrt an.
„Äh, ja. Wieso?“
„Es ist kalt draußen.“
Sie hob eine Braue.
„Erstens sind wir hierher appariert. Und zweitens passt zu diesem Kleid nun wirklich keine Jacke.“
Er sah sie von oben nach unten einmal an und sie wurde verlegen, blieb jedoch ernst.
„Da hast du recht. Komm her.“
Sie kam zögerlich näher und er holte aus dem Wandschrank einen Tweedmantel in schwarz heraus. Er hielt ihn ihr hin und sie schlüpfte hinein. Er war ihr ein wenig zu groß, allerdings nicht übermäßig, also nahm sie an, dass es sein Mantel war. Dann reichte er ihr noch einen Schal. Er war grün und grau gestreift und hatte an einem Ende ein Wappen eingestickt. Eine silberne Schlange auf grünem Grund, mit einem Banner darunter, auf dem 'Slytherin' stand. Sie sah ihn verwundert an.
„Ist das dein Schulschal?“
„Ja.“
Sie nickte und schlang ihn sich um den Hals. Er war also in Slytherin.
Zusammen gingen sie nach draußen, in den von Schnee bedeckten Garten und sie staunte über seine Höflichkeit. Erst hielt er ihr die Tür auf und reichte ihr dann den Arm, damit sie sich unterhaken konnte. Er half ihr über Schneewehen hinweg und deutete auf interessante Pflanzen, Büsche und Bäume in ihrem Garten.
Alles lief gut, bisher...

Sie wanderten über das Anwesen und schwiegen. Joey wusste einfach nicht worüber sie sich mit diesem Typen unterhalten sollte, denn er stammte aus einer ganz anderen Welt und er hatte sicher keine Ahnung von der Musik, die sie hörte, den Events, Pubs oder Leuten, die sie kannte, geschwiegen denn von Filmen oder Serien, die sie mochte.
Draco spürte, dass sie sich leicht unwohl fühlte, weil sie nicht wusste worüber sie mit ihm reden sollte. Er hatte zumindest so viel Anstand und gute Erziehung genossen, dass er es übernehmen sollte. Außerdem war er ja auch der Gastgeber.
„So. Du wirst also nächstes Jahr Hogwarts besuchen?“
„Ja. Ich komme gleich in die vierte Klasse. Das ist schon ein wenig aufregend.“
Er schmunzelte leicht, was sie nicht sah, denn sie starrte fasziniert und entzückt auf einen ihrer Gartenteiche.
„Denke ich mir. Wie alt bist du denn, wenn ich fragen darf?“
„Ich bin im Herbst vierzehn geworden, und du?“
„Ich im Sommer.“
Sie nickte und zusammen gingen sie weiter.
„Du wurdest privat unterrichtet? Wie ist das denn jetzt, mit dem Schulstoff aus Hogwarts?“
Sie lächelte leicht und erzählte ihm, dass sie bis zum nächsten Sommer Zeit hatte, aufzuholen. Sie hatte ja, angeblich, schon jahrelangen Unterricht erhalten und so musste sie ja, angeblich, nicht viel aufholen, um auf dem selben Stand zu sein, wie die 'normalen' Viertklässler.
Doch dann sah sie ihn aus glühenden Augen an und er zuckte ein wenig zurück. Hier draußen im Schnee leuchteten ihre Augen noch viel mehr, als sie es drinnen bereits getan hatten. Sie waren eisblau und sehr ungewöhnlich, doch sehr faszinierend.
„Wie ist es so in Hogwarts? Ich möchte alles wissen!“
Er schmunzelte nun direkt und sie bemerkte, mit einem leichten Flattern im Magen, dass es wirklich gut aussah, wenn er nur in den Mundwinkeln lächelte und seine Augen so blitzten.
„Es ist sehr schön dort. Das Schloss ist unglaublich beeindruckend und das Land darum herum atemberaubend. Es liegt direkt an einem großen See, auf einer Klippe und in dieser Klippe ist eine Grotte, durch die die Erstklässler ins Schloss kommen. Wir haben den 'Verbotenen Wald' in der Nähe und sind umringt von den Bergen.“
„Es ist im Norden oder? Irgendwo in Schottland?“
„Ja, in der Grenzgegend.“
Sie nickte und hörte sich fasziniert die Geschichten von dem Hogwarts Express und den vielen Räumlichkeiten des Schlosses an.
„Und wie sieht's aus mit den verschiedenen Häusern?“
Nun wurde sein Gesicht wieder merkwürdig verschlossen.
„Nun, Slytherin ist natürlich mit Abstand das beste Haus.“
Sie hob freundlich eine Braue.
„Du sagst das, weil es dein Haus ist, oder?“
Er sah sie an und sie zuckte zusammen. Sein Gesichtsausdruck war nicht freundlich oder zu Scherzen aufgelegt. Es war ernst und grimmig.
„Nein! Es ist so, weil wir nur reinblütige Zauberer aufnehmen. Bei uns zählt es wenigstens noch, wenn man aus gutem Hause kommt.“
„Aber...“
Er ließ sich nicht unterbrechen.
„Mit Ravenclaw könnte ich mich noch abfinden. Dort sind wenigstens die, die nützlich werden könnten, durch ihr Wissen. Aber in Hufflepuff sind nur Versager und in Gryffindor die ganzen Schlammblüter und Muggelliebhaber!“
Sie riss die Augen erschrocken auf und spürte, dass auch in der Zaubererwelt, in der sie sonst so viel Toleranz und Vielfalt erlebt hatte, etwas nicht stimmte. Auch hier gab es etwas, was mit Rassismus vergleichbar war. Deswegen sah sie ihn böse an und fauchte:
„Alle bösen Magier waren in Slytherin!“
Er zuckte mit den Achseln.
„Und? Das zeigt doch nur unsere Qualität. Wozu die schwarze Magie verachten, wenn sie nützlich sein kann?“
„Du willst damit sagen, dass Voldemort...“
„Sag diesen Namen nicht! Nicht hier!“
Sie trat näher und fauchte leise:
„Die schwarze Magie ist verachtenswert! Ebenso wie die, die sie ausleben und ausüben! 'Der dunkle Lord', wenn du ihn so nennen willst, ist in meinen Augen nichts weiter, als ein armer Irrer.“
Draco sah sie wütend an und schnappte:
„Was weißt du schon? Du erlebst es ja nicht, in deinem sicheren Zuhause und...“
„Ich bin eine von euch! Ich gehöre, als Hexe, in diese Gesellschaft und deswegen darf ich mir auch eine Meinung anmaßen!“
Er hob abfällig eine Braue und sagte schlicht:
„Du wirst schon sehen, wenn du nach Hogwarts kommst, dass es Unterschiede gibt. Einige Familien, einige Zauberer, sind eben besser als die anderen...“,
eilig unterbrach sie ihn:
„... und du gehörst sicher nicht zu diesen Menschen.“
Dann drehte sie sich auf ihren Absätzen um und stapfte zu dem Haus zurück.

Als Joey wieder in das Wohnzimmer trat, standen die Erwachsenen bereits und Mrs. Malfoy kam ihr entgegen.
„Da seid ihr ja! Wir wollten gerade zum Abendessen gehen.“
Joey nickte und murmelte, dass Draco wohl nachkommen würde. Sie folgte den anderen in ein großes Esszimmer und nahm, gegenüber von ihrem Vater, Platz. Neben ihr blieb, zu ihrem Unmut, der Stuhl frei und Mrs. Malfoy nahm dem leeren Stuhl gegenüber Platz. Mr. Malfoy saß natürlich am Kopf des Tisches.
„Und, Josephine? Wie hat es dir gefallen?“
Joey wandte sich lächelnd am Mrs. Malfoy.
„Sehr gut. Sie haben ein wundervolles Anwesen, Mrs. Malfoy.“
„Vielen Dank!“
In dem Moment kam Draco herein, einen mehr als sauertöpfischen Gesichtsausdruck im Gepäck. Doch seine Mutter grinste.
„Ich hoffe Draco hat sich benommen?“
Während Joey ihre Servierte auseinander faltete und sich auf den Schoß legte, sagte sie leicht ironisch:
„Oh ja. Der perfekte Gentleman. Und so ehrlich...“
Draco wurde rot, doch seine Mutter schien die Ironie nicht bemerkt zu haben, denn sie nickte erfreut und läutete mit einer Glocke, damit der erste Gang gebracht wurde.

Als sie am späten Abend wieder zu Hause waren, saßen sie noch eine Weile zusammen auf dem Sofa und Severus nahm die Gelegenheit wahr, seine Tochter auf den vergangenen Nachmittag anzusprechen.
„Nun? Was ist zwischen dir und Draco passiert?“
Sie sah ihn verwirrt an.
„Was meinst du?“
Er schmunzelte leicht.
„Ich sage nur, wenn Blicke töten würden, würdest du Draco nächstes Jahr nicht in der Schule begegnen.“
Sie verschränkte die Arme vor der Brust und knurrte:
„Das wäre mir ganz recht...“
Er hob nur eine Braue und sie berichtete ihm von ihrem 'aufschlussreichen' Gespräch mit Draco. Als sie fertig, seufzte er und sah sie ernst an.
„Ich glaube, jetzt ist es an der Zeit mit dir ein wichtiges Thema zu besprechen.“
Sie sah ihn ängstlich an, doch er begann ohne Umschweife.
„Du hast von Lord Voldemort in deinen Büchern gelesen?“
„Ja. Er ist vor zwölf Jahren gefallen. Wegen Harry Potter.“
Snape nickte.
„Das ist aber nicht alles, oder?“
„Nein.“
Er war wirklich furchtbar ernst und sie bekam nun wirklich Angst.
„Was ist los?“
Er sah ihr direkt in die Augen und sagte schlicht:
„Voldemort ist nicht tot. Er ist noch irgendwo dort draußen.“
Sie wurde blass wie eine Wand und ihre Augen wurden immer größer, als er davon berichtete, was Professor Dumbledore, der Schulleiter von Hogwarts und ewiger Widersacher Voldemorts, darüber dachte. Joey erschauerte und sah ihn panisch an.
„Das heißt, wenn er wieder kommt, musst du wieder als Spion arbeiten?“
Er nickte.
„Deswegen soll niemand wissen, dass ich deine Tochter bin?“
„Zumindest nicht die Malfoys.“
„Wieso nicht?“
„Sie waren einmal, beziehungsweise Lucius war ein großer Anhänger Voldemorts. Draco... nun, er ist kein schlechter Junge. Er ist eben leicht manipulierbar.“
„Und ein arrogantes Arschloch.“
Snape lachte auf und sah Joey ernst an.
„Josephine, hör mir zu. Es gibt Menschen, die stehen auf der guten Seite, egal was ist. Zu einigen dieser Menschen kannst du immer Vertrauen haben und zu mir natürlich auch.“
Sie sah betreten zu Boden und flüsterte:
„Aber du warst einmal ein Todesser...“
„Ja, das stimmt.“
Er stand auf und sah aus dem Fenster hinaus, die Arme hinterm Rücken verschränkt.
„Ich war jung und dumm. Enttäuscht von meinem Leben und ohne Ziele oder Hoffnungen. Ich bin einfach in diese Szene rein gerutscht...“
Joey sah ihn fasziniert an. Er hatte noch nie aus seinem Leben berichtet und sie hörte ihm gespannt zu. Sie konnte es verstehen, viele junge Menschen machten dumme Dinge: Rassismus, Diebstahl, Verbrechen und Drogen und, wie sie von ihrer Mutter wusste, auch Prostitution.
„Ich habe mit angesehen, welche Verbrechen Voldemort begangen hatte und hatte Angst. Ich war zu tief drinnen, als das ich hätte aussteigen können, er hätte mich getötet, einfach so. Doch dann... dann hat er jemanden getötet, den ich sehr geliebt habe.“
„Wen...?“
Er ließ sie nicht fragen, sondern sprach weiter.
„Danach war ich bei Dumbledore und habe um Verzeihung gebeten. Ich habe ihm alles gesagt, was ich wusste, habe mich ihm dargeboten und mir wurde verziehen.“
„Und die Malfoys?“
Er drehte sich nun wieder zu ihr um.
„Ich denke Narzissa hatte nie wirklich etwas damit zu tun. Doch Lucius ist ein angesehener Mann, reich und mit viel Einfluss. Er hat einfach behauptet unter dem Imperiusfluch zu stehen, hat einige 'Spenden' an das Ministerium gemacht und war dann ein freier Mann, wie viele andere auch.“
„Und Draco?“
Snape schnalzte mit der Zunge.
„Draco war damals, als Voldemort verschwunden war, gerade ein Baby. Er hätte, wenn er damals gelebt hätte, nie auf der Dunklen Seite gestanden. Ich will nicht sagen, er wäre zu feige, doch er ist... nun, er würde diesen schmalen Grad nie übertreten, zwischen dem Denken und den Handeln.“
Joey seufzte.
„Das Denken ist häufig ebenso schlimm, wie das Handeln.“
Severus nickte. Seine Tochter war ab und an wirklich sehr weise, doch vor allem war sie sehr moralisch. Auch sie würde sich nie auf die Dunkle Seite schlagen.
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