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von nicee    erstellt: 23.09.2009    letztes Update: 08.11.2009    Geschichte, Romanze / P16 Slash    (abgebrochen)
In der nächsten Senke hielt ich an, voll konzentriert auf die Gedanken des Alten im Wagen – Billy Black – und seinem Jungen – Jacob.
>>Hallo, Bella<<
Ich konnte den Schock und die Sorge in Billys Gedanken sehen, die Fragen, die in seinem Kopf durcheinander wirbelten. Bella lächelte ihn an, zögerlich, zurückhaltend. In ihren Augen spiegelte sich seine angespannte Miene.
Bella, weißt Du, auf was Du Dich da einlässt?
Billy versuchte, aus ihrer Mimik zu lesen. Er starrte zu sehr, sagte aber nichts.
Lass die Finger davon!
Das ist zu gefährlich für Dich!
Sie hörte auf, zu lächeln. Und dann änderte sich ihr Gesichtsausdruck. Black registrierte das sofort.
Wie viel weißt Du wirklich, Mädchen?
Mist! Ich stöhnte auf.
Komplikation war ja noch vorsichtig ausgedrückt. Ich durfte sie wirklich nicht aus den Augen lassen!

Durch Blacks Augen sah ich den Chief aus dem Auto steigen. Er begrüßte die Blacks und tadelte Jacob.
>>Ich werde mal so tun, als hätte ich dich nicht hinterm Steuer gesehen, Jake.<<
>>Im Reservat dürfen wir eher fahren<<, antwortete Jacob.
>>Das glaub ich dir gerne<<, schüttelte Charlie lachend den Kopf.
Sie flachsten weiter herum, angespannt wechselte ich auf den Chief und versuchte, in seinem Kopf etwas zu erkennen. Freude. Hunger. Ganz leise im Hinterkopf war er genervt… ein voller Schreibtisch… ein großes Feld – Sport? Aber ansonsten nichts. Er schien nichts zu wissen – weder von den Blacks noch von uns.
Jacob freute sich sehr, Bella zu sehen.
Er war aufgeregt. Er bewunderte, wie hübsch sie war. Bella hatte mit ihrer Flirterei anscheinend ganze Arbeit geleistet. Er war hin und weg… und ein bisschen eifersüchtig. Ich lächelte in mich hinein. Fast hatte ich ein wenig Mitleid, da ich ja nun wusste, wie sich das anfühlte. Aber nur fast. Mein Groll auf ihn war doch größer – einfach, weil es ihn gab. Vor allem jetzt, wo er neugierig an mich als schemenhaften Schatten in dem Volvo dachte - Wer war der Typ? – sich gleichzeitig die merkwürdige Reaktionen seines Vaters nicht erklären konnte und sofort wieder bewundernd zu meinen Volvo umschwenkte. Ich frag sie einfach. Sie hantierte in der Küche.
>>Und, wie geht’s?<<, fragte Jacob sie.
>>Prima.<< Ihr Lächeln haute mich beinahe um. Stechend erwachte meine Eifersucht, obwohl ich doch wusste, dass sie mit mir zusammen sein wollte. Ich kam nicht dagegen an. Noch konzentrierter hörte ich zu, um dem Schmerz in meinem Körper, in meinen Venen keine Beachtung zu schenken.
>>Und dir? Ist dein Auto fertig?<<
>>Nein. Ich hab immer noch nicht alle Teile. Der da ist geborgt.<< Der schwarze Transporter tauchte vor seinem inneren Auge auf. Dann mein Volvo… mit leichten Modifikationen? Hm. Er war anscheinend ein Autonarr. Vielleicht musste ich mir doch nicht so viele Gedanken machen, er war ja auch noch ein Kind.
Bella zuckte die Schultern. >>Tut mir leid. Ich hab keinen ... was auch immer du gesucht hast, ich hab’s nicht gesehen.<<
>>Einen Hauptbremszylinder.<< Sie hatten anscheinend am Strand schon über Autos gesprochen. Jetzt musste ich doch wider Willen leise lachen. Bella interessierte sich nicht die Bohne für Autos.
>>Ist eigentlich mit dem Transporter alles in Ordnung?<<, hörte ich ihn plötzlich fragen.
>>Ja.<<
>>Oh. Ich dachte nur, weil du nicht mit ihm gefahren bist.<<
Starr wartete ich auf Bellas Antwort. Auch, wenn ich wusste, dass sie nichts verraten würde…
>>Ein Freund hat mich mitgenommen.<< Da war es wieder – dieses Wort. Ich wollte nicht nur ein Freund sein. Das klang so…
Konzentrier Dich, Edward!
>>Schönes Auto. Aber ich hab den Fahrer gar nicht erkannt. Ich dachte, ich kenne die meisten Jungs aus der Gegend.<<
Bist Du mit ihm zusammen? Ist er älter? Bin ich zu jung? Jetzt sag schon, wer! So eine coole Karre…
>>Mein Dad schien ihn von irgendwoher zu kennen.<<
Ich sah durch seine Augen, dass sie sich nicht umdrehte. Sie wollte ihm wohl nicht in die Augen sehen.
>>Jacob, könntest du mir mal ein paar Teller rausgeben? Die sind im Schrank über der Spüle.<<
Und sie wollte auch nichts sagen. Ein warmes Gefühl breitete sich in mir aus.
>>Wer war’s denn nun?<<, fragte Jacob und stellte zwei Teller neben dem Herd ab.
>>Edward Cullen.<< seufzte sie und sah ihn immer noch nicht an. Ich wollte ihre Augen sehen.
Ach so, der …Blutsauger. Gegen den hab ich eh keine Chance. Sie redet ja ständig von dem.
Gleichzeitig lachte Jacob in sich hinein.
So ein Quatsch! Eine Szene mit seinem Volk rund um ein Lagerfeuer ging ihm durch den Kopf. Schauergeschichten!
Jacob lachte, so dass sie aufblickte. Ihre Augen fragten.
>>Dann muss ich mich ja nicht wundern, dass mein Dad sich so komisch benommen hat.<<
>>Stimmt. Er mag die Cullens ja nicht.<< Erleichtert atmete ich auf.
>>Abergläubischer alter Mann<<, brummelte Jacob vor sich hin.
>>Meinst du, dass er Charlie was sagt?<<
Bilder von Billy und dem Chief im Streit gingen Jacob durch den Kopf. Dann eine Szene, in der die beiden einträchtig, aber schweigend vor dem Fernseher saßen und Sport guckten.
>>Das bezweifle ich<<, erwiderte er schließlich.
Darauf musste ich vertrauen. Ich gab Gas. Ich sollte besser Carlisle davon erzählen. Wenn dieser Billy Black in den nächsten Tagen den Nachfahren von mir erzählen würde, gäbe es vielleicht einen Aufruhr. Carlisle sollte vorbereitet sein.
* * *

Als ich ins Haus stürmte, hörte ich Carlisle schon mit Esme im Arbeitszimmer.
Ähm.
Ich wollte keine Zeit verlieren, aber ich wollte noch weniger stören…
Alice und Jasper, Rosalie und Emmet schienen ausgeflogen zu sein. Ich konnte sie nirgends im Haus hören. Und ich wollte nicht gedanklich nach ihnen suchen.
Starr stand ich auf der Treppe.
Carlisle wisperte zärtliche Worte, Esme kicherte leise. Durch Carlisles Augen sah ich in Esmes vor Liebe strahlende… und schaltete sofort wieder aus. Das sollte ich nicht sehen, wollte ihre Privatsphäre schützen.
Aber sofort kniff ich die Lippen zusammen, als ich mir sehnlichst wünschte, Bella würde mich so ansehen. Diese braunen Augen… strahlend vor Liebe und ohne Sorge. Ich hatte das Gefühl, innerlich zerrissen zu werden, als sie sich in goldbraune Augen verwandelten. Dafür schien es nur eine einzige Möglichkeit zu geben. Was war ich doch für ein Narr. Dass ich einfach nicht von ihr loskam. Dass ich immerzu glaubte, ich könnte vielleicht doch mal das Glück finden – die Liebe – die auch Carlisle und Esme verband. Mit einem Menschen! Das war nicht möglich, aber mein Herz wollte davon nichts wissen.
Seufzend nahm ich am Klavier Platz und spielte leise eine schwermütige Melodie.
Ich fühlte mich… einsam.

Carlisle betrat den Raum.
Hallo, mein Sohn. So traurig?
>>Entschuldige, ich wollte euch nicht stören<<, antwortete ich und hörte auf, zu spielen.
>>Das hast Du nicht.<< Es hat Dich ganz schön erwischt.
Ich reagierte nicht darauf.
>>Ich muss Dir leider etwas berichten. Das wird Dich nicht freuen zu hören<<
Esme kam ins Zimmer, tiefe Sorgenfalten im Gesicht. Hast Du…?
Ich schüttelte den Kopf. >>Bella geht es gut.<<
Ich seufzte. >>Aber im Moment hat sie Besuch von Billy Black und seinem Sohn Jacob. Direkte Nachkommen von Ephraim Black<<, setzte ich noch hinzu. Carlisle erinnerte sich an den Vertragsschluss. Er nickte. Wissen sie es?
Stirnrunzelnd wiegte ich den Kopf hin und her. >>Billy Black ist voll im Bild, aber bisher weiß Jacob Black nichts. Er hat die Geschichten gehört und hält es für unsinnige Legenden.<< Carlisle nickte wieder.
>>Ich hätte nicht gedacht, dass wir mit unserer Rückkehr dafür sorgen könnten, dass sich alles wiederholt. Am besten warten wir ab, ob und wie sie reagieren. Solange wir uns an den Vertrag halten…<<
Das wirst Du doch? Gleich, ob Bella sich in ihrem Gebiet aufhält…
Ich hörte die Warnung, aber auch die Frage heraus.
>>Natürlich. Ich würde nie…<<, versuchte ich, aber Esme unterbrach mich.
>>Natürlich würdest Du nicht absichtlich den Vertrag aufs Spiel setzen, Liebling. Aber wohin die Liebe einen bringt, kannst Du nicht wissen. Bitte versprich mir, dass Du vorsichtig bist!<< Sie versuchte, die Sorgen in ihrem Kopf zu vernebeln. Sie hatte ein zu gutes Gespür für mich.
Ich nickte. >>Ich verspreche es.<< schwor ich.
Halt mich auf dem Laufenden, bat Carlisle.
Ich nickte noch einmal.
* * *

Als ich endlich in Bellas Schaukelstuhl saß, schlief sie ruhig und friedlich. Diese Nacht redete sie nicht, aber sie lächelte manchmal. Ich stellte mir vor, wie sie von mir träumte und ließ meine Gedanken streifen. Wie immer fiel es mir hier – im Dunkel der Nacht – ohne Zeugen – nicht allzu schwer, das Monster zurückzuhalten. Ich tauchte ein in ihren Duft, spürte das Brennen in meinem Körper und nahm die Sehnsucht zur Kenntnis.
Sie wollte mit mir zusammen sein, wenn mich auch nichts auf der Welt glauben lassen konnte, dass sie imstande war, so viel, so groß, so umfassend zu empfinden wie ich. Mein Leben als Mensch war schon zu lange vorbei – und ich hatte auch damals nie so gefühlt – als dass ich es hätte direkt vergleichen können, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie in der Lage war, so unendliche Sehnsucht zu fühlen wie ich.
Aber unter meine Sehnsucht mischte sich Hoffnung, das konnte ich vor mir selbst nicht leugnen.
* * *

Der Himmel war perlgrau, als ich in der Auffahrt mit heruntergelassenen Scheiben in meinem Volvo auf Bella wartete. Jedes Mal, wenn sie mich mit einem Lächeln begrüßte – so wie jetzt, als sie sich ohne Zögern auf den Beifahrersitz schmiss - schien mein totes Herz einen Sprung zu machen. >>Hast du gut geschlafen?<<, fragte ich zurücklächelnd.
Ihr Atem stockte, ihr Herz setzte kurz aus.
Interessant. Immer wieder. Wenn ich davon ausging, dass es keine Angst war, konnte ich das mit meinen Gefühlen gleichsetzen.
>>Hab ich. Wie war deine Nacht?<< Ein leichter Rotton überzog ihre Wangen.
>>Wohltuend.<< Grinsend dachte ich an meine Lieblingsbeschäftigung in den letzten Nächten. Wie gut, dass sie MEINE Gedanken auch nicht lesen konnte.
>>Darf ich fragen, was du gemacht hast?<< Oh. Ein wenig konnte sie anscheinend doch in mir lesen. Ich musste mich ein bisschen mehr zurücknehmen. Trotzdem konnte ich nicht aufhören, wie ein Idiot zu grinsen.
>>Darfst du nicht. Der Tag heute gehört immer noch mir.<< Ich war mit meiner Liste noch lange nicht am Ende.
So wollte ich heute mehr über die Menschen in ihrem Leben erfahren: über ihre Mutter Renée, ihre gemeinsamen Unternehmungen, darüber, was sie mochte und was nicht; über die eine Großmutter, die sie gekannt hatte; und über ihre wenigen Schulfreunde.
Anscheinend machte es sie verlegen, als ich sie nach den Jungs fragte, mit denen sie zusammen gewesen war. Ich war froh, dass es eigentlich keine gab, aber ich war wirklich erstaunt, das zu hören. Sie war so wunderbar, ich konnte mir nicht vorstellen, dass nicht auch in Phönix die Jungs Schlange gestanden, sie nicht ebenfalls so begehrt hatten wie ich es tat. Und vor allem, dass es keinen gab, den SIE begehrt hatte…?
>>Du hast also nie jemanden kennengelernt, bei dem es dir ernst war?<<, fragte ich nochmal, um sicherzugehen.
Sie antwortete zögerlich. >>Nicht in Phönix.<<
Insgeheim war ich erleichtert und glücklich darüber. Das hieß, dass sie ebenso wenig Ahnung hatte, wie sie mit diesen neuen aufregenden Gefühlen umgehen sollte. Gleichzeitig presste ich die Lippen zusammen. Wenn diese Gefühle nur so stark waren wie meine… woher konnte sie das wissen – ohne Vergleichsmöglichkeit?
Wir saßen bereits in der Cafeteria, sie biss von ihrem Bagel ab. Ach ja. Essen. Ich war gleich mit Alice verabredet und hatte gar nicht daran gedacht, wie Bella nach Hause kommen sollte. Ich würde sie auf keinen Fall von einem der anderen Jungs bringen lassen!
>>Ich hätte dich heute alleine fahren lassen sollen.<< meinte ich in Gedanken.
>>Warum?<<, wollte sie kauend wissen.
>>Alice und ich verschwinden nach dem Essen.<<
>>Oh.<< Sie sah enttäuscht aus.
>>Das ist schon okay, es ist nicht so weit zu laufen.<<
Na sicher. Ich ließ sie nach Hause laufen, damit sie sich unterwegs einige Knochen brechen konnte! Was dachte sie sich wohl? Ich runzelte die Stirn. Sie machte sich wirklich überhaupt keinen Kopf um ihre Sicherheit.
>>Du musst natürlich nicht nach Hause laufen. Wir holen deinen Transporter und stellen ihn hier ab.<<
>>Ich hab den Schlüssel nicht dabei<< Sie seufzte. >>Ehrlich, es macht mir nichts aus zu laufen.<<
Aber mir. >>Dein Transporter wird da sein, und der Schlüssel wird stecken - es sei denn, du machst dir Sorgen, dass ihn jemand klauen könnte.<< lachte ich, den uralten rostigen Chevy vor Augen.
Trotzig schürzte sie die Lippen. >>Wie du meinst.<< Sie war so süß. Garantiert dachte sie jetzt an den Schlüssel, der irgendwo versteckt war – vielleicht in einer Hose, und daran, dass ich den ich eh nicht finden würde. Ich grinste. Sie würde schon sehen…
>>Und wo wollt ihr hin?<<, fragte sie - irgendwie beiläufig. Sie hatte also mal wieder Lunte gerochen. Da konnte ich auch gleich ehrlich sein.
>>Jagen<<, antwortete ich grimmig. >>Wenn ich morgen mit dir allein bin, will ich vorher jede denkbare Vorsorge treffen.<< Ich konnte das Risiko eines Kontrollverlusts nicht eingehen. Trotzdem bestand das Risiko auch nach der Jagd immer noch. Vielleicht sollten wir doch nicht allein… ich war gefühlsmäßig noch nicht stark genug, ihr zu widerstehen.
>>Du kannst immer noch absagen, Bella.<< Bitte, bitte, sag nein!
Sie sah nach unten, schnitt mir den Weg in ihre Augen - ihre Gedanken - ab.  
>>Nein<<, flüsterte sie und blickte mir wieder ins Gesicht. >>Kann ich nicht.<< Ein Stich in meinem stummen Herzen. Freude. Furcht. Ehrfurcht. Sie fühlte wie ich. >>Vielleicht hast du Recht<<, erwiderte ich, froh und niedergeschlagen zugleich.
>>Wann kommst du morgen?<<, fragte sie, auch irgendwie traurig.
>>Das kommt drauf an ... morgen ist Samstag - willst du nicht ausschlafen?<<
Hoffentlich nicht allzu lange. Dir beim Schlafen zu zusehen, ist nicht so …lebendig, wie mit Dir zu reden.
>>Nein!<< Noch in meinen Gedanken hinein antwortete sie ohne Zögern. Da war es wieder, dieses warme Gefühl, dass sich in meinem Körper ausbreitete. Ich versuchte, meine Freude zu verbergen.
>>Dann um dieselbe Zeit wie immer<<, legte ich fest. Außer… >>Ist Charlie dann da?<<
>>Nein, er fährt morgen angeln.<<, strahlte sie mich plötzlich an.
Misstrauisch beäugte ich sie. Hatte sie das so geplant? Sie freute sich darüber, mit mir alleine zu sein… Oh Mann!
Alleine.
Wir würden ganz alleine sein! Ich schluckte die Panik herunter. Was, wenn…
>>Und was wird er denken, wenn du nicht nach Hause kommst?<<
Ich konnte nichts dafür, dass meine Stimme schneidend klang. Die Angst würgte mich.
>>Keine Ahnung<<, erwiderte sie trocken. >>Er weiß, dass ich Wäsche waschen wollte. Vielleicht denkt er ja, ich bin in die Waschmaschine gefallen?<<
Der Zorn, der sich in mir zusammenbraute, brachte meine Augen zum Flimmern. Sie WOLLTE, dass wir ganz allein waren? Obwohl sie WUSSTE, wie gefährlich das war? Wie gefährlich ICH war? Ich versuchte sie, mit meinem Zorn nieder zu starren, ihr mit meinen Augen zu sagen, sie solle alles abblasen. Aber sie starrte – ebenfalls wütend – zurück und ließ sich nicht erweichen. Stattdessen kam zum eigentlichen Thema zurück.
>>Und, was jagt ihr heute?<< Ich hielt die Luft an. Sie war wirklich unglaublich! Sie hatte nicht ein Quäntchen vernünftige Angst!
Ich wusste nicht, ob ich ratlos oder weiterhin verärgert sein sollte.
>>Was wir im Nationalpark finden können. Wir werden in der Umgebung bleiben.<<
>>Warum fährst du mit Alice?<<, wollte sie wissen.
Hm. Wie viel durfte ich ihr erzählen, ohne die anderen noch mehr zu reizen? Ich wollte nicht zugeben, dass meine Familie wesentlich mehr Angst vor der Zukunft zeigte, als sie das tat. Ich versuchte es mit einer Umschreibung.
>>Alice ist am ... verständnisvollsten.<<
>>Und die anderen?<< Zaghaft. Vorsichtig. Sie sorgte sich. Sie hatte mich schon wieder durchschaut.
>>Die sind vor allem skeptisch.<<
Ebenso vorsichtig warf sie einen Blick auf meine Geschwister, die wie immer an unserem Tisch saßen. Jasper sah sie an.
Edward, bist Du sicher? Denk an Alice´ Worte! Entweder… oder.
Nein, natürlich war ich nicht sicher!
>>Sie mögen mich nicht<<, vermutete Bella. Ganz unrecht hatte sie ja auch nicht, aber wie konnte ich ihr begreiflich machen, dass sie kein Verständnis für uns aufbrachten? Dass sie keine Ahnung hatten, was mich zu ihr trieb? Dass es nicht so sehr damit zu tun hatte, dass sie sie nicht mochten. Sie war eben keine von uns.
>>Das ist es nicht, sie begreifen nicht, dass ich dich nicht in Ruhe lassen kann.<<
Sie verzog das Gesicht. >>Da geht’s ihnen wie mir.<< Sie glaubte mir nicht ein Wort.
Ich schüttelte langsam den Kopf und verdrehte die Augen zur Decke. >>Ich hab’s dir doch gesagt - du kannst dich offensichtlich selber überhaupt nicht richtig einschätzen. Du bist anders als alle Menschen, die ich je kennengelernt habe. Du faszinierst mich.<<
Erstaunlich, wie schwer es einem fallen konnte, andere von irgendwas zu überzeugen. Anderen irgendetwas begreiflich zu machen. Ich stand alleine auf einer Insel inmitten von Nicht-Verstehenden.
>>Dank meiner speziellen Talente<<, sagte ich leise und tippte mir unauffällig an die Stirn, >>habe ich ein überdurchschnittliches Verständnis der menschlichen Natur. Menschen sind leicht zu durchschauen. Du dagegen ... du tust nie das, was ich von dir erwarte. Du überraschst mich immer aufs Neue.<<
Sie sah wieder zu meinen Geschwistern. Ich hatte sie noch nicht überzeugt.
>>So weit ist es einfach zu erklären, aber da ist mehr ... und das ist nicht so einfach in Worte zu fassen<<
Gebannt hing sie an einem Blick meiner Schwester fest. Rosalie fluchte wie ein Pirat. Du solltest sterben, Mädchen! Du wirst uns alle ins Verderben reißen!, schrie sie in meinem Kopf. Zornig konnte ich ein Fauchen nicht unterdrücken. Ich wusste, Rose hatte es gehört. Sie drehte sich weg, ich hatte sie in ihre Schranken verwiesen. Du… du… Ich schaltete sie aus. Ich wollte sie nicht hören.
>>Es tut mir leid. Sie ist nur besorgt. Verstehst du ... es ist nicht nur für mich gefährlich, wenn die Sache mit uns, nachdem wir so viel Zeit in der Öffentlichkeit miteinander verbracht haben ...<< Ich konnte ihr nicht in die Augen sehen.
>>Wenn was?<<
>>Wenn die Sache ein schlechtes Ende nimmt.<< Die Vorstellung, Bella blutleer in meinen Armen zu halten, war so klar, dass ich mein Gesicht mit meinen Händen bedeckte, um ihr meinen Schmerz nicht zu zeigen. Er zerriss mich. Vielleicht hatten die anderen recht, aber ich hatte keine Wahl. Ich musste mich zusammenreißen wie noch niemals zuvor.
>>Und du musst jetzt gleich gehen?<<, fragte sie, als hätte ich nicht gerade von ihrem nahenden Tod gesprochen.
>>Ja.<< Unglaublich, dass sie es so locker verpackte. Ich versuchte es auch. Lächelnd. Gute Miene zum bösen Spiel.
>>Es ist wahrscheinlich das Beste. Wir haben immer noch fünfzehn Minuten dieses entsetzlichen Films in Bio vor uns - ich glaub nicht, dass ich das noch länger aushalten würde.<< Unterbewusst hatte ich die Gedanken an die pulsierenden Schwingungen ausgeblendet, aber sie waren da. Auch jetzt. Eigentlich immer, wenn wir zusammen waren.
Bellas Augen leuchteten und blickten nur auf mich. Wenn wir zusammen waren, gab sie mir das Gefühl, der einzige… Mensch mit ihr weit und breit zu sein. Das entsprach nicht meiner Natur. Wir waren immer auf der Hut, immer auf die Gefahr gefasst, ließen die Umgebung nie ganz außen vor. Doch sie brachte mich dazu, genau das zu tun. Sie war gefährlich für mich. Doch davon ahnte sie nichts. Wenn sie mich so ansah wie jetzt, hätten mich alle anderen Schüler in Stücke reißen können, es wäre mir egal. Ich konnte in ihren Augen versinken. Die Hoffnung hatte schon angefangen zu keimen, doch jetzt wuchs sie in unbekannte Höhen. Wie sehr wünschte ich mir… Bella zuckte erschrocken zusammen. Hinter mir tauchte Alice auf. Sie war genau so gefangen im Augenblick wie ich, sie hatte sie – genau wie ich – nicht kommen hören. Ich musste das wirklich unter Kontrolle kriegen!
Darf ich jetzt…? Aufgeregt. Du kannst es nicht aufhalten, Edward. Also stell mich schon endlich vor!
>>Alice.<< Innerlich seufzend gab ich ihr recht.
>>Edward<<, antwortete sie, nur ich hörte, dass sie freudig erregt war. Sie hatte verstanden, dass ich nichts dagegen tun würde.
Ironisch lächelnd stellte ich die beiden vor, indem ich  nachlässig mit der Hand von einer zur anderen wedelte.
>>Alice, Bella - Bella, Alice<<
>>Hallo, Bella. Endlich lernen wir uns kennen.<< Oh, sie ist so hübsch, Edward. Bitte bring sie nicht um.
>>Hi, Alice<<, erwiderte Bella schüchtern den Gruß. …eine so tolle Freundin!
Der Vorwurf in ihrem Kopf war deutlich zu hören. Ich hätte sie würgen können. Wieder hatte ich das Bild ihrer Visionen im Kopf. Lass das, sagte ich ihr mit einem finsteren Blick, auch wenn sie meine Gedanken nicht hören konnte. Aber sie verstand auch so.
>>Bist du so weit?<<, fragte sie mit einem süßen Lächeln und ging schon vor. Ich warte am Auto.
>>Soll ich dir viel Spaß wünschen oder trifft es das nicht?<<, fragte Bella. Irgendwie komisch, wie sie versuchte, normal zu bleiben, es alltäglich zu betrachten. Grinsend betrachtete ich ihren angespannten Blick.
>>Doch, doch - viel Spaß kann nicht schaden.<<
>>Viel Spaß dann.<< Es klappte nicht. Ich konnte sehen, wie sehr sie sich anstrengte und grinste breiter.
>>Ich versuch’s. Und du gib bitte darauf Acht, dass dir nichts zustößt, ja?<< Schnell versuchte ich, die letzten vielen kleinen –und größeren – Unfälle auszublenden. Das würde ja eine Jagd werden, wenn ich mich wieder nicht konzentrieren konnte!
>>In Forks - was für eine Herausforderung.<< scherzte sie und verdrehte die Augen. Wo war sie die letzten Male gewesen, als ich sie gerettet hatte?!
>>Für dich ist es eine Herausforderung. Versprich es mir.<< Ich wollte mir nicht den ganzen Tag Sorgen machen müssen.
>>Ich verspreche, darauf Acht zu geben, dass mir nichts zustößt<<, sagte sie auf. >>Ich hab allerdings vor, heute Abend Wäsche zu waschen - dazu muss ich mich wohl oder übel in Gefahr begeben.<<
>>Fall nicht in die Maschine<<, spottete ich und lachte leise in mich hinein. Das wär mal was neues, sie aus der Wäschetrommel retten zu müssen.
>>Ich tu mein Bestes.<<
Dann stand sie auf und ich erhob mich ebenfalls.
>>Bis morgen<< Sie seufzte. Wenn sie genauso fühlte wie ich, würde sie mich schrecklich vermissen. Und…
>>Es kommt dir vor wie eine lange Zeit, oder?<<, wie mir, bis wir uns wiedersehen würden.
Sie nickte. Doch die Freude über ihre bedrückte Stimmung konnte meine bedrückte Stimmung nicht heben.
>>Bis morgen - ich werde da sein<<, versprach ich und strich vorsichtig über ihre Wange, den Tisch als Schutzschild zwischen uns, genoss das schmerzlose Brennen in meinen Fingern. Das Pulsieren wurde ungleich stärker. Wieder versank ich in ihren Augen. Ich hätte sie gerne an mich gezogen, mehr von ihr gespürt als nur ihre Wange. Aber das dufte nicht sein. Diese kleine Berührung würde mich über die Zeit bringen müssen, die ich von ihr getrennt war. Und vielleicht hatte ich sogar nach morgen nie wieder die Möglichkeit, sie zu berühren.
* * *

Wie erwartet, fand ich die Schlüssel zu ihrem Chevy in der Jeans, die sie Mittwoch getragen hatte, in der Waschküche im Wäscheeimer. Sie sah phantastisch in dieser Hose aus. Als sie sie anhatte, konnte ich den Blick nicht von ihrem knackigen… Ok, ich sollte mich nicht ablenken. Alice wartete draußen bestimmt ungeduldig auf mich, wir mussten den Wagen ja auch noch zur Schule bringen.
Schnell fand ich auf ihrem chaotischen Schreibtisch einen Zettel und einen Stift, um ihr auf dem Fahrersitz noch ein
Sei vorsichtig
mit auf den Weg zu geben. Ich fühlte mich damit sicherer. Besser. Sie sollte wissen, dass ich mir Sorgen machte. Und auch, dass sie sich welche machen sollte.
* * *

Ich musste mich extrem auf die Jagd konzentrieren. Alice machte es nicht besser. Gerade, als ich einen Elch erlegte, schrie sie laut auf. Überrascht und erschrocken ließ ich das Tier liegen und raste zu ihr. In ihrem Kopf waberten undurchdringliche Nebel, durch die leuchtend rote Augen bis in meine Seele zu blicken schienen.
Mit verschwommenem Blick stand meine Schwester kerzengerade auf einem Ast.
>>Alice? Alice, was…?<<
Sie schüttelte den Kopf.
Ihre Vision war jetzt ganz klar.
Ganz nah beieinander saß ich mit Bella auf einer Wiese, und wir sahen uns tief in die Augen.
Du hast Deine Entscheidung gefällt. Alice schrie vor Freude. Hab keine Angst, Edward. Es wird alles gut.
Bellas Augen waren wundervoll – wie flüssige Schokolade.
* * *

Sie hatte den Zettel in der Hand. Unbändige Freude erfüllte mein Wesen, als ich sah, dass sie mit meinem Zettel – mit einem Stück von mir – eingeschlafen war. Mein Blick fiel auf das Erkältungsmittel. Ein Schreck fuhr mir in die Glieder. War sie krank? Entgegen meiner sonstigen Art, es mir auf dem Schaukelstuhl bequem zu machen, ging ich so nah an sie ran, wie es mein inneres Brennen zuließ. Ich schluckte schwer. Ihr Duft und ihre Hitze mich hüllten mich so komplett ein, dass ich erschrocken einen Schritt zurückmachte. Das war zu viel. Zu gut. Das Monster in mir frohlockte und randalierte. Tief atmete ich ein und wieder aus. Ein und wieder aus. Darauf konzentrierte ich mich. Und setzte mich doch in den Schaukelstuhl. In akzeptable Entfernung.
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