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von StolzeRose82    erstellt: 26.09.2009    letztes Update: 26.09.2009    Geschichte, Drama / P12 Slash    (fertiggestellt, keine anonymen Reviews)
Die Charaktere gehören nicht mir, ich leihe sie mir von Gregory Maguire.
Der Song, der in dieser Geschichte verarbeitet ist und der mich dazu inspiriert hat, ist von Rosenstolz.
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Der Moment



Einsam und von Tränen geschüttelt kauerte Glinda am Boden des Schlosses. Ihre Finger umklammerten den Stoff des schwarzen spitzen Hexenhutes, welcher einst Elphaba gehört hatte. Immer fester wurde ihr Griff, sie drückte ihn an ihre Brust, vergrub ihr Gesicht in seinem Stoff. Die Tränen verschleierten ihr die Sicht.

Wo ich war, das weiss ich jetzt nicht mehr genau

„Fräulein, Fräulein Glinda…“ Es war Chistery, der ihr das kleine grüne Fläschchen entgegen hielt, welches Elphaba stets wie ihren Augapfel gehütet hatte. Zitternd umschlossen ihre zarten Finger die Phiole. Auch dieses kleine Gefäß drückte sie an ihre Brust. Warum hatte Elphaba das getan? Warum hatte sie sich ergeben? Warum hatte sie den Tod gewählt? Wieder übermannten die Tränen Glinda. Fesseln um ihre Brust raubten ihr den Atem. Sie schien zu ersticken.
Drüben in der anderen Welt erwachte Elphaba. Vollkommende Dunkelheit umhüllte sie. War es der kalte Wind, der sie erschaudern ließ, oder die Trauer, die von ihr Besitz ergriffen hatte? Das Atmen fiel ihr schwer. Der Zauber hatte sie viel Kraft gekostet, ihre Glieder schmerzten. Elphaba schloss die Augen, träumte sich zurück nach Oz. Träumte sich zurück zu ihr. Die Gedanken an die ersten Begegnungen mit Glinda entfachten in der Grünen ein Feuer der Sehnsucht. Es ließ sie all ihre Schmerzen vergessen.

weiss nur eines Tages warst du hier

Sie hatte die Blonde vom ersten Augenblick gehasst. Wie diese sich in den Vordergrund gedrängt hatte, wie arrogant Glinda damals gewesen war. Niemals hätte sie es damals für möglich gehalten, dass sie Freunde werden könnten. Elphaba hatte es nicht anders gekannt, als im Schatten ihrer Schwester zu stehen. Diese hatte der Vater mehr als sie geliebt, hatte Nessa immer bevorzugt. Sie hingegen war immer nur das Anhängsel gewesen, die Tragödie, über die man lieber schwieg. In genau so einem Schatten war sich auch damals in Glizz zurückgefallen, als Glinda mir ihr das Zimmer teilte. Glinda war der viel umschwärmte Star an der Uni gewesen, sie die Außenseiterin mit der keiner etwas zu tun haben wollte. Keiner? Nein, Glinda war es gewesen, die sich ihrer angenommen hatte. Die den ersten Schritt gemacht hatte.

Hast mein Leben völlig auf den Kopf gestellt

Sie hatte ihr den Hexenhut geschenkt. Glinda hatte sie an jenem Abend in der Ozkothek zum Tanzen aufgefordert. Hatte das Spiel mit ihr begonnen. Noch heute konnte sie Glindas Fingerspitzen spüren, die sie beim Tanz wie der Flügelschlag eines Schmetterlings berührt hatten. Stück für Stück waren sich die beiden Frauen näher gekommen. Und waren schließlich ein Teil der anderen geworden….

und ich war ein kleines Stück von dir

Elphaba fasste sich ans Herz. Es schmerzte. Sie spürte, dass ein Stück herausgerissen worden war. Ein Teil von ihr fehlte – sie war nicht mehr komplett. Die Tränen auf ihren Wangen verbrannten ihr Gesicht. Die Sehnsucht nach der schönen Blonden umklammerte ihr Herz. Sie wollte schreien, ihren Gefühlen Luft machen, doch konnte es nicht. Nur die stummen Tränen waren Zeichen ihrer Trauer.

Doch dann kam der Tag für dich und deine Welt

Warum hatte Elphaba sich nur entschieden, sie zu verlassen? Warum hatte Elphaba nicht gekämpft? Warum hatte sie sich einfach so ergeben? Elphaba war doch die böse Hexe des Westens, warum also? Glinda verstand die Welt nicht mehr. Was sollte nun aus ihr werden? Wie sollte ihr Leben weitergehen? Ohne Elphaba???

und ich fand nicht mehr zu mir zurück

Glinda hatte Mühe, in ihrem Leben zurecht zu kommen. Immer wieder drifteten ihre Gedanken und Gefühle ab zu der Grünen, die sie so schmerzlich vermisste. Glinda konnte und wollte sich kein Leben ohne ihre Freundin vorstellen. Sie wollte nicht wahrhaben, dass Elphaba sie verlassen hatte, wollte nicht wahr haben, dass diese tot war!
So oft lag Glinda auf ihrem Bett, die ersten Sonnenstrahlen hatten sie geweckt. Starr war ihr Blick auf das Bild auf dem Nachttisch gerichtet. Es zeigte zwei junge Frauen, die fröhlich in die Kamera lächelten. Die eine weiß wie Schnee und die andere grün wie Moos. Glinda schien sich im Blick von Elphaba zu verlieren. Nie hatte sie so ein wundervolles Gesicht gesehen, so ein zauberhaftes Lächeln. Niemals würde sie diesen Anblick vergessen können. Das Bild der Geliebten hatte sich auf ihrer Netzhaut eingebrannt – für immer!

Und was mir bleibt ist dein Gesicht

Wenigstens die Erinnerungen konnte ihr keiner nehmen. In ihr würde Elphaba weiterleben, stets bei ihr sein. Glinda fasste sich an die Brust.

und das Gefühl geteilt zu sein

Es war, als hätte eine fremde Macht sie getrennt. Sie auseinander gerissen wie ein Stück Papier. Auch wenn ihr Verstand sagte, dass die Freundin nicht mehr am Leben war, Glindas Herz sagte etwas anders. Sie spürte, dass die Geliebte nicht aus der Welt war. Sie spürte trotz allem ihrer Anwesenheit. Spürte, dass Elphaba noch lebte. So absurd das alles war. Und so wenig man ihr glauben würde, für Glinda stand fest, dass sie die Freundin nur verloren hatte und irgendwann wieder finden würde.

Will ich dich jemals wiedersehn

Sie sehnte sich so sehr danach. Ihr Herz brannte wie Feuer. Nichts wünschte sich Glinda mehr.

jemals wiederspürn

Die zarten rosa Fingerspitzen nochmals über das satte Grün gleiten zu lassen. Die Wärme zu spüren, die vom Körper der anderen ausging. Das Verlangen zu spüren und daran zu ertrinken. Sie wollte das wieder erleben. Wollte sich ihren Gefühlen hingeben.
oder war es nur der Moment
Nein, Glinda wollte nicht, dass es nur ein Moment blieb, nur eine Erinnerung! Sie wollte es zur Tatsache machen, zur Realität! Wollte ihre Geliebte zurück. So sehr dass ihr die Sehnsucht das Herz verbrannte.

Wieviel Zeit inzwischen wohl vergangen ist

Jahre waren ins Land gezogen, Elphaba hatte in der Ferne ein neues Leben aufgebaut. Stets jedoch der Gedanke an Glinda, an Oz. Nacht für Nacht träumt sie von der Blonden. Träumte sich zurück in ein Leben mit ihr!

wieviel Angst und wieviel Einsamkeit

Die Erde hatte sich weitergedreht, das Leben war weitergegangen. Ohne ihre Freunde, ohne Glinda! Elphaba hatte Angst vor der Zukunft, sie hatte Angst vor der Einsamkeit. Und dennoch war gerade diese ihr täglicher Begleiter.

Das Leben der grünen Hexe hatte sich verändert. Sie hatte völlig neu begonnen. Hier hatte sie keiner gekannt. Hier war sie nicht die böse Hexe des Westens gewesen. Hier war man völlig ohne Vorurteile auf sie zugegangen. Hatte sie als normale Bürgerin akzeptiert. Wie es in Oz nie der Fall gewesen war. Ihr Leben war in gewisser Weise reicher geworden.
Nur dass meine Welt ein wenig reicher ist - oder leer
Aber dennoch fehlte ein wichtiger Teil ihres Lebens. Die Frau, die sie so sehr liebte!

wir warn wohl nicht bereit

Sie waren damals beide noch so jung gewesen. Hatten nichts vom Leben oder gar der Liebe verstanden. Beide hatten sie dieses starke Band zwischen sich empfunden, das Kribbeln, wenn sie einander angesehen hatten. Aber sie hatte dieses Gefühl nicht zugelassen. Hatte sich nicht getraut.

Vielleicht war’s einfach nicht die rechte Zeit für uns

Auch Glinda machte sich noch nach all den Jahren Vorwürfe. Warum hatte sie nicht um Elphaba gekämpft? Warum hatte sie sie so einfach gehen lassen? Könnte sie doch heute so glücklich mit ihr sein. Ihr Leben war in völlig andere Bahnen gelenkt worden. Sie war nicht mehr die, die sie einst gewesen war. Elphaba hatte ihr Leben verändert. Hatte mit ihrer Handschrift in ihr Buch des Lebens geschrieben.

Mag sein ich finde bald zu mir zurück

Die beiden Frauen hatten sich im wahren Leben verloren, doch in ihren Herzen waren sie vereint. Vereint für die Ewigkeit. Ihr Liebe würde weiterleben, sie würde alles überdauern.

Und was mir bleibt.................ist der Moment.
 
 
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