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1. Kapitel
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| von MagicSunny erstellt: 27.09.2009 letztes Update: 03.10.2009 Allgemein / P16 Slash (fertiggestellt) | 4 Reviews |
Gefunden
1.Kapitel
Das seidene Nachtkleid umspielte ihre Oberschenkel, strich bei jedem Schritt zart über die rosige Haut. Glinda hatte sich seit einer vollen Stunde, vielleicht waren es auch nur dreißig Minuten gewesen, fortwährend von der einen auf die andere Seite gedreht, versucht irgendeine bequeme Position auf dem weichen, großen Bett zu finden - ohne Erfolg. Sie hatte herbeigesehnt, dass sie Schlaf finden würde, doch wie so oft blieb ihr dieser verwehrt. Wie so oft in den letzten Monaten. Mit langsamen, graziösen Bewegungen ging sie nun hinüber zum bodentiefen Fenster, das einen weitläufigen Blick auf die Smaragdstadt preisgab. Sie war im Palast des wundervollen Zauberers von Oz; sie war Glinda die Gute, Liebling des Volkes. Aber nicht der Liebling ihrer Liebe, wie sie sich zum wiederholten Male schmerzlich eingestand. Von keinem der beiden Menschen, die ihr Herz so hartnäckig umklammert hielten, dass es ihr die Tränen in die Augen trieb.
Sie sah aus dem Fenster. Die Hauptstadt lag in ihr allwährendes grünes Licht getaucht vor ihr, jedoch waren die Dächer der Häuser und die Straßen, abgesehen von den großen Verkehrsstraßen, die täglich von einer Vielzahl Kutschen befahren wurden, vom ersten Schnee des Jahres bedeckt. Schon seit geraumer Zeit war es im gesamten Land eisigkalt geworden, aber der Schneefall hatte erst in dieser Woche eingesetzt. Auch jetzt schneite es, die Flocken fielen tänzelnd hinab, ihre jeweilige Einzigartigkeit im Dunkel der Nacht nicht zu erkennen.
Während sie so hinaus sah, schlang sie sich die Arme um den Oberkörper und versuchte nicht dem Drang zu weinen nachzugeben, der fast übermächtig erschien. Eigentlich sollte sie ja schlafen, denn Morgen dürfte sie unter gar keinen Umständen müde aussehen. Sie musste vor das Volk treten und die zuversichtliche, liebenswerte, freundliche und fröhliche Ausstrahlung der blonden Schönheit, die nichts und wieder nichts betrüben konnte, an den Tag legen. Auch wenn Kosmetika und Puder Abhilfe bei Augenringen schafften, so dürfte man ihr die Müdigkeit nicht aufgrund von Gesten und Mimik ablesen.
Doch sie fand einfach keinen Schlaf, nicht in dieser und auch nicht in der vorherigen Nacht oder den Nächten zuvor. Wie lange verbrachte sie die Stunden, während die (meisten) anderen Bewohner des Landes Oz friedlich in ihren Betten schliefen, nun schon mit wachen zu? Wie lange schlief sie nur wenige Stunden, wenn sie am Tage einmal dafür Zeit hatte und sie so erschöpft war, dass sie es konnte?
Seit Wochen schon. Schon seit mehreren Wochen ging das so.
Und niemand war da, der ihr helfen konnte. Der Zauberer und Madame Akaber hatten sehr wohl ihre Schlaflosigkeit bemerkt und ihr mit verschiedener Medizin zu helfen versucht, immerhin war sie deren Marionette und musste tadellos funktionieren. Sie hatte sich dies Leben ausgesucht, vor drei Jahren. Und fügte sich beinahe widerstandslos in alle Umstände ein. Sie hatte ein glamouröses Leben gewollt, Menschen die zu ihr aufsahen und sie verehrten, all die öffentlichen Auftritte, den Jubel des Volkes und die teuren, wunderhübschen Kleider, doch mittlerweile war all das nur zu einer Maskerade geworden. Eine Maskerade mit einem widerwertigen, bitteren Beigeschmack. Auch der stärkste Schlaftrunk, den Madame Akaber ihr zubereiten konnte, hatte seine Wirkung meilenweit verfehlt.
Ihrer Mutter hatte sie einen Brief geschrieben, in dem sie ihre durchwachten Nächte beschrieb(, den Grund dafür aber nicht erwähnte, den sie jedoch zu wissen glaubte) und diese hatte ihr die alten Hausmittelchen ans Herz gelegt. Sie hatte es mit warmem Wasser und zwei Teelöffeln Zucker, mit warmer Milch versetzt mit Honig, mit Apfelschalentee und rohen Zwiebeln probiert. Doch nichts hatte geholfen. Honig und Zucker waren ihr mittlerweile viel zu süß, Apfelschalentee hatte sie eher wachgehalten und die Zwiebeln hatten sie nur unnötig zum Weinen gebracht. Auch der mit Rosenöl getränkte Wattebausch neben ihrem Kopfkissen hatte nicht die gewünschte Wirkung erzielt.
Und Fiyero? Wie konnte er ihr helfen, wenn er doch ein Grund für ihre Schlaflosigkeit war? Er war nie da, und das war der Punkt. Das Bett war zu groß um alleine darin schlafen zu können und Fiyero verbrachte die Nächte oft nicht bei ihr, er hielt sie nicht im Arm, strich ihr nicht sacht über den Rücken und liebkoste sie anderweitig noch viel weniger. Er war ihr ein Anker in dieser grausamen Welt gewesen, doch seitdem er zum Gardehauptmann geworden war, verbrachte er kaum noch Zeit mit ihr. Ständig war er auf der Suche nach der sogenannten bösen Hexe des Westens.
Und diese Frau war noch viel mehr Schuld an ihrem Schlafmangel! Schon seit jeher! Glinda schlang sich die Arme stärker um den Oberkörper, als ein Zittern ihren Körper erfasste und sich die Tränen schlussendlich doch bahn brachen.
Welchen Preis sollte sie für die Liebe denn noch bezahlen? Elphaba hatte sie verlassen, als sie ihr Herz an sie verloren hatte - auch wenn das grüne Mädchen das nie erfahren hatte. Sie hätte es einfach wissen müssen, doch sie hatte es nicht einmal geahnt! Und der winkische Prinz war ihr letzter Halt gewesen, den sie nun an die Person verloren hatte, die sie liebte, die sie wahrscheinlich ein ganzes Stück mehr liebte als ihn. Die Liebe schien ihr nicht wohlgesinnt zu sein. Nein, nicht im Geringsten. Was hatte sie schon für einen Sinn? Sie brachte nur Schmerz.
Und doch in wenigen Momenten hatte sie ihr Glück gebracht. Als sie mit Elphaba in der Smaragdstadt gewesen war, als diese sie strahlend angelächelt und sie so oft so liebevoll in den Arm genommen hatte, war sie glücklich gewesen und als Fiyero sie voller Zärtlichkeit körperlich geliebt hatte, war sie das auch gewesen. Hatte sie doch damals gedacht, dass er sie tatsächlich und vollkommen und mit ganzem Herzen lieben würde. Doch er hatte es nie getan. Beide hatten sie das nicht. Sie hatte sich die Blicke, die so viel mehr sagten, nur eingebildet! Wie sie sich wahrscheinlich so vieles eingebildet hatte! Sie war eben doch ein naives Blondchen gewesen, das so viel mehr hatte sehen wollen, als tatsächlich da gewesen war.
Jetzt allerdings war sie zur Frau herangewachsen und erblickte die Wahrheit mit deutlicher, scharfkantiger Klarheit. Was sie einst für Liebe gehalten hatte, war nichts weiter als ein Beschützerinstinkt, der den Männern anzuhaften schien. Das Gefühl, das tief in ihrem Inneren Liebe war, war unerfüllt, und sie konnte nichts dagegen tun. Sie wusste nicht wo sich die Person befand, die sie so sehr herbeisehnte. Und die Person, die ihr Halt geben sollte, war nicht hier, hatte sie wie so oft verlassen. Zum Abschied ein leichter Kuss, die Lippen berührten sich kaum, der süße Druck verlor sich auf dem Weg. Kein liebes Wort, keine zarte Berührung an der Hüfte, kein Atemhauch an ihrem Schwanenhals.
Ein stechender Schmerz fuhr durch Glindas Oberarme. Ihre Fingernägel hatten sich aus Frustration und Verbitterung tief ins Fleisch gebohrt. Nicht so sehr, dass es blutete, aber tief eingekerbte halbmondförmige Abdrücke blieben zurück, als sie die Hände sinken ließ. Die Jahreszeit passte hervorragend zu ihrem Gefühlszustand: dunkel, grau, kalt, nass.
Während sie immer noch aus dem Fenster sah, erschienen ihr all die Emotionen für die Gemächer des Palastes viel zu groß, viel zu massig. Sie erdrückten sie beinahe.
Einem innerlichen Impuls folgend lief sie zu dem großen, weißen Kleiderschrank, der die eine Wand des Schlafzimmers vollkommen dominierte, entnahm ihm einen mittellangen Mantel und zog diesen an. Sie schlüpfte in die erstbesten Schuhe – es waren ausgerechnet ein Paar Tanzschuhe, leichter Stoff, niedriger Absatz, die Kälte würden sie gewiss nicht abhalten, doch das war ihr in dem Moment vollkommen gleichgültig! – dann verließ sie das Zimmer, ohne die Schranktüren wieder geschlossen zu haben. Hals über Kopf lief sie die Gänge des Palastes entlang, so schnell, dass als bald ihre Lungen anfingen zu brennen, doch sie konnte das Tempo nicht drosseln. Sie wollte nur noch weg. Weg aus diesem vermaledeiten Palast und weg von ihrem Schmerz. Sie wollte ihn loswerden, ihn in der Kälte des Winters erfrieren lassen.
Eiligen Schrittes erreichte sie die Treppe und nahm sogleich die Stufen hinunter, während ihr Mantel sich hinter ihr aufbauschte. Die linke Hand ruhte nur ganz leicht auf der Brüstung, wahrte einen kleinen Hauch von Eleganz in ihrer Hast. Die Palastwachen ließen sie unbehelligt durch die Eingangspforte laufen, denn hinausgehen konnte man immer, nur wenn man hineinwollte musste man sich ausweisen können. Doch wo sollte sie eigentlich hingehen? Einfach nur weg! Weg von hier, ging es ihr unablässig durch den Kopf.
Die Kälte schnitt ihr unangenehm in die Haut, sodass sie den Mantel enger um ihren Körper wickelte, doch helfen tat es kaum. Die herabfallenden Schneeflocken schmolzen auf ihrer noch erwärmten Haut und hinterließen ein kribbelndes, schmerzendes Stechen. Glinda lenkte ihre Schritte den breiten Weg zum Haupttor des Geländes entlang und dann auf die verlassenen Straßen der Smaragdstadt, bekleidet in ihrem dünnen Nachtkleid, einem Mantel der Hals und Dekolleté, sowie die Beine ab der Mitte der Waden frei ließ und ein Paar leichter Schuhe, die nicht zum bitterkalten Winter passten. Doch noch waren ihre Gedanken zu sehr auf das Fortkommen fixiert, als das sie sich um die ungenügende Kleidung kümmerte.
TBC?
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