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Geschichte: Fanfiktion
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von Tag-traum
erstellt: 22.09.2009
letztes Update: 14.07.2010
Geschichte, Drama / P16 Slash
(abgebrochen)
1. Tränen lügen nicht
Doch der Schein hält nie,
was er Dir verspricht.
Kehr endlich um.
Tränen lügen nicht.
was er Dir verspricht.
Kehr endlich um.
Tränen lügen nicht.
Das Mondlicht fiel in dünnen Streifen durch die Zwischenräume der Jalousie und kleidete die weiße Zimmerwand mit diesem Muster ganz neu ein. Die Lichter der Autos, die vorbeifuhren, setzten mit ihrem goldenen Schein strahlende Farbakzente und die neonblaue Leuchtwerbung, die sich auf dem Dach des Firmenhochhauses im Zentrum der Stadt befand und sich langsam um die eigene Achse drehte, gab dem Kunstwerk den letzten Schliff.
Jogi lächelte sanft. Ein Streifenpullover mit blauem Logo, dachte er bei sich, dann warf er einen Blick zur gegenüberliegenden Seite des Zimmers. Er seufzte, als er das leere Bett an der Wand sah. Das Bett seines Kollegen und Freundes Hans- Dieter.
„Hansi“ formten seine Lippen, aber er wagte es nicht es laut auszusprechen. Sein Herz klopfte bereits beim Gedanken an seinen jüngeren Assistenten und seinen Namen zu sagen hätte ihm nur wieder das Blut durch den Körper rauschen lassen, dass ihm hören und sehen vergangen wäre. Aber er würde wach bleiben und auf ihn warten.
*
Lippen berühren seine.
Feucht und etwas kühl.
Eine Hand streicht über seinen Oberkörper.
Wandert hinunter zu seinem Bauch.
Es fällt eine Bemerkung über seine Muskeln.
*
Wo er bloß steckte? Er kannte sich doch kaum aus in Berlin.
Die Decke lag noch völlig glatt auf dem Bett und auch sein Kopfkissen war vollkommen unberührt. Beim Training hatte er kaum einen Ton gesagt und Jogis Anweisungen befolgt, als wäre er nur ein Ballholer, der keine Fragen zu stellen hatte, sondern das tat, was man ihm sagte – und zwar möglichst schnell. Er schien Gesprächen geradezu aus dem Weg zu gehen. Als danach alle in ihre Hotelzimmer gehen durften, um sich auszuruhen und zu entspannen, hatte Hansi nur gesagt, er sei nicht erschöpft und anstatt sich etwas hinzulegen, saß er vor seinem Laptop und arbeitete Statistiken über die nächsten Gegner der EM Qualifikation aus. Jogi hatte ihn über den Rand seines Buches beobachtet, aber was er da sah gefiel ihm gar nicht. Vielleicht war er nicht erschöpft, möglich, aber irgendetwas fehlte ihm trotzdem. Seine Finger flogen schnell und unkonzentriert über die Tastatur, Jogi war sich nicht sicher, aber er glaubte erkannt zu haben, dass sie sogar zitterten, wenn er nach seinem Wasserglas griff.
Die Sache mit dem Handy hatte ihn ebenfalls stutzig gemacht. Hansi hielt es mit beiden Händen fest und starrte auf das kleine Display, als würde er auf einen Anruf warten, aber als es wirklich klingelte schien er sich fast zu Tode zu erschrecken und das Handy fiel ihm aus der Hand. Jogi hatte das Buch auf seine Brust sinken lassen und gefragt, ob alles in Ordnung sei, während Hansi seinem Sony Ericson hinterhergesprungen war und panisch danach griff. Ja... Entschuldige, hatte er ganz kleinlaut gesagt und war auf dem Balkon verschwunden. Die Tür hatte er fest verschlossen. Das Gespräch ging Jogi ja auch nichts an, aber es war ein komisches Gefühl, wie Hansi sich von ihm abschottete. Er war so ausgewechselt.
*
Fingerspitzen berühren den Gürtel seiner Hose.
Er hält den Atem an.
Der Knopf wird geöffnet und das Geräusch eines Reißverschlusses erklingt.
Langsam. Schrecklich langsam.
*
In den Anfängen ihrer Zusammenarbeit war er ein ganz anderer gewesen. So aufgeschlossen, vielseitig und fröhlich. Das war Jogi schon aufgefallen, als sie sich kennengelernt hatten.
Niemals würde er den Tag vergessen, an dem er und Hansi sich das erste Mal getroffen hatten.
Er kannte ihn nur von aufgezeichneten Fußballspielen, Bildern und aus Erzählungen anderer Trainer und Spieler, die ihn alle in höchsten Tönen lobten. Begegnet waren sie sich zuvor noch nie, aber er war sich sicher, er sollte sein Co- Trainer werden.
Sie hatten sich nach dem ersten Anruf in einem Café getroffen, ganz unverfänglich, wie Jogi fand, um den ehemaligen Bayernspieler nicht gleich zu überrollen.
Natürlich war er ein bisschen nervös, als er auf ihn wartete, alles andere wäre arrogant gewesen, aber er war sicher, das würde sich legen, wenn sie im Gespräch waren. Doch dann ging die Tür auf und ein Mann, etwas kleiner als Jogi, mit hellbraunem Haar und strahlend blauen Augen, blickte sich etwas orientierungslos im Café um. Jogi saß plötzlich ein schrecklicher Kloß im Hals. Das war er? Das war Hansi? Als dieser ihn erblickte lächelte er erleichtert und steuerte seinen Tisch an. Jogi wäre am liebsten immer kleiner geworden und hätte sich in seiner Espressotasse versteckt. Dann stand er vor ihm und reichte ihm die Hand – sein neuer Assistent.
„Hallo Herr Löw. Vielen, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich wirklich riesig, Sie endlich zu treffen. Wir haben uns ja eigentlich noch nie zuvor gesehen, also ich bin Hans- Dieter Flick. Ich weiß ja nicht, wie das bei Ihnen so üblich ist, aber mich dürfen Sie gerne Hansi nennen und duzen. Ich bitte sogar darum.“, sagte er, fast ohne Luft zu holen und lächelte dabei glücklich. Jogi schluckte, bevor er zu sprechen begann. Sein Herz pochte so laut, dass er befürchtete, Hansi könnte es hören. In ihm war der Teufel los und Schuld war der Mann ihm gegenüber. Dieser unglaublich attraktive Mann in dem Streifenpulli mit blauem Logo.
*
Seine Hose liegt auf dem Boden.
Sein Pullover ebenfalls.
Der Schweiß steht ihm auf der Stirn, aber er friert trotzdem erbärmlich.
Seine Hände krallen sich ins Laken.
*
Wie oft hatte Jogi versucht sich auszureden, dass Hansi ihm gefiel. Das durfte doch einfach nicht sein. Allein schon, weil er verheiratet war. Was waren das für schreckliche Nächte gewesen, in denen er mit seiner Frau geschlafen hatte, um zu beweisen, dass er nur sie wollte, aber immer wieder Bilder von Hansi vor seinem geistigen Auge aufgetaucht waren. Jogi fühlte sich fast schon von ihm beobachtet, auch wenn er wusste, dass er ihn nur in seinen Gedanken anschaute. Aber es half kein Dagegenreden, es machte ihn nervös, unsicher und war die Ursache dafür, dass er den Sex immer häufiger vorzeitig beenden musste. Seine Frau hatte ihm geraten, doch mal zum Urologen zu gehen, doch Jogi wusste, dass er nicht krank war und dass er auch ganz sicher keine Potenzprobleme hatte. Alles was ihm fehlte war... Hansi. Selbst, als er eingesehen hatte, dass dieser eine unglaubliche Wirkung auf ihn ausübte, versuchte er das Gefühl zu bekämpfen. Das war doch absurd, dass ihn ein Mann so beeindrucken konnte. Absurd, peinlich und in seiner Situation als Prominenter absolut gefährlich.
Aber irgendwann hatte er aufgehört sich zu wehren und die Dinge einfach laufen lassen. Jetzt war er verliebt bis über beide Ohren, aber es war ihm egal, denn er fühlte sich wohl, wenn Hansi bei ihm war, ganz gleich, dass er wohl niemals eine Chance hatte. Das wäre einfach zu viel verlangt und deswegen hatte er gelernt, die Stunden mit ihm einfach zu genießen. Ewig würde er diesen Trainerjob auch nicht machen können und dann würde auch Hansi andere Wege gehen, aber bis dahin würde er die Zeit mit ihm genießen.
*
Eine Hand zieht an seiner Unterhose.
Starr blickt er an die Zimmerdecke.
*
Jogi hatte fast jede freie Minute mit Hansi verbracht und in der trainingsfreien Zeit hatten sie oft telefoniert. Er hatte den Bonus des Trainers, der es möglich machte, dass ein Anruf von ihm immer als wichtig galt – er war schließlich so etwas wie Hansis Vorgesetzter. Aber ihr Verhältnis zueinander erinnerte trotzdem mehr an zwei beste Freunde als nur an Kollegen.
Manchmal hatten sie sogar Kissenschlachten auf dem Bett veranstaltet und sich danach völlig erschöpft vor Lachen übereinander fallen lassen. Co- Trainer über Trainer. Hansi hatte sich nie dazu geäußert, aber es schien ihm völlig egal zu sein, über einem anderen Mann zu liegen. Sie waren sich so nah gewesen und keine unsicheren Blicke hatte die Situation zerstört, denn sie fühlten sich gut damit. Gut, verrückt und jung.
Doch im Laufe der Zeit hatte Jogi festgestellt, dass Hansi seine Freude und sein wunderschönes Lächeln verloren hatte. Er machte sich oft Vorwürfe, dass er ein schlechter Chef und Hansi einfach unglücklich bei ihm war oder vielleicht sogar gemerkt hatte, dass sein Herz bis zum Hals schlug, wenn sie sich so nahe standen. Er zog sich immer mehr zurück, wurde ruhiger, verschlossener und für Journalisten nicht gerade zum vielsagendem Interviewpartner. Jogi überlegte seit Wochen, was ihm fehlen könnte. Zum Fragen fehlte ihm wiederum der Mut. Vielleicht hatte Hansi Stress mit seiner Frau... aber das hatte er ja auch und wurde deshalb nicht gleich zum Einsiedlerkrebs, wie Oliver Hansi spaßeshalber einmal genannt hatte. Und wo war er jetzt? Noch einmal draußen hatte er, sehr kurz angebunden, gesagt. Es war komisch und Jogi machte sich wirklich Sorgen um ihn.
*
Nackt. Vollkommen nackt. Körper und Seele.
Die raue Stimme neben ihm haucht ihm ins Ohr: „Na los, dreh dich um...“
Er tut es. In seinen Augen – Angst. Nichts als Angst.
*
Dabei hatte Jogi doch extra diese Woche Spezialtraining in Berlin veranlasst. Es sollte sich die Gemeinschaft nicht nur auf dem Spielfeld verstärken, sondern auch außerhalb. Die Spieler fassten die Idee gut und richtig auf. Neue gemeinsame Interessen wurden entdeckt, Konflikte, die entstanden, konnten gleich gelöst werden und mussten nicht, bis man sich das nächste Mal sah, in sich hineingefressen werden und man tauschte sich auch spielkritisch offener aus, als sonst. Es war Jogis kleines Experiment gewesen, die Presse wusste nichts davon und das sollte auch so bleiben, denn Ruhe und klare Köpfe waren für die Spieler ebenfalls wichtig. Es sollten sich alle wieder näher kommen und insgeheim hatte er gehofft, dass dies auch bei Hansi und ihm klappen würde, doch es schien eher das Gegenteil zu bewirken.
Draußen auf dem Flur ging plötzlich Licht an, was Jogi durch den unteren Spalt der Zimmertür sehen konnte. Dann hörte er Schritte auf dem Gang, die allerdings nicht nach Hansi klangen. Langsam und schwer. Doch dann wurde wirklich eine Karte durch den Scanner gezogen und die Tür ging auf. Hansi war zurück. Jogis Herz klopfte vor Aufregung. Solange die Tür offen war, konnte er ihn im vollen Licht sehen. Turnschuhe, Jeanshose und... Streifenpulli mit blauem Logo. Er musste lächeln, doch das verging ihm, als er in Hansis Gesicht blickte. So mitgenommen und leidend hatte er ihn noch nie gesehen. Und waren da nicht sogar... doch Hansi schloss in diesem Moment die Tür hinter sich und das Zimmer wurde wieder in Dunkelheit getaucht. Jogi blieb ganz ruhig liegen und beobachtete seinen Co aufs Genauste, der seine Sachen bis auf die schwarze Unterhose auszog, völlig erschöpft scheinend zu seinem Bett schwankte, sich darauf fallen ließ und bewegungslos liegen blieb. Jogi stockte fast der Atem. Was um Gottes Willen war mit ihm passiert, dass er so entkräftet war, dass er es nicht einmal schaffte, sich die Decke überzuwerfen? Oder war es ihm einfach egal ob er eine Decke hatte? Aber es würde doch kalt werden, wenn er schlief, verdammt kalt. Jogi überlegte noch, ob er zu ihm gehen sollte, aber seine Gedanken wurden von einem leisen Schniefen unterbrochen. Er hatte also doch richtig geschaut, als Hansi in der Tür stand. Er hatte Tränen auf seinem Gesicht. Jogi brach es fast das Herz, den Mann, den er liebte so verzweifelt schluchzen zu hören und so überlegte er gar nicht erst länger, sondern stand auf und ging zu ihm. Je näher er ihm allerdings kam, desto unsicherer wurde er auch, weil er weder wusste, was er tun noch was er sagen sollte.
Mehr als ein „Hey, kann ich dir irgendwie helfen?“ brachte er allerdings nicht heraus. Hansis Schluchzen brach abrupt ab. Natürlich, dachte Jogi, es wird ihm peinlich sein. Nach ein paar Sekunden der Stille kam eine leise Antwort.
„Nein, ist schon in Ordnung. Es geht mir gut. Mach dir keine Sorgen.“
In Ordnung? GUT? Keine Sorgen? Er konnte doch nicht ernsthaft denken, dass Jogi ihm das so abkaufen würde. Aber in der Wunde herumstochern, jetzt wo sie noch so frisch zu sein schien? Das kam ihm auch nicht richtig vor.
„Du musst dich zudecken. Man friert ganz schnell, wenn man schläft und ich will nicht, dass du morgen erkältet bist.“, sagte Jogi und strich Hansi zärtlich über den Arm. In welchem Verhältnis wohl eine Erkältung zu dem stand, was ihn so beschäftigte? Aber Männer weinen nicht wegen kleinen Dingen. Es musste schon etwas sehr Schlimmes sein. War etwas mit seiner Frau? Vielleicht kein Streit, sondern eine Krankheit? Daran hatte er noch gar nicht gedacht.
„Ist mir egal.“, kam als Antwort. Jogi fühlte sich vor den Kopf gestoßen. Warum nur wollte er sich ihm nicht anvertrauen? Das hatte er doch immer gemacht. Schließlich stand er auf und holte aus dem Kleiderschrank eine dunkelbraune Wolldecke, die er dann langsam über Hansis halbnackten Körper legte. Halbnackt. Jogis Herz fing wieder an laut zu klopfen. Er lag da wirklich in beinah voller Schönheit vor ihm. Aber Jogi glaubte, selbst wenn er ganz nackt gewesen wäre, er hätte sich keinen Zentimeter mehr bewegt und es wäre ihm egal gewesen. Um nicht auf dumme Gedanken zu kommen, ging Jogi wieder zurück in sein Bett. Er hatte kaum die Augen zu, da hörte er, wie Hansi sich doch bewegte und als er sie kurz öffnete um zu sehen, was er, ihm gegenüberliegend, tat, stellte er glücklich fest, dass er sich zu ihm gedreht hatte und ihm zulächelte.
„Danke“, sagte Hansi leise und auf Jogis Gesicht erschien ein sanftes Lächeln.
„Dafür nicht.“, sagte er und beide lächelten sich nun zu.
„Schlaf gut.“, kam noch von Seiten Hansis, bevor er die Augen schloss.
„Du auch.“, antwortete Jogi und wiederholte es noch einmal leise zu sich selbst. „Du auch.“
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